Monatsrückblick Februar 2026
Ja, ich gebe unumwunden zu, dass es gerade wesentlich ruhiger im Blog ist, als ich mir das wünsche. Nun gibt es aber ein Leben abseits des Internets – und das habe ich gerade zu Monatsbeginn sehr genossen. Eine wirklich fulminante, wenn auch durchaus komplexe Aufführung der Heiligen Johanna der Schlachthöfe am Schiffbauerdamm vermochte uns sehr zu beeindrucken, wir entdeckten Street-Art in Berlin und widmeten uns der bundeshauptstädtischen Kulinarik. Und dann muss man ja auch noch etwas arbeiten … Aber auch wenn es hier sonst stiller ist als üblich, auf einen kleinen Rückblick in den gerade vergangenen Monat möchte ich dann doch nicht verzichten.
- Der Monat Februar beginnt mit einigen Streiks bzw. Warnstreiks. Im ÖPNV ging es bereits am 2. Februar mit bundesweiten Streikmaßnahmen los, die ich persönlich in ihrer Durchführung als recht erfolgreich bewerten möchte. Auch die Landesbediensteten im öffentlichen Dienst streikten und „errangen“ so einen Abschluss, der sich leider überhaupt nicht sehen lassen kann. Ein paar wenige Prozente in drei Tranchen über 27 Monate wurden verhandelt, sie werden kaum in der Lage sein, die erwartbare Inflation zu kompensieren. Lediglich in den Bereich der Schichtzulagen kam ein wenig Bewegung.
- Der „plusminus“-Podcast verirrt sich nur selten in meine Playlist, diese Folge allerdings empfand ich als äußerst gewinnbringend: „Sale! Warum wir immer wieder auf Schnäppchen reinfallen“. Es lohnt, unseren irrationalen Bezug zum Geld mal näher zu betrachten. Freilich wird man sich mit dem Hören einer Episode wie dieser weder dauerhaft gegen die eigene Anfälligkeit gegen „Schnäppchen-Mechanismen“, noch gegen die unserem kapitalistischen Wirtschaftssystem inhärenten Absurditäten härten können, dennoch habe ich das mit größtem Interesse wahrgenommen und als Grundlage des Hinterfragens der eigenen Anfälligkeit für vermeintlich gute Deals herangezogen.
- Es ist weit mehr als ein handfester Skandal: Im Schulterschluss mit deutschen Vollzugsorganen geschah ja nicht nur die rechtsbeugende Auslieferung der Antifaschist*in Maja nach Ungarn, dort wurde sie nun auch, ohne jeden belastbaren Beweis wohlgemerkt, zu 8 Jahren Haft verurteilt. Die Analyse der Roten Hilfe mag auf den ersten Blick verhärmt wirken, bei näherer Betrachtung ist sie aber zweifelsfrei und glasklar korrekt: Das, was EU-Mitglied Ungarn da betreibt, ist rechtsextrem motivierter, staatlicher Justizterror. Ob sie nach dem Schauprozess in Budapest ihre Haftstrafe in Deutschland „verbüßen“ darf (sie wäre dann unmittelbar auf freien Fuß zu setzen), bleibt indes höchst ungewiss.
- Zum 125. Geburtstag Bertolt Brechts findet sich in der Zeitschrift Luxemburg ein knappes, lesenswertes Essay, das mit den Worten „Der Mensch, dessen grundsätzlicher Antikapitalismus für das Bürgertum so unbequem war, dass man ihn und sein Werk auszulöschen versuchte, bleibt lebendig und aktuell. Denn die Aufgabe, das Privateigentum an den Produktionsmitteln abzuschaffen, die Klassengesellschaft zu überwinden und eine neue Welt, in der der Mensch dem Menschen kein Wolf mehr, sondern ein Helfer ist, ist nach wie vor unverwirklicht“ schließt. Wohl gesagt.
- Im Januar habe ich ein wenig darüber gerantet, dass die Stadt Nürnberg bei Glatteis ihren Räum- und Streupflichten mittlerweile nur noch lückenhaft, ungenügend, nachkommt. Anfang Februar waren wir dann in Berlin, hier haben es der Senat unter Wegner und Konsorten scheinbar komplett aufgegeben, Gehwege freimachen zu lassen. Unter diesen Umständen war es auch nicht verwunderlich, dass die Bevölkerung kapituliert. Fußläufig kam man in jenen Februartagen in der Bundeshauptstadt nur in Tippelschritten voran, dasselbe erlebten wir eine Woche zuvor ja auch in Nürnberg. Das vom Berliner Senat ausgesetzte Streusalzverbot wurde gerichtlich wieder in Kraft gesetzt. Dabei gibt es, darauf machte mich ein enger Freund aufmerksam, eine umweltgerechte und funktionierende Lösung, aus einer Eisfläche wieder einen Gehsteig zu machen, auf dem man auch gehen kann: Kaliumformiat. Manches wäre mit „wissen“ und „wollen“ so einfach lösbar…
- RIP, Henrike Naumann.
- „Milchmilliardär Müller verklagt Campact wegen AfD-Äußerung“. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Müllermilchprodukte-Boykott schön langsam entsprechende Erfolge zeitigt, andernfalls würde man doch nach allem menschlichen Ermessen keine derartigen Empfindlichkeiten nach außen kehren.
- Leider hinter einer Paywall, aber dennoch gut anlesbar: „Unterkünfte für Wohnungslose: Zwischen Nothilfe und Geschäftsmodell“. Wenn die Kommunen für Obdachlose für einen Notschlafstellenplatz monatlich bis zu 1400 Euro bezahlen, ist nicht mehr nachvollziehbar, warum dann die Arbeitslosen- und Sozialhilfeträger nicht real anfallende Mieten für angemessene Wohnungen bezahlen wollen und Arme wegen 100 oder 200 Euro zu hoher Mieten in die Obdachlosigkeit drängen. Der Kapitalismus ist und bleibt ein Irrtum.
- Dass Kabelklang Unsinn ist, postuliere ich seit nunmehr wenigstens 25 Jahren. Vernünftige Signalkabel sind in einer guten Kette Pflicht, einerseits, um Kontaktfehler auszuschließen, andererseits, um vermittels guter Schirmung störende elektromagnetische Einstreuungen zu minimieren oder zu eliminieren. Wie recht viele seriöse Audiofreaks (ich schreibe bewusst nicht Audiophile) damit behalten sollten, zeigt nun ein Experiment: „In a blind test, audiophiles couldn’t tell the difference between audio signals sent through copper wire, a banana, or wet mud“. War das erwartbar? Nun, der sich verändernde Innenwiderstand der jeweiligen Kabelsurrogate ändert, konstant bleibend, ja erst einmal nicht die Qualität der Toninformation, sondern nur die Spannung des Signals (und das wohl auch nur in unerheblichem Maße, ich wusste nicht, dass Bananen ein ordentlicher Leiter sind, but well…). Ich bringe es mal auf einen anderen Nenner: So komplex sind Audiosignale nicht, dass es den Einsatz sündteurer Voodoo-Kabelage rechtfertigen würde. Ich erinnere mich daran, erst im vergangenen Sommer einmal auf einem 2k-Euro-DAC in optimiertem Hörraum den Versuch unternommen zu haben, Unterschiede zwischen dem ach so schlechten Spotify und seiner unzureichenden Kompression und den HiRes-Files von Tidal zu hören. Turns out: Kann man vergessen, selbst mit richtig teurem Equipment.
- Die fedimap ist zurück!
- Auch in Niedersachsen ist die AfD gesichert rechtsextrem. Wer konnte das nur ahnen?
- Und schwupps, schon isses passiert: einmal Streisand für 500, bitte! „Theo Müller verliert gegen Campact: Campact darf die AfD-Unterstützung des Müllermilch-Gründers weiter benennen“
- Vielleicht wundert ihr euch, warum ich noch nichts zur sog. Epstein-Affäre geschrieben habe (btw. ist das keine „Affäre“, sondern einer der größten Skandale der letzten 50 Jahre, um das mal in der nötigen Klarheit gesagt zu haben). Das liegt daran, dass ich noch ein wenig abwarte, wen es denn da alles so erwischt. Trump, die Clintons, Gates, das alles steckte man ja schon ohne tiefere Verwunderung an die Pinnwand. Der heutige Leak ist aber schon ein Leckerbissen: „Chef von Weltwirtschaftsforum Brende tritt zurück“.
- „Der Bundesverfassungsschutz darf die Partei vorerst nicht als gesichert extremistisch führen. Das entschied das Verwaltungsgericht Köln.“ Gut, das wird auch wieder in der nächsten Instanz fallen. Von „gesichter“ fällt man also zum „Verdachtsfall“ zurück. Solange das so ist, muss es unser Ziel sein, weiter alle AfD-Sympathisanten, Wähler und Mitglieder bedingungslos auszugrenzen, zu isolieren und, wo es nicht anders möglich ist, zu ignorieren. Keine Toleranz den Intoleranten, ohne Ausnahme.
- Am heutigen 1. März (und wieder am Ostersonntag) ist in Nürnberg der Digital Independence Day.








