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Ein chinesischer Minibeamer für deutlich unter hundert Euro – der mentech Projektor im Test

Vielleicht geht es Euch ja ähnlich wie mir: Einen Video-Projektor (ich rede jetzt mal ganz bewusst nicht von Datenprojektor) wollte ich schon immer, allerdings waren diese Geräte entweder qualitätsmäßig unterirdisch, oder aber klobig, laut, in der Regel bei guter Qualität aber eben vor allem eins: sauteuer. Immer wieder mal habe ich mir billige No-Name-Projektoren chinesischer Provenienz angeschaut, immer wieder bin ich aufgrund der bescheidenen Bildqualität von diesen Geräten abgekommen.

Aber inzwischen hat der technische Fortschritt selbst vor dem niedrigsten Preissegment nicht Halt gemacht. Die Zeiten, in denen ein akzeptabler Beamer nahezu unerschwinglich war und binnen kürzester Zeit neue Leuchtmittel, die zum einen recht kostspielig und zum anderen auch relativ schwierig zu tauschen waren, verlangte, scheinen vorbei – zumindest dann, wenn man bereit ist, gewisse Kompromisse einzugehen. Und weil jüngst im Wirtshaus das Gespräch darauf kam, ob die kleinen und günstigen Beamerchen eine echte Alternative zum Fernseher sind, nutze ich die Gelegenheit und schreibe hier mal meine Erfahrungen nieder.

Ich hatte in den letzten Wochen Gelegenheit, einen Vertreter der „Billigbeamer“-Gattung ausgiebig zu testen, es handelt sich bei meinem Exemplar um ein Gerät der Marke „mentech“, einem Anbieter, der vor allem bei Amazon auftritt und sich durch sein breites Angebot günstiger Zubehörteile für Balkon-Solaranlagen einen gewissen Ruf erarbeitet hat.
Besagte Firma hat hierzulande mehrere Modelle im Angebot, von denen zwei besonders ins Auge fallen: ein günstiges, mit nativer 1080er-Auflösung, das aber recht einfach ausgestattet und daher auch günstiger ist, und ein größeres „HD-Ready“-Modell mit einer nativen Auflösung von 720P mit besserer Ausstattung. Wenn man nach diesen Geräten googelt, muss man gut darauf aufpassen, welches Gerät einem angezeigt wird, denn vermarktet werden beide als “4K”-Projektoren. Ich empfinde das als reichlich irreführend, denn beide Geräte sind weit davon entfernt, 4K projizieren zu können, diese Angabe des Herstellers bezieht sich ausschließlich auf die Möglichkeit, dass diese Geräte 4K-Streams auf ihre jeweilige native Auflösung downscalen können. Relevant ist also allein die native Auflösung – die ist in der Artikelbeschreibung aber recht schnell herauslesbar.
Auch wenn mein Beamer von mentech ist, zahlreiche „Marken“ bieten ein quasi baugleiches Modell zu unterschiedlichsten Preisen an, diese Geräte unterscheiden sich in aller Regel nur durch den individualisierten Startscreen und die Versionsnummer von Android-TV (man sollte mit Verallgemeinerungen ja immer sehr vorsichtig sein und im technischen Bereich können vermeintlich marginale Abweichungen von Modell zu Modell einen durchaus substanziellen Unterschied machen – aber: Wer dieses Review des mentech-Projektors liest und dann ein optisch identisches und technisch zumindest sehr ähnliches Modell kauft, ist zumindest grob über Potenzial und Limitationen dieser speziellen Projektorgattung informiert).

An dieser Stelle wirft sich natürlich die Frage auf, inwieweit es heute noch sinnvoll ist, einen „HD-Ready“-Projektor zu kaufen. Und ich muss ehrlich sagen, dass sich diese Auflösung tatsächlich in Abhängigkeit davon, welches Filmmaterial man anschaut, nicht mehr ganz zeitgemäß anfühlt. Bei fotografischen Darstellungen der Projektionsqualität greifen Rezensenten wie Hersteller gleichermaßen gerne auf Zeichentrickmaterial zurück, weil hier die niedrige Auflösung noch am wenigsten unangenehm auffällt und satte Farben und hohe Kontraste die ein oder andere Unzulänglichkeit der Bildqualität kaschieren. Für die Wiedergabe von DVDs genügt die Auflösung dann auch, aber selbst, wenn man Fernsehbilder an die Wand wirft, kommen einem ob der geringen Auflösung schon erste Zweifel. Und Daten vom Laptop möchte man mit so einem Beamer nur im Notfall projizieren müssen.
Davon ab kann es aber schon spaßig sein, gemeinsam einen Film oder Fußball mit einer entsprechend großen Projektion zu schauen – der Raum muss halt abgedunkelt sein. Dazu aber später mehr.

Das Unboxing: In einer überraschend kompakten Faltschachtel werden neben dem Beamer selbst auch eine Fernbedienung, Netz- und HDMI-Kabel sowie eine mehrsprachige Bedienungsanleitung geliefert.
Schnell ist der Projektor ausgepackt und angeschlossen, und es kann losgehen. Bei der ersten Einrichtung ist der Beamer mit dem heimischen WLAN zu verbinden. Dann kann man optional einige Updates für die Apps und das auf dem Gerät installierte Android-System ziehen. Diese Einrichtungsprozedur dauert inklusive der Updates etwa eine Viertelstunde, dann ist der Projektor auch schon einsatzbereit. An der kurzen Updatezeit kann man sehen, dass die Software des Beamers bei der Auslieferung halbwegs auf dem neuesten Stand ist. Bei diesem eingebetteten Android stört es mich auch nicht, dass das relativ antike Android TV 11.0 installiert ist (die auch heute noch aktuelle Version ist Android TV 14, mit einem Update rechne ich für diese Hardware nicht).

Beim Booten des Beamers fällt auf, dass das Bild sofort da ist, der Bootvorgang wird durch das Einblenden einer Animation mit Sound kaschiert. Recht bald befindet man sich auf dem Startscreen, auf dem man default zwischen Netflix, YouTube, dem Mediaplayer, Einstellungen, dem Videoeingang über HDMI… wählen kann.

Das Android-11-System auf diesem Projektor läuft, sehr zu meiner Überraschung, nicht nur angenehm flüssig, sondern ist auch werbe- und weitestgehend bloatwarefrei, es sind halt die Apps gängiger Streamingdienstleister wie Disney+ oder Netflix installiert. Insgesamt überzeugt mich das System wegen seiner guten Performance. Damit hätte ich bei einem so kleinen und günstigen Gerät nicht gerechnet.

Bei den Specs fällt auf, dass Wi-Fi6 mit 2,4/5 GHz und Bluetooth nach dem 5.2-Standard angenehm aktuelle Werte sind. Das halte ich für erwähnenswert, weil beim günstigen Gerätepreis nicht an der Hardware gespart wurde, wohl aber an den Videoeingängen – denn es gibt nun mal einfach nur HDMI. Weder VGA noch analoge Anschlüsse sind vorhanden, abgesehen von einem analogen Audioausgang (3,5-mm-Klinke, Stereo). Das dürfte für die meisten Anwender auch vollkommen ausreichend sein, man muss es nur wissen. Der komplette Verzicht auf analoge Eingänge erklärt sich wohl aus dem Umstand, dass der Beamer Audio aller Quellen auf Bluetooth routen kann, das wäre bei einem analogen Signal sicher nicht unmöglich, aber doch in der Realisierung technisch aufwendig.

YouTube: Um YouTube komfortabel bedienen zu können, empfiehlt es sich, Handy oder Tablet im gleichen Wi-Fi wie den Beamer zu betreiben. Das Screensharing hat bei mir mit dem einmaligen Eingeben des TV-Codes über YouTube einwandfrei geklappt, dabei gibt der Beamer den Zahlencode vor, den man dann ins Handy tippt. Die Verbindung zwischen YouTube und dem Projektor läuft angenehm flüssig.

Kommen wir zum Wichtigsten, zur Bildqualität. Um es vorwegzusagen: Man darf erstens bei der halben HD-Auflösung keine Wunder erwarten (über Sinn und Unsinn dieser Auflösung im Jahre des Herren 2026 habe ich ja eingangs schon ein paar Gedanken formuliert, da kann letztlich nur jeder für sich entscheiden, inwieweit das den eigenen Bedürfnissen entgegenkommt) und muss zudem wissen, dass sich dieser Beamer nur in verdunkelten Räumen betreiben lässt, bei Tageslicht ist die Projektion nicht mehr sinnvoll erkennbar. Wenn man mit diesen beiden Punkten – HD-Ready mit einer nativen Auflösung von 1280x720P und der geringen Lichtstärke, einem Phänomen, das sich bei allen günstigen Beamern beobachten lässt, klarkommt, ist das Teil eigentlich ziemlich cool. Was der Projektor ganz problemlos kann, ist, 4K-Material so flüssig downzuscalen, dass es gut anschaubar ist. Ich habe auch mal 4K-Testbilder durchlaufen lassen, die Schärfe und die Farbtreue gehen dabei absolut in Ordnung.

Rein technisch gesprochen ist eine Diagonale von sagenhaften 3,20 Metern möglich, allerdings um den Preis eines relativ dunklen Projektionsbildes selbst bei nahezu komplett verdunkeltem Raum. Dennoch ein beachtlicher Wert, mit einem am Ende noch immer akzeptablen Ergebnis.

Mit der Bildschärfe hat dieser Beamer aber dennoch seine Probleme (es gibt aber auch eine Lösung!): Der Standbügel erlaubt es, den Neigungswinkel des Projektors in mehreren Stufen zu wählen. Je nach Abstand zur Leinwand/Projektionsfläche und dem gewählten Neigungswinkel korrigiert der Beamer automatisch die Trapezverzerrung und auch die Schärfe – das klappt hinreichend gut und prinzipiell feiere ich dieses Feature auch, denn ich hätte nicht erwartet, dass ein Beamer dieser Preisklasse über einen in Abhängigkeit vom Projektionswinkel und -abstand arbeitenden Autofokus verfügt. Allerdings gelingt es, je steiler der Neigungswinkel ist, in zunehmendem Maße nicht mehr, das gesamte Bild komplett scharf einzustellen. Das mag den sehr einfachen Kunststofflinsen mit ihrem doch eher kleinen Durchmesser geschuldet sein und funktioniert nur dann wirklich zufriedenstellend, wenn der Projektor wirklich kerzengerade zur Mitte der Projektionsfläche aufgestellt wird. Hierzu kann man entweder ein Projektionstischchen verwenden, oder aber der Standbügel des Beamers hat auch ein Stativgewinde (und da der Projektor insgesamt recht leicht ist, ist es auch problemlos möglich, den Projektor auf ein robustes Fotostativ zu stellen). Das Scharfstellen des Bildes wird durch einen jederzeit gut erreichbaren Fokusring erledigt, der mechanisch obendrein gut übersetzt ist – so wird das Scharfstellen des Bildes nicht zum Fingerspitzengefühl abverlangenden Geduldsspiel. Beim Aufstellen des Projektors muss man ein wenig tüfteln, dann liefert das Gerät aber gemessen an seinem Preis überraschend brauchbare Ergebnisse.

Zum Sound: Der Sound des Beamers ist mit dem eingebauten Lautsprecher erwartungsgemäß nicht übertrieben gut, aber immerhin bleibt Sprache halbwegs verständlich. Hält man sich die geringen Dimensionen des Geräts vor Augen, so ist der dünne und blecherne Sound kein Wunder. Um ihn zu verbessern, hat man im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: Entweder man schließt über den 3,5 mm Kopfhörer-Klinkenausgang ein Aktivlautsprecherpaar an oder man koppelt per Bluetooth einen entsprechenden Lautsprecher. Letzteres klappt ohne größere Probleme und angenehmerweise auch ohne wahrnehmbare Latenzen.

Lautstärke- und Wärmeentwicklung: Beides hält sich absolut im Rahmen. Freilich ist der Lüfter des Projektors zu hören, allerdings ist dieses Nebengeräusch für so ein kompaktes Gerät absolut akzeptabel, da kennt man echt Schlimmeres. Und auch die Wärmeentwicklung hält sich in eng überschaubaren Grenzen, der Beamer wird selbst nach einer Betriebsstunde bestenfalls handwarm.

Im Lieferumfang befinden sich nicht nur das Stromkabel für 230 Volt (Eurostecker), sondern auch ein HDMI-Kabel. Damit hat es eine Besonderheit auf sich: Beide Stecker der Kabel sind auf einer Seite abgewinkelt. Will man den Beamer auf seinem fest verbundenen Ständer nämlich um 180 Grad drehen, um z. B. ein Bild an die Decke zu projizieren, ist der Abstand zwischen Standbügel und Gerät so gering, dass normale Kabel in dieser Position nicht angesteckt werden können. Man sollte wissen, dass dann auch nur ein sehr flacher und abgewinkelter Stecker in der Kopfhörerbuchse stecken kann – ein solcher ist nicht im Lieferumfang enthalten und es dürfte auch schwer sein, hier ein passendes Audiokabel zu finden.

Zum Schluss möchte ich noch ein paar Worte über die Verarbeitung verlieren. Die ist, wen wollte es angesichts des niedrigen Preises wundern, freilich eher einfach. Das Gerät selbst besteht aus federleichtem Hartkunststoff, auch die Verarbeitungsqualität der Fernbedienung (ohne die sich der Projektor nicht bedienen lässt) ist ziemlich einfach. Dennoch funktioniert alles und ist zweckmäßig gestaltet.

An dieser Stelle bleibt ein Fazit zu ziehen: Dieser „runde“ Beamer wird freilich nicht nur von mentech geliefert, man bekommt ihn in diesen Tagen regelmäßig von unterschiedlichen „Marken“ bei diversen Händlern angeboten – zu Preisen zwischen 40,- und 100,- Euro. Wer die Angebote vergleicht, sollte unbedingt auf die native Auflösung achten, zudem darauf, nach welchem Wi-Fi und Bluetooth-Standard der Beamer funkt und welche Version von AndroidTV aufgespielt ist.

Unterwegs liefert der Projektor ein akzeptables Bild, das sich bei der Aufstellung durch Zentrieren des Beamers in der Bildmitte hinsichtlich der Abbildungsschärfe noch entscheidend verbessern lässt. Die nicht mehr ganz zeitgemäße „halbe“ HD‑Auflösung taugt zum Film- und Fußballgucken überall dort, wo man ein großes Bild haben möchte. Das in meinen Augen größte Manko dieses Beamers ist die niedrige Lichtstärke, die einen verdunkelten Raum absolut notwendig macht. Wer die Limitationen dieses Geräts kennt und mit ihnen umgehen kann, kann mit diesem Teil dennoch viel Spaß haben.

Monatsrückblick Juli 2026

Der Juli begann mit den Ausläufern einer heftigen Hitzewelle, der Juli endete und der August beginnt mit Hitze. Auch sonst ist viel passiert. Ein paar Links mag ich Euch mit etwas Verspätung gerne hier präsentieren, aber für mehr reicht gerade weder die Zeit noch die Muße. Dennoch: Sommerloch ist anders, ganz klar.

Test: Der Gracioso T7-Mini-Kassettenrekorder. Alles retro oder was?

Ich hätte ja irgendwie nicht gedacht, dass gerade jetzt die gute alte “Compact Cassette” ein so fulminantes Comeback hinlegt. Dass Vinyl nie tot war, ist mir bereits in den 90ern bewusst gewesen und auch meine Bandmaschinen waren nie outdated. Aber Kassetten? Sie unterliegen doch gewissen technischen Beschränkungen, zumal es heute recht schwierig ist, gutes Bandmaterial zu bekommen, nachdem Chromdioxid-Bänder aus Umweltschutzgründen nicht mehr hergestellt werden dürfen. Und auch die Player und Rekorder, das wird dieser Test noch zeigen, sind heute von eher einfacher technischer Qualität. Ungeachtet dessen ist gerade im Indie-Bereich die Kassette wieder ein ernstzunehmendes Release-Medium geworden. Und so ein bisschen retro ist doch auch ganz geil, oder?

Kürzlich hat sich der neueste Streich der Firma Gracioso in meine Hände verirrt: ein recht kompaktes Kassettengerät mit recht charmanter Optik und einem etwas speziellen Funktionsumfang. Das Teil trägt die schlichte Typenbezeichnung “T7”.

Die Firma Gracioso hat sich gänzlich dem Retrotrend, im Speziellen dem Comeback der Kassette, verschrieben. Mit dem Bluetooth-Walkman 311 landete man bei den Tech-Youtubern einen bestens besprochenen Treffer, ist er doch baugleich mit dem hochpromoteten Maxell-Kassettenplayer (und technisch tatsächlich sehr brauchbar, vielleicht finde ich zukünftig mal Zeit, über dieses Teil zu schreiben). Mit dem neuen Modell T7, das ich mir heute genauer anschaue, liefert Gracioso einen Kassettenplayer und Kassettenrekorder, der die alten Tapes nicht nur über Kopfhörer und den kleinen, eingebauten Lautsprecher wiedergibt, sondern auch per Bluetooth empfangene Signale auf Kassette aufnimmt (oder den Raumton mit dem eingebauten Mikrofons) und zudem auch als Bluetooth-Lautsprecher verwendet werden kann. Zum 311er also ein durchaus erweiterter Funktionsumfang.

Geliefert wird der kleine Rekorder in einer unspektakulären Pappschachtel. Zum Lieferumfang gehören neben dem Gerät selbst lediglich eine mehr als rudimentäre Bedienungsanleitung und ein USB-A-zu-C-Ladekabel. Ja, ihr lest richtig, dieser Rekorder verfügt über einen eingebauten Akku (mit einer Nennkapazität von 2000 mAh). Geladen und mit Strom versorgt wird er per USB-C mit einem gewöhnlichen Handynetzteil, auch potentere Geräte mit 2 A Ladespannung funktionieren hier gut. Der Akku ist ein Langläufer, sechs, sieben Stunden kontinuierlicher Betrieb sind problemlos möglich. Das Gerät verfügt über einen kleinen, eingebauten Lautsprecher von recht übersichtlicher Klangqualität und ist äußerst kompakt aufgebaut. Die Formgestaltung des Apparats möchte ich angesichts seiner chinesischen Provenienz als angenehm zurückgenommen und funktional bezeichnen. Für einen Kassettenrekorder ist er angenehm klein und leicht, als Walkman wäre er mir etwas zu bulky – das bedingt aber auch der eingebaute Lautsprecher und der große Akku.

Was das Teil kann, habe ich beschrieben. Nun wird der Rekorder geladen und getestet. Er ist im Handumdrehen einsatzbereit und spielt die ersten Kassetten.

Kommen wir zum Wichtigsten: der Kassettenwiedergabe. Wer solch ein Gerät kauft, wird wohl etliche vorbespielte Kassetten besitzen und deshalb an einer möglichst guten Tonqualität interessiert sein. Bei der Betrachtung der Tonqualität dieses kleinen Geräts darf freilich auch der günstige Kaufpreis von gegenwärtig 39,- Euro nicht außer Acht gelassen werden.
Getestet wurde mit mehreren vernünftig gepegelten Chromdioxid- und Ferro-Bändern sowie vorbespielten Kaufkassetten. Die Wiedergabequalität all dieser Bänder erwies sich als absolut brauchbar.

Im Detail: Sehr viele neue Kassettenplayer mit Aufnahmefunktion leiden an einem Fehler, sie geben das Band in Mono wieder. Der Gracioso-Kassettenrekorder bildet hier eine rühmliche Ausnahme, man bekommt seine Kassetten dankenswerterweise in Stereo abgespielt (der Mono-Lautsprecher ließ ja anderes befürchten und auch Gracioso macht in seiner Produktbeschreibung keine Angaben darüber, ob die Wiedergabe Mono oder Stereo ist). Dabei ist selbst bei sehr kritischem Hinhören und bei leisen Passagen weder ein Übersprechen in den anderen Kanal noch in die Gegenspur feststellbar. Sowohl die tieferen Frequenzen (sofern hörbar, dazu aber später mehr) als auch die Höhen werden sauber und verzerrungsfrei wiedergegeben, der Azimut scheint bei meinem Gerät genauso sauber justiert zu sein, wie die Spurlage des Sprech-/Aufnahmekopfes. Das mag einem selbstverständlich erscheinen, allerdings habe ich etliche neue Geräte zum Testen auf dem Tisch gehabt, die diese Präzision bei Justage und Endabnahme vermissen ließen. Ein sauberer Abgleich und eine vernünftige Endkontrolle kosten schließlich Geld.
Auch die Geschwindigkeit ist sauber justiert und bewegt sich im Toleranzbereich von rd. 3 Prozent. Was sicher nicht verwundern wird, ist, dass Wow/Flutter, also der Gleichlauf, nicht optimal sind. Das liegt an der Verarbeitung der heute diesen Geräten zugrunde liegenden Mechanismen und ist ein Umstand, den man beim Kauf von (auch deutlich höherpreisigen) Neugeräten leider in Kauf nehmen muss. Damit in Zusammenhang steht auch, dass die Bandwiedergabe nicht besonders “schockstabil” ist; trägt man das Gerät umher, leiert das Band in Bewegung deutlich. Als etwas sperrigen Walkman auf der morgendlichen Laufrunde kann man den Gracioso T7 also nur schwerlich einsetzen. Die Klangqualität im Mittel- und Hochtonbereich ist noch passabel, der Tieftonbereich wird unnötigerweise aber doch hörbar beschnitten.

Wenig überraschend neigt der Vorverstärker im Wiedergabezweig zu deutlichem Rauschen, zumindest beim eingebauten Lautsprecher und mit angeschlossenem Kopfhörer. Auch das ist bei Neugeräten keine Seltenheit, auch das ist heute bedauerlicherweise hinzunehmen, auch das hatte man in den 1980er- und 1990er-Jahren technisch deutlich besser im Griff (am Rande: Wer sich fragt, wie man das Eigenrauschen des Geräts vom Bandrauschen sicher unterscheiden kann, da gibt es einen einfachen, in sich logischen Kniff. Einfach keine Kassette einlegen, auf Play drücken und eine mittlere Lautstärke einstellen – voilà!).

Nun folgt ein Blick auf die Aufnahmefunktion. Die begeistert mich generell nicht so sehr, auch hier unterliegt das Gracioso-Gerät einer Limitation, die viele Neugeräte in günstigen Preisklassen aufweisen, nämlich der, dass sie über keinen elektrischen Löschkopf verfügen. Gracioso verwendet hier ebenfalls keinen vernünftigen Löschkopf, der das Bandmaterial sauber löscht, sondern einfach einen wegklappbaren Permanentmagneten. Wurde das zu löschende Band vorher bis nahe an die Sättigung (im Sollwert-Rahmen) magnetisiert, verbleiben Tonreste der alten Aufnahme auf dem Band. Zudem erhöht eine Löschung durch Permanentmagnet das Rauschen. Und dementsprechend suboptimal ist die Qualität der mit dem Greacioso-Rekorder gefertigten Aufnahmen.

Bei Mikrofonaufnahme ist das Signal mono, das Mikrofon ist recht empfindlich, die Aufnahme hat einen hörbar eingeschränkten Frequenzgang mit deutlichen Defiziten im Tiefenbereich und nimmt viel Geräteschall des Laufwerks mit, klingt nasal und neigt zum Zischeln. Zudem ist das Grundrauschen durch den primitiven Bandlöschvorgang und den niedrigen, nicht anpassbaren Aufnahmepegel, verhältnismäßig hoch. Die Mikrofonaufnahme kann nicht überzeugen und ist bestenfalls ein Notbehelf. Eine Anschlussmöglichkeit für eine externe Quelle oder ein Mikrofon gibt es nicht. Ich habe aber ehrlicherweise von einem Gerät dieser Preisklasse auch nichts anderes erwartet, alle Kassettengeräte diesseits der 200-Euro-Marke liefern mehr oder weniger solche ernüchternden Ergebnisse.

Nun verfügt der T7 aber auch über die Funktion, ein empfangenes Bluetooth-Signal auf Kassette aufzeichnen zu können (diese Funktion ist gleichermaßen anachronistisch und wäre ganz cool, würde die Qualität passen).
Per Bluetooth koppelt man den Rekorder störungsfrei unter der Kennung “T7”. Als Bluetooth-Lautsprecher funktioniert das kleine Gerät ganz brauchbar, im Rahmen dessen, was der winzige Lautsprecher eben herzugeben in der Lage ist. Die Aufnahmefunktion ist qualitativ aber kaum besser, als mit dem eingebauten Mikrofon. Rauschig, rissig, ohne Tiefenstaffel, erinnert der Sound an einen alten Anrufbeantworter oder ein Diktiergerät. Das ist ein Gag, aber ernsthaft etwas anfangen kann man damit leider nicht.

Und wie ist die Wiedergabe des Bandes über einen Bluetooth-Lautsprecher bzw. eine Stereoanlage? Ich habe mir den Spaß gemacht und den T7 mit meinem NAD DAC (C658) gekoppelt. Freilich ist es ein unfairer Vergleich, einen 40-Euro-Kassettenplayer mit einem 2k-Euro-DAC zu koppeln, so wird aber wirklich hörbar, was das Teil kann, und was nicht. Ernüchterung? Im Tieftonbereich ja. Da ist der Ton klar beschnitten. Auch die Mitten gehen ein wenig unter, die Höhen sind etwas zu spitz. Und dennoch: Das Ergebnis erfüllt die Erwartungen.
Echtes HiFi-Feeling kommt soundtechnisch nicht auf, die Kassette per se ist technisch in der Lage, deutlich besser zu klingen, als es dieses Gerät ermöglicht und vermuten lässt.

Wozu eignet sich dann der Gracioso T7? Zum ernsthaften Musikhören eher nicht. Auch Aufnahmen will man auf diesem Gerät nicht fertigen. Alte Hörspiele oder Aufnahmen aus dem Radio lassen sich damit aber sehr wohl wiedergeben. Wer in Erinnerungen schwelgen möchte und dazu ein möglichst kleines Gerät mit eingebautem Lautsprecher sucht, das sich auch mit einer Bluetooth-Box oder einem Kopfhörer koppeln lässt, der wird an dem Teil Spaß haben. Seine alten Kassetten digitalisieren kann man damit wegen der zu hohen Dynamikverluste nicht und auf Dauer Musik hören macht damit auch keinen Spaß. Aber hey – das Teil kostet einen Vierziger, why not?
Fairerweise muss man aber auch sagen, dass er dem 311er klanglich bei weitem nicht das Wasser reichen kann. Da sich beide Konzepte doch recht ähnlich sind, frage ich mich, warum man dem T7 nicht auch das bessere Laufwerk und die aufwendigere Schaltung spendiert hat. Wissen wird das wohl nur der Hersteller. Und damit kann sich der T7 leider auch nicht über die Schwelle des Retro-Gadgets erheben, trotz etlicher guter Ansätze.

Noch bis 17. Juli 2026: Wechselverkehr auf der U1 zwischen Nürnberg und Fürth

Sommerzeit ist Baustellenzeit, leider auch im Nürnberger Nahverkehr. Von heute an bis zum 17. Juli 2026, es war in der Wochenendausgabe der Lokalzeitung angekündigt, besteht auf der U-Bahnstrecke von Nürnberg nach Fürth ein Wechselverkehr mit Umsteigezwang am U-Bahnhof Maximilianstraße. Grund hierfür sind Weichenbauarbeiten im Bereich Eberhardshof.

An der Maximilianstraße müssen Weiterfahrende das Gleis wechseln. Die Züge verkehren theoretisch im 15-Minuten-Takt, was allerdings heute Morgen und auch am späten Vormittag nur mäßig geklappt hat. Wer Termine einzuhalten hat, möge einen Puffer von wenigstens 30 Minuten einplanen. Eine Fahrt von der Frankenstraße zum Fürther Rathaus dauerte heute zur Berufsverkehrszeit etwas mehr als eine Stunde, die Fahrt vom Rennweg zum Fürther Hauptbahnhof etwa 55 Minuten.

Den Nutzern des Nürnberger ÖPNVs ist derzeit das Glück nur wenig hold: Vor zwei Wochen schmolzen die Bitumen-Dehnungsfugen der Straßenbahnschienen im gesamten Stadtgebiet, etliche Strecken sind immer noch nicht nutzbar und durch einen bestenfalls rudimentären Ersatzverkehr abgedeckt. Wer auf den ÖPNV angewiesen ist, muss lange Wartezeiten und häufige Umstiege in Kauf nehmen, wer kann, steigt dieser Tage aufs Auto um.

Einwurf: Die Krankschreibung ab dem ersten Tag führt zu mehr Krankheitstagen

Mitunter ringe auch ich um Worte. Angesichts der neuen „Reform“-Shitshow, die unsere Bundesregierung gerade abliefert, ist das gegenwärtig der Fall. Der neueste Schildbürgerstreich der Koalition: Arbeitnehmer sollen bei Krankheit bereits ab dem ersten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Arbeitgeber vorlegen müssen, die telefonische Krankschreibung soll im gleichen Zug abgeschafft werden. Man kann diese schiere Dummheit kaum fassen.

Beide „Maßnahmen“ sind augenscheinlich Unsinn und ungeeignet, mehr Krankheitstage zu verhindern: Wer die Kranken ab Tag eins in die ohnehin berstend vollen Wartezimmer schickt, fördert nicht nur iatrogene Krankheitsverbreitung (der Patient mit grippalem Infekt steckt im Wartezimmer gleich noch drei andere an, der mit akuter Magen-Darm-Grippe, der mehrmals die Toilette aufsuchen muss, steckt auch noch den Arbeitnehmer an, der nur kurz vor Dienstbeginn lediglich eine Laborkontrolle braucht…), er fördert auch den Präsentismus: Menschen, die trotz Krankheit zur Arbeit gehen, erzeugen in aller Rehel wesentlich höhere Kosten als jene, die ihre Krankheit auskurieren und dann wieder gesund und leistungsfähig an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

Als Patient kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass viele Ärzte bei „trivialen“ Infektionen mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt eher länger krankschreiben, als es die in ihrem Umfang ja gedeckelte telefonische Krankschreibung zugelassen hätte. Zudem überlegt sich der Patient, ob er sagt, der Arzt möge ihn nur wenige Tage krankschreiben, und, sollte die Erkrankung wider Erwarten nicht abgeklungen sein, er sich ja noch einmal telefonisch melden könne.

Die absolute Mehrheit der Arbeitnehmer ist pflichtbewusst und geht eher mit Symptomen zur Arbeit, als sich krankschreiben zu lassen. Anders ausgedrückt: Die Mehrheit, das ist wissenschaftlich sicher belegt, hat einen triftigen Grund bei Krankschreibung. Die Bundesregierung führt an, die Krankheitstage seien in ihrer Summe angestiegen. Das mag dem einfältigen Betrachter uninterpretierter Zahlen so vorkommen, bildet aber nicht die Realität ab:

Erkältungswellen und rein technische Gründe sind die wichtigsten Ursachen des sprunghaften Anstiegs des Krankenstandes. Keine Rolle spielt hingegen die telefonische Krankschreibung oder vermehrtes „Blaumachen“. (Quelle)

Die elektronische Übermittlung der AU führte zu einem sprunghaften Anstieg der Zahlen, vorher wurden etliche Krankschreibungen einfach nicht gemeldet, obschon sie existierten. Das ist bekannt.

Die negativen Folgen der Reform: ein bürokratischer Mehraufwand für die durch die Einführung der nutzlosen eGK eh schon zeitlich gebeutelten Ärzte und überfüllte Wartezimmer, Kranke, die sich in der Akutphase aus dem Haus schleppen müssen und auf dem Weg zur Arztpraxis in der Straßenbahn noch viele weitere Leute anstecken, längere Krankschreibungen.

Eines muss klar sein: Mit dieser „Reform“ werden die Krankentage ein weiteres Mal signifikant ansteigen. Denn wer sich bislang für einen oder zwei Tage bei seinem Chef krankmeldete, und dann wieder an den Arbeitsplatz zurückkehrte, war bislang statistisch nicht erfasst. Mit der Krankschreibung ab dem ersten Tag passiert genau das.

Es ist ja nicht nur so, dass unsere Bundesregierung alle Arbeitnehmer in den Generalverdacht der Balanmacherei stellt; mit der Abschaffung der telefonischen Krankschreibung stellt sie auch die Ärztinnen und Ärzte unter Generalverdacht, nicht in der Lage zu sein, ausreichend prüfen zu können, ob ein Patient aufgrund von Krankheit arbeitsfähig ist oder nicht. Schwerer beleidigen kann man zwei echte Leistungsträgergruppen unserer Gesellschaft eigentlich nicht. Die, die den Reichtum dieses Landes erarbeiten, ohne daran in gerechtem Maße teilzuhaben, und die, die sich an vorderster Front um die Versorgung und Therapie der Kranken kümmern. Ich bin schier betroffen und entsetzt, mit welcher Taktlosigkeit, bar jeden Wissens, völlig befreit von jeder Intuition und meilenweit entfernt von jedem menschlichen und politischen Anstand Merz die Menschen in diesem Land, denen er eigentlich dienen sollte, mal um mal schlimmer brüskiert.

Ich wiederhole es noch einmal: Mit dieser „Reform“ werden die Krankentage ein weiteres Mal signifikant ansteigen. Was wird dann passieren? Dann wird Merz die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall schleifen, mit Verweis auf die gestiegenen Zahlen. Das hat Merz schon lange vor, auch die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung ist ein von ihm seit Langem forciertes Projekt.

Dass wir von Friedrich Merz nichts, aber auch gar nichts zu erwarten haben, ist nichts Neues. Keine seiner Entscheidungen hat je zu einer Verbesserung geführt. Er ist nicht nur der unbeliebteste Kanzler in der Geschichte der Bundesrepublik, er ist ganz offensichtlich weder fachlich noch charakterlich zur Amtsführung geeignet. Wir alle wissen das, wir alle schämen uns für diesen Kanzler. Mit hoher Wahrscheinlichkeit führt Merz nun das aus, wozu ihn Döpfner gedrängt haben könnte: die Vorbereitung einer Zusammenarbeit mit der AfD. Das alles war und ist bekannt, war und ist absehbar. Es gibt in diesem bösen Spiel aber noch einen zweiten Player, die SPD. Die macht völlig willen- und rückgratlos mit, lässt sich am Nasenring in der Manege durch den Kakao ziehen, den sie dann, frei nach Kästner, coram publico repulicae lautstark und in großen Schlucken mit offensichtlichem Genuss zu trinken pflegt. Mit sozialdemokratischer Politik hat das nichts mehr zu tun, und es wollte mich nicht wundern, wenn sie diese Manöver politisch auch nicht überlebt. Sie hat aber auch wirklich alles in ihrer Macht Stehende getan, sich verzichtbar zu machen, das merken inzwischen auch langjährig unbeirrbar-unerschrockene SPD-Wähler.

Monatsrückblick Juni 2026

Mit schwül-dunstigem Wetter im gemäßigten Temperaturbereich beginnt der Juni in Nürnberg und Fürth. Die letzte heiße Maiwoche hat gezeigt, wie sehr der Klimawandel auch die Region im Griff hält. Hitzerekorde Ende Mai haben schon eine besondere Qualität. Doch das ist noch gar nichts gegen die historische Hitzewelle, die uns seit dem 18. Juni fest in ihren Krallen hielt. In Franken war die mit unsagbarer Schwüle gekoppelte Hitze stellenweise unerträglich, Rekordhitze stellte sich vielerorts ein. Dazu ein paar Gedanken weiter unten.

Wirtshaus-Explorer: „La Finca“ Nürnberg – ein spanischer (Paella-)Traum mitten in Eberhardshof

Sie ist urig, ein wenig versteckt, und sie bringt spanischen Charme an einen Ort, an dem ihn der Nürnberger gemeinhin wohl nicht suchen würde: Im Kleingartenverein Fuchsloch gibt es mit der „La Finca“ ein spanisches Restaurant, das vor allem durch sein Signature-Gericht, die Paella, zu lokaler Berühmtheit gelangt ist. Wir waren dort zu Gast – und kamen gerne wieder.

Man sieht der La Finca kaum an, dass es sich einmal um ein Vereinslokal nach alter Väter Sitte handelte. Hell und freundlich präsentiert sich der Gastraum, man speist an großen Tafeln. Zuvor passiert man einen Pavillon mit mehreren Gasbrennern. Auf ihren wird die Paella in den traditionellen, flachen, übergroßen Pfannen zubereitet. Carlos Garcia und seine Partnerin Kira Wieland betreiben gemeinsam die Finca, doch „Garcia Paellas“ ist weit mehr: Mit dem Konzept muss man sich ein wenig vertraut machen, insgesamt kommt mir das Ganze ein wenig wie ein Start-up vor. Unter dem Markendach Garcia Paellas hat – und darum soll es in diesem Beitrag maßgeblich gehen – mit „La Finca“ ein eigenes Restaurant eröffnet, daneben gibt es einen Onlineshop mit Paella-Zutaten und Zubehör sowie einen Catering-Service und eine Kochschule.

La Finca Nürnberg - Gastraum

Garcia und Wieland führen seit September letzten Jahres ihr Restaurant der Schrebergartenkolonie „Kleingartenverein Fuchsloch“. Das liegt recht versteckt (und wirklich malerisch) am Ende der Nicolaistraße in Eberhardshof.

La Finca Nürnberg - klassische Paella "Valencia"

Bevor ich auf die anderen Gerichte der vielseitigen Speisekarte eingehe, komme ich auf das Wesentliche zu sprechen: die Paella. Es gibt sie klassisch mit Huhn und Kaninchen, mit Meeresfrüchten (auch geschält) oder vegan. Sie kostet zwischen 20,- und 23,- Euro pro Portion, allerdings muss man mindestens zu zweit sein, um eine Paella-Pfanne bestellen zu können. Nur die Paella mit Hummer schlägt mit 30,- Euro pro Portion zu Buche.

Geschmacklich fein und dennoch würzig, am Pfannenboden leicht kross angebacken, Huhn und Kaninchenfleisch zergehen fantastisch zart im Mund. Das Signature-Gericht der La Finca wird auf gleichbleibend hohem Niveau serviert.

La Finca - Nürnberg - Paella mit Meeresfrüchten

Paella mit Chorizo? Gibt es nicht. Genauso wenig wie eine Paella, in der Fisch und Fleisch gemischt sind. Beides sind, dies begreift man in der La Finca als Bildungsauftrag, Gerichte für Touristen – und für den Paella-Puristen eine kulinarische Provokation. Sonst allerdings ist erlaubt, was schmeckt – und das zelebriert man mit der „Paella des Monats“.

Die Paella ist mit frischen Zutaten hausgemacht und wird heiß und duftend serviert. Wer das Gasthaus betritt, kann Küchenchef Carlos Garcia, der die Paella vor den Augen seiner Gäste zubereitet, genau zuschauen (oder sich in der hauseigenen Kochschule die geheimen Kniffe der Paella-Kunst beibringen lassen).

Carlos Garcia in seiner offenen Paella-Küche

Die „Finca“ hat aber weit mehr zu bieten, als Paella. Wer seinen Restaurantbesuch gerne mit einigen Tapas beginnen möchte, dem bietet sich eine Auswahl von wirklich ausgesuchter Qualität. Begeistert hat uns die Tabla de Quesos; der Manchego-Käse in unterschiedlichen Varianten, serviert mit Salzmandeln, war vorzüglich. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Variante mit fermentiertem schwarzen Knoblauch (16,- Euro) sowie der 36 Monate gereifte Iberico-Schinken (100 Gramm, 24,- Euro).

Tapas

Angenehm auch: acht Delicas de elche, Datteln in knusprigem Speckmantel (8 Stück, 12,- Euro). Und noch eine Vorspeise steht auf der Karte, die hierzulande nicht allzu bekannt sein dürfte, unprätentiös aussieht, jedoch geschmacklich mit einer unerwarteten Intensität überrascht: Montaditos sind kleine, ofenfrische Brötchen, die man wahlweise mit Schweinelende, Serrano und Paprika, Tintenfischringen an Mayonnaise, Bonito-Tunfisch, Sardellen und süßer Paprika, in Apfelwein gegartem Chorizo, Manchego, Schweinefleisch und Honig oder sautierten Pilzen mit Koblauch, Petersilie und Parmesan erhält (das Stück zu 5,- Euro). Man bekommt Lust, sich durch die gesamte Karte zu kosten. Und natürlich fehlen Salatvariationen und Nachspeisen nicht auf dem Speisezettel.

Montadito

Auch die Getränkekarte überzeugt durch eine qualitätsvolle Auswahl und moderate Preise. Der Canonita-Spritz kostet 7,- Euro, ein Seidla Kupfer-Spezial aus Lengenfeld 4,50 Euro, ein Glas Wein (zur Auswahl stehen fünf Rotweine, vier Weißweine und zwei Rosés) kostet zwischen 6,- und 8,- Euro.

Und so verbringt man angenehme Abende in der „Finca“, im Sommer auch im kleinen Gastgarten.

La Finca - Nürnberg

So unscheinbar sich „La Finca“ von außen präsentiert, so sehr konnten uns der liebevolle und persönliche Service, die hervorragenden Speisen, die konstant hohe Qualität der Küche und die Gastlichkeit überzeugen. Eine klare Empfehlung!

La Finca von Garcia Paellas, Nicolaistraße 18, 90429 Nürnberg. Telefon 919 43 116.

Wirtshaus-Explorer: Restaurant Gustus in Nürnberg – eine herbe Enttäuschung!

Ihr, liebe regelmäßige Leserinnen und Leser des Wirtshaus-Explorers, wisst, dass ich meine Gastrokritiken auf diesen Seiten in aller Regel in einer positiven Tonalität formuliere und bei der Bewertung der besuchten Wirtshäuser und Restaurants in aller Regel auch ein gewisses Wohlwollen walten lasse. Beim Abfassen dieser Zeilen habe ich sehr mit mir gerungen, wie ich mit dem, was wir letzten Mittwoch im recht neu eröffneten Nürnberger Restaurant „Gustus“ erleben mussten, nun umgehe.
Es nutzt alles nichts; ich muss die Eindrücke, die wir bei unserem Besuch dort gewannen, in aller Nüchternheit darlegen, auch wenn es keine schönen, keine positiven Eindrücke waren. Das schulde ich meinen Leserinnen und Lesern: Was gesagt werden muss, muss gesagt, und geschrieben werden.

Vor nicht allzu langer Zeit eröffnete in den Räumen des alten Australian am Obstmarkt 26, also in bester Alt- und Innenstadtlage, das Gustus, ein Restaurant, das sich laut eigener Webseite auf die Fahnen schreibt, „traditionelle Aromen Griechenlands mit moderner Küche“ zu verbinden. Erreicht werden soll das durch „hochwertige Zutaten, kreative Gerichte und echte Gastfreundschaft“. An derselben Stelle residierte, wie zuvor erwähnt, über annähernd zwei Jahrzehnte das Australian, das sich, ebenfalls als Großgastronomie, mit seiner Cocktail-Happy-Hour und besonders seinem sonntäglichen Buffet-Brunch einen Ruf erwarb.

Gustus Nürnberg, von außen

Wer das Australian kannte, wird erstaunt sein, wie sich heute das Interieur des Gustus präsentiert: Hell und klar vermittelt es einen aufgeräumten und freundlichen Eindruck, es ist modern und an mancher Stelle trotzdem verspielt. Aus den Lautsprechern erklingt gedämpft kontemporärer EDM-Sound, man unternimmt sehr bewusst den Versuch, modern und frisch zu wirken.

Das implizite Versprechen, das das Interieur uns vermittelte, konnte allerdings weder die Küche noch der Service einlösen. Um es vorwegzunehmen und in der gebotenen Deutlichkeit zu sagen: Wir waren an diesem Abend alle drei sehr enttäuscht. Ausnahmslos jede Speise wurde fehlerhaft serviert, die Leistung der Küche konnte, um es euphemistisch auszudrücken, ein basales Niveau nicht im Ansatz erreichen und selbst einfachste Getränkebestellungen wurden falsch an den Tisch gebracht. Angesichts dessen fällt schon kaum mehr ins Gewicht, dass der Service langsam war und reichlich uninteressiert wirkte. Aber von Anfang an:

Nachdem wir unsere reservierten Plätze eingenommen hatten, passierte lange Zeit nichts. Gute zwanzig Minuten war das Servicepersonal mit sich selbst beschäftigt bzw. ins Gespräch vertieft, dann kam man auf die Idee, uns die Karte zu bringen und die Getränkebestellungen aufzunehmen. Bestellt wurden ein Cola, ein alkoholfreies Weizen und ein dunkles Bier. Das mit dem alkoholfreien Weizen klappte auch, statt des Colas servierte man Cherry Coke, das Dunkle kam, gegen alle Sitten und Gebräuche, im Weißbierglas an den Tisch; das behielt man auch im Laufe des Abends konsequent so bei. Meine Irritation bemerkte die unaufmerksame Serviererin wohl nicht, vielleicht war sie ihr auch egal.

Darüber will ich noch nicht einmal klagen, das kann passieren und ist kein Beinbruch. Normalerweise würde ich solchen Details in einer Gastrokritik gar keinen Raum geben, aber diese Unaufmerksamkeit und diese grundlegenden handwerklichen Fehler zogen sich so konsequent durch den ganzen Abend, dass man es selbst kaum glauben möchte.

Ein Blick in die Karte verrät: Im Gustus speist man im Vergleich zu vielen anderen griechischen Gaststätten zu gehobenen Preisen. Die griechischen Restaurants in der Region stehen im Ruf, zu günstigem Tarif gutes und reichliches Essen an den Tisch zu bringen, im Gustus sind die Portionen merklich kleiner und spürbar teurer. Das wäre kein Problem, würde die Qualität der Gerichte diesen Mehrpreis auch rechtfertigen – das ist allerdings definitiv nicht der Fall. Und auch die Qualität des Services war für eine preislich gehobene Gastronomie nicht angemessen.

Vorspeisen Gustus Nürnberg

Als Vorspeise bestellten wir die veganen Bruschetta mit gegrilltem Gemüse und Erdnussbutter. Die Kombination aus Erdnussbutter und Gemüse schien uns interessant. Bekommen haben wir sie freilich nicht, stattdessen wurden uns kommentarlos die sogenannten „Griechischen Bruschetta“, die etwas teurer sind, sonst aber recht gewöhnlich daherkamen, serviert. Das Brot der Bruschette war deutlich hart und schmeckte leider alt (ich persönlich hätte so ein Brot ja nur ungern an die Enten im Stadtpark verfüttert, der Küchenchef indes wird schon wissen, warum er so etwas seinen Gästen anbietet). An dieser Stelle möchte ich aber schon darauf hinweisen, dass man, bestellt der Gast ein in der Karte extra als vegan ausgewiesenes Gericht und weicht man von dieser Bestellung ab, doch zumindest ein ebenfalls veganes Essen an den Tisch bringen sollte. Weiterhin orderten wir „Moderner Moussaka“ (sic!), für 16,90 Euro erhält man drei mäßig gewürzte, panierte Moussakabällchen mit einem Klecks Joghurt, garniert auf einer Kartoffelscheibe. Die Vorspeise kommt mehr lau als warm an den Tisch und war geschmacklich ebenfalls enttäuschend. Als froh und positiv gestimmte Menschen blieb uns nun aber ja immer noch die Hoffnung auf die Hauptgerichte.

"Kontosouvlaki" Gustus Nürnberg

Das Kontosouvlaki (sic!) schlägt mit 17,90 Euro zu Buche. Dafür erhält man einen Spieß mit Fleisch vom Schweinehals. Die Bedienung gab uns zu verstehen, dass dieses Gericht noch keine Beilage inkludiere, diese sei separat zu bestellen. Nun ist gemeinhin bekannt, dass Souvlaki hierzulande, kommt weder Lamm noch Hähnchen zur Verwendung, allgemein aus dem zarteren Rückenfleisch des Schweins zubereitet wird. Im Gustus bedient man sich für den nicht allzu üppigen Spieß des deutlich billigeren Schweinenackens. Dementsprechend trocken und zäh war der Spieß dann auch. Ein wenig Zaziki und ein wirklich kleiner Zwiebelsalat, der in anderen Gaststätten bezüglich seiner Größe bestenfalls als Garnitur durchgegangen wäre, sind ebenso wie das Mais-Pita Bestandteil des insgesamt reichlich trockenen Gerichts.

Gustus-Burger

Unsere Begleitung und ich machten den Fehler, den Gustus-Burger zu bestellen. Das Bun war unten leider verbrannt und das Patty völlig durch, also totgegrillt. Zudem kamen die Burger ebenfalls reichlich lau an den Tisch.

totgegrillter Burger. Schade.

Das mag man alles noch als „Art des Hauses“ durchgehen lassen, die „hausgemachten Pommes“ erwiesen sich jedoch schlechterdings als ungenießbar, waren sie doch latschig und das Fett troff aus ihnen heraus, obwohl sie kalt auf dem Teller lagen.

fettriefende, herunterhängende Pommes

Es ist normalerweise nicht meine Art, in Gaststätten zu reklamieren, diese Pommes konnte und wollte ich allerdings wirklich nicht essen und ließ sie zurückgehen. Alsbald kamen eine Schale knallheißer, latschiger und fetttriefender Pommes an den Tisch. In diesem Moment habe ich aufgegeben. Ich kann wirklich nicht verstehen, wie sich die Küche des Hauses nach einer Reklamation diese Blöße geben konnte. Unsere Begleitung ließ den „Gustus Burger“ übrigens nach wenigen Bissen nahezu in Gänze zurückgehen, und rührte auch die „Pommes“ nicht an; diesen Umstand ignorierte die Bedienung komplett.

Als uns die Bedienung fragte, ob wir einen Nachtisch wollen, gab ich ihr zu verstehen, dass wir der Küche die Zubereitung eines Nachtischs nicht zutrauen. In diesem Moment begann sich wohl auch bei ihr die Erkenntnis zu setzen, dass wir insbesondere mit der „Leistung“ der Küche nicht zufrieden waren. Immerhin gab es als Entschuldigung einen Espresso und einen Ouzo aufs Haus.

Welches Fazit bleibt zu ziehen? Wie ich eingangs bereits erwähnte, übe ich Kritik grundsätzlich mit einer gewissen Zurückhaltung. Jeder macht mal einen Fehler, manche Prozesse müssen sich erst eingrooven, gerade, wenn eine Gastronomie neu eröffnet. Dafür hätte ich jedes Verständnis.
Bei unserem Besuch im Gustus wurde allerdings nur eine einzige Bestellung ohne Fehler an den Tisch gebracht: ein alkoholfreies Weißbier. Zwei Vorspeisen und drei Hauptspeisen erreichten uns mangelhaft, das „Nachbessern“ bei den Pommes schlug ebenfalls fehl, eine Peinlichkeit sondersgleichen. Einem Koch, der außerstande ist, eine genießbare Portion Pommes an den Tisch zu bringen, möchte ich raten, sich tiefere Gedanken darüber zu machen, ob es ihm nicht doch an einer gewissen Fortune mangelt. Uns jedenfalls war der Abend kulinarisch gründlich verdorben, ernsthafte Rettungsversuche seitens des Gustus wurden gar nicht erst unternommen.
Selbst einem einfachen Imbiss dürften so gehäufte Fehler nicht passieren, das Gustus hingegen ist ein preislich gehobenes Restaurant mit einer entsprechenden Ausstattung. Mit dem Selbstverständnis hält man auf der Webseite nicht lange hinter dem Berg: „Unsere Küche orientiert sich an klassischen Rezepten und Aromen der griechischen Gastronomie, interpretiert diese jedoch zeitgemäß und mit einem besonderen Augenmerk auf Qualität und Präsentation. Frische Zutaten, sorgfältige Zubereitung und ausgewogene Kompositionen bilden die Grundlage unserer Gerichte“, liest man da. Wir mussten leider erleben, dass das mit der Realität nur wenig zu tun hat.

Gustus Restaurant GmbH, Obstmarkt 26, Nürnberg. Telefon: 37 436 976.

Monatsrückblick April und Mai 2026

Der Monatsrückblick für den April und Mai fällt deutlich kürzer aus, als gewohnt, das sieht man auf den ersten Blick. Es ist nicht so, dass nicht genug Berichtenswertes vorgefallen wäre, das sich für diese Form des Rückblicks angeboten hätte, aber der April wurde meinerseits für den Frühjahresurlaub genutzt und im Urlaub blogge ich praktisch nicht, einfach, weil ich keinen Rechner mitnehmen möchte. Und weil der Urlaub dankenswerterweise auch in den Monat Mai hineinreicht, habe ich kurzerhand beide Monatsrückblicke zusammengezogen.

Jetzt beim Bürgerentscheid gegen den Ausbau des Frankenschnellwegs stimmen – mit „Ja“!

In vielen Haushalten ist bereits dieses Wochenende der Abstimmungszettel zum Bürgerentscheid „Lieber zurück auf Los statt Ausbau Frankenschnellweg“ am 28. Juni (in der Stadtgesellschaft besser bekannt als „Zurück auf Los!“) mit der Post eingetroffen.

Dankenswerterweise wird der Bürgerentscheid nicht nur in Wahllokalen durchgeführt. Mit der Wahlberechtigung wurden auch gleichzeitig die Briefwahlunterlagen versendet. Das bedeutet, dass man diese nicht erst beantragen muss, sondern unmittelbar per Brief abstimmen kann. Das vereinfacht die Sache für alle Bürger.

Wer den sogenannten „kreuzungsfreien“ Ausbau des Frankenschnellwegs verhindern möchte, der muss in dieser Abstimmung einfach sein Kreuz im Feld „Ja“ machen. Damit würden die bisherigen Pläne zum Ausbau des Frankenschnellwegs abgeschmettert. Jedem, dem unsere Stadt am Herzen liegt, möchte ich daher empfehlen, von der Möglichkeit der Briefwahl Gebrauch zu machen und schon heute mit „Ja“ abzustimmen.

Stimmzettel Bürgerentscheid

Es gibt viele gute Argumente gegen den Ausbau des Frankenschnellwegs. Jetzt haben wir Bürger die Möglichkeit, diesen Argumenten politisches Gewicht zu verleihen und dieses Wahnsinnsprojekt zu stoppen. Lasst diese einmalige Chance daher nicht verstreichen, nutzt Eure Stimme und stimmt gegen den Ausbau mit „Ja“. Durch die jedem Stimmberechtigten automatisch zugestellten Briefwahlunterlagen geht das so einfach und bequem wie nie!

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