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Wirtshaus-Explorer: „La Finca“ Nürnberg – ein spanischer (Paella-)Traum mitten in Eberhardshof

Sie ist urig, ein wenig versteckt, und sie bringt spanischen Charme an einen Ort, an dem ihn der Nürnberger gemeinhin wohl nicht suchen würde: Im Kleingartenverein Fuchsloch gibt es mit der „La Finca“ ein spanisches Restaurant, das vor allem durch sein Signature-Gericht, die Paella, zu lokaler Berühmtheit gelangt ist. Wir waren dort zu Gast – und kamen gerne wieder.

Man sieht der La Finca kaum an, dass es sich einmal um ein Vereinslokal nach alter Väter Sitte handelte. Hell und freundlich präsentiert sich der Gastraum, man speist an großen Tafeln. Zuvor passiert man einen Pavillon mit mehreren Gasbrennern. Auf ihren wird die Paella in den traditionellen, flachen, übergroßen Pfannen zubereitet. Carlos Garcia und seine Partnerin Kira Wieland betreiben gemeinsam die Finca, doch „Garcia Paellas“ ist weit mehr: Mit dem Konzept muss man sich ein wenig vertraut machen, insgesamt kommt mir das Ganze ein wenig wie ein Start-up vor. Garcia Paellas hat mit – und darum soll es in diesem Beitrag maßgeblich gehen – „La Finca“ ein eigenes Restaurant, daneben gibt es einen Onlineshop mit Paella-Zutaten und Zubehör sowie einen Catering-Service und eine Kochschule.

La Finca Nürnberg - Gastraum

Garcia und Wieland führen seit September letzten Jahres ihr Restaurant der Schrebergartenkolonie „Kleingartenverein Fuchsloch“. Das liegt recht versteckt (und wirklich malerisch) am Ende der Nicolaistraße in Eberhardshof.

La Finca Nürnberg - klassische Paella "Valencia"

Bevor ich auf die anderen Gerichte eingehe, komme ich auf das Wesentliche zu sprechen: die Paella, es gibt sie klassisch mit Huhn und Kaninchen, mit Meeresfrüchten (auch geschält) oder vegan. Sie kostet zwischen 20,- und 23,- Euro pro Portion, allerdings muss man mindestens zu zweit sein, um eine Paella-Pfanne bestellen zu können. Nur die Paella mit Hummer schlägt mit 30,- Euro pro Portion zu Buche.

Geschmacklich fein und dennoch würzig, am Pfannenboden leicht kross angebacken, Huhn und Kaninchenfleisch zergehen fantastisch zart im Mund. Das Signature-Gericht der La Finca wird auf gleichbleibend hohem Niveau serviert.

La Finca - Nürnberg - Paella mit Meeresfrüchten

Paella mit Chorizo? Gibt es nicht. Genauso wenig wie eine Paella, in der Fisch und Fleisch gemischt sind. Beides sind, dies begreift man in der La Finca als Bildungsauftrag, Gerichte für Touristen – und für den Paella-Puristen eine kulinarische Provokation. Sonst allerdings ist erlaubt, was schmeckt – und das zelebriert man mit der „Paella des Monats“.

Die Paella ist mit frischen Zutaten hausgemacht und wird heiß und duftend serviert. Wer das Gasthaus betritt, kann Küchenchef Carlos Garcia, der die Paella vor den Augen seiner Gäste zubereitet, genau zuschauen (oder sich in der hauseigenen Kochschule die geheimen Kniffe der Paella-Kunst beibringen lassen).

Carlos Garcia in seiner offenen Paella-Küche

Die „Finca“ hat aber weit mehr zu bieten, als Paella. Wer seinen Restaurantbesuch gerne mit einigen Tapas beginnen möchte, findet eine Auswahl von wirklich ausgesuchter Qualität vor. Begeistert hat uns die Tabla de Quesos, der Manchego-Käse in unterschiedlichen Varianten, serviert mit Salzmandeln, war vorzüglich; besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Variante mit fermentiertem schwarzen Knoblauch (16,- Euro) sowie der 36 Monate gereifte Iberico-Schinken (100 Gramm, 24,- Euro).

Tapas

Angenehm auch: acht Delicas de elche, Datteln in knusprigem Speckmantel (8 Stück, 12,- Euro). Und noch eine Vorspeise steht auf der Karte, die hierzulande nicht allzu bekannt sein dürfte, unprätentiös aussieht, jedoch geschmacklich mit einer unerwarteten Intensität überrascht: Montaditos sind kleine, ofenfrische Brötchen, die man wahlweise mit Schweinelende, Serrano und Paprika, Tintenfischringen an Mayonnaise, Bonito-Tunfisch, Sardellen und süßer Paprika, in Apfelwein gegartem Chorizo, Manchego, Schweinefleisch und Honig oder sautierten Pilzen mit Koblauch, Petersilie und Parmesan erhält (das Stück zu 5,- Euro). Man bekommt Lust, sich durch die gesamte Karte zu kosten. Und natürlich fehlen Salatvariationen und Nachspeisen nicht auf dem Speisezettel.

Montadito

Auch die Getränkekarte überzeugt durch eine qualitätsvolle Auswahl und moderate Preise. Der Canonita-Spritz kostet 7,- Euro, ein Seidla Kupfer-Spezial aus Lengenfeld 4,50 Euro, ein Glas Wein (zur Auswahl stehen fünf Rotweine, vier Weißweine und zwei Rosés) kostet zwischen 6,- und 8,- Euro.

Und so verbringt man angenehme Abende in der „Finca“, im Sommer auch im kleinen Gastgarten.

La Finca - Nürnberg

So unscheinbar sich „La Finca“ von außen präsentiert, so sehr konnten uns der liebevolle und persönliche Service, die hervorragenden Speisen, die konstant hohe Qualität der Küche und die Gastlichkeit überzeugen. Eine klare Empfehlung!

La Finca von Garcia Paellas, Nicolaistraße 18, 90429 Nürnberg. Telefon 919 43 116.

Wirtshaus-Explorer: Restaurant Gustus in Nürnberg – eine herbe Enttäuschung!

Ihr, liebe regelmäßige Leserinnen und Leser des Wirtshaus-Explorers, wisst, dass ich meine Gastrokritiken auf diesen Seiten in aller Regel in einer positiven Tonalität formuliere und bei der Bewertung der besuchten Wirtshäuser und Restaurants in aller Regel auch ein gewisses Wohlwollen walten lasse. Beim Abfassen dieser Zeilen habe ich sehr mit mir gerungen, wie ich mit dem, was wir letzten Mittwoch im recht neu eröffneten Nürnberger Restaurant „Gustus“ erleben mussten, nun umgehe.
Es nutzt alles nichts; ich muss die Eindrücke, die wir bei unserem Besuch dort gewannen, in aller Nüchternheit darlegen, auch wenn es keine schönen, keine positiven Eindrücke waren. Das schulde ich meinen Leserinnen und Lesern: Was gesagt werden muss, muss gesagt, und geschrieben werden.

Vor nicht allzu langer Zeit eröffnete in den Räumen des alten Australian am Obstmarkt 26, also in bester Alt- und Innenstadtlage, das Gustus, ein Restaurant, das sich laut eigener Webseite auf die Fahnen schreibt, „traditionelle Aromen Griechenlands mit moderner Küche“ zu verbinden. Erreicht werden soll das durch „hochwertige Zutaten, kreative Gerichte und echte Gastfreundschaft“. An derselben Stelle residierte, wie zuvor erwähnt, über annähernd zwei Jahrzehnte das Australian, das sich, ebenfalls als Großgastronomie, mit seiner Cocktail-Happy-Hour und besonders seinem sonntäglichen Buffet-Brunch einen Ruf erwarb.

Gustus Nürnberg, von außen

Wer das Australian kannte, wird erstaunt sein, wie sich heute das Interieur des Gustus präsentiert: Hell und klar vermittelt es einen aufgeräumten und freundlichen Eindruck, es ist modern und an mancher Stelle trotzdem verspielt. Aus den Lautsprechern erklingt gedämpft kontemporärer EDM-Sound, man unternimmt sehr bewusst den Versuch, modern und frisch zu wirken.

Das implizite Versprechen, das das Interieur uns vermittelte, konnte allerdings weder die Küche noch der Service einlösen. Um es vorwegzunehmen und in der gebotenen Deutlichkeit zu sagen: Wir waren an diesem Abend alle drei sehr enttäuscht. Ausnahmslos jede Speise wurde fehlerhaft serviert, die Leistung der Küche konnte, um es euphemistisch auszudrücken, ein basales Niveau nicht im Ansatz erreichen und selbst einfachste Getränkebestellungen wurden falsch an den Tisch gebracht. Angesichts dessen fällt schon kaum mehr ins Gewicht, dass der Service langsam war und reichlich uninteressiert wirkte. Aber von Anfang an:

Nachdem wir unsere reservierten Plätze eingenommen hatten, passierte lange Zeit nichts. Gute zwanzig Minuten war das Servicepersonal mit sich selbst beschäftigt bzw. ins Gespräch vertieft, dann kam man auf die Idee, uns die Karte zu bringen und die Getränkebestellungen aufzunehmen. Bestellt wurden ein Cola, ein alkoholfreies Weizen und ein dunkles Bier. Das mit dem alkoholfreien Weizen klappte auch, statt des Colas servierte man Cherry Coke, das Dunkle kam, gegen alle Sitten und Gebräuche, im Weißbierglas an den Tisch; das behielt man auch im Laufe des Abends konsequent so bei. Meine Irritation bemerkte die unaufmerksame Serviererin wohl nicht, vielleicht war sie ihr auch egal.

Darüber will ich noch nicht einmal klagen, das kann passieren und ist kein Beinbruch. Normalerweise würde ich solchen Details in einer Gastrokritik gar keinen Raum geben, aber diese Unaufmerksamkeit und diese grundlegenden handwerklichen Fehler zogen sich so konsequent durch den ganzen Abend, dass man es selbst kaum glauben möchte.

Ein Blick in die Karte verrät: Im Gustus speist man im Vergleich zu vielen anderen griechischen Gaststätten zu gehobenen Preisen. Die griechischen Restaurants in der Region stehen im Ruf, zu günstigem Tarif gutes und reichliches Essen an den Tisch zu bringen, im Gustus sind die Portionen merklich kleiner und spürbar teurer. Das wäre kein Problem, würde die Qualität der Gerichte diesen Mehrpreis auch rechtfertigen – das ist allerdings definitiv nicht der Fall. Und auch die Qualität des Services war für eine preislich gehobene Gastronomie nicht angemessen.

Vorspeisen Gustus Nürnberg

Als Vorspeise bestellten wir die veganen Bruschetta mit gegrilltem Gemüse und Erdnussbutter. Die Kombination aus Erdnussbutter und Gemüse schien uns interessant. Bekommen haben wir sie freilich nicht, stattdessen wurden uns kommentarlos die sogenannten „Griechischen Bruschetta“, die etwas teurer sind, sonst aber recht gewöhnlich daherkamen, serviert. Das Brot der Bruschette war deutlich hart und schmeckte leider alt (ich persönlich hätte so ein Brot ja nur ungern an die Enten im Stadtpark verfüttert, der Küchenchef indes wird schon wissen, warum er so etwas seinen Gästen anbietet). An dieser Stelle möchte ich aber schon darauf hinweisen, dass man, bestellt der Gast ein in der Karte extra als vegan ausgewiesenes Gericht und weicht man von dieser Bestellung ab, doch zumindest ein ebenfalls veganes Essen an den Tisch bringen sollte. Weiterhin orderten wir „Moderner Moussaka“ (sic!), für 16,90 Euro erhält man drei mäßig gewürzte, panierte Moussakabällchen mit einem Klecks Joghurt, garniert auf einer Kartoffelscheibe. Die Vorspeise kommt mehr lau als warm an den Tisch und war geschmacklich ebenfalls enttäuschend. Als froh und positiv gestimmte Menschen blieb uns nun aber ja immer noch die Hoffnung auf die Hauptgerichte.

"Kontosouvlaki" Gustus Nürnberg

Das Kontosouvlaki (sic!) schlägt mit 17,90 Euro zu Buche. Dafür erhält man einen Spieß mit Fleisch vom Schweinehals. Die Bedienung gab uns zu verstehen, dass dieses Gericht noch keine Beilage inkludiere, diese sei separat zu bestellen. Nun ist gemeinhin bekannt, dass Souvlaki hierzulande, kommt weder Lamm noch Hähnchen zur Verwendung, allgemein aus dem zarteren Rückenfleisch des Schweins zubereitet wird. Im Gustus bedient man sich für den nicht allzu üppigen Spieß des deutlich billigeren Schweinenackens. Dementsprechend trocken und zäh war der Spieß dann auch. Ein wenig Zaziki und ein wirklich kleiner Zwiebelsalat, der in anderen Gaststätten bezüglich seiner Größe bestenfalls als Garnitur durchgegangen wäre, sind ebenso wie das Mais-Pita Bestandteil des insgesamt reichlich trockenen Gerichts.

Gustus-Burger

Unsere Begleitung und ich machten den Fehler, den Gustus-Burger zu bestellen. Das Bun war unten leider verbrannt und das Patty völlig durch, also totgegrillt. Zudem kamen die Burger ebenfalls reichlich lau an den Tisch.

totgegrillter Burger. Schade.

Das mag man alles noch als „Art des Hauses“ durchgehen lassen, die „hausgemachten Pommes“ erwiesen sich jedoch schlechterdings als ungenießbar, waren sie doch latschig und das Fett troff aus ihnen heraus, obwohl sie kalt auf dem Teller lagen.

fettriefende, herunterhängende Pommes

Es ist normalerweise nicht meine Art, in Gaststätten zu reklamieren, diese Pommes konnte und wollte ich allerdings wirklich nicht essen und ließ sie zurückgehen. Alsbald kamen eine Schale knallheißer, latschiger und fetttriefender Pommes an den Tisch. In diesem Moment habe ich aufgegeben. Ich kann wirklich nicht verstehen, wie sich die Küche des Hauses nach einer Reklamation diese Blöße geben konnte. Unsere Begleitung ließ den „Gustus Burger“ übrigens nach wenigen Bissen nahezu in Gänze zurückgehen, und rührte auch die „Pommes“ nicht an; diesen Umstand ignorierte die Bedienung komplett.

Als uns die Bedienung fragte, ob wir einen Nachtisch wollen, gab ich ihr zu verstehen, dass wir der Küche die Zubereitung eines Nachtischs nicht zutrauen. In diesem Moment begann sich wohl auch bei ihr die Erkenntnis zu setzen, dass wir insbesondere mit der „Leistung“ der Küche nicht zufrieden waren. Immerhin gab es als Entschuldigung einen Espresso und einen Ouzo aufs Haus.

Welches Fazit bleibt zu ziehen? Wie ich eingangs bereits erwähnte, übe ich Kritik grundsätzlich mit einer gewissen Zurückhaltung. Jeder macht mal einen Fehler, manche Prozesse müssen sich erst eingrooven, gerade, wenn eine Gastronomie neu eröffnet. Dafür hätte ich jedes Verständnis.
Bei unserem Besuch im Gustus wurde allerdings nur eine einzige Bestellung ohne Fehler an den Tisch gebracht: ein alkoholfreies Weißbier. Zwei Vorspeisen und drei Hauptspeisen erreichten uns mangelhaft, das „Nachbessern“ bei den Pommes schlug ebenfalls fehl, eine Peinlichkeit sondersgleichen. Einem Koch, der außerstande ist, eine genießbare Portion Pommes an den Tisch zu bringen, möchte ich raten, sich tiefere Gedanken darüber zu machen, ob es ihm nicht doch an einer gewissen Fortune mangelt. Uns jedenfalls war der Abend kulinarisch gründlich verdorben, ernsthafte Rettungsversuche seitens des Gustus wurden gar nicht erst unternommen.
Selbst einem einfachen Imbiss dürften so gehäufte Fehler nicht passieren, das Gustus hingegen ist ein preislich gehobenes Restaurant mit einer entsprechenden Ausstattung. Mit dem Selbstverständnis hält man auf der Webseite nicht lange hinter dem Berg: „Unsere Küche orientiert sich an klassischen Rezepten und Aromen der griechischen Gastronomie, interpretiert diese jedoch zeitgemäß und mit einem besonderen Augenmerk auf Qualität und Präsentation. Frische Zutaten, sorgfältige Zubereitung und ausgewogene Kompositionen bilden die Grundlage unserer Gerichte“, liest man da. Wir mussten leider erleben, dass das mit der Realität nur wenig zu tun hat.

Gustus Restaurant GmbH, Obstmarkt 26, Nürnberg. Telefon: 37 436 976.

Wirtshaus-Explorer: Neueröffnung der Pizzeria „Lausbub“ in Nürnberg

Mehr als dreißig Jahre residierte in dem von der Karl-Grillenberg-Straße vorspringenden, markanten Eckhaus, eine Kult-Institution: das berühmte Café Treibhaus, das Kaffeehauskultur und ein wenig Indie-Charme perfekt miteinander verband. Nach Corona war dann Schluss mit diesem einzigartigen Nürnberger Eigengewächs, eine Bar wollte der Location neues Leben einhauchen, was aber misslang. Nun befindet sich in den Räumen des alten Treibhauses eine Pizzeria, das „Lausbub“.

Nach sieben Jahren schloss die einst im Empfangsgebäude des Ostbahnhofs untergebrachte Pizzeria Ender 2025, der Umbau im alten Treibhaus war da schon in vollem Gange. Dieser Tage hat dann das Restaurant, das sich voll der neapolitanischen Pizza verschrieben hat, in unmittelbarer Nähe des Weißen Turms eröffnet.

Das Restaurant Lausbub mit Außenbestuhlung

Nun ist die Konkurrenz der neapolitanischen Pizzabäcker in der Nürnberger Innenstadt nicht gerade klein. Der Lausbub wird sich vor allem gegen die nur einen Steinwurf entfernte Kette 60 seconds to Napoli mit ihren bisher allein 29 Dependancen in Deutschland und die bestens eingeführte und sehr stylishe Falko Manufaktur behaupten müssen.

Wir beschlossen, das Restaurant auszuprobieren; am letzten Donnerstag war es soweit. Voller Neugier trafen wir im Lausbub ein. Die Gaststube mit der offenen Küche präsentiert sich stylish und modern.

Innenraum Pizzeria Lausbub, Nürnberg

Zwei Gasträume mit hinreichend bequemen Tafeln stehen zur Verfügung, die offene Küche stört weder die Akustik, noch riecht sie wahrnehmbar. Das Licht ist gedämpft und verströmt einen Hauch von Gemütlichkeit. Gäste, die die Speisekarte lesen wollen, nehmen hie und da die Taschenlampenfunktion ihres Handys zur Hilfe. Die Außenbestuhlung wird an warmen Tagen sicher ein großer Bonus sein.

Ich orderte die Pizza Rafael, ihre Zutaten sind neben dem Mozzarella scharfe Salami und lt. Karte „pikante Streichwurst“ (gemeint ist wohl ’Nduja) sowie Gorgonzola. Wie ihr dem Bild entnehmen könnt, ist die Pizza nicht allzu großzügig belegt, der recht breite, teils schwarz verbrannte Teigrand hebt die etwas mutlose Gesamtkomposition nicht wirklich, den Gorgonzola muss man mit der Lupe suchen und in so homöopathischen Dosen verwendet, hat er freilich auch keine Chance, geschmacklich merklich zutage zu treten.

Pizza Rafael

Mit der Schärfe der Pizza kommt der hiesige, Nürnberger Bratwurst gewohnte Gaumen gut zurecht, wer der Pizza etwas Pep verleihen möchte, findet bei Tisch aber ein durchaus pikantes Chili-Öl, das ich sehr empfehlen möchte. Diese Pizza-Kreation schlägt mit 17,90 Euro zu Buche.

Weiterhin wurden eine „Findet Nemo“ (recht gut gemacht, mit Thunfisch) und die „Königin Margherita“ (völlig aussagelos, unterambitioniert) verspeist. Und ein italienischer Salat „mit Hausdressing“. Der Salat, der über 10,- Euro kostet, war in jeder Hinsicht ernüchternd. Dressig gab es keines, nun gut, bei Tisch stehen Essig und Öl und ein Dressing hat der Gast schnell selbst zusammengeschüttet. Der Salat besteht aus etwas Zwiebel, ein paar halbierten Gurkenscheiben, Cherrytomatenhälften und einer Handvoll Rauke. Dazu legt man drei trockene Stückchen Pizzabrot. Oliven? Käse? Ei? Fehlanzeige. Schon irgendwie traurig. Okay, es ist ein profaner Salat, aber irgendwie repräsentiert er recht schön, den dann doch relativ einfachen Standard, den man im Lausbub fährt.

Als Bier schenkt man Bayreuther Aktien-Zwick’l aus, das als echtes Seidla im vorgekühlten Steinkrug serviert wird. Es kostet schmerzhafte 5,50 Euro.

Manche Unzulänglichkeiten im Service sind wohl der Eröffnungssituation zuzuschreiben. Während den ganzen Abend über Tische leer blieben, mussten andere Gäste an einem äußerst unbequemen Hochtisch dinieren. Die Bedienung war sehr freundlich, aber leider etwas unkoordiniert und auch nicht übermäßig flott. Alles Dinge, über die man hinwegsehen kann, alles Dinge, die sich mit etwas Organisationsgeschick beheben lassen. Die anfangs deutlich zu laute, etwas kühle Electromusik wurde im Laufe des Abends leiser gedreht und gegen eine etwas freundlichere, loungigere Musikfarbe getauscht.

Ein Fazit zu unserem Besuch im Lausbub zu ziehen, fällt nicht ganz leicht. Das Ambiente ist gefällig, aus der Location hat man viel herausgeholt. Das Essen war absolut okay, nicht besonders schlimm, nicht herausragend gut, einfach und durchschnittlich. Für die gebotene Leistung ist der Preis trotz Innenstadtlage und nettem Ambiente schon gehoben. Man kann hingehen, ich möchte nicht abraten; dennoch muss ich sagen, dass man nicht mit allzu hohen Erwartungen dort aufschlagen sollte. Eine Reservierung ist zu empfehlen.

Lausbub, Karl-Grillenberger-Straße 28, 90402 Nürnberg. Telefon: 58 74 15 40.

Wirtshaus-Explorer: Das beste Schäufele und mehr in der Spezerei Erlangen

Das wohl beste Schäufele, das man hier in der Gegend bekommen kann, isst man gegenwärtig in Erlangen, genauer gesagt in der Spezerei des Küchenchefs Jean Telorack. Das kleine Restaurant, eine historische fränkische Gaststube, ist mitten in der Stadt beheimatet und von außen so unscheinbar, dass der eilige Passant wohl achtlos daran vorbeilaufen würde. Doch Innehalten und Einkehren lohnen sich!

Gaststätte Spezerei, Erlangen

Das Ambiente: klein, urig und völlig frei von Kitsch. Man sitzt äußerst angenehm in der anheimelnden, warmen Gaststube mit den offenen Holzbalken und der niedrigen Decke – an historischen Tafeln. Die Gaststube nimmt sich nur auf den ersten Blick einfach aus, auf den zweiten Blick erkennt man die Liebe, die in allen Details steckt. Die zurückgenommene saisonale Dekoration unterstreicht das Flair dieses Gasthauses. Oft wirken Gasthäuser mit historischem Charme etwas gekünstelt – in der Spezerei ist alles echt. Und was für das Interieur gilt, darf auch die Küche für sich in Anspruch nehmen.

Gaststätte Spezerei, Erlangen, Gaststube

Ich komme also aufs eingangs erwähnte Schäufele zu sprechen, das, wie gesagt, gegenwärtig beste, das man in der Region bekommen kann. Ein ordentliches Stück Fleisch, im besten Wortsinne saftig, löst sich leicht vom Knochen und verströmt einen feinen Geruch, der einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Die Kruste, ihr seht es auf dem Bild, ist knusprig zart, rösch im besten Wortsinne, sie sucht ihresgleichen. Fein abgestimmt, nicht zu dominant, leicht und dennoch geschmackig präsentiert sich die Soße, das Kniedla auf den Punkt gar, angenehm auf der Zunge auch das nur leicht angeröstete, sehr fein gewürfelte Klößbrot. Hier stimmt, wie eben beim Gasthaus auch, wirklich jedes Detail. Zum Schäufele, man kennt diesen Brauch aus der Gegend um Bamberg, wird Rahmwirsing serviert. Fein gehackt, bestens abgeschmeckt und mit zarten Speckwürfeln unterzogen, ist auch der Wirsing ein Gedicht. Wer Wirsing nicht mag (ihr solltet ihm aber eine Chance geben, er ist ehrlich köstlich), kann auch einen Belagensalat bekommen.
Das Schäufele wird ganz traditionell serviert – aber eben in handwerklicher Perfektion.

Schäufele mit Kniedla und Rahmwirsing in der Gaststätte Spezerei, Erlangen

Die Speisekarte ist kein und auf eine angenehme Art fränkisch-bodenständig, allerdings immer mit einem gehobenen Twist. Sie wechselt saisonal, es werden regionale Zutaten verwendet.

Und der Service ist verbindlich, flott und völlig ungekünstelt – mit eben jenem Blick fürs Detail, der auch das Ambiente so positiv prägt. Jedem Gast wird das Sitzkissen von der Chefin aufgeschüttelt, jeder Tisch hat immer ein frisches Tischtuch und selbstverständlich sind auch die Toiletten picobello. Man spürt: Diese Gastronomie ist gehoben, nur die Preise sind ganz normal.

Man zapft ein hervorragendes Kellerbier, ein Dunkles, das berühmte „Pils aus Pahres“ und freilich auch ein Weizen von der Brauerei Hofmann, auch der Weintrinker kommt mit einer ausgesuchten, feinen und gleichzeitig bodenständigen Auswahl an Frankenweinen voll auf seine Kosten.

Im Eingangsbereich des Wirtshauses ist ein altes Bild des Gebäudes vor der Renovierung zu sehen, da macht das Haus seinen reichlich traurigen Eindruck. Ich bin immer wieder davon angetan, wenn sich Menschen finden, die eine so spezielle Immobilie renovieren und sich auf das Abenteuer Denkmal einlassen und so Geschichte und Charme längst vergangener Tage erhalten.

Freilich ist es nur schwer möglich, in einem solchen gastronomischen Kleinod ohne Reservierung einen Tisch zu bekommen, zumal die Gaststube nur einer Handvoll Menschen Platz bietet. Eine Reservierung ist daher in jedem Falle sinnvoll. Auch die etwas exotischen Öffnungszeiten sollte man nicht aus dem Auge verlieren. Dann kann man sich in der Spezerei nicht nur bestens umsorgen lassen, sondern eben auch ganz hervorragend essen.

Gaststube Spezerei, Wöhrstraße 1, 91954 Erlangen. Geöffnet Mittwoch bis Samstag von 17.30 Uhr bis 21 Uhr, sonntags von 11.30 Uhr bis 19.30 Uhr. Telefon: (09131) 400 04 32.

Wirtshaus-Explorer: Der offene Döner-Preiskampf hat begonnen.

Dieser Tage erst (ich habe es in der Papierzeitung gelesen, daher habe ich gerade keinen Link zur Hand), war im hiesigen Lokalblättla ein sehr interessanter Artikel zu lesen, in dem der Chef der inzwischen ja nicht nur in unseren Breiten expandierenden Imbisskette „Original Berliner Döner“ erläuterte, wie die hohen Dönerpreise zustandekämen. Er hob insbesondere auf den hohen Fleischpreis ab und rechnete vor, dass pro verkaufter Dönertasche nur ein geringer Gewinn von wenigen Cent übrigbliebe, der durch Kostensteigerung und andere Unwägbarkeiten eh ständig in Gefahr sei. Gewinn sei ihm zufolge nur zu machen, wenn man eben einen enorm großen Durchlauf generiert und gehalten bekommt – die Masse macht’s.

Er prophezeite, dass Dönerbuden, die ihren Imbiss wie vor zwanzig Jahren zubereiten, alsbald vom Markt verschwinden würden und es angesichts des Kostendrucks kein Wunder wäre, würde der Dönerpreis in wenigen Jahren auf 13, 14 oder gar 20 Euro ansteigen; in anderen Städten wie Frankfurt am Main wäre das schon heute der Fall.

Um es ganz offen zu sagen: Einen Döner für 13 Euro, das kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen. Der Döner war (mindestens bis zur Corona-Pandemie) immer ein billiger Imbiss, daran hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn manche selbsternannten „Dönerpioniere“ es geschickt zu verstehen wussten, mit einigen etwas ungewohnten Zutaten und einer schicken Ladenaufmachung dem eigenen Döner einen Touch von Mondänität zu verleihen und sich das über den Preis vergolden zu lassen. Auch wenn so ein Döner anders schmeckt und der Hype ungebrochen ist, darf man doch infrage stellen, wie lang die geneigte Kundschaft noch bereit ist, für den Alltagsimbiss neun bis zehn Euro auszugeben. Vor über einem Jahr habe ich mir darüber schon nicht allzu schwere Gedanken gemacht.

Im Oktober eröffnete dann in der Fürther Innenstadt eine Filiale des „Original Berliner Döner“. Eigentlich ein Ereignis unter vielen, das, für sich genommen, eigentlich keiner weiteren Erwähnung bedarf, aber dennoch Auswirkungen auf die Konkurrenzimbisse hatte. Die nämlich begannen, ebenfalls Zitronensaft und Granatapfelkerne in ihre Dönertaschen zu applizieren (warum auch nicht, kost ja quasi nix, und wenn der Kunde auf so ein Chichi steht, bitte), um am Edeldönerhype mitzuschnappen.

In der Nähe des Fürther Rathauses gibt es neben dem besagten „Edel-Döner“ wenigstens fünf weitere Dönerimbisse. Ich habe mich schon öfter gefragt, wie die sich in so engem Radius halten können und warum sie sich nicht gegenseitig kannibalisieren.

Nun scheint es, dass ich mit dieser Befürchtung recht behielt, denn die Luft muss dünner werden, denn: Der offene Döner-Preiskampf hat begonnen!

Dönertasche oder Dönerbox 3,50 Euro. Rathaus Döner Fürth

Der erste Imbiss wirbt inzwischen offensiv mit einem Kampfpreis für die Dönertasche: 3,50 Euro! Auch der Preis für den Dönerteller (7,50 Euro ohne, 9 Euro mit Getränk) kann sich sehen lassen.

Der eine Imbissbetreiber versucht also, seinen Döner „aufzubessern“, der andere, an der Preisschraube nach unten zu drehen. Freilich kann ich es letztlich nicht beweisen, aber mich beschleicht das Gefühl, dass solche Maßnahmen in Anbetracht der wohl zumindest als mächtig, wenn nicht gar übermächtig wahrgenommenen Konkurrenz ergriffen werden.

Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich an dieser Stelle einmal die aktuellen Dönerpreise verhandeln werde, zumal ich den Döner noch nicht probiert habe und damit nicht einmal sagen kann, ob er sein Geld wert ist (angemerkt sei aber, dass ich in diesem Imbiss schon öfter gegessen habe, war immer alles gut), aber der Trend stimmt mich zuversichtlich. Schlussendlich sollte sich jeder, der das möchte, bisweilen mal so eine Dönertasche leisten können, und bei den gegenwärtigen Dönerpreisen ist ja auch keine sinnstiftende Relation mehr vorhanden. Ob man jedoch darauf hoffen darf, dass damit die sich immer schneller drehende Dönerpreisspirale stoppen lässt, traue ich mich nicht zu prognostizieren. Aber es ist endlich einmal ein Pflock eingeschlagen, einer, der erdet.
Letztlich ist der Döner ein Fast Food, ein billiges Gericht, zwischen zwei Terminen auf der Straße aus der Hand gegessen. Auf seine Weise ist er nahrhaft, aber alles andere als wertvoll. Fett und Kohlenhydrate sind seine Hauptbestandteile. Einen Döner hypen zu wollen, kommt in etwa dem Unsinn gleich, den mancher Büdchenbetreiber vor fünfzehn Jahren betrieb, als er seine Currywurst mit Goldflittern bestreute und dazu eine Piccolo-Flasche halbseidenen Champagners reichte: reichlich affig. Dem Döner nun wieder ein demokratisches Preisetikett anzuheften, ist folgerichtig eine gute Tat, die manches wieder gerade rückt. Zumindest in Fürth.

Update 2. März 2026: Jetzt habe ich mir diesen Dreifuffzich-Döner mal gekauft. Ja, wie zu erwarten stand, ist er kleiner, als der Döner, den man früher in diesem Imbiss bekommen hat, aber nicht viel kleiner. Ich bin für 3,50 Euro jedenfalls ordentlich satt geworden, der Mann hinter dem Counter hat auch nicht am Fleisch gespart. Insgesamt ein ganz normaler Döner, nach alter Väter Sitte.

Döner

Wem das nicht genug sein sollte, der kann auch einen mittelgroßen Döner oder einen XXL-Döner ordern.

Gerne hätte ich den Imbiss verlinkt, wie ich das am Ende meiner kulinarischen Streifzüge immer zu tun pflege, aber der Dönerimbiss hat leider weder eine Webseite, noch einen Google-Maps-Eintrag.
Rathaus-Döner Emin Fürth, Königstraße 78, 90762 Fürth. 

Wirtshaus- Explorer: Neueröffnung der Pizzeria Americano FA am Rennweg

Pizza, Pasta, Salate. Klassisch, fair bepreist, no frills. Das ist die „Pizzeria Americano“. Ursprünglich „nur“ eine kleine Bude in der Trierer Straße in Langwasser (nicht zu verwechseln mit der Pizzabude „Pizza Americana“ gegenüber des Z-Baus/Südkaserne), die aber Kultstatus genießt, haben die Betreiber nun auch ein Restaurant in der Nürnberger Nordstadt eröffnet – direkt am Rennweg. Nachdem in diesem Jahr im Viertel bereits die Pizzaimbisse „La Vita“ und „Amalfi“ geschlossen haben, ist die Neueröffnung eine dankbare Ergänzung der Wirtschaftsgeografie in Rennweg und Veilhof.

Pizzeria Americano FA, Rennweg

Über rund vierzig Sitzplätze auf zwei Ebenen verfügt das helle, klar gestaltete Restaurant. Im architektonisch markanten Spitzbau aus den 1960er-Jahren, in dem sich in den letzten Jahren kein Restaurant so lange halten konnte, bietet das Team um Faruk Abdi klassische „amerikanische“ Pizza mit dichtem Teig und ordentlich Käse an. Ein Gegenentwurf zum Steinofen, zu lange gegangenen Sauerteigen und frittierter Pizza. Das „Americano“ hat ein Pizzenangebot, das uns Kids der 1980er- und 1990er-Jahre in die Kindheit und Jugend zurückversetzt. Alles handwerklich toll und solide gemacht, ohne Chichi, präsentiert sich eine einfache und gute Pizza.

Hell und freundlich sind nicht nur das Restaurant, sondern auch der zügige und verbindliche Service. Am Eröffnungstag kosteten wir diverse Salate, bunt und frisch mit angenehmem Dressing, diverse Pizzen sowie Bruschetta mit Burrata und Antipasti.
Und so besuchten wir das neue Restaurant einige Tage später. Die Pizzen sind reichlichst belegt, saftig und schmecken ganz hervorragend.

Im Americano schenkt man Flaschenbier von Mönchshof aus. Man sitzt gut in der Pizzeria Americano und wird bei einem Besuch auch nicht arm, orientieren sich die Preise doch an denen des Langwasseraner Imbisses. Insgesamt sind wir angetan vom neuen gastronomischen Angebot im Stadtteil und freuen uns, dass das Americano auch das prägnante Eckhaus am Rennweg „wiederbelebt“.

Pizza Americano FA, Ludwig-Feuerbach-Straße 3, 90489 Nürnberg. Telefon 979 225 24

Wirtshaus-Explorer: Salto Pastawerk Fürth

Seit einem guten Jahr residiert in der Fürther Ludwig-Erhard-Straße, schräg gegenüber des umstrittenen Erhard-Kanzlermuseums, ein gastronomisches Kleinod. Im Haus Nummer 13 mit dem wunderschönen Treppengibel, in dem man einst den Burger-Imbiss „Mam Mam“ vorfand, ist nun das „Pastawerk & Osteria“ Salto. Gemütlich und dennoch modern präsentiert sich dieses Restaurant, das mit dem klassischen Stadtteilitaliener nur wenig gemein hat.

Salto Pastawerk Fürth

Betritt man das Restaurant, so fällt zuerst einmal das zurückgenommen-moderne Ambiente ins Auge. Pastamanufaktur, ein Teil der Küche und der Gastraum gehen ineinander über – ein interessantes und angenehm umgesetztes Konzept. Hell und freundlich ist der Raum, man sitzt an den Holzstühlen zudem überraschend bequem.

Schnell bringt der flotte Service die Speisen- und Getränkekarte an den Tisch. Die Speisekarte überzeugt mit ihrer saisonalen Auswahl, sie ändert sich infolgedessen auch mehrmals im Jahr. Das macht die Folgebesuche im Salto freilich umso interessanter. Bei der Getränkekarte fällt sofort ins Auge, dass man sich mit der Auswahl nicht nur Gedanken gemacht hat, die Getränke sind überdies äußerst fair bepreist. Das Helle von der Brauerei Hofmann Gutenstetten-Pahres zapft man frisch, später werde ich noch den Primitivo versuchen, der mit seiner trocken-komplexen Fruchtigkeit und seinen angenehm balancierten Aromen auf ganzer Linie überzeugen kann.

Salto Pastawerk Fürth

Zuerst bestellen wir als Vorspeise zum Teilen die Oliven (sehr reichlich, 4,50 Euro) und Arancini Cacio e Pepe (10,50 Euro). Die frittierten Reisbällchen sind mit flüssigem Parmesan und Pecorino gefüllt und werden warm serviert, sie schmecken angenehm mild. Zur Hauptspeise ordern wir die Linguine Aglio e Olio (14,- Euro) sowie Tagliatelle mit einem Wildschwein-Ragu (etwa 19,- Euro).

Salto Pastawerk Fürth

Kulinarischer Hauptdarsteller im Salto ist selbstverständlich die Nudel, und die ist im Salto immer frisch. In einer Ecke des Restaurants bereitet der Pastaiolo die Nudeln vor den Augen der Gäste zu – und lässt sich bei seinem faszinierenden Tun auch bereitwillig ablichten. Seine Fingerfertigkeit und die kunstvolle Präzision der Herstellung z.B. seiner Ravioli ziehen den neugierigen Gast in einen Bann der Faszination. Was da gerade hergestellt wird, wird in den nächsten Minuten frisch zubereitet auf dem Teller liegen.

Salto Pastawerk Fürth

Von höchst angenehmem Biss sind die Linguine Aglio e Olio, sie werden mit einem würzigen Basilikum-Öl serviert. Der Knoblauch schmeckt fein, die frischen Chilihobel verleihen dem Gericht eine subtile Schärfe. Für eine gewisse Raffinesse (und ein angenehmes Mundgefühl) sind die Linguine mit einer Art Panko überstäubt, dessen Crunch nicht nur überrascht, sondern der sich auch geschmacklich gut einfügt. Ein einfaches Gericht – in handwerklicher Perfektion.

Linguine Aglio e Olio

Gut gemacht, aber ein wenig unspektakulär waren die Tagliatelle mit dem Wildschwein-Ragù. Dass es sich beim Ragù, dass einer Bolognese sehr ähnlich war (vielleicht etwas leichter) um Wildschweinfleisch handelte, konnte ich geschmacklich nicht wirklich feststellen. Nichtsdestotrotz gefiel auch diese mit hauchfein gehobeltem Parmesan dekorierte Hauptspeise.

Tagliatelle mit einem Wildschwein-Ragu

Zum krönenden Abschluss bestellten wir als Dessert das Tiramisu. Das ist im besten Sinne klassisch, luftig und dennoch gehaltvoll, reichlichst mit Kakao bestäubt und erfüllte unsere Erwartungen völlig. Manches bedarf einfach keiner Änderung oder Neuinterpretation, sondern muss, um zu überzeugen, einfach „nur“ gut gemacht sein.

Tiramisu

Die Küche und auch die Getränkeauswahl konnten wirklich überzeugen, der Service an diesem Abend war flott und freundlich.

Das tröstet auch ein wenig darüber hinweg, dass man bei unserem ersten Besuch unsere schriftliche und per Mail auch bestätigte Reservierung verschusselt und uns leider, um es einmal euphemistisch auszudrücken, recht nonchalant, um nicht zu sagen uncharmant, unverrichteter Dinge wieder vor die Tür gesetzt hat. Die Bedienung bedauerte diesen Fehler mehr als halbherzig und sagte, man werde sich mit uns zu einer Klärung in Verbindung setzen. Das ist – wen wollte es wundern – natürlich nie geschehen.
So etwas würde einem wirklich guten Gastgeber freilich nicht passieren. Wer mit Gästen kommt und sich nicht blamieren möchte, sollte nach der Onlinereservierung besser persönlich nachhaken, ob denn tatsächlich auch alles geklappt hat, um böse Überraschungen möglichst zu vermeiden. So gut das Essen war, in puncto Restaurantmanagement und Umgang mit eigenen Fehlern hat das Salto-Team bezüglich Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit noch Entwicklungsbedarf.

Der Gastraum ist recht klein und so gibt es auch einige weniger attraktive Sitzplätze an den Schaufenstern. Wer zu mehreren kommt, der muss schon den Kopf verdrehen, um seinen Essenspartner zu sehen. Wer reserviert, sollte das wissen und seinen Platzwunsch auch entsprechend formulieren.

Salto Pastawerk & Osteria, Ludwig-Erhard-Straße 13, 90762 Fürth, Telefon: 87 50 440. Eine Reservierung ist sinnvoll.

Wirtshaus-Explorer: Gaststätte „Zum Tannenbaum“, Fürth

„Wenn’s geschmeckt hat, positiv bewerten!“, ruft mir die Wirtin zu, als ich das gerade frisch servierte, knusprig-knisternde und unglaublich verführerisch riechende Schäufele noch schnell mit dem Telefon fotografiere, bevor ich mich im Tunnel des fränkisch-lukullischen Sinnesrausches der Einverleibung dieses herrlichen Fleischstücks nebst Kiedla an würziger Biersoße hingeben kann. Da wurde ich also unvermittelt daran erinnert, doch mal wieder einen „Wirtshaus-Explorer“ zu schreiben. So denn…

Gaststätte "Zum Tannenbaum", Fürth

Gaststätte „Zum Tannenbaum“, Fürth

Ort der Begebenheit ist eine Restauration, die der Fürther einfach als „Tannenbaum“ bezeichnet, gelegen direkt am Helmplatz. Das altehrwürdige Fachwerkhaus verrät, dass es sich hier um eine Traditionsgaststätte handeln muss, das immer empfehlenswerte Fürth-Wiki weiß zu berichten, dass das Gasthaus mindestens seit 1896 „Zum Tannenbaum“ heißt. Als „urig“ würde man solche Lokalitäten heute wohl bezeichnen, aber der Tannenbaum ist weit mehr, eine gewachsene Speisegaststätte in historischen Räumlichkeiten, in die jeder einkehren kann. Betritt man den Tannenbaum, so schreitet man unter dem Bibelwort „BIS HIERHER HAT DER HERR GEHOLFEN“ (1. Samuel 7, 12) ins großzügige Wirtshaus.

Es sind jene alteingesessenen Gaststätten, die den Charme der fränkischen Wirtshauskultur ausmachen. In holzvertäfelten Gaststuben sitzt man, fürgewöhnlich zu Mehreren, an schweren Tischen, betrachtet den im Laufe der Jahrzehnte angesammelten Zierrat und genießt eine regionale, herzhaft-deftige Küche, die man seit der Nachkriegszeit wohl aus der Verlegenheit heraus mit dem klassistischen Begriff „gutbürgerlich“ etikettiert hat. Auf den Simsen stehen Steingutseidel, alte Stiche mit Ansichten aus längst vergangenen Tagen zieren die Wände, Fensterscheiben und Lampenschirme sind bleiverglast.

Und so verströmt auch der Tannenbaum eine gewachsene Gemütlichkeit, der auch jene Gäste erliegen, die sonst eher die loftig-lichtdurchflutet-durchdesigneten hallenartigen Gastronomiebetriebe mit ihren Sushi, Tapas, Mezze und anderen Angeboten der Häppchenküche aufsuchen würden. Häppchenkultur sucht man indes im Tannenbaum vergeblich, kulinarisch geht es, der Herr hilft auch jenseits der Wirtshausschwelle, handfest zu.

Zu den Klassikern auf der Karte gehören neben der Pfannkuchensuppe, den Bratwürsten und sauren Zipfeln sowie der Tellersulzn auch Schweinebraten und natürlich das fränkische Schäufele. Das kommt duftend und mit röscher, noch knisternder Kruste an den Tisch, die Bratensoße ist vollmundig und bestens bierhopfig balanciert, mühelos löst sich das zart-saftige Fleisch vom Knochen und die Freunde heimatlicher Kochkunst wähnen sich im fränkischen Himmel. Und kommt man beim Mahl erst beim Kellnerstückla an, ist man ganz nah an jener Seligkeit, die einem dieses zarte, am Knochen servierte Ofengericht zu stiften in der Lage ist.

Wer ein Schnitzel oder Cordon bleu ordert, der wird alsbald die bekannten Klopfgeräusche aus der Küche vernehmen – die vorfreudige Erwartung wird auch beim frisch gebratenen Schnitzel nicht enttäuscht. Und so stellt sich bald die der Sättigung folgende Zufriedenheit ein. „Darf’s a Schnäpsla sein…?“

Neben Bieren der Nürnberger Konzernbrauerei Tucher (man serviert in bestem Lokalpatriotismus freilich jenseits der Stadtgrenze vornehmlich die Tucher-Marken Grüner, Humbser und Zirndorfer), bietet man im Tannenbaum eine sehr anständige und gepflegte Auswahl fränkischer Weine – zu einem sehr fairen Schoppenpreis. Wer ab und an gerne mal ein Gläschen Wein trinkt, sollte die erstaunlich breit gefächerte Weinkarte zumindest einmal überflogen haben.

Wem das alles zu traditionalistisch klingen mag, dem sei gesagt, dass man auf der Speisekarte auch immer zwei wechselnde vegane Gerichte findet, dazu freilich einige Salate und, je nach Saison, auch Fischgerichte und Karpfen. Brotzeit gibt’s ohnehin.

Der Service ist freundlich und verbindlich, das Essen schmeckt hervorragend und nicht nur kleine, sondern auch größere Gesellschaften finden im Tannenbaum Platz. Das Kamin-Nebenzimmer mit seinen etwa 45 Sitzplätzen haben wir unlängst als Treffpunkt für unsere Zusammenkünfte der (mittel)fränkischen Mastodon- und Bluesky-Nutzer auserkoren. Auch hier konnte der schnelle und angenehm zurückhaltende Service voll überzeugen. Im Sommer gibt es Außensitzplätze auf dem Helmplatz und im Hinterhof.

Zum Tannenbaum, Helmstraße 10, 90762 Fürth. Telefon: 766 04 85.

Wirtshaus-Explorer: Platz ist in der kleinsten Hütte – L’Incanto della Pizza am Nordostbahnhof

An guter Gastronomie ist das Nordostbahnhofviertel (die Nürnberger nennen es wegen der vielen nach sächsischen Städten benannten Straßen rund um den Leipziger Platz auch das „Sachsenviertel“) nicht allzu reich, seit wenigen Monaten aber gibt es im Quartier in der Mommsenstraße ein richtiges Schmuckstück: die Pizzeria L’Incanto della Pizza. Wir haben das kleine Restaurant unlängst besucht und waren sehr angetan.

L'Incanto della Pizza, Nürnberg

„Platz ist“, so sagt ein altes Sprichwort, „in der kleinsten Hütte“, und wie wahr dieses Sprichwort ist, lässt sich im L’Incanto della Pizza erleben. Aus zwei kleinen Lädchen, einem Obst- und Gemüseladen und einer Lotto- und Tabaktraffik ist die Pizzeria entstanden – und die Wirte haben in Anbetracht der doch reichlich beengten Platzverhältnisse ein wirkliches Schmuckstück geschaffen. An nicht allzu großen und dennoch hinreichend geräumigen Tischen sitzt man im stilvoll-modernen Ambiente der Pizzeria und kann sich mit wirklich wundervoll lockeren und geschmackig belegten Pizzen, traditionellen Klassikern wie auch Gourmet-Pizzen verwöhnen lassen.

L'Incanto della Pizza

Die Speisekarte ist klein, aber liebevoll zusammengestellt. Ein paar Biere, Hauswein, rot oder weiß (angenehm trocken, rund und schön süffig), einige Kaffeespezialitäten, aber fünf Pastavariationen und 23 verschiedene Pizzen sowie sieben Gourmetvariationen und eine kleine Nachspeisenauswahl, dazu noch Tagesgerichte, bietet das L’Incanto della Pizza.

L'Incanto della Pizza - Pizza Theo

Ich bestellte die Pizza „Theo“, die neben scharfer Salami auch die pikante kalabrische Nduja, eine scharfe Streichsalami enthielt. Sehr lecker und sicher auch in der Gegend einzigartig. Auch die Tonno e Cipolla und die Pizza Vier Jahreszeiten waren handwerklich wie geschmacklich ausgezeichnet. Der Duft der unmittelbar neben dem Gastraum aus dem Ofen geschobenen Pizzen vermag zu betören.

L'Incanto della Pizza

Den Abend beschlossen wir mit einem leckeren Tiramisu und einer Pizza „Nutella“ (mit wirklich reichlich Nutella bestrichenes warmes Pizzabrot und gehackten Haselnüssen), beides entsprach unseren Erwartungen.

L'Incanto della Pizza - Tiramisu

Der flotte Service bemüht sich, den Gästen die Wünsche von den Augen abzulesen und sorgt für gute Stimmung im kleinen Restaurant, das im Sommer auf dem Gehsteig auch einige Tische und Stühle bereithält. Es ist auf jeden Fall empfehlenswert, vor dem Besuch telefonisch zu reservieren. Hervorzuheben bleibt mir an dieser Stelle das sehr faire preisliche Niveau von Speisen und Getränken. Nudelgerichte kosten zwischen 9 und 11 Euro, Pizzen zwischen 7 und 13 Euro, die Gourmetpizzen liegen um die 14-15 Euro. Der Hausschoppen kommt auf sechs Euro, ein Seidla Bier (Pils oder Radler) kostet 4 Euro, der Cappuccino aus dem Siebträger 3,50 Euro.

Mein Fazit: In der Nachbarschaft eine Pizzeria wie das L’Incanto della Pizza zu haben, ist sicher großes Glück und das Restaurant macht das Viertel wieder ein Stück attraktiver. Das klare, einfache und stimmige Konzept, die tollen Pizzen und die fairen Preise sowie der flotte und nette Service runden den ersten, ausnahmslos guten Eindruck stimmig ab.

L’Incanto della Pizza, Mommsenstraße 65a, 90491 Nürnberg. Telefon: 48 09 11 30.

Wirtshaus-Explorer: Das blaue Haus, Nürnberg

Seit mindestens 25 Jahren, wahrscheinlich aber schon länger, ist das „Blaue Haus“ im Süden Nürnbergs eine Institution. Das Wirtshaus verfügt nicht nur über eine überaus große Gaststube, im Sommer kann man auch im Biergarten inmitten des Nuerbanums ein kühles Bier trinken (leider nicht allzu schattig). Das Küchenteam ist international, dennoch steht im blauen Haus die fränkisch-bürgerliche Küche klar im Mittelpunkt der Speisekarte.Blaues Haus, Nürnberg

Mittags bietet man im blauen Haus eine recht bunte Karte mit internationalen, aber auch einigen fränkischen Gerichten. Die Mittagskundschaft dürfte sich mehrheitlich aus den Leuten rekrutieren, die im oder in unmittelbarer Nähe des Nuerbanums, jenes „Business-Parks“, der um die Jahrtausendwende auf dem ehemaligen Areal der TeKaDe/Philips östlich der Allersberger Straße entstand, arbeiten. Diese Gäste finden in der großen Gaststube bequem Platz.Blaues Haus, Nürnberg - Gaststube

Die Abendkarte ist fest in der Hand fränkischer Spezialitäten und auch am Wochenende stehen Schnitzel, Cordon bleu, Schäufele und Schweinebraten im Rampenlicht, denn samstags und sonntags sind diese Gerichte alle einen Euro billiger. Auch in den Abendstunden muss man nicht zwingend einen Tisch reservieren, in aller Regel findet man im großzügig dimensionierten Wirtshaus einen Platz.

Bei unserem Besuch bestellten wir ein Schnitzel mit Pommes und ein Schäufele. Das Schnitzel war groß, hatte eine knusprige Panade und war handwerklich ordentlich gemacht, lediglich etwas Salz fehlte dem Gericht; die Beilagenportion Pommes war üppig.

Blaues Haus, Nürnberg - Schäufele mit Kloß

Auch das Schäufele konnte überzeugen, für den Wochenendpreis von 13,90 Euro bekommt man eine schöne Portion mit guter Soße und vernünftiger Kruste serviert, dazu ein Kniedla (das aber vorgefertigt bzw. vorgerollt und geschmacklich nur durchschnittlich war). Zu diesen Gerichten gibt es – das sei der Vollständigkeit halber erwähnt – keinen Beilagensalat, der muss extra bestellt werden.

Im blauen Haus serviert man vom Fass das Pilsener der Duisburger König-Brauerei – und das auch noch im hierzulande nicht nur unüblichen, sondern zu Recht verpönten Schankmaß 0,4l. Wer ein Weizen trinken möchte, hat mehr Glück, die Flasche Gutmann kommt nicht nur auf den gewohnten halben Liter, sondern auch auf noch verhältnismäßig günstige 4,50 Euro – und das dunkle Gutmann-Weizen ist ein Hochgenuss!

Fast schon Kultstatus genießt das Relief mit den speisenden Tieren Afrikas, das es wohl ähnlich lange gibt wie das Wirtshaus.

Mein kurzes Fazit: Im blauen Haus, mittlerweile schon fast eine Traditionsgaststätte, lässt sich zu immer noch zivilen Preisen vernünftig speisen. Parkplätze gibt es reichlich im Nuerbanum, der kleine Biergarten lädt im Sommer zum Verweilen ein, Weißbiertrinker kommen voll auf ihre Kosten.

Das blaue Haus, Allersberger Str. 185, 90461 Nürnberg. Telefon 47 20 830.

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