Wie gut sind die analogen Fotolaborleistungen vom dm-Drogeriemarkt?
Wie haltet ihr es, liebe Analogies, denn mit dem Fotolabor? Gebt ihr Eure Filmpatronen in ein Speziallabor vor Ort, schickt ihr sie bei einem Online-Dienstleister ein oder steckt ihr Euren belichteten Film einfach im nächsten Drogeriemarkt in eine Papiertasche und lasst ihn dort entwickeln?
Ich muss ja ganz ehrlich sagen, dass ich in aller Regel zu letztgenannter Spezies gehöre und zumindest alle 135er-Farbfilme (also die klassischen 35-mm-Kleinbild-Filme, Dia mache ich nämlich gar nicht) einfach im nächsten dm-Drogeriemarkt abwerfe. Und über meine Erfahrungen mit deren Labordienstleistungen möchte ich in diesem Artikel berichten.
Welche Foto- und Laborleistungen bietet dm?
Zuerst einmal ein paar Anmerkungen, wie ich die Fotodienstleistungen von dm im Allgemeinen erlebe: Bei vielen Prozessen bedient sich dm des Dienstleisters cewe in Oldenburg. Das Großlabor stattet nicht nur die Drogeriemärkte von dm, Rossmann und Müller mit Terminals aus, sondern wickelt auch in deren Auftrag das Laborgeschäft ab. Die Fotomarke von dm heißt neuerdings „dm Foto“, früher „Fotoparadies“. Größere dm-Märkte führen neben den Terminals und der Abholschublade auch eine kleine Anzahl anderer Fotoartikel, darunter einige interessante 135er-Filme (z.B. Kodak Gold, den beliebten Agfa APX s/w-Kleinbildfilm und auch einen meiner persönlichen Lieblingsfilme, den Wolfen NC-500, der mit einer ISO von 400 nicht nur angenehm lichtstark ist, sondern auch im C41-Prozess ein angenehmes Retro-Farbspektrum und recht grobes Korn liefert, ein toller Film), gängige Batterien und ein kleines Sortiment Knopfzellen, Einwegkameras, Fotoalben und Bilderrahmen … Spezialartikel wird man bei dm wohl nicht finden, aber in Anbetracht dessen, dass analoge Fotorafie trotz des Hypes der letzten Jahre immer noch absolut nischig ist, ist das Sortiment angenehm breit.
Im Bereich der analogen Labordienstleistungen wird eigentlich alles im Bereich Kleinbild angeboten: Entwicklung und Ausbelichtung von s/w, Kleinbild (C41) und Dia, Abzüge sowie die Digitalisierung von Super 8/8mm-Film sowie VHS, Hi-8 und Mini-DV auf DVD-R. Auch klassischer 120er-Rollfilm, Crossprocessing & Co. sollen gehen, Preise sind aber nicht angegeben und individuell per Mail zu erfragen. Das habe ich freilich versucht, um hier ein Ergebnis präsentieren zu können, doch per Mail bekam ich lediglich die Antwort, mich auf den analoge Produkte betreffenden Unterseiten der dm-Foto-Webseite umzusehen. Im Digitalbereich bietet dm quasi alle Produkte des cewe-Portfolios an, darunter neben klassischen Abzügen auch die bekannten Fotobücher, Tassen, Schlüsselanhänger…
Und wie läuft das ab?
Wer einen belichteten Film bei dm abgeben möchte, der nutzt im Markt dazu die klassische Papier-Fototasche. Mit Kuli wird auf der Tasche die gewünschte Dienstleistung in Checkboxen abgehakt und der Film eingesteckt und in eine Art Briefschlitz im Markt eingeworfen, nachdem man den vorgestanzten Abholzettel von der Tasche abgerissen und mitgenommen hat. Dieser Abholzettel dient nicht nur der Identifikation, man kann mit der aufgedruckten Nummer auch den Auftragsstatus auf der Webseite von dm-Foto tracken.
Auf den Fototaschen fehlt inzwischen das Hinweisfeld. Ich habe noch keine Erfahrungen damit gemacht, was passiert, wenn man dennoch etwas dazunotiert, in der Community wurde aber berichtet, dass Hinweise wie „crossprocessing“ oder „push +1“ tatsächlich ausgeführt werden. Ob das immer so ist und verlässlich funktioniert, kann ich aber aus persönlicher Erfahrung nicht bestätigen.
Was kostet der Service?
Die Standardlabordienstleistungen von dm sind recht günstig: Die Entwicklung eines Farb-Kleinbildfilms oder Diafilms kostet 2,95 Euro, bei s/w-Kleinbildfilmen kostet sie 2,55 Euro. Hinzu kommen die Kosten für die Abzüge. Im Format 9 x 13 sind das auf Standardpapier je Abzug 5 Cent, bei Premiumpapier 9 Cent, im Format 10 x 15 auf Standardpapier 8 Cent und Premiumpapier 15 Cent. Weitere angebotene Formate sind 11 x 17 (glänzend, 17 Cent) und 13 x 18 (glänzend, 18 Cent, Stand aller Preise ist der September 2026). Alle Preise sind transparent auf der Fototasche vermerkt, es liegen zudem Flyer mit der Preistabelle aller analoger Laborleistungen aus.
Bekommt man auch Scans seiner analogen Bilder?
Ja, dm bzw. das cewe-Labor bietet, wenn man einen 135er-Film zur Entwicklung gibt, die kostenlosen Scans der Negative zum Download an. Das ist für mich auch einer der Hauptgründe, den relativ langsamen, dafür aber günstigen Dienst weiterhin zu nutzen.
In der papiernen Entwicklungstasche ist neben den Negativstreifen und einem Indexprint sowie den Abzügen selbst auch ein kleines Blatt mit den aufgedruckten Zugangsdaten, mit dem sich die gescannten Bilder abrufen lassen, beigelegt. Die Scans sind gar nicht schlecht, gemessen am Farbspektrum des verwendeten Films scheinen sie mir sehr neutral.
Ein Bild hat die Auflösung von etwa 1024 × 1536, also mithin knappe 1,6 Megapixel. Das klingt jetzt erst einmal nicht so prall, aber wenn man eine Druck- bzw. Belichtungsauflösung von 300 dpi zugrundelegt, so entspricht dieser Wert ziemlich genau einer Größe von 8,7 cm x 13 cm. Man kann also sagen, dass man seine Bilder, wenn man das Format 9 × 13 bestellt, mit 300 dpi ausbelichtet und gescannt bekommt, ein für mich absolut hinreichender Wert.
Der digitale Download der Bilder des Laborauftrags, das möchte ich an dieser Stelle noch einmal betonen, ist übrigens im Preis inbegriffen, verursacht also keine Mehrkosten. So kam ich bislang um die Anschaffung eines Negativscanners, die ich immer mal wieder überlegt habe, herum (Negativscanner sind, wenn sie was taugen, recht teuer; man kann seine Negative hilfsweise auch mit Stativ, Leuchtpult und Makroobjektiv selbst „scannen“, indem man sie abfotografiert und dann per Plugin entsprechend nachbearbeitet, das ist aber sauaufwendig). Bis zu sechs Wochen nach Auftragsabwicklung stehen die Bilddaten im JPG-Format zum Download bereit.
Wie funktioniert das technisch?
Diese Info habe ich nicht von dm oder cewe, sondern von einem hiesigen niedergelassenen Fotohändler, ich denke aber, dass er damit absolut recht hat: Der Film wird ganz normal im chemischen Prozess entwickelt. Belichtet werden die Fotos aber nicht mehr analog, sondern digital. Dazu ist freilich der Zwischenschritt notwendig, die Negative zu scannen, also zu digitalisieren. Ausbelichtet wird auf denselben Maschinen, auf denen auch die digitalen Aufträge produziert werden. In der Abwicklung ist das wesentlich einfacher und kostensparender, als das Negativ tatsächlich direkt aufs Fotopapier zu belichten, wie man das früher gemacht hat. Hinter jedem Abzug steht also selbst bei analogem Kleinbildfilm ein digitaler Zwischenschritt. Die Daten, die in diesem Zwischenschritt anfallen, werden dem Kunden zum Download angeboten. Das ist ein äußerst dankenswerter Umstand und für viele Kunden ein echter Mehrwert. Man sollte übrigens nicht meinen, dass in kleinen Laboren, die handwerklich arbeiten, das Fotopapier vom Negativ analog belichtet wird, das ist selbst dort mit zu viel Aufwand verbunden. Wer das möchte, muss in einem Fachlabor einen teuren Auftrag anstoßen.
Wie lange dauern die Entwicklung des Films und die Abzüge?
Jetzt komme ich zum einzig wirklich kritischen Punkt – der Dauer. Um es vorwegzunehmen: cewe arbeitet recht schnell, innerhalb von ein paar Tagen. Das Nadelöhr sind nach meinem Dafürhalten die dm-Märkte. Nach einigen Versuchen in unterschiedlichen Märkten Nürnbergs und Fürths kann ich sagen, dass bei mir die Dauer von der Abgabe der Filme bis zur Abholbereitschaft im Markt leider nie unter 14 Kalendertagen gelegen hat. Man kann, wie bereits erwähnt, ja mit der Nummer, die auf der Lasche der Fototaschen aufgedruckt ist, den Auftragsstatus nachvollziehen. Das habe ich bei den letzten Aufträgen spaßeshalber täglich gemacht und musste feststellen, dass unterschiedliche Märkte die Bilder erst nach sieben bis zehn Kalendertagen zum Labor geschickt haben. Auch eine Zeitspanne für den Rücklauf muss man ja einrechnen. Solange der Film im Markt herumliegt, funktioniert das Statustracking übrigens nicht und wirft einen Fehler aus. Vielleicht mag es hin und wieder schneller gehen, ich selbst bin in diesen Genuss aber noch nicht gekommen.
Wie ist die Qualität der Bilder?
Wenn es sich um Bilder im klassischen Seitenverhältnis von 36 mm × 24 mm (3:2) handelt, dann ist die Qualität top! Die Abzüge sind präzise beschnitten, sowohl die Papierbilder als auch die Scans geben Farbspektrum und -temperatur des verwendeten Films ausgezeichnet wieder. Hier liefert cewe konstant makellose Qualität. Man muss schon verdammt hohe Ansprüche haben, um mit den Ergebnissen nicht zufrieden zu sein.
Und selbst, wenn das Filmmaterial aus irgendwelchen Gründen beschädigt ist, versucht man, im Labor alles aus den Aufnahmen herauszuholen. Einen Film habe ich mal in der LC-A „überdreht“ und beim Versuch, den so verleilten Film zurückzuspulen, unten quasi die ganze Perforation rausgerissen. Damit kann dieser Film nicht mehr automatisch verarbeitet werden. Das Labor konnte den Film aber nicht nur retten, das Ergebnis war dennoch absolut super – und das alles ohne Aufpreis!
Anders sieht es aus, wenn aus irgendwelchen Gründen von diesem Standardformat abgewichen wird, so zum Beispiel bei Half-Frame-Belichtungen. In Abhängigkeit von der Güte der Abstände zwischen den halben Belichtungen, klappt das mit dem Belichten zweier Bilder auf einem Papier relativ gut (Olympus Pen, Kodak Ektar H35) oder auch nur mäßig (Lomography Diana mini). Hier wurden mehrere Bilder beschnitten, weil die Abstände eben nicht stimmten. Hier hängt es also von der Genauigkeit des Filmtansports in der Kamera ab.
Zusammenfassend: Wer 135er-Kleinbildfilme im normalen C41-Prozess entwickeln lassen möchte, der ist bei dm-Foto gut bedient. Die Laborleistungen sind preiswert, ich habe immer super Qualität erhalten und auch um „Problemfälle“ kümmert man sich adäquat. Man muss für Versand und Rückversand vom und zum Drogeriemarkt einiges an Zeit veranschlagen. Das Processing geht recht flott, aber von der Einlieferung zur Abholung muss man mindestens 14 Tage einrechnen. Wer so lange warten kann, macht bei dm einen guten Schnitt.














