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Ein chinesischer Minibeamer für deutlich unter hundert Euro – der mentech Projektor im Test

Vielleicht geht es Euch ja ähnlich wie mir: Einen Video-Projektor (ich rede jetzt mal ganz bewusst nicht von Datenprojektor) wollte ich schon immer, allerdings waren diese Geräte entweder qualitätsmäßig unterirdisch, oder aber klobig, laut, in der Regel bei guter Qualität aber eben vor allem eins: sauteuer. Immer wieder mal habe ich mir billige No-Name-Projektoren chinesischer Provenienz angeschaut, immer wieder bin ich aufgrund der bescheidenen Bildqualität von diesen Geräten abgekommen.

Aber inzwischen hat der technische Fortschritt selbst vor dem niedrigsten Preissegment nicht Halt gemacht. Die Zeiten, in denen ein akzeptabler Beamer nahezu unerschwinglich war und binnen kürzester Zeit neue Leuchtmittel, die zum einen recht kostspielig und zum anderen auch relativ schwierig zu tauschen waren, verlangte, scheinen vorbei – zumindest dann, wenn man bereit ist, gewisse Kompromisse einzugehen. Und weil jüngst im Wirtshaus das Gespräch darauf kam, ob die kleinen und günstigen Beamerchen eine echte Alternative zum Fernseher sind, nutze ich die Gelegenheit und schreibe hier mal meine Erfahrungen nieder.

Ich hatte in den letzten Wochen Gelegenheit, einen Vertreter der „Billigbeamer“-Gattung ausgiebig zu testen, es handelt sich bei meinem Exemplar um ein Gerät der Marke „mentech“, einem Anbieter, der vor allem bei Amazon auftritt und sich durch sein breites Angebot günstiger Zubehörteile für Balkon-Solaranlagen einen gewissen Ruf erarbeitet hat.
Besagte Firma hat hierzulande mehrere Modelle im Angebot, von denen zwei besonders ins Auge fallen: ein günstiges, mit nativer 1080er-Auflösung, das aber recht einfach ausgestattet und daher auch günstiger ist, und ein größeres „HD-Ready“-Modell mit einer nativen Auflösung von 720P mit besserer Ausstattung. Wenn man nach diesen Geräten googelt, muss man gut darauf aufpassen, welches Gerät einem angezeigt wird, denn vermarktet werden beide als “4K”-Projektoren. Ich empfinde das als reichlich irreführend, denn beide Geräte sind weit davon entfernt, 4K projizieren zu können, diese Angabe des Herstellers bezieht sich ausschließlich auf die Möglichkeit, dass diese Geräte 4K-Streams auf ihre jeweilige native Auflösung downscalen können. Relevant ist also allein die native Auflösung – die ist in der Artikelbeschreibung aber recht schnell herauslesbar.
Auch wenn mein Beamer von mentech ist, zahlreiche „Marken“ bieten ein quasi baugleiches Modell zu unterschiedlichsten Preisen an, diese Geräte unterscheiden sich in aller Regel nur durch den individualisierten Startscreen und die Versionsnummer von Android-TV (man sollte mit Verallgemeinerungen ja immer sehr vorsichtig sein und im technischen Bereich können vermeintlich marginale Abweichungen von Modell zu Modell einen durchaus substanziellen Unterschied machen – aber: Wer dieses Review des mentech-Projektors liest und dann ein optisch identisches und technisch zumindest sehr ähnliches Modell kauft, ist zumindest grob über Potenzial und Limitationen dieser speziellen Projektorgattung informiert).

An dieser Stelle wirft sich natürlich die Frage auf, inwieweit es heute noch sinnvoll ist, einen „HD-Ready“-Projektor zu kaufen. Und ich muss ehrlich sagen, dass sich diese Auflösung tatsächlich in Abhängigkeit davon, welches Filmmaterial man anschaut, nicht mehr ganz zeitgemäß anfühlt. Bei fotografischen Darstellungen der Projektionsqualität greifen Rezensenten wie Hersteller gleichermaßen gerne auf Zeichentrickmaterial zurück, weil hier die niedrige Auflösung noch am wenigsten unangenehm auffällt und satte Farben und hohe Kontraste die ein oder andere Unzulänglichkeit der Bildqualität kaschieren. Für die Wiedergabe von DVDs genügt die Auflösung dann auch, aber selbst, wenn man Fernsehbilder an die Wand wirft, kommen einem ob der geringen Auflösung schon erste Zweifel. Und Daten vom Laptop möchte man mit so einem Beamer nur im Notfall projizieren müssen.
Davon ab kann es aber schon spaßig sein, gemeinsam einen Film oder Fußball mit einer entsprechend großen Projektion zu schauen – der Raum muss halt abgedunkelt sein. Dazu aber später mehr.

Das Unboxing: In einer überraschend kompakten Faltschachtel werden neben dem Beamer selbst auch eine Fernbedienung, Netz- und HDMI-Kabel sowie eine mehrsprachige Bedienungsanleitung geliefert.
Schnell ist der Projektor ausgepackt und angeschlossen, und es kann losgehen. Bei der ersten Einrichtung ist der Beamer mit dem heimischen WLAN zu verbinden. Dann kann man optional einige Updates für die Apps und das auf dem Gerät installierte Android-System ziehen. Diese Einrichtungsprozedur dauert inklusive der Updates etwa eine Viertelstunde, dann ist der Projektor auch schon einsatzbereit. An der kurzen Updatezeit kann man sehen, dass die Software des Beamers bei der Auslieferung halbwegs auf dem neuesten Stand ist. Bei diesem eingebetteten Android stört es mich auch nicht, dass das relativ antike Android TV 11.0 installiert ist (die auch heute noch aktuelle Version ist Android TV 14, mit einem Update rechne ich für diese Hardware nicht).

Beim Booten des Beamers fällt auf, dass das Bild sofort da ist, der Bootvorgang wird durch das Einblenden einer Animation mit Sound kaschiert. Recht bald befindet man sich auf dem Startscreen, auf dem man default zwischen Netflix, YouTube, dem Mediaplayer, Einstellungen, dem Videoeingang über HDMI… wählen kann.

Das Android-11-System auf diesem Projektor läuft, sehr zu meiner Überraschung, nicht nur angenehm flüssig, sondern ist auch werbe- und weitestgehend bloatwarefrei, es sind halt die Apps gängiger Streamingdienstleister wie Disney+ oder Netflix installiert. Insgesamt überzeugt mich das System wegen seiner guten Performance. Damit hätte ich bei einem so kleinen und günstigen Gerät nicht gerechnet.

Bei den Specs fällt auf, dass Wi-Fi6 mit 2,4/5 GHz und Bluetooth nach dem 5.2-Standard angenehm aktuelle Werte sind. Das halte ich für erwähnenswert, weil beim günstigen Gerätepreis nicht an der Hardware gespart wurde, wohl aber an den Videoeingängen – denn es gibt nun mal einfach nur HDMI. Weder VGA noch analoge Anschlüsse sind vorhanden, abgesehen von einem analogen Audioausgang (3,5-mm-Klinke, Stereo). Das dürfte für die meisten Anwender auch vollkommen ausreichend sein, man muss es nur wissen. Der komplette Verzicht auf analoge Eingänge erklärt sich wohl aus dem Umstand, dass der Beamer Audio aller Quellen auf Bluetooth routen kann, das wäre bei einem analogen Signal sicher nicht unmöglich, aber doch in der Realisierung technisch aufwendig.

YouTube: Um YouTube komfortabel bedienen zu können, empfiehlt es sich, Handy oder Tablet im gleichen Wi-Fi wie den Beamer zu betreiben. Das Screensharing hat bei mir mit dem einmaligen Eingeben des TV-Codes über YouTube einwandfrei geklappt, dabei gibt der Beamer den Zahlencode vor, den man dann ins Handy tippt. Die Verbindung zwischen YouTube und dem Projektor läuft angenehm flüssig.

Kommen wir zum Wichtigsten, zur Bildqualität. Um es vorwegzusagen: Man darf erstens bei der halben HD-Auflösung keine Wunder erwarten (über Sinn und Unsinn dieser Auflösung im Jahre des Herren 2026 habe ich ja eingangs schon ein paar Gedanken formuliert, da kann letztlich nur jeder für sich entscheiden, inwieweit das den eigenen Bedürfnissen entgegenkommt) und muss zudem wissen, dass sich dieser Beamer nur in verdunkelten Räumen betreiben lässt, bei Tageslicht ist die Projektion nicht mehr sinnvoll erkennbar. Wenn man mit diesen beiden Punkten – HD-Ready mit einer nativen Auflösung von 1280x720P und der geringen Lichtstärke, einem Phänomen, das sich bei allen günstigen Beamern beobachten lässt, klarkommt, ist das Teil eigentlich ziemlich cool. Was der Projektor ganz problemlos kann, ist, 4K-Material so flüssig downzuscalen, dass es gut anschaubar ist. Ich habe auch mal 4K-Testbilder durchlaufen lassen, die Schärfe und die Farbtreue gehen dabei absolut in Ordnung.

Rein technisch gesprochen ist eine Diagonale von sagenhaften 3,20 Metern möglich, allerdings um den Preis eines relativ dunklen Projektionsbildes selbst bei nahezu komplett verdunkeltem Raum. Dennoch ein beachtlicher Wert, mit einem am Ende noch immer akzeptablen Ergebnis.

Mit der Bildschärfe hat dieser Beamer aber dennoch seine Probleme (es gibt aber auch eine Lösung!): Der Standbügel erlaubt es, den Neigungswinkel des Projektors in mehreren Stufen zu wählen. Je nach Abstand zur Leinwand/Projektionsfläche und dem gewählten Neigungswinkel korrigiert der Beamer automatisch die Trapezverzerrung und auch die Schärfe – das klappt hinreichend gut und prinzipiell feiere ich dieses Feature auch, denn ich hätte nicht erwartet, dass ein Beamer dieser Preisklasse über einen in Abhängigkeit vom Projektionswinkel und -abstand arbeitenden Autofokus verfügt. Allerdings gelingt es, je steiler der Neigungswinkel ist, in zunehmendem Maße nicht mehr, das gesamte Bild komplett scharf einzustellen. Das mag den sehr einfachen Kunststofflinsen mit ihrem doch eher kleinen Durchmesser geschuldet sein und funktioniert nur dann wirklich zufriedenstellend, wenn der Projektor wirklich kerzengerade zur Mitte der Projektionsfläche aufgestellt wird. Hierzu kann man entweder ein Projektionstischchen verwenden, oder aber der Standbügel des Beamers hat auch ein Stativgewinde (und da der Projektor insgesamt recht leicht ist, ist es auch problemlos möglich, den Projektor auf ein robustes Fotostativ zu stellen). Das Scharfstellen des Bildes wird durch einen jederzeit gut erreichbaren Fokusring erledigt, der mechanisch obendrein gut übersetzt ist – so wird das Scharfstellen des Bildes nicht zum Fingerspitzengefühl abverlangenden Geduldsspiel. Beim Aufstellen des Projektors muss man ein wenig tüfteln, dann liefert das Gerät aber gemessen an seinem Preis überraschend brauchbare Ergebnisse.

Zum Sound: Der Sound des Beamers ist mit dem eingebauten Lautsprecher erwartungsgemäß nicht übertrieben gut, aber immerhin bleibt Sprache halbwegs verständlich. Hält man sich die geringen Dimensionen des Geräts vor Augen, so ist der dünne und blecherne Sound kein Wunder. Um ihn zu verbessern, hat man im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: Entweder man schließt über den 3,5 mm Kopfhörer-Klinkenausgang ein Aktivlautsprecherpaar an oder man koppelt per Bluetooth einen entsprechenden Lautsprecher. Letzteres klappt ohne größere Probleme und angenehmerweise auch ohne wahrnehmbare Latenzen.

Lautstärke- und Wärmeentwicklung: Beides hält sich absolut im Rahmen. Freilich ist der Lüfter des Projektors zu hören, allerdings ist dieses Nebengeräusch für so ein kompaktes Gerät absolut akzeptabel, da kennt man echt Schlimmeres. Und auch die Wärmeentwicklung hält sich in eng überschaubaren Grenzen, der Beamer wird selbst nach einer Betriebsstunde bestenfalls handwarm.

Im Lieferumfang befinden sich nicht nur das Stromkabel für 230 Volt (Eurostecker), sondern auch ein HDMI-Kabel. Damit hat es eine Besonderheit auf sich: Beide Stecker der Kabel sind auf einer Seite abgewinkelt. Will man den Beamer auf seinem fest verbundenen Ständer nämlich um 180 Grad drehen, um z. B. ein Bild an die Decke zu projizieren, ist der Abstand zwischen Standbügel und Gerät so gering, dass normale Kabel in dieser Position nicht angesteckt werden können. Man sollte wissen, dass dann auch nur ein sehr flacher und abgewinkelter Stecker in der Kopfhörerbuchse stecken kann – ein solcher ist nicht im Lieferumfang enthalten und es dürfte auch schwer sein, hier ein passendes Audiokabel zu finden.

Zum Schluss möchte ich noch ein paar Worte über die Verarbeitung verlieren. Die ist, wen wollte es angesichts des niedrigen Preises wundern, freilich eher einfach. Das Gerät selbst besteht aus federleichtem Hartkunststoff, auch die Verarbeitungsqualität der Fernbedienung (ohne die sich der Projektor nicht bedienen lässt) ist ziemlich einfach. Dennoch funktioniert alles und ist zweckmäßig gestaltet.

An dieser Stelle bleibt ein Fazit zu ziehen: Dieser „runde“ Beamer wird freilich nicht nur von mentech geliefert, man bekommt ihn in diesen Tagen regelmäßig von unterschiedlichen „Marken“ bei diversen Händlern angeboten – zu Preisen zwischen 40,- und 100,- Euro. Wer die Angebote vergleicht, sollte unbedingt auf die native Auflösung achten, zudem darauf, nach welchem Wi-Fi und Bluetooth-Standard der Beamer funkt und welche Version von AndroidTV aufgespielt ist.

Unterwegs liefert der Projektor ein akzeptables Bild, das sich bei der Aufstellung durch Zentrieren des Beamers in der Bildmitte hinsichtlich der Abbildungsschärfe noch entscheidend verbessern lässt. Die nicht mehr ganz zeitgemäße „halbe“ HD‑Auflösung taugt zum Film- und Fußballgucken überall dort, wo man ein großes Bild haben möchte. Das in meinen Augen größte Manko dieses Beamers ist die niedrige Lichtstärke, die einen verdunkelten Raum absolut notwendig macht. Wer die Limitationen dieses Geräts kennt und mit ihnen umgehen kann, kann mit diesem Teil dennoch viel Spaß haben.

Test: Der Gracioso T7-Mini-Kassettenrekorder. Alles retro oder was?

Ich hätte ja irgendwie nicht gedacht, dass gerade jetzt die gute alte “Compact Cassette” ein so fulminantes Comeback hinlegt. Dass Vinyl nie tot war, ist mir bereits in den 90ern bewusst gewesen und auch meine Bandmaschinen waren nie outdated. Aber Kassetten? Sie unterliegen doch gewissen technischen Beschränkungen, zumal es heute recht schwierig ist, gutes Bandmaterial zu bekommen, nachdem Chromdioxid-Bänder aus Umweltschutzgründen nicht mehr hergestellt werden dürfen. Und auch die Player und Rekorder, das wird dieser Test noch zeigen, sind heute von eher einfacher technischer Qualität. Ungeachtet dessen ist gerade im Indie-Bereich die Kassette wieder ein ernstzunehmendes Release-Medium geworden. Und so ein bisschen retro ist doch auch ganz geil, oder?

Kürzlich hat sich der neueste Streich der Firma Gracioso in meine Hände verirrt: ein recht kompaktes Kassettengerät mit recht charmanter Optik und einem etwas speziellen Funktionsumfang. Das Teil trägt die schlichte Typenbezeichnung “T7”.

Die Firma Gracioso hat sich gänzlich dem Retrotrend, im Speziellen dem Comeback der Kassette, verschrieben. Mit dem Bluetooth-Walkman 311 landete man bei den Tech-Youtubern einen bestens besprochenen Treffer, ist er doch baugleich mit dem hochpromoteten Maxell-Kassettenplayer (und technisch tatsächlich sehr brauchbar, vielleicht finde ich zukünftig mal Zeit, über dieses Teil zu schreiben). Mit dem neuen Modell T7, das ich mir heute genauer anschaue, liefert Gracioso einen Kassettenplayer und Kassettenrekorder, der die alten Tapes nicht nur über Kopfhörer und den kleinen, eingebauten Lautsprecher wiedergibt, sondern auch per Bluetooth empfangene Signale auf Kassette aufnimmt (oder den Raumton mit dem eingebauten Mikrofons) und zudem auch als Bluetooth-Lautsprecher verwendet werden kann. Zum 311er also ein durchaus erweiterter Funktionsumfang.

Geliefert wird der kleine Rekorder in einer unspektakulären Pappschachtel. Zum Lieferumfang gehören neben dem Gerät selbst lediglich eine mehr als rudimentäre Bedienungsanleitung und ein USB-A-zu-C-Ladekabel. Ja, ihr lest richtig, dieser Rekorder verfügt über einen eingebauten Akku (mit einer Nennkapazität von 2000 mAh). Geladen und mit Strom versorgt wird er per USB-C mit einem gewöhnlichen Handynetzteil, auch potentere Geräte mit 2 A Ladespannung funktionieren hier gut. Der Akku ist ein Langläufer, sechs, sieben Stunden kontinuierlicher Betrieb sind problemlos möglich. Das Gerät verfügt über einen kleinen, eingebauten Lautsprecher von recht übersichtlicher Klangqualität und ist äußerst kompakt aufgebaut. Die Formgestaltung des Apparats möchte ich angesichts seiner chinesischen Provenienz als angenehm zurückgenommen und funktional bezeichnen. Für einen Kassettenrekorder ist er angenehm klein und leicht, als Walkman wäre er mir etwas zu bulky – das bedingt aber auch der eingebaute Lautsprecher und der große Akku.

Was das Teil kann, habe ich beschrieben. Nun wird der Rekorder geladen und getestet. Er ist im Handumdrehen einsatzbereit und spielt die ersten Kassetten.

Kommen wir zum Wichtigsten: der Kassettenwiedergabe. Wer solch ein Gerät kauft, wird wohl etliche vorbespielte Kassetten besitzen und deshalb an einer möglichst guten Tonqualität interessiert sein. Bei der Betrachtung der Tonqualität dieses kleinen Geräts darf freilich auch der günstige Kaufpreis von gegenwärtig 39,- Euro nicht außer Acht gelassen werden.
Getestet wurde mit mehreren vernünftig gepegelten Chromdioxid- und Ferro-Bändern sowie vorbespielten Kaufkassetten. Die Wiedergabequalität all dieser Bänder erwies sich als absolut brauchbar.

Im Detail: Sehr viele neue Kassettenplayer mit Aufnahmefunktion leiden an einem Fehler, sie geben das Band in Mono wieder. Der Gracioso-Kassettenrekorder bildet hier eine rühmliche Ausnahme, man bekommt seine Kassetten dankenswerterweise in Stereo abgespielt (der Mono-Lautsprecher ließ ja anderes befürchten und auch Gracioso macht in seiner Produktbeschreibung keine Angaben darüber, ob die Wiedergabe Mono oder Stereo ist). Dabei ist selbst bei sehr kritischem Hinhören und bei leisen Passagen weder ein Übersprechen in den anderen Kanal noch in die Gegenspur feststellbar. Sowohl die tieferen Frequenzen (sofern hörbar, dazu aber später mehr) als auch die Höhen werden sauber und verzerrungsfrei wiedergegeben, der Azimut scheint bei meinem Gerät genauso sauber justiert zu sein, wie die Spurlage des Sprech-/Aufnahmekopfes. Das mag einem selbstverständlich erscheinen, allerdings habe ich etliche neue Geräte zum Testen auf dem Tisch gehabt, die diese Präzision bei Justage und Endabnahme vermissen ließen. Ein sauberer Abgleich und eine vernünftige Endkontrolle kosten schließlich Geld.
Auch die Geschwindigkeit ist sauber justiert und bewegt sich im Toleranzbereich von rd. 3 Prozent. Was sicher nicht verwundern wird, ist, dass Wow/Flutter, also der Gleichlauf, nicht optimal sind. Das liegt an der Verarbeitung der heute diesen Geräten zugrunde liegenden Mechanismen und ist ein Umstand, den man beim Kauf von (auch deutlich höherpreisigen) Neugeräten leider in Kauf nehmen muss. Damit in Zusammenhang steht auch, dass die Bandwiedergabe nicht besonders “schockstabil” ist; trägt man das Gerät umher, leiert das Band in Bewegung deutlich. Als etwas sperrigen Walkman auf der morgendlichen Laufrunde kann man den Gracioso T7 also nur schwerlich einsetzen. Die Klangqualität im Mittel- und Hochtonbereich ist noch passabel, der Tieftonbereich wird unnötigerweise aber doch hörbar beschnitten.

Wenig überraschend neigt der Vorverstärker im Wiedergabezweig zu deutlichem Rauschen, zumindest beim eingebauten Lautsprecher und mit angeschlossenem Kopfhörer. Auch das ist bei Neugeräten keine Seltenheit, auch das ist heute bedauerlicherweise hinzunehmen, auch das hatte man in den 1980er- und 1990er-Jahren technisch deutlich besser im Griff (am Rande: Wer sich fragt, wie man das Eigenrauschen des Geräts vom Bandrauschen sicher unterscheiden kann, da gibt es einen einfachen, in sich logischen Kniff. Einfach keine Kassette einlegen, auf Play drücken und eine mittlere Lautstärke einstellen – voilà!).

Nun folgt ein Blick auf die Aufnahmefunktion. Die begeistert mich generell nicht so sehr, auch hier unterliegt das Gracioso-Gerät einer Limitation, die viele Neugeräte in günstigen Preisklassen aufweisen, nämlich der, dass sie über keinen elektrischen Löschkopf verfügen. Gracioso verwendet hier ebenfalls keinen vernünftigen Löschkopf, der das Bandmaterial sauber löscht, sondern einfach einen wegklappbaren Permanentmagneten. Wurde das zu löschende Band vorher bis nahe an die Sättigung (im Sollwert-Rahmen) magnetisiert, verbleiben Tonreste der alten Aufnahme auf dem Band. Zudem erhöht eine Löschung durch Permanentmagnet das Rauschen. Und dementsprechend suboptimal ist die Qualität der mit dem Greacioso-Rekorder gefertigten Aufnahmen.

Bei Mikrofonaufnahme ist das Signal mono, das Mikrofon ist recht empfindlich, die Aufnahme hat einen hörbar eingeschränkten Frequenzgang mit deutlichen Defiziten im Tiefenbereich und nimmt viel Geräteschall des Laufwerks mit, klingt nasal und neigt zum Zischeln. Zudem ist das Grundrauschen durch den primitiven Bandlöschvorgang und den niedrigen, nicht anpassbaren Aufnahmepegel, verhältnismäßig hoch. Die Mikrofonaufnahme kann nicht überzeugen und ist bestenfalls ein Notbehelf. Eine Anschlussmöglichkeit für eine externe Quelle oder ein Mikrofon gibt es nicht. Ich habe aber ehrlicherweise von einem Gerät dieser Preisklasse auch nichts anderes erwartet, alle Kassettengeräte diesseits der 200-Euro-Marke liefern mehr oder weniger solche ernüchternden Ergebnisse.

Nun verfügt der T7 aber auch über die Funktion, ein empfangenes Bluetooth-Signal auf Kassette aufzeichnen zu können (diese Funktion ist gleichermaßen anachronistisch und wäre ganz cool, würde die Qualität passen).
Per Bluetooth koppelt man den Rekorder störungsfrei unter der Kennung “T7”. Als Bluetooth-Lautsprecher funktioniert das kleine Gerät ganz brauchbar, im Rahmen dessen, was der winzige Lautsprecher eben herzugeben in der Lage ist. Die Aufnahmefunktion ist qualitativ aber kaum besser, als mit dem eingebauten Mikrofon. Rauschig, rissig, ohne Tiefenstaffel, erinnert der Sound an einen alten Anrufbeantworter oder ein Diktiergerät. Das ist ein Gag, aber ernsthaft etwas anfangen kann man damit leider nicht.

Und wie ist die Wiedergabe des Bandes über einen Bluetooth-Lautsprecher bzw. eine Stereoanlage? Ich habe mir den Spaß gemacht und den T7 mit meinem NAD DAC (C658) gekoppelt. Freilich ist es ein unfairer Vergleich, einen 40-Euro-Kassettenplayer mit einem 2k-Euro-DAC zu koppeln, so wird aber wirklich hörbar, was das Teil kann, und was nicht. Ernüchterung? Im Tieftonbereich ja. Da ist der Ton klar beschnitten. Auch die Mitten gehen ein wenig unter, die Höhen sind etwas zu spitz. Und dennoch: Das Ergebnis erfüllt die Erwartungen.
Echtes HiFi-Feeling kommt soundtechnisch nicht auf, die Kassette per se ist technisch in der Lage, deutlich besser zu klingen, als es dieses Gerät ermöglicht und vermuten lässt.

Wozu eignet sich dann der Gracioso T7? Zum ernsthaften Musikhören eher nicht. Auch Aufnahmen will man auf diesem Gerät nicht fertigen. Alte Hörspiele oder Aufnahmen aus dem Radio lassen sich damit aber sehr wohl wiedergeben. Wer in Erinnerungen schwelgen möchte und dazu ein möglichst kleines Gerät mit eingebautem Lautsprecher sucht, das sich auch mit einer Bluetooth-Box oder einem Kopfhörer koppeln lässt, der wird an dem Teil Spaß haben. Seine alten Kassetten digitalisieren kann man damit wegen der zu hohen Dynamikverluste nicht und auf Dauer Musik hören macht damit auch keinen Spaß. Aber hey – das Teil kostet einen Vierziger, why not?
Fairerweise muss man aber auch sagen, dass er dem 311er klanglich bei weitem nicht das Wasser reichen kann. Da sich beide Konzepte doch recht ähnlich sind, frage ich mich, warum man dem T7 nicht auch das bessere Laufwerk und die aufwendigere Schaltung spendiert hat. Wissen wird das wohl nur der Hersteller. Und damit kann sich der T7 leider auch nicht über die Schwelle des Retro-Gadgets erheben, trotz etlicher guter Ansätze.

Im Test: Der HiRes-Player HIFI WALKER H2

Schon wieder ein Player der Firma HIFI Walker im Test? Ja, heute widme ich mich einmal mehr einem klassischen MP3- und HiRes-Audioplayer der gehobenen Mittelklasse, dem Modell “H2”. In anderen Posts zu diversen Playern habe ich ja schon diskutiert, ob es heute, in Zeiten des Smartphones, überhaupt noch sinnvoll ist, sich einen dezidierten Hardware-Musikplayer zuzulegen. Um das ein wenig abzukürzen, mein Fazit zu dieser Frage: Ja, das kann sinnvoll sein, wenn man viele Lossless-Dateien und einen sehr guten Kopfhörer sein Eigen nennt oder oft in mit Mobilfunk schlecht versorgten Gebieten Musik hören möchte – dann aber braucht und wünscht man einen exzellent klingenden und kompromisslos vernünftig bedienbaren Player. Ist der H2 so ein Player? Dieser Frage möchte ich gerne in diesem Test nachgehen.

Klassisch und aufgeräumt: Der HIFI WALKER H2

Klassisch und aufgeräumt: Der HIFI WALKER H2

Beim H2 handelt es sich um einen (an heutigen Maßstäben gemessenen) recht klassischen HiRes-Player ohne viel Schnickschnack. Zu den zentralen Features gehört, dass er neben der Wiedergabe von Musik von der microSD-Karte (bis 256 GB) auch als DAC einsetzbar ist (über USB-C anzuschließen) und neben dem Kopfhörerausgang auch über einen nicht-symmetrischen Line-Out für Stereoanlage oder Aktivboxen verfügt. Außerdem ist er per Bluetooth sowohl als DAC, als auch als Player mit Bluetooth-Kopfhörern. Ein Radio, Aufnahmefunktionen, eine Option zur Wiedergabe von Videos und Ähnliches sucht man Gott sei Dank vergeblich – ich schätze es außerordentlich, wenn sich solche Geräte ausschließlich dem ihnen primär zugedachten Zweck widmen.

Kopfhörerbuchse, USB-C und Line Out - das sind die Anschlüsse des H2

Kopfhörerbuchse, USB-C und Line Out – das sind die Anschlüsse des H2

Zuerst einmal präsentiert sich dieser Player klein, kompakt, aber auch ein wenig schwer. Die Haptik selbst ist ohne Fehl und Tadel, das robuste Metallgehäuse liegt gut, sicher, quasi solitär in der Hand. Alle Stecker rasten sauber ein, sitzen fest und bieten fehlerlosen Kontakt, die Bedienelemente verfügen allesamt über einen sauberen Druckpunkt. Auch der kleine Bildschirm präsentiert sein Bild gestochen scharf, hell und klar. Es ist eine Freude, diesen Player in die Hand zu nehmen. Der Akku soll etwa zehn Stunden durchhalten (heute ein eher mittelmäßiger Wert).

Kommen wir zu den technischen Daten: Wer sich gegenwärtig, also im Zeitalter des Smartphones und verlustfreier Streamingdienste einen klassischen “Offline-Player” besorgt, legt, wedi eingangs erwähnt, sein Augenmerk auf höchste Klanggüte und damit mutmaßlich auf neueste D/A-Wandlertechnik. Hier ist der Player nicht ganz up to date, aber ich würde sagen “immer noch recht ordentlich mit dabei”: Im Jahr 2024 man von einem HiRes-Audioplayer nicht nur Bluetooth 5.2/5.3, sondern auch Low Energy HiRes Audio Wireless. Dieser Player erfüllt diese Standards nur bedingt, muss man sich doch mit dem alten 4er-Protokoll, präzise 4.2 begnügen. Neben FLAC gibt der Player auch DSD (Direct Stream Digital) wieder – und das ist für mich das Wichtigste. SBC, AAC und APT-X sind selbstverständlich. Das Gerät kann als mobiler DAC über Bluetooth eingesetzt werden, der Wandler, der dies alles erledigt, ist ein Burr Brown PCM5102, ein 2-Kanal-Wandler, der einen ausgezeichneten Ruf genießt und gerade in mobilen Geräten seit wenigstens zehn Jahren so unverändert verbaut wird. Texas Instruments, die Burr Brown im Jahre 2000 gekauft hatte, hat gut daran getan, die hochwertige Produktlinie “BB”s konsequent weiterzuentwickeln. Burr Brown-Wandler laufen auch in meinem stationären HiFi-Setup seit wenigstens fünfzehn Jahren (als Hybrid mit Röhrenverstärkung) sehr zu meiner Zufriedenheit und liefern eine einwandfreie Qualität bei niedrigen Preisen. Wir haben es hier also mit einem im besten Wortsinne klassischen und erprobten System zu tun, wer State of the art möchte, greift eher zu Shangling und Konsorten, bekommt dann aber nicht die gute, klassische Gerätehaptik ohne Touch & Co.

Ein paar Dinge an diesem Player gefallen mir sehr gut – dazu zählt neben der allgemein guten Verarbeitung vor allem die Tastenbedienung. Die Tasten und das Scrollweel sind allesamt mechanisch bedienbar, im Dunklen gut fühlbar und geben ein entsprechendes haptisches Feedback – und das ist heute eine echte Seltenheit geworden. Als Scrollwheel wählte man bei HiFi-Walker ein Bauteil von ALPS, das zu Beginn recht straff läuft, mit der Zeit spielt sich das Scrollrad aber etwas frei und lässt sich schön flüssig bedienen. Allein für die Pflege dieser guten alten Tugenden sollte man erwägen, diesem Musikplayer bei seiner Auswahl eine Chance zu geben.

Die Ausgangsleistung von 70 mW, gemessen an 32 Ohm, ist ebenfalls eher Hausmannskost. Gut, in den meisten Fällen dürfte diese Leistung im mobilen Betrieb völlig genügen und keine Probleme verursachen, zumal der Kopfhörerausgang ja die gewohnte, kleine Dreieinhalb-Millimeter-Klinke aufweist; wer aber mit höherohmigen Kopfhörern arbeiten will, gelangt schnell in den Bereich der Leistungsreserven dieses Players.

Zum Wichtigsten: Klanglich gefällt mir dieser Player sehr, gerade kabelgebunden – ältere Hardware heißt ja nicht automatisch schlechtere Performance! Insgesamt liefert der H2 ein sehr transparentes Klangbild, schön straffe Bässe, bestens balancierte Mitten und einen Hauch (aber wirklich nur einen Hauch) Überbetonung im Hochtonbereich (was sicher auch mit den verwendeten Kopfhörern in Zusammenhang stehen mag). Klanglich ist dieser Player jedenfalls ausgezeichnet, auch in Anbetracht des geforderten Preises von gegenwärtig etwa 120,- Euro (im Bundle mit einer eineachen 128 GB micro-DS-Karte). Und hier bin ich bei einem wesentlichen Punkt, nämlich der Frage, warum man in Zeiten von HiRes-Streaming und BT 5.3 LE am Handy noch einen Hardware-MP3-Player braucht. Manch einer mag sich bislang nicht so recht an das Musikhören mit dem Mobiltelefon gewöhnen. Wer zudem viele unkomprimierte Audiodateien sein Eigen nennt und für wenig Geld einen gut klingenden Player sucht, der ist hier schon ganz richtig, vor allem dann, wenn es darum geht, kabelgebunden Musik zu hören und bereits vorhandene, hochwertige Kopfhörer weiterzuverwenden. Für die alleinige Verwendung des Players mit Bluetooth-Kopfhörern würde ich den H2 ob seiner prinzipiell ausgewogen klingenden, aber nicht ausnahmslos stabilen BT-Verbindung mit dem dann doch etwas ältlichen Protokoll wohl nicht in die engere Wahl ziehen.

Cover-Art ist möglich, aber eben verzerrt

Cover-Art ist möglich, aber eben verzerrt

Zur Bedienung: Im Wesentlichen präsentieren sich User Interface und Software sauber implementiert, halbwegs fehlerfrei und weitestgehend vernünftig übersetzt.
Das soll aber bitte nicht heißen, dass ich mit der Software zufrieden bin, im Gegenteil. Würde man sich herstellerseitig ein wenig mehr mit der Software beschäftigen und zumindest die gröbsten Fehler herausschleifen, hielten wir mit dem H2 den woh annäherndl perfekten Musicplayer für das Jahr 2025 in Händen. Dem ist aber leider nicht so.

Ein Beispiel gefällig? Gapless-Wiedergabe funktioniert, trotz aktuellster Firmware, zum Beispiel nur, wenn die Menüsprache Englisch ist und auch beibehalten wird – wird die Menüsprache des Players auf Deutsch umgestellt, existiert weder der Menüpunkt “gapless playback”, noch werden die Titel ohne Unterbrechung abgespielt. Und dann fällt noch ein Fehler auf, der altbekannt ist und heute selbst bei allem Wohlwollen so nicht mehr passieren darf: Die Dateien werden nicht in der Reihenfolge, in der sie auf der SD-Karte abgelegt sind, wiedergegeben, sondern der Player hat den alten „Dateinamenfehler“ und spielt die Dateien in der Ordnung “A-Z” und in Folge „1, 11, 2, 21…“ Wenn Player der early 2000s solche Bugs haben, ist das schon ärgerlich, heutzutage, da diese Geräte ja mit Smartphones konkurrieren müssen, ist das völlig inakzeptabel.
Dieser superärgerliche Fehler passiert, weil sich die Hersteller weigern, die Software dahingehend zu optimieren, das Dateisystem der Speicherkarte standardgerecht zu mounten. Vor fünfundzwanzig Jahren, als die Prozessoren solcher Player noch wenig Leistung hatten, konnte man das technisch nachvollziehen, wer heute allerdings außerstande ist, ein Produkt auf den Markt zu bringen, das ein Dateisystem vernünftig anzeigt, der hat sich streng genommen selbst disqualifiziert. Anhand solcher vermeintlicher Details erkennt man eben, dass die Fa. HiFi-Walker eher ein Hardwareverkäufer/händler denn ein ernst zu nehmender Hersteller ist, der sich leider weder bezüglich der Qualität der Software, noch der eigenen Entwicklungstiefe vom durchschnittlichen chinesischen Billiganbieter emanzipieren konnte.

Mit zum Lieferumfang gehört eine einfache 128 GB microSD-Karte

Mit zum Lieferumfang gehört eine einfache 128 GB microSD-Karte

Wer mit diesen nicht ganz unbedeutenden Unzulänglichkeiten prinzipiell leben kann, findet im H2 einen eigentlich guten, sauber verarbeiteten kompakten Begleiter, dem zusätzlich noch eine 128 GB-Speicherkarte beiliegt. Haptik und Klang stimmen, die verwendete Hardware ist, wie man sich leicht vorstellen kann, nicht mehr taufrisch, liefert aber einen guten Klang und dürfte die Bedürfnisse der meisten Nutzer befriedigen.
Die Fehler in der Software, die sich auch mit einem Update auf die Version 1.9 nicht haben beseitigen lassen, sind aber mehr als ärgerlich. Der Player bringt also all jenen Hörern Freude, die diszipliniert Dateinamen und ID3-Tags ihrer Musiksammlung gepflegt haben oder denen es auf eine korrekte Sortierung der Dateien innerhalb der Ordner nicht immer ankommt. Der Player kann selbstverständlich auch Playlisten managen und wiedergeben, ist hier aber auf eine Gesamtzahl von 14.999 Titeln limitiert. Wer “nur” Musik hört, für den mag dies keine allzu schwerwiegende Limitation sein, wer aber seine Hörbuchsammlung auf dem Player nutzen möchte, wird bei einer gut gefüllten 256 GB-Karte hier schnell an seine Grenzen kommen und lieber mit der Ordneransicht des Players arbeiten wollen – und wenn bei Hörbüchern die Ordnung durcheinandergerät, ist die ganze Sache eigentlich nicht mehr sinnvoll.

Und so fällt mein Fazit ambivalent aus: Wer weiß, was er softwareseitig bekommt und sich damit arrangiert, erhält sehr gute, wenn auch nicht taufrische Hardware zu einem attraktiven Preis – bei erwähnenswert gediegener Verarbeitung. Wer neben der Hardware auch auf eine vernünftige Software angewiesen ist und als Menüsprache nicht allein Chinesisch und Englisch nutzen möchte, sucht mit mir weiter nach dem perfekten HiRes-Audioplayer für vernünftiges Geld.

Neuer MP3-Player im Test: Der HIFI-WALKER M7

Haben MP3-Player heute eigentlich noch irgendeinen Nutzen, den ein mittelpreisiges (und in aller Regel vorhandenes) Smartphone nicht oder nicht so gut liefern kann? „Ganz dünnes Eis…“ möchte man denken, denn in aller Regel schneiden MP3-Player im Vergleich zu Smartphones relativ schlecht ab, schon alleine, weil sie gewöhnlich mit Streaming nicht umgehen können. Ein paar denkbare Einsatzzwecke gibts dennoch: Wer nicht streamen will und relativ viel Speicher für seine Audiodateien haben will, wer HiRes-Audio hören will und das Gerät gleichzeitig als DAC nutzen möchte und wer eine sehr lange Akkulaufzeit benötigt, der fährt unter Umständen mit einem klassischen MP3-Player nicht schlecht. Und dann liefern MP3-Player unter Umständen noch einen Nutzen: Sie sind nicht selten einfach besser bedienbar. All diese Gründe lassen mich auch heute noch regelmäßig ein solches Gerät benutzen und all diese Gründe rechtfertigen auch im Jahre 2024 noch eine Beschäftigung mit dieser Gerätekategorie.

Mit der Konkurrenz durch Smartphones sind natürlich auch die Erwartungen an einen MP3-Player gewachsen. Mein Leib- und Magen-Hersteller solcher Geräte war in den vergangenen Jahren die Marke FiiO, dort konzentriert man sich aber mittlerweile auf die Produktion hochwertiger Kopfhörer, Kopfhörerverstärker und DACs. Andere Player chinesischer Provenienz betreten die Bühne und versuchen, diesen Nischenmarkt zu bedienen. Ab und an beißt mich dann die Sau und ich bestelle mir ein solches Gerät zum Test. Mit dem Phinistec Z6 legte ich dabei im letzten Jahr einen ordentlichen „Bauchplatscher“ hin.

Heute darf der Player mit der Typenbezeichnung M7 des chinesischen Herstellers HIFI WALKER zeigen, was er kann. Und um es vorwegzunehmen: Er zeigt eigentlich eher, was er nicht kann.

Das Gerätchen ist brandneu erschienen, kostet knappe 50,- Euro und bringt an Features vermeintlich alles mit, was man sich wünscht: Ein schmales Metallgehäuse mit Touchbedienung und großem, scharfem Display, 64 GB interner Speicher, erweiterbar per microSD-Karte, UKW-Radio, Aufnahmefunktion und ein Akku mit 500 mAh Kapazität, der den Player rund dreißig Stunden lang powert, dazu ein kleiner eingebauter Lautsprecher und die Möglichkeit, nicht nur MP3s und WMA-Dateien, sondern eine Vielzahl an Lossles-Formaten wiederzugeben, machen das Angebot attraktiv. Und es gibt, das ist mittlerweile so üblich, freilich auch die Möglichkeit, Bluetooth-Kopfhörer und Boxen drahtlos mit dem Player zu koppeln. Es ist klar: Wenn so ein Gerät einen Fuffie kostet, müssen irgendwo Kompromisse gemacht werden. Welche das sind, das wird mich noch sehr überraschen.

Die erste positive und negative Überraschung stellt sich schon bei der Inbetriebnahme heraus: Soll der Player lt. Herstellerbeschreibung lediglich Karten bis 128 GB mounten, so hat er beim Einlesen und Erstellen einer Musikbibliothek einer gut gefüllten 256 GB-Karte keinerlei Problem. Die andere Überraschung ist eher unangenehmer Natur: Das versprochene FM-Radio gibt es schlicht nicht. Nix, nada, niente. Das ist ein Player ohne Radio. Das ganze Angebot fühlt sich schon wieder so richtig nach Chinaranz an – was soll man von einem Hersteller halten, der es nicht mal hinbekommt, eine vernünftige und zutreffende Produktbeschreibung ins Netz zu stellen?

HIFI WALKER M6 - Angebotsseite bei Amazon

HIFI WALKER M6 – Angebotsseite bei Amazon

Wen nimmt es Wunder, dass man im Lieferumfang das Sportarmband nicht findet? Und freilich ist auch eine Aufzeichnung vom Line-Eingang nicht möglich, denn: Es gibt keinen.
Das mit dem fehlenden Sportarmband ist verschmerzbar, dass die Produktbeschreibung aber so eklatante Fehler aufweist, nicht.

Schauen wir uns die Hardware an: Die macht einen soliden, um nicht zu sagen solitären Eindruck: Der Player ist von einem solide wirkenden Metallgehäuse eingefasst, das sich angenehm und schwer anfühlt. Die seitlichen Bedientasten sind ebenfalls aus Metall, sie sind logisch angeordnet und haben einen angenehmen Druckpunkt. Das Display ist schön groß und bestechend scharf. Der vergoldete Kopfhörerausgang bietet dem 3,5 mm-Klinkenstecker besten Kontakt. Das Finish der Touch-Oberfläche ist makellos, zudem ist eine dezente Schutzfolie bereits aufgebracht. Alles prima!

Lässt sich mit dem fehlenden Radio und der fehlenden Line-In-Aufnahmefunktion vielleicht doch leben? Nun, die Software des Players, auch wenn das UI des Players ein klein wenig gefälliger wirkt, als das des Phinsitec, erinnert mich doch verheerend an selben, denn es tritt derselbe Fehler auf, den schon der Z6 hatte:
Wer nicht ausschließlich mit Playlists arbeiten will (und wer will das schon?), kann die Dateien in den jeweiligen Ordnern ansteuern, der bordeigene “Dateibrowser” tut den Job prinzipiell, aber leider nicht ganz fehlerlos: Wurde ein Album in einem Ordner wiedergegeben, folgt nicht der nächste Ordner, sondern der Player wiederholt einfach die Dateien im Ordner. Dieses Verhalten lässt sich dem Gerät auch nicht durch eine Änderung den Wiederholungseinstellungen aberziehen. Zudem werden die Dateien nicht in der Reihenfolge, in der sie auf der SD-Karte abgelegt sind, wiedergegeben, sondern der Player hat den alten „Dateinamenfehler“ und spielt die Dateien in der Ordnung „1, 11, 2, 21…“ Wenn Player der „early 2000s“ solche Bugs haben, war das verschmerzbar, heutzutage darf das nicht mehr vorkommen. Ich habe das Gefühl, dass im Phonostec und im HIFI WALKER genau die gleiche buggy Software werkelt – nur das Erscheinungsbild hat ein dezentes Makeover bekommen.

Der Klang konnte mich ebenfalls nicht überzeugen, wirkt er doch undifferenziert und reichlich verhangen. Darüber rettet auch die Vielzahl der Lossles-Formate, die der Player abzuspielen vermag, nicht hinweg; was nutzt mir HiRes-Audio, wenn es am Ende nach LoFi klingt? Auch der bordeigene Equalizer, der mit etlichen Presets aufwartet, bringt hier kaum Linderung.

Der Datenzugriff per USB-C auf den Player funktioniert, ist aber, wen wollte es wundern, geschwindigkeitsmäßig etwas gemütlich. Geladen werden kann dieser Player nur mit Netzteilen mit einem Ladestrom bis zu 1 A, ist der Ladestrom höher, wird nicht geladen. Daran kann man zweifelsfrei erkennen, dass es sich zwar bei der Buchse um USB-C handelt, dieser Anschluss aber nicht den entsprechenden Spezifikationen genügt – ein Problem, dass nicht nur dieser Player, sondern auch viele weitere chinesische No-Name-Geräte haben.

Und so komme ich schon wieder zu einem ernüchternden Fazit: Auch der HIFI-WALKER M7 war ein Griff ins Klo. Die Hardware selbst ist sehr ordentlich, der Klang bestenfalls Mittelmaß, die Software aber ist ein Elend. Da fällt die fehlerhafte Produktbeschreibung, die Dinge verspricht, die der Player nicht halten kann, schon kaum mehr ins Gewicht. Einige Ansätze waren sehr vernünftig – aber letztlich kann das Gerät nicht überzeugen.

Im Test: Der „High End“-MP3-Player Phinistec Z6

MP3-Player waren vor zwanzig Jahren mal der absolut heiße Scheiß. Wer auf sich hielt und gewisse Ansprüche an so ein Produkt stellte, leistete sich einen iPod, wer nicht so viel Geld ausgeben wollte, fand eine passende Alternative in der quasi unendlich breiten Produktpalette. In Zeiten des Smartphones und des Musikstreamings scheinen MP3-Player aus der Zeit gefallen, ja überflüssig. Und dennoch gibt es sie – und nicht nur als Billigprodukt für technisch etwas weniger ambitionierte ältere Herrschaften – sondern auch als “High End”-Player für eine anspruchsvolle Kundschaft.

In diesem Segment haben sich die Firmen FiiO und Sony besonders hervorgetan und einige hervorragende sog. “HiRes-Player” auf den Markt gebracht. Deren Vorteile bestehen im Wesentlichen darin, dass sie nicht nur Lossless-Dateien wiedergeben können, sondern durch einen besonders guten Digital-Analog-Wandler die klanglichen Vorteile solcher verlustfreier Audiodateien zur Geltung bringen. Zudem sind diese im höheren Preissegment angesiedelten Produkte in der Regel auch haptisch gut gemacht. Diese Player besetzen damit eine Lücke, denn bei vielen Streamingdiensten kommt der Sound unter die Räder und die in etlichen Handys verbauten Signalprozessoren lassen selbst Lossless-Dateinen oft nur mäßig klingen.

Aber auch diese Nische ist in den letzten zwei Jahren deutlich kleiner geworden – und gute Geräte sind mittlerweile teuer. Gegenwärtig ist nur noch ein High-End-Player von FiiO zum stolzen Preis von 700,- Euro zu haben. Und auch die wenigen Sony-Geräte, die man bekommt, sind reichlich kostspielig. Kein Wunder also, dass sich nun weniger arrivierte Hersteller (chinesischer Provenienz) daran versuchen, diese Marktnische zu bedienen. Und so bin ich dieser Tage auf ein Produkt der mit bis dahin unbekannten Marke “PHINISTEC” gestoßen, das verspricht, hier ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu liefern – der Player hat die Typenbezeichnung “Z6”.

Phinistec Z6 - MP3-Player

Phinistec Z6 – MP3-Player

Auch ich habe mich zum Kauf hinreißen lassen (in Deutschland z.B. via Amazon und Ebay, international über diverse Plattformen und auch die üblichen China-Wholesale-Verdächtigen). Derzeit wird der Phinistec Z6 in zwei Varianten angeboten – mit einem internen Speicher von 32 GB für 49,99 Euro, die Variante mit 96 GB Speicher ist zwischen 70,- und 119,- zu haben. Die Spezifikationen des Players haben für den Kauf den Ausschlag gegeben. Das Gerät wartet mit einigen bemerkenswerten Features auf (zumindest auf dem Papier):

  • Wiedergabe der Formate APE, FLAC, MP3, OGG, AAC, ACELP, WMA und WAV
    1500mAh starker Akku
  • FM-Radio mit der Möglichkeit, vom Radio in WAV und MP3 aufzunehmen
  • USB-C (das ist ein Feature, weil die bei Playern dieser Art sonst üblichen Micro-USB-Buchsen schnell zum Ausleiern neigen)
  • der Player mountet 256GB microSD-Karten
  • ein eingebauter Lautsprecher, Diktierfunktion und ein AUX-Out-Anschluss sowie Bluetooth 5.0 runden das Angebot ab

Das ist eine eierlegende Wollmilchsau! Mehr kann man von so einem Player doch kaum erwarten, oder? Nun, um es kurz zu machen, man kann nicht nur, man muss. Denn trotz dieser langen und klangvollen Featureliste ist der Player vor allem eines: gruselig!

Will man den Rezensionen, die über diesen MP3-Player kursieren, Glauben schenken, dann handelt es sich beim Z6 um ein absolutes High-End-Produkt. Als “Next Level”-Player wird er da angepriesen, man attestiert ihm eine besondere Soundqualität und rühmt seine audiophilen inneren Werte. Um es kurz zu machen: Das ist leider alles Bullshit.

Phinistec Z6 - Seitenansicht

Phinistec Z6 – Seitenansicht

In der angenehm sachlich-schlichten, funktionalen Versandverpackung findet man einen stattlich 180 Gramm schweren, sich erst einmal sehr gut anfühlenden Player vor. Das Gehäuse ist aus Metall, dich mechanischen Funktionstasten ebenso. Vorder- und Rückseite sind aus Glas, die Anschlüsse für Kopfhörer und AUX funkeln gülden. Das Teil ist ein echter Handschmeichler, hier wurde nicht an Material gespart. Diese angenehme Haptik lässt darüber hinwegsehen, dass Glas bei einem Mobilgerät, das auch mal herunterfallen kann, eigentlich ein Werkstoff ist, der sich verbietet. Zudem ist das Gehäuse relativ scharfkantig und, wenn man es sich recht überlegt, auch unnötig schwer.

Bei ersten Einschalten fällt auf, dass das Display groß und scharf ist, dann aber folgt schon die erste Ernüchterung: Auf den ersten Blick ist erkennbar, dass wir es mit einem nur wenig logischen und kaum intuitiv bedienbaren Schachtelmenü zu tun haben. Die englische Bedienoberfläche ist okay, die deutsche Sprachvariante enthält teils ziemlich blöde Übersetzungsfehler, man bekommt auf dem Display ein deutsch-englisch-chinesisches Kauderwelsch angezeigt. Die Bedienung geht, sofern man den Menüpunkt, den man anzusteuern beabsichtigt, denn auch findet, flüssig von der Hand.

Phinistec Z6 - Seitenansicht

Phinistec Z6 – Seitenansicht

Die gut gefüllte 256GB-SD-Karte mountet der Player halbwegs schnell. Man kann die Dateien in den jeweiligen Ordnern ansteuern, der bordeigene “Dateibrowser” tut den Job prinzipiell, aber leider nicht ganz fehlerlos: Wurde ein Album in einem Ordner wiedergegeben, folgt nicht der nächste Ordner, sondern der Player stoppt. Das lässt sich auch nicht beheben oder einstellen. Die Dateien werden nicht in der Reihenfolge, in der sie auf der SD-Karte abgelegt sind, wiedergegeben, sondern der Player hat den alten „Dateinamenfehler“ und spielt die Dateien in der Ordnung „1, 11, 2, 21…“ Wenn Player der „early 2000s“ solche Bugs haben, na gut, heutzutage darf das nicht mehr vorkommen. Und damit ist der Z6 eigentlich schon durchgefallen. Doch es kommt, wen will es wundern, noch schlimmer:

OGG Vorbis, FLAC, MP3 und WAV-Dateien klingen allesamt flach, komprimiert, leblos und irgendwie auch dumpf. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass ich noch nie einen so schlecht klingenden MP3-Player besessen habe. Damit ist das Elend aber nicht zu Ende, im Gegenteil: Selbst bei mäßigen Lautstärken neigt der Player zum Clipping. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Der im krude verschachteln Menü gut versteckte Equalizer schafft hier keine Besserung, im Gegenteil: Der Sound wird noch schlimmer. Alleine wegen des schlechten Tons ist der Player ein Fall für die Mülltonne.
Es ist mir ein Rätsel, wie Rezensenten auf Amazon diesem Gerät einen guten Klang attestieren können. Wer der irrigen Meinung ist, dieser Player klinge gut, der hat entweder sehr niedrige Standards oder sollte sich umgehend bei einem HNO-Arzt vorstellen.

Da fällt dann schon nicht mehr ins Gewicht, dass das eingebaute FM-Radio selbst bei starken Ortssendern einen schlechten Empfang hat. Ist das Display eingeschaltet, dann wird der Empfang noch von zusätzlichen Störgeräuschen unterzogen. Auch wenn die Aufzeichnung der Radiosendungen prinzipiell ganz ordentlich funktionieren würde, nutzt sie halt nichts, wenn der Empfang so gestört ist, dass man mit dem Ergebnis nichts anfangen kann. Warum sich Aufzeichnungen nur auf dem internen Gerätespeicher, nicht aber auf der SD-Karte ablegen lassen, weiß allein der chinesische Hersteller. Der eingebaute Lautsprecher klingt reichlich leise und blechern – hier hatte ich aber auch nichts anderes erwartet. Ärgerlich ist aber, dass Bluetooth mal funktioniert – und mal nicht. Und wenn es funktioniert, dann klingt es fies.

Das traurige Fazit: Dieser Player ist leider ab Werk Elektroschrott. Keine der vielen Funktionen ist ordentlich umgesetzt und man ärgert sich jedes Mal, wenn man diesen Player in die Hand nimmt. Die solide Haptik scheint einzig und allein dem Verkauf zu dienen, denn im edlen Gewand kommt billigste Elektronik daher – die “Brot und Butterfunktionen” sind so schlecht, dass ich dringend raten möchte, vom Kauf dieses Players abzusehen. Wer “HiRes” oder gar “High End” (bei diesem Preis ist das aber freilich nicht zu machen) erwartet, sieht sich bitter enttäuscht, aber selbst für einen “normalen” MP3-Player ist das Teil einfach nicht ausreichend.

Kurztest: Das FlexSolar USB-Solarpanel

Der Preisverfall bei Solarmodulen ist nicht nur im Bereich der professionellen Photovoltaik angekommen, auch kleine Niedervoltpanels aus dem Gadget-Bereich kosten mittlerweile ein Taschengeld. Und so hat mich der Spieltrieb bewogen, mir mal ein solches Panel kommen zu lassen. Nach einigem Stöbern habe ich mich für ein Modul der Firma FlexSolar entschieden, das Panel liefert über eine USB-Buchse 5 Volt Spannung mit einer Leistung von maximal 6 Watt. Und das bei einer Größe von etwa einem DIN-A5-Blatt. Das klingt doch interessant, zumal der Preis niedriger als 20,- Euro ist.

Liest man die Artikelbeschreibung genauer, wird einem aber schon der erste Zahn gezogen – aus den beworbenen 6 Watt Leistung wird dann bereits ein maximaler Output von 4,5 Watt bei 5 Volt. Zudem empfiehlt der Hersteller den Einsatz von „Low-Power Equipment“, wie auch immer sich das definieren soll.

Geliefert wird das Panel und eine mehr als lückenhafte Bedienungsanleitung in einem neutralen Luftpolsterumschlag. Mit dabei liegen zwei Mini-Karabiner, die allerdings nicht in die vorgestanzten Ösen des Panels passen. Das Panel selbst macht einen ganz ordentlichen Eindruck, die an einem Spiralkabel fest mit dem Gerät verbundene USB-Buchse weniger.

Zuerst einmal teste ich das Panel auf dem Balkon und schließe mein Handy an. Das Ergebnis dieses ersten Tests ist ernüchternd: Bei bewölktem Himmel schafft es das Modul nicht, auch nur ein einziges Prozent Leistung in den Handyakku zu pressen. Über Einsatzzweck und Aufstellung, das wird mir klar, muss ich mir erst noch einmal Gedanken machen.

Am nächsten Tag kommt mir die Idee: Testweise werde ich das Panel auf einem Dachvorsprung mit Hilfe zweier Powerstrips befestigen. Dieser Dachvorsprung liegt ab dem Vormittag (bis etwa 16 Uhr) in der Sonne, damit sollte sich doch eine bessere Ausbeute erzielen lassen. Nun muss ich nur nach einem USB-Kabel kramen, das lang genug ist (an Verkabelung ist nichts weiter im Lieferumfang enthalten). Als Energiespeicher habe ich meine Powerbank ausersehen. Die hat nicht nur eine angenehm hohe Kapazität von nominell 20.000 mAh, sondern auch ein Display, das den Ladezustand in Ein-Prozent-Schritten anzeigt.

Dieser Versuchsaufbau sollte dann auch entsprechende Erfolge zeigen: Bei voller Sonneneinstrahlung liefert das Panel immerhin so viel Energie, dass sich die Powerbank in der Stunde um fünf bis sechs Prozent laden lässt. Und so gelingt es mir, den Batteriespeicher innerhalb eines Sommertages um 40 Prozent zu füllen. Das mag jetzt nicht nach übertrieben viel Energie klingen, aber mit dieser Energie lässt sich ein normales Android-Telefon und ein 7-Zoll-Tablet aufladen. Ich freue mich – meine Geräte laufen das erste Mal mit Sonnenstrom.

Wenn man das Panel so aufgestellt bekommt, dass es in optimalem Winkel vollständig der maximalen Sonneneinstrahlung exponiert ist, dann funktioniert die Sache erstaunlich gut. Aber schon bei bewölktem Himmel oder etwas Schatten bricht die Stromausbeute so dramatisch ein, dass über die USB-Buchse im besten Falle noch eine Erhaltungsladung des angeschlossenen Devices möglich ist, in der Regel geht dann aber gar nichts mehr. Und damit hinterlässt das Panel einen zwiespältigen Eindruck – denn es stellt sich ganz von selbst die Frage, was man mit so einem Panel anstellen könnte.

Die ersten Versuche mit dem Panel habe ich in den Tagen um die Sommersonnenwende unternommen. Da war die Energieausbeute, wie schon beschrieben, hinreichend gut. Doch schon eine Woche später und bei etwas gemäßigterem Wetter bricht die Leistung ein. Plötzlich lässt sich die Powerbank an einem leicht bedeckten Tag nur noch um 22% laden, ein enttäuschendes, wenig auskömmliches Ergebnis. Damit würde man zwar immer noch ein Smartphone so weit aufgeladen bekommen, dass man es gut einen Tag lang benutzen könnte, allerdings darf nicht vergessen werden, dass man die guten Aufstellbedingungen, die ich für das Experiment wählen konnte, kaum so konstant im freien Feld (z.B. auf einer Wanderung) vorfinden wird beziehungsweise herstellen kann.

Ja, im Sommer könnte ich damit mein Handy und mein Tablet betreiben, immerhin. Bei einem Preis von gegenwärtig 19,- Euro müsste das Panel allerdings etliche Jahre durchhalten, damit es sich amortisiert. Auch für eine Gartenhütte ohne Stromanschluss oder den Betrieb im Zelt ist so ein Panel denkbar. Allerdings eben nur mit zwei Einschränkungen, die die Sache dann schon uninteressanter machen, nämlich der Notwendigkeit, das Panel so auszurichten, dass es die meiste Zeit des Tages der prallen Sonne ausgesetzt ist (was aber z.B. Powerbanks so gar nicht mögen!) und der Problematik, dass das Teil nur bei bestem Wetter, nicht aber stärker bewölktem Himmel funktioniert.

Sicher, diese Einschränkung ist auch der Ladeelektronik der angeschlossenen Geräte geschuldet. Würde man das Panel direkt mit einem geeigneten 5-Volt-Akku verbinden, so würde die Batterie auch mit weniger Saft geladen werden; die Ladeelektronik unserer Handys, Tablets, Powerbanks und Bluetoothboxen benötigt in aller Regel eine halbwegs konstante Mindestspannung, um anzuspringen. Letztlich ist aber diese Anwendung genau die, für die man ein USB-Niedrigvolt-Panel kauft. Wer seine mobilen Devices mit einem ordentlichen Schaltnetzteil auflädt, der wird um den Preis des Panels viele Jahre seine Steckdosenadapter nutzen können. Ich kann mir, unabhängig vom Kaufpreis, auch nicht so recht vorstellen, dass die Umweltbilanz dieses Panels (Herstellung, Transport- und Logistikaufwendungen, Entsorgung) insgesamt positiv ausfällt.

Als Fazit bleibt also, dass das Panel im Prinzip funktioniert und den angedachten Zweck sogar erfüllt, letztlich für einen sinnvollen Betrieb aber viel zu wenig Leistung liefert. Und damit ist es vor allem eines: Eine nette Spielerei.

Seit Montag im Angebot bei Aldi Süd: Die Crane Massagepistole für 39,90 Euro im Kurztest

Eine akkubetriebene Massagepistole, so etwas ist seit vielleicht zwei Jahren voll im Trend, wollte ich schon immer haben. Allerdings war mir das Originalgerät der Firma Blackroll, für das gegenwärtig etwa 190,- Euro Straßenpreis aufgerufen werden, deutlich zu teuer – und so blieb die Massagepistole bis heute ein unerfüllter Wunsch.

Crane Massagepistole von Aldi Süd

Seit Montag, dem 10. Oktober 2022 bietet Aldi Süd ein „Nachahmerprodukt“ an, das Crane Fitness-Massagegerät, der mögliche Nutzen des Apparats wird auf der Verpackung in einem Satz erklärt: „Wohltuende Massage bei Verspannungen und nach dem Sport“. Der aufgerufene Preis: 39,99 Euro. Das ist doch mal eine preislich angenehme Größenordnung – und so bin ich heute, einen Tag nach Angebotsbeginn, losgezogen, um mir die Crane Massagepistole zu kaufen. Ich musste hier in Nürnberg drei Aldi-Märkte anlaufen, bis ich den Artikel erhalten habe, scheinbar ist das Angebot gut nachgefragt. Die beiden Innenstadtmärkte waren bereits ausverkauft, in der Filiale in der Schweppermannstraße wurde ich schließlich fündig. Auch wenn gerade Amazon-Prime-Days sind und dort ebenfalls Massagepistolen um vierzig Euro angeboten werden, gab ich dann doch dem Discounterprodukt den Vorzug, einfach aus der Erfahrung heraus, dass die Nonfood-Artikel von Aldi in aller Regel eine gute Qualität aufweisen, ein mindestens akzeptables bis gutes Preis-Leistungsverhältnis aufweisen und zur Not bei Nichtgefallen äußerst kulant umgetauscht werden können.

Kurz zum „Unboxing“: Der Verkaufskarton enthält ein geräumiges und passgenaues Etui für die Massagepistole, das Massagegerät selbst, die Bedienungsanleitung und ein Steckernetzteil mit Hohlstecker – darauf werde ich im Folgenden noch zu sprechen kommen. Zudem sind acht unterschiedliche Massageaufsätze mitgeliefert. Ich konnte noch gar nicht alle testen – nach der kurzen Zeit des Ausprobierens scheinen mir besonders der kugelförmige, der kegelförmige und der bogenförmige Aufsatz zur Selbstmassage hilfreich zu sein.

Die Pistole bewegt den jeweils aufgesteckten Massagekopf in schnellen, sehr kurzen impulsartig stoßenden Bewegungen vor und zurück und liefert damit ein etwas anderes Massagegefühl, als die konventionellen kreisend-rüttelnden Massagegeräte. Was letztlich besser und effektiver ist, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend sagen, aber: Diese Art der Massage finde ich nicht unangenehm und für ein Gerät zur Selbstmassage ungekannt kräftig. Die Intensität (also die Frequenz der Stoßbewegung) lässt sich in dreißig Schritten sehr fein abgestuft einstellen, ein kräftig leuchtenden und gut ablesbares LED-Display gibt über die Einstellung Auskunft. Die Einstellungen werden per Touch“screen“ vorgenommen, angenehm und modern.

Das Bedienpanel

Laut Bedienungsanleitung dauert es um die fünf Stunden, bis der interne, durch den Kunden nicht tauschbare Akku geladen ist. Zu den technischen Daten: In der Crane Massagepistole sind vier Lithium-Ionen-Akkus á 14,8 Volt, 1500 mAh verbaut. Das Steckernetzteil liefert knapp 7 Watt Leistung. Das mit dem „proprietären“ Ladegerät empfinde ich als etwas aus der Zeit gefallen, hier wünscht man sich einen gängigen USB-C-Port und eine saubere Ladeelektronik. Weiterhin positiv zu erwähnen: Der Massagepistole liegt eine knappe, gut verständliche und vernünftige Bedienungsanleitung bei, die auch erklärt, an welchen Körperstellen welcher Massageaufsatz verwendet werden kann und an welchen Körperstellen man generell nicht massieren sollte.

Die Verarbeitung des Massagegerätes empfinde ich als ausgesprochen gut: Die Pistole liegt angenehm schwer in der Hand, ist sauber entgratet und aus griffigem Kunststoff und Metall gearbeitet. Sie ist sauber entgratet, sie knarzt nicht und wirkt verwindungsstabil.

In der kürze der Zeit ist es schlicht nicht möglich, ein abschließendes Urteil zu fällen, außerdem habe ich keinen direkten Vergleich mit dem obengenannten Markengerät, dennoch scheint mir die Crane Massagepistole von Aldi für den aufgerufenen Preis ein guter Deal zu sein. Ich werde der Sache jedenfalls eine ernsthafte Chance geben.

Allgemein sollte man bedenken, dass eine Selbstmassage die professionelle Massage durch einen Fachmann bzw. Physiotherapeuten nicht ersetzen kann und wohl eher als Ergänzung zu verstehen ist. Gerade am Rücken sind mit der Pistole manche Stellen kaum ohne „Verrenkungen“ erreichbar, hier muss dann der Partner helfen.

Im Test: Grundig GBT Band – ein Bluetooth-Lautsprecher mit DAB-Radio

Seit etwa zehn Jahren sind mobile, akkubetriebene Bluetooth-Lautsprecher aus der Welt der Unterhaltungselektronik nicht mehr wegzudenken. Für viele ersetzt so ein Lautsprecher den Ghettoblaster der 80er und 90er und erfüllt damit das Bedürfnis nach Musikbeschallung mit hoher Mobilität. Der Launch des Digitalradios DAB+ im Jahr 2011 legte eigentlich auch nahe, dass die Gerätekategorie Bluetooth-Lautsprecher und DAB-Radio irgendwann mal miteinander verschmelzen wird – doch so weit sind wir leider noch nicht. Der Markt hält zahllose DAB-Radios mit Bluetooth-Schnittstelle bereit, aber nur wenige Geräte sind echte Boomboxen mit Akku.

Jeder Hersteller, der auf sich hält, hat einen Bluetooth-Lautsprecher im Angebot, es gibt sie in allen Größen, mit unterschiedlichen Akkukapazitäten und Lautsprechersystemen, in Mono, Stereo, in quasi allen erdenklichen Farben und Formen – aber wie eingangs erwähnt haben nur wenige ein Radio mit an Bord. Vorn dran bei diesen Geräten ist der Hersteller JBL, doch gerade dessen aktuell lieferbare Boombox/Digitalradiokombinationen laufen in… MONO! Völlig unverständlich: Wer mit dem Handy Musik hört, der tut das gewöhnlich in Stereo, Digitalradio empfiehlt sich ebenfalls für den Stereoempfang und dann bekommt man einen Monolautsprecher? Selbst wenn der gut und ausgewogen klingen mag, ganz zeitgemäß ist das freilich nicht.

Auf der Suche nach einer mobilen Bluetooth-Box mit Digitalradio (bestenfalls zu einem günstigen Preis) bin ich dann über die Grundig GBT Band gestolpert. Stereolautsprecher, DAB+-Radio, Bluetooth-Boombox, Miniklinken-AUX-In und USB-C-Ladebuchse für einen Preis von gegenwärtig günstigen 55,- Euro (bei Amazon) – was will man mehr?

Nach dem Auspacken der Box wird schnell klar: Technische Plattform für die Grundig „Band“ ist ein ganz normales DAB-Radio, das mit Bluetooth ausgestattet ist. Look, Feel und auch das Display ist das eines einfachen DAB-Radios. Das soll erst einmal nicht stören – warum nicht die Vorzüge eines solchen Gerätes mit dem Formfaktor einer Boombox genießen?

Optisch ist die Box durchaus gefällig. Die Tasten sind nun kein Meisterwerk der Präzision, der Stoff, der die Lautsprecher schützt und das Gerät ummantelt, ist bei unserem Gerät leider etwas schief aufgebracht, aber sonst ist alles prima, nichts knarzt oder lässt sich verwinden. Grundig, das darf man eben nicht vergessen, ist nicht mehr die „große Marke“ Grundig von früher (made in Germany, genauer: Nürnberg oder Fürth, Innovationstreiber in der Unterhaltungselektronikindustrie – nein, diese goldenen Zeiten sind lange vorbei), sondern ein Handelsname für eher einfache und billige Elektronik aus aller Herren Länder. Und dafür ist die Box, das muss man anerkennen, haptisch ganz ordentlich.

Per USB-C ist der Lautsprecher schnell geladen. Fast ein wenig zu schnell, warum, darauf werde ich später noch zu sprechen kommen. Die hinten am Gehäuse etwas schräg anliegende, vielgliedrige Teleskopantenne wird vor dem ersten Sendersuchlauf ausgezogen und schon findet das DAB-Radio in Windeseile alle lokal empfangbaren DAB-Sender. Als besonders empfangsstark ist mir die Box nun nicht aufgefallen, für den Bundesmux und die Lokalsender langt es aber allemal, der Empfänger rangiert hier im oberen Mittelfeld. Das kann man vom UKW-Radio, das ebenfalls mit an Bord ist, nicht behaupten. Der Empfang ist selbst bei starken Sendern in bestens versorgtem Gebiet stark verrauscht. Das FM-Teil ist vielleicht als Notempfänger in schlecht mit DAB versorgten Gebieten akzeptabel, ernsthaft über UKW Radio hören lässt sich mit dem GBP Band allerdings nicht. Fünf Lieblingssender sind auf den fünf Stationstasten schnell gespeichert.

Die Bluetooth-Funktion ist sehr anständig umgesetzt: Schnell ist die Box gekoppelt und sie verbindet sich auch nach dem Aus- und Einschalten stets ohne merkliche Verzögerung und sehr zuverlässig mit dem Handy. Zudem ist die maximale Reichweite zwischen Mobiltelefon und Box sehr gut – hier stellt der Grundig-Lautsprecher manch vielfach teureres Gerät von Premiumherstellern in den Schatten.

Jetzt zum Wichtigsten: Dem Klang. Der ist okay, der passt – aber man darf keine Wunder erwarten. Positiv hervorzuheben ist, dass die Box über zwei Lautsprecher verfügt, stereo eben. Die Basswiedergabe soll über zwei seitlich ausgeführte Passivmembrane, die mit einer Art „Überrollbügel“ gegen Beschädigung leidlich geschützt sind, verstärkt werden. Als große Schwäche sehe ich im Klangbild tatsächlich die Basswiedergabe, die ich als dünn und wenig straff beschreiben möchte. Das Prinzip mit den Passivmembranen ist gerade im Kompakt- und Ultrakompaktlautsprecherbau groß in Mode (und verdrängt hie und da sogar die reichlich drei Jahrzehnte vorherrschenden Bassreflexkonstruktionen). Bei diesen Kleinstboxen ist das auch durchaus in Ordnung, allzu großen Gewinn darf man hiervon aber nicht erwarten. Die kleinen Passivmembrane mit ihrem mattsilbernen Finish sehen ganz gut aus, einen echten klanglichen Vorteil bringen sie jedoch kaum. Der Mittelton präsentiert sich sauber und verzerrungsfrei, in den Höhen fehlt es der Box mithin ein wenig an Brillanz, insgesamt ist das Klangbild aber noch ausgewogen.
Wer diese Box also für seine Kids kauft, damit die im Outdoor-Betrieb ordentlich Deutschrap pumpen und den Bolz-, Skate- oder Basketballplatz standesgemäß beschallen können, wird in enttäuschte Gesichter blicken. Für den gemäßigten Musikgenuss, Nachrichten und Hörbücher ist die „Band“ aber allemal gut.

Über die Kapazität des Akkus schweigt man sich bei Grundig aus. Im Bluetooth-Betrieb hält der Lautsprecher hinreichend lang, im Radiobetrieb muss man schon nach wenigen Stunden nachladen. Die Ladeanzeige ist leider ziemlich unpräzise und lässt kaum Rückschlüsse auf den wahren Ladestatus des Akkus zu. Gut gelöst: Die Box wird mittels USB-C aufgeladen, das ist günstig, weil heute ja die meisten Handys über eine USB-C-Ladebuchse verfügen. Wer ein 50W oder gar 120W-Schnellladegerät an die Box anschließt, wird sie damit aber nicht aufgeladen bekommen, zu hoch ist die Leistung für den einfachen Ladeschaltkreis. Ein Problem, das zurzeit bei vielen Devices zutage tritt.

Mein persönliches Fazit: Viel Licht, aber auch Schatten – die Kombination von mobiler Bluetooth-Boombox und DAB-Radio ist einfach wahnsinnig praktisch, auch wenn der Box eben ordentlich „Boom“ fehlt. Nichtsdestotrotz zählt sie sich unter die wenigen Geräte am Markt, die Stereowiedergabe bei diesem Formfaktor und DAB bieten. Die Akkukapazität ist nicht optimal, aber gerade noch in Ordnung. Gut ist der DAB-Empfang, die Bluetooth-Konnektivität ist hervorragend, der FM-Empfang fällt stark ab. Wenn die Box im Sale ist, kostet sie 55,- Euro und dieses Geld ist sie auch wert, 70,- Euro oder gar den UVP von 89,99 Euro würde ich dafür nicht berappen wollen.

Test: Der Weltempfänger Tecsun PL-330

Der Fernradioempfang über Kurzwelle war in den 1990er Jahren (und auch in den frühen 2000ern) noch ein durchaus gängiges Hobby für technikinteressierte (junge) Erwachsene – und auch mich hat die Faszination für die kurzen Radiowellen, die sich an der Atmosphärenschicht brechen und so quasi den halben Erdball (oder mehr) umspannen, nie ganz verlassen. 2009 kaufte ich meinen letzten ernstzunehmenden Weltempfänger, den ich einige Jahre nutzte, aber seit gut zehn Jahren war ich quasi Kurzwellen-abstinent, den Roadstar-Empfänger habe ich an einen Freund verschenkt.

Irgendwie hat mich die Kurzwelle aber dennoch wieder gereizt, gerade in unseren Zeiten internationaler Verwerfungen scheint mir der Empfang von Auslandssendern wieder interessant. Ein wohlmeinender Funkamateur auf Twitter dämpfte meine Euphorie aber ein wenig: „Du wirst die Kurzwelle nicht wiedererkennen“, schrieb er (und sollte mit dieser Einschätzung recht behalten, in mehrerlei Hinsicht).

Nach einiger Überlegung habe ich mir dann doch wieder einen Weltempfänger geklickt, einen Taschenempfänger (denn so einen großen Kasten wie den Roadstar wollte ich mir dann doch nicht wieder in die Wohnung stellen). Die Wahl fiel kurzerhand auf ein chinesisches Modell, den Tecsun PL-330. Die Gründe für die Bestellung dieses Radios sind schnell herunterdekliniert: Das Radio hat ein tolles kompaktes Format (139 x 85 x 26 mm), wiegt mit Akku etwas weniger als 250g, in den Rezensionen unterschiedlicher Händler wurden ihm durch die Bank gute Empfangseigenschaften beschieden und letztlich gefiel mir auch das typische „80er-Jahre“-Design sehr gut (ich tappe gewöhnlich gerne und sehenden Auges in jede Retro-Falle…).

TECSUN PL-330

Bestellt habe ich das Radio direkt in China, über einen der zahllosen Stores des Portals Ali-Express. Ob das so schlau war? Schließlich fallen bei Bestellungen in China inzwischen Zollgebühren an, eine Bagatellgrenze scheint es inzwischen nicht mehr zu geben. Aber der Zoll verzichtete bei mir ganz offensichtlich auf das Einheben irgendwelcher Gebühren, innerhalb von zwei Wochen war das Radio, das ein kleines Taschengeld kostet, bei mir. Geliefert mit Hermes. Wer das Zollthema nicht riskieren möchte und auf eine volle Garantie Wert legt, kann den Empfänger aber auch bei deutschen Händlern bekommen. Inklusive einer deutschen Bedienungsanleitung, meinem Radio lag nur ein chinesisches Heft bei.

Unprätentiös das Unboxing: In einer kleinen Faltschachtel befindet sich in einer Luftpolsterfolie das Radio, eine Schutztasche einfacher Machart (ein „Sackerl“), der Akku und ein USB-auf Mikro-USB-Ladekabel liegen der Lieferung ebenso bei, wie eine chinesische Kurzanleitung und ein Paar einfache Ohrhörer. Geliefert wird eine rein chinesische Bedienungsanleitung, allerdings hat sich hier jemand die Mühe gemacht, die Bedienungsanleitung exzellent ins Deutsche zu übersetzen.

Die digitale Signalaufbereitung verdient besondere Erwähnung. In der englischen Gerätebeschreibung heißt es: „Fitted with modern DSP digital demodulation technology which greatly enhances reception sensitivity, selectivity, signal-to-noise radio and interference performance“ – das klang mir doch arg nach dem üblichen „Marketing-Sprech“, aber zumindest was Empfindlichkeit und Fading betrifft, ist die Aussage wahr. Ich will jetzt nicht allzu euphorisch klingen, aber ich habe Kurzwelle noch nie mit so wenig Fading gehört. Wenn das Signal auch nur halbwegs stabil ist, kann man Sendungen über lange Zeit mühelos folgen.

Auch wenn die vielen Tasten anderes vermuten lassen, ist der Bedienkomfort erstaunlich hoch und die Bedienung in sich schlüssig. Ein wenig beschäftigen und mit den Funktionen vertraut machen muss man sich schon, aber wer heute bewusst ein Kurzwellenradio kauft, ist dazu sicher bereit. Die Funktion, die mir die Bedienung wesentlich erleichtert und mich am meisten überzeugt, ist der Bandscan. Binnen weniger Minuten sind alle Frequenzen der Bänder durchgelaufen und das Radio legt empfangene Sender chronologisch im Speicher ab, so dass man nicht manuell suchen muss, sondern sich bequem durch die Ergebnisse schalten kann. Die sehr gute Selektivität des Empfängers kommt einem hierbei besonders zu Gute. Ich meine, sagen zu können, dass keine Frequenz ausgelassen wird, auf der aktiv gesendet wird.

Zum Akku: Tecsun greift hier auf das Design des Nokia BL-5C zurück, ein gängiger Akku, der auch heute noch bei sog. „Dumbphones“ des ehemals finnischen Handyherstellers Verwendung findet und millionenfach in Umlauf sein dürfte. Meiner Meinung nach eine geniale Entscheidung: Third-Party-Akkus dieses Typs bekommt man quasi überall für drei, vier Euro und selbst der Nokia-Originalakku kostet kaum mehr aus sieben bis zehn Euro. Ersatz ist also schnell und günstig beschafft (und auch in den nächsten Jahren sichergestellt), sollte der Akku einmal schwächeln. Mit dem Aufladen des Akkus hatte ich hingegen so meine Probleme. Das Radio verfügt über eine Micro-USB-Buchse, ein kurtes Kabel liegt bei. Als ich das Radio das erste Mal aufgeladen habe, griff ich mir einfach das nächstbeste Handyladegerät mit USB-Buchse (ich schätze es auf eine Maximalleistung von 20, 30 Watt). Der Ladevorgang war da nur unvollständig, wurde im Display nach zwei Minuten als abgeschlossen angezeigt und das Radio wurde in der Nähe der Ladebuchse erschreckend heiß. Inzwischen lade ich das Radio mit einem uralten Apple-Netzteil, das etwa 5 Watt Leistung aufgibt – und siehe da: Das Laden funktioniert einwandfrei (und ja, die technischen Daten geben eine Hinweis darauf: „Charging/external power: DC 5V / 500mA“).

Ein paar kleine, interessante Features bringt das Radio mit sich. Zum einen muss der FM-Sterero-Empfang über Kopfhörer genannt werden, der sehr gut ist. Bei schwachen Sendern wird Stereo automatisch stufenlos in Mono rübergeblendet, bevor das Rauschen zu stark wird – eine sehr angenehme Hörerfahrung. Das angenehm hinterleuchtete und gut ablesbare Display verfügt über eine Signalstärkeanzeige und gibt auch einen Signal-Rausch-Verhältniswert aus. Die Werte zu beobachten und in Relation zum empfangenen Signal zu setzen, ist interessant – hilft mir persönlich aber in der Praxis nur wenig. Die Abstimmung übernimmt das Radio ja in aller Regel allein.

Der Empfang: Auf Kurzwelle (Frequenzbereich 1711-29999 kHz) war ich, wie gesagt, vom klaren Ton und dem nur geringen Fading, selbst unter ungünstigen Empfangsbedingungen mitten in der Stadt, sehr begeistert. Und ja, ich erkannte die Kurzwelle nicht wieder. War früher eigentlich immer irgendwo ein Auslandssender mit „Deutschem Dienst“ zu hören, haben sich die aktiven und starken Kurzwellensender doch insgesamt spürbar dezimiert. Einseitenbandempfang ist möglich, das habe ich aber nicht weiter getestet, ebenso habe ich noch keine externe Antenne (anzuschließen über eine Miniklinkenbuchse) verwendet. Ich kam ehrlich gesagt nur ein einziges Mal auf die Idee, das versuchen zu wollen – weil nämlich auf der Langwelle (153-513 kHz) gespenstisches Schweigen herrschte und herrscht. Es gibt in Dänemark, Großbritannien, Irland und Rumänien noch große Langwellensender, hören konnte ich aber noch keinen davon (abseits davon: Die Abschaltung der deutschen Langwellensender halte ich bis heute für einen großen Fehler). Auf der Mittelwelle (520-1710 kHz bzw. 522-1620 kHz) ist gewöhnlich am Abend viel los und ich habe mit dem Mittelwellenteil meinen Spaß. Der kleine Erlanger Mittelwellensender Joe ist auch in Nürnberg gut zu hören :). Der UKW-Empfang (64-108 bzw. 87-108 MHz) geht mit ausgezogener Antenne ebenfalls sehr gut.

Mein Fazit: Das Tecsun PL-330 ist klein und leicht und ein ideales Reiseradio. Ich bin erstaunt, was die digitale Signalaufbearbeitung heute zu leisten im Stande ist. Kurzwellenhören macht mit dem kleinen Teil auf jeden Fall großen Spaß. Das kleine Radio bringt im Wesentlichen alle Tugenden eines großen Weltempfängers mit, ich klann es nicht anders sagen: Das ist das beste Taschenradio, das ich bisher besessen habe. Wünschenswert wäre RDS und eventuell auch eine Abspiel- und Aufnahmemöglichkeit auf Micro-SD, wie sie heute bei vielen ähnlichen Geräten chinesischer Provenienz Standard ist. Heute würde ich das Radio wohl nicht mehr in China bestellen, kostet es mit Versand durch einen deutschen Händler (mit Garantie) zwischenzeitlich mit 72,- bis 99,- Euro kaum mehr, als in China.

Im Test: Der DAB- und Internetradiotuner Majority Fitzwilliam 2

Wer noch eine gute, alte Stereoanlage, die aus einzelnen HiFi-Bausteinen besteht, sein Eigen nennt und zudem mit dieser Anlage auch gerne einmal Radio hört und die um einen Mediaplayer erweitern möchte, für den habe ich diesen ausführlichen Testbericht eines Tuner-Bausteins der Fa. Majority vorbereitet. Unter die Lupe genommen wird heute das Modell „Fitzwilliam 2“ – auf das Gerät bin ich nach einem Tipp von Bloggerkollege Ralph Stenzel gestoßen. Ralph hat mir den Tuner angelegentlich empfohlen und alleine das wäre Referenz und Grund genug, sich das Gerät einmal näher anzusehen. Zufällig war ich gerade auf der Suche nach einem guten Radio für meine Stereoanlage, weil mein alter Tuner, ein DAB-Gerät (noch ohne “plus”), ein PURE DRX-702 (ein Review findet der interessierte Leser hier), inzwischen in die Sammlung des Fürther Rundfunkmuseums übergegangen ist.
Und, um es vorwegzunehmen, ich habe – wider Erwarten – im Fitzwilliam 2 einen würdigen Ersatz gefunden. Gekauft habe ich den Tuner im November 2019 und nach gut und gerne sechs Monaten intensiver Nutzung möchte ich meine Eindrücke schildern.

Was also ist der Fitzwilliam 2 für ein Gerät?

Zuerst einmal ein Radiotuner, ganz klassisch, mit einem UKW-Teil und der Möglichkeit, DAB+ zu empfangen. Ferner auch ein Internetradio (der nicht nur Webstreams, sondern auch Podcasts empfängt). Zudem bietet der Tuner einen AUX-Eingang (dazu später mehr), die Möglichkeit, ein Bluetooth-Gerät zu koppeln, einen UPnP- und DLNA-Mediaserver und letztlich spielt er auch Dateien vom USB-Stick ab. Ein echter Tausendsassa also.
Mit seiner Breite von 43,5 cm passt der Tuner auch exakt ins HiFi-Rastermaß (Höhe: 7,4 cm, Tiefe knapp 30 cm) – einer Integration in die heimische Stereoanlage steht also nichts im Wege.

Angeschlossen an die heimische Stereoanlage: Der Digitalradio-Tuner Majority Fitzwilliam 2

Angeschlossen an die heimische Stereoanlage: Der Digitalradio-Tuner Majority Fitzwilliam 2

Zu den wesentlichen Anschlussmöglichkeiten gehören neben dem eingebauten WLAN (heute eine Selbstverständlichkeit) rückseitig auch ein LAN-Eingang, zwei analoge Audio-Ausgänge (sowohl als Cinch-Buchsen als auch als 3,5mm-Klinkenbuchse, jeweils unsymmetrisch ausgeführt), ein 3,5mm-Klinke-Audioeingang, ein optischer und ein koaxialer digitaler Audio-Ausgang und frontseitig ein USB-Port (überraschenderweise mit 5V Speisespannung bei 1 Ampere) und ein 3,5mm-Klinke-Kopfhörerausgang (bei einer HiFi-Komponente erwartet man eigentlich einen 6,3mm-Klinke-Kopfhöreranschluss). Einen Antenneneingang hat der Tuner nicht, es befindet sich rückseitig eine Stabantenne fest montiert.
Zu den Anschlussmöglichkeiten einige wenige Bemerkungen: Als großzügig empfinde ich die vielfachen Audio-Ausgabemöglichkeiten: Wer das Gerät in die klassische Stereoanlage einbindet, also an seinen Verstärker oder Vorverstärker anschließt, der wird freilich zum Cinch-Anschluss greifen. Ein Verbinden mit einem AV-System erfolgt ganz einfach über Toslink oder SPDIF – es ist an alles gedacht. Und dann wäre da noch der Klinkenausgang zu nennen, der ja vielleicht zur Anbindung an ein Lautsprechersystem sinnvoll sein könnte (der Tuner empfängt Bluetooth, sendet aber selbst kein Audio über Bluetooth!).
An einer Stereoanlage ist natürlich ein rückseitiger Klinke-Audio-Eingang, der dann über den Tuner im Betriebsmodus “AUX” wieder auf den anderen Ausgängen wiedergegeben wird, obsolet. Dieser Eingang dürfte schlicht ein Überbleibsel aus der Kofferradio-Provenienz des Fitzwilliam sein, denn Majority nutzt hier ein Platinendesign, welches eigentlich für ein Regal- oder Kofferradio mit eingebautem Lautsprecher verwendet wird und montiert es in einen Rackbaustein. So ist auch zu erklären, dass auf den analogen Audioausgängen keine fixierte Signalspannung ausgegeben wird, sondern die Lautstärke mit dem rechten Klick/Drehregler angepasst werden kann. Diese Besonderheit bringen viele Geräte dieser Klasse mit sich – des einen Leid, des anderen Freud, kann der Tuner doch so, ohne den Umweg über einen Vorverstärker nehmen zu müssen, direkt an Aktivboxen angeschlossen werden.
So erklärt sich auch das Fehlen eines Antennenanschlusses, der bei einem HiFi-Tuner fast schon ärgerlich ist. Immerhin hat Majority an der Rückseite eine kleine Stabantenne und keine Wurfantenne verbaut (das habe ich schon öfter sehen müssen!) – aber ein Tuner, der fest in Racks oder Mobiliar eingebunden wird, sollte eine Anschlussmöglichkeit für eine externe Antenne haben.

Anschluss und Einrichtung

Angeschlossen ist der Tuner fix: Mit dem passenden Kabel an den Verstärker anschließen, das Kabel des Steckernetzteils mit der Buchse verbinden, sollte man LAN verwenden, wird das ebenfalls so verbunden und fertig.
Die Einrichtung erfordert schon etwas mehr Zeit – das WLAN will eingerichtet, Radiosender gespeichert und bei der Internetradiofunktion Favoriten gewählt und zugewiesen werden.
Bei dieser Prozedur kann auch die UNDOK-App hilfreich sein, mit der sich das Gerät fernsteuern lässt, und die dann funktioniert, wenn sich Tuner und Handy oder Tablet im selben WLAN befinden. Dem Tuner liegt auch eine Fernbedienung bei, die recht klein ist, sonst aber einen sehr ordentlichen Eindruck macht (Gummitasten mit hinreichendem Druckpunkt, betrieben wird sie mit zwei AAA-Standardbatterien).
Das Internetradio greift auf die Datenbanken von Airable zu, dort kann man sich registrieren und den einen Account mit dem Webradio verbinden. Dazu wird in der App oder auf dem Display einfach ein Code angezeigt, der innerhalb von zehn Minuten im Portal eingegeben werden muss und dann das Gerät automatisch dem eigenen Benutzerkonto zuordnet.

Bedienung

Die Bedienung geht flüssig vonstatten, allzu lange „Denkpausen“ erlaubt sich der Tuner angenehmerweise kaum. Die Gerätetasten verfügen über saubere Druck-, die Drehregler fühlbare Rastpunkte. Das klare Farbdisplay erleichtert die Bedienung zudem.
An die immer etwas eigenwillige Menüstruktur dieser Geräte muss man sich freilich erst gewöhnen und dem allzu unbedarften Nutzer sei auch gesagt, dass die Funktionsvielfalt des Tuners auch etliche Einstellungsmöglichkeiten bedingt, mit denen man sich beschäftigen muss. Dennoch halte ich den Tuner für gut bedienbar. Auch die Menüpunkte sind bis auf wenige Ausnahmen auch sinnstiftend und verständlich ins Deutsche übersetzt.

Radio- und Internetradioempfang, Mediastreaming

Kommen wir zu den Empfangseigenschaften des Radios. Ich habe eingangs ja schon das Fehlen eines Antennenanschlusses kritisiert. Das kann – je nach Aufstellungsort und Empfangssituation – gar keinen bis hin zu einem gravierenden Einfluss auf den Empfang haben. Hier in Nürnberg, im Altbau ohne Stahlbeton ist mit der Stabantenne weitestgehend alles paletti. Der DAB-Tuner erweist sich als hinreichend selektiv, es werden alle verfügbaren Ensembles mit guter Signalstärke störungsfrei empfangen. Als etwas schwachbrüstiger erweist sich der UKW-Empfänger. Die Ortssender werden ebenfalls empfangen, schwächere Stationen neigen aber hörbar zum Rauschen.
Das Farbdisplay ermöglicht im Betriebsmodus DAB auch eine gute Darstellung der mit übertragenen grafischen Informationen wie zum Beispiel dem Senderlogo, Albencover der gerade gespielten Lieder etc. Wer in einem mit DAB gut versorgten Gebiet wohnt, wird das UKW-Empfangsteil nur selten brauchen, denn die Vorzüge des Digitalradios liegen klar auf der Hand.

Das Internetradio funktioniert ebenfalls störungsfrei. Mitübertragene Informationen wie das Senderlogo werden grafisch dargestellt, auch die Lesbarkeit der mitgesendeten Textinformationen ist einwandfrei. Dasselbe gilt freilich auch für die Podcasts, die mit dem Tuner problemlos wiedergegeben werden können.

Gut ablesbar: Das Farbdisplay

Gut ablesbar: Das Farbdisplay

Beim UPnP- und DLNA-Zugriff (mit UPnP und DLNA lassen sich Dateien vom eigenen Computer, aus dem Heimnetzwerk, vom NAS oder der Fritzbox mit Mediaserver an das Radio senden und wiedergeben) aber offenbart das Gerät leider wie viele seiner „Artgenossen“ einen seit mindestens zehn Jahren existierenden Softwarefehler, der diese „Brot-und-Butter“-Funktion für quasi alle Abspielanwendungen unbrauchbar machen dürfte: Die Sortierung der Dateien auf dem Server wird nicht übernommen, sondern die Titel in jedem Ordner alphabetisch wiedergegeben. Das bedeutet, dass die Songs auf einem Album quasi durcheinandergewürfelt sind, bei Hörbüchern folgt beispielsweise auf den Track 1 der Track 10, dann 11…, bis dann wieder Track 2 bis 9 abgespielt werden. Wer gerne seine Mediendateien vom Server/NAS/Fritzbox abspielen möchte, kann das Gerät nicht sinnvoll verwenden und es ist hochgradig ärgerlich, dass dieser Softwarefehler des Chipsets von Revision zu Revision und Modell zu Modell herstellerübergreifend mitgeschleppt wird. Sollte es hier eine Möglichkeit der Umstellung, Tastenkombination auf der Fernbedienung oder Ähnliches geben, ist diese Funktion zumindest nicht dokumentiert.

Bluetooth, Wiedergabe von USB

Für mich persönlich zwei „nice to have”-Funktionen. Die Bluetooth-Wiedergabe hinkt dem Klangniveau des Tuners etwas hinterher, klingt etwas verhangen, funktioniert aber im Wesentlichen. Die Wiedergabe vom USB-Stick funktioniert problemlos.

Einfach erreichbar: Der USB-Port des Fitzwilliam 2

Einfach erreichbar: Der USB-Port des Fitzwilliam 2

Klang und Gerätehaptik

Das wichtigste: Wie klingt das Gerät? Nun, es fällt mir fast schwer, das zu sagen, aber ich bin wirklich überrascht, wie gut so ein Multifunktionstuner in dieser Preisklasse klingen kann! Mein Testsetup, also meine Stereoanlage, hat sich über die Jahre nur wenig verändert, ein Vorverstärker von Cambridge Audio liefert den Ton an zwei Gegentakt-Röhrenmonos (auf Basis der EL34) und befeuert die wirkungsgradstarken Bassreflexboxen mit Treibern von vifa/Hans Deutsch und Hochtönern von Dali – kein High End, aber gerüttelte HiFi-Oberklasse.
Und in die fügt sich das sich mit seinen 100,- bis 120,- Euro Straßenpreis doch eher günstig ausnehmende Gerätchen klanglich nahtlos ein. Das Eigenrauschen ist minimal – ja geradezu vernachlässigbar. Der Tuner, der für sich genommen ja schon ein recht potent ausgestattetes eingebettetes Computerchen ist, erzeugt auch keine feststellbaren Hochfrequenzstörsignale und der ausgegebene Ton klingt über das gesamte Frequenzspektrum ausgewogen und verzerrungsfrei. Der DAB-Klang ist (eingefleischte Analogfans mögen nun den ersten Stein werfen) über jeden Zweifel erhaben. In der UKW-Betriebsart sehe ich das nur mit Einschränkungen, aber UKW ist nach meinem Dafürhalten, auch wenn offiziell noch kein Ausstiegsdatum bekannt gegeben wurde, eine abgekündigte Technik. Der Klang von Webstreams und Podcasts ist hier weniger von den Klangeigenschaften des Geräts als von der Qualität, Bandbreite und der Güte des jeweils verwendeten Kompressionsverfahrens/Codecs abhängig. Möglicherweise offenbart der Tuner in einem High End-Set-up oder unter Laborbedingungen die ein- oder andere Unzulänglichkeit – in einem „normale“ Stereo- oder Heimkino-Set-up sind aber keine bösen Überraschungen zu erwarten -im Gegenteil: Mit dem Fitzwilliam 2 macht Radiohören ob des klaren und ungestörten Tons und des ausgewogenen, transparenten Klangbilds richtig Spaß!
Die Haptik zu loben, fällt mir hingegen schwer. Zwar zeigt der Tuner keine Mängel in der Verarbeitung, aber er ist halt ein federleichter Vollplastikeimer mit Vollplastikgehäuse und Vollplastikfront. Man würde ihn gerne irgendwie hinter den anderen HiFi-Komponenten mit ihrer wertigen Anmutung verstecken, aber dann lässt er sich nicht mehr bedienen. Ich bin fast geneigt, zu sagen: „Irgendwoher muss der günstige Preis ja kommen.“

Die Fernbedienung (zum Vergrößern klicken)

Die Fernbedienung (zum Vergrößern klicken)

Fazit

Ich bin überrascht! Überrascht von der Funktionsvielfalt, vom Klang und vom Preis. Der Fitzwilliam 2 macht in vielen Disziplinen eine ordentliche, im Bereich des DAB- und Internetradios eine hervorragende Figur. Angesichts dessen ist auch die etwas zweifelhafte Haptik zu verschmerzen. Und ich nehme dem Tuner auch nicht krumm, dass er quasi ein „geschlachtetes Kofferradio ohne Lautsprecher“ ist. In den letzten sechs Monaten hatte ich, sieht man vom UPnP-Mediaplayer ab, der nach wie vor schlimmer Murks ist, mit dem Majority viel Spaß. Eine echte Empfehlung!

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