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Kleiner LC-A-Fix: Wenn die linke LED im Sucher dauernd leuchtet (oder trotz frischer Batterien gar keine LED im Sucher leuchtet)

Wer heute eine LOMO LC-A kauft, der muss in aller Regel auf ein Gebrauchtgerät zurückgreifen. Möglicherweise wird man noch hie und da eine LC-A+ neu angeboten bekommen, die Preise dafür sind allerdings absurd. Die gebrauchten Lomos sind hingegen recht günstig zu bekommen, haben aber auch ihre Tücken. Da die Lomo aber eine robuste und im Kern auch technisch einfache Kamera ist, ist eine Reparatur in Abhängigkeit vom Fehler oft möglich und selbst für Laien machbar.

Für einen Appel und ein Ei habe ich mir eine ziemlich genau dreißig Jahre alte LC-A geklickt. Der Fehler dieser Kamera war, dass die LEDs – trotz frischer Batterien – nicht funktionierten. Ein relativ ähnlicher, bekannter Fehler ist, dass die linke LED, die den Batteriestatus anzeigt, kontinuierlich leuchtet und so die Knopfzellen in kurzer Zeit leersaugt. Beiden Fehlern ist recht einfach beizukommen, doch beginnen wir von Anfang an…

Lomo LC-A, LEDs im Sucher in Betrieb

Die LC-A verfügt im Sucher über zwei rote LEDs auf der Oberseite, eine links, eine rechts. Das Bild, das ich zur Illustration mit dem Handy gemacht habe, ist nicht ganz realistisch. Mein Sucher ist etwas schmutzig und in natura leuchten die LEDs natürlich nicht so hell.

Wichtig ist Folgendes: Bei offenem Objektivdeckel und halb heruntergedrücktem Auslöser indiziert die linke LED den Batteriestatus. Leuchtet sie, ist alles okay. Leuchtet sie nicht, sind die Batterien verbraucht und müssen gewechselt werden. Ohne Batterien funktioniert die LC-A nicht, weil dann die Belichtungsautomatik nicht arbeitet. Man bekommt dann aus dem Labor völlig unterbelichtete Bilder oder schwarze Negativstreifen zurück.

Die rechte LED warnt vor schlechten Lichtverhältnissen. Leuchtet sie bei halb gedrücktem Auslöser, bedeutet das, dass die Verschlusszeit 1/30s oder länger beträgt und damit die Gefahr besteht, das Bild zu verwackeln.

Wenn beide oder die linke LED nicht leuchten, sollte man zuerst einmal überprüfen, ob die Batterien (Knopfzellen des Typs LR44/A76, drei Stück) leer sind, und sie ggf. wechseln.

Nun kann es aber passieren, dass trotz frischer Batterien die LEDs nicht leuchten. Auch kommt es gelegentlich vor, dass bei der LC-A die linke LED, die den Batteriestatus anzeigt, immer leuchtet und so die Batterien leerlaufen. Diese beiden Fehler liegen häufig am Auslöser und sind recht einfach behebbar. Neben dem mechanischen Auslöser befinden sich drei Federkontakte, die die Batteriekontrolle und die Verschlusszeitautomatik aktivieren. Werden diese Kontakte beim Auslösen nicht vollständig geschlossen, bleiben die LEDs aus. Ist der Auslöser zu straff eingestellt, wird der obere Federkontakt, der die Batteriekontrolle aktiviert, dauerhaft geschlossen und die Batterie läuft leer.

Der Auslöseknopf besteht aus drei Teilen: Eine Kunststoffhülse mit einer Nase ist der eigentliche Knopf, in ihm steckt eine Sechskantmetallhülse mit feinem Innengewinde und eine Messingschraube, mit der sich der Hub des Auslöseknopfes justieren lässt. Und da kann ein halber Millimeter einen beträchtlichen Unterschied machen. Um den Fehler zu beheben, muss man also an den Auslöseknopf herankommen und mit der Schraube die Länge des Knopfes nachjustieren. Leuchten die LEDs beim halb gedrückten Auslöser nicht, dreht man die Messingschraube eine halbe bis eine Umdrehung heraus, leuchtet die linke Batterie-LED durchgängig, dreht man die Schraube ein wenig tiefer herein.

Um an den Auslöser heranzukommen, müssen eigentlich nur der obere Deckel und der aus der Kamera herausstehende Schutz vor Objektiv und Sucher entfernt werden. Lomography selbst hält eine gut bebilderte Anleitung zum Tausch des Deckels bereit. Wir wollen den Deckel nicht tauschen, sondern nur an den Auslöseknopf heran. Ein paar Hinweise zum Vorgang: Vor der Demontage ist, wie gesagt, sicherzustellen, dass die Batterien ausreichend Spannung und Kontakt haben. Zudem darf sich kein Film mehr in der Kamera befinden. Der Sucher- und Objektivschutz wird mit vier kleinen Schrauben gelöst, die sind sofort zugänglich. Bei der Demontage sollte der Schutz offen und die Kamera damit im Bereitschaftsmodus sein, damit man später testen kann, ob die neu justierte Länge des Auslöseknopfes auch passt. Um den oberen Deckel abzunehmen, muss man auf der (von vorn betrachtet) linken oberen Seite, ziemlich genau unterhalb des Auslöseknopfes, das Kunstleder der Kamera etwas abheben, um an die vordere Deckelschraube zu gelangen. Das geht am besten mit einem Taschenmesser. Diese Schraube ist dann zu lösen. Die hinteren beiden Schrauben des Deckels links und rechts des Suchers sind wieder frei zugänglich. Auch auf der oberen Seite ist der Deckel der Kamera verschraubt, die Schrauben sitzen im Rückspulhebel. Den kann man herausziehen und den Filmdeckel auf der Rückseite öffnen. Dann wird der untere Teil des Rückspulers mit einem Schraubenzieher gehalten, die Kurbel lässt sich dann mit der Hand einfach gegen den Uhrzeigersinn abdrehen und man kommt an die Schrauben heran. Der Deckel kann nun komplett nach oben abgezogen werden.

Lomo LC-A ohne Objektivschutz und oberem Deckel

Und schon kommt einem der Auslöseknopf entgegen, dessen Länge in der Innenhülse justiert werden kann. Auf dem Bild sind links vom Sucher  die Federkontakte gut zu erkennen. Sie müssen in aller Regel nicht nachgebogen werden, auch eine Reinigung ist nur in seltenen Fällen nötig, weil sie von sich aus kaum korrodieren. Ob der Auslöser jetzt wieder funktioniert, lässt sich sehr einfach kontrollieren, indem man den Deckel mit dem eingesetzten Auslöseknopf provisorisch auf die Kamera setzt, ihn etwas nach unten drückt und den Auslöser betätigt. Nun sollte die linke LED im Sucher wieder leuchten. Man testet die rechte LED, indem man den Finger vor die Fotozelle (im Bild rechts vom Sucher zu erkennen) hält. Funktioniert alles wieder, wird der abgelöste Teil des Kunstleders mit einem Tropfen Uhu wieder angeklebt und die Kamera zusammengesetzt und verschraubt. Funktionieren die LEDs wider Erwarten weiterhin nicht, dann muss man ein wenig mit der Justage experimentieren.

Und das war es eigentlich auch schon. Jetzt kann mit der Kamera wieder fotografiert werden.

Kodak Star 335 – eine einfache Point & Shoot-Kamera neu entdeckt

Nicht nur die analoge Fotografie, auch einfache Point-and-Shoot-Kameras feiern gerade wieder eine Renaissance. Der Grund liegt auf der Hand: In Zeiten ubiquitärer KI-Aufnahmen sehnen sich viele nach dem „echten“ Feeling eines analogen Fotos. Gute, einfache Kameras sorgen zudem dafür, dass selbst der Neu- und Wiedereinsteiger schnell zu brauchbaren bis guten Ergebnissen kommt.

Und so erinnerte ich mich einer Kamera, die ich zu Jugendzeiten in den 90ern geschenkt bekam und die mich viele Jahre begleitete: die Kodak STAR 335. Sie dürfte damals nicht allzu teuer gewesen sein und war wohl relativ verbreitet. Die früheren Modelle, aber hier mag ich mich irren, trugen die Modellbezeichnung „335“, später wurde aus der Kamera die „STAR 335“, beide Modelle sind baugleich.

Kodak 335, auch bekannt als Kodak STAR 335

Die einfache Point-and-Shoot-Kamera wurde in den Jahren 1990 bis 1994 für Kodak in Thailand gefertigt. Das verhältnismäßig weitwinklige Objektiv (35mm) hat eine fixe Blende von f5,6, die für die meisten Außenaufnahmen gut geeignet sein dürfte. Auch die Verschlusszeit ist mit 1/125 Sekunde fix. Für den Fall, dass dies nicht langt, ist ein relativ potenter Elektronenblitz verbaut, der binnen sieben Sekunden nachlädt (Indikator ist eine LED) und von zwei Mignon-Batterien (AA) betrieben wird. Der Blitz ist immer manuell zuzuschalten, eine Blitzautomatik gibt es nicht. Ab einem Objektabstand von etwa 1,2 Metern sind die Bilder scharf. Sinnstiftend verwenden lassen sich Kleinbildfilme mit 100, 200 oder 400 ASA. Der Filmtransport und das Rückspulen erfolgen manuell.

Kodak 335 back

Meine Kamera habe ich zwar aufgehoben, ich konnte sie im Keller aber nicht wiederfinden. Das macht aber nichts, denn bei ebay findet man diesen Fotoapparat eigentlich fast immer. Für mein neuwertiges Exemplar habe ich 18,- Euro gezahlt.

Dafür, dass diese Kamera mit ihrem Plastikbody und dem recht simplen, dreilinsigen Objektiv eigentlich schon in der Kategorie „Einfachkamera“ rangiert, ist die Abbildungsleistung erstaunlich gut. Die Bilder sind hinreichend scharf und weitgehend frei von Vignettierung und Aberrationen. Kodak konnte schon immer vernünftige Einfachkameras im Low-Budget-Preisbereich bauen, die 335 bildet hier keine Ausnahme. Freilich sind die Aufnahmen nicht perfekt, aber mit einem etwas grobkörnigeren 400er Film gelingen aus dem Stand tolle Aufnahmen mit bezaubernder Vintage-Optik. Dabei ist die Abbildungsleistung spürbar besser als bei Einwegkameras. Ebenfalls weniger schlecht als vermutet ist der einfache, aber große und klare Sucher, der geschätzt etwa 80 Prozent des Bildausschnitts abbildet.

Daher würde ich sagen, dass sich diese Kamera auch heute gerade für die Streetfotografie eignet. Die quasi sofortige Bereitschaft, die auch nach gegenwärtigen Maßstäben gute Fotoqualität, das insgesamt ordentliche, wenn auch etwas lichtschwache Fixfocus-Objektiv, das eine schöne Retrooptik liefert, sprechen alle für diesen Einsatz. Auch wenn der Formfaktor nach heutigen Maßstäben etwas bulky wirkt, wiegt die Kunststoffkamera mit Batterien und Film kaum mehr als 300 Gramm. Das und vor allem der niedrige Gebrauchtpreis, für ein gut erhaltenes, funktionierendes Modell bezahlt man etwa 10,- bis 15,- Euro, sprechen dafür, die Kamera auch mal zum Sport oder auf Partys mitzunehmen.

Die Bedienung ist quasi selbsterklärend, denn die Kamera ist technisch absolut simpel, aber für alle, die sich dafür interessieren, habe ich die mehrsprachige Bedienungsanleitung der 335 mal eingescannt.

Bedienungsanleitung / Manual Kodak Star 335 (PDF, rd. 6 MB)

Mein Fazit: Auch heute noch ein cooles Teil, das (zumindest bei mir) viele Erinnerungen weckt. Analoge Fotografie ist gerade wieder voll im Trend, und wegen der schönen, technisch freilich unvollkommenen Aufnahmen hat auch die Einfachkamera Kodak Star 335 heute ihre Berechtigung und findet ihren Einsatzzweck. Die übersichtliche und robuste Technik und die gute Verarbeitungsqualität machen diesen Fotoapparat auch heute noch zu einem guten Alltagsbegleiter.

All the Beauty and the Bloodshed in der arte-Mediathek und auf Youtube

Nan Goldins fotografisches Werk war immer ein politisches. Eines, das einen feministischen Blick auf Amerika im Kleinen, aber auch die Welt im Ganzen warf, eines, das sich für queere Belange einsetzt, eines, das gegen die Diskriminierung an AIDS Erkrankter kämpft. Goldin ist aber nicht nur Fotografin, Künstlerin, sie ist auch Aktivistin. Zusammen mit von der Opioidkrise Betroffenen kämpft sie, ehemals selbst abhängig vom „Medikament“ Oxycontin, mit der von ihr gegründeten Organisation P.A.I.N. unter anderem für die Tilgung des Namens der Familie Sackler aus internationalen Museen.

Der Dokumentarfilm All the Beauty and the Bloodshed (dt. Titel „All die Schönheit und das Blutvergießen“) verwebt dabei zwei Erzählstränge: den biografischen, in dem wir Nan Goldin von frühester Kindheit an begleiten, über den Suizid ihrer Schwester und seine einschneidende Wirkung auf Goldins Leben erfahren, ihren frühen Ausbruch aus der Familie, Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen, aber auch ihren individuellen Kampf um Freiheit und ihre Entwickling als Fotografin, Künstlerin und Aktivistin. Und den, in dem die Kamera ihren Kampf für die Opfer der Familie Sackler, dem Oxycontin, für die Tilgung des Familiennamens aus internationalen Museen und Kulturstiftungen begleitet. Ein eindrücklicher, ein harter, ein bewegender Film. Goldin berichtet in Interviews über ihr Leben, mit ihren Fotos sind viele Teile des Interviews unterfüttert.

Gerade kann man den Film in der arte-Mediathek sehen (er bleibt bis zum 15. Juni 2026 verfügbar), zudem ist er unter dem etwas sperrigen Titel „Nan Goldins Kampf gegen die Sacklers“ bei Youtube verfügbar.

2022 gewann der Film den Goldenen Löwen der Filmfestspiele Venedig, ein Jahr später war er für den Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert. Zweifelsfrei ist All the Beauty and the Bloodshed einer der wichtigsten Dokumentarfilme der Gegenwart.

Dokumentarfilm LOve & MOtion auf Youtube verfügbar

Erst dieser Tage ist mir aufgefallen, dass der Dokumentarfilm LOve & MOtion, der die Anfangstage der Lomografie, die Entstehungsgeschichte der LC-A, ihren Siegeszug im Wien in den Jahren nach dem Fall der Sowjetunion, die Rolle Wladimir Putins für die Lomografische Gesellschaft jener Zeit und die unterschiedlichsten Herangehens- und Nutzungsweisen der LOMO beleuchtet, auf YouTube zu sehen ist. Ein spannender Film und ein wirklich sehenswertes Zeitdokument, auch wenn die technische Qualität des Uploads nur sehr durchschnittlich ist.

Mir hat der Film vor Jahren großen Spaß gemacht und es war interessant, ihn wieder einmal zu sehen. Klare Empfehlung!

Bedienungsanleitung LOMO LC-A

Dieser Tage ist mir die Bedienungsanleitung meiner alten LC-A, die noch in irgendeiner Kiste im Keller liegt, durch die Hände gegangen, und zwar nicht nur die englischsprachige, die man seitens der Petersburger Fabrik Mitte der 1990er-Jahre den Kameras beilegte, sondern auch die frühe deutschsprachige Anleitung der Lomographischen Gesellschaft Wien. Die finde ich ja noch interessanter und lesenswerter, als die Originalanleitung.

Beide, die englische und die österreichische (dürfte von 1995 oder 1996 sein, so alt ist auch die Kamera) sind in einer PDF-Datei vereinigt, die ich Euch freilich nicht vorenthalten möchte. Vielleicht kann sie dem ein oder anderen noch dienlich sein …

Mein Scanner ist nun nicht der beste, aber wenn man die Datei ein wenig vergrößert, ist die Anleitung (die im Original ziemlich winzig ist) durchaus lesbar.

Angetestet: Die Chuzhao Retro-Digitalkamera

Der Zufall spielte mir in diesen Tagen ein Gadget in die Hände, das vor einem guten halben Jahr auf Insta richtig “viral” gegangen ist, aber auch gegenwärtig immer wieder auftaucht: eine kleine, als „Chuzhao“ gebrandete Digitalkamera in der Optik einer alten Rolleiflex-Spiegelreflexkamera. Sie ist richtig retro und auf jeden Fall ein Hingucker – und auch die mit ihr geknipsten Bilder versprühen einen echten Vintage-Charme. Doch schon an dieser frühen Stelle muss darauf hingewiesen sein: Mehr als ein Spielzeug ist diese Kamera nicht, selbst dann nicht, wenn man an eine Digitalkamera keine hohen Ansprüche hat.

Chuzhao Retro-Digitalkamera

Bevor ich mich der Technik widme, möchte ich auf die „besondere“ Optik dieser Gadget-Knipse zu sprechen kommen: Sie ähnelt in der Tat sehr der zweiäugigen Mittelformat-Spiegelreflexkamera, die man bei Rollei in dieser quasi prototypischen Form wenigstens fünf Jahrzehnte so produziert hat. Manche Details sind hier recht präzise und charmant ausgeführt, so etwa der etwas herausstehende Auslöser, die Menübuttons zwischen den Kameralinsen (die obere Linse ist bei dieser Digitalkamera selbstredend eine funktionslose Attrappe) oder die kleine Kurbel an der rechten Gehäuseseite. Wenig überraschend ist diese Kamera bedeutend kleiner als das Rollei-Original und somit auf den ersten Blick für jedermann als Gadget erkennbar.

Ein kurzer Blick auf den Lieferumfang: Neben dem Fotoapparat mit seiner vorinstallierten 16-GB-micro-SD-Karte, einer Bedienungsanleitung, einem im Gegensatz zur Digicam nicht wirklich retro erscheinenden Schultergurt wird in der recht stylishen Produktverpackung, die sich auch als Geschenkbox eignet, ein USB-A-zu-C-Kabel geliefert. Die Kamera kann per USB-C sowohl aufgeladen werden, als auch mit dem Computer verbunden werden. Nominell steht eine Akkukapazität von 1000 mAh zur Verfügung (der Akku ist nicht wechselbar), das Laden funktioniert auch mit potenteren Ladegeräten mit 2 A Ladepannung, ein Netzteil gehört nicht zum Lieferumfang, aber so etwas hat man ja gemeinhin zur Hand.

Technisch gesehen liefert diese Kamera sehr einfache Hausmannskost – mit einer Ausnahme: Sie macht quadratische Bilder im Format 1:1 – das ist dasselbe Format wie seinerzeit beim Mittelformat. Gewählt werden kann zwischen Farbe und Schwarz/Weiß, das Bildformat ist vom Nutzer nicht änder- bzw. anpassbar. Der Sensor soll 12 Megapixel auflösen, allerdings kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass diese 12 MPix interpoliert sind, denn die Auflösung ist nur mäßig und der Chip hat, wie man an den Filmclips sieht, ein normales Format, die Fotos werden intern also mindestens beschnitten. Weiterhin verfügt dieser Fotoapparat über einen recht vernünftig arbeitenden Autofokus, der allerdings nicht abgestellt werden kann. Man kann also kaum „künstlerische“ Aufnahmen mit Unschärfe machen, ein manueller Fokus ist nicht vorhanden.

Die Bedienung ist für sich genommen einfach und auch in sich logisch, man muss sich an die menülose Art der Kamera gewöhnen, das gelingt aber schnell, denn die Kamerafunktionen sind aufs absolut nötige Minimum reduziert und erlauben, außer der Umstellung von schwarz/weiß und Farbe keine Eingriffe seitens des Fotografen. Der Sucher ist, wie beim Original, oberseitig angebracht und verfügt, wie das Vorbild von Rolleiflex auch, über eine Klappe und einen ausklappbaren „Blendschutz“. Es ist quadratisch, die Auflösung ist jetzt nicht übertrieben hoch, zur Orientierung reicht der Bildschirm aber bestens aus, zudem bildet er hell und klar ab.

Chuzhao Retro-Digitalkamera

Zur Ästhetik der Bilder: Die Kamealinse ist aus Kunststoff und ist in Qualität und Ausführung mit dem optischen System einer Einwegkamera vergleichbar. Der Retro-Effekt der Digitalaufnahmen mag auch daher rühren, wobei durch den Beschnitt des Bilds auf das quadratische Format Verzeichnungen und Farbaberrationen an den Bildrändern minimal ausfallen. Wenn wir uns hingegen gute analoge Mittelformataufnahmen ansehen, die mit der Rolleiflex, die dieser Kamera Pate stand, gemacht wurden, werden wir feststellen, dass diese nichts mit der Qualität der Digitalbilder gemein haben. Die Mittelformataufnahmen waren von einer Exzellenz, die einem manchmal den Atem raubt und noch heute Respekt abnötigt, die Bilder der Chuzhao-Knipse indes repräsentieren das Niveau einfacher Digitalfotografie aus den frühen 2000er-Jahren oder sehr früher Handykameras. Nun muss man selbst entscheiden, ob man das als Manko begreift, oder die Ästhetik dieser Aufnahmen schätzt. Ich persönlich mag sie sehr. Jedes Handy macht heute annähernd perfekte Bilder, indes mit den Limitationen dieser Kamera zu arbeiten, ist im Jahr 2025 wieder eine spannende Sache. Gerade mit der s/w-Funktion, aber auch im Gegenlicht entstehen so wirklich interessante Fotos mit einem ganz eigenen Charme.

Chuzhao Retro-Digitalkamera

Das Besondere der mit dieser Kamera aufgenommenen Fotos liegt nicht nur im quadratischen Format, der etwas reduzierten Farbabbildung, der situationsabhängigen Neigung der Kamera zur Über- und manchmal auch Unterbelichtung, sondern auch in der Perspektive, aus der sie gemacht werden. Da man ja von oben in den auf der Oberseite des Kameragehäuses angebrachten Sucher blickt, verändert sich automatisch die Perspektive der Aufnahmen („Bauchperspektive“). Das kann sehr spannende Bilder erzeugen – und macht echt Spaß. Ein paar Demofotos lasse ich Euch hier exemplarisch da, alle nicht weiter bearbeitet. Ein Klick auf das jeweilige Vorschaubild vergrößert es.

Unbearbeitetes Demobild der Chuzhao-Retro-Digitalkamera, aufgenommen in NürnbergUnbearbeitetes Demobild der Chuzhao-Retro-Digitalkamera, aufgenommen in NürnbergUnbearbeitetes Demobild der Chuzhao-Retro-Digitalkamera, aufgenommen in NürnbergUnbearbeitetes Demobild der Chuzhao-Retro-Digitalkamera, aufgenommen in NürnbergUnbearbeitetes Demobild der Chuzhao-Retro-Digitalkamera, aufgenommen in NürnbergUnbearbeitetes Demobild der Chuzhao-Retro-Digitalkamera, aufgenommen in NürnbergUnbearbeitetes Demobild der Chuzhao-Retro-Digitalkamera, aufgenommen in NürnbergUnbearbeitetes Demobild der Chuzhao-Retro-Digitalkamera, aufgenommen in NürnbergUnbearbeitetes Demobild der Chuzhao-Retro-Digitalkamera, aufgenommen in Nürnberg

Nun bleibt noch ein kurzes Fazit zu ziehen: Wohl niemand wird erwartet haben, dass wir es hier mit einer ernst zu nehmenden Kamera zu tun haben, niemand wird den Eindruck haben, man könnte hier Bilder in einer Qualität derer der alten zweiäugigen Spiegelreflexkameras erzeugen. Diese Kamera ist ein Gadget, ein Spielzeug, das sehr partymäßig aussieht und auch retromäßige Fotos liefert. Für das ein oder andere Experiment ist diese Kamera sicher gut, die Bilder, die nicht besonders hoch auflösen, weisen eine ganz eigene und durchaus spannende Ästhetik auf.

Mit dem Alt Bot mehr Inklusion bei Mastodon

Erst gestern berichtete ich über ein wertvolles Tool im Fediverse, die Fedikarte, heute widme ich mich erneut diesem dezentralen sozialen Netzwerk und beleuchte ein Tool, das ich fast noch wertvoller finde – den Alt Bot, den ich über Karlimann kennengelernt habe.

Ihr wisst, dass ich AI generell recht kritisch sehe – gerade, weil die Large Language Models mittlerweile zwar sehr süffige und kompakte, gut lesbare Inhalte liefern, es damit aber immer schwieriger wird, Fehlschlüsse und Falschinformationen zu erkennen. Solche Falschinformationen tradieren sich dann weiter, gerade wenn die Ergebnisse der AIs unkritisch in Webseiten übernommen werden.

Gleichwohl liefert die künstliche Intelligenz auch richtig coole Use Cases ab. Der Alt Bot analysiert Fotos, die Nutzer auf Mastodon posten, mithilfe von Googles AI Gemini und erstellt auf Grundlage dieser Ergebnisse Bildbeschreibungen als Reply auf den ursprünglichen Bilder-Post mit dem Ziel, die Bildinhalte für blinde oder sehbehinderte Menschen zugänglich zu machen.

Screenshot https://fuzzies.wtf/@altbot

Den Alt Bot benutze ich seit nunmehr drei Wochen und ich bin positiv überrascht und gleichzeitig auch ein wenig beunruhigt ob der Treffsicherheit, Präzision und Fokussierung aufs Wesentliche bei den durch Gemini generierten Bildbeschreibungen. Ich habe kaum Anlass zur Kritik, im Gegenteil: Der Bot arbeitet aus den Fotos wissenswerte Details heraus, die ich so schlicht übersehen hätte. Mitunter gibt die AI auch eine Kontextualisierung oder vorsichtige Szenenbewertung ab, das eine halte ich für sehr gelungen, das andere betrachte ich freilich, ihr kennt meine Haltung dazu, nicht unkritisch.

Dennoch ist der Bot ein Tool, welches Mastodon zu einem wesentlich zugänglicheren Ort für Blinde und Menschen mit Sehbehinderung macht.

Die Nutzung ist übrigens sehr einfach – übersetzt heißt es in der Anleitung für den Bot:

So benutzt du den Alt Bot:

  • Erwähne mich: Erwähne einfach @altbot in einer Antwort auf einen Beitrag, der ein Bild enthält, und ich werde eine Alt-Text-Beschreibung dafür generieren.
  • Folge mir: Folge @altbot, und ich folge dir zurück, um auf deine Beiträge zu achten. Wenn du ein Bild ohne Alt-Text postest, werde ich automatisch einen generieren, um das Fediverse zugänglich zu halten!

Wegen der Funktionsweise der Mastodon-API kann Alt Bot dir NICHT automatisch entfolgen, wenn du deine Meinung änderst. Bitte führe das Entfolgen manuell durch.

Hinweis zum Datenschutz: Der Inhalt deiner Beiträge wird nicht ausgewertet. Nur Bilder ohne bestehenden Alt-Text werden verarbeitet.

Der Alt Bot ist unter @altbot@fuzzies.wtf zu finden.

Webcams aus Nürnberg

Ein bisschen aus der Zeit gefallen sind sie ja schon: die Webcams. Ende der 1990er Jahre bis in die 2010er Jahre hinein gehörte es quasi zum guten Ton, im „WWW“ eine Webcam zu betreiben, um der großen weiten Welt sein Unternehmen, seine Umgegend oder das örtliche Wetter im Livebild präsentieren zu können. Und so erfreut sich die Webcam unter den Ureinwohnern dieses weltweiten Netzes ungebrochener Beliebtheit (auch wenn es immer weniger solcher Webcams im öffentlichen Raum werden).

Auch in Nürnberg gab es mal eine Vielzahl solcher Kameras – und einige haben sich bis heute gehalten. Im Folgenden möchte ich einen aktuellen Überblick über noch aktive Webcams in der Frankenmetropole geben:

Nicht mehr verfügbar ist leider die Cam auf die Kaiserburg, die von einem ortsansässigen Versicherer angeboten wurde. Du hast eine Webcam gefunden, die ich vergessen habe? Lass´ mir einfach einen Kommentar da. Viel Spaß beim Cam-Spotten!

AccuPower IQ-328. Ich bin begeistert.

Nachdem ich nun eine Bridge-Kamera habe, die mit handelsüblichen AA-Batterien betrieben werden will, musste ich mir Gedanken machen, welche Akkus ich nehmen möchte und welches Ladegerät sich anbietet. Das mit den Akkus war schnell geregelt, ich habe mir einmal von Ansmann Akkus mit hoher Kapazität gekauft und auf Reserve dann noch einen Satz von Golden Peak mit geringer Selbstentladung. Viel schwieriger ist die Entscheidung, welches Ladegerät man haben will. Klar ist das Voltcraft CM2020 vom Elektro-Conrad die unbestrittene Referenz, wenn es um Laden und Pflege von Standard-Akkus geht, aber für die 170 Euro, die für dieses Gerät aufgerufen werden, kann ich mir gleich ´ne neue Kamera kaufen.

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Für meine C- und D-Akkus habe ich bereits seit bald drei Jahren ein Powerline 5 LCD-Ladegerät in Gebrauch. Das ist zwar nicht richtig gut, aber zumindest hinreichend gut. C- und D-Batterien brauche ich verhältnismäßig selten und so habe ich mich entschlossen, wirklich nicht die hundert bis hundertsiebzig Euro für einen Profilader auszugeben, das Ladegerät zu behalten und mir eines der vielen prozessorgesteuerten Kleingeräte für AAA und AA-Akkus zu besorgen. Nach ausgiebigem Herumklicken ist meine Wahl auf das schon seit einigen Jahren auf dem Markt befindliche IQ-328 des österreichischen Herstellers AccuPower gefallen, das kostet 30,- Euro.

Warum habe ich mich genau für dieses Gerät entschieden? In dieser Geräteklasse gibt es eine Preisspanne von 25-50 Euro. Das Gerät von AccuPower bringt im Wesentlichen alle Features der Geräteklasse mit und verfügt über einen üppigen Ladestrom von 200 bis 1000 mA und als Feature einen Ladestrom von 1800 mA, wenn nur zwei Akkus eingelegt sind. Das es eine Einzelschachtüberwachung gibt, ist ein weiteres Feature. Dafür müsste man bei den Mitbewerben einen Fuffie abdrücken, das AccuPower kostet inklusive des Versands knappe 30,- Euro, ich betrachte das Gerät zwar nicht als Klassenprimus aber als Preis-Leiustungs-Gewinner bei meinem Vergleich.

Aus der Praxis: Das erste gelieferte Gerät war kaputt. Es tat sich gar nichts. Die Rückabwicklung lief problemlos, ich bestellte ein Ersatzgerät. Ist halt alles „Made in China“. Das zweite Gerät kam flott und funktioniert. Die Haptik von Gerät und Steckernetzteil ist gut. Was mir zudem gefällt ist das Display: Logisch aufgebaut und nicht hinterleuchtet. Ich schätze sehr, wenn solche Geräte kein Licht abgeben. Die Akkus sitzen fest, das Gerät selbst steht sicher – alles ist gut und sauber verarbeitet, man kann nicht meckern.

Das Display zeigt neben dem Betriebsmodus auch den (Ent)Ladestrom, die Kapazität und die Spannung des jeweiligen Akkus an – separat für jeden Ladeschacht. Das mag ich inzwischen sehr. Bei meinen anderen Ladegeräten hatte ich manchmal das Gefühl, dass eine Zelle etwas schlechter lädt, weniger lange durchhält,… – jetzt weiß ich das (und kann ggf. einen Refresh durchführen). Zudem wird auch die Ladezeit angezeigt.

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Im wesentlichen gibt es drei für mich interessante Betriebsmodi:

1. Laden: Man kann einen Ladestrom von bis 1 A vorwählen, das macht aus dem IQ-328 ein gutes Schnellladegerät. Wenn es drauf ankommt, dann lassen sich einige weitere Minuten sparen, indem man (allerdings nur zwei) Akkus mit 1,8 A lädt. Das wollte ich aber dem 2100er-Durschschnittsakku nicht dauerhaft antun. Trotzdem ist es gut, dass man sehr schell laden kann, wenn es darauf ankommt.

2. Entladen-Laden: Hier wird der Akku entladen und dann wieder vollständig aufgeladen. Das ist für mich ein must-have bei einem Ladegerät. Teilentladene Kameraakkus sollen für den nächsten Tag wieder die volle Leistung bringen, aber einfach „draufladen“ soll den Zellen nicht gut tun. Daher ist dieser Modus bei mir der meistgenutzte. Klappt prima und mit einem einstellbaren Entladestrom von 100 bis 500 mA ist das auch über Nacht erledigt. Der Clou kommt aber noch…

3. Refresh: Diese Funktion ist genial, braucht aber viel Zeit. Die eingelegten Akkus werden geladen und entladen, zwischendurch wird immer wieder die Kapazität gemessen. Der Vorgang wird so lange wiederholt, bis die Kapazität nicht mehr steigt. Man mag schon hinterfragen, was das mit der Haltbarkeit der Akkus auf Dauer tut, aber es funktioniert kurzfristig auf jeden Fall. Die Golden Peaks (geringe Selbstentladung, etwa ein Jahr alt, ca. 20 Zyklen) – und das ist das wirklich interessante – haben nach dem Treatment eine Kapazität von 2150mAh, die maximale vom Hersteller angegebene Kapazität beträgt nur 2050 mAh. Das hat mich dann schon beeindruckt. Um das zu erreichen, hat das IQ-328 aber auch satte zweieinhalb Tage an den Akkus herumgerödelt. Dennoch: So ein Refresh von Jahr zu Jahr rentiert sich. In meinem alten Funktelefon sind drei Panasonic NiCd-Akkus mit einer Kapazität von 800 mAh, die sind nicht mehr so richtig frisch. Ich will die nur ungern hergeben, weil sie erstaunlich lange durchgehalten haben und die Ladeelektronik des Telefons auf höhere Kapazitäten nicht ausgelegt zu sein scheint. Derzeit läuft der Refresh noch, ich bin auf das Ergebnis echt gespannt*. Die Refresh-Funktion ist toll, denn hier lässt sich Geld sparen und was für die Umwelt tun – die Akkus können einfach länger benutzt werden.

Dann gibt es noch eine Test-Betriebsart, bei der der Akku jeweils zweimal ent- und wieder geladen und am Ende die Kapazität ermittelt wird. Das habe ich bislang aber nur einmal gemacht, denn wenn ein Akku nicht ganz ok ist, merkt man das schon beim normalen Laden und dann ist eben entweder der Refresh fällig oder der Akku ist halt kaputt.

Und dann gibt es noch ein paar Besonderheiten „unter der Motorhaube“ – so sind die Akkus temperaturüberwacht – bei Überhitzung wird pausiert, bei wiederholter Überhitzung der betroffene Schacht abgeschaltet. Einzelschacht ist sowieso toll, denn ein Akku hat ja einen Eigenwiderstand, der bei Reihenschaltung selten sinnvoll berücksichtigt ist. Defekterkennung und Erhaltungsladung nach Beendigung des Ladevorgangs sind ebenfalls mit an Bord.

Für mich ist das IQ-328 das perfekte Ladegerät für AAA und AA-Akkus. Man möge dazu auch den Preis berücksichtigen, sind viele prozessorgesteuerte Ladegeräte doch erheblich teurer. Allerdings braucht man für seine C- und D-Akkus sowie seine Blockakkus immer noch ein zweites Ladegerät. Ich hätte mir das AccuPower-Gerät nicht gekauft, wenn ich nicht schon ein entsprechendes anderes Ladegerät besitzen würde.

* Die NiCd-Akkus haben nichts an Kapazität gewonnen, halten aber „gefühlt“ besser durch. Die LSDs (low self discharge) profitieren alle.

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