Monatsrückblick März 2026
Wie immer höchst selektiv und aus individueller Perspektive mein „Monatsrückblick“. Konzerte, ein Besuch in Erfurt (mitsamt Bahn-Debakel auf der Rückreise), aber auch die Vernissage der optisch höchst angenehmen „Colour Crush“-Ausstellung in der Nürnberger Kunsthalle fallen in diesen März. Im April muss ich mich technisch mal etwas umorientieren, weil mein Google Pixel 8 nach nicht einmal zwei Jahren einen Dead-Pixel-Cluster im OLED entwickelt. Und was sonst noch so festhaltenswert war, das lest ihr nun…
- Wenn ihr mal die Gelegenheit habt, „Die Nerven“ live zu sehen, dann macht das! Was ein Druck, was ein Timing, was eine Party, sehr sehr geil! Die aktuelle LP „Live im Elfenbeinturm“ ist auch sehr zu empfehlen.
- Die sogenannten „Wirtschaftsweisen“ waren in der Vergangenheit ja schon schwer beschädigt, ernst zu nehmende Wissenschaftler greifen deren Ideen inzwischen gar nicht mehr auf, seriöse Journalisten debattieren auch nicht mehr über deren Vorschläge. Diesen recht erbärmlichen Zustand zementierte in der letzten Zeit besonders eine Frau Grimm (dazu habe ich an anderer Stelle mehrfach geschrieben), die die anderen „Weisen“ gerne losgeworden wären, was leider misslang. Nun hat Frau Reiche das Gremium mitsamt seiner noch vorhandenen, minimalen Restreputation de facto beerdigt. Der Verlust ist verschmerzbar.
- In den letzten Jahren hat mich der Mobile World Congress nicht so richtig interessiert, einfach, weil von dort für mich immer weniger Spannendes vermeldet wurde. Indessen kommt genau von diesem MWC eine Meldung, die aufhorchen lässt: Motorola und die Graphene Foundation kündigen ein gemeinsames Telefon mit Graphene OS an. Saucool. In den letzten zehn Jahren hatte ich drei Motorola-Geräte, mit denen ich zudem immer sehr zufrieden war, Hardware kann man bei Lenovo.
- Seit 2011 verwende ich keine Apple-Produkte mehr. Das war ungefähr die Zeit, da man die weiland überlegene PowerPC-Prozessorarchitektur aussortierte und zu Intels Core2Duo wechselte, und damit waren viele Vorteile des Macs einfach passé. Und irgendwie hatten die Apple-Rechner dann nur noch wenige technische Vorteile gegenüber wesentlich billigerer Wintel-Hardware. Da siegte bei mir die Vernunft, auch, weil ich den einstmals so genialen, kulanten und verbindlichen Apple-Service in dieser Zeit ganz anders erlebte – nämlich als Verhinderungs- und Vertröstungsagentur, die mit allen Mitteln versuchte, sich berechtigte Garantieansprüche vom Halse zu schaffen. Damals durfte man für die Hardware richtig heftig blechen und bekam einen nicht mal drittklassigen Service. Das mit der nicht mehr konkurrenzlosen Hardware galt irgendwie immer auch für iPad und iPhone: Die Android-Konkurrenz war technisch gesprochen nie schlechter, oft aber mindestens ein Drittel billiger. Am Ende war ich sogar stolz darauf, kein Apple-Jünger mehr zu sein. Was geblieben ist: Apple konnte schon immer attraktive Notebooks bauen.
Jetzt launcht das Unternehmen mit dem MacBook Neo ein zwar arg plastikhaftes, aber dennoch interessantes Einsteiger-Notebook, die Presse ist begeistert. Gutes Display, nicht ganz schlank, aber leicht, und einen Kopfhöreranschluss gibt’s auch. Das Ding hat einen entscheidenden Nachteil, nämlich nur 8 GB RAM; was heute bei einem Rechner, mit dem man produktiv sein möchte, einfach ein wenig knapp ist. Bei 699,- Euro geht’s los, die Variante mit 512 GB SSD kostet 799,-. Ein Einwurf erreichte mich von Karl, der zu bedenken gibt, dass ein 2025 MacBook Air mit M4 und 16 GB RAM im Angebot seriös ab 860,- Euro zu haben ist. Da relativiert sich dann der für Apple-Verhältnisse günstige Preis schon wieder. - IKEA verkauft einen einfachen Bluetooth-Lautsprecher für 5,- Euro. Das wird soundmäßig nicht der große Wurf werden, eh klar, aber ich kenne genug Leute, denen das egal sein dürfte und für die so ein kleiner, einfacher Lautsprecher in seinem durchaus dezenten Design genau das Richtige ist.
- „Preise steigen, Löhne nicht: Deutsche haben seit Corona deutlich an Wohlstand verloren.„
- BaWü hat gewählt, den Hagelschaden abgewendet, das CDU-Ergebnis ist dennoch eine schallende Ohrfeige für
den Kanzler der Schande und der zweiten WahlMerz und seinen Adlatus Linnemann. Özdemir hat das Ding knapp geholt, das ist aber auch das Einzige, das positiv stimmt. Die SPD, sie musste um den erneuten Einzug in den Landtag bangen, indes ist tot. Der neue BaWü-Landtag ist sehr männlich und, bedenkt man, dass es dort keine einzige progressive Kraft gibt, und die AfD fast 19 Prozent geholt hat, auch rechts. - An dieser Stelle würde es auch eines Nachklapps der RLP-Landtagswahlen bedürfen, den spare ich mir an dieser Stelle, alles Wesentliche hierzu ist gesagt…
- …aber auf die Kommunalwahlen in Bayern und die Stichwahlen will ich, in aller Kürze, trotzdem noch einmal blicken. Da gibt es dann doch einiges Bemerkenswertes. Die CSU ist hierzulande ja leider „Platzhirsch“, allerdings beginnt dessen Geweih ordentlich zu bröckeln. Stimmenverluste, etliche an die Freien Wähler verlorene Bürgermeister- und Landratsposten, das alles zeigt die tiefe Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der CSU im Allgemeinen, aber eben auch Söder im Speziellen. Teilweise hatten die vermeintlich Christsozialen aber auch einfach ungeeignetes Personal in der Hoffnung aufgestellt, diese Leute würden aufgrund des richtigen Parteibuchs schon gewählt werden. Tempi passati. Die SPD hatte es in Bayern schon immer schwer, gegenwärtig stirbt sie selbst in einstmals sicheren Hochburgen einen langsamen und nicht minder qualvollen Tod. Die FDP ist bereits tot, was da an Mandaten „errungen“ wurde, ist so marginal, dass man es eigentlich auch gleich sein lassen könnte. Überraschend, dass die Linke in Bayern (sic!) nun auch abseits der großen Städte Fuß zu fassen beginnt. München hat einen grünen OB, das empfinde ich eigentlich immer noch als Sensation, in Nürnberg konnte sich König gehen Ahmet durchsetzen, letzterer erzielte trotz des Dahinvegetierens der SPD einen Achtungserfolg. Freudenstein konnte sich in Regensburg nicht durchsetzen, in Erlangen hat Florian Janik leider hauchdünn verloren, in Augsburg trug Freund von der SPD den Erfolg nach Hause. Traurig, dass Aschaffenburg verloren ging.
- Interessant ist, dass Söder hierfür, wen wollte es wundern, keinerlei Schuld bei sich sieht. Wer in den Kommunen antritt, das war immer Sache der CSU in den Kommunen. „Die Auswahl könne nicht nur in den Kommunen getroffen werden, sondern muss zumindest begleitet werden von hier aus“, meint Söder und erntet dafür heftige Kritik (Fefe hätte an dieser Stelle wohl „Die beste Demokratie, die man für Geld kaufen kann“ geschrieben).
- RIP, Jürgen Habermas.
- RIP, Phil Campbell.
- „twttr is a satirical art project and April Fools‘ joke. It is not a real social network and is not affiliated with, endorsed by, or connected to Twitter, X Corp., or any of their subsidiaries in any way. This project is a humorous homage to the early days of Twitter (circa 2006) — back when it was still called „twttr“ and microblogging was a wild new idea. It is intended purely for entertainment and nostalgia purposes. No trademark infringement is intended.“
Egal, Du findest mich auf https://twttr.eu/michi. - Ähm, twttr heißt nun chrrp. Wäre sonst markenrechtlich wohl schwierig geworden. Das Ding ist was für Nostalgiker und Nerds, ist aber binnen Stunden dem Aprilscherz-Status entwachsen. Also, Du findest mich auf https://chrrp.eu/michi.
- „Im Grunde saß Moskau bei jedem EU-Treffen mit am Tisch.“
- Die AfD will Radio Corax in Halle dichtmachen
- RIP, Alexander Kluge.
- Jens Spahn hat, das ist bekannt, die GKV an den Rand des Ruins getrieben. Die ist nun sanierungsbedürftig, und wie das vonstattengehen soll, das hat nun eine Kommission erarbeitet. Long story short: Weniger Leistung, höhere Beiträge. Aber es wurde auch die Erhöhung der Tabaksteuer, eine zusätzliche Besteuerung von Spirituosen und eine Zuckersteuer (nur auf Getränke, und das gestaffelt, inkonsequenterweise) vorgeschlagen. Wollen wir wetten, was nicht kommen wird? Klar: Die Zuckersteuer.
- Zum Thema „linke Gewalttaten“: „AfD-Mann gesteht, sein Auto selbst angezündet zu haben.“
- Ich bin mittlerweile fest davon überzeugt, dass das, was medial als „linke Gewalttat“ apostrophiert wird, in 95 Prozent der Fälle mit dem linken oder linksradikalen politischen Spektrum nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. Weder ich selbst noch mein Umfeld können davon berichten, je eine linke Gewalttat (abseits von Graffitis oder Stickerei oder Wildplakatiererei, aber sind das Gewalttaten? Eher nicht) beobachtet zu haben oder deren Opfer geworden zu sein. Die vermeintliche „linke Gewalt“ ist ein so marginales Phänomen, dass man getrost die absolute Mehrzahl der Berichte darüber als Nonsens in den Wind schlagen darf.
- Last but not least: Auf Aprilscherze verzichte ich hier selbstredend, diesem vermeintlich lustigen Brauch aus Urgroßvaters Humor-Mottenkiste mögen sich andere Medienschaffende hingeben.








