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Wirtshaus-Explorer: Restaurant Gustus in Nürnberg – eine herbe Enttäuschung!

Ihr, liebe regelmäßige Leserinnen und Leser des Wirtshaus-Explorers, wisst, dass ich meine Gastrokritiken auf diesen Seiten in aller Regel in einer positiven Tonalität formuliere und bei der Bewertung der besuchten Wirtshäuser und Restaurants in aller Regel auch ein gewisses Wohlwollen walten lasse. Beim Abfassen dieser Zeilen habe ich sehr mit mir gerungen, wie ich mit dem, was wir letzten Mittwoch im recht neu eröffneten Nürnberger Restaurant „Gustus“ erleben mussten, nun umgehe.
Es nutzt alles nichts; ich muss die Eindrücke, die wir bei unserem Besuch dort gewannen, in aller Nüchternheit darlegen, auch wenn es keine schönen, keine positiven Eindrücke waren. Das schulde ich meinen Leserinnen und Lesern: Was gesagt werden muss, muss gesagt, und geschrieben werden.

Vor nicht allzu langer Zeit eröffnete in den Räumen des alten Australian am Obstmarkt 26, also in bester Alt- und Innenstadtlage, das Gustus, ein Restaurant, das sich laut eigener Webseite auf die Fahnen schreibt, „traditionelle Aromen Griechenlands mit moderner Küche“ zu verbinden. Erreicht werden soll das durch „hochwertige Zutaten, kreative Gerichte und echte Gastfreundschaft“. An derselben Stelle residierte, wie zuvor erwähnt, über annähernd zwei Jahrzehnte das Australian, das sich, ebenfalls als Großgastronomie, mit seiner Cocktail-Happy-Hour und besonders seinem sonntäglichen Buffet-Brunch einen Ruf erwarb.

Gustus Nürnberg, von außen

Wer das Australian kannte, wird erstaunt sein, wie sich heute das Interieur des Gustus präsentiert: Hell und klar vermittelt es einen aufgeräumten und freundlichen Eindruck, es ist modern und an mancher Stelle trotzdem verspielt. Aus den Lautsprechern erklingt gedämpft kontemporärer EDM-Sound, man unternimmt sehr bewusst den Versuch, modern und frisch zu wirken.

Das implizite Versprechen, das das Interieur uns vermittelte, konnte allerdings weder die Küche noch der Service einlösen. Um es vorwegzunehmen und in der gebotenen Deutlichkeit zu sagen: Wir waren an diesem Abend alle drei sehr enttäuscht. Ausnahmslos jede Speise wurde fehlerhaft serviert, die Leistung der Küche konnte, um es euphemistisch auszudrücken, ein basales Niveau nicht im Ansatz erreichen und selbst einfachste Getränkebestellungen wurden falsch an den Tisch gebracht. Angesichts dessen fällt schon kaum mehr ins Gewicht, dass der Service langsam war und reichlich uninteressiert wirkte. Aber von Anfang an:

Nachdem wir unsere reservierten Plätze eingenommen hatten, passierte lange Zeit nichts. Gute zwanzig Minuten war das Servicepersonal mit sich selbst beschäftigt bzw. ins Gespräch vertieft, dann kam man auf die Idee, uns die Karte zu bringen und die Getränkebestellungen aufzunehmen. Bestellt wurden ein Cola, ein alkoholfreies Weizen und ein dunkles Bier. Das mit dem alkoholfreien Weizen klappte auch, statt des Colas servierte man Cherry Coke, das Dunkle kam, gegen alle Sitten und Gebräuche, im Weißbierglas an den Tisch; das behielt man auch im Laufe des Abends konsequent so bei. Meine Irritation bemerkte die unaufmerksame Serviererin wohl nicht, vielleicht war sie ihr auch egal.

Darüber will ich noch nicht einmal klagen, das kann passieren und ist kein Beinbruch. Normalerweise würde ich solchen Details in einer Gastrokritik gar keinen Raum geben, aber diese Unaufmerksamkeit und diese grundlegenden handwerklichen Fehler zogen sich so konsequent durch den ganzen Abend, dass man es selbst kaum glauben möchte.

Ein Blick in die Karte verrät: Im Gustus speist man im Vergleich zu vielen anderen griechischen Gaststätten zu gehobenen Preisen. Die griechischen Restaurants in der Region stehen im Ruf, zu günstigem Tarif gutes und reichliches Essen an den Tisch zu bringen, im Gustus sind die Portionen merklich kleiner und spürbar teurer. Das wäre kein Problem, würde die Qualität der Gerichte diesen Mehrpreis auch rechtfertigen – das ist allerdings definitiv nicht der Fall. Und auch die Qualität des Services war für eine preislich gehobene Gastronomie nicht angemessen.

Vorspeisen Gustus Nürnberg

Als Vorspeise bestellten wir die veganen Bruschetta mit gegrilltem Gemüse und Erdnussbutter. Die Kombination aus Erdnussbutter und Gemüse schien uns interessant. Bekommen haben wir sie freilich nicht, stattdessen wurden uns kommentarlos die sogenannten „Griechischen Bruschetta“, die etwas teurer sind, sonst aber recht gewöhnlich daherkamen, serviert. Das Brot der Bruschette war deutlich hart und schmeckte leider alt (ich persönlich hätte so ein Brot ja nur ungern an die Enten im Stadtpark verfüttert, der Küchenchef indes wird schon wissen, warum er so etwas seinen Gästen anbietet). An dieser Stelle möchte ich aber schon darauf hinweisen, dass man, bestellt der Gast ein in der Karte extra als vegan ausgewiesenes Gericht und weicht man von dieser Bestellung ab, doch zumindest ein ebenfalls veganes Essen an den Tisch bringen sollte. Weiterhin orderten wir „Moderner Moussaka“ (sic!), für 16,90 Euro erhält man drei mäßig gewürzte, panierte Moussakabällchen mit einem Klecks Joghurt, garniert auf einer Kartoffelscheibe. Die Vorspeise kommt mehr lau als warm an den Tisch und war geschmacklich ebenfalls enttäuschend. Als froh und positiv gestimmte Menschen blieb uns nun aber ja immer noch die Hoffnung auf die Hauptgerichte.

"Kontosouvlaki" Gustus Nürnberg

Das Kontosouvlaki (sic!) schlägt mit 17,90 Euro zu Buche. Dafür erhält man einen Spieß mit Fleisch vom Schweinehals. Die Bedienung gab uns zu verstehen, dass dieses Gericht noch keine Beilage inkludiere, diese sei separat zu bestellen. Nun ist gemeinhin bekannt, dass Souvlaki hierzulande, kommt weder Lamm noch Hähnchen zur Verwendung, allgemein aus dem zarteren Rückenfleisch des Schweins zubereitet wird. Im Gustus bedient man sich für den nicht allzu üppigen Spieß des deutlich billigeren Schweinenackens. Dementsprechend trocken und zäh war der Spieß dann auch. Ein wenig Zaziki und ein wirklich kleiner Zwiebelsalat, der in anderen Gaststätten bezüglich seiner Größe bestenfalls als Garnitur durchgegangen wäre, sind ebenso wie das Mais-Pita Bestandteil des insgesamt reichlich trockenen Gerichts.

Gustus-Burger

Unsere Begleitung und ich machten den Fehler, den Gustus-Burger zu bestellen. Das Bun war unten leider verbrannt und das Patty völlig durch, also totgegrillt. Zudem kamen die Burger ebenfalls reichlich lau an den Tisch.

totgegrillter Burger. Schade.

Das mag man alles noch als „Art des Hauses“ durchgehen lassen, die „hausgemachten Pommes“ erwiesen sich jedoch schlechterdings als ungenießbar, waren sie doch latschig und das Fett troff aus ihnen heraus, obwohl sie kalt auf dem Teller lagen.

fettriefende, herunterhängende Pommes

Es ist normalerweise nicht meine Art, in Gaststätten zu reklamieren, diese Pommes konnte und wollte ich allerdings wirklich nicht essen und ließ sie zurückgehen. Alsbald kamen eine Schale knallheißer, latschiger und fetttriefender Pommes an den Tisch. In diesem Moment habe ich aufgegeben. Ich kann wirklich nicht verstehen, wie sich die Küche des Hauses nach einer Reklamation diese Blöße geben konnte. Unsere Begleitung ließ den „Gustus Burger“ übrigens nach wenigen Bissen nahezu in Gänze zurückgehen, und rührte auch die „Pommes“ nicht an; diesen Umstand ignorierte die Bedienung komplett.

Als uns die Bedienung fragte, ob wir einen Nachtisch wollen, gab ich ihr zu verstehen, dass wir der Küche die Zubereitung eines Nachtischs nicht zutrauen. In diesem Moment begann sich wohl auch bei ihr die Erkenntnis zu setzen, dass wir insbesondere mit der „Leistung“ der Küche nicht zufrieden waren. Immerhin gab es als Entschuldigung einen Espresso und einen Ouzo aufs Haus.

Welches Fazit bleibt zu ziehen? Wie ich eingangs bereits erwähnte, übe ich Kritik grundsätzlich mit einer gewissen Zurückhaltung. Jeder macht mal einen Fehler, manche Prozesse müssen sich erst eingrooven, gerade, wenn eine Gastronomie neu eröffnet. Dafür hätte ich jedes Verständnis.
Bei unserem Besuch im Gustus wurde allerdings nur eine einzige Bestellung ohne Fehler an den Tisch gebracht: ein alkoholfreies Weißbier. Zwei Vorspeisen und drei Hauptspeisen erreichten uns mangelhaft, das „Nachbessern“ bei den Pommes schlug ebenfalls fehl, eine Peinlichkeit sondersgleichen. Einem Koch, der außerstande ist, eine genießbare Portion Pommes an den Tisch zu bringen, möchte ich raten, sich tiefere Gedanken darüber zu machen, ob es ihm nicht doch an einer gewissen Fortune mangelt. Uns jedenfalls war der Abend kulinarisch gründlich verdorben, ernsthafte Rettungsversuche seitens des Gustus wurden gar nicht erst unternommen.
Selbst einem einfachen Imbiss dürften so gehäufte Fehler nicht passieren, das Gustus hingegen ist ein preislich gehobenes Restaurant mit einer entsprechenden Ausstattung. Mit dem Selbstverständnis hält man auf der Webseite nicht lange hinter dem Berg: „Unsere Küche orientiert sich an klassischen Rezepten und Aromen der griechischen Gastronomie, interpretiert diese jedoch zeitgemäß und mit einem besonderen Augenmerk auf Qualität und Präsentation. Frische Zutaten, sorgfältige Zubereitung und ausgewogene Kompositionen bilden die Grundlage unserer Gerichte“, liest man da. Wir mussten leider erleben, dass das mit der Realität nur wenig zu tun hat.

Gustus Restaurant GmbH, Obstmarkt 26, Nürnberg. Telefon: 37 436 976.

Monatsrückblick April und Mai 2026

Der Monatsrückblick für den April und Mai fällt deutlich kürzer aus, als gewohnt, das sieht man auf den ersten Blick. Es ist nicht so, dass nicht genug Berichtenswertes vorgefallen wäre, das sich für diese Form des Rückblicks angeboten hätte, aber der April wurde meinerseits für den Frühjahresurlaub genutzt und im Urlaub blogge ich praktisch nicht, einfach, weil ich keinen Rechner mitnehmen möchte. Und weil der Urlaub dankenswerterweise auch in den Monat Mai hineinreicht, habe ich kurzerhand beide Monatsrückblicke zusammengezogen.

Jetzt beim Bürgerentscheid gegen den Ausbau des Frankenschnellwegs stimmen – mit „Ja“!

In vielen Haushalten ist bereits dieses Wochenende der Abstimmungszettel zum Bürgerentscheid „Lieber zurück auf Los statt Ausbau Frankenschnellweg“ am 28. Juni (in der Stadtgesellschaft besser bekannt als „Zurück auf Los!“) mit der Post eingetroffen.

Dankenswerterweise wird der Bürgerentscheid nicht nur in Wahllokalen durchgeführt. Mit der Wahlberechtigung wurden auch gleichzeitig die Briefwahlunterlagen versendet. Das bedeutet, dass man diese nicht erst beantragen muss, sondern unmittelbar per Brief abstimmen kann. Das vereinfacht die Sache für alle Bürger.

Wer den sogenannten „kreuzungsfreien“ Ausbau des Frankenschnellwegs verhindern möchte, der muss in dieser Abstimmung einfach sein Kreuz im Feld „Ja“ machen. Damit würden die bisherigen Pläne zum Ausbau des Frankenschnellwegs abgeschmettert. Jedem, dem unsere Stadt am Herzen liegt, möchte ich daher empfehlen, von der Möglichkeit der Briefwahl Gebrauch zu machen und schon heute mit „Ja“ abzustimmen.

Stimmzettel Bürgerentscheid

Es gibt viele gute Argumente gegen den Ausbau des Frankenschnellwegs. Jetzt haben wir Bürger die Möglichkeit, diesen Argumenten politisches Gewicht zu verleihen und dieses Wahnsinnsprojekt zu stoppen. Lasst diese einmalige Chance daher nicht verstreichen, nutzt Eure Stimme und stimmt gegen den Ausbau mit „Ja“. Durch die jedem Stimmberechtigten automatisch zugestellten Briefwahlunterlagen geht das so einfach und bequem wie nie!

Helthcare , not warfare.

Pflegeplätze statt Kriegseinsätze / Helthcare not Warfare

Ein überbordender Militarismus zählt gemeinhin zu den Merkmalen des Faschismus. Sehr regelmäßig erschrecke ich vor der immer weiter raumgreifenden Militarisierung unserer Gesellschaft, die in ihrer heutigen Form vor zehn, fünfzehn Jahren (aus besten Gründen) nicht denkbar, nicht haltbar, nicht verteidigbar gewesen wäre. Da erfrischte mich dieses Stencil, das ich gestern auf einer Hauswand in Gostenhof gesehen hatte, schon sehr. Die ständigen Einsparungen im sozialen Bereich des Kabinetts Merz sind ein weiterer Aktivator einer autoritären Gesellschaft. Noch harren die Faschisten ihrer Möglichkeiten, Merz bestellt unterdessen das Feld in ihrem Sinne. Dabei wäre ein Inhibitor so einfach zu platzieren, so wirkungsvoll, so nutzstiftend: Eine Umschichtung der staatlichen Ausgaben in den Gesundheits- und Sozialbereich, die Schaffung günstigen Wohnraums für alle, der Einzug von Übergewinnen, die Begrenzung von Kapitalerträgen und eine Menschlichmachung der Arbeitswelt würde der faschistischen Saat den Nährboden auf Jahrzehnte entziehen. Man müsste nur wollen.

Kleiner LC-A-Fix: Wenn die linke LED im Sucher dauernd leuchtet (oder trotz frischer Batterien gar keine LED im Sucher leuchtet)

Wer heute eine LOMO LC-A kauft, der muss in aller Regel auf ein Gebrauchtgerät zurückgreifen. Möglicherweise wird man noch hie und da eine LC-A+ neu angeboten bekommen, die Preise dafür sind allerdings absurd. Die gebrauchten Lomos sind hingegen recht günstig zu bekommen, haben aber auch ihre Tücken. Da die Lomo aber eine robuste und im Kern auch technisch einfache Kamera ist, ist eine Reparatur in Abhängigkeit vom Fehler oft möglich und selbst für Laien machbar.

Für einen Appel und ein Ei habe ich mir eine ziemlich genau dreißig Jahre alte LC-A geklickt. Der Fehler dieser Kamera war, dass die LEDs – trotz frischer Batterien – nicht funktionierten. Ein relativ ähnlicher, bekannter Fehler ist, dass die linke LED, die den Batteriestatus anzeigt, kontinuierlich leuchtet und so die Knopfzellen in kurzer Zeit leersaugt. Beiden Fehlern ist recht einfach beizukommen, doch beginnen wir von Anfang an…

Lomo LC-A, LEDs im Sucher in Betrieb

Die LC-A verfügt im Sucher über zwei rote LEDs auf der Oberseite, eine links, eine rechts. Das Bild, das ich zur Illustration mit dem Handy gemacht habe, ist nicht ganz realistisch. Mein Sucher ist etwas schmutzig und in natura leuchten die LEDs natürlich nicht so hell.

Wichtig ist Folgendes: Bei offenem Objektivdeckel und halb heruntergedrücktem Auslöser indiziert die linke LED den Batteriestatus. Leuchtet sie, ist alles okay. Leuchtet sie nicht, sind die Batterien verbraucht und müssen gewechselt werden. Ohne Batterien funktioniert die LC-A nicht, weil dann die Belichtungsautomatik nicht arbeitet. Man bekommt dann aus dem Labor völlig unterbelichtete Bilder oder schwarze Negativstreifen zurück.

Die rechte LED warnt vor schlechten Lichtverhältnissen. Leuchtet sie bei halb gedrücktem Auslöser, bedeutet das, dass die Verschlusszeit 1/30s oder länger beträgt und damit die Gefahr besteht, das Bild zu verwackeln.

Wenn beide oder die linke LED nicht leuchten, sollte man zuerst einmal überprüfen, ob die Batterien (Knopfzellen des Typs LR44/A76, drei Stück) leer sind, und sie ggf. wechseln.

Nun kann es aber passieren, dass trotz frischer Batterien die LEDs nicht leuchten. Auch kommt es gelegentlich vor, dass bei der LC-A die linke LED, die den Batteriestatus anzeigt, immer leuchtet und so die Batterien leerlaufen. Diese beiden Fehler liegen häufig am Auslöser und sind recht einfach behebbar. Neben dem mechanischen Auslöser befinden sich drei Federkontakte, die die Batteriekontrolle und die Verschlusszeitautomatik aktivieren. Werden diese Kontakte beim Auslösen nicht vollständig geschlossen, bleiben die LEDs aus. Ist der Auslöser zu straff eingestellt, wird der obere Federkontakt, der die Batteriekontrolle aktiviert, dauerhaft geschlossen und die Batterie läuft leer.

Der Auslöseknopf besteht aus drei Teilen: Eine Kunststoffhülse mit einer Nase ist der eigentliche Knopf, in ihm steckt eine Sechskantmetallhülse mit feinem Innengewinde und eine Messingschraube, mit der sich der Hub des Auslöseknopfes justieren lässt. Und da kann ein halber Millimeter einen beträchtlichen Unterschied machen. Um den Fehler zu beheben, muss man also an den Auslöseknopf herankommen und mit der Schraube die Länge des Knopfes nachjustieren. Leuchten die LEDs beim halb gedrückten Auslöser nicht, dreht man die Messingschraube eine halbe bis eine Umdrehung heraus, leuchtet die linke Batterie-LED durchgängig, dreht man die Schraube ein wenig tiefer herein.

Um an den Auslöser heranzukommen, müssen eigentlich nur der obere Deckel und der aus der Kamera herausstehende Schutz vor Objektiv und Sucher entfernt werden. Lomography selbst hält eine gut bebilderte Anleitung zum Tausch des Deckels bereit. Wir wollen den Deckel nicht tauschen, sondern nur an den Auslöseknopf heran. Ein paar Hinweise zum Vorgang: Vor der Demontage ist, wie gesagt, sicherzustellen, dass die Batterien ausreichend Spannung und Kontakt haben. Zudem darf sich kein Film mehr in der Kamera befinden. Der Sucher- und Objektivschutz wird mit vier kleinen Schrauben gelöst, die sind sofort zugänglich. Bei der Demontage sollte der Schutz offen und die Kamera damit im Bereitschaftsmodus sein, damit man später testen kann, ob die neu justierte Länge des Auslöseknopfes auch passt. Um den oberen Deckel abzunehmen, muss man auf der (von vorn betrachtet) linken oberen Seite, ziemlich genau unterhalb des Auslöseknopfes, das Kunstleder der Kamera etwas abheben, um an die vordere Deckelschraube zu gelangen. Das geht am besten mit einem Taschenmesser. Diese Schraube ist dann zu lösen. Die hinteren beiden Schrauben des Deckels links und rechts des Suchers sind wieder frei zugänglich. Auch auf der oberen Seite ist der Deckel der Kamera verschraubt, die Schrauben sitzen im Rückspulhebel. Den kann man herausziehen und den Filmdeckel auf der Rückseite öffnen. Dann wird der untere Teil des Rückspulers mit einem Schraubenzieher gehalten, die Kurbel lässt sich dann mit der Hand einfach gegen den Uhrzeigersinn abdrehen und man kommt an die Schrauben heran. Der Deckel kann nun komplett nach oben abgezogen werden.

Lomo LC-A ohne Objektivschutz und oberem Deckel

Und schon kommt einem der Auslöseknopf entgegen, dessen Länge in der Innenhülse justiert werden kann. Auf dem Bild sind links vom Sucher  die Federkontakte gut zu erkennen. Sie müssen in aller Regel nicht nachgebogen werden, auch eine Reinigung ist nur in seltenen Fällen nötig, weil sie von sich aus kaum korrodieren. Ob der Auslöser jetzt wieder funktioniert, lässt sich sehr einfach kontrollieren, indem man den Deckel mit dem eingesetzten Auslöseknopf provisorisch auf die Kamera setzt, ihn etwas nach unten drückt und den Auslöser betätigt. Nun sollte die linke LED im Sucher wieder leuchten. Man testet die rechte LED, indem man den Finger vor die Fotozelle (im Bild rechts vom Sucher zu erkennen) hält. Funktioniert alles wieder, wird der abgelöste Teil des Kunstleders mit einem Tropfen Uhu wieder angeklebt und die Kamera zusammengesetzt und verschraubt. Funktionieren die LEDs wider Erwarten weiterhin nicht, dann muss man ein wenig mit der Justage experimentieren.

Und das war es eigentlich auch schon. Jetzt kann mit der Kamera wieder fotografiert werden.

Kodak Star 335 – eine einfache Point & Shoot-Kamera neu entdeckt

Nicht nur die analoge Fotografie, auch einfache Point-and-Shoot-Kameras feiern gerade wieder eine Renaissance. Der Grund liegt auf der Hand: In Zeiten ubiquitärer KI-Aufnahmen sehnen sich viele nach dem „echten“ Feeling eines analogen Fotos. Gute, einfache Kameras sorgen zudem dafür, dass selbst der Neu- und Wiedereinsteiger schnell zu brauchbaren bis guten Ergebnissen kommt.

Und so erinnerte ich mich einer Kamera, die ich zu Jugendzeiten in den 90ern geschenkt bekam und die mich viele Jahre begleitete: die Kodak STAR 335. Sie dürfte damals nicht allzu teuer gewesen sein und war wohl relativ verbreitet. Die früheren Modelle, aber hier mag ich mich irren, trugen die Modellbezeichnung „335“, später wurde aus der Kamera die „STAR 335“, beide Modelle sind baugleich.

Kodak 335, auch bekannt als Kodak STAR 335

Die einfache Point-and-Shoot-Kamera wurde in den Jahren 1990 bis 1994 für Kodak in Thailand gefertigt. Das verhältnismäßig weitwinklige Objektiv (35mm) hat eine fixe Blende von f5,6, die für die meisten Außenaufnahmen gut geeignet sein dürfte. Auch die Verschlusszeit ist mit 1/125 Sekunde fix. Für den Fall, dass dies nicht langt, ist ein relativ potenter Elektronenblitz verbaut, der binnen sieben Sekunden nachlädt (Indikator ist eine LED) und von zwei Mignon-Batterien (AA) betrieben wird. Der Blitz ist immer manuell zuzuschalten, eine Blitzautomatik gibt es nicht. Ab einem Objektabstand von etwa 1,2 Metern sind die Bilder scharf. Sinnstiftend verwenden lassen sich Kleinbildfilme mit 100, 200 oder 400 ASA. Der Filmtransport und das Rückspulen erfolgen manuell.

Kodak 335 back

Meine Kamera habe ich zwar aufgehoben, ich konnte sie im Keller aber nicht wiederfinden. Das macht aber nichts, denn bei ebay findet man diesen Fotoapparat eigentlich fast immer. Für mein neuwertiges Exemplar habe ich 18,- Euro gezahlt.

Dafür, dass diese Kamera mit ihrem Plastikbody und dem recht simplen, dreilinsigen Objektiv eigentlich schon in der Kategorie „Einfachkamera“ rangiert, ist die Abbildungsleistung erstaunlich gut. Die Bilder sind hinreichend scharf und weitgehend frei von Vignettierung und Aberrationen. Kodak konnte schon immer vernünftige Einfachkameras im Low-Budget-Preisbereich bauen, die 335 bildet hier keine Ausnahme. Freilich sind die Aufnahmen nicht perfekt, aber mit einem etwas grobkörnigeren 400er Film gelingen aus dem Stand tolle Aufnahmen mit bezaubernder Vintage-Optik. Dabei ist die Abbildungsleistung spürbar besser als bei Einwegkameras. Ebenfalls weniger schlecht als vermutet ist der einfache, aber große und klare Sucher, der geschätzt etwa 80 Prozent des Bildausschnitts abbildet.

Daher würde ich sagen, dass sich diese Kamera auch heute gerade für die Streetfotografie eignet. Die quasi sofortige Bereitschaft, die auch nach gegenwärtigen Maßstäben gute Fotoqualität, das insgesamt ordentliche, wenn auch etwas lichtschwache Fixfocus-Objektiv, das eine schöne Retrooptik liefert, sprechen alle für diesen Einsatz. Auch wenn der Formfaktor nach heutigen Maßstäben etwas bulky wirkt, wiegt die Kunststoffkamera mit Batterien und Film kaum mehr als 300 Gramm. Das und vor allem der niedrige Gebrauchtpreis, für ein gut erhaltenes, funktionierendes Modell bezahlt man etwa 10,- bis 15,- Euro, sprechen dafür, die Kamera auch mal zum Sport oder auf Partys mitzunehmen.

Die Bedienung ist quasi selbsterklärend, denn die Kamera ist technisch absolut simpel, aber für alle, die sich dafür interessieren, habe ich die mehrsprachige Bedienungsanleitung der 335 mal eingescannt.

Bedienungsanleitung / Manual Kodak Star 335 (PDF, rd. 6 MB)

Mein Fazit: Auch heute noch ein cooles Teil, das (zumindest bei mir) viele Erinnerungen weckt. Analoge Fotografie ist gerade wieder voll im Trend, und wegen der schönen, technisch freilich unvollkommenen Aufnahmen hat auch die Einfachkamera Kodak Star 335 heute ihre Berechtigung und findet ihren Einsatzzweck. Die übersichtliche und robuste Technik und die gute Verarbeitungsqualität machen diesen Fotoapparat auch heute noch zu einem guten Alltagsbegleiter.

Grünliberale in Nürnberg – Versuch einer Einordnung

Der April macht, was er will, und der Nürnberger Grüne und bisherige Vorsitzende der Stadtratsfraktion Achim Mletzko auch. Es kam wie ein Paukenschlag und hat auch mich völlig aus dem Nichts überrascht. Am 8. April haben vier Mitglieder der Grünen-Fraktion im Nürnberger Stadtrat ihren Austritt aus der Fraktion erklärt und eine eigene „grünliberale“ Fraktion gebildet. Damit sind die Grünen im Nürnberger Stadtrat gespalten, ein Vorgang, der in dieser Form in Nürnberg sicher einzigartig ist und der medial weit über die Stadtgrenzen Nachhall fand.

Mletzko, ich hatte vor ziemlich genau zwanzig Jahren Gelegenheit, ihn kennenzulernen, ist sicher ein karrierebewusster Mann. Sehr jung wurde er Anfang der 1980er Jahre Geschäftsführer der Evangelischen Jugend Nürnberg und blieb es bis zu seiner Pensionierung. Seit 2008 gehört er dem Nürnberger Stadtrat an, seit 2012 ist er Vorsitzender der Grünen-Fraktion und quasi der „Kopf“ der Nürnberger Grünen. Zumindest nehme ich ihn gegenwärtig so wahr. Oft ist es Mletzko, der aus grüner Perspektive zu kommunalpolitischen Fragestellungen in den Regionalmedien Farbe bekennt, er gilt zudem als einer der pointiertesten Redner im Rat. Die Nürnberger Grünen arbeiten nach meinem Dafürhalten mit großer Kontinuität, besonders stark waren sie aber nie. Da ist so eine „tragende“, weil Kontinuität stiftende, Vaterfigur wie Mletzko sicher sehr hilfreich. Er war zudem, auch als, so nannte er sich selbst einmal „Beton-Realo“ schon allein deshalb glaubwürdig, weil er früh, bereits 1982, in die Partei eintrat, er ist also ein Ur-Grüner.

Bei den jüngst abgehaltenen Kommunalwahlen gerieten die Grünen ein wenig ins struggeln, verloren etwas mehr als 5 Prozent der Stimmen und damit auch vier Mandate im Stadtrat. Für die Nürnberger Grünen ist das personell freilich bitter, man kann ihnen das aber kaum als eigenes Verschulden anlasten, denn bei den letzten Kommunalwahlen mussten die Grünen allgemein Federn lassen (man sehe von so fulminanten Erfolgen wie in München einmal ab), da bildet Nürnberg keine Ausnahme.

Gerade Britta Walthelm hätte ich ein besseres Ergebnis bei der OB-Wahl zugetraut, im Wahlkampf schien mir, sie habe Augenhöhe zu Nasser Ahmed hergestellt, hier irrte ich sehr. Das muss allerdings nicht an ihr selbst liegen, denn letztlich setzten jene Bürger, die König abwählen wollten, auf den jungen, dynamischen Ahmed und seine zwar deutlich kriselnde, in der Stadt aber noch immer hinreichend verwurzelte SPD. In der Stichwahl sollte ihm dann gegen die Übermacht der CSU mehr als ein Achtungserfolg gelingen.

Mir als Außenstehendem war schlicht nicht klar, dass die Nürnberger Grünen so gespalten sind. Die Nähe mancher Grünen zur CSU irritierte mich in der Vergangenheit zwar auch, aber nicht in dem Maße, als dass ich die Gravitas dieser Spaltung hätte erkennen, geschweige denn richtig einschätzen können.

Nun wird als Grund der Abspaltung ins Feld geführt, dass man unter anderem Mletzko nicht in den Kreis der Koalitionsverhandler mit der CSU berufen habe. „Man hat dann immer wieder darauf abgehoben, dass man auf gar keinen Fall die nächsten sechs Jahre CSU-Politik machen möchte. Und dann ging es auch sehr schnell darum, dass der Fraktionsvorsitzende auf keinen Fall mehr in dem Verhandlungsteam vertreten sein soll“, wird Mletzko in der Printausgabe der NN vom heutigen 9. April zitiert (andere Quelle, Paywall). Dass diese Koalitionsverhandlungen gescheitert und Teile der Fraktion über dieses Scheitern offensichtlich recht froh gestimmt gewesen seien, zudem die Wählerstimmenverluste nicht dem allgemeinen Trend der Grünen, sondern der politischen Nähe zur CSU geschuldet seien, diese aus der Perspektive Mletzkos, wie die Lokalzeitung schreibt, „Weltsicht“, habe im Wesentlichen zu dem Zerwürfnis beigetragen.

An dieser Stelle allerdings kann ich all jene Kritiker, die die Nähe der Nürnberger Grünen-Führung zur CSU kritisieren, nur allzu gut verstehen. Auch ich habe Walthelm nicht gewählt, weil mir beispielsweise ein klares Statement, dieses Unsinnsprojekt Frankenschnellweg bald möglichst zu beenden, gefehlt hat. Da kann man noch so engagierten Wahlkampf machen – wenn zentrale umweltpolitische Forderungen wie das Verbot von Neubauten in den Luftaustauschschneisen der Stadt oder der Frankenschnellwegsausbaustopp fehlen, leidet eben die Glaubwürdigkeit. Und die ist mit ein paar Forderungen zum Ausbau des ÖPNV und ein bisschen Schwammstadt-Symbolpolitik einfach nicht zu retten. Wenn ein Grüner sich für die Delfin-„Lagune“ ausspricht, dann ist das doch mindestens seltsam. Solche politischen Fehler bleiben im Gedächtnis.

Und auch etwas anderes bleibt im Gedächtnis: Es gilt als „offenes Geheimnis“, dass Mletzko gerne zweiter oder dritter Bürgermeister geworden wäre. Das ist ihm bislang nicht gelungen. Und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass er das nie richtig verwunden hat. Einmal brachte er das in einem heute leider nicht mehr fortgeführten Kommunalpolitik-Podcast, „Horch amol“ des Nürnberger Pressehauses, selbst erfrischend deutlich zur Sprache. Für Mletzko, er wird nächstes Jahr siebzig, läuft die Zeit gegen solche Karriereziele. Die jüngeren Grünen können es sich, aus meiner Perspektive auch zum Nutzen ihrer Partei, leisten, ihr Profil in der Oppositionsrolle zu schärfen.

Marc Schüller zog erst 2020 in den Nürnberger Stadtrat ein, da war sein jüngerer Bruder Titus Schüller von den Linken bereits unangefochten als die führende soziale Stimme Nürnbergs etabliert. Dem Imker Marc Schüller gelang es binnen kürzester Zeit, sich einen guten Ruf in der Presse und als Umweltpolitiker zu erarbeiten, als Führungsfigur konnte er sich im Schatten Mletzkos freilich nicht emanzipieren. Dass auch er dem „grünliberalen“ Bündnis angehört, lässt mich etwas ratlos zurück. Aber auch er ließ verlauten, gerne mit der CSU regieren zu wollen.

An dieser Stelle drängt sich mir freilich die Frage auf, warum die Treiber hinter der „grünliberalen“ Fraktionsabspaltung dann nicht einen sauberen Schlussstrich gezogen haben und zur CSU übergetreten sind. Mindestens Mletzko hätte man dort doch mit Kusshand empfangen.

Bislang habe ich besonders Herrn Mletzko als einen kühl kalkulierenden, durchaus strategisch denkenden Politprofi wahrgenommen. Freilich: Aus der Ferne; da sind Irrtümer immer möglich. Zudem kennt er als Grüner der ersten Stunde die Flügelkämpfe der Partei, seit Anbeginn ist der Widerstreit von „Fundis“ und „Realos“ Teil grüner Realität und Identität. Welchen Sinn angesichts dessen diese „grünliberale“ Fraktion stiften soll, bleibt schleierhaft. Der Partei selbst wird dieses Verhalten sicher nicht guttun. Es trägt das Zerwürfnis nach außen, macht es sichtbar, kostet Sympathien, wirkt zudem wenig souverän. Freilich geht es hier auch um Verletzung.

Die Landesvorsitzende der Grünen, Gisela Sengl, dagegen spricht von „parteischädigendem Verhalten“. Sie sei „krass überrascht“ und „enttäuscht“ über den Schritt. Natürlich gebe es Strömungen in der Partei, auch eine grünliberale. Eine Abspaltung aber, zum Teil offenbar hervorgerufen durch einen „Generationenkonflikt“, sei etwas komplett anderes. Von Erwachsenen erwarte sie, dass diese mit einer „narzisstischen Kränkung“ – beim möglichen Abstieg in die zweite Reihe – umgehen könnten. In vorliegenden Fall sehe sie das nicht. SZ, 08.04.2026

In einer Pressemitteilung der Partei heißt es:

„Keine der vier handelnden Personen ist Teil des organisierten Realo-Flügels der bayerischen Grünen, insofern empfinden wir es als in höchstem Maße befremdlich, dass sich für diese Spalterei nun auf unseren Parteiflügel berufen wird“, so Rebecca Lenhard, MdB.


Auch persönlich sind wir von den handelnden Personen schwer enttäuscht: „Achim Mletzko und ich sind seit fast 40 Jahren politische Weggefährten. Dass er nach dieser langen Zeit ohne jede Vorwarnung unserer Partei so schadet, hätte ich ihm nicht zugetraut und schmerzt mich auch persönlich sehr“, sagt Sascha Müller, MdB.
„Zudem ist die inhaltliche Begründung der aus der Fraktion ausgetretenen Mitglieder nicht nachvollziehbar: Die Ansicht, dass zwischen Umwelt und Wirtschaft kein ‚oder‘ steht, ist längst breiter Konsens in unserer Partei.“
gruene-nbg.de, 08.04.2026

Der Riss ist nicht allein tief, das Tischtuch scheint zerschnitten. Einige Stimmen der Grünen fordern die Gründer der neuen Fraktion zur Rückgabe ihrer Mandate und zum Parteiaustritt auf, andere wiederum wollen deren Parteiausschluss prüfen lassen. Und so fällt es mir schwer, daran zu glauben, dass die „Grünliberalen“ und die grüne Stadtratsfraktion wieder zusammenfinden. Darauf allerdings hoffen Mletzko und Schüller:

Er und Schüller gehen aber davon aus, dass man sich auf Sicht wieder zusammenraufen könne. Schüller hält daher den Begriff der Spaltung auch für falsch: „Es gibt nun zwei Teile der grünen Familie.“ (Zerwürfnis bei Nürnbergs Grünen; NN, 09.04.2026, S. 9)

Wie das gehen soll, wie Vertrauen wiederhergestellt werden soll, davon ist in der Zeitung nichts zu lesen. Das Bild, das die Grünen nun abgeben, ist jedenfalls nicht das Beste, auch wenn man zwischen den „Grünen“ und den „Spaltern“ zu differenzieren weiß. So schrieb mir, als ich meine Irritation über den Vorgang ausdrückte, beispielshalber gestern eine Nutzerin auf Bluesky:

Ist so unangenehm was da los ist, aber sind glaub alles so classic Boomer die sich da abspalten wollen, oder hab ich jemand jungen übersehen, ahaha?

Was die Abspaltung für einen konkreten Nutzen bei den Koalitionsverhandlungen zwischen CSU und SPD bewirken soll, kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen. Weder die CSU noch die SPD benötigen die Stimmen der „Grünliberalen“ für ihre Stadtratsarbeit, man darf zudem davon ausgehen, dass zwischen Christsozialen und Sozialdemokraten inhaltlich so viel Einigung hergestellt werden kann, dass man auch bei strittigen Themen keiner externen Fürsprecher bedarf. Es gibt also schlicht keinen Bedarf an der Mitwirkung eines dritten Koalitionspartners, daher ist auch fraglich, in welcher Rolle sich hier die „Grünliberalen“ sehen. Kurzum. Machtpolitisch ist die Gründung der neuen Fraktion unnötig. Eine Spaltung ist freilich auch nicht der eigenen Glaubwürdigkeit dienlich, man wird sich immer fragen, warum sich die neuen Fraktionäre inhaltlich in ihrer Partei nicht durchzusetzen verstanden, außerdem wird ihnen immer der Makel der politischen Unzuverlässigkeit anhaften. Beide Fraktionen sind durch die Spaltung geschwächt.

Eine etwaige Option, aus der „grünliberalen“ Fraktion heraus eine eigene Partei zu gründen, scheint mir nur theoretisch denkbar. Denn welch hohe Hürden hierbei in der Praxis zu nehmen sind, zeigt beispielhaft das Unterfangen der Herren Damm und Dörfler, die aus gut nachvollziehbaren Gründen bei den Freien Wählern ausgetreten sind, mit ihrer Freien Allianz aber ermangels Unterstützerunterschriften noch nicht einmal zur Stadtratswahl zugelassen wurden. Auch die Perspektive der Neugründung einer Wählergruppe halte ich nicht für erfolgversprechend.

Achim Mletzko, Marc Schüller, Cengiz Sahin und Gabriele Klaßen haben den Grünen und sich selbst einen Bärendienst erwiesen. Im Rat war die Stadtratsfraktion der Grünen mit ihren zehn Sitzen drittstärkste Kraft, mit der Spaltung ist das in der kommenden Ratsperiode nun die AfD. Damit ist auch das linke bis linksbürgerliche „bunte Lager“, dazu rechne ich neben der SPD freilich die Linken und die Linke Liste, die Politbande, Volt, die Tierschutzpartei sowie Piraten/Humanisten, geschwächt. Mir scheint das ein sehr hoher Preis für die verletzte Eitelkeit einiger weniger. Einen wirklichen Sinn kann ich nach einiger Überlegung nicht erkennen, überstürzt scheint die Fraktionierung (wörtl. „Aufteilung“) allerdings auch nicht gewesen zu sein. Ich kann daher meine eingangs angedeutete Irritation nur wiederholen – die Sache lässt mich reichlich ratlos zurück. Möglicherweise waren die Kränkungen und die sich nicht bietenden Karrierechancen für einige zu viel, den Abgang angesichts eines sich nun andeutenden Endes der eigenen politischen Karriere hätte man sicher würdevoller, souveräner und mit höherer Umsicht gestalten können, denn der angerichtete Flurschaden ist enorm.

Hinweis: Ich bin nicht Mitglied der Partei Bündnis 90/Die Grünen, ihr aber kritisch-solidarisch verbunden, angesichts ihrer immer schwächeren Positionierung in sozialen und in Friedensfragen in über die Jahre abnehmendem Maße. Als Bürger dieser Stadt lernte ich die Grünen im Rat trotz mancher Eigenheit als wichtige Impulsgeber kennen.

Monatsrückblick März 2026

Wie immer höchst selektiv und aus individueller Perspektive mein „Monatsrückblick“. Konzerte, ein Besuch in Erfurt (mitsamt Bahn-Debakel auf der Rückreise), aber auch die Vernissage der optisch höchst angenehmen „Colour Crush“-Ausstellung in der Nürnberger Kunsthalle fallen in diesen März. Im April muss ich mich technisch mal etwas umorientieren, weil mein Google Pixel 8 nach nicht einmal zwei Jahren einen Dead-Pixel-Cluster im OLED entwickelt. Und was sonst noch so festhaltenswert war, das lest ihr nun…

  • Wenn ihr mal die Gelegenheit habt, „Die Nerven“ live zu sehen, dann macht das! Was ein Druck, was ein Timing, was eine Party, sehr sehr geil! Die aktuelle LP „Live im Elfenbeinturm“ ist auch sehr zu empfehlen.
  • Die sogenannten „Wirtschaftsweisen“ waren in der Vergangenheit ja schon schwer beschädigt, ernst zu nehmende Wissenschaftler greifen deren Ideen inzwischen gar nicht mehr auf, seriöse Journalisten debattieren auch nicht  mehr über deren Vorschläge. Diesen recht erbärmlichen Zustand zementierte in der letzten Zeit besonders eine Frau Grimm (dazu habe ich an anderer Stelle mehrfach geschrieben), die die anderen „Weisen“ gerne losgeworden wären, was leider misslang. Nun hat Frau Reiche das Gremium mitsamt seiner noch vorhandenen, minimalen Restreputation de facto beerdigt. Der Verlust ist verschmerzbar.
  • In den letzten Jahren hat mich der Mobile World Congress nicht so richtig interessiert, einfach, weil von dort für mich immer weniger Spannendes vermeldet wurde. Indessen kommt genau von diesem MWC eine Meldung, die aufhorchen lässt: Motorola und die Graphene Foundation kündigen ein gemeinsames Telefon mit Graphene OS an. Saucool. In den letzten zehn Jahren hatte ich drei Motorola-Geräte, mit denen ich zudem immer sehr zufrieden war, Hardware kann man bei Lenovo.
  • Seit 2011 verwende ich keine Apple-Produkte mehr. Das war ungefähr die Zeit, da man die weiland überlegene PowerPC-Prozessorarchitektur aussortierte und zu Intels Core2Duo wechselte, und damit waren viele Vorteile des Macs einfach passé. Und irgendwie hatten die Apple-Rechner dann nur noch wenige technische Vorteile gegenüber wesentlich billigerer Wintel-Hardware. Da siegte bei mir die Vernunft, auch, weil ich den einstmals so genialen, kulanten und verbindlichen Apple-Service in dieser Zeit ganz anders erlebte – nämlich als Verhinderungs- und Vertröstungsagentur, die mit allen Mitteln versuchte, sich berechtigte Garantieansprüche vom Halse zu schaffen. Damals durfte man für die Hardware richtig heftig blechen und bekam einen nicht mal drittklassigen Service. Das mit der nicht mehr konkurrenzlosen Hardware galt irgendwie immer auch für iPad und iPhone: Die Android-Konkurrenz war technisch gesprochen nie schlechter, oft aber mindestens ein Drittel billiger. Am Ende war ich sogar stolz darauf, kein Apple-Jünger mehr zu sein. Was geblieben ist: Apple konnte schon immer attraktive Notebooks bauen.
    Jetzt launcht das Unternehmen mit dem MacBook Neo ein zwar arg plastikhaftes, aber dennoch interessantes Einsteiger-Notebook, die Presse ist begeistert. Gutes Display, nicht ganz schlank, aber leicht, und einen Kopfhöreranschluss gibt’s auch. Das Ding hat einen entscheidenden Nachteil, nämlich nur 8 GB RAM; was heute bei einem Rechner, mit dem man produktiv sein möchte, einfach ein wenig knapp ist. Bei 699,- Euro geht’s los, die Variante mit 512 GB SSD kostet 799,-. Ein Einwurf erreichte mich von Karl, der zu bedenken gibt, dass ein 2025 MacBook Air mit M4 und 16 GB RAM im Angebot seriös ab 860,- Euro zu haben ist. Da relativiert sich dann der für Apple-Verhältnisse günstige Preis schon wieder.
  • IKEA verkauft einen einfachen Bluetooth-Lautsprecher für 5,- Euro. Das wird soundmäßig nicht der große Wurf werden, eh klar, aber ich kenne genug Leute, denen das egal sein dürfte und für die so ein kleiner, einfacher Lautsprecher in seinem durchaus dezenten Design genau das Richtige ist.
  • Preise steigen, Löhne nicht: Deutsche haben seit Corona deutlich an Wohlstand verloren.
  • BaWü hat gewählt, den Hagelschaden abgewendet, das CDU-Ergebnis ist dennoch eine schallende Ohrfeige für den Kanzler der Schande und der zweiten Wahl Merz und seinen Adlatus Linnemann. Özdemir hat das Ding knapp geholt, das ist aber auch das Einzige, das positiv stimmt. Die SPD, sie musste um den erneuten Einzug in den Landtag bangen, indes ist tot. Der neue BaWü-Landtag ist sehr männlich und, bedenkt man, dass es dort keine einzige progressive Kraft gibt, und die AfD fast 19 Prozent geholt hat, auch rechts.
  • An dieser Stelle würde es auch eines Nachklapps der RLP-Landtagswahlen bedürfen, den spare ich mir an dieser Stelle, alles Wesentliche hierzu ist gesagt…
  • …aber auf die Kommunalwahlen in Bayern und die Stichwahlen will ich, in aller Kürze, trotzdem noch einmal blicken. Da gibt es dann doch einiges Bemerkenswertes. Die CSU ist hierzulande ja leider „Platzhirsch“, allerdings beginnt dessen Geweih ordentlich zu bröckeln. Stimmenverluste, etliche an die Freien Wähler verlorene Bürgermeister- und Landratsposten, das alles zeigt die tiefe Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der CSU im Allgemeinen, aber eben auch Söder im Speziellen. Teilweise hatten die vermeintlich Christsozialen aber auch einfach ungeeignetes Personal in der Hoffnung aufgestellt, diese Leute würden aufgrund des richtigen Parteibuchs schon gewählt werden. Tempi passati. Die SPD hatte es in Bayern schon immer schwer, gegenwärtig stirbt sie selbst in einstmals sicheren Hochburgen einen langsamen und nicht minder qualvollen Tod. Die FDP ist bereits tot, was da an Mandaten „errungen“ wurde, ist so marginal, dass man es eigentlich auch gleich sein lassen könnte. Überraschend, dass die Linke in Bayern (sic!) nun auch abseits der großen Städte Fuß zu fassen beginnt. München hat einen grünen OB, das empfinde ich eigentlich immer noch als Sensation, in Nürnberg konnte sich König gehen Ahmet durchsetzen, letzterer erzielte trotz des Dahinvegetierens der SPD einen Achtungserfolg. Freudenstein konnte sich in Regensburg nicht durchsetzen, in Erlangen hat Florian Janik leider hauchdünn verloren, in Augsburg trug Freund von der SPD den Erfolg nach Hause. Traurig, dass Aschaffenburg verloren ging.
  • Interessant ist, dass Söder hierfür, wen wollte es wundern, keinerlei Schuld bei sich sieht. Wer in den Kommunen antritt, das war immer Sache der CSU in den Kommunen. „Die Auswahl könne nicht nur in den Kommunen getroffen werden, sondern muss zumindest begleitet werden von hier aus“, meint Söder und erntet dafür heftige Kritik (Fefe hätte an dieser Stelle wohl „Die beste Demokratie, die man für Geld kaufen kann“ geschrieben).
  • RIP, Jürgen Habermas.
  • RIP, Phil Campbell.
  • twttr is a satirical art project and April Fools‘ joke. It is not a real social network and is not affiliated with, endorsed by, or connected to Twitter, X Corp., or any of their subsidiaries in any way. This project is a humorous homage to the early days of Twitter (circa 2006) — back when it was still called „twttr“ and microblogging was a wild new idea. It is intended purely for entertainment and nostalgia purposes. No trademark infringement is intended.“
    Egal, Du findest mich auf https://twttr.eu/michi.
  • Ähm, twttr heißt nun chrrp. Wäre sonst markenrechtlich wohl schwierig geworden. Das Ding ist was für Nostalgiker und Nerds, ist aber binnen Stunden dem Aprilscherz-Status entwachsen. Also, Du findest mich auf https://chrrp.eu/michi.
  • „Im Grunde saß Moskau bei jedem EU-Treffen mit am Tisch.“
  • Die AfD will Radio Corax in Halle dichtmachen
  • RIP, Alexander Kluge.
  • Jens Spahn hat, das ist bekannt, die GKV an den Rand des Ruins getrieben. Die ist nun sanierungsbedürftig, und wie das vonstattengehen soll, das hat nun eine Kommission erarbeitet. Long story short: Weniger Leistung, höhere Beiträge. Aber es wurde auch die Erhöhung der Tabaksteuer, eine zusätzliche Besteuerung von Spirituosen und eine Zuckersteuer (nur auf Getränke, und das gestaffelt, inkonsequenterweise) vorgeschlagen. Wollen wir wetten, was nicht kommen wird? Klar: Die Zuckersteuer.
  • Zum Thema „linke Gewalttaten“: „AfD-Mann gesteht, sein Auto selbst angezündet zu haben.“
  • Ich bin mittlerweile fest davon überzeugt, dass das, was medial als „linke Gewalttat“ apostrophiert wird, in 95 Prozent der Fälle mit dem linken oder linksradikalen politischen Spektrum nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. Weder ich selbst noch mein Umfeld können davon berichten, je eine linke Gewalttat (abseits von Graffitis oder Stickerei oder Wildplakatiererei, aber sind das Gewalttaten? Eher nicht) beobachtet zu haben oder deren Opfer geworden zu sein. Die vermeintliche „linke Gewalt“ ist ein so marginales Phänomen, dass man getrost die absolute Mehrzahl der Berichte darüber als Nonsens in den Wind schlagen darf.
  • Last but not least: Auf Aprilscherze verzichte ich hier selbstredend, diesem vermeintlich lustigen Brauch aus Urgroßvaters Humor-Mottenkiste mögen sich andere Medienschaffende hingeben.

All the Beauty and the Bloodshed in der arte-Mediathek und auf Youtube

Nan Goldins fotografisches Werk war immer ein politisches. Eines, das einen feministischen Blick auf Amerika im Kleinen, aber auch die Welt im Ganzen warf, eines, das sich für queere Belange einsetzt, eines, das gegen die Diskriminierung an AIDS Erkrankter kämpft. Goldin ist aber nicht nur Fotografin, Künstlerin, sie ist auch Aktivistin. Zusammen mit von der Opioidkrise Betroffenen kämpft sie, ehemals selbst abhängig vom „Medikament“ Oxycontin, mit der von ihr gegründeten Organisation P.A.I.N. unter anderem für die Tilgung des Namens der Familie Sackler aus internationalen Museen.

Der Dokumentarfilm All the Beauty and the Bloodshed (dt. Titel „All die Schönheit und das Blutvergießen“) verwebt dabei zwei Erzählstränge: den biografischen, in dem wir Nan Goldin von frühester Kindheit an begleiten, über den Suizid ihrer Schwester und seine einschneidende Wirkung auf Goldins Leben erfahren, ihren frühen Ausbruch aus der Familie, Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen, aber auch ihren individuellen Kampf um Freiheit und ihre Entwickling als Fotografin, Künstlerin und Aktivistin. Und den, in dem die Kamera ihren Kampf für die Opfer der Familie Sackler, dem Oxycontin, für die Tilgung des Familiennamens aus internationalen Museen und Kulturstiftungen begleitet. Ein eindrücklicher, ein harter, ein bewegender Film. Goldin berichtet in Interviews über ihr Leben, mit ihren Fotos sind viele Teile des Interviews unterfüttert.

Gerade kann man den Film in der arte-Mediathek sehen (er bleibt bis zum 15. Juni 2026 verfügbar), zudem ist er unter dem etwas sperrigen Titel „Nan Goldins Kampf gegen die Sacklers“ bei Youtube verfügbar.

2022 gewann der Film den Goldenen Löwen der Filmfestspiele Venedig, ein Jahr später war er für den Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert. Zweifelsfrei ist All the Beauty and the Bloodshed einer der wichtigsten Dokumentarfilme der Gegenwart.

Dokumentarfilm LOve & MOtion auf Youtube verfügbar

Erst dieser Tage ist mir aufgefallen, dass der Dokumentarfilm LOve & MOtion, der die Anfangstage der Lomografie, die Entstehungsgeschichte der LC-A, ihren Siegeszug im Wien in den Jahren nach dem Fall der Sowjetunion, die Rolle Wladimir Putins für die Lomografische Gesellschaft jener Zeit und die unterschiedlichsten Herangehens- und Nutzungsweisen der LOMO beleuchtet, auf YouTube zu sehen ist. Ein spannender Film und ein wirklich sehenswertes Zeitdokument, auch wenn die technische Qualität des Uploads nur sehr durchschnittlich ist.

Mir hat der Film vor Jahren großen Spaß gemacht und es war interessant, ihn wieder einmal zu sehen. Klare Empfehlung!

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