Ein chinesischer Minibeamer für deutlich unter hundert Euro – der mentech Projektor im Test
Vielleicht geht es Euch ja ähnlich wie mir: Einen Video-Projektor (ich rede jetzt mal ganz bewusst nicht von Datenprojektor) wollte ich schon immer, allerdings waren diese Geräte entweder qualitätsmäßig unterirdisch, oder aber klobig, laut, in der Regel bei guter Qualität aber eben vor allem eins: sauteuer. Immer wieder mal habe ich mir billige No-Name-Projektoren chinesischer Provenienz angeschaut, immer wieder bin ich aufgrund der bescheidenen Bildqualität von diesen Geräten abgekommen.
Aber inzwischen hat der technische Fortschritt selbst vor dem niedrigsten Preissegment nicht Halt gemacht. Die Zeiten, in denen ein akzeptabler Beamer nahezu unerschwinglich war und binnen kürzester Zeit neue Leuchtmittel, die zum einen recht kostspielig und zum anderen auch relativ schwierig zu tauschen waren, verlangte, scheinen vorbei – zumindest dann, wenn man bereit ist, gewisse Kompromisse einzugehen. Und weil jüngst im Wirtshaus das Gespräch darauf kam, ob die kleinen und günstigen Beamerchen eine echte Alternative zum Fernseher sind, nutze ich die Gelegenheit und schreibe hier mal meine Erfahrungen nieder.
Ich hatte in den letzten Wochen Gelegenheit, einen Vertreter der „Billigbeamer“-Gattung ausgiebig zu testen, es handelt sich bei meinem Exemplar um ein Gerät der Marke „mentech“, einem Anbieter, der vor allem bei Amazon auftritt und sich durch sein breites Angebot günstiger Zubehörteile für Balkon-Solaranlagen einen gewissen Ruf erarbeitet hat.
Besagte Firma hat hierzulande mehrere Modelle im Angebot, von denen zwei besonders ins Auge fallen: ein günstiges, mit nativer 1080er-Auflösung, das aber recht einfach ausgestattet und daher auch günstiger ist, und ein größeres „HD-Ready“-Modell mit einer nativen Auflösung von 720P mit besserer Ausstattung. Wenn man nach diesen Geräten googelt, muss man gut darauf aufpassen, welches Gerät einem angezeigt wird, denn vermarktet werden beide als “4K”-Projektoren. Ich empfinde das als reichlich irreführend, denn beide Geräte sind weit davon entfernt, 4K projizieren zu können, diese Angabe des Herstellers bezieht sich ausschließlich auf die Möglichkeit, dass diese Geräte 4K-Streams auf ihre jeweilige native Auflösung downscalen können. Relevant ist also allein die native Auflösung – die ist in der Artikelbeschreibung aber recht schnell herauslesbar.
Auch wenn mein Beamer von mentech ist, zahlreiche „Marken“ bieten ein quasi baugleiches Modell zu unterschiedlichsten Preisen an, diese Geräte unterscheiden sich in aller Regel nur durch den individualisierten Startscreen und die Versionsnummer von Android-TV (man sollte mit Verallgemeinerungen ja immer sehr vorsichtig sein und im technischen Bereich können vermeintlich marginale Abweichungen von Modell zu Modell einen durchaus substanziellen Unterschied machen – aber: Wer dieses Review des mentech-Projektors liest und dann ein optisch identisches und technisch zumindest sehr ähnliches Modell kauft, ist zumindest grob über Potenzial und Limitationen dieser speziellen Projektorgattung informiert).
An dieser Stelle wirft sich natürlich die Frage auf, inwieweit es heute noch sinnvoll ist, einen „HD-Ready“-Projektor zu kaufen. Und ich muss ehrlich sagen, dass sich diese Auflösung tatsächlich in Abhängigkeit davon, welches Filmmaterial man anschaut, nicht mehr ganz zeitgemäß anfühlt. Bei fotografischen Darstellungen der Projektionsqualität greifen Rezensenten wie Hersteller gleichermaßen gerne auf Zeichentrickmaterial zurück, weil hier die niedrige Auflösung noch am wenigsten unangenehm auffällt und satte Farben und hohe Kontraste die ein oder andere Unzulänglichkeit der Bildqualität kaschieren. Für die Wiedergabe von DVDs genügt die Auflösung dann auch, aber selbst, wenn man Fernsehbilder an die Wand wirft, kommen einem ob der geringen Auflösung schon erste Zweifel. Und Daten vom Laptop möchte man mit so einem Beamer nur im Notfall projizieren müssen.
Davon ab kann es aber schon spaßig sein, gemeinsam einen Film oder Fußball mit einer entsprechend großen Projektion zu schauen – der Raum muss halt abgedunkelt sein. Dazu aber später mehr.
Das Unboxing: In einer überraschend kompakten Faltschachtel werden neben dem Beamer selbst auch eine Fernbedienung, Netz- und HDMI-Kabel sowie eine mehrsprachige Bedienungsanleitung geliefert.
Schnell ist der Projektor ausgepackt und angeschlossen, und es kann losgehen. Bei der ersten Einrichtung ist der Beamer mit dem heimischen WLAN zu verbinden. Dann kann man optional einige Updates für die Apps und das auf dem Gerät installierte Android-System ziehen. Diese Einrichtungsprozedur dauert inklusive der Updates etwa eine Viertelstunde, dann ist der Projektor auch schon einsatzbereit. An der kurzen Updatezeit kann man sehen, dass die Software des Beamers bei der Auslieferung halbwegs auf dem neuesten Stand ist. Bei diesem eingebetteten Android stört es mich auch nicht, dass das relativ antike Android TV 11.0 installiert ist (die auch heute noch aktuelle Version ist Android TV 14, mit einem Update rechne ich für diese Hardware nicht).
Beim Booten des Beamers fällt auf, dass das Bild sofort da ist, der Bootvorgang wird durch das Einblenden einer Animation mit Sound kaschiert. Recht bald befindet man sich auf dem Startscreen, auf dem man default zwischen Netflix, YouTube, dem Mediaplayer, Einstellungen, dem Videoeingang über HDMI… wählen kann.
Das Android-11-System auf diesem Projektor läuft, sehr zu meiner Überraschung, nicht nur angenehm flüssig, sondern ist auch werbe- und weitestgehend bloatwarefrei, es sind halt die Apps gängiger Streamingdienstleister wie Disney+ oder Netflix installiert. Insgesamt überzeugt mich das System wegen seiner guten Performance. Damit hätte ich bei einem so kleinen und günstigen Gerät nicht gerechnet.
Bei den Specs fällt auf, dass Wi-Fi6 mit 2,4/5 GHz und Bluetooth nach dem 5.2-Standard angenehm aktuelle Werte sind. Das halte ich für erwähnenswert, weil beim günstigen Gerätepreis nicht an der Hardware gespart wurde, wohl aber an den Videoeingängen – denn es gibt nun mal einfach nur HDMI. Weder VGA noch analoge Anschlüsse sind vorhanden, abgesehen von einem analogen Audioausgang (3,5-mm-Klinke, Stereo). Das dürfte für die meisten Anwender auch vollkommen ausreichend sein, man muss es nur wissen. Der komplette Verzicht auf analoge Eingänge erklärt sich wohl aus dem Umstand, dass der Beamer Audio aller Quellen auf Bluetooth routen kann, das wäre bei einem analogen Signal sicher nicht unmöglich, aber doch in der Realisierung technisch aufwendig.
YouTube: Um YouTube komfortabel bedienen zu können, empfiehlt es sich, Handy oder Tablet im gleichen Wi-Fi wie den Beamer zu betreiben. Das Screensharing hat bei mir mit dem einmaligen Eingeben des TV-Codes über YouTube einwandfrei geklappt, dabei gibt der Beamer den Zahlencode vor, den man dann ins Handy tippt. Die Verbindung zwischen YouTube und dem Projektor läuft angenehm flüssig.
Kommen wir zum Wichtigsten, zur Bildqualität. Um es vorwegzusagen: Man darf erstens bei der halben HD-Auflösung keine Wunder erwarten (über Sinn und Unsinn dieser Auflösung im Jahre des Herren 2026 habe ich ja eingangs schon ein paar Gedanken formuliert, da kann letztlich nur jeder für sich entscheiden, inwieweit das den eigenen Bedürfnissen entgegenkommt) und muss zudem wissen, dass sich dieser Beamer nur in verdunkelten Räumen betreiben lässt, bei Tageslicht ist die Projektion nicht mehr sinnvoll erkennbar. Wenn man mit diesen beiden Punkten – HD-Ready mit einer nativen Auflösung von 1280x720P und der geringen Lichtstärke, einem Phänomen, das sich bei allen günstigen Beamern beobachten lässt, klarkommt, ist das Teil eigentlich ziemlich cool. Was der Projektor ganz problemlos kann, ist, 4K-Material so flüssig downzuscalen, dass es gut anschaubar ist. Ich habe auch mal 4K-Testbilder durchlaufen lassen, die Schärfe und die Farbtreue gehen dabei absolut in Ordnung.
Rein technisch gesprochen ist eine Diagonale von sagenhaften 3,20 Metern möglich, allerdings um den Preis eines relativ dunklen Projektionsbildes selbst bei nahezu komplett verdunkeltem Raum. Dennoch ein beachtlicher Wert, mit einem am Ende noch immer akzeptablen Ergebnis.
Mit der Bildschärfe hat dieser Beamer aber dennoch seine Probleme (es gibt aber auch eine Lösung!): Der Standbügel erlaubt es, den Neigungswinkel des Projektors in mehreren Stufen zu wählen. Je nach Abstand zur Leinwand/Projektionsfläche und dem gewählten Neigungswinkel korrigiert der Beamer automatisch die Trapezverzerrung und auch die Schärfe – das klappt hinreichend gut und prinzipiell feiere ich dieses Feature auch, denn ich hätte nicht erwartet, dass ein Beamer dieser Preisklasse über einen in Abhängigkeit vom Projektionswinkel und -abstand arbeitenden Autofokus verfügt. Allerdings gelingt es, je steiler der Neigungswinkel ist, in zunehmendem Maße nicht mehr, das gesamte Bild komplett scharf einzustellen. Das mag den sehr einfachen Kunststofflinsen mit ihrem doch eher kleinen Durchmesser geschuldet sein und funktioniert nur dann wirklich zufriedenstellend, wenn der Projektor wirklich kerzengerade zur Mitte der Projektionsfläche aufgestellt wird. Hierzu kann man entweder ein Projektionstischchen verwenden, oder aber der Standbügel des Beamers hat auch ein Stativgewinde (und da der Projektor insgesamt recht leicht ist, ist es auch problemlos möglich, den Projektor auf ein robustes Fotostativ zu stellen). Das Scharfstellen des Bildes wird durch einen jederzeit gut erreichbaren Fokusring erledigt, der mechanisch obendrein gut übersetzt ist – so wird das Scharfstellen des Bildes nicht zum Fingerspitzengefühl abverlangenden Geduldsspiel. Beim Aufstellen des Projektors muss man ein wenig tüfteln, dann liefert das Gerät aber gemessen an seinem Preis überraschend brauchbare Ergebnisse.
Zum Sound: Der Sound des Beamers ist mit dem eingebauten Lautsprecher erwartungsgemäß nicht übertrieben gut, aber immerhin bleibt Sprache halbwegs verständlich. Hält man sich die geringen Dimensionen des Geräts vor Augen, so ist der dünne und blecherne Sound kein Wunder. Um ihn zu verbessern, hat man im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: Entweder man schließt über den 3,5 mm Kopfhörer-Klinkenausgang ein Aktivlautsprecherpaar an oder man koppelt per Bluetooth einen entsprechenden Lautsprecher. Letzteres klappt ohne größere Probleme und angenehmerweise auch ohne wahrnehmbare Latenzen.
Lautstärke- und Wärmeentwicklung: Beides hält sich absolut im Rahmen. Freilich ist der Lüfter des Projektors zu hören, allerdings ist dieses Nebengeräusch für so ein kompaktes Gerät absolut akzeptabel, da kennt man echt Schlimmeres. Und auch die Wärmeentwicklung hält sich in eng überschaubaren Grenzen, der Beamer wird selbst nach einer Betriebsstunde bestenfalls handwarm.
Im Lieferumfang befinden sich nicht nur das Stromkabel für 230 Volt (Eurostecker), sondern auch ein HDMI-Kabel. Damit hat es eine Besonderheit auf sich: Beide Stecker der Kabel sind auf einer Seite abgewinkelt. Will man den Beamer auf seinem fest verbundenen Ständer nämlich um 180 Grad drehen, um z. B. ein Bild an die Decke zu projizieren, ist der Abstand zwischen Standbügel und Gerät so gering, dass normale Kabel in dieser Position nicht angesteckt werden können. Man sollte wissen, dass dann auch nur ein sehr flacher und abgewinkelter Stecker in der Kopfhörerbuchse stecken kann – ein solcher ist nicht im Lieferumfang enthalten und es dürfte auch schwer sein, hier ein passendes Audiokabel zu finden.
Zum Schluss möchte ich noch ein paar Worte über die Verarbeitung verlieren. Die ist, wen wollte es angesichts des niedrigen Preises wundern, freilich eher einfach. Das Gerät selbst besteht aus federleichtem Hartkunststoff, auch die Verarbeitungsqualität der Fernbedienung (ohne die sich der Projektor nicht bedienen lässt) ist ziemlich einfach. Dennoch funktioniert alles und ist zweckmäßig gestaltet.
An dieser Stelle bleibt ein Fazit zu ziehen: Dieser „runde“ Beamer wird freilich nicht nur von mentech geliefert, man bekommt ihn in diesen Tagen regelmäßig von unterschiedlichen „Marken“ bei diversen Händlern angeboten – zu Preisen zwischen 40,- und 100,- Euro. Wer die Angebote vergleicht, sollte unbedingt auf die native Auflösung achten, zudem darauf, nach welchem Wi-Fi und Bluetooth-Standard der Beamer funkt und welche Version von AndroidTV aufgespielt ist.
Unterwegs liefert der Projektor ein akzeptables Bild, das sich bei der Aufstellung durch Zentrieren des Beamers in der Bildmitte hinsichtlich der Abbildungsschärfe noch entscheidend verbessern lässt. Die nicht mehr ganz zeitgemäße „halbe“ HD‑Auflösung taugt zum Film- und Fußballgucken überall dort, wo man ein großes Bild haben möchte. Das in meinen Augen größte Manko dieses Beamers ist die niedrige Lichtstärke, die einen verdunkelten Raum absolut notwendig macht. Wer die Limitationen dieses Geräts kennt und mit ihnen umgehen kann, kann mit diesem Teil dennoch viel Spaß haben.




















