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Immer Ärger mit dem gelben Sack.

Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da haben wir mit den gelben Säcken, die dem Dualen System Deutschland seit jeher zur Müllsammlung dienen, ganze Umzüge abgewickelt. Das geht heute nicht mehr, inzwischen sind die Folien, die für die Herstellung des Sackes verwendet werden, so dünn und lumpig, dass das Material selbst bei halber, ordnungsgemäßer Beladung zum Reißen neigt.

Und damit beginnt auch schon der Ärger: Wenn in der Stadt weit vor dem Abholtermin die „Wertstoffsäcke“ auf die Straße gestellt werden, damit die mit voluminösem Verpackungsmüll gefüllten Dinger endlich aus der Wohnung sind, verteilt sich dieser Müll schnell auf den Straßen. Wind und Wetter zerren an der lausig schlechten Sackfolie, Kinder kicken die Säcke (die im Gegensatz zu einem Fußball den Kick eben nicht abkönnen) und Ratten und andere Pestilenzen haben auf der Suche nach Nahrung mit den gelben Säcken leichts Spiel.

Der herumfliegende Müll ist nicht nur den Anwohnern ein Dorn im Auge, auch die Stadt hat damit ihre liebe Not, denn schließlich muss sich die Straßenreinigung um den umherfliegenden Müll kümmern, die Gewinne aus Recycling und Verkauf des Mülls wandern freilich in die Taschen privater Dienstleister (und das System ist duch die Lizenzabgabe für den Grünen Punkt auf Verpackungen) finanziell sowieso gut unterfüttert. Hier sieht man auch mal wieder, wie es in unserem Gemeinwesen halt so funktioniert: Die Kosten werden der Allgemeinheit zugeschoben, die Gewinne privatisiert (zumal die Stadt den Plastikmüll gerne nutzen würde, weil er einen guten Brennwert für das Heizkraftwerk liefert).

Nun will in Nürnberg Bürgermeister Vogel eine Strafe von 50 Euro vom Vermieter derjenigen Anwesen erheben, vor denen Säcke vor dem Abend des Abholtages auf der Straße stehen. Es hat nicht lange geaduert, bis der Haus- und Grundstücksbesitzerverein protestierte – mit nicht ganz von der Hand zu weisenden Argumenten:

Zuerst einmal kann ja jeder seinen Müll vor ein beliebiges Haus stellen. Wie wollte die Stadt nachweisen, wer der wirkliche Verursacher von Müll ist? Außerden darf man sich sicher sein, das die Vermieter dann die Strafe auf die Mieter umlegen, was wiederum viele Bürger trifft, die nichts für die Verunreinigung können.

Dabei gäbe es doch recht praktikable Lösungen: In anderen Kommunen ist die Gelbe Tonne in der Fläche Standard. In ihr wird gesammelt, was auch im gelben Sack gesammelt wird, sie kann jederzeit von den Bürgern genutzt werden. Kein Müll im siffligen Sack in der Wohnung, deutlich weniger umherfliegender Müll auf den Straßen. Wenn jedes Haus eine gelbe Tonne vorhalten müsste, gäbe es zudem so viele Tonnen, dass es keinen Anrreiz gäbe, seinen Müll in fremden Tonnen zu entsorgen.

In wenigen großen Wohnanlagen gibt es bereits gelbe Tonnen, eine generelle Umstellung wäre sehr sinnvoll. Und: Das Problem und die Diskussion um die Tonne besteht schon lange, wie dieser Artikel der Nürnberger Zeitung aus dem Jahr 2008 beweist.

Darum: Her mit der Tonne – das klappt beim Hausmüll und Papiermüll seit Jahrzehten hervorragend. Wichtiger aber wäre noch eine breit geführte gesellschaftliche Debatte, ob es denn die gelben Säcke und das Duale System überhaupt noch braucht – es gibt viele ernstzunehmende Stimmen, die dieses System mit guten Argumenten generell in Frage stellen.

Ende Mai startet der DVB-T2-Regelbetrieb in Nürnberg.

Gute Nachrichten für die Fernsehzuschauer in der Region, die ihr Programm über die gute alte Antenne empfangen: Am 31. Mai startet bei uns der Regelbetrieb für DVB-T2.

Was ist DVB-T2 und warum ist das (zumindest aus meiner Sicht) eine gute Nachricht?

Nun, vereinfacht gesprochen ist DVB-T2 die HD-fähige Variante von DVB-T. An der Empfangsart, an der Bedienung und auch an den Features ändert sich im Wesentlichen nichts, allerdings wird das Bild nun „hochauflösend“ übertragen, was über Kabel, Satellit und auch per Internet längst der Fall ist. Im Fall von DVB-T2 wird also – wiederum vereinfacht dargestellt – das Übertragungsverfahren gewechselt: In Deutschland bedient man sich des Codecs HVEC, auch H.265 genannt. Das hat, das will ich nicht verschweigen, aber auch zwei Nachteile: Zum einen ist das Verfahren nicht abwärtskompatibel, d.h. mit dem alten DVB-T wird man das neue Programm nicht sehen können, nach einer Übergangszeit braucht man dann wohl auch einen Neuen Empfänger (einen Receiver oder Stick). Außerdem unterstützt der neue Standard auch Pay-TV, RTL, Sat. 1, Pro 7 und Konsorten sollen künftig terrestrisch nur gegen Bezahlung zu empfangen sein (und mir persönlich sind die Frequenzen für irgendwelches Pay-Gelumpe terrestrisch zu knapp. Aus Prinzip).
Der Vorteil: Wir sehen zukünnftig über Antenne HD-Fernsehen und werdenb über DVB-T auch wesntlich mehr Sender empfangen – von bis zu 40 Programmen ist die Rede. Auch soll – aber da fehlt mir die praktische Erfahrung – die Übertragung stabiler funktionieren.

Ich mag DVB-T, denn ohne großen Installationsaufwand und mit beachtlicher Stabilität lasst sich recht angenehm fernschauen, ohne das zusätzliche laufende Kosten entstehen (wie beispielsweise beim Kabelfernsehen). Der große Nachteil von DVB-T, nämlich die inzwischen wenig attraktive Bildqualität, wird mit DVB-T2 ausgeglichen.

Und Nürnberg, das zeigt die Karte der offiziellen DVB-T2 HD-Internetpräsenz, wird gleich zu Beginn des Regelbetriebs mitversorgt.

Nun stellen sich freilich noch ein paar Fragen, die ich versuche, zu beantworten:

Brauche ich für DVB-T2 eine neue Antenne?

Wenn ich bereits DVB-T empfange und eine funktionierende Antenne habe, nein. Natürlich kann es in der Übergangsphase passieren, dass ich in einem Gebiet wohne, in dem ich mit der Zimmerantenne DVB-T empfangen kann, für DVB-T2 aber eine Außenantenne benötige. Mit zunehmendem Ausbau sollte sich das aber geben. Spezielle Antennen für DVB-T2 braucht es aber definitiv nicht, da im selben Frequenzband wie DVB-T gesendet wird.

Kann ich jede Box und jeden Empfänger für DVB-T2 verwenden?

Leider auch: Nein. Der Receiver, Fernseher oder DVB-T2-USB-Stick muss nach dem oben schon erwähnten HVEC-Standard arbeiten. Viele Geräte aus dem Ausland kölnnen das aber nicht, sie empfangen den H.264-Standard, der in Deutschland nichts nutzt. Daher warne ich davor, sich z.B. aus China vermeintlich günstige DVB-T2-Empfänger zu kaufen (z.B. über amazon oder ebay), sie werden hier derzeit mehrheitlich nicht funktionieren. Wer sichergehen will, dass die Geräte funktionieren, und wer sich nicht auskennt, sollte beim Kauf auf das grüne „DVB-T2 HD“-Logo achten, wie man es auf dieser Seite sehen kann.

Was kosten die neuen Boxen?

Zwischen 50,- und 100,- Euro kosten die wenigen Boxen, die jetzt schon verfügbar sind. Ich vermut ja, dass sich das hier ähnlich entwickelt wie seinerzeit bei DVB-T: Am Anfang waren die Geräte seinerzeit halbwegs erschwinglich, binnen eines Jahres fielen die Gerätepreise dann spürbar. Da das alte DVB-T ja nicht von heute auf morgen abgeschaltet wird, würde ich mich diesmal nicht unter die „early adoptors“ zählen und erst mal ein wenig zuwarten. Auch, weil aktuell die Geräteauswahl noch nicht allzu groß ist.

barcamp Nürnberg vom 29. bis 31. Mai 2015 (#bcnue7)

Drei Camps und zwei Barcamp-Nächte bietet Nürnberg im ersten Halbjahr: Das OpenUp-Camp, dass sich als Mischung von Konferenz und Unkonferenz versteht und „Unternehmen mit […] Technologie- und Gesellschaftsthemen“ zusammenbringt, findet bereits vom 26. bis 28. März statt.

Das DevOps-Camp 2015 ist einen Monat später, vom 24. bis 26. April 2015. DevOps ist ein Kofferwort aus developer und operations, was das genau ist, könnte ich nur äußerst unzureichend sagen, das tun besser die Profis.

Neben diesen beiden Themencamps findet wiederum einen Monat später das Nürnberger barcamp statt, und zwar zum siebten Mal. In aller Kürze:

#bcnue7 – barcamp Nürnberg
29. bis 31. Mai 2015

GRUNDIG AKADEMIE
Seminarzentrum Klingenhofstraße
Klingenhofstraße 58, 90411 Nürnberg

Was das barcamp ausmacht und ein paar Impressionen vom letzten Jahr zeigt der Promofilm.

Am Rande: Die GRUNDIG AKADEMIE ist nicht nur der Location-Sponsor des barcamps, auch das OpenUp-Camp und das DevOps-Camp finden in den Räumen der Akademie im Nürnberger Norden statt.

Was ein barcamp ist?

Ein BarCamp ist eine Un-Konferenz, bei der das Programm von den Teilnehmern gestaltet wird, die dementsprechend Teilgeber genannt werden. Das Programm besteht aus 45-minütigen „Sessions“, die beispielsweise ein Vortrag oder eine Diskussionsrunde zu einem bestimmten Thema sein können. Welche Themen behandelt werden, wird vor Ort entschieden und ist von den Interessen und Kompetenzen der Teilgeber abhängig. (Quelle)

Karten gibt es ab Anfang März, es lohnt sich, früh zu buchen, um mit dem „early bird“-Ticket ein paar Euro zu sparen.

Burgkrone.

Eigentlich ist Alkoholismus ja eine traurige Angelegenheit. Aber ich muss noch immer lachen!! Zu geil, der Typ!

So sanns, die Franggn.

(via Radio F, Nürnberg, danke, Frank)

Wirtshaus-Explorer: Mam Mam Burger Nürnberg – nicht schlecht. Aber auch nicht wirklich gut.

Zweierlei vornan: Burgerläden schießen wie Pilze aus dem Boden, gerade in Nürnberg. Ich bin wirklich überrascht, welcher Hype um Burger gemacht wird. Das Phänomen ist aus Berlin bekannt, dort trendete der Burger – vor fünf Jahren. Es braucht halt immer ein bisschen Zeit, bis sich ein Trend in die Provinz verirrt…
Weiterhin: Ich habe an Gastronomie generell einen gewissen Mindestanspruch. Zu diesem zählt die Wertschätzung des Gastes. Einen Gast auch als solchen zu behandeln, bedeutet, ihn zu bedienen. Wer von mir verlangt, dass ich mein Essen und Getränk an einer Theke hole – der begibt sich auf das Niveau diverser Systemgastronomieketten – und hat mich folglich als Gast nicht verdient. Ich gehe aus freien Stücken nicht in diese Läden. Ich hatte das im letzten Jahr einmal in Köln in einem Hipster-Laden, das brauche ich nicht wieder. Wenn die Hipster darauf stehen, dass man mit ihnen schlecht umgeht, ihr Problem, nicht meins. Infolgedessen werdet ihr hier auch keine Kritik eines „Thekenladens“ lesen, denn das ist unterhalb der Kritik.

Es ist gar nicht so leicht, einen Burgerladen zu finden, in dem man noch anständig bedient wird. „Mam Mam Burger“ in der Tetzelgasse ist so ein Laden. Zwar steht in der Lokalzeitung Gegenteiliges, wir aber wurden am Platz bedient, wie es sich gehört – nicht nur freundlich, sondern herzlich. Der Service ist schnell, verbindlich und freundlich – man fühlt sich als Gast im puristisch gestalteten Burgerladen auf jeden Fall wohl. Eine Facebook-Kommentatorin schrieb: „Ich hatte das Gefühl, dass ich in einer Garage sitze. Es ist kein richtiger Fußboden verlegt.“ Mir ist das egal, ich saß gut und komfortabel an den langen Holztischen und das Wichtigste: Als wir den Laden verlassen haben, hat unsere Kleidung nicht nach Imbissbude gestunken – einwandfrei.

MAM-MAM-Burger_Nürnberg

Ebenso puristisch wie der Laden ist auch die Speisekarte: Es gibt Hamburger und Cheeseburger – gerne auch als Double, zwei Sandwichvarianten und Brownies. Dazu diverse Zutaten und Toppings. Und als Beilage: Pommes, hier heißen sie „Fritten“. Zu trinken: Milchshakes, die Softdrinks bestehen im Wesentlichen aus dem Fitz-Limo-Sortiment. Das ist arg gewöhnlich, aber ok. Bier? Augustiner. In Franken ist das, gelinde gesagt, eine Schande. Franken hat so viele gute Biere zu bieten, wer in Nürnberg Augustiner ausschenkt, den klage ich der Phantasielosigkeit an. Ein passionierter Biertrinker war das sicher nicht.

Wir bestellen zwei Cheeseburger, dazu Fritten und zwei Fritz-Getränke (0,33l). Für die Cheeseburger werden je 5,50 Euro aufgerufen, die Fritten schlagen mit je 2,75 Euro zu Buche, das kleine Fläschchen Fritz kostet ebenfalls 2,75 Euro. Und so sieht unser Menü dann aus:

Menü_Mam-Mam-Burger_Nürnberg

Die Pommes sind handgeschnitten und – so sagt ein Schild – zu 99% frei von Transfetten. Das ist zwar nett, fettig waren die Pommes aber trotzdem, halt nicht transfettig. aber prima gewürzt, und so sind sie auch essbar, obwohl sie alles andere als kross auf dem Teller liegen. Der Burger ist, gemessen an den Erwartungen, die man mit dem Preisschild von 5,5o Euro erzeugt, winzig. Die Burgersoße ist sehr gut, das Fleisch wäre es an und für sich wohl auch, leider war es bei uns viel zu „kohlig“ gegrillt und damit deutlich zu bitter. Der weitere Belag schmeckte frisch, das Bun war ausdruckslos, latschig und industriell uninspiriert. Es wurde uns also ein viel zu kleiner Cheeseburger serviert, der handwerklich halbwegs ok war, wegen des halbverbrannten Fleisches und dem langweiligen Brötchen aber allenfalls durchschnittliche Qualität aufweist. Man kann ihn essen, aus dem Haus muss man für so einen Burger aber nicht. In der Königsdisziplin eines Burgerladens wird im „Mam Mam Burger“ zwar nicht völlig versagt, das was auf dem Teller liegt, ist aber bei Leibe nicht der Reißer.
An den Sandwiches habe ich mich nicht versucht, ebenso nicht am Brownie – hierüber kann also kein Urteil gefällt werden.

Mein Fazit: Typischer „average“ Burgerladen. Service und Sauberkeit sind top, der Burger und die Fritten Mittelmaß. Das Ambiente ist einfach, ehrlich und stimmig. Alles ok, aber eben nichts Besonderes. Das Preis-Leistungsverhältnis ist inakzeptabel.

 Mam Mam Burger, Tetzelgasse 21, Telefon: (0176) 24939158.

Wurde die Nürnberger U-Bahn gehackt?

Wer vorgestern den Report aus München im ersten Programm gesehen hat der mochte seinen Augen nicht trauen: Eine U-Bahn in „einer deutschen Großstadt“ wurde demonstrationshalber von einem Herren namens Marco di Filippo gehackt – oder scheinbar doch nicht, so genau weiß man das nicht. Zweck der Übung war, zu demonstrieren, wie verwundbar wichtige Infrastruktur für islamistische Angriffe eines „Cyber-Terrorangriffs“ sei. Bei der U-Bahn, die als Demonstrationsobjekt herhielt, handelte es sich um die Nürnberger U-Bahn, genauer: Ziel des Angriffs war die Steuerung der vollautomatischen, fahrerlosen U-Bahnen der Linien 2 und 3.

Der Bericht ist übrigens auf den Seiten das Bayerischen Rundfunks zu sehen.

Bevor ich mich mit der VAG beschäftige, möchte ich einmal etwas auftrennen, was in meinen Augen nicht ursächlich zusammenhängt, nämlich den islamisch motivierte Terrorismus auf der einen Seite und die Angreifbarkeit von Infrastruktur – sofern ihre Steuerung vernetzt oder fernwartbar ist – auf der anderen Seite: Beides hat nicht zwingend etwas miteinander zu tun, denn der reine Umstand, dass ein technisches Netzwerk immer angreifbar ist, hat noch nichts mit der Motivation den Angreifer zu tun. Insofern sehe ich auch nicht, dass die Nürnberger U-Bahn ein besonders beliebtes Angriffsziel sein sollte – warum auch?

Interessant ist für mich noch ein anderer Aspekt: Wenn jemand „aus Hackerkreisen“ eine entsprechende Demonstration fährt, dann ist – aller Erfahrung nach – zuallermeißt mindestens einer der folgenden zwei Punkte gegeben, die dem Demonstrationsgegenstad innewohnen: Entweder ist das Demo-Objekt leicht zu hacken oder aber der Hack ist echt spektakulär. Zu letzteren Fällen zähle ich auch Hacks, die für sich genommen keine per se spektakulären Objekte betreffen, sondern Objekte die vielverbreitet, omnipräsent sind. Nun kann ich an dieser Stelle nur mutmaßen, allerdings drängt sich mir die Frage auf, ob im Falle der Steuerung der fahrerlosen U-Bahn in Nürnberg nicht tatsächlich beides der Fall war. Wer den entsprechenden Bericht der Nürnberger Zeitung zwischen den Zeilen liest und das Video des BR mitsamt den Kommentaren von Herrn Filippo einmal aus dieser Perspektive auf sich wirken lässt, der könnte unter Umständen zu so einem Schluss kommen.

Zahllose computerbasierte Systemsteuerungen seien so schlecht gesichert, dass sie von außen problemlos angegriffen, ja übernommen werden könnten. (Quelle: NZ)

Das für sich genommen ist nichts Neues; das es die Nürnberger U-Bahn getroffen hat, ist angesichts der Komplexität ihrer Steuerung aber auch nicht verwunderlich. Je komplexer eine Steuerung ist, je mehr Hierarchien auf diese Steuerung zugreifen können, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Angreifer eine Sicherheitslücke findet und zu nutzen versteht. Die möglichst exakte und kleinteilige Fernwartbarkeit und ein möglichst lückenloses Monitoring begünstigen genau diesen Umstand.
Und: An dieser Stelle muss ich leider etwas ätzen: Schon bei Stuxnet war es eine Siemens-Steuerung, die Kern des Angriffs war. Und im Video zu sehen ist die Softwaresteuerung einer Simatic. Ich gehe davon aus, dass man beim BR so sorgfältig arbeitet, dass das keine „Symbolscreenshots“ waren.

Über die Reaktion der VAG wundere ich mich sehr. Ich kann das Beschwichtigen der Pressesprecherin nicht verstehen. Eine gute Krisen-PR sieht erst mal anders aus, außerdem ist auch die VAG vor einem generell existierenden Problemkomplex nicht gefeit. Dies einfach zu behaupten trägt im Übrigen nichts zur Erhöhung der Sicherheit bei. Ich hätte mir als Statement seitens der Verkehrsbetriebe erstens ein klares Bekenntnis zu in solchen Fällen einzuleitenden unabhängigen Audits von absoluten Profis erwartet (nicht nur von VAG-Leuten, Betriebsblindheit, wissenschon, sowas muss extern bearbeitet werden). Ich hätte weiterhin erwartet, dass man Herrn di Filippo – öffentlich – einlädt und ihn seinen Hack seine Simulation demonstrieren lässt. Außerdem hätte ich mir die Demut gewünscht, einzugestehen, dass es eine wirklich sichere Anlagensteuerung nicht geben kann. Nichts dergleichen ist passiert. Stattdessen wird die VAG-Pressesprecherin wie folgt zitiert:

Er hat uns nicht gehackt. Dies wäre auch strafbar. (Quelle)

Ohgottohgottohgott!! „Dies wäre auch strafbar“ – einmal Naivität für 500, bitte! Der BR zeichnete im Groben folgendes Szenario: Wir sind von islamistischen Cyber-Terror verwundbar, weil unsere Infrastruktur angreifbar ist (wie gesagt, ich halte das für einen Fehlschluss, wir sind nicht von Islamisten allein angreifbar, wir sind von jedem angreifbar, der die Technik beherrscht – und darunter fallen logischerweise als Teilmenge auch Islamisten, klar). Dem cyber-terrorisierenden Taliban, liebe VAG, dürfte es allem Ermessen nach scheißegal sein, ob dies auch strafbar wäre.

Um gleich dem nächsten Fehlschluss hinterherzusteigen: Der NZ-Journalist resümiert am Ende seines Artikels:

So oder so: Viele kommunale IT-Systeme sind offenbar sehr verwundbar. Ob die U-Bahn-Steuerung VAG dazu- gehört, die Kraftwerks-Steuerung N-Ergie oder gar die Stadt Nürnberg selbst, bleibt vorerst offen.  (Quelle)

Wieso? Wieso sollen gerade die kommunalen Systeme sich für derartige Angriffe besonders anbieten? Was hat das Kraftwerk der N-ERGIE oder gar die Stadt selbst nun mit den (möglicherweise vorhandenen) Sicherheitslücken der RUBIN-U-Bahn zu tun? Ich sehe da keinen zwingenden Zusammenhang. Ich bin tatsächlich der Meinung: Es kann leider jeden treffen. Wichtig ist, seine eigenen Security auf möglichst hohem Niveau zu halten, um nicht die grinsende Beute potenzieller Angreifer zu werden. Wichtig ist auch, zu begreifen, dass IT-Sicherheit ein prozesshaftes Ding ist und tagtäglich erstritten und gewahr werden will.

Weiterhin: Wirklich kritische Infrastruktur gehört, auch wenn die Alternative im Zweifel sauteuer ist (z.B. Standleitungen) einfach nicht ans Internet. Und auch nicht zwingend ans öffentliche Telefonnetz (Anachronismusalarm! Das öffentliche Telefonnetz ist ja quasi das Internet. Ich prangere das an, ernsthaft!). Der Aufwand, den dann ein Angreifer betreiben müsste, wäre nämlich ungleich höher und würde auch die Anwesenheit des Angreifers vor Ort voraussetzen, was Ergreifbarkeit oder Verhinderung ermöglicht – und für den Angreifer ungleich höhere Risiken mit sich bringt. Einfach nur zu behaupten, die eigenen Systeme seien sicher, bringt: Nichts.

Btw.: Ich bin kein IT-Sicherheitsexperte. Das was ich hier zum Thema IT-Sicherheit fallen lasse, sind allgemein anerkannte und ganz basale Axiome. Sie sind so geläufig, dass sie schon fast wie Plattitüden wirken. Ich bin mir dessen vollauf bewusst. Umso mehr erschreckt es mich, dass dieses Basiswissen weder bei den Damen und Herren Journalisten noch bei Unternehmen wie der VAG gesetzt ist. Vielleicht ist ja genau dieser Umstand die eigentliche, gravierendere Sicherheitslücke.

Update, 17.01.2015, 17:40: Der Herr Felme von der Stadt Nürnberg hat´s übrigens begriffen.

Bitte keine Berlinifizierung Nürnbergs. Wir brauchen den Scheiß hier nicht.

Hipster, geht bitte weit weg. Nach Berlin. Obwohl, die Berliner packen Euch ja auch nicht. Geht nach New York. Da könnt ihr nichts kaputtmachen.

In Nürnberg braucht es keine Berlinifizierung. Denn Berlin ist ziemlich am Arsch.

Wie sehr am Arsch, das könnt ihr exemplarisch hier lesen:

Hipsterstall killed the Videostore

Meine heutige Leseempfehlung an Euch. Bitte wirklich lesen. Und wer dann noch von Berlinifizierung faselt, der soll dann bitte auch dorthin gehen. Danke.

Morgen gegen die Ausmalung des Rauthaussaals stimmen!

Wer morgen in Nürnberg seine Stimme zur Europawahl abgibt, hat auch die Möglichkeit, beim Ratsbegehren um die Ausmalung des historischen Rathaussaals mitzustimmen. Selten bin ich so direkt, diesmal aber fordere ich Euch auf:

Geht morgen zur Wahl und stimmt gegen den den Unsinn der Ausmalung des Rathaussaals, wie ihn die „Altstadtfreunde“ befürworten – stimmt mit NEIN!

Zwischen 1332 und 1340 wurde der heute als „historisch“ bezeichnete Rathaussaal gebaut und entsprechend der damaligen Gepflogenheiten gestaltet. Ab 1521 wurde dann unter der Leitung Dürers die Innenausstattung nebst Wandbemalung erschaffen, ging im Laufe der Jahre aber verloren und wurden immer wieder zeitgeistig „rekonstruiert“, zum letzten Mal kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert. Schon das, was damals im Saal zu sehen war, hatte – so die Experten – mit dem, was Dürer einstmals malte, höchstens im Allerentferntesten zu tun. Selbst Befürworter der Ausmalung müssen zugeben, dass die letzte „Sanierung“ aus dem Jahren 1904/05 einer „Neuasmalung“ gleichkam – die Dürersche Handschrift war schon zu diesem Zeitpunkt im Saal unwiederbringlich verloren. 1945 brannte der historische Rathaussaal vollständig aus – es blieb nichts rekonostruierbares übrig. Gar nichts. Der Rathaussaal wurde Ende der 1950er Jahre wieder aufgebaut – unbemalt.

Ende der 1980er Jahre passierten dann zwei interessante Dinge: Farbdias, die Teile des Rathaussaals in der Ausmalung von 1904/05 zeitgen (aufgenommen 1943) wurden wiederentdeckt. Und: Im Zuge der Debatte fertigte der Künstler Michael Matthias Prechtl einen zeitgenössischen Entwurf, den er nach Diskeditierung der Mulzer-Brigaden Altstadtfreunde zurückzog. Die Geschichte des Saals lässt sich im NürnbergWiki übrigens recht gut nachvollziehen.

Und heute? Heute fordern die Altstadtfreunde eine Rekonstruktion der Wandbemalung Dürers nach den Farbdias von 1943 und anderen Fotografie in schwarz-weiß. Dass das weder etwas mit Dürer noch mit Rekonstruktion im engeren Sinne zu tun hat, ist hinlänglich bekannt – das ficht die „Altstadtfreunde“ aber nicht an.

Die Bemalung des Rathaussaals gemäß dem Vorschlag der „Altstadtfreunde“ ist Unsinn, …

  • … denn mit Dürer hat das alles nichts mehr zu tun
  • … denn das, was sich aus der alten und lücken- wie fehlerhaften Fotodeloration herauzsziehen ließe, noch nicht einmal den Stand der Neugestaltung von 1904/05 wiederzugeben in der Lage ist.
  • … die geschätzen Kosten für die Ausmalung würden sich auf bis zu 9 Millionen Euro belaufen (und wer sich so ein Projekt mal detailliert vorstellt, kommt schnell auf den Trichter, dass es gerne auch noch teurer werden kann). Geld, das Nürnberg nicht hat, Geld das überall dringender gebraucht wird – kurz: Viel zu teuer für so einen Unsinn.
  • … denn Nürnberg ist nicht Disneyland und unsere Altstadt ist Lebensraum und kein Freilandmuseum für Butzenscheiben, Lebkuchen, Bratwürste und naive Malerei.
  • … denn der Stadtrat hat bereits gegen diesen Blödsinn gestimmt. Nur die Mulzer-Brigade „Altstadtfreunde“ interessieren sich halt nicht für den Beschluss eines demokratisch legitimierten Stadtrates, warum denn auch?

Wer sich vor der morgigen Wahl den Schriftsatz zum Ratsbegehren in aller epischer Breite zu Gemüte führen möchte, der hat hier Gelegenheit dazu.

Fazit: Die Ausmalung des Rathaussaals kann nicht sinnvoll gelingen, verschlingt höllisch viel Geld, das in unserer schönen Stadt an allen Ecken und Enden fehlt und ist damit schlicht Unfug. Es ist traurig, dass der Wähler hier überhaupt korrigierend eingreifen muss – daher gilt: Morgen zur Wahl und mit NEIN gegen die Ausmalung gestimmt!

Heute: Maly gegen Brehm – das TV-Duell.

Ich bin sehr gespannt, denn das Franken Fernsehen bringt heute Abend das TV-Duell Maly gegen Brehm.

Los geht es um 18 Uhr, um 20 Uhr wird die Sendung wiederholt. Wie der Sender schreibt, sind auch D-Promis wie Althoff oder Armbrüster vertreten (ich bin ja sehr gespannt, ob die substanzielles beizutragen haben).

Weitere Infos gibts auf den Seiten des Franken Fernsehens.

 

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