blog.fohrn.com

Kein Sync mit Nazis oder: Schwachsinn in der Facebook-Debatte.

Ich weiß ja nicht warum, aber wenn man bestimmte Themen anfasst, kann man sich sicher sein, leidigen Nazi-Spam zu bekommen. Einen besonders dummdreisten will ich Euch an dieser Stelle nicht vorenthalten.

Aber zuerst zur Vorgeschichte: Was ich gestern über die Anachronismen im Umgang mit persönlicher Kommunikation – also mit dem Umgang mit nicht mehr ganz taufrischer ITK-Technik auf der einen Seite und der Reduktion des eigenen Kommunikationsverhaltens auf ein sinnvolles Maß auf der anderen Seite geschrieben habe, meine ich durchaus ernst. Ich bin mir vollends darüber bewusst, dass ich nicht diktieren kann, wie ich gerne kommunizieren würde – es sei denn, ich hätte die Absicht, mich sukzessive zu isolieren – aber ich wollte schon ein wenig den Stachel ins Fleisch bohren und zeigen, dass die „natives“ von den „visitors“ durchaus lernen können. Alles in einem gerüttelt Maß, versteht sich.

Scheinbar ist es mir aber gelungen, mich so missverständlich auszudrücken, dass ein Nazi-Verschwörungstheoretiker sich gestern bemüßigt fühlte, Nonsens zu posten.

Klar – in aller Regel lösche ich solche Kommentare kommentarlos – der hier ist aber so widerlich und so dumm – dabei aber gefährlich reizwoll formuliert, sich als intelligent tarnend, dass ich Euch zumindest Auszüge daraus zumuten möchte – selbstverständlich nicht unkommentiert.

Gestern also schrieb „asdf“ über den Host bluewin.ch (ich nehme mal an, hier hatte wer Thor o. ä. im Einsatz):

Hitler und Gaddafi hatten recht: das amerikanische Zins-Judentum hat schon längst die Weltherrschaft angetreten und scheint sogar (via Facebook und Mark Zuckerberg) die Aufstände in Nordafrika zu synchronisieren bzw. zu organisieren.

Aaarg! Dass sich dieser gedankliche Sondermüll nicht abstellen lässt!! Es ist grausam. Wenn ich spekulieren sollte, woher Menschen solchen Unsinn aufschnappen, dann würde ich ja spontan auf Jan Udo Holey aka. van Helsing tippen. Zu sagen bleibt zweierlei: Erstes gibt es kein amerikanisches Zins-Judentum – das ist nicht nur antisemitischer Bullshit sondern auch sachlich schlichtweg falsch. Damit bricht aber die Verschwörungstheorie schon zusammen. Pech für asdf. Wenn man es sich genauer betrachtet: Zuckerberg mag ja einem jüdischen Elternhaus entstammen, aber weder ein Zahnarzt noch eine Psychologin haben das Geld auf dem Stack, das nun Richtung Facebook fließt, weder er noch seine Eltern konnten Gelder einbringen, die zur rein technischen Realisierung der Verschwörung vonnöten gewesen wären. Zuckerberg hatte meines Erachtens mit dieser Facebook-Sache noch nicht einmal den richtigen Riecher sondern einfach nur unverschämtes Glück. Das hat er aber schnell erkannt und festgehalten. Peter Thiel, der Zuckerberg 2004 die ersten 500k US-Dollar gab, ist kein Jude, er ist Republikaner und unterstützt massiv die fundichristliche Tea-Party-Bewegung.

Das ist allgemein bekannt. Nur scheinbar wissen das dumme Nazis nicht. Der Link zwischen Hitler und Gaddafi ist so extrem schwachsinnig – dazu nun wirklich kein Kommentar.

Und so wundert es nicht, dass auf diesen Schwachsinn gleich der nächste Schwachsinn folgt:

Wie schon Hitler wusste: das grösste Kunstwerk ist ja nicht ein Gemälde, sondern die Synchronisation von 50 Mio Leuten (bei Facebook sogar 500 Mio).

Was jeder Mensch weiß, scheinbar aber unser Nazi nicht: Die Synchronisation von 50 Millionen „Leuten“ (allein dem Duktus nach dürfte sich unser Nazi-Spammer wohl im süddeutschen Raum bewegen – wer spricht sonst von „Leuten“) führte dazu, dass ein Gutteil Europas in Schutt und Asche lag. Diese „Synchronisation“ ist nichts wofür Bewunderung gezollt werden darf – diese „Synchronisation“ ist das größte Verbrechen der Menschheit. Nicht weniger. In diesem Kontext von einem „Kunstwerk“ zu sprechen ist nur widerlich.

Facebook „synchronisiert“ in erster Linie mal niemanden, dazu ist Facebook schlichtweg nicht in der Lage. Ob die Aufstände in Ägypten oder Tunesien historisch richtig als „Facebook-Aufstände“ bewertet werden dürfen , ist für mich indes höchst fraglich. Mubarak seterschwörungsthete neben kabelgebundenen IP-Netzen auch weite Teile der Mobilfunkkommunikation temporär aus – die Kommunikation klappte dennoch. Daher steht auch zu bezweifeln, dass expressis verbis Facebook das auslösende Element war. Ich will auf eine Erfahrung hinaus, die Mitglieder des Berliner Chaos Computer Clubs in ihrer monatlichen Sendung Chaosradio vom 24. Februar 2011 beschrieben: Hier ging es um Gateways für die abgeschaltete IP-Kommunikation und wie diese mit etwas outdateter Technik aus dem Ausland in Ägypten bereitgestellt werden könnte. Augenfällig hier: Auch ein Speech/SMS to twitter-Gateway, Amateurfunkstationen, Faxdienste… waren in diesen Tagen wertvoll wie IP-Kommunikation, die man via 28.8/56k-Modem bereitstellte. Facebook hat zweifelsohne eine wichtige Rolle gespielt – dies liegt aber nach meinem Kenntnisstand nicht an der spezifischen Beschaffenheit sondern der Verfügbarkeit.

Und unser Nazi-Sprallo schreibt weiterhin:

Wann gibt es mal einen Aufstand bei den Facebook-Mitgliedern?
Wann rotten sich nicht mal 5 Mio davon zusammen (z.B. via Facebook) und beschliessen, heute um 12.00 Uhr (GMT) ihren Facebook-Account zu löschen?

Oh, Du Depp. Ich soll also via Facebook organisieren, aus Facebook auszutreten? Nun, das klappt genau einmal. Dann kann ich via Facebook nichts mehr organisieren, weil ich kein Facebook mehr habe. Dann hat Facebook also 1% seiner Mitglieder verloren und der Rest bekommt davon nichts mit (gesetzt den Falles, dass Facebook 500 Mio. aktive Mitglieder hat, woran ich ebenfalls zweifle). Nee, Nazi-Dumpfbacke, so funktioniert das mit Social Media nicht, denn so sägt man sich nur den sprichwörtlichen Ast ab, auf dem man gerade sitzt. Wer eine Austrittswelle organisieren will, muss sich erstens einen Verbreitungsweg suchen, der Wellenbewegungen zulässt (Facebook zum Beispiel) und zweitens den „leavern“ auch eine gangbare Alternative anbieten – denn sonst wollen die Leute nicht weg. Die von mir gestern beschriebenen Anachronismen sind gangbare Alternativen – aber eins sind sie definitiv nicht: Kampagnenfähig. Ich will auch keine Kampagne – Du, spammender Nazisprallo, willst eine. Dann sieh mal zu, wie Du das hinbekommst – so jedenfalls wird das nix. „Wellen“ im Netz sind ja nichts anderes als zyklisch ablaufende Prozesse mit einer vorhandenen, aber sich stetig reduzierenden Schubkraft, deren Peaks sich deutlich über ein existierendes Grundrauschen erheben. Um diese Wellen in Gang zu bekommen, bedarf es einer ersten Anschubkraft. Die allein bringt niemand auf, daher bedarf es vielen Gleichgesinnten, die ein unterstützenswertes Ziel voranbringen. Damit sie das tun, müssen sie erst einmal überzeigt werden und sich dann „in Bewegung“ setzen. Aus der Summe dieses Schwarms ergibt sich die benötigte Schubkraft. Es steht gottlob nicht zu erwarten, dass dieser Schwarm so dämlich ist, auf das Geseiere von Nazi-Verschwörungstheoretikern hereinzufallen. Deshalb wird auch nichts aus dem rechtsradikelen Facebook-Quit zur Stichzeit.

Aber eben: heute wird alles zensiert und Mutige gibt es eh schon längst nicht mehr. DSK wird übrigens dank bester Anwaltschaft in New York sowieso frei kommen.

Dummes Nazi-Geseiere zu zensieren ist in der Tat keine Option, denn dann würde ja niemand mitbekommen, wie hohl ihr Faschos eigentlich seid. Aber diesen Dumpfsprech unkommentiert durchzulassen, ist auch nicht. Daher, lieber Fascho der Du dich hier „asdf“ schimpfst: You made my day und ich widme deiner Scheiße ein ganzes Post. Du hast das Exempel Deiner eigenen Dummheit hier öffentlich selbst statuiert. Na, Fascho, bist Du jetzt stolz?

P.S.: Was hat Dein Sermon denn bitte mit Strauss-Kahn zu tun? Bekloppter…

P.P.S.: Disclaimer: Der in den Zitierfeldern abgebildete Kommentar ist hier vollständig wiedergegeben. Der Kommentar wurde zum Artikel „Anachronismen für ein freieres Leben“ vom 15. Mai 2011 unter der IP: 81.62.251.230 , 230-251.62-81.cust.bluewin.ch uam 15. Mai 2011 um 23:47:57 Uhr abgegeben. Derr Autor distanziert sich von allen in den Kommentarfeldern getätigten Äußerungen, die hier nur zu dokumentarischem Zwecke dargestellt wurde.

Anachronismen für ein freieres Leben.

Das ich mich bislang erfolgreich geweigert habe, bei Facebook meine Daten einem gewissen Herrn Zuckerberg nebst einem Konsortium überwiegend russischer und US-amerikanische Investoren in den Arsch zu blasen, müsste den regelmäßigen Lesern hier bekannt sein. Aber ich habe eine gewisse Freude, das zu jeder sich bietenden Gelegenheit zu wiederholen, daher stelle ich diese Aussage auch an den Anfang dieses Posts. Sonst nutze ich in geringen – aber existierenden Dosen – das Social Web. Eine erste Nutzung ist dieses Blog – das fällt bereits auf das Jahr 2005 zurück, allerdings hat es mir 2007 mal einen Server zerrissen und so habe ich das erst Ende 2008 wieder aufgenommen. Und dann gibt es da noch Twitter und Youtube. Meinen flickr-Account habe ich gerade vor zwei Tagen geplättet, bei webshots liegt noch ein kleiner Bunch an Fotos. Und dann habe ich mit dem E7 ein halbwegs aktuelles und für meine Verhältnisse hochintegriertes sog. „Smartphone“ (wobei: smart wird so ein phone doch erst, wenn der Nutzer was smartes damit macht – ich tue das ausdrücklich nicht, ich telefoniere und höre Podcasts mit dem Teil).

Das mit dem Social Web ist so eine Sache: Wenn ich mir vor Augen halte, welche Unsummen derzeit in Facebook investiert werden, fühle ich mich an Zeiten des „Neuen Markts“ erinnert – Facebook und Co. könnten die vom Platzen bedrohte Blase dieses Jahrzehnts werden. Jedes Jahrzehnt braucht so eine Blase – Anfang der 90er sind den Konzernen ihre Akquisitionen um die Ohren geflogen, Anfang der 2000er dann Biotech-Zeugs, E-Commerce und Dotcom-Sachen und Kimbles Unfug und facebook und Konsorten werden wohl die Geldvernichtungsmaschine unserer Tage.

Anders lässt sich wohl kaum erklären, dass Microsoft Milliarden (sic!) in Skype investiert. Milliarden! In einen Dienst, in dem man mit einem gerüttelt Maß an Latenz im Internet „telefonieren“ kann – wenn man bereit ist, die skurrile Darbietung, die Menschen abgeben, von einem Notebook kniend, brüllenderweise in ebendiesen hineinkriechen zu wollen, telefonieren zu nennen. In Zeiten von Flatrates Milliarden! Ich bekomme das monatliche Minutenkontingent auf dem Handy nur dann annähernd platt, wenn man mit täglich mehrere Rückrufbitten auf das Gerät ballert. Eine Festnetzflatrate ist bei vielen Verträgen – mobil wie immobil – fester Bestandteil. Die Telefonfirma, die meinen heimischen Anschluss stellt, rechnet mit für eine Flatrate für Gespräche innerhalb Europas und den USA etwa vier Euro monatlich extra ab. Und die Pfeifen von Microsoft blechen für Skype Milliarden. Es ist unfassbar.

Noch interessanter ist, dass ebendies Social Web professionelle Marketing-Betrüger anzuziehen scheint, wie der Roßapfel die Fliegen. Wie das bei Facebook funktioniert, wissen wir: „Likes“ kann man im Dutzend im Tausenderpack klicken, ob Freunde echte Menschen oder nur mehr oder weniger gut ausgestopfte Sockenpuppen sind, weiß heute niemand mehr. Auch ich habe mir mal so einen Sockenpuppen-Account bei Facebook geklickt, um zu sehen, was das überhaupt ist und wie das funktioniert, ich bin aber nicht mehr im Besitz desselben, weil ich die Logindaten vergessen habe und mein Passwort kann ich mir auchnicht mehr auf die einstmals verwendete Wegwerfadresse senden lassen – die ist bereits im digitalen Nirwana, im Meer der Einsen und Nullen aufgegangen.

Kein Facebook zu haben ist schon was tolles, es gibt immerhin das gute Gefühl, nicht beschissen zu werden. Die Zahl der Facebook-Mitglieder, man handelt sie auf 500 Millionen oder gar mehr, dürfte sich unter Einbeziehung dessen, was der gesunde Menschenverstand anmahnt, auf einen Bruchteil reduzieren, um die Realität abzubilden.

Es stand ja zu befürchten, dass das bei YouTube ähnlich ist, aber so richtig hatte ich das noch nicht auf dem Zettel. Nun ist Gewissheit, was viele vermuteten: Markus Hündgen vom ZDF Hyperland hat sich mal ein gerüttelt Maß fünfstelliger Klicks für ein YouTube-Video in Pakistan gekauft – für eine Hand voll Dollar – und führt damit, vielleicht ohne es zu wollen, diese ganze Klick-, Views- und Like-Scheiße und damit in letzte Konsequenz das ganze Social Web ad absurdum.

Klicks, Likes und Views sind der Heilige Gral des Social Webs – denn deren öffentlich kundgetane Anzahl schaffen eine Art Testimonial über die Güte. Nur: Dieses Testimonial ist keines, denn es ist nicht einmal aus Gefälligkeit geschehen sondern einfach gekauft. Die Nuss ist hohl, so einfach ist das.

Gut, wenn Follower Bots sind, wenn Likes und Views gekauft, Klicks in der Dritten Welt generiert sind, wenn sich also für das Zeug, was man tut, keiner interessiert, dann kann man es auch lassen. Das einzige, was wirklich etwas bringt, ist echter, vernünftiger Content. Und da ist es dann auch wurscht, wie viele den ansehen, wichtig ist nur, dass er von Leuten zur Kenntnis genommen wird, die sich wirklich dafür interessieren. Fünf interessierte Leser sind wertvoller als 4 999 995 Likes o. ä. (denn da habe ich ja nur dumm Geld ausgegeben, um diese 4 999 995 Leser, Liker oder Viewer generieren zu lassen). Eine Binsenweisheit? Offensichtlich nicht. Nach der letzten Lektüre eines Magazins, dass sich da „t3n“ schimpft, hatte ich das Gefühl, dass Marketingexperten anderen Marketingexperten um jeden Preis genau diese Wahrheit auszureden suchen. Der Grund ist offensichtlich: Erstere „Marketingexperten“ klicken einfach lieber mit dem Geld des Kunden 4 999 995 Leser, Views Klicks, Likes…. als guten Content zu erschaffen (was nämlich Zeit kostet und Können erfordert – letzteres sucht man bei den selbsternannten Experten gerne vergebens).

Wenn andere Leute das Geld anderer Leute verschwenden, ist das im Prinzip nicht mein Problem – sollen sie nur machen. Dumm nur, wenn ich selbst „Teil“ eines dieser sogenannten Sozialen Netzwerke bin, denn dann bin ich ständig mit diesem künstlich nach oben gepushten Auswurf der Marketingexperten“ konfrontiert. Bei meiner Sockenpuppe hatte ich weiland das Gefühl, dass da nur Schrott bei rumkommt. Es ist fast so, als müsste man bei einer Tageszeitung mit der Seitenzahl des Otto-Katalogs die redaktionellen Beiträge händisch aus 99 Prozent Advertisment heraussuchen. So viel Lebenszeit lasse selbst ich mir nicht stehlen.

Ein wenig mehr Verunsicherung gefällig? Per definitionem von Professor Kruse wäre ich ein „digital visitor“, der deshalb nicht voll im Social Web aufgeht, weil er sich nicht mit seiner Identität voll hineingibt. Und: Wenn dem so ist freue ich mich über mein Dasein als „digital visitor“, denn ich müsste ja komplett bescheuert sein, meine Identität auf dem Altar der „Marketingexperten“ opfern zu lassen. Ganz so einfach ist es dann leider doch nicht,, irgendwie bin ich dann schon ein Resident – falle eben nur dadurch aus dem Raster, dass ich meine Souveränität dadurch wahre, vieles von dem, was ich im Web tue, auf eigenem Server auf Grundlage freier Software umzusetzen und möglichst wenig mit externen Plattformen zu erledigen.

Aber: So ein Leben als „digital visitor“ wäre gar nicht schlecht.

Wer jetzt stutzt und sich gerade fragt, was ich da schreibe, der möge sich nun vierzig Minuten Zeit nehmen und sich den Vortrag von Professor Kurse von der re:publica 2010 zu Gemüte führen. Ich denke, dass uns die hier geäußerten Kenntnisse in den nächsten fünf Jahren sehr nützlich sein werden. Hier. Jetzt. Gucken!

So, das war nun also der Bildungsteil.

Wie nun aber mit diesem Social Web umgehen, dass man nicht ständig Fakes aufsitzt? Die Lösung liegt in der Verwendung gut eingeführter Techniken nach alter Väter Sitte. Ein paar Impulse dazu habe ich bereits:

Zuerst einmal betrachte man sich das Telefon. Früher waren Telefone ortsgebundene Apparate, was den Vorteil mit sich brachte, dann nicht erreichbar zu sein, wenn man nicht erreichbar war. Das Handy hat das grundlegend geändert. In Deutschland gibt es mehr aktive SIM-Karten als Einwohner, was nichts anderes bedeutet als den Umstand, dass nicht nur quasi jeder einen dieser kleinen Quälgeister in der Tasche hat sondern ein immerhin präsenter Anteil der hier lebenden Menschen mehr als eins davon. Das Handy ist eine echt nette Sache – nur man muss den Umgang damit neu erlernen und sich nicht davon abhängig machen. Dienstliche Anrufe haben zum Beispiel auf dem Privatapparat nichts verloren. Den Fehler, alles und jedes Gespräch auf dem Handy anzunehmen, habe ich lange gemacht. Das tue ich nicht mehr – Freiheit gewonnen!

Dazu gehört natürlich auch, reale und potenzielle Anrufer ein wenig zu erziehen. Diese Erziehungsmaßnahme wird dann unterstützt, wenn man sich noch im Besitz eines echten Festnetzanschlusses befindet. Das Praktische hieran: Je nachdem, wen man wann wo sprechen will, gibt man den entsprechenden Personen die jeweilige Nummer. Auch das ist nicht ganz leicht zu entscheiden: Früher gab man einfach Festnetz- und Mobilnummer auf einer Visitenkarte, man konnte sich sicher sein, dass Gespräche zuerst einmal auf dem Festnetz aufliefen, denn das war für gewöhnlich die billigste Variante des Telefonierens. Wurde man dann nicht erreicht und war es wirklich dringend, versuchte man es auf dem Handy. Heute gibt es diese Gewissheit nicht mehr – die Leute rufe gleich auf dem Handy durch – in der Erwartung, dass man gleich mit ihnen spricht. Eigentlich eine Unverschämtheit.

Einstmals waren Handys Statussymbole. Heute kann man sie im Supermarkt kaufen. Grund genug, einmal darüber nachzudenken, wie man mit dem Ding umzugehen gedenkt. Dumm nur, dass Festnetzanschlüsse verschwinden. Wer es sich „leistet“, auf einen solchen zu verzichten, der muss sich echt was überlegen. Ab und an abschalten kann zum Beispiel ein erster Schritt in die richtige Richtung sein.

So ein Festnetzanschluss bringt einen nicht nur in den Genuss günstiger Auslandstelefonate, er ermöglicht auch, dann Gespräche zu führen, wenn man sich auf den Gesprächspartner konzentrieren kann und Zeit dafür hat. Ein durch fast nichts zu ersetzendes Mittel, um dies noch ein wenig zu verfeinern und die Kommunikation verbindlicher zu gestalten, entstammt längst vergangenen Tagen – den 1980er Jahren. Der Anrufbeantworter ist, setzt man ihn halbwegs zuverlässig ein, ein echt wertvolles Ding. Wenn ich nicht da bin, kann man mir eine Nachricht hinterlassen – ich rufe sogar gerne zurück, und zwar dann, wen ich mir Ruhe geschaffen habe und mich auf ein Gespräch wirklich einlassen kann. Wenn der Anrufer auf dem Band hinterlässt, was er möchte, kann ich mich auf das Telefonat sogar vorbereiten – solche Telefonate sind nett, effektiv und ungestört. Ein guter Anrufbeantworter ist für mich ein altes Gerät. Seines Sprachqualität ist höher als die von Mailboxen, sein Kassettenband gibt dem Anrufer den Raum, auch komplexe Anliegen stressfrei artikulieren zu können und eine Kassette vergisst ihren Inhalt auch dann nicht, wenn mal der Strom wegbleibt.

Radio hören und Zeitung lesen ist eine gute Möglichkeit, sich abseits des web-eigenen Grundrauschens intensiv zu informieren: Ein guter Kommentar steht selten auf SPON, in jeder Tageszeitung wird man fündig. Eine ernsthafte Analyse mit Originaltönen ist Sache des Deutschlandradios oder von hr2. Facebook bringt hier genau nichts. Ein Fachbuch birgt in der Regel mehr Tiefe als ein Wiki-Eintrag. Schnell einen Überblick darüber zu gewinnen, was los ist – hier kann Twitter schon helfen. Wer aber Entscheidungen treffen, Zusammenhänge verstehen, sich eine fundierte Meinung bilden will, dem nutzt der reine Überblick herzlich wenig.

Freunde? Sie zum Essen einzuladen, mit ihnen einen Schrank aufzubauen, feiern – das ist wertvoll. Jemanden zu „gruscheln“ (obwohl – nicht einmal das tut man heute mehr) den man selbst dann nicht in den Arm nehmen wollte oder könnte, wenn er weint, verzweifelt ist, ist völlig wertlos. Facebook zur Freundschaftspflege hat etwas von einem Knastbesuch in amerikanischen Spielfilmen: Man sieht sich durch eine Scheibe und flüstert über die Gegensprechanlage, immer unter dem scharfen Blick eines wachsamen Wärters. Das dumme daran ist nur, dass dieser Knastbesuch in amerikanischer Blockbustermanier wesentlich persönlicher ist als alles, was sich über Facebook abbilden lässt.

Zeitungen zu lesen, gar Bücher, Radio zu hören – Freunde persönlich zu treffen, Telefonate in Ruhe zu führen – ein Anachronismus im Jahre des Herren 2011. Der bringt Freiheit und Intensität. Darum geht es. Das Social Web mit allseinen Vorzügen und Annehmlichkeiten kann dies alles nicht ersetzen. Es könnte es selbst dann nicht, wenn sein Content wertvoller wäre und es frei und ungezwungen in Abwesenheit dieser Marketeers zuginge. Das macht das Social Web nicht schlecht – nur seine Grenzen muss man kennen.

Es geht hier nicht um Technikverweigerung – das ist denke ich klar geworden. Es geht hier zum einen um einen realistischen Umgang mit den eigenen Daten und im Besonderen um einen überlegten Umgang mit persönlicher Kommunikation – einer Kommunikation, die das Attribut persönlich auch verdient. Die „visitors“ sind hier – das muss auch ich demütig anerkennen – den „residents“ deutlich im Vorteil. Denn eine wirklich persönliche, weil erthaltige Kommunikation bedeutet mehr Lebensqualität (weil mehr Intensität und weniger Stress). Nichts spricht dagegen, in Twitter einen besseren Feedreader zu sehen, nichts spricht dafür, seine Lebenszeit im Fakebook zu verbammeln. Sich dabei althergebrachter Mittel zu bedienen ist kein Nachteil: Zu Zeiten, zu denen Ressourcen technischer Natur teuer und knapp waren, setzten sich die sinnvollen durch. Heute, da IP-basierend quasi jeder Sinn wie Unsinn anbietbar ist, ist es schwieriger, sinnvolle Kommunikationsinstrumente zu finden. Twitter gehört durch den Kniff der Reduzierung sicher zu den sinnvolleren, Facebook mit seinem altbackenen Design und seiner nutzlosen Verwurstung von Statusupdates, Chats Foren und Weiterleitungsfunktionen sicher zu den schlechteren. Im TK-Bereich gibt es ähnliche Trends: Nur weil es billig ist, zu telefonieren, muss ich doch nicht um alles in der Welt telefonieren.

Freiheit durch Anachronismen – zumindest ein lohnender Versuch.

Zet-Phone 45 jetzt für 19 Euro

Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich gestern gelesen habe, dass das DSC Zettler ZetPhone 45 jetzt bei voelkner für 19 Euro zu haben ist.

Das ZetPhone 45 ist ein nettes schnurgebundenes Telefon für ambitionierte Privatleute und auch fürs Home-Office, denn das Telefon bringt nicht nur einen digitalen Anrufbeantworter mit etwa fünfzig Minuten Aufzeichnungskapazität mit sondern auch ein dreizeiliges Display, deutsche Menüführung, Rufnummernanzeige und ein Telefonbuch für 84 Einträge. Eine Freisprechfunktion ist ebenso vorhanden wie die Möglichkeit, aus der Anrufliste zurückzurufen.

Dieses Deskphone ist also in der Mittelklasse angesiedelt – für 19 Euro gibt es das allerdings nun zum low budget-Preis.

Ich habe mein Zettler-Telefon seit 2006 und ich bin sehr zufrieden. Und lange Jahre habe ich einen Anrufbeantworter von Zettler verwendet. Deren Produkte sind zwar eher economy – aber keinesfalls schlecht – und für diesen Preis ist meiner Kenntnis nach nichts vergleichbares zu bekommen.

Bei Saturn für 99 Euro – hier im Test: Die Kamera General Electric GE X5

Vergangene Woche wurde von der Elektromarkt-Kette Saturn massiv eine Digitalkamera von GE mit der Typenbezeichnung „X5“ beworben (und zumindest hier in Nürnberg wurden sehr viele bereitgestellt – ein ganzer Schüttcontainer voll). Und so bin ich gleich losgezogen und habe eine davon gekauft (und es steht zu hoffen, dass die Saturnmärkte in der Region immer noch ordentlich davon in Stock haben – auch nächste Woche). Am Barcamp dieses Wochenende hatte die Cam ihren ersten Härtetest zu bestehen und nun will ich darüber berichten, wie das Ding so ist.

GE – so fragt man sich – General Electric, bekannt für Glühbirnen, Heizlüfter, Kraftwerke und Kernspintomographen, die bauen Kameras? Ja, die bauen Kameras, besser gesagt deren Tochterfirma General Imaging baut Kameras – und zwar ordentlich ausgestattete im unteren Preissegment (hier ein Link zur X5 auf der General Imaging-Seite).

Wie aber ist diese X5-Kamera ausgestattet?

Zuerst einmal fallen drei Features ins Auge: Die Kamera liefert Bilder mit einer Auflösung von 14,1 Megapixel ab, hat einen 15 fachen optischen Zoom (sic!) und einen optischen Bildstabilisator. Und das für den derzeitigen Saturn-Kampfpreis von 99 Euro.

Das Objektiv ist natürlich nicht wechselbar, auch ein Gewinde für Filter o.ä. sucht man vergeblich, zur Verwendung kommt irgendein Objektiv, das sich „GE 15x Wide Aspheric ED Lens“ nennt und eine Tele/Weitwinkel-Kombi ist. Grund zur Sorge? Mit nichten! Zumindest dann, wenn man im Hinterkopf behält, dass für die Kamera derzeit ein Hunderter aufgerufen ist. Übersetzt man die Brennweite in die beim 35mm-Kleinbildformat gängigen Daten, erhält man eine sagenhafte Brennweite von 27 bis 405 mm – man bedenke, dass das Ding eine Kompaktkamera ist – das ist sagenhaft!

Im Weitwinkel beginnt der Schärfenbereich ab 60 cm, im Tele bei 2 Metern, auch für die Makroaufnahme erzielt das Objektiv gute, praxisnahe Werte, im Weitwinkel bedarf es eines Abstandes von 5cm zum Objekt (2 Meter bei Tele). Zum 15-fache Zoom gibt es noch einen Digitalzoom, den ich aber erst mal deaktiviert habe.

Besondere Erwähnung verdient auch der optische Bildstabilisator – ohne den wäre das Handling mit dem Tele auch ziemlich ätzend. Ja, diese Bildstabilisierung funktioniert – da gibt es gar nichts zu meckern, aber klar gesagt werden muss an dieser Stelle auch, dass mindestens ein Stockstativ benutzt werden sollte, um ordentliche Ergebnisse zu erzielen. Am Rande: Das Stativgewinde ist halt aus Plastik, Johannes ist das sofort aufgefallen…

Ein paar Worte zur Technik: Über die 14,1 Megapixel Auflösung habe ich schon gesprochen – das Bildrauschen ist sehr gering und macht sich überhaupt erst bei sehr dunklen Bildern ein wenig bemerkbar. Ich kann damit leben. Der eingebaute Blitz ist ausklappbar und überraschend stark – eine Reichweite von bis zu 7 Metern soll er haben (ich habe nicht nachgemessen, aber das dürfte schon hinkommen).

Wie groß der interne Speicher ist, kann ich nicht sagen, arbeiten kann man damit nicht, denn er ist nach zwei oder drei Bildern voll. Die Kamera schluckt SDHC-Speicherkarten, ich habe eine 8GB SDHC-Karte reingesteckt und das reicht mir satt.

USB 2.0 ist natürlich vorhanden, die Übertragung der Bilder auf den Rechner ist schnell geschehen.

Die Bilder werden im JPEG-Format abgelegt, RAW geht nicht!

Und über die Stromversorgung der X5 muss ich an dieser Stelle noch sprechen: Man hat sich mittlerweile daran gewöhnt, dass Digitalkameras ihren Strom aus eigens angepassten Akkus beziehen – bei der X5 ist das nicht der Fall. Sie verlangt nach vier AA-Batterien bzw. Akkus, kommt mit den 1,5 Volt der Batterien wie auch mit den 1,2 Volt der Akkus bestens zurecht. Ein Laden der Akkus in der Kamera funktioniert nicht, man muss schon Akkus und ein separates Ladegerät dabeihaben. Was vielen etwas sauer aufstoßen mag, ist für mich eine quasi optimale Lösung. Ich bin bei der X5 nicht auf teures Sonderzubehör angewiesen, sondern kann meine guten Akkus einfach weiterverwenden. 2500 mAh Kapazität sollten sie zwar haben, aber das ist ja heute auch eher Standard unter den besseren Akkus. Und: Einen leeren Spezialakku bekomme ich nicht überall geladen, vier Mignonzellen bekomme ich in jedem Supermarkt und des Nachts an jeder Tanke.

Das verbaute Display ist kontrastreich und ordentlich, zudem gibt es noch eine Art Displaysucher, den finde ich nicht so besonders (er ist erschreckend klein und löst nicht sonderlich gut auf). Wenn in prallster Sonne auf dem Display aber gar nichts mehr zu sehen ist, mag er durchaus helfen.

Die Bedienung der Kamera ist logisch und durchdacht – das Menü ist leicht bedienbar und bietet allerhand Einstellungsmöglichkeiten. Im Automatikmodus macht die X5 einwandfreie Bilder, wer es gerne manuell mag, der findet so zahlreiche Einstellmöglichkeiten, dass es mir bislang nicht geglückt ist, diese alle zu überblicken. Auf die wesentlichsten Funktionen wie den Bildstabilisator, den Portraitmodus, Blitzmodi, Makro, Belichtung und Selbstauslöser kann sofort zugegriffen werden. Das mit dem Direktzugriff auf den Selbstauslöser (2 Sekunden oder 10 Sekunden) mag ein bisschen übertrieben klingen, ist aber irre praktisch, wenn ich mit vollem Tele arbeite und die Kamera irgendwo sicher abstellen bzw. einklemmen kann. Denn dann kann ich beim Auslösen nichts verwackeln.

Für 99 Euro vermisst man kein Feature – Serienbildfunktion, Panorama, zahlreiche Szenenvoreinstellungen (durchs Fenster, Strand/Schnee, Museum), Lächelerkennung, Blinzelerkennung… Einstellbare Belichtung, Weißabgleich, Spezialmodi für Leuchtstoffröhrenlicht – was auch immer, das Teil hat etliches an Bord, womit man sich beschäftigen kann.

Die Kamera kann man Anfängern im Automatikmodus gut in die Hand geben – sie bietet aber auch eine Menge individueller Einstellungsmöglichkeiten, um die Bilder selbst zu gestalten.

Der Lieferumfang geht für 99 Euro auch in Ordnung – ein Schultergurt, Objektivdeckel, eine CD-ROM mit Anleitung und ein Satz erstaunlich guter Batterien liegen bei, ebenso wie ein USB-Kabel. Eine Kameratasche muss man sich selbst kaufen.

Video mit der Kamera kann man allerdings vergessen – wer Videos machen will, muss sich nach etwas anderem umsehen: Mit einer Auflösung von 640 × 480 und Monoton im Quicktime-Format bewegen wir uns hier auf Webcam-Niveau.

Heute Abend werde ich ein paar Bilder in Originalauflösung hochladen – heute ist das Wetter ja herrlich zum Fotografieren und wir werden einen Muttertagsausfllug machen (also bitte noch ein paar Stunden Geduld).

Fazit: Klar hat diese Kamera Schwächen – aber ich kenne für 99 Euro keine Alternative mit dieser Qualität und diesem Funktionsumfang. Derzeit ist diese Kamera für mich die perfekte Wochenendknipse. Sie ist klein genug, um sie mitzunehmen und bietet genug Möglichkeiten, um interessante Fotos zu machen. Auch für Abendveranstaltungen, Konferenzen und zur Dokumentation von Prozessen ist diese Kamera gut geeignet. Und für den Preis von 99 Euro nimmt man die auch gerne außer Haus.

Technische Daten kann man hier einsehen.

Update: Nach dem Break kommen ein paar Testbilder. Achtung: Große Dateien werden geladen – längere Ladezeiten sind möglich!

» Weiterlesen

Ein kleiner Bericht vom Change Camp.

Seit geraumer Zeit habe ich hier nichts geposted – keine Sorge, mir geht es gut, aber ich hatte die letzten eineinhalb Wochen ein wenig mehr „work load“ als üblich…

…und gestern fand das GA Change Camp statt. Das bringt auch ein weiteres Blog für mich mit, dass gepflegt werden möchte – und so darf ich Euch einladen, öfter mal auf www.change-camp.org vorbeizuschauen …

… und besonders denjenigen, die nicht dabei waren, empfehle ich diesen kleinen Bericht.

Ich hoffe, ich komme dieser Tage ein wenig mehr zum Schreiben.

Merks Motor Museum

In Zeiten leerer öffentlicher Kassen und den damit verbundenen Einsparungen im Bereich kommunaler Kulturangebote und Museen ist es etwas Besonderes, wenn man vermelden darf, dass Nürnberg seit dem 4. April ein neues Museum hat – eines, das aus privater Initiative entstanden ist, wohlgemerkt.

In der Klingenhofstraße, ganz im Norden, eingefasst in den Kontext Nürnberger Industrie und Industriegeschichte (der „Kugelmüller“ und das Areal der alten „Resi“-Margarinefabrik befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft) liegt Merks Motor Museum – ein Oldtimermuseum des in der Stadt lebenden Immobilieninvestors Claus Merk.

Das Oldtimer-Museum ist in den Werkshallen der ehemaligen Fensterfabrik Schlee untergebracht. Als Merk vor vielen Jahren das Gelände an der Klingenhofstraße kaufte, fand er diese Hallen in erbarmenswürdigem Zustand vor – vermietbar waren sie zu dieser Zeit nicht. Und dennoch, so sagt Merk, sei ihm von Anfang an klar gewesen, dass diese Hallen einmal der ideale Standort für seine Autos seien. Autos sind die große Passion von Claus Merk – alte Autos. Seit vielen Jahren sammelt er sie und so ist er im Besitz einer stattlichen Oldtimerflotte, die nicht nur fast alle fahrbereit sind sondern auch alle Epochen der Existenz des Automobils dokumentieren.

Merk sammelte diese Fahrzeuge über Jahrzehnte. „Viele waren gar nicht teuer“ sagt er, er habe sie nur zur „richtigen Zeit“ gekauft, einer Zeit, als sie noch als Youngtimer günstig zu haben waren. Und so bringt Merk heute in sein Museum eine elaborierte Sammlung ein – mit so seltenen und besonderen Automobilen wie einem Mercedes 280 SL Pagode. Aber auch ein Ferrari ziert die Ausstellungshallen oder der berühmte NSU Ro80 mit dem bekannten Wankelmotor und der in seiner Zeit außergewöhnlich aerodynamisch optimierten Karosserieform.

Und so sind in den lichtdurchfluteten Hallen der alten Fensterfabrik viele Autos zu sehen – auch solche, die weiland recht häufig auf den Straßen anzutreffen waren wie zum Beispiel ein Renault R4 oder auch eine Ente (2CV).

Doch nicht nur Autos werden ausgestellt, in einem Regal finden sich auch die Erzeugnisse der Nürnberger Unterhaltungselektronikindustrie – Radios von Grundig oder aber auch ein Transistor der ehemaligen Quelle-Handelsmarke Simonetta.

Und auch andere themenbezogene Räume oder Ecken finden sich im Motormuseum: In der „Meisterbude“ wird anhand unterschiedlicher Exponate die Entwicklung der Nürnberger Schreibmaschinenindustrie nachgezeichnet. Merk sagt hierzu: „Wenn ich schon Motorräder von Triumph habe, will ich auch deren Schreibmaschinen ausstellen.“

Auch ein Büro der Fensterfabrik Schlee gestaltete Merk nach – mit dem Originalmobiliar aus den 1950er Jahren. Auf die Frage, ob er die industrielle Entwicklung der Region dokumentieren wolle, sagt Merk sinngemäß, dass es nicht sein Anliegen sei, mit dem Museum Industriekultur in Konkurrenz zu treten. Man kenne sich und verstehe sich gut – Merks Ansatz ist ein anderer: „Wir sind ein Museum des Erinnerns“, erklärt er und verweist auf die entzückten Reaktionen insbesondere älterer Besucher beim Wiedererkennen bestimmter Exponate, die aus Kindheit, Jugend oder dem Berufsleben wiedererkannt werden.

Eine dieser Installationen ist zum Beispiel ein kleine KFZ-Werkstatt, die mit zeittypischem Werkzeug geschmückt ist.

„Museumsdirektor“ Claus Merk von einem seiner Oldtimer

Ein Besuch in Merks Motor Museum lohnt nicht nur für Oldtimer-Fans, jeder kann sich hier in vergangene Tage zurückversetzen lassen. Geöffnet ist das Museum donnerstags bis sonntags von 10 Uhr bis 17 Uhr.

Merks Motor Museum, Klingenhofstr. 51, 90411 Nürnberg, Telefon: 561494-99, Web.

Einladung: Kommt zum zweiten Nürnberger Change Camp mit dem Thema Social Media

Bisschen ruhig hier in letzter Zeit? Aus Gründen! Steph, Thommy und ich arbeiten gerade mit Hochdruck an einem weiteren Nürnberger Change Camp zum Thema Social Media, zu dem ich Euch natürlich ganz herzlich einladen möchte:

am 6. Mai 2011

im Südwestpark Nürnberg

Südwestpark 37 – 41 (Forum)

D – 90449 Nürnberg

Wir treffen und um 17 Uhr, das Camp wird bis etwa 20 Uhr dauern (aber: open end). Das Change Camp ist gleichzeitig der Auftakt den Nürnberger barcamps, zu dem zu kommen natürlich auch immer lohnt!

Wer sich nun fragt, was ein Change Camp denn bitte sein soll, der findet hier die Antwort.

Und weil das Ganze natürlich vorbereitet sein will und auch publik gemacht werden möchte, habe ich in den letzten Tagen ein kleines Change Camp-Blog gebastelt, das gleichzeitig die offizielle Infoseite darstellt.

Besucht dieses Blog doch einfach öfter: www.change-camp.org!

Wenn es also hier in den nächsten Tagen etwas ruhiger ist, dann wisst Ihr ja, warum. Und so würde es mich freuen, wenn wir uns zum Change Camp sehen. Und: Auf Twitter folgen ist natürlich Pflicht: @ga_changecamp.

Giftige Dämpfe aus Energiesparlampen

Ich mag keine Energiesparlampen – sie produzieren einen Haufen giftigen Abfall, sind mit Quecksilber gespickt und machen zu allem Überdruss auch noch ein scheiß Licht – Kurz: Die Dinger sind nicht nur hässlich und von ihrer Umweltbilanz mehr als beschissen, die Dinger sind auch noch tierisch giftig!

Denn: Energiesparlampen emittieren krebserregendes Phenol.

Da haben wir es nun: Dank des EU-Verkaufsverbots herkömmlicher Glühbirnen – einem Geniestreich der Lobbyisten, mit dem Low-Tech-Produkt Edison-Glühbirne ist trotz eingebauter 1000h-Sollbruchstelle ja kein  Geld zu verdienen – haben wir nun Lichtquellen, die ob der verwendeten Elektronik in Ihrer Umweltbilanz deutlich schlechter sind als herkömmliche Birnen und dann auch noch giftig sind.

Diese EU ist schon eine verdammt miese Veranstaltung. Sie verbietet mündigen Bürgern die Verwendung eines sicheren und gut eingeführten Produkts, wer nicht im Dunklen sitzen will, muss ein teures, umweltschädigendes und giftiges „Alternativprodukt“ verwenden – und um dem Ganzen noch die Krone des Hohns aufzusetzen wird mit „Energiesparen“ argumentiert.

Ich rate da ja dringend zu Hamsterkäufen: Glühbirnen sind weder besonders groß noch werden sie schlecht. Man kann sich also bequem mehrere hundert Stück auf Halde legen – ich habe damit schon begonnen und werde nun daran erinnert, mir nochmal hundert, hundertfünfzig Stück im Baumarkt mitnehmen.

Warum dieser Rant? Weil mit Energiesparlampen nichts gewonnen ist: Die Industrie verspricht zwar eine Lebensdauer von bis zu 10.000 Stunden – aber es ist nahezu ausgeschlossen, dass dieser rein theoretische Wert jemals auch nur annähernd erreicht wird. Häufiges Ein- und Ausschalten (was sinnvoll ist, wenn man wirklich Energie sparen will) mag dieses Zeug gar nicht und mit der Zeit lässt die Leuchtleistung nach – teilweise deutlich.

Eine halbwegs anständige Energiesparlampe kostet um die fünf Euro – eine halbwegs anständige herkömmliche Glühbirne kostet unter einem Euro das Stück. Für einen Fünfer bekomme ich also gerechnet deutlich mehr als 5.000 Stunden Licht – aber ein schönes, angenehmes Licht. Und ich belaste die Umwelt damit weniger. Und: Ich vergifte mich damit nicht. Das wil ich mit diesem Rant mal allen klarmachen, die sich einbilden, mit Energiesparlampen irgendwas Gutes zu tun.

1 … 48 49 50 51 52 … 119