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Blast from the past: Das 8-Uhr-Blatt.

Der ein oder andere kann sich noch an die Nürnberger Abendzeitung, das „Acht-Uhr-Blatt“ erinnern. Diese Boulevardzeitung gehörte fest zur mittelfränkischen Medienlandschaft – und ging 2012, nur wenige Monate, nachdem dieses Bild entstanden ist, den Weg alles irdischen. Ihre „stummen Verkäufer“, die blauen Zeitungsautomaten, prägten für Jahrzehnte das Straßenbild. Ich habe mir mein Acht-Uhr-Bläddla öfter aus dem Automaten am Rathenauplatz gezogen. Was es mit der Demo gegen Lebkuchen auf sich gehabt haben mag, daran kann ich mich freilich nicht erinnern. Das Bild habe ich in meinem Twitter-Archiv wiedergefunden.

Wochenrückblick KW 45/46 2022

Es wird schön langsam zur lieben Gewohnheit: Der Wochenrückblick fasst mal wieder zwei Wochen zusammen. Ich kann noch nicht mal so recht erklären, warum ich das so mache, für mich fühlt sich dieser Turnus vernünftig an und die Menge der Themen bleibt überschaubar.

  • In diese Twitter-Geschichte kommt einfach keine Ruhe rein: Twitter will am Freitag Entlassene schon wieder zurückholen. Heute ist Montag. Well played… (fefe sagt, wie es ist: Shitshow). Da wundert einen auch nicht mehr, dass der Scheißer Musk zur Wahl der Republikaner aufruft.
  • Der Volksverpetzer bringt es übrigens auf den Punkt: „#ElonMusk ist entgegen seiner Propaganda einer der gefährlichsten Feinde von Wahrheit & Demokratie. Er ruft dazu auf, bei den #Midterms die FASCHISTISCHEN Republikaner zu wählen. Ein Großteil (!) der Kandidaten sind Wahlergebnis-Leugner, Demokratiefeinde & Verschwörungsideologen“ (siehe, Screenshot)
  • Vor US-Midterms: Putin-Vertrauter gibt Wahleinmischung zu„. Die Headline lass ich hier jetzt einfach mal so stehen.
  • Irgendwie muss ich über diesen Thread immer noch nachdenken… Ich bin kein Freelancer, Freiberufler, was auch immer… und daher trifft mich das nicht besonders. Aber einigen Aussagen muss ich dennoch sehr zustimmen. In jedem Falle lesenswert. Ich habe einige Zeit mit mir gerungen, eine Replik zu schreiben – leider fehlt mir ein wenig die Zeit. Aber soviel: Ja, wer heute als One-Man-Show bloggt, wird nicht mehr die Reichweite der frühen´10er-Jahre erreichen, auch nicht mit SEO-Zeug und ultra-zeitgeistigen Themen. Nicht aus sich selbst heraus. Wenn ich auf Twitter mit vielen Leuten verbunden bin, die den einstmaligen „Microblogging“-Dienst als Inhalteaggregator verwenden, erreiche ich meine Leser besser und zuverlässiger, das ist zweifelsohne in Gefahr. Aber damit ist noch nicht gesagt, dass das nicht anderenorts auch funktionieren könnte. Und: Der Effekt lässt mit sich verändernden Algorithmen, der Vielzahl (russischer) Bots und dem immer rauer werdenden Ton (hier geben sich Rechtsextreme, Rechtskonservative und sogenannte „Liberale“ übrigens erschreckend wenig) immer mehr zu wünschen übrig…
  • …und daher in aller Kürze, aber mit anderem Twist: Hier blogge ich aus Spaß an der Freude und ohne Anspruch und Zielsetzung, irgendwas und irgendwen zu erreichen. Ich bin trotz aller Abhängigkeitsverhältnisse von Plattformen und Suchmaschinen immer noch der Meinung, dass ein Text (online wie offline) seine Leser findet. Und ich liebe diese „alten“ Blogs, dieses „Web 2.0“-Feeling. Let the good times roll…!
  • Ach, noch was: Ja, es ist schon ganz nice, mit einem Blog eine Art „Basis“ zu haben, die weniger flüchtig ist, als diverse „social medias“ und damit zu linken und verlinkt zu werden. Und damit Inhalte Teil eines nichtkontrollierbaren Netzes werden zu lassen. Menschen, die so alt sind wie ich, kennen das Konzept noch als Hypertext.
  • Was mich gerade wirklich trifft: Während ich mal wieder versuche, ein paar Pfund abzuspecken, weil ich ob des schier omnipräsenten Überangebotes an Speisen nicht nur einmal zu deutlich über die Stränge geschlagen habe, verzeichnen die Tafeln einen Massenandrang. Man muss kein Prophet sein, um zu prognostizieren, dass es in den nächsten Monaten noch deutlich mehr Menschen werden. Es ist eine Schande und wieder mal ein guter Anlass, sich selbst und anderen die Systemfrage zu stellen.
  • Coca Cola als Sponsor der Klimakonferenz. Na herzlichen Glückwunsch…
  • …und nochmal Twitter. Well, das sieht nicht gut aus.
  • Die alten Sachen von Nazareth höre ich noch immer sehr gerne. RIP Dan McCafferty. Es ist ja noch nicht lange her, dass Manny Charlton gestorben ist.
  • RIP, Garry Roberts.
  • RIP, Nik Turner.
  • RIP, Keith Levene.
  • Oh. Die Sache in Ammiland ist weit weniger schief gelaufen, als befürchtet. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich.
  • Bumsbirne Justizminister Buschmann, eine der fulminantesten politischen Fehlbesetzungen seit langem, „erwägt“ höhere Strafen gegen Klimaprotestierende. Die FDP ist so derartig demokratiefeindlich, dass die der Verfassungsschutz nicht beobachtet, ist eigentlich auch institutionelles Versagen.
  • Das „Bürgergeld“ ist gescheitert. Erstmal. An wem? Natürlich an der Union. Inzwischen darf es als politisches Gesetz betrachtet werden: Alles, was für dieses Land gut wäre, scheitert an der Union. Nun bin ich kein großer Fan des Bürgergeldes, das einfach noch viel zu viel DNA der in ausnahmslos allen Punkten gescheiterten Hartz-„Reformen“ enthält, aber es ist für die Betroffenen dennoch mit geringfügigen Verbesserungen verbunden. Und wer ist grundsätzlich gegen Verbesserungen der Verhältnisse fürs Volk? Die Union.
  • Ach ja, nicht, dass es mich besonders wundern würde, aber die CDU hat natürlich mal wieder gelogen. Und nein, die glauben ihre eigenen Lügen nicht selbst, sie wissen, dass sie lügen, sie tun dies bewusst.
  • Mittelgute Nachrichten für die Kunst und Kultur in Nürnberg: Wenn ich das richtig mithabe, ist der Fortbestand von Kunsthalle und Kunstvilla gesichert, auch am Bardentreffen will man festhalten, die „Blaue Nacht“ soll im zweijährigen Turnus stattfinden. Das ist erst einmal eine gut Nachricht! Die schlechte folgt auf dem Fuße: Einsparungen im Sozialbereich sollen ebenso folgen – gerade bei der Jugendhilfe wären die nach Corona fatal. Dieses unsinnige Delfinbecken mit seiner Permanent-Leckage ist leider immer noch nicht vom Tisch.
  • Die Berlin-Wahl muss komplett wiederholt werden.
  • Von Zeit zu Zeit mache ich mir ja den Spaß, meinen Spamordner mal genauer anzuschauen, um ein Gespür dafür zu bekommen, welche Scam-Geschichten gerade der neue heiße Scheiß sind. Turns out: Das Kapitalismus-Ekel-Format „Die Höhle der Löwen“, eine Sendung für ausgewiesene Schwachköpfe eher einfach zu unterhaltende Zeitgenossen, führt unangefochten die Hitliste meiner Spammails an. Freilich sind das keine Nachrichten der echten Fernsehmacher, aber selbst wenn ein Produkt im Einzelhandel mit diesem Löwenhöhlen-Logo vermarktet wird, schrillen bei mir alle verfügbaren Alarmglocken! Dass sich die Spammer zum Trittbrettfahren gerade so eine „vertrauenswürdige“ Sendung herauspicken, irritiert mich dann schon. Obwohl die Passung zwischen der Zielgruppe der Sendung und der der Spammails wiederum sehr hoch sein dürfte, insofern geht sich das schon aus.
  • Ich bin erstaunt, dass die WM von so vielen Leuten boykottiert wird. Gefühlt ist das der erste Boykott seit Jahren, der mal halbwegs funktioniert. Und das in so einem fussballverrückten Land wie Deutschland.

Rechte Narrative: Zündeln im bürgerlichen Milieu

Für eine detaillierte Analyse fehlt mir gegenwärtig die Zeit, allerdings muss ich ein paar Sätze zum Thema „rechte Narrative“ loswerden – und zwar zu solchen im Umfeld der Klimaproteste. Weil es sich aber gerade anbietet und die Parallelen erschreckend sind, werde ich im folgenden auch über rechte Narrative sprechen, die im Zuge der Coronapandemie aufgekommen sind. Beide Themen sind, betrachtet man sie aus tagespolitischer Perspektive, nicht ganz einfach miteinander vergleichbar, sie wurden aber sehr ähnlich kommuniziert – mit durchaus unterschiedlichen Auswirkungen.

Vorab: Der Klimawandel ist real. Das ist nicht nur wissenschaftlicher Konsens, es ist inzwischen selbst in unseren einstmals klimatisch gemäßigten Breiten direkt erlebbar. Wer diese Umstände leugnet, hat sich aus dem ernstzunehmenden Diskurs genauso verabschiedet, wie der, der behauptet, Corona sei nur eine Grippe. Wissenschaft verhandelt nicht. Weder mit Coronaleugnern, noch mit Klimaleugnern. Um diese Leute soll es im engeren Sinne aber auch nicht gehen, wer wissenschaftliche Erkenntnisse in Abrede stellt, ist aus der Diskussion draußen. Punkt.

Eines muss man aber leider immer wieder in aller Klarheit sagen: Hinter den Klimaleugnern wie den Coronaleugnern (die sind hier durchaus miteinander vergleichbar) stehen nicht einzelne Verwirrte, sondern knallharte wirtschaftliche und machtpolitische Interessen. Bei den Klimaleugnern (und auch den „Klima-Verharmlosern“) sind das die Interessen großer Energiekonzerne und die Interessen besonders energieintensiver Industrien, bei den Coronaleugnern die Machtinteressen rechtsnationaler bis rechtsextremer Parteien und Gruppierungen, die durch eine Verunsicherung der Bevölkerung Ängste schüren und durch die vermeintlichen „Proteste“ eine Spaltung der Gesellschaft zu erzeugen versuchen – getreu dem alten Prinzip „divide et imera“.

Im Prinzip könnte man die Stimmen der Wissenschaftsleugner einfach ignorieren, mit dem Hinweis auf das eigene Erleben, dass es immer einen kleinen Anteil Unbelehrbarer geben wird, die rationalen Argumenten nicht zugänglich sind und auch nicht sein werden. Deren „postfaktische“ Äußerungen allerdings greifen in der öffentlichen Debatte gegenwärtig allerdings derartig Raum, dass sie kaum mehr zu ignorieren sind und (ich denke, das ist ein Teil der Kommunikationsstrategie rechter Kreise) auch bei aufgeklärteren Zeitgenossen „immer etwas hängenbleibt“.

Interessant ist, dass wir weder dem Klimawandel noch Corona fatalistisch völlig ausgeliefert sind: Die Ausprägung (und damit die Brisanz) beider Phänomene können wir beeinflussen. Jeder Einzelne muss etwas dagegen tun. Aber: Dieses Tun jedes Einzelnen wird wirkungslos bleiben, wenn die Politik nicht für entsprechende Rahmenbedingungen sorgt. Wir wissen, was zu tun ist, um den Klimawandel so gut es geht, in Schach zu halten: Einsparen von Energie, konsequenter Ausbau erneuerbarer Energien, unnütze Autofahrten, Flüge vermeiden, ÖPNV ausbauen, das Verbrennen fossiler Energieträger auf ein Minimum reduzieren, wirtschaftliches Wachstum aufgrund von Ausbeutung natürlicher Ressourcen und Menschen in Frage stellen… Analog dazu wissen wir, was zu tun ist, um Corona Einhalt zu gebieten: Impfen, Masken tragen, Abstand halten, Situationen mit hohem Aerosolaustausch vermeiden, um Risiken zu minimieren, Homeoffice-Pflicht, durchaus auch Einschränkungen des öffentlichen Lebens…. All diese Maßnahmen zeigen Wirkung, die Wirkung entfaltet dann die notwendige Wirkmächtigkeit, wenn alle mitmachen. Wer diese Fakten leugnet, ist ebenfalls nicht befähigt, an einem sinnstiftenden Diskurs teilzunehmen.

Die notwendigen Maßnahmen erfordern Anstrengungen und haben (im weitesten Sinne) eben auch ihren Preis. Es darf nun trefflich darüber gestritten werden, wer welchen Preis in welcher Höhe zahlen kann, zahlen muss. Anstrengung und „Preis“ gehören zu den unangenehmen Pflichten, die uns im Angesicht der jeweiligen Situation erwachsen. Es ist also klar, dass wir immer wieder auf Zeitgenossen treffen werden, die nicht damit einverstanden sind, die nötigen Konsequenzen aus den Erfordernissen der Zeit zu ziehen und zu tragen. Verharren in einer gewohnten Situation ist entweder bequem, nicht angstbelegt oder temporär billiger. Und so kommt es, wie es kommen muss: Es entsteht ein Interessenkonflikt.

Wir leben, das nehme ich leider als gesetzt an, in postfaktischen Zeiten. Auch wenn vorgenannte Punkte allesamt bewiesen sind, gibt es dennoch Interessengruppen, die, an der Faktenlage vorbei, auf die Gefühlswelt abzielend, „argumentieren“, um durch Verbreitung dieser vermeintlichen Argumente eine Meinungs- bzw. Deutungshoheit zu gewinnen. Diese Strategie ist altbekannt: Der Mensch ist auf der Gefühlsebene leichter, schneller und langanhaltender ansprechbar, als auf der kognitiven Ebene. Ob nun Werbung, Verkaufsförderung oder Debatte: Die Verschiebung einer Argumentation zu Gunsten emotionaler Ansprache, „getarnt“ als vermeintliches „Argument“ ist allgegenwärtig. Daher spreche ich bei dem, was gerade als Debattenbeitrag von rechtskonservativer, rechtspopulistischer und in zunehmendem Maße auch rechtsradikaler Seite eingebracht wird, auch nicht von Argument, sondern von Narrativ: Ein Narrativ ist entweder eine Erzählung oder ein Teil einer Erzählung, die sich durch einen gemeinsamen kulturellen Zeichensatz komplettiert (Du willst hier tiefer einsteigen? Das Konzept des major consensus narrative gibt Dir hier wichtige Hinweise, einfach mal googeln). Die Narrative unterscheiden sich in den Kulturkreisen, „die (quantitativ) vorherrschende Geschichte einer Gemeinschaft, aufbauend auf und definiert durch den (nationalen) Kulturkreis und grundlegende Archetypen“ (Quelle) und können folglich neben der Sprache tatsächlich als weiteres Distinktionsmerkmal begriffen werden. Der „consensus“ sorgt dafür, dass Narrative überhaupt wirksam werden können*. Knapp (und mithin auch etwas holzschnittartig) gesagt: Während das Argument entweder widerlegbarer oder stichhaltiger Punkt einer Beweisführung ist, ist das Narrativ einfach ein Teil einer (zumeist aber nicht immer zwingend) emotionalisierten „Erzählung“ oder ein Bruchstück aus so einer Erzählung, die in einem bestimmten Kulturkreis mit Kontext unterfüttert und damit verstehbar wird. Und es sei noch einmal zur Präzisierung und Ergänzung gesagt: Eine gute Erzählung ist emotional nach- bzw. miterlebbar. Narrative haben sich im Laufe der Jahrzehnte gewandelt, inzwischen erlebe ich den Begriff als mindestens latent negativ konnotiert, was auch damit zusammenhängen mag, dass sich der vermeintliche Wahrheitsgehalt etlicher historischer Narrative bei einer historisch-kritischen Betrachtung doch recht rasch verflüchtigte.

Ein Teil der Wirksamkeit von Narrativen liegt nicht nur in ihrer direkten Emotionalität, sondern auch darin, dass sie sehr einfach weitererzählt werden können. Durch die emotionale Komponente lässt sich das Narrativ auch bei der Weitergabe im Alltag inhaltsstabil transportieren. Die Herausforderung – und das ist ein echtes Problem – gegenwärtiger politischer Kommunikation ist also leider nicht, die eigene Anhängerschaft mit guten Argumenten zu versorgen, sondern sie mit einem möglichst wirksamen Narrativ zu munitionieren. Und das wird gerade von rechten Kreisen in erschreckender Wirksamkeit mit erstaunlicher Durchsichtigkeit betrieben. Warum von rechten Kreisen? Deren echte Argumentationsdecke ist so dünn, dass diese schlicht und ergreifend nicht mehr trägt (man kann den Klimawandel oder Corona nicht wegargumentieren, die Konsequenzen sind abseits jeder Debatte unausweichlich – und: Sie sind nicht mehr nur abstrakte Größen sondern beeinflussen schon heute vielfach unser tagtägliches Leben).

Um auf die Brisanz der Folgen des Klimawandels aufmerksam zu machen, schaffen sich Anhänger der Bewegung „Letzte Generation“ durch ein mindestens unkonventionelles Vorgehen Öffentlichkeit: Sie überschütten Gemälde alter Meister in renommierten Museen mit Flüssigkeiten (Öl, Tomatensuppe, Kartoffelpüree…). Damit gelingt es ihnen, ihre Aktivitäten und auch Positionen in alle relevanten Medien zu bringen und über die Berichterstattung hinaus eine öffentliche Debatte am Laufen zu halten. Dieser Move ist genial, wenn auch kritikwürdig. Ein millionenschweres Kommunikationsbudget könnte kaum mehr Aufmerksamkeit generieren.

Der Erhalt der Werke alter Meister für zukünftige Generationen ist zweifelsohne eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Die Zerstörung dieser Werke ist eine Freveltat. Auch das ist Teil eines Konsenses.

Dass der Erhalt der Werke für künftige Generationen absurd ist, wenn durch das Geschehenlassen des Klimawandels just diesen künftigen Generationen die Existenzgrundlage entzogen wird, ist ein Argumentationsstrang, den jeder versteht, der aber auch bei jedem, der sich nicht um den Einhalt des Klimawandels bemüht, zu kognitiver Dissonanz führen muss. Das Symbol ist stark**.

Auffällig ist: Die Aktivisten wählen ihre Zielobjekte sehr sorgfältig aus. Es handelt sich um gut gesicherte Kunstwerke hinter Glas, die bei den „Attentaten“ keinen Schaden nehmen. Der „Angriff“ geschieht mit organischen Substanzen (Lebensmittel, Öl), die zwar mit Aufwand, aber dennoch rückstandsfrei entfernt werden können (das sind, um es einfach auszudrücken, eben keine Säureanschläge irgendwelcher Irren). Auch wenn die Wand hinter den Kunstwerken verschmutzt ist, die Aktivisten sich an ihr festkleben, handelt es sich hier um Schäden, die jeder Anstreicher zu beheben in der Lage ist. Der ungewollte, aber unweigerlich vorhandene „Werbeeffekt“ für die betroffenen Museen dürfte unbeabsichtigterweise deutlich höher sein, als die Kosten, eine Wand neu streichen lassen zu müssen. Auch dieser Effekt sollte in einer Gesamtbetrachtung nicht unerwogen bleiben.

Nun ist diese Aktionsform gerade so öffentlichkeitswirksam, weil sie polarisiert. Das soll so sein, das ist beabsichtigt – und das gibt freilich, neben aller berechtigter Kritik an der Form des Protests, auch genug Gelegenheit, die Aktivisten zu diskreditieren.

Hier beginnt, das rechte Narrativ zu greifen, Die Vorwürfe sind zum Teil absurd: Kunst werde zerstört, geschändet, selbst Museen seien nicht mehr sicher vor der rohen Gewalt des „linksgrün-versifften“ Mobs. Wie die Taliban würden die „pubertierenden Klima-Gören“ unsere westlichen Kulturgüter zerstören, „weil sie unsere Freiheitswerte hassen“ und abschaffen wollen. Wir alle haben solche oder so ähnliche Aussagen gehört – und schlimmer noch: Gelesen. Nichts davon ist wahr, eine Lüge wird auch nicht wahrer, wenn sie oft wiederholt wird und dennoch: Das Narrativ sitzt.

Kleben sich Aktivisten der Extinction Rebellion oder der „Letzten Generation“ an vielfrequentierten Kreuzungen auf der Fahrbahndecke fest, schäumt die Bürgerseele vor Wut. Erst wurde nur von „Nötigung“ gesprochen, man „nötige“ den „freien Bürger“, der nun nicht rechtzeitig zu seinen ach so wichtigen Terminen kommen könne. Jedem Demokraten ist klar: Das Blockieren von Verkehrswegen zu Demonstrationszwecken ist das Recht jedes Bürgers. Protestieren Landwirte gegen die Agrarpolitik, so ist es selbstverständlich legitimes Mittel, mit den Traktoren, die weder eine Umweltplakette noch eine Zulassung für Fernstraßen haben, gen Berlin zu fahren und vor dem Landwirtschaftsministerium stinkende Gülle abzulassen. Die Vielzahl der einer solchen Protestform inhärenten Rechtsverstöße wird in diesem Falle natürlich nicht geahndet, kein Bauer saß für seinen Protest jemals im Gefängnis, auch nicht präventiv. Das Narrativ der „Nötigung“, das natürlich Unsinn ist, arbeitet selbstredend nicht mit dem Rechtsbegriff der Nötigung, sondern mit dem emotionalisierten Begriff. Nun sind aber auch eher arglose Zeitgenossen gewahr, dass Staus nicht allein von den (Achtung – Narrativbegriff!) „Klimaklebern“ verursacht werden, sondern ein Zuviel an motorisiertem Individualverkehr gerade in Stoßzeiten ganz ohne politisch motiviertes Zutun Staus verursacht – und das nicht zu knapp. Also musste ein neues Narrativ her: Die „Klimakleber“ verhinderten durch ihre Aktionen, dass Rettungskräfte rechtzeitig zu in Not geratenen Menschen kommen und gefährden damit – man höre und staune! – Menschenleben! Besonders die konservative Presse hat sich begierig auf dieses Narrativ gestürzt und – wen nimmt es Wunder – totalen Schiffbruch erlitten. Im falle der durch einen Unfall durch einen Betonmischer in Berlin getöteten Radfahrerin goss selbst Bürgermeisterin Frau „Doktor“ Giffey Öl ins Feuer – und konnte selbst nach einem Gutachten, dass dem Senat nun in Gänze vorliegt, nicht beweisen, dass das späte Eintreffen in direktem oder indirektem Zusammenhang mit einer Protestaktion der „Letzten Generation“ an völlig anderer Stelle der Hauptstadt in Verbindung steht. Die Kommunikation der „Letzten Generation“ zu diesen Anwürfen war reichlichst unglücklich, so konnte das Narrativ der „Menschenleben gefährdenden Klimakleber“ freilich nicht aus der Welt geschafft werden. Und dennoch: Wer sich Videos der Proteste ansieht, kann entdecken, dass sich die Aktivisten grundsätzlich nur an mehrspurigen Straßen festkleben und eine Fahrspur für Rettungskräfte „freihalten“, in dem sie sie zwar mit einem Sitzstreikenden besetzen, dieser aber nicht angeklebt ist, sondern sich im Zweifel von der Polizei wegtragen lässt. Um den Protest aufrecht zu erhalten, stehen dann im Hintergrund „Nachrücker“ bereit, die freilich die Spur wieder sitzend sperren, ihre Blockade im Notfall jedoch auflösen. Manch Autofahrer hat sich in solchen Situationen schon zur Selbstjustiz verleiten lassen und die Demonstranten angegriffen. Werden tatsächlich Rettungsfahrzeuge blockiert, so liegt das weniger an den Protesten, vielmehr ist der Umstand, dass das Bilden von Rettungsgassen in den Städten bei Stau generell eher schlecht klappt, Ursache hierfür. Das Narrativ hat natürlich keinen Platz für Einlassungen über komplexere Strategien des Protestes. Das ist aber auch nie das Ziel gewesen. Das Narrativ ist erdacht, um den Hass auf die Demonstranten zu schüren, Fakten sind hier im Wege.

Rechte Narrative sind kein neues Phänomen. Wir erinnern uns an das Narrativ des „faulen Asylanten“, das nach unendlicher Wiederholung heute zum „ukrainischen Asyltouristen“ mutiert ist. Öl in dieses Feuer gießt gegenwärtig Friedrich Merz. Den Unsinn vom „Sozialschmarotzer“ finden wir in der gegenwärtigen Debatte um das Bürgergeld wieder. Müßig zu erwähnen, dass der Sozialbetrüg bei Hartz-IV-Leistungen nach Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit (wohlgemerkt!) jährlich etwa 60 Millionen Euro beträgt, dem deutschen Fiskus im selben Turnus aber etwa 100 Milliarden Euro durch Steuerhinterziehung entgehen (Quelle). Neue Narrative wurden während der Corona-Pandemie geboren, eines absurder als das andere: Das Virus sei in chinesischen Laboratorien gezüchtet worden und eine Biowaffe zur Reduzierung der Überbevölkerung (=Bullshit!), Masken seien für eine kritisch verringerte Blutsauerstoffsättigung verantwortlich (=Bullshit!), die „Genspritze“ sei für eine vermehrte Anzahl von Herzmuskelentzündungen verantwortlich (=Bullshit!), die „Ausgangssperren“ seien ein Unterdrückungsinstrument der Regierung/Echsen/Illuminaten/you name it (=Bullshit!), Bill Gates versuche mit Hilfe der WHO, die Weltherrschaft an sich zu reißen (=Bullshit!)…
Auch wenn manches davon arg überzogen klingt – semper aliquid haeret.

Nicht neu, in diesem Zusammenhang aber dennoch erwähnenswert ist, dass rechte Narrative besonders im (klein)bürgerlichen Milieu auf besonders fruchtbaren Boden fallen. Die Melange aus der der Lohnabhängigkeit entspringenden Angst vor dem sozialen Abstieg, dem dauerhaften Einfluss rechtskonservativer Meinungsmedien und den weitestgehend entsolidarisierten Strukturen, in denen sie leben, bereitet diesen fruchtbaren Boden. Dabei wäre es gerade für das Kleinbürgertum um Willen der Verbesserung ihrer Verhältnisse von zentraler Bedeutung, sich gegen rechte Narrative nicht nur abzuschotten, sondern sich ihrer zu erwehren.

Wie also kann man sich davor schützen, rechte Narrative zu glauben und weiterzugeben, sie also zu reproduzieren? Nun, man muss sie als erstes einmal als solche erkennen. Sind sie erkannt, dann muss man sich von ihrem emotionalen Kern lösen und das, was übrig bleibt, auf Wahrheit, Logik, Plausibilität prüfen. Diese „Dekonstruktion“ ist nicht ganz unaufwändig, gerade dann, wenn man nicht gewohnt ist, politische Aussagen dergestalt zu prüfen.

Die Notwendigkeit, sich und seine Mitmenschen von diesen Narrativen zu befreien, liegt auf der Hand. Wohl niemand möchte sich wissentlich zum Büttel jener Interessen machen, die eigentlich den eigenen Interessen und Werten entgegenstehen. Rechte Narrative fischen aber nicht bei Rechtsextremen um Aufmerksamkeit und Akzeptanz (hier werden ganz andere Töne angeschlagen), sondern im bürgerlichen Milieu. Das lässt sich leider nur allzu gern von ihnen abholen und leistet oft sogar einen eigenen Beitrag zur Verbreitung. Und somit steht es in einer besonderen Verantwortung, diesen Narrativen keinen Vorschub zu leisten.

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*) Ein Wort zur Distinktion, das hat Frank Rieger einmal sehr schön herausgearbeitet: Durch die Auswirkungen besonders des US-amerikanischen Kulturimperialismus schwindet die Distinktionsfähigkeit des major consensus narrative. Man nimmt zum Beispiel an, dass Märchenerzählungen einen nicht unwesentlichen Teil zu diesem Konsens beitragen. Nicht nur die Völker hatten und haben unterschiedliche Märchen, sondern es gibt teilweise sogar regionale Unterschiede. Damit ist der Konsens kleinteiliger. Wenn jetzt zum Beispiel Großkonzerne wie Disney regionale Märchenerzählungen durch global wirksame wie beispielshalber „Winnie Pooh“ & Co. verdrängen, ändert sich damit über die Generationen auch ein Teil des Konsenses. Auch solche Entwicklungen kann man als Teil des Selbstreproduktionsmechanismus der kapitalistischen Gesellschaftsordnung begreifen. Allerdings zulasten einer funktionierenden Distinktion. Ob dieser Effekt gewollt ist oder eher ungewollt auftritt, soll hier weder betrachtet noch bewertet werden.

** allerdings nur so stark, bis die Protestform überstrapaziert ist und sich daher abgreift. Darin sehe ich persönlich auch die Gefahr: Diese Form des Protestes kann, verliert man das Gespür für eine sinnvolle Dosierung, sehr schnell zu Reaktanz führen. Damit würde sich die eigentlich gut gemeinte Wirkung ungewollt ins Gegenteil verkehren. Das ist auch einer der wesentlichsten und nicht von der Hand zu weisenden Kritikpunkte wohlwollender Zeitgenossen. Vereinfacht ausgedrückt  ist dem der Appell inhärent, „den Bogen nicht zu überspannen“.

 

Bassverstärker, anyone?

Bock auf Bass? Dann hätte ich da was: Meinen selten gespielten, rein im Wohnzimmer benutzten Bassverstärker. Sieht quasi neuwertig aus, ist technisch quasi neuwertig, macht Spaß und obendrauf ist das Teil ein echter Schnapper.

Harley Benton HB-80B

Zu verkaufen: Harley-Benton HB-80B (Harley Benton ist die Thomann-Eigenmarke) Bass-Combo mit 12“-Celestion-Lautsprecher und separat schaltbarem Hochton-Horn, Line-In-Eingang, um z.B. bei Youtube-Videos mitspielen zu können, TEC-Tube-Emulation, um Röhrensound nachzubilden („Tube Emulation Circuit“).

Dazu gibt’s eine gepolsterte Staubschutzhaube, die auf Maß gefertigt wurde (kann man für diesen Verstärker z.B. nicht bei Thomann kaufen).

(Ein Klick auf das jeweilige Vorschaubild vergrößert es)

Zu den technischen Daten: Leistung: 80 Watt (4 Ohm), integrierter Kompressor mit LED-Anzeige, Boost-Funktion, 3-Band EQ mit parametrischen Mitten/Höhen, Kopfhörerausgang
Aux-Eingang zum Mitspielen von CD- oder MP3 Playback-Tracks, symmetrischer DI Ausgang, Effektloop, Ausgang für externen Lautsprecher – min. 8 Ohm.
Maße (B x H x T): 510 x 510 x 354 mm, Gewicht: 21 kg – also kein billiger Schund, sondern echt vernünftig gemacht.

Das Ding steht echt wie Neuware da, ist technisch absolut top und wurde, weil als Übungscombo in der Wohnung genutzt, noch nie wirklich lauter gespielt. Wer in Nürnberg wohnt, kann ihn gerne probespielen, Versand würde etwas dauern, weil ich gerade keinen so fetten Karton zur Hand habe, aber darüber ließe sich reden. Festpreis 99,- Euro.
Du willst das Teil haben? Ruf mich untertags unter 0171 /15 39 520 an oder schreib eine Mail!

Wochenrückblick KW 43/44 2022.

Und wieder einmal der Rückblick auf die beiden vergangenen Wochen in Stichpunkten. Tagespolitische Sachen kommen in dieser Zusammenschau ausnahmsweise recht kurz, was einfach daran liegt, dass ich gegenwärtig echt gut zu tun habe…

  • RIP, Jerry Lee Lewis.
  • Weil Twitter nun an diesen Tesla-Bumskopf-Vollidioten-Kasper Musk verkauft wurde, habe ich in der Tat meinen Mastodon-Account reaktiviert. Folget zuhauf @michi@chaos.social
  • Schuhbeck geht in den Knast. Scheinbar auch, weil ihn keiner seiner Schickeria-Freunde rausgekauft hat. Shit happens.
  • Rainer Dulger fällt mal wieder unangenehm auf.
  • Lindner fordert den Fracking-Einstig. Richtig gelesen. Fracking-Einstieg. Wer braucht schon sauberes Trinkwasser? (Ernsthaft, Leute, man muss schon sehr lange und sehr weit laufen, um einen noch inkompetenteren Politiker zu finden, als diesen Lindner. Der Typ ist eine echte Gefahr für uns alle.)
  • Doktorspielchen. 🙂
  • Lula hat die Präsidentschaftswahlen in Brasilien gewonnen. Ausgezeichnet.
  • Der Wechsel von Ex-Baerbock-Büroleiter Rebmann zu RWE (als Cheflobbyist!!) mag in diesen Kreisen als gängiger Übergang von der Politik in die Wirtschaft gewertet werden und auch formell in Ordnung sein – als wirklich vertrauensbildene Maßnahme werte ich ihn nicht.
  • Inzwischen habe ich was über den Wechsel zu Mastodon geschrieben und ja, das fühlt sich ein bisschen so an wie vor zehn Jahren Twitter und ja, das gefällt mir ziemlich gut.
  • Ach ja, der Plattenspieler ist verkauft. Gegenwärtig ändert sich mein Denken zum Thema „Dinge sammeln“ oder besser „horten“ ganz deutlich. Und zwar dahingehend, dass ich Dinge, die ich nicht mehr benötige, nicht einfach wegwerfe, sondern versuche, sie entweder jemandem zu schenken, der Spaß daran hat oder aber zu spenden, ggf. auch zu verkaufen. Was nicht kaputt ist, soll auch nicht in den Müll. Das ist durchaus aufwändig, macht irgendwie aber auch Spaß. Ich beabsichtige übrigens nicht, irgendwie Gewinn mit meinem alten Kram zu machen, wenn ich was bei Ebay verkaufe, rechtfertigt das erlöste Geld oft nicht den Aufwand, der mit Einstellen und Versenden verbunden ist – aber egal: Müll ist vermieden und etwas Neues muss nicht (so schnell) hergestellt werden.
  • Seitenbacher.
  • Mit Podcastempfehlungen war ich in der Vergangenheit ja immer reichlich zurückhaltend, aber der lohnt sich quasi immer: 99 zu Eins. Hören!
  • War jetzt nicht die Kneipe, in der man mich antreffen würde, aber den ein- oder anderen aus und um Nürnberg mag es vielleicht interessieren: Der Salon Regina sucht einen neuen Pächter.
  • „hab wirklich noch nie eine halbwegs glücklich wirkende Person getroffen, die sich über die „Woken“ aufregt, keine einzige“ /via
  • Jetzt muss ich doch noch mal auf dieses Twitter-Ding zu sprechen kommen, weil mir das in den letzten Jahren durchaus Spaß gemacht hat: Dass dieser Tesla-Affe für seinen blauen Haken acht Dollar im Monat will, geschenkt. Wenn irgendwelchen postpotenten Narzissten, Businesskasper und Co. den gerne haben wollen, meinetwegen. Die angekündigte Priorisierung der Inhalte der Blauhakenleute könnte aber tatsächlich mittelfristig das Ende der Plattform bedeuten.
  • Morgen oder übermorgen setz ich hier nochmal Werbung in eigener Sache rein. Seht es mir bitte nach – aber derzeit finden am Haus Sanierungsarbeiten statt , die wir dann zum (etwas unfreiwilligen) Anlass genommen haben, nicht nur die Wohnung, sondern auch Dachboden und Keller mal ordentlich nach Dingen zu durchkämmen, die in unserem Haushalt kaum mehr Verwendung finden. Und von denen kann man sich ja von Zeit zu Zeit trennen.

Goodbye Twitter, hello Mastodon?

Nachdem der Kurznachrichtendienst Twitter nach langem Hin- und Her durch den US-amerikanischen Multimilliardär Elon Musk übernommen wurde, führte dies recht unmittelbar unter der Nutzerschaft zu erheblicher Unruhe. Etliche Nutzer des Dienstes artikulierten relativ offen ihr Unbehagen über diese Entwicklung, fiel der Unternehmer Musk in der Vergangenheit nicht gerade durch diplomatisches Auftreten auf. Außerdem wird ihm eine deutliche Nähe zur amerikanischen Rechten nachgesagt, was in letzter Konsequenz zu Problemen mit Hetze und Fake News auf dem Portal führen kann. In den letzten fünf Jahren entwickelte sich Twitter zu einem Dienst, der nur funktionieren kann, wenn er moderiert wird und Hass, Hetze, Verschwörungsideologien und Rechtsradikalismus Einhalt geboten wird. Die Nutzer Twitters vertrauen Musk nicht, diesen Herausforderungen gewachsen zu sein, ganz im Gegenteil: Man befürchtet (und erste Indizien deuten darauf hin, dass diese Befürchtungen zu Recht bestehen), dass die reichlich eigene Interpretation der „free speech“ Musks aus Twitter einen Tummelplatz von Trumpisten, Rechtsradikalen und Verschwörungstheoretikern sowie Fake News macht. Twitter steht bereits heute politisch gelenkten Botnetzen und international vernetzten Rechtsextremisten relativ schutzlos gegenüber. Nur eine aktive Userbasis, die Verstöße gegen die Regeln des Kurznachrichtendienstes meldet, konnte bisher verhindern, dass der Dienst unbenutzbar wurde. „Kritikerinnen und Kritiker befürchten“, so heißt es bei der Zeit, „dass Musks unternehmerischer Ansatz Hassrede und Hetze auf Twitter fördern könnten. Für Kritik sorgte zudem Musks Ankündigung, verifizierte Accounts künftig kostenpflichtig zu gestalten. „Es liegt nahe, dass Musk aus genau jenem Grunde Twitter kaufte. Der US-amerikanischen Rechten, unter die sich Musk zweifelsfrei zählen lassen muss, liegt der lebenslange Twitterbann ihrer Galionsfigur Donald Trump noch heute schwer im Magen. Anders ist kaum zu erklären, dass Musk Twitter kaufte, denn mit Twitter wird aller Voraussicht nach auch zukünftig nicht das große Geld zu verdienen sein.

Twitter hat seit jeher ein großes Problem: Weder dem Dienst selber noch seinen Nutzern ist es je gelungen, ausreichend Geld zu verdienen. Natürlich werden über Twitter Werbeanzeigen geschaltet und man kann mittlerweile versuchen, seine Tweets zu monetarisieren. Doch das sind recht randständige Phänomene. Im Gegensatz zum Quasi-Monopolisten Google mit seinem mobilen Betriebssystem Android, der omnipräsenten Suche, seinen vielen kollaborativen Tools und nicht zuletzt dem Videodienst YouTube, die alle konsequent auf die Distribution möglichst zielgruppenspezifischer Werbung ausgerichtet sind, konnte Twitter hier weder den Werbetreibenden noch den „Content Creators“ ein adäquates Angebot unterbreiten. So gut Twitter designed ist, so beliebt der Dienst auch sein mag und so einfach er zu bedienen ist, Twitters „Geburtsfehler“ war und ist bis heute, dass der schieren Notwendigkeit, auf der Plattform Erlöse zu erzielen, kaum nachzukommen ist. Insofern verwundert die enorme Summe von 44 Milliarden US-Dollar, die Musk für Twitter ausgegeben hat. Rein wirtschaftlich betrachtet kann das keine sinnstiftende Akquisition gewesen sein.

Warum aber beunruhigt der Besitzerwechsel bei Twitter so viele Nutzer? Um es vorsichtig zu formulieren: Elon Musk hat im Internet nur wenige Freude. Der gegenwärtig reichste Mann der Welt wirkt nicht nur hölzern und unsympathisch, sein öffentliches Auftreten ähnelt frappierend dem einer anderen Person, die unter auch nur halbwegs gebildeten Zeitgenossen in aller Regel nur eine Reaktion hervorzurufen vermag: Ablehnung und Verachtung. Gemeint ist Donald Trump. Musk und Trump ist gemein, dass sie weder besonders höflich, verständig oder vernünftig sind. Sie kokettieren vielmehr mit einer infantilen Arroganz. Dadurch geben sie sich den Nimbus des Unberechenbaren. Musk geriert sich, das ist sein Glück, doch deutlich weniger idiotisch als Trump, dennoch: Unter normal denkenden Menschen genießt die moralisch sehr zweifelhafte Figur Musk kein Vertrauen. Auch, dass Musk Twitter nun faktisch im Alleingang führt, beunruhigt viele Nutzer.

Die Sache mit dem blauen Haken

Musk ist erst wenige Tage der „Chief Twit“, da begeht er (neben anderen eher zweifelhaften Entscheidungen) schon den ersten Kardinalsfehler: Der berühmte „blaue Haken“, die Verifizierung, die wie eine begehrte Auszeichnung eines Twitterers wirkt, weil sie eben nicht käuflich (und obendrein selten) ist – quasi der Ritterschlag des Kurznachrichtendienstes für einen wichtigen Nutzer, der indirekt weit mehr ausdrückt, als dass sich der Nutzer dem Kurznachrichtendienst gegenüber authentifizieren musste und nach dessen Regel eine Art Person des öffentlichen Interesses ist, soll zukünftig nicht mehr nach einem strengen Regelwerk und entsprechend aufwändiger Prüfung harter Kriterien vergeben werden, sondern für eine Handvoll Dollars an Krethi und Plethi verkauft werden. Damit hat Musk im Handstreich die wertvollste Auszeichnung, den begehrtesten Status im Netzwerk, zu einem beliebigen Feature unter vielen, das sich jedermann, der eine Kreditkarte besitzt, im Abo klicken kann, entwertet. Selbst wenn er damit einen mutmaßlich mittelgroßen Geldbetrag akquirieren kann: Der Zauber der Verifizierung und ein zentrales Instrument zur Qualitätssicherung, mehr noch: Ein elementares Vertrauenselement des Dienstes ist damit unwiederbringlich zerstört. Ich bin überzeugt, dass diese Maßnahme Twitter nachhaltig schwächt und der Plattform nicht zum Vorteil gereicht. Und auch wenn die Causa „blauer Haken“ nur ein kleiner Mosaikstein des Bildes ist, das Musk mit seiner Übernahme von Twitter nun zeichnet – so scheint mir die Sache für Typen wie Musk quasi symptomatisch: Musk als schon fast prototypischer Repräsentant einer wenig rücksichtsvollen, dafür aber in vielerlei Hinsicht reichlich neurotischen – um nicht zu sagen: pathologischen – Geldelite kann nicht einsehen, dass Ansehen, Reputation, Authentizität, Geschmack, gesellschaftliche, kulturelle, künstlerische, intellektuelle Bedeutung, Größe, nur in den seltensten Fällen käuflich ist. Und er begeht den Fehler, den viele Menschen seines Schlages begingen, begehen und zwangsläufig in Zukunft begehen werden: Ihren eigenen Interessen zuwiderhandelnd, versuchen sie, Instrumentarien zu etablieren, die sichern sollen, dass Geldbesitz und Macht gleichbedeutend mit Ansehen und Achtung sind. Es ist ihre Bürde, dass sie nicht erkennen können, dass diese „Instrumente“ sich als denkbar ungeeignet erweisen, der eigenen Bedeutungslosigkeit, der eigenen Endlichkeit etwas Substanzielles entgegenzusetzen.

Zurück zu Twitter: Der blaue Haken hat seinen Nimbus verloren. War er noch bis vor wenigen Tagen der Garant für die Authentizität und Ausweis der Bedeutung eines Accounts, ist er heute bereits ein Symbol alberner Blasiertheit – und das, obwohl ihn gegenwärtig ja noch niemand kaufen kann.

Twitter in der Vertrauenskrise?

Das könnte man durchaus so sagen. Selbst gemäßigte Konservative fühlen sich mit dem Twitter-Musk-Deal nicht besonders wohl – und artikulieren dieses Unwohlsein auch deutlich. Gerade durch die eingangs erwähnten Botnetze kam dem Kurznachrichtendienst in der Vergangenheit schon mehrfach eine unrühmliche Rolle zu.

Die gerade in Nordamerika verbreitete und von Musk indirekt propagierte (Miss-)Interpretation, dass (eben nicht) Meinungsfreiheit, „free speech“ eben einfach das Recht sei, ungeachtet des Inhaltes ausnahmslos alles sagen zu dürfen, macht die Sache reichlich schwierig. Jeder weiß, dass so eine Interpretation der Meinungsfreiheit eine Plattform binnen kürzester Zeit zur Echokammer rechtsnationaler bis offen rechtsradikaler Meinungen verkommen lässt. Von diesen Interessensgruppen ist dieser Effekt natürlich ausdrücklich intendiert – und man unterstellt Musk, dass der Erwerb der Mehrheitsverhältnisse bei Twitter genau auf diese Strategie einzahlt.

Dabei darf man die Wirkmächtigkeit Twitters (besonders) in Deutschland nicht über-, aber auch nicht unterschätzen. In absoluten Zahlen ist Twitter ein eher randständiges Phänomen. „Laut ARD-ZDF-Onlinestudie nutzten 10 % der Deutschen im Jahr 2020 Twitter mindestens selten, 5 % mindestens einmal pro Woche und 2 % täglich. Dabei entfiel der höchste in Nutzeranteil jeweils auf die Altersgruppe 14 bis 29“ (Quelle) Aber unter den aktiven Nutzern außerhalb dieser Altersgruppe gibt es viele Journalisten, Politiker, Forschende sowie führende Köpfe der ITK-Branche. Somit ist Twitter in absoluten Zahlen mitnichten ein meinungsprägendes Massenmedium, über Bande werden dort allerdings überdurchschnittlich viele opinion leader erreicht.

Und so stellt sich vielen Nutzer mehr oder weniger automatisch die Frage, ob die vielen Vorteile und Netzwerke Twitters im Falle einer Vergiftung des Diskurses auf Twitter nicht auf ein anderes, frei und unabhängiges Medium „herübergerettet“ werden kann. Hier kommt die Alternative Mastodon ins Spiel.

Wie kam ich überhaupt zu Mastodon?

Meinen Mastodon-Account klickte ich mir im August 2018, kurz nachdem im Umfeld des Chaos Computer Clubs der chaos.social-Server für die „Chaos Community“ geschaffen wurde. Ich wollte mir das neue, dezentrale Netz einfach mal ansehen – die ersten Tage waren auch sehr spannend, doch mit der Zeit kam man sich mitunter vor, wie ein einsamer Rufer in der Wüste. Und so ruhte nicht nur mein Account, bis die Schreckensmeldung, Musk habe nun doch Twitter gekauft, die Runde machte. Das war nicht mein erster Berührpunkt mit dezentralen Microblogging-Alternativen. Schon zu Beginn der 10er Jahre habe ich mir Diaspora angesehen, wich jedoch vor dem Aufwand, einen eigenen Diaspora-Server aufzusetzen und zu unterhalten, zurück. Das wäre in diesem frühen Stadium aber nötig gewesen. Nichts desto trotz blieb die Idee, dass es aus vielerlei Gründen wünschenswert wäre, ein (lets call it) soziales Netzwerk zu haben, dass sich zwar zentral vernetzt bedienen lässt, Daten und Content aber dezentral hält. Persönliche Gründe für so ein Modell: Ich kann mir einen Server wählen, dem ich vertraue oder, sollte ich dieses Vertrauen nicht vorschießen können oder wollen, auch selbst einen Server aufsetzen. Ich habe und behalte also durchaus die Kontrolle über meine Daten – und damit auch die Sicherheit, meine Daten jederzeit löschen zu können, wenn ich das möchte. Die dezentrale Datenhaltung verhindert auch, dass in großem Stil Metadaten erhoben, ausgewertet, aggregiert, verkauft… werden. Gerade Facebook bzw. Meta sind in dieser Hinsicht in der Vergangenheit unzählige Male äußerst unangenehm aufgefallen (und darin ist auch der Grund zu suchen, warum ich bis heute weder Facebook noch WhatsApp nutze). Mit dem Fediverse und hier speziell mit Mastodon findet man diese Ansprüche umgesetzt und das hinreichend gut.

Ist Mastodon eine echte Twitter-Alternative?

Mastodon (Screenshot)

Irgendwie fühlt sich Mastodon so ein bisschen an wie Twitter vor zehn, zwölf Jahren. Besonders etwas nerdigere Zeitgenossen, viele mit technischem Background, nutzen das Fediverse, das führt zu einem mehrheitlich entspannten und zugewandten Umgangston und einer hohen Dichte interessanter, relevanter Inhalte. Weiterhin sehr angenehm: Die vielen russischen Bots, die schon lange vor dem Ukraine-Krieg ein echtes Problem darstellten, sind (noch) nicht auf Mastodon, gleiches gilt für die ganzen Rechtsradikalen, AfD-Spinner, Covidioten, Klimawandelleugner, Altrights, Neocons, rechtslibertären Idioten und so manche Landplage mehr. Natürlich wird es nicht lange dauern, bis auch solche Zeitgenossen einrücken – aber zumindest jetzt genieße ich deren Absenz in vollen Zügen.

Mastodon ähnelt Twitter in wesentlichen Punkten deutlich. Auch hier kann man interessanten Nutzern folgen, auch hier werden „Tröts“ in einer revers-chronologischen Zeitleiste angezeigt, es gibt die Möglichkeit, zu „retröten“ und Beiträge zu favorisieren, auch Direktnachrichten können zwischen Nutzern ausgetauscht werden und es gibt wie gewohnt Hashtags und auch Trends. Wer mit dem Umgang bei Twitter vertraut ist, wird sich in Mastodon schnell und umfänglich zurechtfinden.

Technisch ist Mastodon (in seiner Einfachheit) sehr gefällig: Ein nüchternes, zurückgenommenes Web-Layout, eine zweckmäßige App und auch eine durchweg angenehme Reaktionszeit machen die Nutzererfahrung angenehm. Darüber hinaus hat Mastodon in den letzten Tagen durch seine technische Performance beeindruckt: Neue Nutzer, aufgeschreckt durch den Umstand, dass Musk Twitter kaufte, strömten zu Hauf auf die Server. Die hakelten und husteten hie und da – hielten dem Ansturm aber stand.

Mastodon und Twitter parallel nutzen – das geht

Angenehm ist auch, dass es inzwischen einige Crossposting-Dienste gibt, die es erlauben, parallel auf Mastodon und Twitter zu posten. Und ja, es gibt Zeitgenossen, denen das nicht recht gefallen mag, besonders, wenn eine Vielzahl von Retweets in Mastodon „hineingeschwemmt“ werden (und das ist auch verständlich, schließlich kann man in Mastodon nicht mit dem Nutzer, dessen Tweet retweeted wurde, interagieren). Nichts desto trotz macht gerade die Möglichkeit des Crosspostens die Sache interessant für mich, denn – das gebe ich unumwunden zu – ich plane derzeit noch nicht, mich von Twitter zu verabschieden.

Denn auch bei mir hat Twitter etwas geschafft, was gemeinhin gerne als lock in bezeichnet wird: In zwölf Jahren meiner Präsenz dort bildete sich mit der Zeit ein wertvolles Netzwerk, aus etlichen Kontakten wurden gute Bekanntschaften und persönliche Freundschaften. Den bequemen Kontakt zu diesen Menschen aufzugeben fällt selbst dann schwer, wenn sich der Kontakt selbst ohne Twitter problemlos aufrecht erhalten ließe. Twitter ist aber noch mehr: Für mich wurde der Kurznachrichtendienst mit den Jahren zum zentralen Newsaggregator. Ja, ich lese zwei Tages- und eine Wochenzeitung. Ja, ich höre viel Radio und sehe gelegentlich auch fern. Aber die Schnelligkeit, mit der man sich auf der einen Seite allgemein, auf der anderen Seite zu speziellen Themen informieren kann, ist bei Twitter unerreicht. Und dann erlebe ich dort, dass ersteres mit letzterem auf angenehme und sinnstiften Weise verknüpft ist.

All dies ließe sich freilich auch über Mastodon erreichen, möglicherweise sogar wesentlich besser, weil es hier keine störende Priorisierung bestimmter Inhalte über einen intransparenten Algorithmus gibt. Außerdem sind die Serverbetreiber nicht unbedingt gezwungen, mit ihrer Dienstleistung Geld zu verdienen und können gegebenenfalls ihre Auslagen durch Kleinspenden der Nutzer refinanzieren – somit ist auch das Interesse an einer Priorisierung bestimmter Inhalte durch Algorithmen gering – und Mastodon werbefrei, was das Nutzererlebnis zusätzlich verbessert.

Und da liegt nun also der Hase im Pfeffer: Der Erfolg oder Misserfolg Mastodons hängt davon ab, ob die relevanten Nutzerinnen und Nutzer Twitters ihre Inhalte auch oder sogar exklusiv in Mastodon teilen. Der Crossposter, ein Skript, das Tweets auch in Mastodon und Tröts auch in Twitter publiziert, erleichtert dies ungemein, entbindet den User aber nicht, sich auf der jeweiligen Plattform auch um sein Netzwerk zu kümmern und in Dialog zu bleiben. Und das sieht mittlerweile ganz gut aus: Viele aktive Twitterer sind bereits bei Mastodon präsent und teilen ihre Inhalte – darunter auch User mit hohem Bekanntheitsgrad, guter Reputation und hoher Reichweite. Das reicht sogar schon soweit, dass „alteingesessene“, aber wenig „wechselwillige“ Twitter-Nutzer ihre Sorge äußerten, nun bald auf Twitter alleine zu sein. Ganz ehrlich: Ich gehe nicht von einem Massenexodus bei Twitter aus, zumindest nicht in der nächsten Zeit. Das könnte sich ändern, wenn entweder der Umgangston kippen sollte oder der Dienst nur mit kostenpflichtigen Abonnements sinnvoll nutzbar bleibt. Dann stünde in der Tat zu erwarten, dass sich eine größere Nutzerzahl umorientiert und Alternativen prüft. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob sich Mastodon über eine etwas diffuse mit der Nerdkultur verbundene technikaffine Community hinaus bei den Menschen behaupten können wird. Gelingt dies in wesentlichen Grundzügen, könnte Mastodon tatsächlich als kleine, feine Twitteralternative wachsen. Gelingt dies in der Breite nicht, werden hier dennoch datenschutzsensible, für digitale Bürgerechte eintretende, technik- und netzaffine Menschen, Nerds und Kulturschaffende ein interessantes Universum haben – und das ist ja auch nicht verkehrt.

Zu verkaufen: Bastelprojekt Thorens TD 318

Werbung in eigener Sache: Beim Keller-Ausmisten ist mir wieder ein Bastelprojekt in die Hände gefallen, für das ich gegenwärtig weder Zeit noch Nerven habe: Es handelt sich um einen Thorens-Plattenspieler, den TD 318 in der Ur-Version mit dem TP 21-Arm und Ortofon OM-10-System. Und da ich weiß, dass hier zumindest ab und an dann doch einige HiFi-Interessierte mitlesen – bitteschön:

Thorens TD 318

Ein paar Worte zum Dreher: In den 80ern war der wohl recht gerne genommen, die Blattfedern sind im Vergleich zu den Kegelfedern einfach zu justieren. Der Tonarm ist tauschbar, das war eines der großen Vorzüge dieser Thorense, den TP 21 finde ich okay, aber ein Tausch bietet sicher ein Improvement. An und für sich hat der TP 21, gerade mit dem OMB 10, durchaus etliche Freunde, ich persönlich mag diese Fadengewichte für das Antiskating nicht besonders, das lässt sich technisch mit einem Federantiskating wesentlich eleganter lösen!

Das Bedienkonzept des 318 ist durchaus minimalistisch; was mir an dem Gerät persönlich recht gut gefällt, ist die elektronische Drehzahlsteuerung. Alte Thorense quetschten da mit ihrer mechanischen Umschaltung gerne den Riemen entlang des Pulleys. Und dann ist da der mit 2,7 kg durchaus schwere und gewogene Teller. Den habe ich vor einem Jahr mal solide aufpoliert, aber wer sich da verkünsteln mag, kann den gerne impressive super-shiny hochpolieren. Klanglich ist der Thorens sehr ordentlich, sogar so, wie er dasteht.

Allerdings müssen halt echt noch ein paar Sachen an dem Teil gerichtet werden: Der Arm schwingt meiner Meinung nicht ganz frei, der gehört sich zerlegt und die Lager sauber geölt. Das ist eine durchaus diffizile Angelegenheit. Zudem will die Endabschaltung nicht so, wie ich das will. Im Wesentlichen gehört sich da nur die Sichel am Tonarm ordentlich justiert – aber auch dafür braucht man eine gewisse Muße*. Und dann funktioniert der Tonarmlift nicht, es ist eben ein Thorens. Den kann man verdehen oder mit einer kleinen Schraube nach unten justieren, so dass er nicht im Weg ist, aber das ist ja nicht im Sinne des Erfinders. Optisch ist das Ding echt noch in Ordnung, die Haube gehörte sich aber auch mal aufpoliert.

Wer also Lust auf ein Bastelprojekt in der dunklen Jahreszeit hat, findet mit dem Dreher eine solide Basis zum Aufbau. Ich bin aber auch nicht traurig, wenn das Teil zur Zwecke der Ersatzteilgewinnung geschlachtet wird.

Ich kann den Plattenspieler versenden. Der Subteller wird fixiert und mit Pappe unterlegt, ebenso das Subchassis. Der Teller, die Matte, Riemen, Gegengewicht, Fadengewicht fürs Antiskating, Netzteil, Haube und Haubenscharniere, alles separat verpackt. Sind auch alles Originalteile, sogar der Riemen. Für eine mehrfach gepolsterte, sichere Versandverpackung trage ich Sorge!

Lust bekommen auf ein Stück Mid-80s-HiFi-Geschichte? Einen Dreher mit Potenzial? Der klanglich echt in Ordnung geht? Hier entlang zur elektronischen Bucht, der Startpreis beträgt einen müden Euro ;))

Update: Und – zack – isser auch schon wech!

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*wobei, dafür will ich nicht garantieren, vielleicht ist auch der Sensor im Eimer. Sollte das so sein, ist das kein großes Thema, das Ersatzboard mit Sichel und Mutter gibts als Ersatzteil um 25 Euro.

Nürnberg: Kultureller Kahlschlag?

Die diesem Post vorangestelle Frage lautet: Droht Nürnberg der kulturelle Kahlschlag? Diese Frage kann ich als Außenstehender natürlich nicht vollständig beantworten, ich will eher versuchen, mich auf eine (zwangsläufig lückenhafte) Spurensuche zu begeben.

Die Nürnberger Kunsthalle, aufgenommen im Juli 2022

Erst vor zwei Tagen ging es durch die Presse: Nürnberg hat die höchste Pro-Kopf -Verschuldung aller bayerischen Städte. Mit 1,6 Milliarden Euro, das sind pro Kopf etwa 3000,- Euro, steht die Kommune in der Kreide. Ohne jeden Zweifel eine Herausforderung für den Kämmerer, der einen Sparhaushalt entwerfen muss, der nicht nur die Stadtspitze und Stadtrat zufriedenstellt, sondern auch von der mittelfränkischen Regierung in Ansbach genehmigungsfähig ist. Keine leichte Aufgabe.

Stadtkämmerer Riedel, er steht kurz vor der Pensionierung, muss sich dieser schweren Aufgabe stellen. Wegen ebenjenem baldigen Ausscheiden aus dem Dienst an der Stadt Nürnberg kann er aber auch, ohne fürchten zu müssen, den eigenen Ruf zu beschädigen, unpopuläre Entscheidungen treffen (bzw. Vorschläge unterbreiten) und so ein unpopulärer Vorschlag (beziehungsweise ein ganzes Vorschlagsbündel) erreichte in der vergangenen Woche die Nürnberger Öffentlichkeit: Einsparungen sollen durch Schließung der Kunsthalle und der Kunstvilla erzielt werden, die Blaue Nacht, das Bardentreffen und das Klassik-Open-Air im Luitpolthain sollen zukünftig nur noch alle zwei Jahre (anstatt wie bisher jährlich) stattfinden, man diskutiert auch darüber, das nicht minder beliebte „Silvestival“ ganz einzustellen. Wie viel Geld sich durch diese Maßnahmen tatsächlich einsparen lässt, scheint strittig zu sein. Berichteten die Nürnberger Nachrichten vor einer Woche noch von einem Betrag von 15 Millionen Euro, sollen laut aktuellen Informationen der Süddeutschen Zeitung bis 2026 6,5 Millionen eingespart werden.

Werfen wir einen Blick zurück: Als die CSU und Ludwig Scholz 1996 überraschend die Stadtratswahlen gewannen, brauchte es nicht lange, bis Scholz insbesondere im soziokulturellen Bereich massive Einsparungen durchsetzte und damit vielen Künstlerinnen und Künstlern den Boden unter den Füßen wegriss. Nicht nur das KOMM, sondern auch zahllose kleine, seit teilweise zwei Jahrzehnten erfolgreiche Initiativen wurden dadurch zerstört oder nachhaltig geschwächt. Nürnberg hat unter der CSU und besonders unter Ludwig Scholz stark gelitten, die Schneisen der Zerstörung, die seine verheerende Kulturpolitik, die als gescheitert betrachtet werden darf, in die Kultur- und Kreativszene der Stadt geschlagen hat, sind bis heute nicht geheilt, nicht repariert. Wirklich in relevanten Größenordnungen Geld konnte so natürlich nicht eingespart werden – die „Einsparungen“ waren weiland selbstredend alle politisch motiviert. Und sie blieben natürlich nicht ohne Folgen. Viele Künstler verließen die Stadt, wer sich heute in Nürnberg künstlerisch betätigt, leidet nicht nur unter einer deutlich ausgedünnten Infrastruktur, sondern auch darunter, dass sich hier die Kunstszene in ihrer Gesamtheit eher übersichtlich ausnimmt. Und so ist es natürlich kein Wunder, dass Nürnberg mit seiner Bewerbung zur „Kulturhauptstadt Europas 2025“ krachend gescheitert ist. Die Grundlage dieses Scheiterns wurde nach meinem Verständnis in den späten Neunzigern von der CSU und der rigorosen Un-Kulturpolitik Scholz „geschaffen“, denn wer eine freie Kulturszene mit seiner rechtskonservativen Ideologie unter dem Deckmäntelchen vermeintlich nötiger Einsparungen kaputtschlägt oder durch ausbleibende Zuschüsse an den Rand der Handlungsfähigkeit drängt, braucht sich nicht wundern, dass sich die Stadt zwanzig Jahre später (sozio-)kulturell nicht regenerieren konnte und schlicht keine organisch gewachsenen Kulturprojekte zu bieten hat, die den Titel einer Kulturhauptstadt zu rechtfertigen in der Lage wären. Nürnberg hat sich leider bis heute – nicht nur in Belangen der Kultur – von Scholz nicht vollständig erholen können.

Man möchte ja meinen, dass man in der zweitgrößten Stadt Bayerns aus den Fehlern der jüngsten Vergangenheit gelernt habe. Das ist, wie der neue Kultur-Kahlschlag-Katalog zeigt, mitnichten der Fall. Die Sache hat aber eine neue Qualität: Während der Scholz-Kahlschlag weiland in den etablierten Medien der Stadt nur einen lauen Widerhall fand, ist heute das Heulen und Zähneklappern groß und laut – schlicht, weil es arrivierte Institutionen und Projekte trifft.

Auf zweierlei möchte ich eingehen: Zuerst ist da mal die avisierte Schließung der Kunsthalle und der Kunstvilla zu diskutieren. Beide Häuser haben nicht nur ihre in ihrer Konzeption liegende Existenzberechtigung – nein, sie sind für Nürnbergs Museumslandschaft absolut unverzichtbar. Ja, wir haben mit dem Neuen Museum ein hervorragendes Haus, in dem kontemporäre Arbeiten internationaler Künstler gezeigt werden. Als Museum mit reinen Wechselausstellungen von Künstlern internationalen Formats mit dem „heimlichen“ Schwerpunkt der Moderne der 1960er und 1970er Jahre ist die Kunsthalle aber ein ungemein spannendes Museum, dass die Ausstellungen nicht nur äußerst aufwändig und stimmig präsentiert, sondern sie mit allgemeinverständlichen Informationen anreichert und hervorragende Begleitmaterialien anbietet. Und in dieser Form ist sie wohl im süddeutschen Raum einzigartig.

Kunstvilla

Die Nürnberger Kunstvilla, Juli 2022

Von allerdings noch entscheidenderer Bedeutung für die Stadt ist die Kunstvilla, hat man sich dort doch zur Aufgabe gemacht, in der Region entstandene Kunst zu erforschen, zu sammeln und auszustellen. Die Ausstellungen der Kunstvilla waren nach meinem Erleben immer didaktisch hervorragend aufbereitet, zudem bietet die bezaubernde alte Kaufmannsvilla dafür einen hervorragenden Rahmen. Beide Häuser wegzusparen ist schlicht nicht vorstellbar und, mit Verlaub, ein Frevel!

Zum Zweiten: Die Veranstaltungen Bardentreffen und auch, auch wenn nicht explizit erwähnt, Stars im Luitpolthain, sind ebenfalls unverzichtbar, weil sie nicht nur ein niederschwelliges und kostenloses Kulturangebot für die breite Bevölkerung darstellen. Viel mehr noch ist gerade das Bardentreffen ein echtes Mitmachfestival, das durch die vielen nicht geplanten, spontanen Auftritte zahlreicher Musiker seinen ganz eigenen Charme entwickelt. Denn neben dem Festivalprogramm, das streckenweise recht hochkarätig besetzt war, kann sich dort jeder Musiker ohne Anmeldung, Vorleistung… vor Publikum ausprobieren. Und auch wenn die Line-Ups der letzten beiden Stars im Luitpolthain-Veranstaltungen durchaus gewisse Redundanzen mit sich brachten: So ein Festival mit seiner beflügelnden Atmosphäre könnte so nicht nur im vergleichsweise kleinen Nürnberg sondern auch in New York oder London stattfinden. Festivals oder Veranstaltungen von dieser Güte, Strahlkraft und im Falle des Bardentreffens auch Tradition zukünftig auszudünnen, wäre ein schwerer Fehler, ein Rückschritt, eine kaum wieder auswetzbare Scharte. Was diese Veranstaltungen letztlich so besonders, so zugänglich und so niederschwellig macht, ist der freie Eintritt. Jeder, der interessiert ist, darf kommen.

Wir haben in den vergangenen Tagen viele (teilweise sehr gute) Argumente für eine Beibehaltung der kulturellen Angebote gehört. Diese reichen von „wir haben schon auf den Neubau des Konzertsaals verzichten müssen“ bis hin zu einer „Kulturdividende“, weil gerade die Veranstaltungen natürlich auch ein zahlungskräftiges Kulturpublikum in die Stadt ziehen. Eines geht aber in der ganzen Debatte leider unter: Wir werden uns in Zukunft einige Großprojekte leisten, deren Notwendigkeit schlicht nicht gegeben ist. Zu nennen wäre hier die völlig überflüssige, undichte und aus Gründen des Tierschutzes äußerst fragwürdige Delfinlagune, die nun eine neue Überdachung braucht, für sich genommen aber als unsanierbar gilt. Und dann der völlig aus der Zeit gefallene kreuzungsfreie Ausbau des Frankenschnellwegs. Würde man auf dieses Unsinnsprojekt verzichten, etliche Finanzprobleme der Zukunft wären bereits heute gelöst.

Unsinnig erscheinen die geplanten Streichungen im Kulturbereich gerade vor dem Hintergrund, dass Häuser und Veranstaltungen ja über Personal verfügen, das man nicht einfach so entlassen kann, das weiterbeschäftigt werden will und muss. Nun treffen die Einsparungspläne freilich nicht die Kultur allein, stattliche 500 Stellen sollen bei der Stadt Nürnberg „sozialverträglich“ gestrichen werden – aber hier offenbart sich doch, dass die Planungen des Kämmerers an dieser Stelle reichlich kurz greifen.

Die Konsequenzen der Streichungen sollte man genau bedenken: Die Dürer-Stadt verlöre deutlich an kulturellem Profil und würde auch touristische Attraktivität einbüßen. Was mit der nach Schließung dann leerstehenden Kunsthalle geschehen soll, ist ebenfalls offen. Der Leerstand einer solch speziellen Immobilie ist kaum dazu geeignet, dauerhaft wirklich Geld zu sparen, eine Umwidmung ist nur schwer vorstellbar und angesichts der Tatsache, dass das Haus erst für anderthalb Jahre geschlossen wurde, um teuer und aufwändig umgebaut zu werden, auch kaum vermittelbar. Hat man beide Museen einmal verloren, so steigt der Aufwand, sie irgendwann einmal so an selbem oder anderem Ort wiederzueröffnen – Fachleute gaben in den NN zu bedenken, dass eine Wiedereröffnung dann (selbst bei vielleicht hinreichend guter Kassenlage) nahezu unvorstellbar sei.

Die Schuldenlast der Stadt Nürnberg ist erdrückend. Und eine Kommune hat viele finanzielle Verpflichtungen, während Kunst und Kultur freiwillige Leistungen sind. So liegt es freilich nahe, hier den Rotstift zuerst anzusetzen. Die Konsequenzen sollten aber nicht aus den Augen verloren werden. Eine Stadt mit wenig geförderter Kunst und mit zwei bedeutenden Museen weniger wird natürlich unattraktiver – und fehlende Attraktivität macht sich „über Bande gespielt“ in vielen anderen Feldern wieder negativ bemerkbar. Es bleibt zu hoffen, dass die Entscheider in Nürnberg aus der mit Anlauf versemmelten Kulturhauptstadt-Bewerbung lernen und die Dummheiten von Scholz nicht wiederholen. Derzeit sieht es leider nicht danach aus. Der Schaden wäre gravierend.

Wochenrückblick KW 41/42 2022

Wochenrückblick. Auch wenn er immer noch zu unregelmäßig kommt, kommt er allemal regelmäßiger als früher. Urlaub war halt einfach geiler als bloggen, ich bitte um Verständnis.

  • Sebastian Kurz gründet irgendwas. Ist mir auch bums. Seit der „Augustus Intelligence“-CDU-Kindergarten-Amthor-Nummer ist eh jedem klar, dass das eigentlich nur eine Geldverbrennungsmaschine für gescheiterte Jungkonserven ist. Diese ganze Startup-Szene war immer irgendwie reichlich trashig, rausgekommen ist da über all die Jahre nie was substanzielles. Mich nimmt dennoch Wunder, dass es Leute gibt, die Kurz Geld zur Verfügung stellen. Diesem Gelaffen würde ich keine zehn Schilling anvertrauen.
  • DVB-I. Nun gut, warten wir es ab. So sehr ich allen terrestrischen Übertragungswegen offenstehe – im Sinne einer vernünftigen Grundversorgung – so skeptisch betrachte ich diesen Anlauf. Bis der neue Standard ausgerollt ist, gibt es wohl echte und günstige Datenflats per Mobilfunk und dann macht man das alles über IP auf Basis der vorhandenen Hardware.
  • Ways to destroy a sunflower.
  • Fefe erklärts mal wieder so, dass selbst ich das verstehe. Hier der Background bei heise.
  • Weil gerade das Vehicle2Grid-Ding (Paywall) kurz vor dem Roll-Out steht und wir nun endlich einen wichtigen Schritt hin zu einem intelligenten Energiesystem weiter sind, fällt mir folgende Geschichte ein: Ich hatte mal im Nürnberger Gewerkschaftshaus ein Büro neben dem Büro eines Kollegen, der seinerzeit für ein Projekt an der TH gearbeitet hat und bis heute im Forschungsbereich für Power Electronics unterwegs ist. Der hat 2004 bereits dieses Vehicle2Grid, dass da jetzt gerade losgeht, komplett (also auch in entscheidenden Details) vorgedacht. Wir haben uns immer in aufrichtigem und angelegentlichen Interesse über unsere Projekte ausgetauscht. Als er mir die Idee mit den in Autos über das Land verteilten Batteriespeichern zur Pufferung von (ggf. auch lokalen) Peaks bei der Erzeugung erneuerbarer Energien präsentierte, flüsterte ich, um ihn ein wenig zu provozieren, zu: „Ich ´abe gar kein Auto!“. „Kein Problem“, meinte er, und zog den Entwurf einer neuartigen Gefriertruhe aus der Schublade (eine Arbeit seiner Studenten), die sich auf den ersten Blick von einer normalen Gefriertruhe nur in einem winzigen Punkt unterschied: Sie hatte eine Ethernet-Buchse. Er erklärte mir, dass diese Tiefkühltruhe im Wesentlichen nur besonders gut gedämmt sei und über die Ethernetbuchse einen nur wenige Byte großen Steuerimpuls verarbeiten könne, mit dem das Gerät zu Stromspitzenzeiten herunterkühlt und diese Kühlenergie dann auch bis zu 72 Stunden halten könne. Nach der Motivation des Endverbrauchers gefragt, sich so eine Gefriertruhe anzuschaffen , schilderte er, dass ein solches Gerät, in Serie hergestellt, kaum teurer als eine gewöhnliche Gefriertruhe sei, dem Kunden aber nicht nur durch die bessere Dämmung Geld sparen könne. Würde der Strompreis variabel gestaltet (also dann billiger, wenn viel Strom im Netz sei, teurer, wenn wenig Strom zur Verfügung stehe) böten sich zusätzliche Anreize zum Speichern „billiger“, überständiger Energie in Betrieben und Privathaushalten. Es ist eine Schande, dass das bis heute nicht funktioniert. Daraus können übrigens auch sehr schlichte Zeitgenossen lernen, dass das Geschwätz vom sich selbst regulierenden Markt vor allem eines ist: Eine Lüge. In der „Anstalt“ der letzten Woche wird das übrigens sehr plastisch dargestellt – auch, wie der „Markt“ dank „Merit Order“ echte Selbstregulierung im Sinne der Sicherung der Profite einiger weniger zu verhindern weiß. Mein Fazit ist eigentlich ganz einfach: Die Konzepte, die wir gegenwärtig zur Lösung der Energie- und Klimakrise benötigen, existieren – selbst in technischen Details – seit mindestens zwanzig Jahren. Und im Großen und Ganzen wissen wir um die Mechanismen und Auswege seit mindestens fünfzig Jahren. Nur unser ach so überlegenes „Wirtschafts“-„System“ in seiner ideologisch versteiften Trägheit und seine grundständige Ausrichtung auf die einzig und alleinige Wahrung der Partikularinteressen einer Besitzenden-Elite treibt uns in die Misere.
  • Es wird keine neuen Brennstäbe geben. Ein Schauspiel für die Götter, den Konserven beim flippen zuzusehen.
  • Hierzu eine knappe und übersichtliche Analyse. Die teile ich aber in einem Punkt nicht: Wie lange die AKWs im sog. „Streckbetrieb“ weiterbetrieben werden, scheint mir nicht ausschlaggebend zu sein. Die Grünen mussten die Emsland-Kröte schlucken, aber es ist eine kleine Kröte. Die FDP allerdings bekommt keine Neuen Brennstäbe – sie ist die krachende Verliererin, auch wenn sie es nicht zugeben mag. Macht aber auch nichts, Lindner und seine Dummbeutel-Entourage FDP-Fraktion hat uns lange genug terrorisiert. Ohne neue Brennstäbe kein Weiterbetrieb der AKWs über 2023 hinaus – Gottseidank!!
  • Russland gehen die Mikrochips aus: 40 Prozent der Schwarzmarktware sind Schrott.
  • Knaller! Truss ist weg. Nach sechs Wochen. Das hat den Aufwand wirklich nicht rentiert. „Prime Minister Liz Truss has finally resigned in a glorious victory for the Daily Star’s lettuce“.
  • Okay, der Evangelische Kirchentag ist by far nicht die erste Veranstaltung, für die ich Tickets im Vorverkauf erwerben würde, aber wenn er schon mal (2023) in der eigenen Stadt ist – warum nicht hingehen?
  • Mateschitz ist tot. Bei aller „Trauer“ darf nicht vergessen werden, das er ein Steigbügelhalter der Rechten war. Und seine ungesunden Brausen sind auch völlig verzichtbar.
  • Nürnberg muss – nicht nur wegen des gigantischen Schuldenbergs, auf dem die Kommune sitzt, sparen. Und wo setzt man den Rotstift am liebsten an? Freilich: Bei der Kultur (Paywall). Etwas besseres ist dem Kämmerer nicht eingefallen?

Seit Montag im Angebot bei Aldi Süd: Die Crane Massagepistole für 39,90 Euro im Kurztest

Eine akkubetriebene Massagepistole, so etwas ist seit vielleicht zwei Jahren voll im Trend, wollte ich schon immer haben. Allerdings war mir das Originalgerät der Firma Blackroll, für das gegenwärtig etwa 190,- Euro Straßenpreis aufgerufen werden, deutlich zu teuer – und so blieb die Massagepistole bis heute ein unerfüllter Wunsch.

Crane Massagepistole von Aldi Süd

Seit Montag, dem 10. Oktober 2022 bietet Aldi Süd ein „Nachahmerprodukt“ an, das Crane Fitness-Massagegerät, der mögliche Nutzen des Apparats wird auf der Verpackung in einem Satz erklärt: „Wohltuende Massage bei Verspannungen und nach dem Sport“. Der aufgerufene Preis: 39,99 Euro. Das ist doch mal eine preislich angenehme Größenordnung – und so bin ich heute, einen Tag nach Angebotsbeginn, losgezogen, um mir die Crane Massagepistole zu kaufen. Ich musste hier in Nürnberg drei Aldi-Märkte anlaufen, bis ich den Artikel erhalten habe, scheinbar ist das Angebot gut nachgefragt. Die beiden Innenstadtmärkte waren bereits ausverkauft, in der Filiale in der Schweppermannstraße wurde ich schließlich fündig. Auch wenn gerade Amazon-Prime-Days sind und dort ebenfalls Massagepistolen um vierzig Euro angeboten werden, gab ich dann doch dem Discounterprodukt den Vorzug, einfach aus der Erfahrung heraus, dass die Nonfood-Artikel von Aldi in aller Regel eine gute Qualität aufweisen, ein mindestens akzeptables bis gutes Preis-Leistungsverhältnis aufweisen und zur Not bei Nichtgefallen äußerst kulant umgetauscht werden können.

Kurz zum „Unboxing“: Der Verkaufskarton enthält ein geräumiges und passgenaues Etui für die Massagepistole, das Massagegerät selbst, die Bedienungsanleitung und ein Steckernetzteil mit Hohlstecker – darauf werde ich im Folgenden noch zu sprechen kommen. Zudem sind acht unterschiedliche Massageaufsätze mitgeliefert. Ich konnte noch gar nicht alle testen – nach der kurzen Zeit des Ausprobierens scheinen mir besonders der kugelförmige, der kegelförmige und der bogenförmige Aufsatz zur Selbstmassage hilfreich zu sein.

Die Pistole bewegt den jeweils aufgesteckten Massagekopf in schnellen, sehr kurzen impulsartig stoßenden Bewegungen vor und zurück und liefert damit ein etwas anderes Massagegefühl, als die konventionellen kreisend-rüttelnden Massagegeräte. Was letztlich besser und effektiver ist, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend sagen, aber: Diese Art der Massage finde ich nicht unangenehm und für ein Gerät zur Selbstmassage ungekannt kräftig. Die Intensität (also die Frequenz der Stoßbewegung) lässt sich in dreißig Schritten sehr fein abgestuft einstellen, ein kräftig leuchtenden und gut ablesbares LED-Display gibt über die Einstellung Auskunft. Die Einstellungen werden per Touch“screen“ vorgenommen, angenehm und modern.

Das Bedienpanel

Laut Bedienungsanleitung dauert es um die fünf Stunden, bis der interne, durch den Kunden nicht tauschbare Akku geladen ist. Zu den technischen Daten: In der Crane Massagepistole sind vier Lithium-Ionen-Akkus á 14,8 Volt, 1500 mAh verbaut. Das Steckernetzteil liefert knapp 7 Watt Leistung. Das mit dem „proprietären“ Ladegerät empfinde ich als etwas aus der Zeit gefallen, hier wünscht man sich einen gängigen USB-C-Port und eine saubere Ladeelektronik. Weiterhin positiv zu erwähnen: Der Massagepistole liegt eine knappe, gut verständliche und vernünftige Bedienungsanleitung bei, die auch erklärt, an welchen Körperstellen welcher Massageaufsatz verwendet werden kann und an welchen Körperstellen man generell nicht massieren sollte.

Die Verarbeitung des Massagegerätes empfinde ich als ausgesprochen gut: Die Pistole liegt angenehm schwer in der Hand, ist sauber entgratet und aus griffigem Kunststoff und Metall gearbeitet. Sie ist sauber entgratet, sie knarzt nicht und wirkt verwindungsstabil.

In der kürze der Zeit ist es schlicht nicht möglich, ein abschließendes Urteil zu fällen, außerdem habe ich keinen direkten Vergleich mit dem obengenannten Markengerät, dennoch scheint mir die Crane Massagepistole von Aldi für den aufgerufenen Preis ein guter Deal zu sein. Ich werde der Sache jedenfalls eine ernsthafte Chance geben.

Allgemein sollte man bedenken, dass eine Selbstmassage die professionelle Massage durch einen Fachmann bzw. Physiotherapeuten nicht ersetzen kann und wohl eher als Ergänzung zu verstehen ist. Gerade am Rücken sind mit der Pistole manche Stellen kaum ohne „Verrenkungen“ erreichbar, hier muss dann der Partner helfen.

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