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Wirtshaus-Explorer: Der offene Döner-Preiskampf hat begonnen.

Dieser Tage erst (ich habe es in der Papierzeitung gelesen, daher habe ich gerade keinen Link zur Hand), war im hiesigen Lokalblättla ein sehr interessanter Artikel zu lesen, in dem der Chef der inzwischen ja nicht nur in unseren Breiten expandierenden Imbisskette „Original Berliner Döner“ erläuterte, wie die hohen Dönerpreise zustandekämen. Er hob insbesondere auf den hohen Fleischpreis ab und rechnete vor, dass pro verkaufter Dönertasche nur ein geringer Gewinn von wenigen Cent übrigbliebe, der durch Kostensteigerung und andere Unwägbarkeiten eh ständig in Gefahr sei. Gewinn sei ihm zufolge nur zu machen, wenn man eben einen enorm großen Durchlauf generiert und gehalten bekommt – die Masse macht’s.

Er prophezeite, dass Dönerbuden, die ihren Imbiss wie vor zwanzig Jahren zubereiten, alsbald vom Markt verschwinden würden und es angesichts des Kostendrucks kein Wunder wäre, würde der Dönerpreis in wenigen Jahren auf 13, 14 oder gar 20 Euro ansteigen; in anderen Städten wie Frankfurt am Main wäre das schon heute der Fall.

Um es ganz offen zu sagen: Einen Döner für 13 Euro, das kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen. Der Döner war (mindestens bis zur Corona-Pandemie) immer ein billiger Imbiss, daran hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn manche selbsternannten „Dönerpioniere“ es geschickt zu verstehen wussten, mit einigen etwas ungewohnten Zutaten und einer schicken Ladenaufmachung dem eigenen Döner einen Touch von Mondänität zu verleihen und sich das über den Preis vergolden zu lassen. Auch wenn so ein Döner anders schmeckt und der Hype ungebrochen ist, darf man doch infrage stellen, wie lang die geneigte Kundschaft noch bereit ist, für den Alltagsimbiss neun bis zehn Euro auszugeben. Vor über einem Jahr habe ich mir darüber schon nicht allzu schwere Gedanken gemacht.

Im Oktober eröffnete dann in der Fürther Innenstadt eine Filiale des „Original Berliner Döner“. Eigentlich ein Ereignis unter vielen, das, für sich genommen, eigentlich keiner weiteren Erwähnung bedarf, aber dennoch Auswirkungen auf die Konkurrenzimbisse hatte. Die nämlich begannen, ebenfalls Zitronensaft und Granatapfelkerne in ihre Dönertaschen zu applizieren (warum auch nicht, kost ja quasi nix, und wenn der Kunde auf so ein Chichi steht, bitte), um am Edeldönerhype mitzuschnappen.

In der Nähe des Fürther Rathauses gibt es neben dem besagten „Edel-Döner“ wenigstens fünf weitere Dönerimbisse. Ich habe mich schon öfter gefragt, wie die sich in so engem Radius halten können und warum sie sich nicht gegenseitig kannibalisieren.

Nun scheint es, dass ich mit dieser Befürchtung recht behielt, denn die Luft muss dünner werden, denn: Der offene Döner-Preiskampf hat begonnen!

Dönertasche oder Dönerbox 3,50 Euro. Rathaus Döner Fürth

Der erste Imbiss wirbt inzwischen offensiv mit einem Kampfpreis für die Dönertasche: 3,50 Euro! Auch der Preis für den Dönerteller (7,50 Euro ohne, 9 Euro mit Getränk) kann sich sehen lassen.

Der eine Imbissbetreiber versucht also, seinen Döner „aufzubessern“, der andere, an der Preisschraube nach unten zu drehen. Freilich kann ich es letztlich nicht beweisen, aber mich beschleicht das Gefühl, dass solche Maßnahmen in Anbetracht der wohl zumindest als mächtig, wenn nicht gar übermächtig wahrgenommenen Konkurrenz ergriffen werden.

Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich an dieser Stelle einmal die aktuellen Dönerpreise verhandeln werde, zumal ich den Döner noch nicht probiert habe und damit nicht einmal sagen kann, ob er sein Geld wert ist (angemerkt sei aber, dass ich in diesem Imbiss schon öfter gegessen habe, war immer alles gut), aber der Trend stimmt mich zuversichtlich. Schlussendlich sollte sich jeder, der das möchte, bisweilen mal so eine Dönertasche leisten können, und bei den gegenwärtigen Dönerpreisen ist ja auch keine sinnstiftende Relation mehr vorhanden. Ob man jedoch darauf hoffen darf, dass damit die sich immer schneller drehende Dönerpreisspirale stoppen lässt, traue ich mich nicht zu prognostizieren. Aber es ist endlich einmal ein Pflock eingeschlagen, einer, der erdet.
Letztlich ist der Döner ein Fast Food, ein billiges Gericht, zwischen zwei Terminen auf der Straße aus der Hand gegessen. Auf seine Weise ist er nahrhaft, aber alles andere als wertvoll. Fett und Kohlenhydrate sind seine Hauptbestandteile. Einen Döner hypen zu wollen, kommt in etwa dem Unsinn gleich, den mancher Büdchenbetreiber vor fünfzehn Jahren betrieb, als er seine Currywurst mit Goldflittern bestreute und dazu eine Piccolo-Flasche halbseidenen Champagners reichte: reichlich affig. Dem Döner nun wieder ein demokratisches Preisetikett anzuheften, ist folgerichtig eine gute Tat, die manches wieder gerade rückt. Zumindest in Fürth.

Gerne hätte ich den Imbiss verlinkt, wie ich das am Ende meiner kulinarischen Streifzüge immer zu tun pflege, aber der Dönerimbiss hat leider weder eine Webseite, noch einen Google-Maps-Eintrag.
Rathaus-Döner Emin Fürth, Königstraße 78, 90762 Fürth. 

Monatsrückblick Januar 2026

Ich hoffe, ihr seid alle gut ins neue Jahr herüber und im neuen Jahr angekommen. Wir verbrachten den Jahreswechsel in Wien, besuchten eine wirklich fulminante Vorstellung am Burg- und am Akademietheater und ließen es uns auch sonst nach Kräften gut gehen. Muss man auch, denn schon zu Jahresbeginn gab es einen ganzen Haufen absurd schlechter innen- wie weltpolitischer Nachrichten. Darauf (und für den Monat Januar bedauerlicherweise auf wenig Erbaulicheres) blicke ich in diesem Monatsrückblick, der, bedingt durch Arbeit und Reisen, gerade etwas später an Euch ausgeliefert wird…

Welche Schlüsse ziehen wir aus dem gestrigen „Schneechaos“?

In den mittlerweile 18 Jahren der Existenz dieses Blogs habe ich ein paar wenige Male über den Winterdienst der Stadt Nürnberg gerantet und mir eigentlich vorgenommen, darauf in Zukunft zu verzichten.

In Nürnberg haben wir uns daran gewöhnt, dass der Winterdienst halbwegs funktioniert (und halbwegs auch nicht). Nebenstraßen werden kaum mehr geräumt, das ist nicht schön, aber hinnehmbar. Mit den Gehwegen vor öffentlichen Gebäuden musste man mithin etwas Geduld haben, aber irgendwann waren auch die freigeräumt. Das alles war vielleicht nicht optimal, aber im Großen und Ganzen akzeptabel. Es war einmal, das musste ich gestern lernen.

Der Schneefall am gestrigen 26. Januar aber hat die Infrastruktur der Stadt Nürnberg an vielen Punkten an die Grenze zur Dysfunktionalität (und mitunter auch darüber hinaus) getrieben. Am gestrigen Montag und am heutigen Dienstag fiel und fällt der Unterricht im Stadtgebiet komplett aus, die Straßenbahn verkehrt nicht, etliche Buslinien fahren ebenfalls nur unregelmäßig. Und der städtische Räumdienst? Der funktionierte ebenfalls kaum. Gestern war ich quasi den ganzen Tag in der Nürnberger Innenstadt unterwegs und musste mit Erstaunen feststellen, dass nicht nur auf das Schneeräumen vor Haltestellen und U-Bahnabgängen verzichtet wurde, sondern die Gehsteige vor öffentlichen Einrichtungen und Schulen kaum oder gar nicht geräumt waren. Das kannte ich bisher so nicht, und das können wir auch in Zukunft so nicht hinnehmen.

Der gestrige Wintereinbruch kam alles andere als überraschend, wurde von den Meteorologen präzise vorhergesagt. Der DWD schickte nicht nur Warnungen, sondern auch Erläuterungsvideos, die Wetterapps von Android und iOS warnten, und auch der fränkische Wetterochs informierte über den Schneefall, auch wenn er für unsere Niederungen „nur“ zehn Zentimeter Neuschnee prognostizierte.

Unabhängig davon müssen wir alle mit einem unumstößlichen Fakt umgehen: Wir befinden uns, auch wenn Rechtsextreme und leider auch viele Konservative das zu leugnen versuchen, nicht nur auf dem Weg zu einem umwälzenden, menschengemachten Klimawandel, wir sind schon heute von seinen unmittelbaren Auswirkungen betroffen. Und diese Auswirkungen machen freilich auch keinen Bogen um die Stadt Nürnberg. Auch wenn extreme Schneefälle in Zukunft wohl im Vergleich zu früheren Jahrzehnten seltener werden, werden sie, nach allem, was wir heute wissen, extremer. Darauf müssen wir uns vorbereiten – die Bürger genauso wie die Kommune.

Und genau die sehe ich in zunehmendem Maße immer weniger handlungsfähig. Es waren gestern nur wenige alte Leute auf den Straßen zu sehen, die mit den Schneemassen und der Glätte ihre Probleme hatten, wer irgend konnte, blieb zu Hause. Nein, mit den winterlichen Verhältnissen struggelten auch Menschen, die man gemeinhin als jung und fit bezeichnen würde, Kinder, Mütter mit ihren Babywagen.

Weder der VAG, noch dem SÖR möchte ich an dieser Stelle einen Vorwurf machen. Die Mitarbeiter kämpfen an solchen Tagen an allen Fronten. Gerade die VAG-Busfahrer, das haben wir unmittelbar erlebt, versuchten mit viel Einsatz und Geduld, die Engpässe bestmöglich aufzufangen. Dafür gebührt ihnen Dank und Anerkennung. Dass aber genau an den Stellen, die das Funktionieren der städtischen Infrastruktur gewährleisten müssen, die „Personaldecke“ so dünn ist, dass nach dem ersten Tag eines Wintereinbruchs nicht einmal vor öffentlichen Gebäuden die Fußgänger sicheren Fußes ihren Weg machen können, sollte uns schon aufrütteln. Seit Jahren sind die Streugutboxen im Stadtgebiet abgebaut, der Bürger, auch der ältere, soll selbst sehen, wie er seiner Streupflicht nachkommt. Wir sind als Stadt außerstande, wenigstens die Straßenbahngleise so weit schneefrei zu halten, dass wenigstens einige in einem weitmaschigen Not-Takt fahren können. Treppenabgänge und Rampen sind so spiegelglatt, dass sie nicht genutzt werden können. Während sich der Bürger in permanenter Gefahr sieht, die Haxen zu brechen, treibt Bürgermeister König und seine Konsorten von der CSU den völlig unnötigen, milliardenteuren Ausbau des Frankenschnellwegs voran, und versuchen mit allen Mitteln, Tatsachen für dieses Wahnsinns-Projekt zu schaffen. Wir leisten uns an historisch völlig ungeeigneter Stelle eine Opern-Interims-Spielstätte und wollen eine Bundesgartenschau im Stadtgraben abhalten. Es ist schlicht eine Frage der Prioritäten: Personal oder Prestigeprojekte?

Für alle Bürger wurde gestern offenbar, was wir von der Entscheidung zugunsten der Finanzierung von Prestigeprojekten haben. Dass diese Erkenntnis bis zum (baldigen) Wahltag anhalten wird, darauf wage ich indes kaum zu hoffen. Aber selbst einfache Maßnahmen können, dürfen und werden nicht mehr durchgeführt. An solchen Tagen wie gestern und heute gäbe es eine gute und gangbare, wenn auch nicht ganz umweltschonende Lösung: Streusalz.

Die Kommunen dürfen Streusalz nach eigenem Belieben selbst dann verwenden, wenn sie es dem Bürger per Vorordnung untersagen. Diese Situation empfinde ich zwar nicht als besonders gerecht, aber es würde zumindest etwas Abhilfe schaffen – doch selbst das passiert auf Gehwegen nicht mehr; man salzt nicht mehr. Dabei würde Salz selbst bei anhaltendem Schneefall nicht nur Bürgersteige, Fußgängerübergänge, Treppen und Rampen mindestens über viele Stunden vor Glätte schützen und gefahrlos begehbar halten, es würde so auch die Mitarbeiter des Winterdienstes entlasten. Und dieses probate Mittel sollte auch der Bürger einsetzen dürfen. Wenn zwei Tage am Stück der Unterricht ausfallen muss, keine Straßenbahn mehr fahren kann, alle Wege spiegelglatt sind und die kommunalen Eigenbetriebe mit dem Schneeräumen nicht mehr hinterherkommen, wenn die Müllabfuhr nicht mehr fahren kann und die Friedhöfe geschlossen bleiben müssen, wenn dem Bürger wohnortnah zudem keine Streumittel über die Boxen zur Verfügung gestellt werden, wie kann man dann dem Bürger verbieten, Streusalz zu verwenden? Das ist schlicht nicht vermittelbar.

Gleichwohl wird in der Winterdienst-Broschüre des Eigenbetriebs SÖR der Einsatz von Streusalz dem Bürger kategorisch untersagt:

Verwenden Sie umweltfreundliches Streumittel. Der Einsatz von Salz auf öffentlichen Gehwegen ist grundsätzlich verboten.

Klar: Im Übermaß verwendetes Streusalz ist für die Umwelt schädlich, denn es belastet gewegnahe Pflanzen und auch straßennahe Bäume. Zudem belastet es Gewässer und kann auch in den Kläranlagen problematisch sein, wenn sich im Tauprozess Spitzenkonzentrationen bilden. Und auch für Haustiere ist es wenigstens unangenehm. Auf der anderen Seite tritt selbst bei sehr sparsamer Anwendung ein guter Taueffekt ein, der sogar mehrere Tage anhalten kann, selbst dann, wenn es weiterschneit. Wenn man dann noch in die Betrachtung einfließen lässt, dass die schneereichen Tage in den letzten Jahrzehnten immer weniger wurden, und die Vorteile gegen die Nachteile abwägt, spricht von der Warte der Vernunft betrachtet nur wenig gegen einen Streusalzeinsatz mit Augenmaß. Sowohl seitens der Kommunen als auch vonseiten der Bürger.

Mit Einsetzen der Schneeschmelze und Wetterbesserung wird auch diese Malaise schnell vergessen sein. Es wäre dennoch wünschenswert, würde die Stadtgesellschaft aus den Ereignissen der letzten beiden Tage einige Lehren behalten. Eine bessere personelle Ausstattung der städtischen Eigenbetriebe ist keine illusorische Forderung – im Bedarfsfall muss die Stadt handlungsfähig sein und bleiben. Das kostet Geld, Geld, das hier allerdings weitaus besser angelegt ist, als in städtischen Prestigeprojekten oder dem nackten automobilideologischen Rohrkrepierer „Kreuzungsfreier Frankenschnellwegsausbau“. Das ist letztlich eine Frage des politischen Willens. Auch der Bürger muss im Winter die Möglichkeit haben, Gehwege nach dem Räumen mit Taumitteln zu streuen. Allein die Rücksichtnahme auf Fußgänger, die schwächsten Verkehrsteilnehmer, macht das erforderlich. Der ÖPNV ist das verkehrliche Rückgrat der Stadt. Ein Schneefreihalten der Straßenbahngleise muss ebensoviel Priorität genießen, wie das Beräumen der Verkehrsstraßen.

Die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung – ein aus Hass und Lüge geborenes, konservatives Projekt

Der Wochenanfang im politischen Berlin begann äußerst irritierend. Angesichts zahlloser wirklich drängender Krisen im In- und Ausland mussten wir von Bundeskanzler Friedrich Merz dem Kanzler der Schande und der zweiten Wahl vernehmen, dass der Krankenstand in Deutschland viel zu hoch sei. In der Merz‘ so eigenen ausnahmslosen Empathielosigkeit verbreitete er diese Lüge gerade auf dem Gipfel der Grippesaison. Und einen Schuldigen hat Merz freilich für den (zwar nicht existenten, von ihm aber herbeihalluzinierten) hohen Krankenstand freilich auch: die telefonische Krankschreibung.

Interessant: In Deutschland sind die Fehltage von Arbeitnehmern und Beamten im Mittel nur minimal, quasi in vernachlässigbarem Umfang, gestiegen. Die Recherchen von correktiv zeigen zudem, dass der Krankenstand der Deutschen im europäischen Vergleich bestenfalls im Mittelfeld liege. Die in Vergleich über die Jahre zustandegekommenen marginalen Steigerungen liegen einfach an der in der Fläche eingeführten elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung – hier werden inzwischen alle AU-Kranktage erfasst, was beim vorher analogen Verfahren mit dem „gelben Schein“ nicht lückenlos der Fall war.

Der gemessene Anstieg der Krankheitstage geht, zugrunde gelegt werden Zahlen seit 2021 bis heute, besonders auf Infekte der Atemwege zurück. Das ist für einen durchschnittlich vernunftbegabten Menschen auch sehr einfach erklärlich: 2021 steckten wir mitten in einer Pandemie, der Corona-Pandemie. Corona war und ist primär eine Atemwegsinfektion. Eine Pandemie ist eine zeitlich zusammenhängende starke Ausbreitung einer Krankheit mit hohen Krankheitszahlen. Wer in der Lage ist, die Tageszeitung richtigherum zu halten, weiß das alles und kann insofern auch entsprechende Rückschlüsse ziehen: Aha, in einer Corona-Pandemie gibt es also verstärkt Krankschreibungen wegen Atemwegsinfektionen – dieser logische Zusammenhang erschließt sich so ziemlich jedem Zeitgenossen. Außer Friedrich Merz. Der ist sehr offensichtlich komplett außerstande, selbst einfachste Zusammenhänge zu erkennen. Für Friedrich Merz nämlich hängen die, wie auf den Webseiten der Tagesschau zu lesen ist, lediglich moderat höheren Krankheitstage nicht an der Art der Erfassung, nicht an der Corona-Pandemie, sondern – Achtung! – an der Möglichkeit der telefonischen Krankschreibungen. Das ist natürlich völliger Unsinn. „Die empirische Auswertung deute darauf hin, dass die Bedeutung der telefonischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung mit einem Anteil von jährlich 0,8 bis 1,2 Prozent an allen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen für die Gesamtentwicklung der AU-Fälle sehr gering ist.“

Ich kann es leider nicht mehr anders sagen: Ich schäme mich zutiefst, einen so unfähigen Mann wie Friedrich Merz als Bundeskanzler haben zu müssen. Merz ist eine so eklatante Fehlbesetzung, ich bin tagtäglich fassungslos, dass so etwas überhaupt möglich ist. Freilich, das Schleifen der telefonischen Krankschreibungen ist lediglich der erste Schritt, dann wird der Kanzler der Schande Merz versuchen, die Axt an die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall anzulegen. Ich habe es schon öfter gesagt: Der deutsche Konservativismus befindet sich gegenwärtig in der schwersten intellektuellen Krise seit Ende des Zweiten Weltkrieges, das alles nimmt mittlerweile längst idiokratäre, trumpeske Züge an, und ein Ende dieser Durststrecke ist nicht abzusehen.

Die Merzsche Forderung nach Abschaffung der telefonischen Krankmeldung, Warken ist, man hat ja, um ehrlich zu sein, auch gar nichts anderes erwartet, auch auf diesen Zug ins intellektuelle Nirgendwo bereitwilligst aufgesprungen, geschieht selbstverständlich wider besseren Wissens. Mit guten Argumenten warnt seit jeher der Hausärzteverband vor der Abschaffung.

Die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung entlastet die Ärzte, durchbricht Infektionsketten, reduziert Bürokratie und hilft den Patienten, die sich nicht geschwächt zum Arzt schleppen müssen, bei einer rascheren Genesung. Ein Gewinn – für ausnahmslos alle. Und vielleicht schützt sie auf diese Weise sogar vor dem gefährlichen und nicht zu Unrecht gefürchteten Präsentismus, einem Phänomen, das jährlich wirtschaftliche Milliardenschäden verursacht.

Schätzungen gehen davon aus, dass ein grippekranker Mitarbeiter, der zuhause bleibt, das Unternehmen 1200 Euro pro Jahr kostet; ein Mitarbeiter, der trotz Krankheit weiter zur Arbeit erscheint, kostet das Unternehmen jedoch wegen der Leistungseinbußen sogar 2400 Euro. Dieser Wert multipliziert sich durch die Ansteckung von Kollegen.

Die telefonische Krankschreibung ist etwas rundheraus Gutes. Kein Wunder, dass Merz ein so großer Feind dieses Instruments ist. Denn es kann eines nicht bedienen, was Merz durchgängig bedient: Hass auf Schwächere. Merz sät, fein dosiert und in mehr oder weniger feine Sätze gewandet, unentwegt Hass gegen Schwächere. Und Kranke sind Schwächere, selbst dann, wenn sie „nur“ einen grippalen Infekt haben. Der Arbeitgebermär, Arbeitnehmer würden die telefonische Krankschreibung dazu missbrauchen, sich ein paar Extra-Urlaubstage auf Krankenschein mit einem simplen Telefonat rauszuzocken, ist eine institutionale Misstrauensbekundung gegen alle Menschen, die unseren Reichtum schaffen – die Arbeiter und Angestellten.

Diese Mär ist freilich das Schmiermittel der Merz’schen Hassmaschine. Und sie ist freilich, sich der konservativen Denkrichtung unterordnend, ein Baustein auf dem Weg zur Beschneidung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Jeder weiß, dass durch die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung kein einziger Fehltag verhindert werden kann, ja, im Gegenteil: Durch die neuen Infektionsketten werden dann sogar noch zusätzliche Fehltage entstehen. Und dann muss eine echte Konserve schärfere Mittel im Kampf gegen das Drückebergertum auffahren – die Lohnfortzahlung muss gestrichen werden. Dass sich durch solche von Hass geborenen Angriffe auf das soziale Miteinander der Faschismus vortrefflich in seiner Ausbreitung fördern lässt, wird mindestens billigend in Kauf genommen.

Monatsrückblick November 2025

Wusstet ihr, dass es einen „No Nut-November“ gibt? Nun, wahrscheinlich wusstet ihr das, ich als völlig unbedarfter und unverdorbener Mensch wusste das natürlich nicht – bis vor ein paar Tagen. Dieses „NNN“-Social-Media-Ding wurde wohl als Spaß und Verarsche Satire auf die US-amerikanische Bigotterie gestartet, aber Faschos und evangelikale Nixblicker sowie andere Moralapostel sind auf den rollenden Zug aufgesprungen. Da habe ich auch kein Mitleid, die verdienen es nicht besser. Ein „No Nazi November“ wäre mal wirklich dringlich, na ja, Antifa bleibt eben Handarbeit.
Ein sehr kleines Mastronauten-Treffen hatten wir dann auf dem GoHoHo-Adventszauber. Wirklich ein schöner Stadtteilweihnachtsmarkt, keine Touri-Durchschiebe, wie wir sie vom großen Markt unserer schönen Weihnachtsstadt sonst gewohnt sind.

Ihr habt sicher gemerkt, dass dieser Monatsrückblick recht spät gekommen ist – und leider kann ich Euch für den Dezember 2025 keinen sinnstiftenden Rückblick anbieten, weil mir einfach im Dezember aufgrund vielfältiger Verpflichtungen die Zeit fehlte. Ich hoffe, im neuen Jahr wieder ein wenig mehr Muße für den Rückblick zu finden.

Wirtshaus- Explorer: Neueröffnung der Pizzeria Americano FA am Rennweg

Pizza, Pasta, Salate. Klassisch, fair bepreist, no frills. Das ist die „Pizzeria Americano“. Ursprünglich „nur“ eine kleine Bude in der Trierer Straße in Langwasser (nicht zu verwechseln mit der Pizzabude „Pizza Americana“ gegenüber des Z-Baus/Südkaserne), die aber Kultstatus genießt, haben die Betreiber nun auch ein Restaurant in der Nürnberger Nordstadt eröffnet – direkt am Rennweg. Nachdem in diesem Jahr im Viertel bereits die Pizzaimbisse „La Vita“ und „Amalfi“ geschlossen haben, ist die Neueröffnung eine dankbare Ergänzung der Wirtschaftsgeografie in Rennweg und Veilhof.

Pizzeria Americano FA, Rennweg

Über rund vierzig Sitzplätze auf zwei Ebenen verfügt das helle, klar gestaltete Restaurant. Im architektonisch markanten Spitzbau aus den 1960er-Jahren, in dem sich in den letzten Jahren kein Restaurant so lange halten konnte, bietet das Team um Faruk Abdi klassische „amerikanische“ Pizza mit dichtem Teig und ordentlich Käse an. Ein Gegenentwurf zum Steinofen, zu lange gegangenen Sauerteigen und frittierter Pizza. Das „Americano“ hat ein Pizzenangebot, das uns Kids der 1980er- und 1990er-Jahre in die Kindheit und Jugend zurückversetzt. Alles handwerklich toll und solide gemacht, ohne Chichi, präsentiert sich eine einfache und gute Pizza.

Hell und freundlich sind nicht nur das Restaurant, sondern auch der zügige und verbindliche Service. Am Eröffnungstag kosteten wir diverse Salate, bunt und frisch mit angenehmem Dressing, diverse Pizzen sowie Bruschetta mit Burrata und Antipasti.
Und so besuchten wir das neue Restaurant einige Tage später. Die Pizzen sind reichlichst belegt, saftig und schmecken ganz hervorragend.

Im Americano schenkt man Flaschenbier von Mönchshof aus. Man sitzt gut in der Pizzeria Americano und wird bei einem Besuch auch nicht arm, orientieren sich die Preise doch an denen des Langwasseraner Imbisses. Insgesamt sind wir angetan vom neuen gastronomischen Angebot im Stadtteil und freuen uns, dass das Americano auch das prägnante Eckhaus am Rennweg „wiederbelebt“.

Pizza Americano FA, Ludwig-Feuerbach-Straße 3, 90489 Nürnberg. Telefon 979 225 24

Nürnberger Lebkuchen – wer ist der Beste unter den Besten?

Diesen Post, darum möchte ich bitten, möget Ihr, liebe Leserinnen und Leser, nicht allzu ernst nehmen, behandelt er doch ein Thema, das eine allzu große Gravitas kaum verdient. Auf der anderen Seite – cum grano salis – birgt es doch das Potenzial, die Nürnberger Volksseele zum Kochen zu bringen. Alle Auswärtigen (darunter zähle ich auch die Fürther) möchten zudem bitte auch über meinen Lokalpatriotismus in Milde und Güte hinwegsehen.

Es geht um den Nürnberger Lebkuchen. Und ein so edles Gebäck von Rang und Stand, von so nobler Herkunft, verträgt keinen Spaß.

Der Nürnberger Elisen-Lebkuchen ist in der Tat etwas ganz Besonderes. Hergestellt werden darf er nur im Stadtgebiet unter teils strenger Überwachung, seine Bestandteile und vor allem Nicht-Bestandteile sind im Deutschen Lebensmittelbuch genauestens geregelt, zwei unabhängig voneinander arbeitende Schutzverbände wachen akribisch über die Einhaltung der traditionellen Regularien. Bei so viel Reglement möchte man auf die Idee kommen, der Nürnberger Elisen-Lebkuchen sei ein weitgehend generisches Produkt – doch weit gefehlt! In den Feinheiten von Konsistenz, Rezeptur und Würzung, Backdauer und Backtemperatur trennt sich die Spreu vom Weizen (letzterer darf gemahlen nur zu zehn Prozent im Gebäck enthalten sein, ein qualitätvoller Lebkuchen enthält aber grundsätzlich gar kein Getreidemehl).

Wie viele Lebküchner es in Nürnberg gibt, war mit einer mittellangen Recherche nicht zweifelsfrei auszumachen. Neben einer Handvoll industrieller Großbetriebe produzieren in Nürnberg etliche mittelständische Lebküchnereien und vor allem viele bestbeleumundete Handwerksbetriebe diese köstliche Königin des Backwerks. Man muss in Nürnberg, auch wenn der Franke das gemeinhin gerne tut, sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Nicht allein geschmacklich, sondern auch den Einsatz hochwertiger Rohmaterialien betreffend, ist der feine Nürnberger Elisen-Lebkuchen unbestritten das beste Weihnachtsgebäck – weltweit, wohlgemerkt. Und daher genießt er, auch das ist keine Übertreibung, mit Fug und Recht Weltruhm.

Angesichts der vielen Produktionsbetriebe in Nürnberg und angesichts der vielen Superlative, die der feine Elisen-Lebkuchen kaiserstädtischer Herkunft in sich zu vereinen weiß, ist die Frage nach dem Besten unter den Besten selbstredend eine ernste Angelegenheit.
Und ein veritabler Streitpunkt in Nürnberger Familien. Denn die bevorraten sich, sofern sie ähnlich lokalpatriotisch aufgestellt sind, wie der Autor dieser Zeilen, zur Weihnachtszeit mit etlichen Kilogramm Elisen aus der von ihnen nach langem Probieren und Abwägen zum Hoflieferanten auserkorenen Lebküchnerei. Zehn, dreißig, fünfzig Elisen-Lebkuchen darf man in Nürnberg noch unbescholten in die Kategorie „Eigenbedarf“ einordnen.

Kommen wir zurück zur ernsten Frage: Wer backt den besten Nürnberger Lebkuchen? Diese hochumstrittene Frage stellt sich jedes Jahr zur Weihnachtszeit. Es ist, das ist einfach zu sagen, sehr schwierig zu sagen. Selbst der renommierte Falstaff drückt sich um die Antwort und präsentiert lediglich eine Auswahl, auch die offizielle Webseite der Stadt Nürnberg möchte sich nicht festlegen. Das inzwischen leider nicht mehr aktualisierte „Nürnberg und so“-Blog war weiland etwas mutiger und kürte 2014 letztmalig die besten Lebkuchen, damals hatte Rainer Nusselt die Nase vorn, äußerst knapp gefolgt von Holger Düll und den Lebkuchen der Konditorei Witte. Im Vorjahr waren die Lebkuchen der Familie Düll Spitzenreiter. Doch seit über zehn Jahren hat sich an das heikle Thema niemand mehr herangewagt – bis zum heutigen Tage. Denn nun hat unsere Lokalzeitung den in einer Umfrage ermittelten Sieger bekannt gegeben. Wer das ist – dazu später mehr.

Im hiesigen Pressehaus hat man reichlich Erfahrung mit Votings um Bestenplätze. Der Verlag Nürnberger Presse suchte schon den besten Döner der Stadt, die beste Pizza der Stadt und das beste fränkische Bier (der Region). Die Abstimmung steht nicht nur den Abonnenten der beiden Zeitungstitel des Hauses offen, im Prinzip kann jeder, der möchte, daran teilnehmen. Das erhöht freilich die Größe der Stichprobe. Ob man damit allerdings ein möglichst unbeeinflusstes Ergebnis ermitteln kann, dahinter darf man getrost ein vorsichtiges Fragezeichen setzen. Als geneigter Leser konnte ich mich in der Vergangenheit schon mehrmals nicht des Eindrucks erwehren, dass das Voting nicht von tatsächlich im Volke sorgsam abgewogenen Qualitätseindrücken dominiert war, sondern von dem gewonnen wurde, dem es per Online- und Social-Media-Marketing am besten verstand, seine Fans zur Stimmabgabe zu bewegen.

Ob dieser Eindruck sich wirklich bestätigt und ob das beim Lebkuchen-Voting auch eine Rolle gespielt hat, das kann ich mit letzter Sicherheit nicht sagen. Vielleicht war es auch ganz anders.

Der Lebkuchen ist ein Traditionsprodukt. Freilich gehen viele Lebkuchen in den Versand, die Firma Lebkuchen Schmidt, ein großer Industriebetrieb, macht einen Gutteil ihres Umsatzes über das Versandgeschäft. Der Nürnberger selbst allerdings kauft seine nicht-industriell gefertigten Lebkuchen vor Ort. Wer hier, an Theke und Kasse, durch ein geschicktes Verkaufsgespräch seine Kunden zur Abstimmungsteilnahme motiviert bekommt, der hat wenigstens die halbe Miete eingespielt.

Witte Spezialitäten, Fürth

Witte Spezialitäten, Fürth

Dieser Tage fand ich mich, es ist der Jahreszeit und meiner Naschlust geschuldet, an drei Lebkuchen-Verkaufstheken wieder: der der Lebkucherei Düll in der Mathildenstraße, der der Lebküchnerei Pia und Bernhard Woitinek in der Peter-Henlein-Straße und auf dringende Empfehlung eines Freundes auch an der der Konditorei Witte in der Gründlacher Straße (in Fürth! Gut, dass ich Protestant bin, andernfalls hätte ich das jetzt beichten müssen).

Mein Besuch in den Häusern Düll und Witte lief so, wie man sich den Besuch in einer Bäckerei oder in einem Lebensmittelgeschäft gemeinhin vorstellt. Nach Betreten des Ladenlokals äußerte ich meine Wünsche, bekam Lebkuchen ausgehändigt, bezahlte und ging. Bei der Lebküchnerei Woitnek in der Peter-Henlein-Straße lief es im Prinzip genauso, zwischen der sehr freundlichen Verkäuferin und uns entspann sich aber ein interessanter Dialog, den ich hier nicht vollständig wiedergeben kann, der aber mehrere spannende Informationen enthielt. Beim Bezahlen wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass gerade ein großes Voting der NN liefe und man sich sehr freue, wenn man für die Woitinek-Lebkuchen stimme. Ein entsprechender Hinweiszettel mit QR-Code auch zur Google-Bewertung, war am Verkaufstresen angebracht.

Verkaufsraum der Lebküchnerei Woitinek in der Peter-Henlein-Straße

Verkaufsraum der Lebküchnerei Woitinek in der Peter-Henlein-Straße

Ich erfuhr zudem, dass es zwei Woitineks in Nürnberg gibt (den Lebküchner und den Bäcker), durfte den Laden für den Artikel fotografieren und bekam zudem die Information, dass man bei Woitinek auch glutenfreie Lebkuchen aus eigener Herstellung anbietet.

Nun ist es leicht vorstellbar: Wer einen gut laufenden Laden mit hoher Kundenfrequenz betreibt, dort auf das Voting gut sichtbar hinweist und zudem proaktiv seine Kunden bittet, an der Abstimmung teilzunehmen, der wird sich auf diesem direkten Wege möglicherweise sogar entscheidende Stimmanteile sichern können. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Wer das Voting als Baustein seines eigenen Marketings erkennt und sich entsprechend engagiert, darf auch den Erfolg ernten. Spannend allerdings ist, dass man es mit den Lebkuchen in Nürnberg scheinbar bierernst meint. So gibt das Pressehaus in dem oben verlinkten Artikel bekannt:

Leider mussten wir feststellen, dass unsere Umfrage technisch manipuliert worden ist. Die Bot-Attacken hatten in den vergangenen Tagen massiv zugenommen, sprich: Computerprogramme gaben automatisiert und im großen Stil Stimmen ab. Am Ende mussten wir über 1000 ungültige entfernen. Fair Play geht anders.

Da kann ich nur staunen. Ein Lebkuchen-Voting ist ja im Grunde ein Gag und genauso wenig ernst zu nehmen wie ein Bier-Voting oder ein Pizza-Voting. Welches Produkt jetzt das beste ist, lässt sich damit kaum ermitteln. Denn so wie es gut und gerne dreißig unabhängige Bäckereien mit eigenen Lebkuchen und Lebküchnereien in Nürnberg gibt, gibt es in der Noris hunderte Pizzerien, in Franken aberhunderte Brauereien. Kein Bürger wird den Direktvergleich von dreißig Elisen-Lebkuchen, hunderten Pizzen oder sechs-, siebenhundert Bieren haben (auch wenn das zweifelsohne schön wäre). Es ist wie in der Politik: Der Bürger wählt, was er namentlich kennt, mit etwas Glück sogar das, was er zu mögen meint. Dass man bei so einem, freilich bedingt auch marketingtauglichen, Spaß ernsthaft den Aufwand einer technischen Manipulation betreibt, ist mindestens irritierend. Da nimmt also jemand das Ding mit den Lebkuchen tatsächlich bierernst.

"Kleines Elisen-Seidla" Schanzenbräu x Wicklein Nürnberg

„Kleines Elisen-Seidla“ Schanzenbräu x Wicklein Nürnberg

Das mit dem Bierernst, das möchte ich am Rande, „off topic“ anmerken, kann man in diesen Wochen ganz praktisch probieren. Die Brauerei Schanzenbräu hat in Zusammenarbeit mit Wicklein ein „Elisen-Seidla“, ein Biermischgetränk aus Hellem und Lebkuchen-Gewürztee, herausgebracht, das zumindest interessant schmeckt. 0,33 Liter kosten recht stolze 4,- Euro.

Zurück zum Voting. Das hat die Lebküchnerei Woitinek in der Peter-Henlein-Straße, deren Produkte nicht mit den Lebkuchen des Bäckers und Bruders Wolfgang Woitinek in der Saarbrückener Straße (Luftlinie etwas mehr als vier Kilometer) verwechselt werden dürfen, mit einem Vorsprung von 250 Stimmen vor Rainer Nusselt gewonnen. Witte, Düll und Der Beck (?!) machen den dritten, vierten und fünften Platz. Woitinek gönnt man den ersten Platz. Der Bäckermeister ist bemüht, trotz massiv gestiegener Haselnuss- und Kakaopreise den handwerklich gemachten Lebkuchen nicht zu einem Luxusartikel werden zu lassen, der Fünferpack kostet auch in diesem Jahr noch immer unter zehn Euro.

Im Prinzip ist es aber völlig egal, wer das Voting gewonnen hat, denn man kann schlicht und ergreifend nicht den besten Lebkuchen bestimmen. Und den besten Lebküchner auch nicht. Deren Produkte sind, analog zu den Geschmäckern der Kundschaft, völlig unterschiedlich. Manche Lebküchner backen ihre Lebkuchen sehr fein, bei anderen ist der Teig durch die Nüsse eher grob, einige backen den Lebkuchen auch ganz bewusst stückig-spundig. Mindestens genauso wichtig sind die verwendeten Gewürze. Der eine bevorzugt eine dominante Zimtnote, ein anderer Lebkuchen ganz ohne Zimt. Mancher Lebkuchen hat eine sehr vordergründige, weihnachtlich-warme Würzung, ein anderer wiederum ist nur sehr zurückhaltend gewürzt und lässt den Nuss- und Mandelaromen den Vortritt, der nächste wiederum schmeckt vordergründig vor allem mazipanig-weich. Welcher soll nun der beste sein?

Mit dem Voting hat das Pressehaus aber allen Lebküchnern der Stadt einen Dienst erwiesen – zeigt es doch die unglaubliche Vielfalt des Lebkuchens, seine tiefe Verwurzelung in seiner Heimatstadt und seine kompromisslose Güte. Was wäre die Vorweihnachtszeit ohne Lebkuchen? Eben.

Nun bleibt eigentlich nur eine Frage offen: Welcher ist der Lieblingslebkuchen des Autors dieser Zeilen? Ich drücke mich um eine Antwort, auch, weil wir immer mal wieder Neues ausprobieren. Soviel sei aber gesagt: Die kräftig-spundigen Lebkuchen der Bäckerei Düll sind bei uns ganz weit vorn. Sehr gerne essen wir auch die wesentlich teigfeineren und zurückhaltender gewürzten Mirus-Lebkuchen. Auch die Lebkuchen von Woitinek aus der Peter-Henlein-Straße schmecken hervorragend. Angenehm weich, kräftig gewürzt und dennoch nicht zu süß. Und in diesem Jahr haben wir auch die Lebkuchen von Bäcker Wolfgang Woitinek für uns entdeckt, sie sind geschmacklich sehr fein abgestimmt und ebenfalls wunderbar zart. Erstmalig haben wir in diesem Jahr auch Witte gekostet – es gibt immer was zu entdecken!

Kleines Mastronautentreffen auf dem Goho-Adeventszauber-Weihnachtsmarkt

Leider schaffen wir es, wie im letzten Monatsrückblick ja schon angekündigt, nicht, in diesem Jahr ein weiteres größeres regionales Mastodon x Bluesky-Usertreffen zu organisieren.

Damit wir uns aber nicht ganz aus den Augen verlieren, wollen wir uns spontan in kleiner Runde treffen, und zwar am kommenden

Mittwoch, den 19. November 2025
ab 18 Uhr auf dem Goho HoHo-Weihnachtsmarkt
an der Adam-Klein-Straße, Kirchplatz Dreieinigkeitskirche
90429 Nürnberg.

Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Wer Zeit und Lust hat, kommt einfach vorbei.
Der Weihnachtsmarkt ist nicht allzu groß, wir werden uns also erkennen und zusammenfinden.

Wir sehen uns am Mittwoch zu Glühwein, Glühbier, Bratwurstweggla… in vorweihnachtlicher Atmosphäre!

Herzlichst, Karl & Michi

Wirtshaus-Explorer: Salto Pastawerk Fürth

Seit einem guten Jahr residiert in der Fürther Ludwig-Erhard-Straße, schräg gegenüber des umstrittenen Erhard-Kanzlermuseums, ein gastronomisches Kleinod. Im Haus Nummer 13 mit dem wunderschönen Treppengibel, in dem man einst den Burger-Imbiss „Mam Mam“ vorfand, ist nun das „Pastawerk & Osteria“ Salto. Gemütlich und dennoch modern präsentiert sich dieses Restaurant, das mit dem klassischen Stadtteilitaliener nur wenig gemein hat.

Salto Pastawerk Fürth

Betritt man das Restaurant, so fällt zuerst einmal das zurückgenommen-moderne Ambiente ins Auge. Pastamanufaktur, ein Teil der Küche und der Gastraum gehen ineinander über – ein interessantes und angenehm umgesetztes Konzept. Hell und freundlich ist der Raum, man sitzt an den Holzstühlen zudem überraschend bequem.

Schnell bringt der flotte Service die Speisen- und Getränkekarte an den Tisch. Die Speisekarte überzeugt mit ihrer saisonalen Auswahl, sie ändert sich infolgedessen auch mehrmals im Jahr. Das macht die Folgebesuche im Salto freilich umso interessanter. Bei der Getränkekarte fällt sofort ins Auge, dass man sich mit der Auswahl nicht nur Gedanken gemacht hat, die Getränke sind überdies äußerst fair bepreist. Das Helle von der Brauerei Hofmann Gutenstetten-Pahres zapft man frisch, später werde ich noch den Primitivo versuchen, der mit seiner trocken-komplexen Fruchtigkeit und seinen angenehm balancierten Aromen auf ganzer Linie überzeugen kann.

Salto Pastawerk Fürth

Zuerst bestellen wir als Vorspeise zum Teilen die Oliven (sehr reichlich, 4,50 Euro) und Arancini Cacio e Pepe (10,50 Euro). Die frittierten Reisbällchen sind mit flüssigem Parmesan und Pecorino gefüllt und werden warm serviert, sie schmecken angenehm mild. Zur Hauptspeise ordern wir die Linguine Aglio e Olio (14,- Euro) sowie Tagliatelle mit einem Wildschwein-Ragu (etwa 19,- Euro).

Salto Pastawerk Fürth

Kulinarischer Hauptdarsteller im Salto ist selbstverständlich die Nudel, und die ist im Salto immer frisch. In einer Ecke des Restaurants bereitet der Pastaiolo die Nudeln vor den Augen der Gäste zu – und lässt sich bei seinem faszinierenden Tun auch bereitwillig ablichten. Seine Fingerfertigkeit und die kunstvolle Präzision der Herstellung z.B. seiner Ravioli ziehen den neugierigen Gast in einen Bann der Faszination. Was da gerade hergestellt wird, wird in den nächsten Minuten frisch zubereitet auf dem Teller liegen.

Salto Pastawerk Fürth

Von höchst angenehmem Biss sind die Linguine Aglio e Olio, sie werden mit einem würzigen Basilikum-Öl serviert. Der Knoblauch schmeckt fein, die frischen Chilihobel verleihen dem Gericht eine subtile Schärfe. Für eine gewisse Raffinesse (und ein angenehmes Mundgefühl) sind die Linguine mit einer Art Panko überstäubt, dessen Crunch nicht nur überrascht, sondern der sich auch geschmacklich gut einfügt. Ein einfaches Gericht – in handwerklicher Perfektion.

Linguine Aglio e Olio

Gut gemacht, aber ein wenig unspektakulär waren die Tagliatelle mit dem Wildschwein-Ragù. Dass es sich beim Ragù, dass einer Bolognese sehr ähnlich war (vielleicht etwas leichter) um Wildschweinfleisch handelte, konnte ich geschmacklich nicht wirklich feststellen. Nichtsdestotrotz gefiel auch diese mit hauchfein gehobeltem Parmesan dekorierte Hauptspeise.

Tagliatelle mit einem Wildschwein-Ragu

Zum krönenden Abschluss bestellten wir als Dessert das Tiramisu. Das ist im besten Sinne klassisch, luftig und dennoch gehaltvoll, reichlichst mit Kakao bestäubt und erfüllte unsere Erwartungen völlig. Manches bedarf einfach keiner Änderung oder Neuinterpretation, sondern muss, um zu überzeugen, einfach „nur“ gut gemacht sein.

Tiramisu

Die Küche und auch die Getränkeauswahl konnten wirklich überzeugen, der Service an diesem Abend war flott und freundlich.

Das tröstet auch ein wenig darüber hinweg, dass man bei unserem ersten Besuch unsere schriftliche und per Mail auch bestätigte Reservierung verschusselt und uns leider, um es einmal euphemistisch auszudrücken, recht nonchalant, um nicht zu sagen uncharmant, unverrichteter Dinge wieder vor die Tür gesetzt hat. Die Bedienung bedauerte diesen Fehler mehr als halbherzig und sagte, man werde sich mit uns zu einer Klärung in Verbindung setzen. Das ist – wen wollte es wundern – natürlich nie geschehen.
So etwas würde einem wirklich guten Gastgeber freilich nicht passieren. Wer mit Gästen kommt und sich nicht blamieren möchte, sollte nach der Onlinereservierung besser persönlich nachhaken, ob denn tatsächlich auch alles geklappt hat, um böse Überraschungen möglichst zu vermeiden. So gut das Essen war, in puncto Restaurantmanagement und Umgang mit eigenen Fehlern hat das Salto-Team bezüglich Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit noch Entwicklungsbedarf.

Der Gastraum ist recht klein und so gibt es auch einige weniger attraktive Sitzplätze an den Schaufenstern. Wer zu mehreren kommt, der muss schon den Kopf verdrehen, um seinen Essenspartner zu sehen. Wer reserviert, sollte das wissen und seinen Platzwunsch auch entsprechend formulieren.

Salto Pastawerk & Osteria, Ludwig-Erhard-Straße 13, 90762 Fürth, Telefon: 87 50 440. Eine Reservierung ist sinnvoll.

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