Ehrensold.
545,22€ das ist der Regelsatz! Pro Tag und nicht pro Wohnung! Tagessold für’s Rumwulffen – 20 Monate und abgesichert lebenslang!
Bodo Ramelow via Twitter.
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Bodo Ramelow via Twitter.
Am heutigen Tag ist es an der Zeit, an das vor 59 Jahren geschlossene Londoner Schuldenabkommen zu erinnern. Vor guten 58 Jahren wurde es ratifiziert.
Kern des Abkommens (kurz gefasst): Teile der Vorkriegsschulden wurden durch die Bundesrepublik gezahlt, die Nachkriegsschulden akzeptiert und eine Teilzahlung vereinbart. Mit einher gegangen ist aber eine großzügige Entschuldung Deutschlands, der Schuldenerlass z. B. Griechenlands zugunsten Deutschlands betrug um 50 Prozent.
Das ist nicht nur ein Haufen Geld sondern auch eine verdammt großzügige Geste gegenüber einem Land, das halb Europa in Schutt und Asche gelegt hat.
Präzise:
1953 hatte Deutschland von seinen Gläubigern – darunter Griechenland – eine Schuldenstreichung von rund 50 Prozent erhalten, obwohl die deutschen Schulden damals bei weniger als 25 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) lagen. Griechenland erhält derzeit eine Entlastung von maximal 30 Prozent – obwohl die Schulden des Landes mehr als 160 Prozent des BIP ausmachen. (Quelle)
Wirklich weh tut aber der Transfer in heutige Tage:
Die Entschuldung Deutschlands war vor 59 Jahren explizit mit wachstumsfördernden Maßnahmen verbunden, darunter die Möglichkeit den Schuldendienst im Fall von Handelsbilanzdefiziten auszusetzen. Griechenlands Wachstum dagegen wird durch dramatische Einsparungen bei öffentlichen Ausgaben derzeit abgewürgt. (Quelle)
Das arrogante Verhalten unserer Bundesregierung unseren europäischen Freunden gegenüber treibt einem die Schamesröte ins Gesicht. Dieser Hochmut ist wirklich unerträglich.
Dringende Leseempfehlung ist auch die Webseite des Vereins Entwicklung braucht Entschuldung e.V. erlassjahr.de.
Wenn der Nicht-Waffenhändler und Normalbürger von einer Bombe spricht, meint er in der Regel nur selten militärisches Gerät. Wer von einer Bombe spricht, die geplatzt ist, der will ja letztlich nur zum Ausdruck bringen, dass brisante Zusammenhänge, die dereinst nicht öffentlich zur Kenntnis gelangten, nun an die Oberfläche, in den Bereich der Wahrnehmung geraten sind und dass die Reaktionen aufgrund der Brisanz dessen, was das zutage tritt, dementsprechend heftig ausfällt oder ausfallen wird. Eine Bombe kann ebenso ein hochkalorisches Gericht sein (->Kalorinbombe) oder eine üppig proportionierte Blondine. Wer eine Bombe wirft, verrichtete nicht selten auf der Toilette ein großes Geschäft und hat sich danach hoffentlich die Pfoten gewaschen. Ganze Wohnblöcke ziehen die sog. Blockbuster in Mitleidenschaft – das sind Kinofilme, die der etwas anachronistisch veranlagte Autor auch gerne als „Straßenfeger“ bezeichnet, weil sie das Interesse eines überdurchschnittlich großen Publikumskreises wecken.
Der reine Begriff Bombe also gehört – das stelle ich hier einfach mal so fest – in den alltäglichen Sprachgebrauch. Dieser Artikel könnte die Bombe sein oder auch wie eine Bombe einschlagen – oder auch nicht.
Umso erstaunlicher das, was gestern – unter anderem über heise – zu Tage trat: 37 Millionen Netzwerkverbindungen, zum allergrößten Teil E-Mails wurden seitens der Geheim- und Sicherheitsdienste in Deutschland im Jahr 2010 überwacht, unter anderem, weil sie den Begriff „Bombe“ enthielten. Das das ganze nicht ganz sauber funktionieren wird, ist auch klar: Zuerst einmal ist ja, wie alle leidgeprüften E-Mailnutzer wissen, jede Menge Spam unterwegs, Spam, der auch gerne typischerweise auf einscghlägige Services im Kontext vorgenannter, quasi prototypischer draller Blondinen (siehe oben) verweist („Die Bombe im Bett“). Zweitens ist es mindestens ein fragwürdiges Unterfangen, Mails automatisch (oder auch manuell) auf Begriffe aus dem Alltagsgebrauch zu scannen. Gut, es wurde auch nach ungefähr 16400 anderen Begriffen gescannt – nach heise überwiegend aus dem Waffenhändler-Jargon- aber das mit der Bombe, über die sich gerade das Netz mit vollem Recht lustig macht, zeigt die Absurdität dieser Aktion an.
Das nächste nicht ganz uninteressante Detail ist, dass sich das Aufkommen derartiger Überwachungsmaßnahmen im Vergleich zum Vorjahr auf das fünffache verstärkt hat – ein sehr beunruhigendes Detail.
Nun möchte man meinen, dass eine derart drastische Aktion auch etwas nutzt, der verzeichnete Erfolg allerdings fällt recht dünn aus:
Davon wurden letztlich 180 „als nachrichtendienstlich relevant eingestuft; hierbei handelte es sich um 12 E-Mail-, 94 Fax- und 74 Sprachverkehre“, heißt es in dem Bericht. (Quelle)
Damit hatten unsere Dienste also eine Erfolgsquote von 0.0005%, OMFG! Das ist echt eine Sergeant Dudu-Aufklärungsqote. Das ist so unglaublich und unbeschreiblich schlecht, dass sich bei diesem Ergebnis nicht nur rein rechnerisch dieser tiefe Eingriff in eine vertrauliche Kommunikation genau gar nicht rentiert. Das kann man auch einfach lassen. Bislang ist auch noch nicht zu Tage getreten, dass sich mit dieser Nummer auch nur ein einziger Terrorist hätte fassen lassen. Grundrechte verletzen um ein 0.0005%-Ergebnis einzufahen (gerundet) ist echt eine Frechheit.
Und so resümiert man bei netzpolitik.org:
Geschockt und überrascht? Verschlüsselte Kommunikation via Mail und Jabber sichern die eigene Privatsphäre besser.
Das Dumme an der Sache ist, dass man sich in einer Demokratie überhaupt zu derartigen Dinge Gedanken machen muss. Das Dumme an der Sache ist, dass für solch wirklich nutzlose Sachen richtig Geld durch den Schlot geblasen wird. Das Dumme an der Sache ist, dass wir nicht wissen, an welchen Schnittstellen Überwachungsmaßnahmen dieser Größenordnung realisiert werden.
Die Reaktion der „Netzgemeinde“ (ich habe auf dem barcamp ja gelernt, dass man das heute nicht mehr sagt, daher ironischerweise Anführungszeichen) macht es den Überwachern nicht gerade leichter. Kaum ein Timeline, durch die derzeit nicht der Hashtag #bombe scrollt – einige schicken sich nun gegenseitig lustige Mails mit kontextrelevantem Inhalt – ohne tieferen Sinn…
Liebe Dienste, hört ob der Tatsache, dass derartige Aktionen nichts bringen, doch einfach damit auf, lasst unsere Grundrechte unangetastet und verschwendet nicht unsere Steuermittel. Das wär doch mal Bombe.
Wer auch nur irgendwie kann, bitte einen Zehner für die Prozesskostenhilfe für Pfarrer König aus Jena spenden.
Und jetzt nicht zögern, Online-Banking anwerfen und einen Zehner an
JG-Stadtmitte Förderkreis e.V.
Kontonummer: 80 25 320
Bankleitzahl: 520 604 10
Evangelische Kreditgenossenschaft
Verwendungszweck: „Prozesskostenhilfe“
Danke.
Ich bin ja nicht auf dem 28c3, sondern verweile regelmäßig zwischen den Jahren in heimatlichen, fränkischen Gefilden. Umso mehr freue ich mich, dass es bereits jetzt ausgewählte Vorträge des Congress auf Youtube gibt.
Auf einen möchte ich hier ganz besonders hinweisen – der Vortrag zum Staatstrojaner (im ausgehenden Jahr war ja hier schon einiges dazu zu lesen).
Ich binde das hier mal mit ein. Viel Spaß beim gucken!
Kurz mal einen weglachen?
Der Bayernkurier (Kampfblatt der CSU) behauptet allen Ernstes, der Bayerische Rundfunk sei tendenzioös – mit Tendenz zu Rot-Grün.
Wer sich in Bayern die Welt aus Sicht von SPD und Grünen erklären lassen will, der kann SZ oder AZ lesen – oder die BR-Nachrichten einschalten. Man muss es so hart sagen: Der Bayerische Rundfunk, vor allem der Hörfunk, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zum Bayerischen Rotfunk entwickelt – genauer gesagt: zum Rot-Grün-Funk. (Quelle: Bayernkurier)
BWAHAHAHAHA!! BWAHAHA! HAHAHAHAHAHA!! Es kommt nicht oft vor, dass man derartig absurden Blödsinn lesen muss. Der BR ist durch und durch schwarz, liebe Redakteure des Bayerkuriers.
Wenn ihr das nicht glauben wollt, dann hört doch mal „Sonntags um 11“ mit Max Stocker auf B5. Das ist so schwarzbraun wie die Haselnuss, wenn Euch da keiner abgeht, dann weiß ich auch nicht. Rotfunk? Schwachsinn!! Aufs Bayerische Fernsehen will ich gar nicht erst eingehen…
Was da gerade auf Twitter abgeht, ist ja hochgradig spannend. Nachdem seitens des Regierungssprechers und seitens des BKA das Dementi kam, dass es sich bei der vom CCC analysierten Software um den Bundestrojaner handelt, kochte die Gerüchteküche hoch, wie selten. Dazu fällt mir eigentlich nur eines ein:
Qui s’excuse, s’accuse. (Stendhal)
Warum? Weil es im Prinzip völlig wurscht ist, ob das Ding nun vom Bund oder von den Ländern unters Volk geschmissen wurde. Dass es sich um eine nicht staatliche Software handelt, bin ich nicht bereit zu glauben, denn die Kriminellen™ haben in der Regel andere Software mit anderen Funktionen, die anderen Zielen dient, am Laufen. Wie ein klassischer Verbrecher-Trojaner funktioniert, kann man sich in den Blogs und anderen Publikationen quasi jedes Antivirensoftwareherstellers ansehen. Sie sind ungleich besser gestrickt und dienen in der Regel anderen Zielstellungen. Dort geht es um das möglichst automatisierte Ausspähen von Passwörtern, Log-Ins, TANs, anderen Onlinebankingdaten oder um die Errichtung eines Botnetzes. Was hätten Kriminelle denn davon, eine Platte mit Screenshots vollaufen zu lassen. Oder mit Captures von Webcams oder Toninformationen, die aus dem Stream eines Webcammikrofons generiert werden? Richtig: Nüscht. Weil daraus lässt sich in den seltensten Fällen Geld generieren. Und dann noch was: Die vom CCC analysierte Schadsoftware war nur selten in freier Wildbahn anzutreffen – ein Kriminellentrojaner funktioniert nur in der Masse, denn erstens steht zu erwarten, dass ein Gutteil von Avira, Kaspersky und Co. einfach gelöscht wird und wenn nicht, dann ist auch nicht jeder verbleibende Schuss ein Treffer, denn nicht jeder nutzt eBanking oder andere für Kriminelle interessante Programme bzw. Dienste.
Also: Allein der Funktionsumfang spricht für eine Software zum Zwecke der Umsetzung der sog. „Quellen-TKÜ“, das dürfte auch Nicht-ITlern, die die Analyse des CCC mal grob überlesen haben, aufgehen.
Ich möchte noch etwas anderes erwähnen: Gestern wurde ja bereits festgestellt, dass sich das DLL auf dem Windowsrechner ziemlich regelwidrig verhält. Wäre der Schadcode von Kriminellen abgefasst worden, hätten diese genau das zu vermeiden gesucht, allein schon, um auszuschließen, dass die DLL im heuristischen Läusekamm der lokal installierten Antivirensoftware hängenbleibt. Soviel, liebes BKA, lieber Regierungssprecher, verstehe sogar ich, der ich nun beileibe kein ITler bin – ich habe mir ursprünglich mal Sozialpädagogik draufgeschafft.
Zur Entkräftung der dem Dementi inhärenten Argumente bedarf es keiner IT-Profession, sondern nur einfachster Logik. Dumm, wenn so was auffliegt.
Und ich wiederhole an dieser Stelle noch einmal: Selbst wenn es sich nicht um den Bundestrojaner, sondern einen Landestrojaner handelt, macht das die Sache nicht besser. Jetzt darauf zu spekulieren, die Schuld einem Zwillingsbruder in die Schuhe zu schieben oder einfach zu warten, ob der Urheber der Sauerei erwischt wird und dann zu sagen: „Wir wissen, dass da was schiefgelaufen ist, wir wissen aber nicht, wer es war“ – das ist die unterste Schublade.
Warum wird so gehandelt? Warum wird geleugnet? Es ist ein simples Spiel: Man diskretiert den CCC, aber eben nur ein bisschen. Denn der Code ist da, die Aussagen im Kompendium beweisbar. Allerdings weiß der Staat wohl nicht, wer die Informanten des CCC sind. Würde der CCC sich hierüber äußern, wäre das Dementi-Spiel geplatzt, der CCC hätte aber seine Quellen offengelegt. Jeder kann sich ausrechnen, dass der CCC das nicht tun wird. In der öffentlichen Kommunikation ist also eine Art Patt entstanden: Politiker und Beamte sagen (in übertragenem Sinne) „Wir waren es nicht“, der CCC sagt: „Doch, ihr seid ertappt, aber zum Schutz der Quellen müssen wir die Beweise erst mal schuldig bleiben“. Wenn hier nun jemand eher den Beamten und Politikern glaubt als dem CCC, dann ist das nicht mehr mit Naivität zu erklären – sondern nur noch mit Dummheit oder bösem Willen.
Wir mussten indes auch nicht lange warten, bis ein Dummer aufsteht und dem CCC die Quelle zu entlocken. Der Dumme, von dem ich spreche, ist kein Geringerer als Bosbach (Quelle: SZ). Nun, es ist schon bezeichnend, dass Herr Bosbach meint, er könne durch Spucken großer Töne den CCC aufs Glatteis führen. Wer seinem Widersacher so wenig Intelligenz zutraut, der darf mit Fug und Recht als dumm bezeichnet werden.
Der Bosbachsche Trick ist dabei einfach zu billig: Er will einfach die Beweislast umkehren. Er sagt: Wir waren es nicht – der CCC soll doch erst mal beweisen, dass wir es waren. Das ist natürlich völliger Schwachsinn. Der Bürger misstraut ob des Rechtsbruchs mit der Spionagesoftware dem Staat. Daher muss der Staat und dessen Politiker, darunter auch Bosbach, beweisen, dass sie es NICHT waren. Nach dieser SZ-Meldung drängen sich mir ernsthafte Zweifel an der Intelligenz des Mannes auf…
Nun aber nochmal zu etwas ganz anderem: Viele werden sich fragen, wie man erkennen kann, ob der eigene Computer nun mit der Staatsspionagesoftware verseucht ist oder nicht. Das ist sehr sehr einfach, man braucht noch nicht mal einen Virenscanner dafür, sondern nur die Windows-Suche (sic!).
Wie dem Kompendium zum Staatstrojaner zu entnehmen ist, liegen auf dem infizierten Rechner zwei Dateien: mfc42ul.dll und winsys32.sys.
Und nun aktiviert man einfach die Windows-Suche und gibt jeweils mfc42ul.dll und winsys32.sys ein. Wird was gefunden? Festplatte sicherst löschen (mehrfaches Überschreiben mit Nullen) und System neu aufsetzen. Wird nichts gefunden, ist mit größter Wahrscheinlichkeit nichts da. Auch den im Kompendium genannten Pfad (vgl. Seite 3) kann man händisch sichten – mehr braucht es aber nicht.
Ich war selbst zutiefst verunsichert, ob es wirklich so einfach sei. Und ich erfuhr aus mehreren berufenen Mündern, dass das Ding so schlecht gemacht ist, dass es in der Tat so einfach ist.
Ich bin gespannt, was sich dieser Tage noch entwickelt, klar ist aber schon jetzt: Der Staatstrojaner stellt einen klaren Rechtsbruch dar. Weder Politiker noch Beamte sind in der Lage, zu beweisen, dass die Schadsoftware nicht von Bund oder Ländern stammt. Das Ding ist leicht zu finden und schnell loszuwerden.
Update: Folgende Virenscanner erkennen den Staatstrojaner: http://mcblogs.craalse.de/sku/48h-spater-der-bundestrojaner-bei
Das stand ja zu erwarten, dass der Bundestrojaner nix taugt – schließlich ist das ja ein staatliches IT-Projekt und mir ist kein staatliches IT-Projekt bekannt, das irgendwas geworden wäre. So reiht sich der Bundestrojaner ein in die Reihe der defekten, aber widerbesseres Wissens weiter forcierten Projekte wie Toll Collect oder die sog. elektronische Gesundheitskarte (fränkisch: „Grangnkäddla“). Die Häme des ersten Augenblicks, der ich an dieser Stelle etwas Raum gegeben habe, weicht aber schnell der Erschütterung und dem Entsetzen über die Umsetzung und die Möglichkeiten, die der Bundestrojaner beinhaltet.
Der CCC hat dazu ein kleines Kompemdium abgefasst, das unter http://www.ccc.de/system/uploads/76/original/staatstrojaner-report23.pdf abgerufen werden kann. Ich habe das gelesen und fasse mal einige Punkte zusammen und kommentiere ein wenig:
So gesehen ist der Bundestrojaner schon eine ausgemachte Schweinerei. Und dazu noch dilletantisch programmiert. Nun demonstriert der CCC, was sich mit dem Trojaner aus der Ferne alles Übles anstellen lässt: Schaut Euch hierzu einfach dieses Video an.
Dass der Bundestrojaner in der Tat gegen geltendes Recht verstößt, darüber klärt uns RA Udo Vetter im law-blog auf:
Der Bundestrojaner läuft seit längerem unter der unauffälligen Neusprech-Variante „Quellen-TKÜ“ (TKÜ = Telekommunikationsüberwachung. Diese Quellen-TKÜ darf nach den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtsw an sich ausschließlich für das Abhören von Internettelefonie verwendet werden. Dies ist an sich durch technische und rechtliche Maßnahmen sicherzustellen. Doch tatsächlich scheinen die Ermittler auch in den Fällen, wo sie eigentlich nur lauschen dürfen, eine regelrechte „Wunderwaffe“ einzusetzen, die viel mehr kann.
Dass es aber nicht allein um das Abschnorcheln von Skype-Telefonaten geht, haben wir oben schon ausführlich abgehandelt – mehr noch: Skype-Telefonate zu belauschen scheint angesichts der reichhaltigen Spionage-Funktionen eher ein Randfeature zu sein. Und so resümiert Vetter folgerichtig:
Eine Erweiterbarkeit auf die volle Funktionalität des Bundestrojaners – also das Durchsuchen, Schreiben, Lesen sowie Manipulieren von Dateien – ist von Anfang an vorgesehen. Sogar ein digitaler großer Lausch- und Spähangriff ist möglich, indem ferngesteuert auf das Mikrofon, die Kamera und die Tastatur des Computers zugegriffen wird.
Nun steht abzuwarten, ob der Bundestrojaner von Gerichten gleich wieder einkassiert wird und ob für diese Sauerei Politiker zurücktreten werden. In jedem Fall ist es zwingend notwendig, nun auf die Bundesregierung massiv publizistischen Druck auszuüben. In jedem Fall wird es spannend, denn es bedarf jetzt einer detaillierten rechtlichen Klärung, was der Staat darf – und was nicht. Derzeit ist mal wieder der Bürger der Angeschmierte.
Update: Mancher glaubt nicht, dass es sich bei der vom CCC analysierten Software wirklich um den Bundestrojaner handelt. Die Argumentation ist auf der einen Seite logisch, auf der anderen Seite traue ich den staatlichen Stellen exakt so viel Inkompetenz zu.
Update: Hier vertraue ich aber deutlich mehr fefe, der ganz eindeutig davon spricht, dass „Der CCC […] ja schon seit Jahren gegen den Bundestrojaner und die Trojaner der einzelnen Bundesländer [kämpft] und […] bei diversen Gelegenheiten angesagt [hat], dass wenn jemand bei sich einen Bundestrojaner findet, er den doch bitte bei uns abgeben möge, damit wir den sezieren können. Es ist mir eine besondere Freude, heute auf diese Presseerklärung des CCC zu verlinken. Denn dem CCC sind tatsächlich Trojaner zugespielt worden, von denen wir nach eingehender Analyse glauben, dass es sich um „Quellen-TKÜ“ handelt.“ Das ist dann ja schon ein wenig mehr als „irgendwelche Software von unzureichend gelöschten Platten irgendwelcher ollen Kisten halbstaatlicher Stellen gekratzt“.
Update: Schnarri sieht das Vertrauen der Bürger in den Staat gefährdet. BWAHAHAHAHA!! Ich lach mich Schrott!! Btw.: Ich sehe Schnarris Posten gefährdet.
Gestern habe ich mir ganz spontan einen Blog-Post geklemmt, weil die „Interaktion“ auf Twitter dann doch mehr Spaß gemacht hat, heute will ich, ohne bislang den Output der Leitartikler genossen zu haben, das gestrige AHW-Ergebnis doch kurz kommentieren.
Zuerst einmal zu Wowereit und der SPD. Wenn von vornherein feststeht, dass man gewinnt, ist man bei so einer Wahl ja trotzdem irgendwie in der „Verliererposition“, denn zum einen ist es schwierig, die siegessicheren eigenen Wähler an die Wahlurne zu bringen und zum anderen wird der Erfolg nur dann von der Presse goutiert, wenn noch ein paar Prozentpunkte dazugewonnen werden. Dass das unter den gerade benannten Vorzeichen nur im Ausnahmefall gelingen kann und dass dieser Ausnahmefall nicht eingetreten ist, das kann man Wowi ja schlecht anlasten. So gesehen – und unter der Konkurrenz der Piraten, zu denen ich später noch komme, sind die verlorenen zweieinhalb Prozent ja nicht nur erklär-, sondern auch verkraftbar.
Der Linkspartei, dem ehemaligen Koalitionspartner, sind 1,7 Prozent der Wählerstimmen verloren gegangen. Im Kontext der Anwürfe der Medien, die nicht wundernehmen, wenn man die vorangegangenen innerparteilichen Debatten berücksichtigt (ein gefundenes Fressen für die Berichterstattung, die Medien haben dies auch weidlich ausgekostet) und im Kontext der Präsenz der Piraten hat sich die Linke stabilisiert. Das Glück der Linken: Allzu viel mussten sie ob ihrer eher älteren Wählerschaft nicht an die Piraten abtreten, das Pech dabei liegt aber ebenso auf der Hand: Die Linke überaltert zusehends und das macht natürlich eine Aufstellung in der Zukunft schwieriger. Wenn man sich die Tweets von Halina Wawzyniak und Bodo Ramelow besieht, ist der Warnschuss auch gehört worden – allein ob das genügt, ist fraglich.
Weiterhin Pech für die Linke: Mit den Stimmenverlusten der SPD und den eigenen Verlusten ist die rot-rote Koalition, eigentlich ein Erfolgsmodell, nicht mehr aufrechtzuerhalten. Bei der Linken wird nun gerne ins Feld geführt, dass der Spitzenkandidat Harald Wolf im Personenwahlkampf Wowi versus Künast zerrieben wurde. Da mag schon was dran sein, aber das ist für mich nicht ausschlaggebend. Ich denke, dass die Linke die Themen soziale Sicherheit und Netzpolitik (hier ist sie im Kleinen mindestens ähnlich kompetent wie die Piraten, muss das aber entwickeln und kann das nicht verkaufen) noch profilierter herausstellen muss. Und dann hat es halt einfach nicht gereicht – Pech eben.
Die CDU. Gestern feierte man sich selbst wegen des Zugewinns von 2,1 Prozent ordentlich ab. Dass das kein wirklicher Erfolg ist, ob der öffentlich zelebrierten Selbstzerfleischung der FDP, weiß eigentlich jeder – aber das Singen im dunklen Keller soll ja bekanntlich schon öfter gegen die Angst geholfen haben. Immerhin würde es zu einer Regierungsbeteiligung reichen – wenn Wowi will. Wofür die CDU in Berlin steht, weiß ich nicht, dazu bin ich zu weit weg. Ob es aber viele Berliner wissen, ist ebenso fraglich. Nun, die zwei Prozent werden für das erhoffte „Signal im Bund“ nicht ganz hinreichen. Mehr bleibt dazu eigentlich nicht zu sagen.
Und bei der FDP bleibt auch nicht viel zu sagen. Felix von Leitner stellte ja schon einmal ganz treffend fest, dass FDP-Bashing ist, wie behinderte Kinder zu hauen, das will man natürlich nicht. Daher in aller Kürze: Dass sich die FDP nun unterhalb der Bagatellgrenze befindet, ist kein echtes Wunder. Konnten wir in den vergangenen Monaten der FDP beim Schrumpfen auf das Normalmaß zusehen, ereilt sie nun ihr unausweichliches Schicksal: Das Personal der FDP ist mindestens im Bund beschissen, in den Ländern sieht es in aller Regel nicht besser aus. Anbiedernderweise fuhr man einen Eurokritikerkurs, dieses populistische Aufbäumen war indes so platt, dass sich selbst FDP-Stammwähler in den Boden schämten und das mit der Stimme lieber sein ließen und nun ist sogar die NPD stärker, die anderen Feinde der Freiheit. Und selbst vom Sonneborn mussten sie sich gestern noch vorführen lassen. Und dann schwafelt der Lindner gestern im Ersten noch so saudumm daher… Da ist nichts mehr zu retten. 1,8 Prozent, diese Ernte fahren anderen Orts regelmäßig die Tierschutzpartei o.ä. ein. Was will man da noch groß kommentieren? Außer vielleicht: Ich könnte mich daran gewöhnen.
Dazugewonnen haben die Grünen, zweifelsohne. Aber Hochmut kommt eben vor dem Fall, und in Anbetracht der Tatsache, dass Frau Künast schon vorab postuliert hat, dass sie sich wieder in den Bund verpissen werde, wenn sie nicht regierende Bürgermeisterin werde, kann man den Berlinern nicht verdenken, dass sie nicht in Scharen Leute wählen, die an Berlin gar kein Interesse haben. Mit etwas mehr als 17 Prozent stehen die Grünen zwar recht ordentlich da, bedenkt man aber, dass sich diese Ökopartei allen Ernstes aufschwingen wollte, den regierenden Bürgermeister zu stellen, haben sie dieses Ziel um mindestens mehrere Lichtjahre verfehlt. Fukushima liegt zu weit zurück, Stuttgart 21 werden die Grünen auch nicht zu verhindern wissen und so schrumpft auch diese Partei wieder auf das Normalmaß. Dass die Grünen den Zugewinn von viereinhalb Prozent (was für sich genommen schon ordentlich ist) halten können, glaube ich nicht, nun aber ist er im Berliner Abgeordnetenhaus erst einmal an die Tafel gesteckt und so hat Wowi immerhin die Chance, nicht mit der SPD koalieren zu müssen. Das ist ja schon mal was, ob das aber auch was auf Dauer ist, weiß ich nicht.
Frau Künast sah gestern im TV trotz bekanntermaßen guter Ausleuchtung fertig aus ohne Ende. Wenn Sie wieder „in den Bund“ geht, dann ist das nicht nur für Berlin sondern auch für sie persönlich ein Glücksfall. Dass Frau Künast auch nicht wirklich Sympathieträgerin ist, ist nun auch keine Neuigkeit. Zu den Grünen bleibt eigentlich nur zu sagen, dass sie sich für eine etablierte politische Partei gnadenlos dämlich angestellt haben. Ich will noch nicht einmal auf deren verunglückte „Da müssen wir ran“-Kampagne zu sprechen kommen, sondern nur auf den Umstand, dass sie in BaWü zufälligerweise das Ding gerissen haben. Was unter den Umständen des GAUS in Japan und der verkorksten Energiepolitik der Bundesregierung sowie dem Fakt, dass neben Mappus selbst der olle Oberlehrer noch gut ausschaut, auch kein größeres Kunststück ist. Das müssten diese Grünen eigentlich wissen – man soll das Schicksal nicht herausfordern. Getan haben sie es trotzdem, die Strafe folgt auf dem Fuß. Vor der Wahl das Maul zu voll genommen haben sie dennoch auf der abflauenden Welle reitend ein paar Prozent eintreiben können. Ist die Welle verebbt, ist wieder Ruhe und die Grünen dort, wo sie schon immer waren. Ein Widerschein des kurzen Glanzes der Grünen ist gestern erkennbar gewesen. Mögen sie diesen über die nächsten Jahre retten können – allein mir fehlt der Glaube.
Für eine Sensation mittlerer Größe sorgte die Piratenpartei und nicht nur für eine Sensation, sondern auch für aufs erfrischendste unterhaltsame, verdutzte bis ratlose Gesichter beim politischen Mitbewerb, den Journalisten und Kommentatoren. Und so recht konnten die Piraten ihren Erfolg ganz offensichtlich gestern selbst noch nicht fassen. Alles umkreiste die Frage „How come?“, die Antwort kann nur lückenhaft ausfallen, daher in Stichworten mein Erklärungsversuch:
Dass es in Berlin unter den Wählern knappe 9 Prozent Nerds gibt, ist unwahrscheinlich. Dass die ganzen selbstständigen Grafikdesigner, Agentursklaven oder „Designer“, die Möchtegern-Medienleute und alles, was sonst noch so um Prenzelberg, Friedrichshain und Kreuzberg herumtapert, alle Piraten gewählt haben, ist ebenso unwahrscheinlich. Man weiß aber, dass eine wachsende Gruppe mit den etablierten Parteien nichts mehr anzufangen weiß. Man kauft vielen das Anzuggetrage nicht mehr ab, sieht das Unseriöse in seriöser Verpackung und wird davon nicht nur satt sondern überdrüssig. Und dann kommt ein Haufen Jungspunde des Wegs daher – unverstellt, frech, frisch. Kein Anzug, dafür lieber mal einen rauchend, redet der Pirat, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Die Verschuldung Berlins nicht beziffern können – geschenkt – spricht er etwas ungelenk, aber ehrlich über einen kostenlosen ÖPNV und die Freiheit des Netzes. Das kostet Geld – sollte irgendwie gegenfinanziert sein – geschenkt.
Jetzt also sind die Piraten in Parlament und Opposition. Schade, dass sie hier insbesondere mit ihrer netzpolitischen Kompetenz nur wenig brillieren können. Dazu müssten sie in den Bundestag – der Weg dahin ist weit. Man darf den Piraten Glück wünschen, dass sie im Abgeordnetenhaus nicht untergehen.
Wer aber hat die Piraten gewählt? Nichts Genaues weiß man nicht. Jung, männlich und ostdeutsch ist der Piratenwähler, so raunt man über den Sender B5aktuell. Aber selbst unter den Älteren finden sich Piratenwähler. Sind es gar Protestwähler? Will man hier das hohe Haus ärgern? Oder sind die Piraten mit ihrem doch recht inhaltsarmen Wahlkampf („Warum hänge ich hier eigentlich? Ihr geht doch eh nicht wählen.“) ein Sammelbecken Inhaltsarmer? Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Frappant nur, dass sich der Eindruck aufdrängen könnte, dass zu viel Profil weniger förderlich sein könnte als zu wenig. Den Konjunktiv habe ich an dieser Stelle ganz bewusst gewählt. So groß die Überraschung am gestrigen Abend, so groß aber auch die Gefahr, dass über die Piraten bald niemand mehr redet. Einen Webwahlkampf werden sich nun auch die Etablierten draufschaffen, dazu bedarf es weniger der nativen Kompetenz im Umgang mit sozialen Medien sondern im Zweifelsfall einfach nur des Geldes und das ist vorhanden. Ein Einarbeiten in die Netzpolitik wird wohl auch den Etablierten gelingen – und wenn nicht, dann hab ich für alle Nicht-Piraten, die gerade suchend sind, die Geschäftsidee schlechthin: Netzpolitikberater.
Alles nicht so wild. Es hat sich – unterm Strich – nicht viel verändert. Die SPD trug, wie vorhergesehen, das Ding heim. Die Linke blieb stabil, hatte halt Pech. Die CDU gewinnt ein wenig dazu, die FDP hat das Feld geräumt. Die Grünen haben sich verstiegen und die Piraten haben es nicht nur geschafft, sondern ordentlich Boden gut gemacht – gut gemacht. Wesentliche Änderungen bleiben trotzdem ausgeschlossen. Alles nicht so wild.
Wenn das heutige TV-Programm mal wieder nicht viel hergibt, kann man den Fernsehabend auch gerne ins Internet verlegen: Die Arte-Doku „Schwarze Kassen“, die am 1. Juni ausgestrahlt wurde und nun natürlich aus deren Mediathek geflogen ist, gibts nämlich auf YouTube.
Worum geht es?
Die Autoren erzählen eine Geschichte, die 1945 in den Trümmern von Berlin beginnt. Sie erzählen von Nazi-Agenten, die in die Schweiz transferierte Geldsummen nach Deutschland zurückgeholt haben und damit die Kassen der neu gegründeten CDU füllen. Und eine heimliche Parteienfinanzierung über Rüstungsgeschäfte der Bundeswehr schließt sich dann an. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss konnte die gesamte Geschichte nicht aufdecken. (Quelle)
Ein absolut sehenswerter Film, der einem die Augen öffnetüber die Geschichte der CDU, Konrad Adenauer… Und – wen nimmt es Wunder – FJS (auch wenn er nur „am Rande“ vorkommt) hatte natürlich auch wieder seine dreckigen Finger mit im Spiel…
Und hier noch ein „Mirror“, wenn die eingebettete Doku mal wieder urplötzlich verschwunden ist…
Update 2. Juli 2017: Leider ist sowohl das Video depubliziert, als auch das „Mirror-Blog“ down 🙁