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Hempels Buger in Gostenhof – nun, für Nürnberg reichts scheinbar.

Nürnberg ist meine Lieblingsstadt, ich wohne wirklich wahnsinnig gerne hier. Das ändert leider nix an der Tatsache, dass die Frankenmetropole nun nicht gerade zu den Trendsettern zählt (das ficht mich nicht an) und vieles aus Berlin, Köln oder Hamburg mit einem gewissen Delay „zu uns herüberschwappt“. Kurz: Nürnberg ist manchmal ein wenig provinziell und daher sind die Maßsstäbe mitunter auch nicht allzu hoch anzulegen – das gilt gleichermaßen für die hiesige Trendgastronomie. Ich erinnere mich zum Beispiel noch gut an das Phänomen „Bubble Tea“ – als den Berlinern vor lauter Überdruss bereits die Tapioka-Perlen zu den Ohren herauswuchsen, eröffnete in Nürnberg die erste Bubble Tea-Bude.

Ein bisschen scheint es mir so mit dem derzeitigen Burger-Trend: Wie Pilze schießen die Burgerbuden aus dem Boden und alles, was vier Räder hat und noch mit Dieselkraft vor der Schrottpresse davonrollen kann, wird zum Foodtruck umgebaut. Das dieser Trend hier und da in puncto Geschmack, Service und Sauberkeit seinen Tribut fordert, ist immer mal wieder zu spüren. Und deutlich zu spüren bekamen wir es bei unseren gestrigen Besuch bei Hempels Buger in der Gostenhofer Hauptstraße.

Hempels, Hempels? – Das weckt die Assoziation zu dem alten Reinhard-Mey-Song, der mit den schönen Worten

Also hier sieht‘s ja aus, wie bei Hempels unterm Bett! (Quelle)

schließt. Und das nicht zufällig. Doch dazu später.

Hempels-Nuernberg-außen

Ich wollte eigentlich nie zu Hempels, denn es ist für mich schlicht nicht einsichtig, warum man in einem Wirtshaus (Eigenbeschreibung laut Impressum der Webseite: Gasthaus) nicht bedient wird. Wenn ich darauf verzichten kann, bedient zu werden, dann gehe ich zu McDonalds, Burger King oder Starbucks oder anderen drittklassigen Abfütterstationen der konzernierten Systemgastronomie. Dort muss ich mein Essen und meine Getränke am Tresen bestellen, bezahlen und abholen. Das ist für mich der absolute Ausdruck der Geringschätzung des Gastes – und schlicht ein no go (ich berichtete darüber an anderer Stelle). Dumm nur, dass ich diesem meinem Prinzip, „Gastronomie“ mit sogenanntem „self service“ zu meiden, untreu geworden und doch zu Hempels gegangen bin. Dort wird man nicht bedient, sondern bei der Bestellung wird der Vorname des Gastes aufgenommen und dann ausgerufen – man veranstaltet hier ein ähnlich peinliches wie nervendes Kasperletheater wie bei Starbucks. Um die vor dem Laden sitzenden „Gäste“ zu erreichen, hat man eigens eine Art Lautsprecheranlage gebastelt – es ist schier unfassbar, was man sich als Gast heute alles bieten lassen muss!
Wir haben über Hempels nichts Gutes gehört – sehr wohl aber Gutes gelesen und so dachte ich: Gehen wir einmal hin, nicht das einem trotz der Serviceverweigerung etwas Leckeres entgeht – aber: Pfeifendeckel.

Das Hempels liegt in der Gostenhofer Hauptstraße, einem ehemaligen Glasscherbenviertel in Nürnberg – einem Gebiet, das zwar immer noch deutlich Entwicklungspotenzial hat, andererseits aber durch Gentrifizierung nicht mehr ganz so übel ist, wie noch von fünfzehn Jahren. Es passt mit seinem Konzept gut in die Gegend, nicht aber preislich.

Wir aßen einen Cheeseburger und einen Chili-Cheeseburger, dazu einmal normale Pommes und einmal Chili-Cheese-Fries, zum Trinken ein 0,3er Fritz-Limo und ein 0,3er Spezi „Mischmasch“ (wie halt überall dieses Fritzzeug ausgeschenkt wird, man sehnt sich ja schon bald nach der guten alten Coca Cola. Wer heute auf sich hält – sorry – braucht mit Fritz nicht mehr um die Ecke zu kommen). Die im Voraus am Tresen zu begleichende Rechnung betrug dafür happige 30,50 Euro (zwei mal Burger mit Pommes und Cola für über sechzig Mark, nur mal, um die Relation zu vergegenwärtigen). Gut, die Gentrifizierer haben Geld. Ich wäre irrerweise sogar bereit, dieses Geld auszugeben, wenn die Gegenleistung denn stimmen würde, aber allein angesichts der Hempelschen Weigerung, den Gast zu bedienen, erscheint mir dieser Betrag absurd hoch.

Nachdem also bestellt, bezahlt und abgeholt wurde, stehen zwei hoch aufgetürmte Burger vor uns. Die Buns sind, wie auf dem Bild zu erkennen, schon reichlich angekokelt, sonst aber sehr ordentlich. Auch das Fleisch, sparsame 190g, wäre im Prinzip ordentlich, ist allerdings deutlich zu dunkel gegrillt – mit einer brandigen Geschmacksnote – und damit leider nicht nur geschmacklich daneben sondern auch zu trocken. Die restlichen Zutaten waren durchwachsen: Der Bacon auf dem Chili-Cheeseburger war recht knusprig und eiskalt. Der Raclette-Käse ist würzig, was für seine Qualität spricht, geschmacklich mit dem normalen Hamburger aber leider überhaupt nicht harmoniert. Der Käse liegt ebenfalls als eiskalte Scheibe auf dem Burger, ist nicht mal einen Hauch angeschmolzen. Der Salat scheint frisch zu sein, die Soße war nullachtfuffzehn, wie der ganze Burger eben auch.
Bei Hempels hat man das Burgerkonzept im Prinzip richtig gedacht: Keine Industrie-Buns, Bio-Fleisch und frische Zutaten. Gedacht alleine nutzt aber nix: Was man bekommt, ist lieblos und handwerklich absolut unambitioniert. Gut, das ist hier keine Sterneküche, sondern eine Burgerbude. Aber das, was da auf den nackten Blechtabletts liegt (auf sowas wurde in den 80ern in Omas Kaffeestüberl das Kännchen nebst Tasse und Kondensmich-Plastikportionsdöschen serviert), rechtfertigt halt den aufgerufenen Preis nicht annähernd. Die Pommes liegen in einer Einwegpappe auf dem Blechtablett, sind billiges TK-Zeug und leider ebenfalls absolut langweilig. Sie unterstreichen die Beliebigkeit der Speisen aufs Eindrücklichste. Gibt es gar nichts Gutes? Nun, die Chili-Cheese-Fries (die Pommes wieder TK, was sonst) waren mit einem wirklich schmackhaften Chili con Carne bedeckt (aber der Käse war halt nur in homöopathischen Dosen vorhanden).

Hempels_Nuernberg_burger

Man konnte das alles essen, die Portionen waren angemessen groß, es sind halt Burger unterhalb des Durchschnitts zu gesalzenen Preisen. Wegen des Essens braucht man nicht zu Hempels Buger gehen, diese Qualität bekommt man überall, Service ist nicht vorhanden. Ganz im Gegenteil: Wenn man gegessen hat, ist man gehalten, das Geschirr in eine Luke in Nähe der Küche zurückzustellen. Wie die anderen Herden-Hipster taten wir dies auch brav (vielleicht sind die Tische deshalb so schmutzig, weil keiner beim Abräumen mal mit einem Lappen drüber geht?). Wie aber steht es ums Ambiente des Ladens?

Ich verweise auf den eingangs erwähnten Reinhard Mey-Song. Das ganze Wirtshaus versucht, irgendwie alternativ und stylish zu sein, das ist in meinen Augen allerdings gründlich in die Hose gegangen. Wir saßen an stümperhaft zusammengeschreinerten Tischen und Bänken, die trotz massenhaft Zeitung und Bierfilzen unter den Füßen dauernd wackelten. An den anderen Tischen standen alte Klappstühle. Das Ambiente ist nicht vintage oder stylish sondern gemahnt eher an einen Haufen Sperrmüll. Da will gar nicht ins Gewicht fallen, dass die Fenster vor Dreck starren, die Tische nicht abgewischt wurden und klebten, wie Affe und dass ich erst vier Gabeln aus dem Besteckköcher an der Theke in die Hand nehmen musste, bis ich eine akzeptabel saubere in die Hand bekam. Das sind keine Details – das geht alles mal gar nicht und legt bestens Zeugnis über die Lieblosigkeit (oder ist es Faulheit? Oder Schlendrian? Ich weiß es nicht) in diesem Burgerladen ab. Aufs Klo bin ich dann gar nicht erst gegangen.

Hempels-Nuernberg-innen

Ich kann mich manchmal nicht des Eindrucks erwehren, dass man die Hipster und Gentrifizierer nach Belieben verarschen kann. Je abgefuckter ein Laden ist und je mieser der Service, desto größer der Hype. Bei Hempels ist eine gute Idee rekonstruierbar, die Umsetzung ist – nun, sagen wir mal: fragwürdig. In Nürnberg gereicht das zum „Style“. Selbst die Kollegen von Nürnberg und so, die über die hiesige Burgergastronomie immer außergewöhnlich wohlwollend berichten, kommen um den Hinweis „Aktuelles Feedback, dass die Qualität der Burger stark schwankt haben wir an Michael weiter gegeben“ nicht umhin. Ein netter Euphemismus.

Unser Fazit: Gewollt ist nicht zwingend gekonnt. Allzu beliebig das Essen, der Service in jedem McDonalds-Restaurant ist besser (hier werden wenigstens die Tabletts abgeräumt und die Tische regelmäßig abgewischt), über die Sauberkeit bei Hempels möchte ich gar nicht nachdenken. Angesichts der Lobeshymnen, die man zuweilen liest, eine herbe Enttäuschung. Der Preis ist aus meiner Sicht durch nichts zu rechtfertigen.

Gasthaus Hempels, Gostenhofer Hauptsraße 58, Nürnberg. Telefon: 015779577402, Reservierungen werden laut Webseite telefonisch nicht entgegengenommen (WTF?!)

Wirtshaus-Explorer: Mam Mam Burger Nürnberg – nicht schlecht. Aber auch nicht wirklich gut.

Zweierlei vornan: Burgerläden schießen wie Pilze aus dem Boden, gerade in Nürnberg. Ich bin wirklich überrascht, welcher Hype um Burger gemacht wird. Das Phänomen ist aus Berlin bekannt, dort trendete der Burger – vor fünf Jahren. Es braucht halt immer ein bisschen Zeit, bis sich ein Trend in die Provinz verirrt…
Weiterhin: Ich habe an Gastronomie generell einen gewissen Mindestanspruch. Zu diesem zählt die Wertschätzung des Gastes. Einen Gast auch als solchen zu behandeln, bedeutet, ihn zu bedienen. Wer von mir verlangt, dass ich mein Essen und Getränk an einer Theke hole – der begibt sich auf das Niveau diverser Systemgastronomieketten – und hat mich folglich als Gast nicht verdient. Ich gehe aus freien Stücken nicht in diese Läden. Ich hatte das im letzten Jahr einmal in Köln in einem Hipster-Laden, das brauche ich nicht wieder. Wenn die Hipster darauf stehen, dass man mit ihnen schlecht umgeht, ihr Problem, nicht meins. Infolgedessen werdet ihr hier auch keine Kritik eines „Thekenladens“ lesen, denn das ist unterhalb der Kritik.

Es ist gar nicht so leicht, einen Burgerladen zu finden, in dem man noch anständig bedient wird. „Mam Mam Burger“ in der Tetzelgasse ist so ein Laden. Zwar steht in der Lokalzeitung Gegenteiliges, wir aber wurden am Platz bedient, wie es sich gehört – nicht nur freundlich, sondern herzlich. Der Service ist schnell, verbindlich und freundlich – man fühlt sich als Gast im puristisch gestalteten Burgerladen auf jeden Fall wohl. Eine Facebook-Kommentatorin schrieb: „Ich hatte das Gefühl, dass ich in einer Garage sitze. Es ist kein richtiger Fußboden verlegt.“ Mir ist das egal, ich saß gut und komfortabel an den langen Holztischen und das Wichtigste: Als wir den Laden verlassen haben, hat unsere Kleidung nicht nach Imbissbude gestunken – einwandfrei.

MAM-MAM-Burger_Nürnberg

Ebenso puristisch wie der Laden ist auch die Speisekarte: Es gibt Hamburger und Cheeseburger – gerne auch als Double, zwei Sandwichvarianten und Brownies. Dazu diverse Zutaten und Toppings. Und als Beilage: Pommes, hier heißen sie „Fritten“. Zu trinken: Milchshakes, die Softdrinks bestehen im Wesentlichen aus dem Fitz-Limo-Sortiment. Das ist arg gewöhnlich, aber ok. Bier? Augustiner. In Franken ist das, gelinde gesagt, eine Schande. Franken hat so viele gute Biere zu bieten, wer in Nürnberg Augustiner ausschenkt, den klage ich der Phantasielosigkeit an. Ein passionierter Biertrinker war das sicher nicht.

Wir bestellen zwei Cheeseburger, dazu Fritten und zwei Fritz-Getränke (0,33l). Für die Cheeseburger werden je 5,50 Euro aufgerufen, die Fritten schlagen mit je 2,75 Euro zu Buche, das kleine Fläschchen Fritz kostet ebenfalls 2,75 Euro. Und so sieht unser Menü dann aus:

Menü_Mam-Mam-Burger_Nürnberg

Die Pommes sind handgeschnitten und – so sagt ein Schild – zu 99% frei von Transfetten. Das ist zwar nett, fettig waren die Pommes aber trotzdem, halt nicht transfettig. aber prima gewürzt, und so sind sie auch essbar, obwohl sie alles andere als kross auf dem Teller liegen. Der Burger ist, gemessen an den Erwartungen, die man mit dem Preisschild von 5,5o Euro erzeugt, winzig. Die Burgersoße ist sehr gut, das Fleisch wäre es an und für sich wohl auch, leider war es bei uns viel zu „kohlig“ gegrillt und damit deutlich zu bitter. Der weitere Belag schmeckte frisch, das Bun war ausdruckslos, latschig und industriell uninspiriert. Es wurde uns also ein viel zu kleiner Cheeseburger serviert, der handwerklich halbwegs ok war, wegen des halbverbrannten Fleisches und dem langweiligen Brötchen aber allenfalls durchschnittliche Qualität aufweist. Man kann ihn essen, aus dem Haus muss man für so einen Burger aber nicht. In der Königsdisziplin eines Burgerladens wird im „Mam Mam Burger“ zwar nicht völlig versagt, das was auf dem Teller liegt, ist aber bei Leibe nicht der Reißer.
An den Sandwiches habe ich mich nicht versucht, ebenso nicht am Brownie – hierüber kann also kein Urteil gefällt werden.

Mein Fazit: Typischer „average“ Burgerladen. Service und Sauberkeit sind top, der Burger und die Fritten Mittelmaß. Das Ambiente ist einfach, ehrlich und stimmig. Alles ok, aber eben nichts Besonderes. Das Preis-Leistungsverhältnis ist inakzeptabel.

 Mam Mam Burger, Tetzelgasse 21, Telefon: (0176) 24939158.

Wirtshaus-Explorer: Block House Nürnberg – lieblose Systemgastronomie mit miesen Speisen

Am gestrigen Mittwoch waren wir beim relativ neu eröffneten Block House am Nürnberger Hauptmarkt zum Mittagessen. Das war, mit Verlaub, nicht meine beste Idee und schlussendlich habe ich den Besuch in diesem Restaurant (Eigenbeschreibung) bereut. Um es zusammenzufassen: Was ich im Block House erleben musste, verdient meiner Meinung nach das Prädikat „kackdreist“ und für die mindere Speisenqualität scheinen mir auch die dort aufgerufenen Preise unangemessen. Aber der Reihe nach.

Block House ist eine Franchise-Kette, auf den Webseiten der BlockGruppe wird auch ganz offen von Systemgastronomie gesprochen. Ich hätte also ahnen können, was mich erwartet, aber ich habe es nicht geahnt.

Wir kamen am Mittag kurz vor zwölf – also zur besten Mittagessenszeit – im Restaurant am Hauptmarkt an und nahmen vor dem Haus Platz. Man sitzt recht schön am Hauptmarkt, die Stühle sind bequem und große Sonnenschirme spenden Schatten. Recht schnell kam die Bedienung, deren Service sich weniger durch Diskretion sondern mehr durch eine etwas überzogene, fast schrille – wie einstudierte – Höflichkeit auszeichnete. Wir bestellten Getränke und bekamen die Karte gereicht – aber nur die Hauptkarte, die Mittagskarte fehlte. Nun gut, man könnte meinen, dass dieses „Vergessen“ der Mittagskarte ein einmaliger Lapsus der Kellnerin sei – doch weit gefehlt! Während unseres Aufenthaltes im Nürnberger Block House mussten wir beobachten, dass keinem Gast von selbst die Mittagskarte gebracht wurde. Wer nach der Karte fragte, bekam sie aus dem Restaurant gebracht, wer nicht danach fragte oder von der Existenz nichts wusste, der hatte eben Pech. Dieses Verhalten hätte mir Warnung genug sein müssen – aber wir haben von der Mittagskarte bestellt. Auf dieser „Lunch Time“-Karte wurden unter der Rubrik „Wochengerichte“ sowohl „Drei kleine Rindersteaks – saftig gegrillt mit knackigem Pfannengemüse und einer Baked Potatoe mit Sourcream“ wie auch „Block Burger mit feinwürzigem Blattspinat und Kartoffel-Selleriepüree“ zu je 9 Euro angeboten. Nun, 9 Euro sind für ein Gericht von der Mittagskarte in meinen Augen schon ein ordentlicher Preis, aber es ist ein Steak House und als Nürnberger hat man sich an solche Preise in der Innenstadt ja fast gewöhnt. Also haben wir die beiden Wochengerichte bestellt.

Zu jeden der Gerichte wurde ein kleiner Salatteller gereicht, der Salat war frisch, das Dressing zwar fertig, aber durchaus schmackhaft. An Salat stelle ich persönlich keine so hohen Ansprüche, der ist nur nettes Beiwerk und da bin ich auch nicht übermäßig kritisch. Dass dieser einfache Salat das Beste sein sollte, was wir im Block House gegessen haben, hätte ich aber wirklich nicht gedacht.

Die drei kleinen Rindersteaks war vor allem eines: Klein. Wäre ich böse, so würde ich das als Fleischabschnitte bezeichnen (und hätte ich zu Hause ein Steak zubereitet, hätte ich Abschnitte dieser Größe dem Kater Ludwig verfüttert) aber ich bin nicht böse – belassen wir es also bei drei sehr kleinen Steaks. Zumindest haben sie in der Karte nicht gelogen – klein waren die Rindersteaks wie gesagt in der Tat. Die Ofenkartoffel war auch zu trocken, das fiel aber nicht so sehr ins Gewicht, weil die Kellnerin vorsorglich noch Sourcream nachgereicht hat und man der trockenen Kartoffel so wenigstens mit reichlich Soße beikam. Das Pfannengemüse war soweit ok, wenn man darüber hinwegsehen kann, dass es mehrheitlich aus Zwiebeln bestand. Wir konnten darüber hinwegsehen. Zu den Steaks muss noch gesagt werden, dass freilich gefragt wurde, wie diese gebraten werden. Der Wunsch: Medium-Rare. Das Ergebnis: Die Steaks wurden medium-Rare gebraten, weil sie aber so klitzeklein waren, kamen sie bereits völlig erkaltet auf den Tisch. Neun Euro.

Ich hatte ja, ihr erinnert Euch, noch den „Block Burger“. Den orderte ich nicht mit dem Kartoffelbrei – mir wurden Pommes angeboten. Dazu also der Burger und Blattspinat.

Vorweg allerdings eine Frage: Wie stellt Ihr Euch einen Burger vor?

Die Wikipedia definiert einen Burger wir folgt:

Ein Hamburger (auch kurz Burger) ist ein Weichbrötchen mit verschiedenen Belägen, das meistens als warmes Schnell- oder Fertiggericht verkauft wird. Hamburger werden hauptsächlich mit dem sogenannten patty, einer gegrillten Scheibe aus Rinderhackfleisch (einer Art Hacksteak) belegt und bilden den Standardartikel vieler Fast-Food-Ketten. (Quelle: Wikipedia)

Weichbrötchen mit verschiedenen Belägen und einem „patty“, das war bislang auch meine Vorstellung von einem Burger – und ich habe auch nie einen Burger bekommen, der diesem Minimalstandard nicht genügte – bis ich bei Block House „gegessen“ hatte. Nun, ich lasse an dieser Stelle einfachmal ein Bild sprechen (das es etwas gelbstichig ist, liegt am gelben Sonnenschirm, unter dem wir saßen, nichts desto trotz lässt sich gut erkennen, was sich das Block House erdreistete, mir um neun Euro auf den Teller zu legen):

block-house-burger

Was sehen wir? Wir sehen einen Haufen TK-Pommes, einen Klacks Spinat (dazu später ein paar Worte) und das, was man bei Block House unter einem „Burger“ versteht. Burger (s.o.) waren für mich immer das ganze Ding, bei Block House wird nur das „patty“ geliefert.

Ich konnte es zuerst nicht fassen. Bei meinem Burger fehlte der Salat, die Tomatenscheibe, das Brötchen. Vor mir lagen TK-Pommes, der Spinat und ein Burgerpatty „ohne alles“. Ganz klar: Hier kann es sich nur um einen Fehler des Kochs handeln. Ich rief die Bedienung herbei und fragte höflich nach, wo denn der Rest meines Burgers sei. Nun musste ich mir sagen lassen, dass es da keinen Rest gibt. Der Burgerpatty, der da recht nackt auf dem Teller vor mir lag ist nach Definition des Block Houses – so wurde mir von der Kellnerin bestätigt – der komplette Burger. Ich war fassungslos. So etwas ist mir noch nie passiert. Wirklich noch nie im Leben! Das äußerte ich auch. Nun dozierte die Kellnerin etwas über die Geschichte des Burgers und dass der ursprüngliche Burger eben nur aus dem Hackfleischpatty bestand. Sie sagte es tue ihr leid und bedeutete mir, das so hinzunehmen. Ich sagte ihr, dass es mir mindestens genauso Leid tut, so einen Burger essen zu müssen. Dies – wen nimmt es Wunder – überhörte sie geflissentlich und verschwand.

Wir schreiben das Jahr 2013 und befinden uns in Nürnberg, gelegen im südlichen Teil der Bundesrepublik Deutschland. Ob in der Kupfersteinzeit oder zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs jemand mal den Burger ohne Brötchen und Salatblatt gegessen hat, interessiert mich nicht einmal am Rande. Wenn ich heute in ein Autohaus gehe und ein Auto bestelle, so wird mir ein komplettes Auto geliefert – mit vier Rädern, Motor, Getriebe, Fahrgastzelle, Radio und Rückspiegel. Man stelle sich vor, ich bestellte mir in der Mercedes-Niederlassung ein Auto und der Händler lieferte mir das Fahrgestell mit vier Rädern, einen Motor und sonst nix. Und man stelle sich vor, der Händler würde, gefragt nach dem Rest des Autos, zu schwafeln beginnen, dass man sich als autorisierter Mercedes-Händler selbstverständlich nicht mit nicht dem Standard entsprechend mit Fahrgastzelle, Rückspiegel und Radio liefert, sondern in der Tradition von Carl Benz stehend, so, wie man das für richtig halte. Denn schließlich hatte der Motorwagen von 1886 ja auch weder Fahrgastzelle, Rückspiegel noch Radio, wer wollte denn 2013 schon ein komplettes Auto? Pah. Man stelle sich das einmal vor…

Nun saß ich da vor meinem „Burger“. Nun gut, ich bin ja lernfähig und kann mich auf Neues einlassen. Ich probiere also den „Block Burger“. Ein Patty, das nach erschreckend wenig schmeckt. Dreimal biss ich auf Knorpel. Zur Enttäuschung gesellte sich schließlich Ekel. Die TK-Pommes waren soweit in Ordnung, nicht der Rede wert, der Spinat war zäh und lauwarm, nicht der Rede wert. Mein persönliches Fazit: Eine Speise, die bei mir Enttäuschung und Ekel hervorruft (Knorpel im Fleisch kann ich wirklich nicht leiden, da ist es vorbei!). Neun Euro.

Der Besuch beim Nürnberger Block House war für uns ein Fiasko und ich darf mit Fug und Recht sagen, dass ich in diesem Jahr noch nirgends so schlecht gegessen habe, wie im Nürnberger Block House. Ich will aber auch nicht verschweigen, dass die Interpretation des Burgers im Ausland wohl nicht gänzlich ungewöhnlich zu sein scheint. Ich ziehe hierfür wieder die Wikipedia zu Rate:

In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden beide Begriffe auf Hamburger oder nur Burger verkürzt. Während das englische Wort „hamburger“ auch für die verwendete Hackfleischsorte (mageres Rinderhack) oder für das nackte Fleischgebilde ohne Brötchen und weitere Zutaten stehen kann, ist im Deutschen immer der ganze Imbiss aus Fleisch und Brötchen gemeint. (Quelle: Wikipedia)

Ein Lapsus, ein interkulturelles Missverständnis zwischen Gewohnheiten in Deutschland und den USA? Mit Nichten. Wer die Webseite der Fa. Block House Restaurantbetriebe AG aufmerksam studiert, erfährt, dass im Jahre 1968 in der Hamburger Dorotheenstraße das erste Block House Restaurant von einem Herren namens Eugen Block eröffnet wurde. Ich muss an diese Stelleeinfach feststellen, dass Hamburg nicht New York ist und dass man seit dem Jahre 1968 in Deutschland tätig ist. Ich darf daher unterstellen, dass man nach etwa 45 Jahren Geschäftstätigkeit in der Bundesrepublik mit den hiesigen Gepflogenheiten vertraut ist.

Was ich im Block House erlebt habe, lässt sich einfach fassen: Ich sehe das Block House Nürnberg als ein lieblos geführtes Restaurant, in dem Speisen gereicht werden, die meinen Qualitätsansprüchen nicht im Ansatz genügen (und ich bin nun kein „Gourmet“ – ich bin mit einem einfachen, anständigen Essen sehr zufrieden). Die Preise hierfür empfinde ich als unangemessen hoch. Ich kann daher das Nürnberger Block House ausdrücklich nicht empfehlen.

Wirtshaus-Explorer: Wurstdurst Nürnberg

Auch wenn das Wurstdurst in Nürnberg kein typisches Wirtshaus ist, so hat es doch ein Review im Wirtshaus-Explorer redlich verdient, denn nirgends anders in Nürnberg wird mit so viel Liebe und Hingabe Currywurst gemacht. Aber der Reihe nach:

Franken hat keine Currywurstkultur – schon gar keine, wie man sie in Berlin oder im Pott vorfindet. Und so ist es hier auch eher eingeschlichene Normalität, dass wir hierzulande an den Büdchen eher gewöhnliche Currywurst mit in der Regel sehr gewöhnlicher Soße und Pommes aus der TK-Truhe bekommen. Deutschlandreisende wissen, dass das nicht so sein muss, Currywurst ist mehr als Fast-Food, Currywurst kann richtig gut sein und in der Tat fein schmecken.

Diese Currywurstkultur bringt nun der kleine Laden Wurstdurst in der Luitpoldstraße ins Frankenland. Direkt neben und gegenüber Etablissements wir dem „World of Sex“ oder dem „Stage 2000“ will in der in den letzten Jahren durchaus wieder halbwegs betretbar gewordenen Luitpoldstraße fast schon ein bisschen Reeperbahn-Atmosphäre aufkommen, nur halt in fränkisch-klein. Das Wurstdurst ist ein kleiner Currywurstladen, die Küche ist offen und der Chef, Christof Joschionek aka DJ Max Masher und obendrein gelernter Metzger, schwingt selbst den Kochlöffel. Zur Currywurst reicht er wahlweise ein Weckla oder belgische Pommes, die dick, außen kross, innen bissfest und immer selbstgemacht sind. Und die Wurst selbst? im Wurstdurst lebt man hier eine eigene Philosophie. Während anderenorts hier der Fleischwurst-Standard gelebt wird, wählt man im Wurstdurst zwischen einer Berliner mit und ohne Haut, einer Krakauer, Bratwurst und weiteren Variationen. Die gängige Soße wird als „08/15“ angeboten, was sich auf den ersten Blick wie erfrischende Ehrlichkeit ausnimmt, ist natürlich tiefstes Understatement, denn „08/15“ ist die Soße keinesfalls, lecker und rund harmoniert sie mit der Berliner mit Haut. Wer es pikanter mag, wählt die „Spezial“-Soße, hier sind frische Paprika und Zwiebeln von einer milden Schärfe unterzogen. Ketchup für die Pommes braucht man angesichts der handwerklich soliden und ausgezeichnet gemachten Soßen wirklich nicht.

Wurstdurst konzentriert sich auf das, was man kann, Currywurst. Und Wurstdurst bietet am Wochenende auch noch spät einen anständigen Imbiss und Drinks. Wer gerne ein Bier will, bekommt dort ein Astra oder Schanzenbräu, wer ein Cola will, bekommt dort die „Schlucki“ aus Bamberg und auch anderes Nettes wird kühl gereicht.

Der Laden, auch das muss einmal gesagt werden, ist so überraschend sauber, dass man an den Klamotten nicht riecht, dass man da war – das verdient echt Respekt und ist keineswegs Standard. Sitzplätze sind aber leider auch nicht Standard – ganze drei Barhocker stehen den Gästen zur Verfügung, die Wurst will also in der Regel im Stehen gegessen werden.

Das Wurstdurst ist eine dringende Empfehlung von mir. Hier gibt es einfach eine gute Currywurst und anständige Pommes zum fairen Tarif.

Wurstdurst, Luitpoltstr. 13, 90402 Nürnberg. wurstdurst.info

Wirtshaus-Explorer: Gasthaus Engel in Nürnberg-Schoppershof

03.08.2011/ 13.12.2009 Wer die lokale Presse der letzten Woche verfolgt hat , der hat sicher auch Notiz von der Restaurantbesprechung vom „Engel“ in den Nürnberger Nachrichten Notiz genommen.

Der Engel ist ein typisches Stadtteil-Wirtshaus Nürnbergs – ein fränkisches wohlgemerkt: Das bedeutet: Es ist dort weder zu ländlich noch besonders stylish. So ist es für unterschiedliches Publikum geeignet und dementsprechen durchmischt ist es auch.

Als Wirtshaus bietet der Engel eine kleine Speisen- und Getränkeauswahl – mit deutlich fränkischem Einschlag. Neben dem allbekannten Tucher stehen auch fränkische Landbiere auf der Karte.  An Essbarem haben wir das Schnitzel und das Schäufele getestet.

Zum Schnitzel sei gesagt: Es ist keine Offenbarung. Es ist zu klein und zu fettig und schmeckt zu schlecht. Kartoffelsalat bekommt man dazu auch nicht, Pommes ebensowenig. Es gibt nur Bratkartoffeln – und die waren richtig scheiße. Das Schnitzel vom Engel wollte ich eigentlich zurückgehen lassen – sowas legt ein echter Wirt seinem Gast nicht auf den Teller.

Jeden Mittwoch ist Schäufele-Tag. Das Schäufele muss man nebst seinem Sitzplatz telefonisch vorbestellen, sonst gibts kein Schäufele und auch keinen Platz. Das Schäufele ist Mittwochabend frisch und im Gegensatz zum Schnitzel auch ohne Fehl und Tadel. Die Soße ist ok, zwei Klöße gibt es dazu, das Fleisch löst sich leicht vom Knochen und ist zart, die Kruste ist rösch. Es gibt röschere – aber hier will ich mal nicht so sein, ist der Engel tendenziell doch eher eine Kneipe als ein Wirtshaus (und dass dort dann ein echt ordentliches Schäufele auf den Tisch gebracht wird, ist auch eine Leistung!).

Die Nachspeisen, na ja. Convenience. Die Apfelküchle sehen aus wie Donuts, das Eis mit heißen Himbeeren ist halt gewöhnliches Vanilleeis mit gewöhnlichen Büchsenhimbeeren. Ich habe die Desserts als sehr gewöhnlich, lieblos empfunden.

Der Engel ist als Kneipe ganz gemütlich, nichts besonderes, aber auch nichts, wo man sofort wieder raus will. Also – weder auffällig gut noch besonders schlecht. Mann kann zum Engel, oder auch nicht. Daher verstehe ich auch den derzeitigen Hype, der um das Wirtshaus gemacht wird, nicht ganz.

Update: Am heutigen 3. August 2011 statteten wir dem „Engel“ wiederholt einen Besuch ab, der obige Artikel stammt ja ursprünglich vom 13. Dezember 2009. Seither hat sich im Engel viel getan – zum Negateiven. Um es vorweg zu sagen: Dem „Engel“ ist der Ruhm wohl zu Kopf gestiegen.

Beim letzten Mal bestellte ich ein Gulasch mit Semmelknödel. Das Gulasch war total verkocht, der Semmelknödel alt, außen glitschig, in der Mitte sowohl spundig wie auch matschig. Obschon es eine Kunst ist, ein Gericht derartig zu versauen (oder etwas so altes auf den Tisch zu bringen), verbuchte ich das als einmaligen Fehler und habe mich höflich darüber ausgeschwiegen.

Was wir heute im Engel auf die Teller und in die Gläser bekamen, spottete aber jeder Beschreibung. Zuerst orderten wir zwei Gläser Spezi – hier bietet der Engel etwas, was man in Nürnberg lange suchen muss: Stilles Spezi – also Spezi ohne jede Kohlensäure. Der Franke würde das Spezi einfach als abgestanden bezeichnen, der Höflichkeit halber (und es fällt mir wirklich schwer, angesichts dieser Minderleistung noch höflich zu bleiben) bleibe ich beim „stillen Spezi“.

Der Beilagensalat zum Schäufele war alles andere als knackfrisch – lieblos auf den Teller geklatscht, der grüne Salat total labberig. Über diesen Salat sehe ich gerne noch hinweg, für das Schäufele gibt es keine Entschuldigung. Der Engel öffnet um 18 Uhr, um 18.10 Uhr waren wir da. Das Schäufele am berühmten Schäufeletag war alles andere als frisch – die Kruste war nicht klassisch kreuzförmig sondern mit Längsstreifen eingeschnitten, die Kruste war stockhart, nicht beißbar. Die Fleischqualität selbst möchte ich getrost als unterirdisch bezeichnen, das Schwein „schweinelte“ an der Ekelgrenze, das ganze lauwarme Ding, beim Engel nennt man es Schäufele, schwamm in einer nichtssagend geschmacksneutralen Soße. Dazu zwei Kartoffelknödel, zur Gänze verkocht.*

Drei fränkische Bratwürste, diese halbwegs ok, wurden auf kaltem (!) Sauerkraut serviert, dazu zwei Scheiben graues Brot an der Grenze zur Trockenheit.

Um es kurz zu machen: Der Abend beim Engel war für den Eimer. Für ein Essen, wie das, was man uns heute zu servieren getraute, ist jeder Cent verschwendetes Geld. Es nimmt mich Wunder, wie ein Wirt so wenig Ehre haben kann und seinen Gästen so etwas präsentiert. Ich bin wirklich empört!

Schon 2009 hat man über den „Engel“ und die Qualität der Speisen diskutieren können. Es ist auch nicht alles schlecht im Engel – mitnichten, der Service war flott und freundlich, eigentlich immer. Bei der Qualität der Speisen ist man im Engel aber leider ins Bodenlose gestürzt.

Als Kneipe ist der Engel ok, dort zu essen sollte man aber tunlichst unterlassen. Ich habe noch in keinem Imbiss so schlecht gegessen, wie heute im Engel. leider.

So bitter es klingt, auch, weil ich inzwischen in unmittelbarer Nähe der Kneipe wohne: Mit dem heutigen Abend habe ich den Engel abgeschrieben. Leider.

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*) es ist eine bodenlose Unverschämtheit, einem Gast sowas auf den Tisch zu stellen. Ich fasse es immer noch nicht!

Engel, Schoppershofstr. 53, Telefon: 559251

Wirtshaus-Explorer: Restaurant Brothers

Weit im Norden Nürnbergs in der Bamberger Straße liegt in einem typischen 1990er-Jahre-Businessbau das italienische Restaurant Brothers und versucht, „etwas Besseres“ zu sein. Auf Empfehlung statten wir der Lokalität einen Besuch ab und, um es gleich zu sagen: Es war nicht mies, aber es war unter dem gefühlten Durchschnitt der Nürnberger italienischen Restaurants. Nur preislich nicht so ganz.

Geräumig, ja geradezu großzügig ist der Gastraum der Bar und Trattoria. Es dürften wohl um die zweihundert Personen einen Sitzplatz finden – nur als wir am Donnerstag Abend dort waren, war das Restaurant fast leer.

Im Jahre 2000 hätte man das teils aufwändige Dekor des Brothers in seinen Terracottatönen vielleicht noch chic gefunden, heute macht das Interieur einen fast sterilen Eindruck. So richtig wohlfühlen will ich mich nicht, aber es ist alles sauber und gepflegt. Und ich bin ja in erster Linie zum Essen dort.

Nadine hatte dem Italiener schon vor mir einen Besuch abgestattet und Pasta gegessen. Die, so sagt sie war zwar nix, die Pizzen, Teil der Kernkompetenz italienischer Restaurants, wie man meinen möchte, hätten aber lecker ausgesehen und so gingen wir also zum Pizzaessen dorthin.

Wir bestellten eine Pizza Speciale und eine Calzone – und man muss sagen, dass die Steinofenpizzen wirklich prima aussahen. Nur geschmeckt haben sie halt nicht.

Ich will das mal an meiner Pizza Calzone herunterdeklinieren: Für acht Euro kam eine Riesen-Steinofen-Calzone. Die schnitt ich an und merkte sofort, dass sie reichlich gefüllt ist. Kurz nachdem ich allerngs die Calzone angeschnitten hatte, liefen Massen einer rottrüblichen wässrigen Flüssigkeit aus ihr heraus, die Calzone schwamm förmlich in der Plörre und verwandelte ihr Dasein augenblicklich in Matsch. Die reichliche Füllung bestand zu einem Gutteil aus Käse, der in seinem geschmolzenen Aggregatszustand zwar nett anzusehen war, aber nach genau gar nichts schmeckte. Ähnlich verhielt es sich mit den anderen Zutaten. Eine Calzone wie die, die ich im Brothers serviert bekam, zuzubereiten, muss eine wahre Kunst sein: Ich habe noch nie eine so große und so geschmacksneutrale Calzone bekommen.

Mit der Pizza Speciale war es nicht besser. Wurde diese auf der Karte mit Schinken angepriesen, so fand sich auf ihr kein einziges Stück Schinken, der wurde komplett durch langweilige Rohwurst Salami ersetzt. Und auch hier wieder das der Calzone ähnliche Bild. Am Rand ein staubtrockener Teig, in der Mitteist er gar nicht trocken sondern durchgeweicht. Dafür aber war sie riesig, diese Pizza.

Mit dem, was auf der Karte steht, nimmt man es bei Brothers nicht so genau: Eine Flasche Wasser fasst auf der Karte einen Liter und in der Realität 0,75 Liter. Salami statt Schinken. Auf einer Pizza Speciale. Da braucht man, denke ich, nicht mehr viele Worte verlieren.

Das Brothers mag von seiner Businesskundschaft profitieren – es gibt in dieser Ecke Nürnbergs, sieht man mal von Burger King, einem Aldi und einem Chinarestaurant ab, auch nicht wirklich Alternativen. Wir werden das Brothers aber nicht mehr anfahren, um dort essen zu gehen. Ich honoriere, dass man sich mit dem Ambiente und dem Service wirklich Mühe gibt. Das rettet aber über die laffen Speisen nicht hinweg.

Restaurant Brothers, Bamberger Str. 6, 90425 Nürnberg, Telefon 524583

Wirtshaus-Explorer: La Fabbrica

Etwas zurückgesetzt in der Oberen Kanalstraße in Gostenhof befindet sich ein wunderschöner Industriebau – die ehemalige „Karl Mahr Maschinenfabrik“. Vor wenigen Jahren war hier noch ein Sozialkaufhaus beheimatet – heute befindet sich im Hochpaterre die Trattoria „La Fabbrica“ – ein inzwischen nicht mehr ganz geheimer Tipp für gute italienische Küche in Nürnberg.

Heute zur Mittagszeit besuchten wir die „Fabbrica“ – und hatten einen durchweg guten Eindruck vom Restaurant.

La Fabbrica - Nürnberg

La Fabbrica - Nürnberg

Wer die „Fabbrica“ betritt, blickt zuerst auf den großen, mit Holz befeuerten Pizzaofen – ein Markenzeichen der Trattoria sind demnach auch die Pizzen. Wagenradgroß sind sie, reichlich und saftig belegt auf einem feinporigen, hauchdünnen Teig, der rund und mild schmeckt (ohne den oft so störenden Hefegeschmack). Zum Tischgedeck wurde uns eine Pfeffermühle und ein mit geschnittenen Chilis aromatisiertes Olivenöl gereicht – für den georderten Salat bekamen wir stilecht eine Menagerie mit Aceto und Olivenöl.

Der Service war freundlich und schnell, die Tafel mit den Empfehlungen des Tages wird jedem Gast bei der Bestellung auf einer Staffelei an den Tisch gebracht.

Zu loben ist weiterhin der ausgezeichnete Cappuccino – ein hervorragender Milchschaum krönte den starken und würzigen Espresso.

Das Ambiente der „La Fabbrica“ ist nett – der Charme des Industriebaus blitzt hier und da durch die dezente Dekoration des Gastraums. Auf der weitläufigen und schönen Terrasse finden 70 Leute Platz.

Preislich befindet sich das Essen im gehobenen Mittelfeld – die Pizzen kosten zwischen sechs und zehn Euro, die (hausgemachte) Pasta kostet um die zehn Euro, ein Rindfleischgericht schlägt mit 18 Euro zu Buche, auch Salate kosten bis zu acht Euro. Zu loben sind die Getränkepreise, ein Softgetränk kommt auf 2,80 Euro und auch der Cappuccino ist mit 2,60 Euro bezahlbar.

La Fabbrica, Obere Kanalstr. 25, 90429 Nürnberg, Telefon: 260510.

Wirtshaus-Explorer: Italimport Feinkost Schepis

Seit kurzem hat der in Fürth beheimatete italienische Supermarkt „Schepis“ auch eine Filiale in Nürnberg, in der Lenkersheimer Str. 16, einer Seitenstraße der Sigmundstraße.

Dort wird für günstig Geld samstags ein ganz ausgezeichnetes Mittagsbuffet angeboten.

Der „Schepis“ ist ein sehr nett gemachter Supermarkt mit italienischen Artikeln. Im vorderen Bereich des Marktes finden sich einige Stehtische mit Barhocker, hier kann das samstägliche italienische Mittagsbuffet eingenommen werden. Für fünf Euro gibt es das Buffet und ein kaltes alkoholfreies italienisches Getränk. Das Angebot umfasst diverse italienische Salami, Prosciutto cotto, Parmaschinken, Mortadella, verschiedene Käse, Antipasti, Meersefrüchtesalat, frittierte Reisbällchen, unterschiedliches Brot. Weiterhin wurde Lasagne mit Parmaschinken und eine vegetarische Variante als Hauptspeise angeboten (diese Gerichte wechseln). Der Espresso kostet einen Euro, der Cappuccino 1,50 Euro – der ist hervorragend.

Im Feinkostmarkt „Schepis“ kann man sehr gut und günstig zu Mittag essen. Das Ambiente ist, obwohl man in einem Supermarkt sitzt, nett. DieSpeisen sindfrisch undschmackhaft. Das Buffet ist ausreichend und hält für jeden Geschmack etwas bereit. Nach dem Essen kann man einen kleinen Nachtisch dazukaufen und ein paar Besorgungen im Supermarkt machen. Im Angebot (das habe ich in Nürnberg erstmalig gesehen) befindet sich unter anderem auch das „Lemon Soda“, eine ganz ausgezeichnete Limonade von Campari.

Feinkost Schepis, Lenkersheimer Str. 16, Nürnberg. Telefon: 377 1460.

Wirtshaus-Explorer: Dorfbrunnen in Cadolzburg-Wachendorf

Gestern waren wir mal wieder in einem richtig fränkischen Wirtshaus, dem Dorfbrunnen in Wachendorf, einer kleinen, zu Cadolzburg gehörenden Ortschaft. Inmitten des Dorfes steht also der Dorfbrunnen, und das mit dem Brunnen darf man ruhig wörtlich nehmen, kostet doch die Halbe „Zirndorfer“ nur 2,20 Euro.

Der Dorfbrunnen ist eine recht große Gaststätte, die, auch wenn der rustikale Charme einer Dorfwirtschaft erhalten blieb, durchaus modern gestaltet ist. Die Terrasse ist ganz neu gestaltet und sehr einladend. Das Lokal ist sehr sauber geführt und durchaus einladend, wenn man große Wirtschaften mag.

Der Service ist fränkisch-freundlich und flott.

Nun zum Wichtigsten: Die Küche konnte überzeugen. Gestern war einer der mehrmals im Monat durchgeführten Aktionstage – der „Schaschlik-Tag). Für günstig Geld gab es zwei reichlich gespickte Schaschlik-Spieße (ohne Leber) mit einer ordentlichen Soße und Pommes frites.

Das Schaschlik selbst warschmackhaft, das Fleisch zart und die Holzspieße waren zudem gut gewässert, so dass sich das Fleisch leicht lösen ließ. Die Sauce war würzig, leicht schaft und harmonierte hervorragend. Und auch die Pommes frites verdienen Lob: Schön kross kamen sie aus der Friteuse auf den Teller. Damit bekam man eine üppige Portion.

Als Vorsuppe wurde gestern die „Omelettesuppe“ gereicht, eine fränkische Pfannkuchesuppe mit Leberknödel. Die Brühe, der Pfannkuchen und der Leberknödel – selbstgemacht und einfach köstlich.

Auch vom Kartoffelsalat probierten wir und auch hier verfestigt sich der gute Eindruck: Es ist heute nicht einfach, einen guten hausmacher Kartoffelsalat zu bekommen – der Dorfbrunnen kann miteinem sehr guten fränkischen Kartoffelsalat aufwarten!

Den Dorfbrunnen kann ich empfehlen: Hier gibt es einwandfreie fränkische Küche zu fairen Preisen, der Service ist sehr nett und schnell und das Gasthaus ist sehr sauber und modernisiert. Daher ist es im Lokal auch immer recht voll. Man sollte also vorher telefonisch reservieren.

Dorfbrunnen, Alte Fürther Str. 21, Cadolzburg-Wachendorf. Telefon: (09103) 797353, dorfbrunnen-wachedorf.de

Pizza Apollo

Gestern haben wir uns beim Apollo-Pizzaservice in der Sandstraße was geklickt. An und für sich nichts besonderes – nur schreibe ich Euch allen zur Warnung darüber.

Zwar war man dort sehr nett und höflich und das Essen kam auch nach der avisierten dreiviertel Stunde, aber was da kam – urgh!

Die Pizza selbst war halt hart und mit irgendeinem indischen Gewürz versehen und lauwarm. Im italienischen Salat ein sehr seltsames Dressing und Eier, die schon bessere Tage gesehen haben – dazu der altbekannte Analogschinken.

Und die Totrellini alla panna verursachten Übelkeit und waren ebenfalls indisch gewürzt. Kein Koriander in Nudeln mit Sahnesoße! Daher dieürnbergf Moral von der Geschichte: Nicht beim Apollo Pizzataxi klicken!

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