blog.fohrn.com

Neue Wettercam online

Der Winter ist lästig. In Nürnberg wird nicht richtig geräumt, am Morgen wollen vereiste Autoscheiben abgekratzt werden und manchmal geht auch im Nahverkehr kaum mehr was voran. Und der Winter kann auch bezaubernd schön sein – gerade hier in Nürnberg, der Weihnachtsstadt.

An dieser Schönheit möchte ich Euch gerne teilhaben lassen – und außerdem hat es mir Spaß gemacht, mit einem unbekannten Stück Technik zu spielen und so kam es zur Schoppershofer Wettercam, die nun seit einigen Stunden online ist.

Wetter-Webcam

Wie stable die Kamera läuft, weiß ich noch nicht und auch mit der Bildeinstellung muss ich noch experimentieren – das soll in den nächsten Tagen geschehen. Ich verzichte bewusst auf Prefetching oder irgendwelchen Active-X-Skripte, die Kamera lässt sowas zwar zu – aber ich finde das technisch äußerst unelegant. Wer also das Bild – alle 90 Sekunden gibt es ein neues – refreshen will, der klicke im Browser einfach auf den „Aktualisieren“-Button.

Die Montagehöhe und Auflösung der Kamera ist übrigens bewusst so gewählt, dass weder Gesichter noch KFZ-Kennzeichen erkannt werden können. Einen Wettereindruck aber kann die Kamera vermitteln.

Hetzner. PayPal.

Jetzt gibt es noch einen weiteren Grund mehr, seine Webbseite nicht (mehr) bei der Gunzenhausener Serverbude Hetzner zu hosten:

Hetzner verbietet Mirror von wikileaks auf eigenen Servern – domasinfactory duldet es

Und in den Kommentaren zum korrespondieren Post bei netzpolitik.org bemerkt le-dude folgerichtig:

zeit bei hetzner zu kündigen. mal sehen welcher provider sich als würdig erweist, von mir geld zu erhalten ; – )

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Btw: Habt ihr schon alle brav Eure Pay-Pal Accounts gekündigt? PayPal hat nicht nur den Account von Wikileaks gesperrt sondern auch den der ehrwürdigen Wau-Holland Stiftung (was aber nix nutzt – dort kann man immer noch für WikiLeaks spenden). Wer nach diesem wirklich verabscheuenswürdigen Vorgehen von PayPal dort noch Kunde ist, dem kann ich nur raten, sich umgehend in nervenärztliche Behandlung zu begeben.

GMX MailDomain – geht nicht richtig und ist teuer

Trotz eigenem Server habe ich eine E-Mailadresse bei GMX – eine kostenpflichtige mit eigener Domain. Dieses Produkt heißt GMX MailDomain und ich habe mich dazu entschlossen, so etwas zu benutzen, weil ich eine Art Backup wollte für den Fall, dass ich meinen Server misskonfiguriere oder abschieße.

Und so hat es sich dann eingebürgert, dass ich meine privaten Mails über diese GMX-Adresse erhalte. Im Prinzip spricht da auch nichts dagegen, bei 1&1, so will man meinen, sind private Mails doch besser aufgehoben als auf einer selbst administrierten Kiste – Denkste.

Gestern erreichte mich eine SMS. Meine Mails kämen unzustellbar zurück. Hä? Ich habe das gestern um etwa 20 Uhr geprüft und musste feststellen: Mein GMX MailDomain-Account funktioniert nicht. Das tut er öfter nicht…

Ich habe mir nichts daraus gemacht, dachte, dass die das Problem schon wieder in den Griff bekommen und habe mich dann den schönen Dingen am Feierabend zugewendet. GMX funktioniert immer mal wieder nicht – man gewöhnt sich an so manches.

Heute Morgen in der Arbeit – ich will das mit meinem Dienstaccount einfach mal gegenchecken – muss ich feststellen, dass mein Mailpostfach immer noch nicht funktioniert.

Folgende Fehlermeldung habe ich erhalten:

Ihre Nachricht hat einige oder alle Empfänger nicht erreicht.

Betreff:    TEST3
Gesendet am:    03.12.2010 08:39

Folgende Empfänger konnten nicht erreicht werden:

XXXXXX@XXXXXXXXXX.de am 03.12.2010 08:39
Sie sind nicht berechtigt, Nachrichten an diesen Empfänger zu senden. Wenden Sie sich an den Systemadministrator.
< mailrelay1.XXXXXXX.de #5.7.1 SMTP; 550 5.7.1 We do not relay – access denied {mx011}>

So, ich bin also nicht berechtigt, Mails an meine eigene Mailadresse zu senden, ihr Penner? Na das wollen wir aber mal sehen! Ich greife zum Telefon und rufe die an – und zwar unter deren Münchener Nummer. Dort sagt man mir, dass MailDomain nicht funktioniert, mehr mir nur der Support sagen könne, der Anruf dort aber nicht lohne (Danke für den Hinweis, es ist doch beruhigend, aus berufenem Munde von einer GMX-Mitarbeiterin zu hören, dass sich der Anruf beim GMX-Support nicht lohnt – ich kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen).

Ok, meine Mailadresse funktioniert nicht und man kann mir auch nicht sagen, ob und wann sie wieder funktioniert. Ich bin begeistert.

Viel frecher aber ist, dass sich auf den Webseiten von GMX kein Hinweis darauf findet, dass da was im Eimer ist. Im Gegenteil: Bei GMX ist alles eitel Sonnenschein:

Screenshot: Quelle: gmx.de

Keine Störungen? Das wüsste ich aber!

Nun gut, so möchte man denken – wenn ich genauer wissen will, was Sache ist und wann der Bug gefixed ist, könnte ich ja den Support anrufen. Das ist aber keine gute Idee, denn der Support kostet über eine 0900er-Nummer in der „Auswahl DSL“ 0,99 Ct pro Minute und in der „Auswahl Mail“ 1,86 Euro pro Minute aus dem Telekom-Festnetz. 1,86 Euro! FUUUUUUU…..!!! Da weiß ich gleich, wo ich NIE anrufen werde, wo ich mit NIE DSL holen würde – ich frage mich gerade ernsthaft, warum ich da immer noch Kunde bin.

Da zahlt man im Monat knappe drei Euro und dann? GMX ist nicht besonders ausfallsicher- aber eine so lange Downtime ist schon frech. Und dann soll ich denen noch 1,86 Euro für die Telefonminute in den Schlund stopfen? Gehts noch?

Witzigerweise haben meine über meinen Server laufenden Mails gar keine Downtime. Ich sollte wohl mal was tun…

Ab 18: Der JMStV und warum die Grünen sich wieder einmal unwählbar machen.

Unter dem Deckmäntelchen des Jugendschutzes kann man ja viel Unsinn treiben: Geht es nach dem Willen der Koalition, dem sich gerade auch die Verräterpartei SPD und die technophoben Hippie-Deppen Grünen unterwerfen, so werden schnellstmöglich Änderungen im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag durch den Bundesrat gewunken – mit fatalen Auswirkungen:

Jede Webseite, die – in welcher Art auch immer – Material anbietet, dass, wenn auch nur theoretisch – in der Lage wäre, Jugendliche zu gefährden, soll demnach entweder:

  • technisch so eingerichtet sein, dass man sie nur als Volljähriger betreten kann (z.B. durch Prüfung der Ausweisnummer) oder
  • eine „Sendezeit“ einführen, also z.B. nur zwischen 20 Uhr und 16 Uhr erreichbar sein oder
  • wie ein Film wie für ein bestimmtes Mindestalter gekennzeichnet sein.

Hier geht es ganz bewusst nicht um irgendwelche Pornoseiten sondern in der Tat um JEDE Internetseite. Und was jugendgefährdend ist und was nicht, welche Inhalte einem 12-Jährigen zugemutet werden können und welche nicht – wer kann das mit Sicherheit sagen?

Für den einen mag eine Seite schon dann jugendgefährdend sein, wenn jemand in den Kommentaren das F-Wort fallen lässt. Ein anderer könnte politische Diskussionen, die die Systemfrage stellen, als jugendgefährdend einstufen wollen. Was ist mit Seiten, die über Computerspiele berichten, die von der USK als „ab 16“ eingestuft wurden? Wer kann ausschließen, dass hier nicht irgend ein Weltfremder daherkommt und behauptet, dass allein dies die Jugend gefährde?

(via pantoffelpunk/twitter)

Was würde das für dieses Blog bedeuten? Ich werde keinem Dienst Geld in den Rachen werfen und meine Leser zwingen, ihre Ausweisnummer anzugeben. So etwas Blödes werde ich einfach nicht tun. Und das Ding mit den Sendezeiten geht ja genau gar nicht – erstens ist das ein ganz schöner Aufwand (technischerseits) und zweitens nutzt das nix – dann kommen die Kids halt um kurz nach acht. Der „dritte Weg“ klingt elegant: Ich flagge mein Blog einfach als „ab 18“ – dann hab ich meine Ruhe. Nur: Was nutzt das?

Gesetzt den Falles, ich flagge mein Blog maschinenlesbar als „ab 18“ – wie sollte verhindert werden, dass sich die Kids das trotzdem ansehen? Durch Programm wie Internet-Supernanny oder wie das heißt? Oder ein Browserplugin, dass immer dann ein Stoppschild präsentiert, wenn meine Seiten angsurft werden? Im Prinzip weiß jeder, dass die Kids heute die Skills haben, solche Plugins zu deaktivieren oder der Internet-Supernanny den Saft abzudrehen. Nutzt also nix.

Darüber hinaus kann ich es gar nicht einsehen: Ich könnte nicht jeden meiner bis dato 593 Artikel juristisch genauesetens abprüfen lassen – und werde daher gezwungen, das Blog als „ab 18“ zu flaggen, will ich nicht Opfer des Abschaums der Menschheit, der mit Stumpf und Stiel ausgerottet gehört von Abmahnanwälten werden. Dabei schreibe ich gar nichts Jugendgefährdendes. Warum sollte ich – rein theoretisch – Sechzehn- oder Siebzenjährige hier ausschließen? Mich selbst trifft das praktisch nur wenig – ich schreibe nicht für Minderjährige, auch nicht aus deren Perspektive und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich nennenswert minderjährige Leser habe – es sei denn zu Technikdingen….

Im Übrigen muss ein Jugendschutzbeauftragter im Impressum genannt werden, das Ding wird also nicht nur für kleine Blogger wie mich interessant – sondern auch für Unternehmen.

Ich empfehle jedem, der eine Webseite – mit welchen Inhalten auch immer – betreibt, folgenden Artikel zu lesen: 17 Fragen zum neuen JMStV. Auch dieser Artikel ist äußerst lesenswert.

Erste Blogger ziehen hieraus Konsequenzen und machen Ihre Blogs einfach dicht – zum Beispiel vzlog zum 31. Dezember oder Kristian Köhntopp bereits morgen.

Und was hat das mit den Grünen zu tun? Die Grünen in NRW – sie müssen sch im Bundesrat mit der SPD abstimmen – bekunden zwar, den JMStV abzulehnen, die Fraktion habe sich aber aufgrund „parlamentarischer Zwänge“ anders entschieden.

Screenshot. (Quelle)

Das darf doch nicht wahr sein! Hier nimmt die freie Meinungsäußerung im Internet schaden und man präsentiert qua Gesetz dem Abschaum der Menschheit , der mit Stumpf und Stiel ausgerottet gehört den Abmahnanwälten ein neues Tätigkeitsfeld auf dem Silbertablett. Und warum? Weil in NRW ein paar technophobe-Hippie-Trottel Grüne sich wie auch immer gearteten „parlamentarischen Zwängen“ ausgesetzt sehen, denen sie dann auch noch nachgeben wollen.

Ich bitte Euch daher, Euch folgenden Satz einzuprägen: DIE GRÜNEN SIND UNWÄHLBAR!

Selbst wenn sie sich auf den letzten Metern noch anders besinnen – allein einen Gedanken daran zu verschwenden, diesem Unfug, der keinen einzigen Jugendlichen vor irgendwas schützt – muss mit konsequentem Wählerstimmenentzug geahndet werden.

Ist das Schließen eines Blogs oder einer privaten Webseite eine adäquate Konsequenz?

In meinen Augen nicht. Auch das „Depublizieren“, also das Löschen einzelner Inhalte von Blogs und anderen Webseiten ist der Sache nicht dienlich – denn hier würde ein Stück Meinungsfreiheit auf dem Altar eines vermeintlichen und wirkungslosen Jugendschutzes geopfert. Ohne Not, versteht sich.

Felix von Leitner findet hier passende und drastische Worte:

Weil jetzt hier Fragen zu juristischen Details ankommen, wie ihr euren Scheiß in Zukunft hosten sollt: weiß ich auch nicht. Ist alles unklar. Unsere einzige tragfähige Option ist, diesen Staatsvertrag zu verhindern.

Oh und nochwas: Nein, das ist keine Option für mich, mein Blog einfach ab 18 zu machen. Ich will doch nicht die Indoktrination der nächsten Generation kampflos komplett staatlichen Agenturen überlassen! Das ist doch gerade die Idee, um die es hier geht, und wer braucht Medienkompetenz dringender als Jugendliche? (Quelle)

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Derblecken á la Wikileaks

Wenn der Ernst nicht mitlaufen würde, wäre es schlicht und ergreifend einfach nur ein kleines, feines Stück Realsatiere: Die Veröffentlichung der US-Diplomatendepeschen bei Wikileaks. Derbleck´n nennt man hierzulande das, was da gestern in allen Hauptnachrichten gelaufen ist und im Bayernlande kanalisiert man dieses humoristische Spiegeln von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens auf einen jährlichen Termin im Münchner Paulaner-Festsaal zur Fastenzeit.

Nun, viel neues hat man nicht erfahren aus den Depeschen – Das Seehofer „unberechenbar“ ist und über einen lediglich „begrenzten Horizont“ verfügt, hat keinen Nachrichtenwert liefert keinen weiteren Erkenntnisgewinn. Dass Westerwelle aggressiv auftritt – wir wissen es seit seiner Entgleisung mit der „spätrömischen Dekadenz“. Und auch, dass er offensichtlich kein besonderes Interesse an Außenpolitik hat, dürfte interessierten Beobachtern der medialen Berichterstattung kaum entgangen sein. Der Satz „He´s no Genscher“ – dieser Satz ist selbstverständlich wahr (und fördert darüber hinaus nichts Neues zu Tage).

Eine wenig kreative „Teflon-Merkel“ – wen wunderts. Ich finde das, was in den Depeschen zu unserer unfähigen, regierungsunfähigen und gelangweilten Bundeskanzlerin bezeugt wird, noch äußerst euphemistisch. Besser hätte man schreiben mögen: Sie kann nichts, ist langsam, hat weder Idee noch Plan und schmollt tagein, tagaus.

Der Taschenduce Berlusconi haut sich die Nächte saufenderweise um die Ohren und kann dann tagsüber nur mit Mühe stehen. Auch hurt er gerne mit Minderjährigen herum. Auch schätzt er zu diesen Anlässen die Gegenwart junger Damen. Das ist bekannt, allgemein bekannt.

Die US-Diplomatie merkt dazu sinngemäß an:

Er habe ein aktives Nachtleben und eine Vorliebe für ausschweifende Feiern. (Quelle: Reuters)

Das mag nicht den Standards internationaler Diplomatie genügen – aber es ist immer noch sehr fein ausgedrückt.

Weitere Details zum Politiker seiner Wahl lassen sich bequem ergoogeln, daher erspare ich mir an dieser Stelle weitere Beispiele. Der Gag war gut und hat gezündet. Es ist Balsam auf der Volksseele, wenn man aus „berufenem Munde“ hört, was man sowieso schon wusste – es ist ein kleines Stückchen Kabarett.

Wesentlich lustiger finde ich die angepisste Reaktion der US-Außenministerin Clinton: Die rief bereits am Sonntag ihre Kollegen aus den „verbündeten Staaten“ an und entschuldigte sich artig im Vorfeld. Das bedeutet nichts anderes, als dass sie bereits gewusst haben muss, wer in den Depeschen sein Fett weg kriegt. Einmal mehr kriechen die USA auf der internationalen Bühne zu Kreuze – ein herrliches Schauspiel. Man stecke mir das Kissen tiefer in den Nacken und reiche mir Pepsi-Cola und Popcorn.

Die Tante schäumt vor Wut, kündigt „aggressive Schritte“ gegen die Whistleblower im eigenen Stall an. Und weiterhin entfährt es dem Washingtoner Rumpelstilzchen:

Die Veröffentlichung der Dokumente sei ein Angriff auf Amerika und die internationale Gemeinschaft – und bedeute eine „reale Gefahr für reale Menschen“. (Quelle)

Jaja, schon recht – ein Angriff auf die internationale Gemeinschaft, BWAHAHAHAHA!! Die haben sich halt einfach nur blamiert – leugnen nutzt nichts und jeder weiß jetzt, was die Ammi-Diplomaten über den Rest der Welt denken – nichts gutes. Aber das ist der internationalen Gemeinschaft doch wurscht. Hey, was wollen die denn? Die sind erstens pleite, zweitens dumm wie ein Meter Feldweg, deren Gesellschaft ist zerrüttet, einen Sozialstaat haben die nicht und drittens tun die gerade alles, um sich politisch noch mehr zu isolieren. Und was will man von einer Regierung eines Landes erwarten, in dem es möglich ist, dass eine Sarah Palin oder eine Bewegung, die sich da „Tea Party“ schimpft, überhaupt in der Lage ist, Anhänger zu finden? Eben: Nichts! Hand aufs Herz – wer denkt denn besser über die Ammis?

Ich halte von der US Regierung nichts – deren Politik spielt sich auf einem Niveau unterhalb der Scheuerleiste ab (da nutzt auch ein Friedensnobelpreisträger Obama nix). Ich kann ihnen nicht nachtragen, dass sie vom Rest der Welt nichts halten, schließlich hält der Rest der Welt auch nichts von ihnen. Scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen.

Von diesem Leak war ich ein wenig enttäuscht, ihr hat es bereits gemerkt. Für einen Moment war es lustig – besonders komplex war es auch nicht – nette Unterhaltung also. Aber von Wikileaks erwartete ich eigentlich bahnbrechendere Erkenntnisse.

Diese sollen nun kommen – und ich bin gespannt, welche Dokumente diesmal „befreit“ werden: Auf die Enthüllungen über eine US-Großbank freue ich mich schon jetzt – vielleicht lässt sich da wieder was erkennen bzw. lernen.

Mit gefällt übrigens das Prinzip: Man kündigt einen Leak an, lässt den potenziellen Betroffenenkreis gehörig schwitzen und delektiert sich daran, zu sehen, wie die Urheber des geleakten Materials in blinden Aktionismus verfallen. Und dann kommt der Leak. Hoffentlich hält er diesmal, was er verspricht.

Social Media Berater. Keine Satire.

Oh wie habe ich den ganzen, sich immer wiederholenden Zirkus gefressen! Ich hätte gerne ein T-Shirt auf dem steht: „Du bist selbstständig? Du bietest Webdesign, ein Lektorat, bist Social Media Beater, Onlinejournalist, Texter, Eventplaner, twozero-Coach und Twitter-Trainer, Headhunter und Trendscout in Personalunion? Verpiss Dich!“ Leider ist dieser Riemen nicht sinnvoll auf einer T-Shirtseite unterzukriegen. Analoge Informatiosträger sind sooo 90s, würdest Du mit vorwurfsvollem Anklang in der Stimme sagen.

Ich lade Dich ein – zum Meeting. Meeten kann man sich mit Dir aber nicht, denn Du kommst notorisch zu spät. Du willst auch nicht meeten, Du willst brainstormen. Das erste Treffen ist kostenlos, denn Du möchtest mich nicht ausnehmen – im Gegenteil – Du verkaufst mir nur, was ich auch wirklich brauche. Und unser erstes Treffen ist natürlich kostenlos – Du magst ja kein namedropping – Du willst mich von den Qualitäten Deiner ganzheitlichen und umfaassenden Dienstleistungen überzeugen. In Wahrheit hast Du aber einfach keine Referenzen, die über Lin-Congs Naildesign und stutentrockenmilchpulverdirektversand24.biz hinausreichen.

Im Wesentlichen reitest Du ein Pferd, das habe ich mittlerweile mitbekommen: Content is king! Dieses Credo wiederholst Du gebetsmühlenartig. Und weil der contennt king ist, muss er auf allen verfügbaren channels verbreitet werden, laberst Du. Vor zwei Jahren hattest Du einen einfachen Job, Du erstelltest Deinen Beratungsopfern Twitter-Accounts. Heute überzeugst Du Deine Opfer von facebook. Denn: Nur auf facebook erreichen Sie mit wenigen Klicks fünfhundert Millionen potenzielle Kunden! Wie meinen?

Ich schaue Dich zweifelnd an. Du schaust mich an.

Obwohl man lange laufen muss, um an einen so sozial inkompetenten Menschen wie Dich zu geraten, hast Du einen lichten Moment. Du merkst, dass ich beginne, Dir nicht zu glauben. Schnell legst Du nach: Haben Sie keine Angst vor social network und social media. Das ist nur die typische the german angst. Das vergeht. Ich ringe nach Luft und vergesse dabei ganz, dass ich Dir gerne aufs Maul hauen würde.

Du legst nach: Heute kann es sich niemand – ja, ich sages es laut und deutlich! Niemand! – mehr leisten, vor social network Angst zu haben. Wer Angst vor social network hat, hat Angst vor seinen Kunden! In Deinen Brustton der Überzeugung mischt sich ein leises Tremolo der Unsicherheit, als Du versucht, Deine nun zwingend folgen müssende rhetorische Frage zu platzieren: Sie haben doch keine Anst vor Ihren Kunden, ein Mann wie Sie doch nicht?

Du kumpelst mich an – ich muss mich zusammennehmen, um nicht zu kotzen. Ich schlucke mit Mühe einen Anflug erster Brocken hinunter und beschließe, erst dann dem Deiner Erscheinung geschuldeten Reflux nachzugeben, wenn Du wieder bei der Verwendung des Wortes social network alle Regeln der deutschen, denglischen oder englischen Grammatik brichst. Du enttäuschst mich nicht – nach zwei Sätzen ist es soweit. Dein Glück, dass Kaffee in solchen Momenten ein guter Antagonist gegen geschwafelinduzierten Brechreiz ist – ich hätte Dich sonst glatt vollgegöbelt.

Du bist einer der Typen, von denen man sich fernhalten sollte. Nach dem Abitur, dass Du nur knapp bestanden hast, war Dir langweilig. Der Zivi war Dir zu stressig – auf „psychische Belastungen“ hast Du Dich krankschreiben lassen – nach drei Monaten. Nicht dass Du krank gewesen wärest, wirklich nicht. Dann hast Du den Rest der Zivizeit daheim gegammelt. Weil Dir langweilig war, bist Du mit Deinem Windows-98-PC ins Internet – um das Jahr 1999 oder 2000 dürfte das gewesen sein. Es war eine tolle und wilde Zeit – die Zeit des big business, die Zeit der new economy. Kim Schmitz und seine Firma kimvestor haben es Dir besonders angetan in diesen Tagen – er war für Dich ein Held. Du hattest erkannt, dass hinter seiner business strategy nicht viel steckt, doch Du warst voller Bewunderung: Mit etwas Bauernschläue und einem Produkt, dass man noch gar nicht hat, so viel Geld verdienen, dass man irgendwann in der Lage ist, das Produkt nachzureichen, wenn einem danach ist. Und dann diese viele publicity. Toll! Dies war der Zeitpunkt, an dem Du beschlossen hast, Entrepreneur zu werden. Ein erster Schritt dazu: Frank Wenniger (Name vom Admin geändert) liest sich nicht gut, so dachtest Du – und fortan zeichnetest Du nur noch als kein Geringerer als Frank P. Wenniger (dass Dir Dein verhasster zweiter Vorname Peter, den Dir deine Eltern als Reminiszenz an den gleichheißenden und viel zu früh dahingeschiedenen Onkel Peter gegeben haben, noch einmal nützlich werden könnte, hättest Du selbst nicht geglaubt).

Und nun sitzt Du vor mir in Deiner etwas zu billigen Jeans im used-look. Dein Hemd ist nicht gebügelt, Du bügelst Deine Hemden nie, denn das ist Dein statement. Deine Krawatte – im Retro-Design einer 1970er Space-Age-Tapete – hängt nachlässig gebunden traurig von Deinem Kragen, dessen Knopf Du um nichts in der Welt schließen würdest. Dass nachlässig nicht mit lässig (einem Deiner Lieblingsworte, wenn Du wieder zu kumpeln versuchst) gleichzusetzen ist, versuche ich erst gar nicht, Dir zu erklären. Du trägst diese dicke schwarze Nerd-Brille. Sie ist zu ausladend für Dein schmales, weißes Gesicht, sie steht Dir nicht. Vor einigen Jahren sah ich Dich schon einmal, da hattest Du so ein randloses Modell, wie es damals modern gewesen sein mag. Es stand Dir auch nicht richtig – aber immerhin besser als der viel zu große Nerdbalken, der Dir nun ständig von der Nase rutschen will. Trendy.

Hören Sie mir überhaupt zu? Du quietschst zu laut. Und zu schrill.

„Selbstverständlich!“ lüge ich, „Wenn Die Gedanken fließen, soll man nicht unterbrechen. Fahren Sie fort.“

Nachdem Du die Zeit des Zivis also daheim abgegammelt hattest, wurde es Dir dort zu eng – schließlich pflegte Deine Mutter, Dich regelmäßig um 9 Uhr 30 zu wecken. Und so reifte der Entschluss, in einer fremden Stadt zu studieren. So kamst Du bequem und ohne große Diskussionen von zuhause weg. Ja, Informatik hättest Du gerne studiert – Hacker wärest Du gerne geworden, so wie Kimble – aber selbst die kleine Uni in der niedersächsischen Provinz hatte einen so hohen numerus clausus, dass Du wohl bis an Dein Lebensende Wartsemester hättest abchillen müssen. Du wolltest aber weg von daheim. Und so wurde es dann das Studienfach Wirtschaftsinformatik – ohne NC – und ein bisschen business machen und ein bisschen hacken, was sollte daran schon so schwer sein? Um es abzukürzen: Nach dem zweiten Semester war Schluss, denn wer zu allen Prüfungen antritt, ohne irgendetwas gelernt zu haben und wer dann folgerichtig durch alle diese Prüfungen rasselt, ist draußen aus der Nummer. Du versuchtest, auf Kommunikatioswissenschaft umzusatteln. Und weil Dir ein hübsches Mädchen, das ein Buch mit dem Titel „Zeitungswissenschaften“ mit in die Mensa genommen hatte, auffiel, wurde es im Zweitfach Publizistik. Nach weiteren zwei Semestern (und ohne Zeitungswissenschaften-Mädchen) war dannn auch dieser Exkurs beendet.

Dann unternahmst Du einen weiteren Exkurs – schließlich musste Geld her. In der Fußgängerzone sprach dich ein Typ an, der sehr lässig war. Gut gekleidet, mit Anzug – aber stylishen Sneakers und natürlich Sonnenbrille. Der quatsche Dich an – einfach so! Sehr gute und für den Kunden lukrative Vermögensprodukte solltest Du verkaufen. Deine Beratung kostet den Kunden nichts – Du würdest ein „seriöser“ Berater werden. Ob Deine Beratung den Kunden wirklich nichts koste?, fragtest Du. Wie Du denn dann Geld verdienen würdest? Der smarte Typ erkläre Dir, dass Du Deine Kunden nur um eine kleine Gefälligkeit bitten müsstest: Jeder, der von Dir beraten werde, müsse Dir nur drei weitere Personen nennen, die ebenfalls von Dir beraten werden wollen. Und so hättest Du laufend Kunden. Ganz ohne Akquise. Und super Finanzprodukte, von denen jeder, aber auch wirkolich jeder nur profitieren könne. Und wenn Du das schaffen würdest, dann würde Dir ein super Festgehalt und eine satte Provision winken. Saugeil dachtest Du, weil Du ein Depp bist.

Du wähltest Dir die Finger wund. Freunde hast Du angerufen und „Freunde“, zu denen Du seit dem Verlassen der Grundschule keinen Kontakt mehr hattest. Und weil das business nicht so richtig rocken wollte, telefoniertest Du auch die Verwandschaft bis zum fünften oder sechsten Grad ab. Das Ding mit dem Schneeballsystem landete schnell vor Gericht. Es wurde nur deshalb eine Bewährungsstrafe, weil Du auf der Anklagebank wie ein geprügelter Hund gewinselt hast.

Du hast gechillt. Dein Bewährungshelfer sagte Dir, dass Du Dich nach einem Job umsehen sollst. Zum Semelverkaufen in der Bäckerei hattest Du zwar nicht wirklich Bock, denn Semmeln rulen nicht – aber vierhundert Euro waren Dir sicher.

Heute – wenn Deine Auftragslage mal wieder dünn ist, Du nicht gebucht bist, würdest Du gerne wieder Semmeln verkaufen. Dann wärest Du nicht so pleite und müsstest nicht den Rest des Monats Tütensuppen und Spirelli mit Marmelade oder Senf (je nachdem, was der Kühlschrank noch so hergibt) essen. Doch das geht ja genau gar nicht, denn wenn Dich Deine Kunden sehen würden, wie Du ihnen ein Stück Schwarzwälder auf einem Pappteller in dünnes Papier einschlagen würdest – Deine credibility und reptation als Scocil Media Berater wäre auf level zero. Aber diese vierhundert Steine – das wäre die Leasingrate für Deinen Einser BMW und ein Teil der Monatsrate für den New MINI, der mal Dir hätte gehören sollen, den Dir die Bank schon längst wieder abgeknöpft hat. Und wenn Du jetzt bei mir keinen fetten Auftrag, kein Geld klarmachst, sperrt Dir die Telekom bald Dein iPhone. Dann kommst Du gar nicht mehr ins Internet. Fuck.

Follower, friends und Fans sind Ihre earnings von tomorrow – und damit machen wir bald weiter – damit Ihre business excellence untoppbar wird.

Ich werde von diesem Satz, der an Schwachsinnigkeit untoppbar ist, unsanft ins Hier und Jetzt katapulitert – in den Konferenzraum an den hübschen Eichentisch, auf dem Du Idiot massig Papier ausgestreut hast. Der letzte Tropfen Kaffe in meiner Tasse ist längst eingetrocknet.

Wann komme ich wieder? fragst Du mich. „Nach Deiner Reinkarnation, vermutlich.“ antworte ich. Du hast noch nicht einmal das verstanden und flötest: Also dann komme ich nächsten Mittwoch wieder um fünfzehn Uhr dreißig. Ich werfe Dich raus, Du guckst dabei sogar noch ungläubig. Du bist Social Media Berater.

sexybookmarks-Plugin funktioniert nicht – ich brauche Eure Hilfe!

Hallo liebe Leute,

jetzt haue ich mir schon eine ganze Weile die Zeit in meiner WordPress-Installation um die Ohren und versuche nun, all unseren Social Media-Freunden (gell, Thorsten, gell, Marcus) etwas Gutes zu tun – und prompt werde ich bestraft:

Ich habe mir das Plugin SexyBookmarks heruntergeladen und brav auf den FTP-Server geschoben, es in der Admin-Oberfläche aktiviert, den Ordner /wp-content/plugins/sexybookmarks/spritegen beschreibbar geschalten und die Einstellungen angepasst – ich hab also alles gemacht, was das Ding von mir will – nur es funktioniert einfach nicht!

Anstatt der Bookmark-Buttons kommen nur Bullets unter jedem Post. Das sieht dann ungefähr so aus:

  • usw…

Ein Bullet für je einen Dienst…

Nun gut, es muss ja nicht alles auf Anhieb klappen (obwohl es schon schön gewesen wäre) – ich gehe mal zur FAQ und lese dort:

Check your theme’s header.php file for <?php wp_head(); ?> within the <head> and </head> tags. If it is not there, then the plugin is unable to hook the stylesheet into your document, thus making it impossible to display the icons.

Ok, das weiß ich natürlich nicht – also sehe ich gleich mal in der header.php des Themes (Prosumer) nach.

In der Tat findet sich dort die Zeile:

<?php wp_head(); ?>

Ok, gefunden, prima, dann sollte doch alles gut sein, oder? Nix ist gut! Es kommen einfach keine Buttons.

Kann mir jemand sagen, was ich falsch mache? Brauchen vielleicht noch andere Ordner einen Schreibzugriff?

Info am Rande: Es läuft WordPress 2.6.2 DE-Edition (ich hatte bisher keinen Grund, eine neuere Installation zu fahren – ganz im Gegenteil – WP3.x gefällt mir von der Adminoberfäche her gar nicht, die alte 2.6er ist schlank und schnell und unaufdringlich – und stabil). Als Theme werkelt Prosumer Deutsch. Das ganze ist aber auf PHP 5 upgedatet.

Brauche ich eine ältere SexyBookmarks-Version? Oder doch ein 3.x – WP? Oder müssen noch andere Ordner beschreibbar sein? Für jeden Hinweis bin ich sehr dankbar!

Aus für Ask.com

Ich gebs ja zu: Ask.com hat mich immer genervt – deren Suchergebnisse waren nicht so prall und das Ding überflutete einen regelrecht mit Werbung. Nichts desto trotz ist das Aus für Ask.com ein Verlust – heise schreibt, dass damit eine der bisher drei (sic!) am Markt verbliebenen Suchmaschinenanbieter mit eigener Engine bzw. Suchtechnologie weg. Nun werden sich in naher Zukunft Google und Bing den Markt aufteilen – au Backe!

Dass ich kein großer Google-Freund bin, wissen die Stammleser dieses Blogs. Das sich nun das Quasi-Monopol „stabilisiert“, betrachte ich mit großer Sorge.

Das Jay-tech Jaybook 9901 im Test

Es taucht immer wieder auf und inzwischen dürften bei Real, Netto, eBay, flip-tech und HSE24 schon ordentliche Stückzahlen dieses sog. „Mini-Notebooks“ (gemeint ist das Jay-tech Jay book 9901 mit der genauen Bezeichnung UMPC 9901) über den Ladentisch gegangen sein. Seit kurzer Zeit gibt es das Netbook auch im Onlineshop des Discounters Schlecker und es sollte mich wundern, wenn es zum Weihnachtsgeschäft nicht auch wieder anderswo auftauchen sollte.

99 Euro – was kann man dafür schon erwarten?

Das 9901 ist ein absoluter Low-Budget-Computer, denn mittlerweile hat sich der Straßenpreis des Geräts auf 99 Euro eingependelt. Was will man für 99 Euro erwarten? Einen Rechner? Ich kann sagen, dass ein guter wissenschaftlicher Taschenrechner von HP auch in etwa hundert Euro kostet. Daher bitte ich, beim Lesen des Tests diesen Preis im Hinterkopf zu behalten – er relativiert manche der teils eklatanten Schwächen des Netbooks.

Der Rechner kommt…

… in einer wenig spektakulären Box, die neben einer gedruckten – wenn auch rudimentären Anleitung das Netzteil enthält. Der Akku ist bereits vormontiert. Weiter findet man nichts in der Box.

Ein erster Eindruck

Das Netbook ist komplett aus schwarzem Kunststoff gefertigt, etwas „unsaubere“ Spaltmaße fallen in Auge – und man bemerkt, dass das 9901 angenehm leicht ist.

Schon beim Aufklappen fällt auf, dass der Bildschirm (7  Zoll – nicht gerade groß aber überraschend gut) nicht mechanisch mit Funktionen gekoppelt ist und auch über keinen Verschluss verfügt. Wenn das 9901 geladen ist, wird es mit einem Druck auf den silbernen Power-Schalter hochgefahren. Das Netbook bootet sehr schnell – schon empfängt einen der Desktop. Klappt man das Display wieder zu, bleibt der Rechner an – keine Standbayschaltung wird aktiviert – auch geht die Hintergrundbeleuchtung des Bildschirms nicht aus.

Optisch gemahnt das nun gebootete Windows CE deutlich an Win NT – lediglich die Widgets auf der rechten Seite nehmen Anleihen an das Design von Vista. Diese Widgets zeigen den Akkustand, den Status der WLAN-Karte und Datum und Uhrzeit – weitere Funktionen gibt es nicht und es sind auch keine neuen Widgets hinzufügbar.

Auf dem Jaybook 9901 ist eine kleine Softwaresammlung vorinstalliert, die die wesentlichen Funktionen abbildet. Unter anderem – und das ist ein echtes Feature – ist eine SoftMaker Office-Suite für CE vorinstalliert, die sich hervorragend macht und vor allem eine zu Word kompatible Textverarbeitung namens TextMaker mitbringt, die in Sachen Kompatibilität Standards setzt und auch sonst über den Funktionsumfang, look and feel einen Word 2003- Installation verfügt. Auch ein Mailprogramm, eine Präsentationssoftware und eine Tabellenkalkulation gehören zur Suite. Zudem: Der Browser Internet Explorer, ein Medienplayer, ein Youtube-Client, ein „Audio-Recorder“, Bildbetrachtung, Microsoft Messenger, Rechner, WinRar und ein WLAN-Powermanagement gehören zur Ausstattung.

Zum ersten Mal ins Internet

Es gibt out of the box zwei funktionierende Möglichkeiten, um ins Internet zu kommen: Entweder kabelgebunden über die Ethernetbuchse oder aber per WLAN. Beides funktioniert stressfrei: Sowohl PPPoE funktioniert an der Netzwerkbuchse als auch Netz über einen Router. Die Konfiguration ist Windows-üblich.

Wer mit WLAN verbinden will, der muss zuerst die integrierte WLAN-Karte mit dem Desktopsymbol „WiFi Power“ einschalten und dann warten, bis das WLAN in der Statusleiste als aktiv angezeigt wird (was manchmal ein wenig dauern kann). Dann kann man das Funknetz konfigurieren. Unverschlüsselt, WEP, WPA und WPA2 funktionieren problemlos – fein. Nach ein paar Klicks ist man online.

Das 9901 bringt kein Bluetooth mit – auch die Aufrüstung über ein Dongle dürfte sich schwierig gestalten, fehlen hierfür in der Regel doch passende Treiber. Wer mit einem UMTS-Stick mit dem 9901 online gehen will, der wird auch erfolglos bleiben, es sei denn, man besitzt zwei ganz bestimmte Huawei-Sticks, für die Treiber mitgeliefert werden (bzw. nachinstalliert werden können).

Als Browser wird eine spezielle CE-Variante des Internet-Explorers verwendet. Dieser IE ist aber keineswegs mit dem vom Desktop bekannten Browser vergleichbar, er erinnert eher an einen ältlichen Mobilbrowser – und er ist elend langsam! Zudem unterstützt der Browser kein richtiges Flash (und auch kein Java) – bei aktuellen Seiten ist man mitunter ziemlich aufgeschmissen. Auch wenn man das 9901 mit VDSL verbindet – die Performance steigt nicht. Der Browser ist nicht mehr zeitgemäß. Mal eben ein Video bei Youtube oder Vimeo ansehen ist nicht – Twitter funktioniert nur mit der für Handys optimierten Mobilseite problemlos und auch GMX und GMail machen im „Retrobrowser“ nur begrenzt Spaß. Richtig lahm wird die Sache bei mehreren geöffneten Browserfenstern (Tabs gibt es nicht). Es nutzt, den Seitencache von 2 MB auf 4 MB anzuheben. Aber eine Offenbarung wird der Browser trotzdem nicht.

Das 9901 als „mobile Schreibmaschine“?

Über die Vorzüge des vorinstallierten Officepakets von SoftMaker habe ich schon geschrieben. So liegt der Schluss nahe, dass sich das Netbook zum Abfassen von Texten unterwegs durchaus eignen müsste – und dem ist auch so, wenn man sich mit der bauartbedingt kleinen Tastatur zurechtfindet.

Das Keyboard ist gar nicht so schlecht, das Feedback der Tasten könnte zwar deutlicher sein, aber man lernt das Tippen schnell. Die Umlaute Ü und Ä liegen nicht an gewohnter Stelle – auch mit dieser Besonderheit lernt man umzugehen. Das Touchpad ist sehr klein geraten, lokalisiert den Cursor aber sehr präzise. Nichts desto trotz empfehle ich unbedingt, sich eine USB-Maus einzustecken. Sonst steht dem mobilen Texten aber nichts im Weg – auch die Akkuleistung ist ok, wenn man nicht nebenbei noch surft.

Auch das Abfassen von Mail funktioniert gut, der Mailclient von Softmaker ist für POP/SMTP-Postfächer gut, IMAP geht nicht.

Zusätzliche Software

Beim Jay-tech Jaybook 9901 handelt es sich um ein „Netbook“, das auf Basis eines VIA 9505 Prozessors läuft (das ist ein ARM!), der mit 300 MHz getaktet ist. Dieser Prozessor lässt das Installieren eines klassischen Windows-OS wie ME, NT, XP oder gar Win 7 nicht zu, da keine Kompatibilität zur Intel-Architektur gegeben ist. Demach ist man, sofern man nicht über Linux-Superkräfte verfügt, darauf angewiesen, mit dem mitgelieferten CE 6.0 zurechtzukommen. Bei CE 6.0 handelt es sich um ein Betriebssystem für „embedded-Geräte“ – es ist auch anders als Windows mobile – obwohl mobile auf CE basiert. Dies bedeute auch, dass Software für Windows mobile nicht zwingend (im Gegenteil: eher selten) auf CE läuft. CE selbst wurde in der Vergangenheit auf Handheld-Devices verwendet – für diese entwickelte Software könnte im Prinzip dann lauffähig sein, wenn die Prozessorarchitektur unterstützt wird. Aber auch der Umstand, dass ein Handheld in der Regel andere Tasten definiert als ein Netbook, macht die Sache nicht einfacher. Es gibt aus der CE-Zeit eine handvoll Software, die auf dem 9901 läuft – aber sie ist rar und (die Zeiten von CE als Handheld-OS wie die Zeit der Handhelds selbst ist schon etwas länger vorbei) oft alt.

Und ein alternatives Betriebssystem?

Die Frage, ob sich auf dem 9901 ein alternatives Betriebssystem installiert werden kann (und ob sich das lohnt) kann nur mit einem „Jein“ beantwortet werden:

Im Netz gibt es einige Berichte über geglückte Linux-Installationen, die aber meist mit Klagen über fehlende oder fehlerhafte Hardwareintegration verbunden sind. So gerät wohl das gesamte Powermanagement unter Linux durcheinander, es wird gehäuft berichtet, dass ein Akkubetrieb unter Linux nicht mehr möglich ist.

smartbook PICO, Screenshot. Quelle: smartbook.de

Eine Alternative könnte Android sein. Es wurde bereits von etlichen erfolgreichen Installationen berichtet – und das 9901 wird auch mit voristalliertem Android 1.6 verkauft. Hier ist nicht Jay-tech der Anbieter sondern die in Köln ansässige Smartbook AG, die das entsprechend vorkonfigurierte Gerät als Smartbook Pico anbietet. Von der Hardware aber ist das Pico und das 9901 identisch.

Nun weiß ich nicht, was das Pico an Software mitbringt (bei Android dürfte es aber doch etwas besser mit der Softwareversorgung aussehen, als bei CE), aber die SoftMaker-Suite ist halt Windows vorbehalten. Wenn jemand also auf dem 9901 Android an den Start bekommen möchte, so ist abzuwägen, was man mit dem Rechner machen will.

Hardware und Performance

Kommen wir zum Kern: Das 9901 verfügt über den besagten VIA 8505 Prozessor, getaktet mit 300 MHz und in ARM-Architektur. ARMs sind weit verbreitet, stabil, und kühl – das ist ein Vorzug. Nachteilig sind die 300 MHz, denn das ist wirklich nicht schnell. Ich würde diese Geschwindigkeit aber immerhin als ausreichend bezeichnen. Noch stärker auf die Bremse wird aber nicht von der CPU sondern vom Speicher getreten: 128 MB DDRII-RAM werkeln im 9901 – für ein flüssiges Arbeiten ist das im Prinzip schnell genug – allerdings oft zu wenig. Als internen Speicher bietet das Gerät eine 2GB NAND-Flash-„Platte“ – auch nicht wirklich prall, aber weniger kritisch, denn das Netbook ist via SD-Karte um bis zu 32 GB (Slot) erweiterbar.

Weiterhin steht ein Stereo-Kopfhöreranschluss (3,5 mm-Klinkenbuchse) und ein Mikroeingang (mono, ebenfalls 3,5 mm-Buchse), zwei USB-1.0-Ports und ein USB 2.0-Ports zur Verfügung. Und es gibt natürlich Ethernet.

Der Stromversorgung dient ein Li-Ion-Akku mit einer Kapazität von 1800 mAh an 8,4 Volt. Der Akku in meinem Gerät macht sich nicht so prall. Versorgt wird das 9901 mit einem für das eigentliche Gerät relativ großen Netzteil (das wäre mit Sicherheit schlanker gegangen).

Für wen ist das 9901 das richtige Netbook?

Wir haben es beim 9901 mit einem Rechner zu tun, der sich durch sehr kleine Abmaße auszeichnet und wenig wiegt – und damit erstaunlich mobil ist. Allerdings wird diese Mobilität durch einige deutlich spürbare Limitationen im Bereich der Hardware erkauft.

Der günstige Preis von 99 Euro für ein Neugerät (bei eBay gehen die Dinger gerne auch mal für einen Fünfziger raus) ist ein weiterer Vorteil.

Wer eine „mobile Schreibmaschine“ sucht, der wird mit dem 9901 dann gut fahren, wenn man sich an das Handling eines so kleinen Gerätes gewöhnen kann. Zur surfen ist es bedingt brauchbar, die Multimediafunktionen sind eher enttäuschend.

An dieser Stelle muss ich auch deutlich sagen, dass das 9901 nicht für jeden Nutzer etwas ist: Wer auch in Zukunft mit der vorinstallierten Softwareausstattung zurechtkommt, der kann einen günstigen Mobilcomputer bekommen. Wer sich sehr gut auskennt, gerne bastelt, in CE programmieren kann und Software sowie Treiber modifizieren kann, der wird ebenfalls seine Freude haben.

Wer XP gewohnt ist und die Flexibilität von XP wünscht, wer nicht programmieren kann  – der lege etwas Geld drauf und kaufe sich ein Netbook mit XP oder Windows 7.

Kritisch anzumerken ist, dass gerade real, HSE24 oder Schlecker jetzt nicht die Nerdstores sind sondern sich an „Otto Normalverbraucher“ wenden – und gerade diese Zielgruppe braucht meines Erachtns eine andere Rechnergattung (bei der sich „intuitiv“ neue Hardware anflanschen, Software nachinstallieren lässt und die nicht ein gewisses Frickelgeschick vom Nutzer abverlangt wird).

So möge jeder vor der Anschaffung kritisch prüfen, ob die mitgelieferte Hardwareausstattung genügt oder ob er die Skills mitbringt, das 9901 im Zweifelsfall komplett umzuprogrammieren. Wenn nicht, dann gibt es andere Geräte, die etwa das Doppelte kosten, aber ein Vielfaches an Ausstattung mitbringen.

Fazit

Es ist verwunderlich, dass sich dieses Einsteigergerät (das unfreiwilligerweise einige Herausforderungen mit sich bringt) sich so beharrlich im Markt hält. Wie groß die Usergruppe des 9901 tatsächlich ist, darüber kann nur spekuliert werden, weil nicht sicher ist, wieviele Leute das kleine Ding irgendwann frustriert aus der Hand legen. Bei eBay stehen interessanterweise immer eine ganze Menge dieser „Mini-Notebooks“ zum Verkauf.

Wer sich bewusst über die Einschränkungen des 9901 ist, wer Spaß am Basteln und Ausprobieren hat und wer ein sehr kleines Gerät möchte, der kann durchaus Spaß am Gerät haben.

Als das Gerät im Juni dieses Jahres bei Netto angeboten wurde, entstand hier im Blog eine sehr rege Diskussion – mit einigen sehr vielversprechenden Tipps rund um das Netbook. Wer das Ding hat oder zu kaufen plant, findet hier eine recht gute Informationsbasis.

1 8 9 10 11 12 23