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See you later.

Sorry. Ich habe schon länger nichts mehr Längliches geschrieben. Derzeit binden mich drei umfängliche und Zeit fordernde Projekte. Und dann kommt der Urlaub.

Lieb, dass ihr trotz relativem Mangel an Aktualitäten hier immer noch so fleißg reinschaut. Zweihundertfünfzig tun das im Tagesmittel und lesen alte Sachen. Das finde ich doch sehr beachtlich!

Ich melde mich dann, wenn es wieder etwas ruhiger zugeht, mit „wos gscheid´m“ zurück.

Bitte keine Berlinifizierung Nürnbergs. Wir brauchen den Scheiß hier nicht.

Hipster, geht bitte weit weg. Nach Berlin. Obwohl, die Berliner packen Euch ja auch nicht. Geht nach New York. Da könnt ihr nichts kaputt machen.

In Nürnberg braucht es keine Berlinifizierung. Denn Berlin ist ziemlich am Arsch.

Wie sehr am Arsch, das könnt ihr exemplarisch hier lesen:

Hipsterstall killed the Videostore

Meine heutige Leseempfehlung an Euch. Bitte wirklich lesen. Und wer dann noch von Berlinifizierung faselt, der soll dann bitte auch dorthin gehen. Danke.

Fire. Phone.

Ok, Leute, das Design des Firephones von Amazon, das vorgestern angekündigt wurde, gemahnt schon arg an das iPhone – aber der Rest ist pure Innovation – und nun verweist nicht nur das HTC M8 auf einen der hinteren Plätze, nun bekommt Apple ganz scharfe Konkurrenz. Allein das Feature „dynamic perspective“ ist richtig groß und wird einen neuen Standard setzen. Autoscrolling ist DAS Feature. Das Firephone zeigt, dass diese Geräteklasse inzwischen auch leistungsmäßig sehr sehr geschmeidig geworden ist.

Wer sich die Features im Groben zu Gemüte führen möchte, kann das ja beim Web-Standard tun.

Wo bleibt mein Rant, werdet ihr nun fragen? Er folgt auf dem Fuße: Seitdem ich vor zwei Jahren das erste Kindle fire in den Pfoten hatte, wurde mir schlagartig klar, dass ein Device nicht automatisch dadurch gut wird, dass es wie auch immer geartete Shoppingfunktionalitäten eines einzelnen Anbieters tief integriert hat. Wenn ich nun lese, dass ein tiefe Amazon-Cloud-Integration ebenso mit zum Gerät gehört, wie eine Art „Shazam fürs Fernsehen“ mit automatischem Vorschlag der passenden DVD-Boxen, dann habe ich wieder ein Gerät, das mich mit seiner Anbieterbindung gängelt. Das ist bei den Apple-Telefonen unerträglich, das ist bei Android grenzwertig und das ist bei den kindle-Fire-Geräten nervig. Ich überlege mir gerade ernsthaft, auf Jolla, Ubuntu oder Firefox-Phone umzusatteln – inklusive aller Komforteinbußen – weil mir die Gängelung durch Google oder Apple oder auch Windows einfach viel zu weit geht.

Wer heute ein neues, revolutionäres Telefon entwickeln will, der muss verstehen, dass er dem Kunden zu überlassen ist, wo er seine Daten hinterlässt und wo er sein Geld ausgibt. Wir sind aus meiner Sicht inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem maximale convenience nicht mehr das ausschlaggebende Argument für eine Plattform ist. Die Dienste, die genutzt werden, sind doch in unterschiedlicher Hand: Mails liegen bei GMX, das Microblogging besorgt Twitter, genetzwerkt wird privat über Facebook und beruflich über Xing, Mucke kauft man bei Apple oder Amazon, Dokumente bearbeitet man mit Microsoft-Produkten – alles Konkurrenten. Und somit ist auch wenig sauber eingebunden, egal, ob nun im Apfel oder Androiden-Universum. Besser als jedes neue Feature wäre aus meiner Sicht eine saubere Integration der jeweiligen Dienste. „Lock in“ ist eine Strategie der vergangenen Dekade, „open up“ ist die Zukunft. Ich fürchte, dass man das bei Amazon nicht begriffen hat. Und darum will ich das Telefon genausowenig wie ich das iPhone sseinerzeit wollte.

Slowly Rolling Camera.

Mich berührt gerade seltsan, dass es schon so lange her ist, dass ich neue Musik entdeckt habe, die mich mitreißt und gefangen nimmt. Ob es nun an mir liegt oder an den Neuerscheinungen, das vermag ich nicht zu sagen, ich sollte in einem Moment der Stille mal darüber nachdenken.

Als ich vor vielen vielen Jahren Portishead entdeckte, war ich ergriffen. Als ich vor einigen Jahren in einem Nürnberger Plattenladen das Live-Album des Cinematic Orchestras aus der Royal Albert Hall hörte, war ich ergriffen. Als ich heute von Slowly Rolling Camera das gleichnamige Album hörte – war ich ergriffen.

Dieser riesige Beat, diese Weite, diese Stimme (Dionne Bennett). Unfassbar.

Es ist lange her, dass der Volume-Knopf rechts anschlug. Und es ist mir gerade scheißegal.

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Franken Fernsehen raus aus der DVB-T-Verbreitung.

Gerade entdecke ich im Blog von Peter Viebig, dass sich Franken Fernsehen aus der DVB-T-Verbreitung in Nürnberg zurückgezogen hat. Über Kabel und Sat kann man Franken Fernsehen weiterhin sehen.

Mit dem Rückzug aus der DVB-T-Verbreitung hat in der Region RTL im Jahr 2010 begonnen. Im letzten Jahr strichen dann bibel.tv und Euronews die Segel. Schon damals habe ich ein bisschen wehgeklagt, weil jeder Senderrückzug die DVB-T-Plattform weiter gefährdet. DVB-T ist aber Grundversorgung – und weiterhin gerade bei „Wenigsehern“, in günstigen Altbauten, z.T. auf dem Land und bei Zweitgeräten verbreitet. Wenn das so mit DVB-T weitergeht, dann wird die Technik wohl schon bald nackte SD-Grundversorgung der öffentlich-rechtlichen Programme bedeuten – schade!

Wochenrückblick KW26/2014

29Was gibt es aus der vergangenen Woche zu berichten? Ich leg mal los:

  • Dem armen Dirk haben sie seine Facebook-Seite geköpft. Ich bin nun  wahrlich kein Freund von Facebook – aber freilich hängt man an einer mühevoll aufgebauten Community. Insofern ist es schon sehr fragwürdig,  was Facebook da treibt. Der Conclusio mag ich voll zustimmen: „Zum einen bestätigt mich dieser Vorfall in meiner Haltung, dass ein eigenes Blog immer noch die Krone aller Publikationswege ist, da man hier die Kontrolle über seine Inhalte behält und nicht der Willkürlichkeit von Plattformen ausgeliefert ist.“ Zum Thema Reichweite: Ich denke nicht, dass Facebook in zwei Jahren noch die Reichweite bringt, die heute (noch) möglich ist.
  • Von dem Slowly Rolling-Camera-Trip  habe ich mich noch immer nicht erholt. Es ist so wunderbar, so tief. Nächste Woche ist wieder Geld im Haus, da wird die LP über den Import geordert!
  • Seit 2004, mittlerweise also seit zehn Jahren bin ich Kunde von E-Plus. In der letzten Zeit aber will mir das nicht mehr sio gefallen. Nicht nur der Preisvorteil, den man im E1-Netz landläufig genoss, ist seit langem dahin, auch die Sprach- und Datenqualität ist nicht mehr das, was ich mir vorstelle. Den Vogel hatte E-Plus letzten Samstag abgeschossen, als ich am Platzl in München saß und mit GPRS (nicht) im Internet verbunden war. Leute! Zentraler kann man in der größten Stadt Bayerns quasi nicht sitzen! GPRS. Nun, E-Plus scheint sowieso gerade den Weg alles Irdischen zu gehen.
  • Und zum Thema Mobilfunk: Letzte Woche hatte ich doch tatsächlich das Glück, über die Crash-Tarife an eine T-Mobil-LTE-SIM mit 3 GB für 5,-/Monat zu kommen. Funzt. Einwandrei. Ich denke, ich gehe mit dem ganzen Mobilfiunkkram zur Telekom.
  • ÖPNV-mäßig war das eine turbulente Woche: Am Dienstag und Donnerstag Streik, Donnerstag und Freitag waren zudem Teile der Beuthener Straße wegen der DTM, die infernalisch lärmt und stinkt, gesperrt. Auch wenn alle über die VAG jammern – dieser Streik lehrte ust, wie essentiell wichtig ein funktionierender ÖPNV für eine Stadt wie Nürnberg ist.
  • Ich komme von diesem Slowly Rolling Camera-Album nicht los!!
  • so long…

Wochenrückblick KW 22/2014.

Und mal wieder ein kleiner Blick auf die hinter uns liegende Woche…

Morgen gegen die Ausmalung des Rauthaussaals stimmen!

Wer morgen in Nürnberg seine Stimme zur Europawahl abgibt, hat auch die Möglichkeit, beim Ratsbegehren um die Ausmalung des historischen Rathaussaals mitzustimmen. Selten bin ich so direkt, diesmal aber fordere ich Euch auf:

Geht morgen zur Wahl und stimmt gegen den den Unsinn der Ausmalung des Rathaussaals, wie ihn die „Altstadtfreunde“ befürworten – stimmt mit NEIN!

Zwischen 1332 und 1340 wurde der heute als „historisch“ bezeichnete Rathaussaal gebaut und entsprechend der damaligen Gepflogenheiten gestaltet. Ab 1521 wurde dann unter der Leitung Dürers die Innenausstattung nebst Wandbemalung erschaffen, ging im Laufe der Jahre aber verloren und wurden immer wieder zeitgeistig „rekonstruiert“, zum letzten Mal kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert. Schon das, was damals im Saal zu sehen war, hatte – so die Experten – mit dem, was Dürer einstmals malte, höchstens im Allerentferntesten zu tun. Selbst Befürworter der Ausmalung müssen zugeben, dass die letzte „Sanierung“ aus dem Jahren 1904/05 einer „Neuasmalung“ gleichkam – die Dürersche Handschrift war schon zu diesem Zeitpunkt im Saal unwiederbringlich verloren. 1945 brannte der historische Rathaussaal vollständig aus – es blieb nichts Rekonstruierbares übrig. Gar nichts. Der Rathaussaal wurde Ende der 1950er Jahre wieder aufgebaut – unbemalt.

Ende der 1980er Jahre passierten dann zwei interessante Dinge: Farbdias, die Teile des Rathaussaals in der Ausmalung von 1904/05 zeitgen (aufgenommen 1943) wurden wiederentdeckt. Und: Im Zuge der Debatte fertigte der Künstler Michael Matthias Prechtl einen zeitgenössischen Entwurf, den er nach Diskreditierung der Mulzer-Brigaden Altstadtfreunde zurückzog. Die Geschichte des Saals lässt sich im NürnbergWiki übrigens recht gut nachvollziehen.

Und heute? Heute fordern die Altstadtfreunde eine Rekonstruktion der Wandbemalung Dürers nach den Farbdias von 1943 und anderen Fotografien in schwarz-weiß. Dass das weder etwas mit Dürer noch mit Rekonstruktion im engeren Sinne zu tun hat, ist hinlänglich bekannt – das ficht die „Altstadtfreunde“ aber nicht an.

Die Bemalung des Rathaussaals gemäß dem Vorschlag der „Altstadtfreunde“ ist Unsinn, …

  • … denn mit Dürer hat das alles nichts mehr zu tun
  • … denn das, was sich aus der alten und lücken- wie fehlerhaften Fotodokumentation herausziehen ließe, noch nicht einmal den Stand der Neugestaltung von 1904/05 wiederzugeben in der Lage ist.
  • … die geschätzten Kosten für die Ausmalung würden sich auf bis zu 9 Millionen Euro belaufen (und wer sich so ein Projekt mal detailliert vorstellt, kommt schnell auf den Trichter, dass es gerne auch noch teurer werden kann). Geld, das Nürnberg nicht hat, Geld das überall dringender gebraucht wird – kurz: viel zu teuer für so einen Unsinn.
  • … denn Nürnberg ist nicht Disneyland und unsere Altstadt ist Lebensraum und kein Freilandmuseum für Butzenscheiben, Lebkuchen, Bratwürste und naive Malerei.
  • … denn der Stadtrat hat bereits gegen diesen Blödsinn gestimmt. Nur die Mulzer-Brigade „Altstadtfreunde“ interessieren sich halt nicht für den Beschluss eines demokratisch legitimierten Stadtrates, warum denn auch?

Wer sich vor der morgigen Wahl den Schriftsatz zum Ratsbegehren in aller epischer Breite zu Gemüte führen möchte, der hat hier Gelegenheit dazu.

Fazit: Die Ausmalung des Rathaussaals kann nicht sinnvoll gelingen, verschlingt höllisch viel Geld, das in unserer schönen Stadt an allen Ecken und Enden fehlt und ist damit schlicht Unfug. Es ist traurig, dass der Wähler hier überhaupt korrigierend eingreifen muss – daher gilt: Morgen zur Wahl und mit NEIN gegen die Ausmalung gestimmt!

Wem gehört die Ultrakurzwelle – BR Klassik oder Puls?

Wer in Deutschland Radio hören will (Verbreitungswege wie Kabel, Sat oder Internet bleiben bei dieser Betrachtung mal außen vor), der hat im wesentlichen zwei Möglichkeiten: Zum einen über Ultrakurzwelle, auf vielen Empfängern steht hier „FM“ – oder digital mit DAB+. Beide Systeme sind untereinander nicht kompatibel: Wer ein UKW-Radio hat, der kann kein DAB empfangen, viele DAB-Digitalradios haben aber noch ein analoges UKW-Teil mit an Bord. Ein reines Digitalradio empfängt kein UKW. Der Vorteil von Digitalradio gegenüber der vor bald 65 Jahren eingeführten UKW-Technik ist ein in der Regel rauschfreier Klang und eine größere Programmauswahl. Im UKW-Radio herrscht Enge, es gibt wesentlich mehr Radiostationen, die über UKW senden wollen, als es Kanäle gibt. Freie Kanäle gibt es quasi gar nicht, Ende der 90er wurde hier in Nürnberg mit Füll- und Stützsendern dichtgemacht, was dicht geht, Kleinstanbieter wie vil oder StarFM bekamen Frequenzen zugewiesen, die so schwach und abseitig besendet werden, dass es schon gar keinen Spaß mehr macht. Eigentlich müsste ein regelrechter Run auf die Digitalradios stattfinden, die Leute sind aber eher zögerlich und nutzen die Radios, die sie bereits besitzen. Ohne Not steigt kaum einer auf das neue Digitalradio um – dass alte Radio spielt ja weiter. Schlechterer Klang und geringere Auswahl spielen oft nur eine untergeordnete Rolle – viele hören nur ein Programm und oft ist die Qualität hinreichend gut (oder nicht so wichtig).

Nun passiert, was passieren muss: Der Bayerische Rundfunk unterhält in Bayern eine Senderkette, mit der fünf Programme übertragen werden können – derzeit sind das Bayern 1 (der unangefochtene Marktführer), Bayern 2 (ein Kultur- und Wortprogramm), Bayern 3 (eine „Servicewelle“, Popmusik für eine gesetztere Hörerschaft ab vielleicht Vierzig), B5aktuell (ein Nachrichtenkanal) und BR Klassik (vormals Bayern 4, hier wird Klassik und Jazz gespielt). Und dann hat der BR – sehr sehr spät – nun ein neues Programm aus der Taufe gehoben: Puls, das Jugendradio. Im Radiobereich war der BR hinsichtlich der Programmgestaltung immer sehr innovativ: Die Autofahrer- und Servicewelle Bayern 3 war die erste ihrer Art in Deutschland (Anfang der 70er) und mit B5 kreierte die Anstalt Anfang der 90er den deutschen Prototypen für die inzwischen so erfolgreichen Inforadios. Nur ein richtiges Jugendradio hat der BR seit über fünf Jahrzehnten nicht richtig auf die Kette gekriegt, da war mit DT64 selbst die DDR (!) schneller. Nun aber wollen die Münchener auch dieses Manko tilgen: Nach den Rohrkrepieren „Das Modul“ und „on3-Radio“ (allesamt Digitalprogramme) soll nun „Puls“ die Ehre retten – nur: Puls hört halt kaum wer, weil sich das Digitalradio bei den Jüngeren noch nicht durchgesetzt hat – die nächste Pleite droht…

Die Lösung scheint zumindest am Münchener Rundfunkplatz auf der Hand zu liegen: Wirft man BR Klassik kurzerhand aus der analogen UKW-Senderkette und liefert auf den so frei werdenden Kanälen nun Puls, so brächte man das Programm an die Jugend. Die BR Klassik-Hörer müssten dann, wollen sie den Sender weiter empfangen, ein Digitalradio anschaffen. schnell möächte man meinen, hier geht es nicht nur um die Frage ob Klassik oder Pop, ob Bayern 4 oder Puls – sondern um Jung oder Alt.

Und so regte sind im ganzen Freistaat Widerstand gegen die Pläne der BR-Intendanz, Unterschriften wurden gesammelt und über fünfzigtausend zeichneten mit. BR Klassik soll auf der Ultrakurzwelle bleiben – schon allein deswegen, so wird argumentiert, weil gerade Ältere mit neuer Digitaltechnik Schwierigkeiten hätten, für die Jungen wäre das ja kein Problem. Es ist vertrackt: Die Jungen kaufen sich kein Radio, nur um einen bestimmten Sender zu empfangen (den sie im Zweifel noch gar nicht kennen), die nutzen, was vorhanden ist. Und in den Smartphones gibt es irrigerweise quasi nur analoge UKW-Empfangsteile. Die Alten, so erweckt es den Eindruck, trauen sich selbst den Umstieg auf Digitalradio nicht zu.

Andererseits: Die, die BR Klassik hören, gehören in aller Regel nicht nur einer gesetzteren sondern auch einkommensstärkeren Zielgruppe an – die hätten das Geld für die neuen Empfänger. Die die BR Klassik hören, würden von den technischen Vorteilen des Digitalhörfunks am meisten profitieren, allein schon deshalb, weil man hier das zu sendende Tonmaterial weit weniger komprimieren muss, als bei analoger Verbreitung, was gerade klassischer Musik mit hohen Schwankungen in der Dynamik sehr entgegenkommt. Nicht zuletzt bieten viele DAB-Radios gerade für weniger technisch versierte Menschen Vorteile – bringen sie in aller Regel doch einen automatischen Sendesuchlauf, Stationstasten und ein Klartextdisplay mit.

In diesem Streit Position zu beziehen ist äußerst schwierig – ich will es dennoch versuchen: Ich teile die Auffassung der BR-Intendanz, dass das Jugendprogramm auf UKW besser aufgehoben ist. Den BR-Klaassik-Hörern kann man den Kauf eines Digitalradios zumuten – sie profitieren am meißten davon und werden vermutlich auch den größeren Spaß an diesen Geräten entwickeln. Ein Programm wie BR Klassik eignet sich weit weniger zum „nebenbeihören“ wie Puls, das rechtfertigt eine Neuanschaffung. Überhaupt: Die Bayern sind schon fleißige Digitalradiohörer, knapp neun Prozent nutzen ein DAB+-Gerät. Das mag auf den ersten Blick nicht nach allzu viel aussehen, wenn man sich aber vor Augen hält, dass die Technik recht jung ist und das niemand bislang wirklich darauf angewiesen ist, wenn es ums schiere Radiohören geht, können sich die neun Prozent schon sehen lassen. Die Besorgnis der Privatsender kann ich nicht teilen, sie haben selbst gegenüber der öffentlich-rechtlichen „Übermacht“ zwei deutliche Vorteile: Sie sind bereits im Markt und damit bei den jungen Hörern gesetzt und durch ihre Regionalität können sie ganz anders um Stammhörer werben (z.B. durch Verlosungen, Sponsoring von Konzerten, Ausrichten diverser Partys…) als es der BR jemals könnte. Gut vorstellen kann ich mir aber, dass man bei Puls zukünftig ganz schön ackern muss, um sich zu etablieren.

Ich denke, dass der BR gut daran tut, Puls in die UKW-Senderkette einzuspeisen.

Am Rande: Ich höre kein Puls. Ich fand schon on3 und das Modul unangenehm (und damals hätte ich durchaus noch altersmäßig in die Zielgruppe gepasst). Die Schülerbands des Interimsprogramms „bavarian open radio“ gingen mir in der Regel auf den Saque. Ich höre gerne in B4 rein, meine liebste Sendung hier ist „pour le piano“, die Jazzstrecken sind wunderbar. Ich höre seit 2000 Radio digital über Sat, seit 2004 über DAB und seit 2011 über DAB+. Ich denke, dass Digitalradio der richtige Weg für ein wichtiges Medium ist. Ein Umstieg zu DAB+ mag vielen derzeit als fakultativ vorkommen, die Qualität und Auswahl (und nicht zuletzt auch der Komfort) entschädigen den Preis für das neue Radio, das man ja eigentlich gar nicht gebraucht hätte, um ein vielfaches.

 

 

Die Radiobastelei geht weiter…

Vor drei Jahren habe ich mit Freunden und Kollegen das Webradioprojekt openbusinessradio aus der Taufe gehoben, im Bewusstsein, dass ein tragfähiges Konzept aus den Themenkreisen offene Geschäftsmodelle, open source software und creative commons für ein Webradio gestaltet werden kann.
Dann passierte, was allzu oft passiert: Anderer Projekte forderten ihren Tribut, das Webradio rückte in den Hintergrund und irgendwann schlief das alles ein.

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Seit Februar bin ich wieder am Basteln und inzwischen ist die Sache soweit gediehen, dass ich das  Projekt mindestens einer kleinen Leserschaft hier nahebringen möchte – wer gerne schon mal gucken will, der schaut auf openbusinessradio.de!

Was das ganze soll, das könnt ihr hier nachlesen. Ein kleines Programm ist auch schon zu hören. Und: Über Follower auf Twitter freue ich mich.

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