blog.fohrn.com

Die letzten knappen zwei Wochen (und heute) in aller Kürze.

Nun lasse ich mal wieder was von mir hören, ich habe mich in der letzten Zeit hier ja ein wenig rar gemacht. Aber weil ich im Moment doch recht gut eingespannt bin, das Wichtigste nur in Stichpunkten:

  • Nachdem mich ein Zahn etwas quälte, folgte eine Wurzelbehandlung und im Oktober bekomme ich eine Krone. Es ist unglaublich, was man da als Kassenpatient zuzahlen muss. Jetzt habe ich schon eine private Zahnzusatzversicherung – aber dennoch: Da bleibt nun wirklich genug beim Patienten hängen. Es ist mal wieder an der Zeit, die solidarische Bürgerversicherung ohne Beitragsbemessungsgrenze etwas zu forcieren. So jedenfalls kann das auf Dauer nicht weitergehen.
  • Ach, das mit dem Papst war ja auch mal wieder nix. Es hätte ja prinzipiell die Möglichkeit gegeben, dass er seine Kirche ein wenig öffnet – nach meinem Verständnis ist genau das Gegenteil passiert. Auch die Bundestagsrede war ja nur ein kalter. Die Ökologiebewegung der 1970er Jahre hätte keine Fenster aufstoßen können, wäre aber ein Ruf nach frischer Luft gewesen? Lieber alter Mann, das Thema dieser Tage sind die digitalen Bürgerrechte, das Auseinanderklaffen der Schere von Arm und Reich und die Finanzkriese, das Thema Krieg und Frieden. Dazu hat ein Papst, die Katholische Kirche nichts zu sagen? Ernstlich nicht? Gut, dann bleibt halt auf dem Niveau der 1970er Jahre. Danke und tschüss.
  • Btw.: Ich habe mir die Bundestagsansprache von „Benedetto“ auf Radio Vatikan angehört. Der Kommentator, Thomas Frauenlob, machte bei der Übertragung aus seiner konservativ-rechten Gesinnung kein Geheimnis. Gruselig. Warum sind eigentlich diese katholischen Medien alle so stramm rechts? Die Katholiken können einem ja leidtun. Kreuz.net habe ich mir dieser Tage auch mal wieder reingezogen. Das ist zwar keine offizielle Verlautbarung der katholischen Kirche, deren Medien bereiten aber fleißigst den Boden, auf dem sowas wächst. Gruselig!
  • Facebook bestätigt Tracking ausgeloggter Nutzer. Bedarf keines weiteren Kommentars, denke ich.
  • Wo ich gerade bei Facebook bin: Sie wollen nun das ganze Leben auf einer Zeitleiste abbilden und alle rufen „Yeah“. Wo bin ich hier nur gelandet…?
  • Mit dem Thema Digitalradio bin ich derzeit sehr intensiv befasst. Nun habe ich einen einfachen Empfänger zum Testen hier, davon lest Ihr in den nächsten Tagen. Vorab sei aber gesagt: Wenn man es richtig macht, ist der Empfang wesentlich besser und einfacher herstellbar als bei UKW.
  • Gutes zu Jauch und Merkel, wie immer bei den NDS.
  • Und passend zu den ÖRR: Das Ding mit der MDR-Intendanz ist ja nun auch gehörig nach hinten losgegangen. Will man der Presseberichterstattung Glauben schenken, wurde dem Herren Hildern ein GEZ-Fragebogen zum Verhängnis, bei dem er wohl bei der Frage „Zahlen Sie Rundfunkgebühren?“ einmal nicht nur „Ja“ angekreuzt haben soll, sondern hinter dieses „Ja“ noch ein Komma und das Wort „leider“ handschriftlich vermerkt haben solle. Da sieht man aber auch, was für ein verfickter Stasi-Verein diese GEZ ist wie wenig Bedeutung Datenschutz und Datensparsamkeit bei der GEZ ganz offensichtlich genießen. Wenn es denn stimmt (woran kritische Geister zweifeln, weil die Anekdote einfach zu gut ist).
  • Zum MDR habe ich auch noch einen: Er ereignete sich dereinst im Jahre 1999. Da sah ich an der Redaktionstür in einem großen Haus des ÖRR einen Zettel hängen mit der Aufschrift: „Die ARD ist dieses Jahr 50 geworden. Wenn Sie erleben möchten, wie damals das Fernsehprogramm aussah, dann schalten Sie doch mal beim MDR rein“. Heute wird man solche despektierlichen Zettel dort wohl nicht mehr aufhängen – der MDR liefert inzwischen das erfolgreichste Dritte. Mit Volksmusik. Und da wären wir dann bei den Finanzskandalen und Politpossen – aber das sei an dieser Stelle echt geschenkt…
  • Das mit dem ThinkCentre erweist sich für mich hardwaremäßig als Erfolgsstory, der Computer ist zwar eher einfacher Natur, läuft aber leise und stabil. Meine Lehre: Es lohnt sich allemal, die fünfzig Euro für ein Markengerät mehr zu investieren. Und sogar das Design gefällt mir. Ich habe den Rechner jetzt seit etwas über einem Monat in Betrieb und ich bin echt zufrieden. Nur an Windows 7 (wie an Windows generell) muss man sich erst gewöhnen. Aber es wird.
  • »Guten Tag! Dürfen wir mit Ihnen über Gott sprechen?« – »Man spricht nicht über Anwesende in der vierten Person.« (via @gallenbitter)
  • Einen interessanten Tweet von @radioszene habe ich hier noch: „Rüdiger Landgraf (KRONEHIT) wünscht sich von + die Möglichkeit von personalisierbarer Werbung als Vorteil für die Kunden.“ Die Ösis haben ja gerade sowas in die Radiodays-Richtung. Samma, gehts noch? Als Vorteil für den Kunden? So eine Scheiße habe ich schon lange nicht gehört. Ich kann Euch aber das Mindset hinter solchen und ähnlichen Aussagen erklären: Den Privatfunkern, vorn an den sog. „Verlegerradios“, also diese unsäglichen Tonteppich mit dem besten der 80er, 90er und den Hits von Heute, guter Laune und purer Energie (bzw. Power) für Deinen Tag-Spassemacken bröselt gerade das Geschäftsmodell unter dem Allerwertesten weg. Die Kids gehen ins Netz, hören dort Musik und brauchen die Dudelsender nicht. Wer sich für das Medium Radio ernsthafter interessiert, hört auch nicht die Privaten. Es bleibt das Privatradio als Tonteppich in Friseursalons und Bäckereien, es bleiben die Offliner, Ältere und Arme. Das ist aber nicht die Zielgruppe der Webenden und das Geschäft der sendeeigenen Werbeverkäufer, man schimpft die gemeinhin „Mediaberater“, wird schlimmer und härter. Und nun denken manche Schlauberger: Wenn heute wer erfolgreich ist, dann ist das Facebook. Und Google. Und warum sind die erfolgreich? Weil sie personalisierte Werbung rausdrücken. Na, wenn das so ist, dann machen wir das beim Radio doch auch. Geht aber nicht, weil Radio ist halt unidirektional. Der Fakt, dass DAB+ digital ist, ändert nichts an dieser Tatsache. Daher für alle Vollpfosten der Branche: Digital ist nicht gleichbedeutend mit bidirektionaler Kommunikation. Verstanden? Und zu wünschen gibts da auch nix. DAB+ ist weder der Weihnachtsmann noch die Glaskugelhexe auf der Kirmes. Und: Selbst wenn das mit dem Rückkanal via UMTS hinhauen sollte – wer wollte denn personalisierte Werbung? Oder anders gefragt: Wer wollte denn ein Facebook-Radio? Hier jammern übrigens die Jungs von Gestern.
  • Gut ist auch der: „Rot-Grün in Berlin – gegen die Armen.“ (via @holgi) Damit ist das Wesentliche schon gesagt.
  • Google wird heute 13. Scheiß Pubertät. Zur Feier des Tages suche ich heute nur bei Fireball, Lycos und Altavista ;-).
  • Heute ist Freddy Quinn trendig. Dabei ist er fünf Jahre jünger als der Papst 🙂
  • Trinkt mehr fritz und Mate.

Alles nicht so wild. Kleine Nachbetrachtung zur Abgeordnetenhauswahl

Gestern habe ich mir ganz spontan einen Blog-Post geklemmt, weil die „Interaktion“ auf Twitter dann doch mehr Spaß gemacht hat, heute will ich, ohne bislang den Output der Leitartikler genossen zu haben, das gestrige AHW-Ergebnis doch kurz kommentieren.

Zuerst einmal zu Wowereit und der SPD. Wenn von vornherein feststeht, dass man gewinnt, ist man bei so einer Wahl ja trotzdem irgendwie in der „Verliererposition“, denn zum einen ist es schwierig, die siegessicheren eigenen Wähler an die Wahlurne zu bringen und zum anderen wird der Erfolg nur dann von der Presse goutiert, wenn noch ein paar Prozentpunkte dazugewonnen werden. Dass das unter den gerade benannten Vorzeichen nur im Ausnahmefall gelingen kann und dass dieser Ausnahmefall nicht eingetreten ist, das kann man Wowi ja schlecht anlasten. So gesehen – und unter der Konkurrenz der Piraten, zu denen ich später noch komme, sind die verlorenen zweieinhalb Prozent ja nicht nur erklär-, sondern auch verkraftbar.

Der Linkspartei, dem ehemaligen Koalitionspartner, sind 1,7 Prozent der Wählerstimmen verloren gegangen. Im Kontext der Anwürfe der Medien, die nicht wundernehmen, wenn man die vorangegangenen innerparteilichen Debatten berücksichtigt (ein gefundenes Fressen für die Berichterstattung, die Medien haben dies auch weidlich ausgekostet) und im Kontext der Präsenz der Piraten hat sich die Linke stabilisiert. Das Glück der Linken: Allzu viel mussten sie ob ihrer eher älteren Wählerschaft nicht an die Piraten abtreten, das Pech dabei liegt aber ebenso auf der Hand: Die Linke überaltert zusehends und das macht natürlich eine Aufstellung in der Zukunft schwieriger. Wenn man sich die Tweets von Halina Wawzyniak und Bodo Ramelow besieht, ist der Warnschuss auch gehört worden – allein ob das genügt, ist fraglich.

Weiterhin Pech für die Linke: Mit den Stimmenverlusten der SPD und den eigenen Verlusten ist die rot-rote Koalition, eigentlich ein Erfolgsmodell, nicht mehr aufrechtzuerhalten. Bei der Linken wird nun gerne ins Feld geführt, dass der Spitzenkandidat Harald Wolf im Personenwahlkampf Wowi versus Künast zerrieben wurde. Da mag schon was dran sein, aber das ist für mich nicht ausschlaggebend. Ich denke, dass die Linke die Themen soziale Sicherheit und Netzpolitik (hier ist sie im Kleinen mindestens ähnlich kompetent wie die Piraten, muss das aber entwickeln und kann das nicht verkaufen) noch profilierter herausstellen muss. Und dann hat es halt einfach nicht gereicht – Pech eben.

Die CDU. Gestern feierte man sich selbst wegen des Zugewinns von 2,1 Prozent ordentlich ab. Dass das kein wirklicher Erfolg ist, ob der öffentlich zelebrierten Selbstzerfleischung der FDP, weiß eigentlich jeder – aber das Singen im dunklen Keller soll ja bekanntlich schon öfter gegen die Angst geholfen haben. Immerhin würde es zu einer Regierungsbeteiligung reichen – wenn Wowi will. Wofür die CDU in Berlin steht, weiß ich nicht, dazu bin ich zu weit weg. Ob es aber viele Berliner wissen, ist ebenso fraglich. Nun, die zwei Prozent werden für das erhoffte „Signal im Bund“ nicht ganz hinreichen. Mehr bleibt dazu eigentlich nicht zu sagen.

Und bei der FDP bleibt auch nicht viel zu sagen. Felix von Leitner stellte ja schon einmal ganz treffend fest, dass FDP-Bashing ist, wie behinderte Kinder zu hauen, das will man natürlich nicht. Daher in aller Kürze: Dass sich die FDP nun unterhalb der Bagatellgrenze befindet, ist kein echtes Wunder. Konnten wir in den vergangenen Monaten der FDP beim Schrumpfen auf das Normalmaß zusehen, ereilt sie nun ihr unausweichliches Schicksal: Das Personal der FDP ist mindestens im Bund beschissen, in den Ländern sieht es in aller Regel nicht besser aus. Anbiedernderweise fuhr man einen Eurokritikerkurs, dieses populistische Aufbäumen war indes so platt, dass sich selbst FDP-Stammwähler in den Boden schämten und das mit der Stimme lieber sein ließen und nun ist sogar die NPD stärker, die anderen Feinde der Freiheit. Und selbst vom Sonneborn mussten sie sich gestern noch vorführen lassen. Und dann schwafelt der Lindner gestern im Ersten noch so saudumm daher… Da ist nichts mehr zu retten.  1,8 Prozent, diese Ernte fahren anderen Orts regelmäßig die Tierschutzpartei o.ä. ein. Was will man da noch groß kommentieren? Außer vielleicht: Ich könnte mich daran gewöhnen.

Dazugewonnen haben die Grünen, zweifelsohne. Aber Hochmut kommt eben vor dem Fall, und in Anbetracht der Tatsache, dass Frau Künast schon vorab postuliert hat, dass sie sich wieder in den Bund verpissen werde, wenn sie nicht regierende Bürgermeisterin werde, kann man den Berlinern nicht verdenken, dass sie nicht in Scharen Leute wählen, die an Berlin gar kein Interesse haben. Mit etwas mehr als 17 Prozent stehen die Grünen zwar recht ordentlich da, bedenkt man aber, dass sich diese Ökopartei allen Ernstes aufschwingen wollte, den regierenden Bürgermeister zu stellen, haben sie dieses Ziel um mindestens mehrere Lichtjahre verfehlt. Fukushima liegt zu weit zurück, Stuttgart 21 werden die Grünen auch nicht zu verhindern wissen und so schrumpft auch diese Partei wieder auf das Normalmaß. Dass die Grünen den Zugewinn von viereinhalb Prozent (was für sich genommen schon ordentlich ist) halten können, glaube ich nicht, nun aber ist er im Berliner Abgeordnetenhaus erst einmal an die Tafel gesteckt und so hat Wowi immerhin die Chance, nicht mit der SPD koalieren zu müssen. Das ist ja schon mal was, ob das aber auch was auf Dauer ist, weiß ich nicht.

Frau Künast sah gestern im TV trotz bekanntermaßen guter Ausleuchtung fertig aus ohne Ende. Wenn Sie wieder „in den Bund“ geht, dann ist das nicht nur für Berlin sondern auch für sie persönlich ein Glücksfall. Dass Frau Künast auch nicht wirklich Sympathieträgerin ist, ist nun auch keine Neuigkeit. Zu den Grünen bleibt eigentlich nur zu sagen, dass sie sich für eine etablierte politische Partei gnadenlos dämlich angestellt haben. Ich will noch nicht einmal auf deren verunglückte „Da müssen wir ran“-Kampagne zu sprechen kommen, sondern nur auf den Umstand, dass sie in BaWü zufälligerweise das Ding gerissen haben. Was unter den Umständen des GAUS in Japan und der verkorksten Energiepolitik der Bundesregierung sowie dem Fakt, dass neben Mappus selbst der olle Oberlehrer noch gut ausschaut, auch kein größeres Kunststück ist. Das müssten diese Grünen eigentlich wissen – man soll das Schicksal nicht herausfordern. Getan haben sie es trotzdem, die Strafe folgt auf dem Fuß. Vor der Wahl das Maul zu voll genommen haben sie dennoch auf der abflauenden Welle reitend ein paar Prozent eintreiben können. Ist die Welle verebbt, ist wieder Ruhe und die Grünen dort, wo sie schon immer waren. Ein Widerschein des kurzen Glanzes der Grünen ist gestern erkennbar gewesen. Mögen sie diesen über die nächsten Jahre retten können – allein mir fehlt der Glaube.

Für eine Sensation mittlerer Größe sorgte die Piratenpartei und nicht nur für eine Sensation, sondern auch für aufs erfrischendste unterhaltsame, verdutzte bis ratlose Gesichter beim politischen Mitbewerb, den Journalisten und Kommentatoren. Und so recht konnten die Piraten ihren Erfolg ganz offensichtlich gestern selbst noch nicht fassen. Alles umkreiste die Frage „How come?“, die Antwort kann nur lückenhaft ausfallen, daher in Stichworten mein Erklärungsversuch:

Dass es in Berlin unter den Wählern knappe 9 Prozent Nerds gibt, ist unwahrscheinlich. Dass die ganzen selbstständigen Grafikdesigner, Agentursklaven oder „Designer“, die Möchtegern-Medienleute und alles, was sonst noch so um Prenzelberg, Friedrichshain und Kreuzberg herumtapert, alle Piraten gewählt haben, ist ebenso unwahrscheinlich. Man weiß aber, dass eine wachsende Gruppe mit den etablierten Parteien nichts mehr anzufangen weiß. Man kauft vielen das Anzuggetrage nicht mehr ab, sieht das Unseriöse in seriöser Verpackung und wird davon nicht nur satt sondern überdrüssig. Und dann kommt ein Haufen Jungspunde des Wegs daher – unverstellt, frech, frisch. Kein Anzug, dafür lieber mal einen rauchend, redet der Pirat, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Die Verschuldung Berlins nicht beziffern können – geschenkt – spricht er etwas ungelenk, aber ehrlich über einen kostenlosen ÖPNV und die Freiheit des Netzes. Das kostet Geld – sollte irgendwie gegenfinanziert sein – geschenkt.

Jetzt also sind die Piraten in Parlament und Opposition. Schade, dass sie hier insbesondere mit ihrer netzpolitischen Kompetenz nur wenig brillieren können. Dazu müssten sie in den Bundestag – der Weg dahin ist weit. Man darf den Piraten Glück wünschen, dass sie im Abgeordnetenhaus nicht untergehen.

Wer aber hat die Piraten gewählt? Nichts Genaues weiß man nicht. Jung, männlich und ostdeutsch ist der Piratenwähler, so raunt man über den Sender B5aktuell. Aber selbst unter den Älteren finden sich Piratenwähler. Sind es gar Protestwähler? Will man hier das hohe Haus ärgern? Oder sind die Piraten mit ihrem doch recht inhaltsarmen Wahlkampf („Warum hänge ich hier eigentlich? Ihr geht doch eh nicht wählen.“) ein Sammelbecken Inhaltsarmer? Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Frappant nur, dass sich der Eindruck aufdrängen könnte, dass zu viel Profil weniger förderlich sein könnte als zu wenig. Den Konjunktiv habe ich an dieser Stelle ganz bewusst gewählt. So groß die Überraschung am gestrigen Abend, so groß aber auch die Gefahr, dass über die Piraten bald niemand mehr redet. Einen Webwahlkampf werden sich nun auch die Etablierten draufschaffen, dazu bedarf es weniger der nativen Kompetenz im Umgang mit sozialen Medien sondern im Zweifelsfall einfach nur des Geldes und das ist vorhanden. Ein Einarbeiten in die Netzpolitik wird wohl auch den Etablierten gelingen – und wenn nicht, dann hab ich für alle Nicht-Piraten, die gerade suchend sind, die Geschäftsidee schlechthin: Netzpolitikberater.

Alles nicht so wild. Es hat sich – unterm Strich – nicht viel verändert. Die SPD trug, wie vorhergesehen, das Ding heim. Die Linke blieb stabil, hatte halt Pech. Die CDU gewinnt ein wenig dazu, die FDP hat das Feld geräumt. Die Grünen haben sich verstiegen und die Piraten haben es nicht nur geschafft, sondern ordentlich Boden gut gemacht – gut gemacht. Wesentliche Änderungen bleiben trotzdem ausgeschlossen. Alles nicht so wild.

Zur Diskussion um die Meistersingerhalle.

Sie ist in meinen Augen immer noch schön, nur ein wenig ungepflegt, das ist das Problem. In den letzten Wochen brandete besonders in der Nürnberger Lokalpresse eine Diskussion um die Meistersingerhalle auf. Man stellt ganz richtig fest, dass das Bauwerk „abgewetzt“ ist und die Stadt noch kein tragfähiges Sanierungskonzept vorlegen kann.

1963 wurde die vom Architekten Harald Loebermann gestaltete Anlage gebaut. Loebermann, der 1996 verstarb, zeichnet auch für die Norikuswohnanlage am Wöhrder See verantwortlich – sein Glanz- und Meisterstück ist aber unumstritten die Meistersingerhalle, Nürnbergs einziges großes Konzerthaus. Jeder Nürnberger dürfte sie kennen, viele wohl auch lieben, aber dennoch kann „die Alte“ ihre Falten nach 48 Jahren nicht mehr verbergen. Das Außengelände wirkt vernachlässigt, der Asphalt ist schadhaft geworden und die Schmuckplatten an der Fassade sind lediglich provisorisch befestigt. Auch die Sanitäranlagen, Böden sind veraltet, die Zeitung schreibt, dass es um die Bühnen- und Veranstaltungstechnik und um gute Teile der Elektrik nicht besser steht.

Quelle: Wikipedia, Achates, CC BY-SA

Indes hat Nürnberg – die zweitgrößte Stadt Bayerns wohlgemerkt – kein anderes vergleichbares Konzert- und Veranstaltungshaus, man braucht also die Meistersingerhalle. Und, sieht man von der Baufälligkeit einmal ab, ist die Halle gar nicht so schlecht.

Die Architektur der Halle ist nämlich, lässt man sie nur ein wenig wirken, wird man dies erkennen, etwas ganz Besonderes: Der Bau ist riesig, der große Saal fasst 2100 Zuschauer und die anderen Räume sind ebenfalls weitläufig. Und doch wirkt das Gebäude weit weniger klobig, als es die Dimensionen vermuten lassen. Geradezu dezent das Entrée, weitläufig das Gelände. Nur eben etwas angegammelt. Auch das Innere des Bauwerks verdient Beachtung: Die Ausstattung und die besondere Wandgestaltung stammen von Prof. Wunibald Puchner, dem ehemaligen Präsidenten der Nürnberger Akademie der Bildenden Künste. Es ist ein Glück, dass vieles an Ausstattung und Einrichtung sowie die Innenausbauten bis heute erhalten geblieben sind. In vielen vergleichbaren Bauten wurde genau diese Ausstattung unsensibel mit Zeitgeistigem übertüncht, nicht so in der Meistersingerhalle. Dies ist meines Erachtens aber nicht allein dem Umstand geschuldet, dass unsere Stadtkasse ewig leer zu sein scheint, sondern auch der Tatsache, dass die Meistersingerhalle als Gesamtkunstwerk Respekt abfordert.

Wir haben in Nürnberg also einen Konzertsaal aus dem Jahr 1963, der auf der einen Seite etwas abgewirtschaftet wirkt, auf der anderen Seite sich aber innen wie außen architektonisch reizvoll, klassisch modern präsentiert und der herrlich unversaut und unverbastelt immer noch in Nutzung ist.

Letzteres wiegt für mich deutlich schwerer als der zweifelhafte Zustand: Eine Renovierung ist möglich, man muss nichts verbessern, man muss „nur“ sanieren. Dies ist für die Stadt eine hohe finanzielle Bürde und gleichzeitig eine große Chance.

Vorsichtig sanieren und rekonstruieren. Das ist mein Appell in Sachen Meistersingerhalle. Nun, weil es billiger ist, zeitgeistig umzubauen, ist das keine Lösung, man würde immer merken, dass etwas nicht passt. Die Substanz zu stärken, ist aber möglich und nötig. Der Gewinn wäre dann ein Konzerthaus mit einer bezaubernden Architektur.

Ich muss an dieser Stelle mal eine Lanze brechen für die Bauten der 1950er bis 1970er Jahre, nicht nur für die Meistersingerhalle. Diese Bauten stehen allerorts, ergänzen in den Städten nach den Bombenangriffen des Zweiten Weltkriegs verlorene Substanz und treffen heute nur selten den Massengeschmack. Und oft fügen sie sich nur schwer in die Umgebung und vorhandene Ensembles ein. Und mit der Zeit immer weniger, denn zu Zeiten ihres Baus konnte ihre Modernität eine vorhandene Umgebung noch dahingehend kontrastieren, dass man diese Gebäude als leichtgewichtig, modern und in der Nutzung wie Technik zureichend empfand. Etliche dieser Bauten sind auch wieder verschwunden, dann, wenn sie wirklich kaputt waren, nicht mehr sinnvoll genutzt werden konnten, oder aber genug Geld (und Repräsentationsbewusstsein der „Lokalfürsten“) vorhanden war. Viele dieser Gebäude wurden aber auch unvorsichtig modernisiert, Fassaden wurden mit seinerzeit gängigen Elementen auf ein vermeintlich modernes Erscheinungsbild getrimmt, Interieur wurde durch modische Standardware ersetzt. Dass diese Modernisierungen zwar zweckmäßig sind, sich aber allzu oft mit der eigentlichen Architektur beißen, ist vielen dieser Gebäude noch abzuspüren. Und nicht weniger oft ist der Urzustand der Bauten nicht wiederherzustellen. Heute, in Zeiten klammer Kassen, ist diese Gefahr mitnichten gebannt: Gerade, weil es billig sein muss und schnell gehen soll, stehen viele Verantwortliche in der Verlockung, schnell und modern zu sanieren. Dabei könnte man aus Fehlern, die in den 1980er und 1990er Jahren begangen wurden, lernen.

Warum schreibe ich das alles? Weil ich damit ein wenig Sensibilität für die bald 50 Jahre Halle und ihre Schönheit schaffen will. Für eine Schönheit, die da ist, aber wiederentdeckt werden will. Eine Schönheit, deren Zutageförderung viel Liebe zum Detail benötigt. In den NN war hierzu dieser Tage zu lesen:

Das Problem der Meistersingerhalle bleibe, so der Nürnberger Hochbauamtsleiter Wolfgang Vinzl, dass sich die Architektur der 60er Jahre nicht mehr vermitteln lasse. Es ist eben 40 Jahre her, dass der Kunstprofessor Franz Winzinger in seinem Bildband über die Meistersingerhalle von der „asketischen Entsagung“ der Form schwärmte. „Das Gefüge dieses Baues wird von einer keuschen Logik beherrscht, deren schöpferischer Ausdruck sich vor allem in dem hellen Klang und der ,heiligen Nüchternheit‘ der reinen Maße offenbart.“ (Quelle)

Hier sehe ich die Gefahr. Ob man überhaupt jedem Architektur vermitteln kann, gerade in Zeiten von Pseudodokumentationen wie „Mieten, kaufen, wohnen“, darf erst einmal hinterfragt werden. Dass man die Architektur generell nicht mehr vermitteln kann, halte ich indes für einen naturalistischen Fehlschluss. Das ungleich ältere Opernhaus ist heute architektonisch quasi problemlos vermittelbar. Die Kaiserburg auch. Will und Herr Vinzl etwa sagen, dass man sich heute am zierratarmen Bild der Meistersingerhalle reibt? Dass sie inkompatibel mit unseren derzeitigen ästhetischen Vorstellungen ist? Das wird sich in fünf bis zehn Jahren ändern, in zwanzig Jahren ohnehin. Noch hat Beton ein Negativimage – man hat sich sattgesehen. In einigen Jahren, sofern nicht schon jetzt geschehen, haben wir uns an stahlgefassten Glasfassaden sattgesehen. Oder an den an Bullaugen gemahnenden runden Fenstern, mit denen man die oft so gewöhnliche Architektur der 1990er Jahre aufzulockern suchte. Das ist kein Argument gegen die Meistersingerhalle, sondern vielmehr ein Argument, den jetzigen Modernisierungsbestrebungen zu trotzen und eine vorsichtige Restaurierung zu wagen, wider jede Effekthascherei.

Es geht hier nicht um ein Erhalten überkommener Einrichtungen. Die abgewetzte und recht unbequeme Bestuhlung in ihrem seltsamen Blau kann man gerne entsorgen. Und ein in die Jahre gekommenes Klo auch mit dem Vorschlaghammer abzubauen und gegen zeitgemäße Sanitäranlagen zu ersetzen, kein Problem. Die in die Jahre gekommene Großküche darf man sicher komplett ersetzen. Und etwas neue Bühnentechnik und eine digitale Tonanlage sind ebenso kein Schaden – geschenkt. Aber ich warne vor einem Rückbau der Wandbilder, der verwucherten Außenanlagen. Den für Konferenzen dringend benötigten Empfangstresen kann man anschaffen – wegschiebbar sollte er aber sein, denn für Konzerte braucht man den nicht. Den Asphalt des Parkplatzes möge man ersetzen, neue Wegplatten vor dem Gebäude sollten aber den alten gleichen. Die Fassade würde ich unbedingt restaurieren und nicht erneuern. Kurz: Es wäre gelungen, wenn man die Sanierung nicht sähe, sondern nur fühlte, dass alles wieder gepflegt und in Ordnung wäre. Das hat nichts damit zu tun, dass ich hier um Willen eines „Retrocharmes“ jedes Detail erhalten wollte – aber wer bei zu vielen Details eingreift, wer nur durch Standardware ersetzt anstatt zu erhalten, was ist, raubt der Halle Stück für Stück ihre Identität. Das darf nicht um willen einer „leichteren Vermittelbarkeit“ – wie auch immer die aussehen soll, geschehen.

Wer jetzt der Halle den 2011er-Stil aufdrücken will, beraubt zukünftige Generationen um die Möglichkeit der Erfahrung von gelungenem Bauen im jungen Nachkriegsdeutschland. Die Meistersingerhalle kann hiervon noch Zeugnis ablegen – daran sollte man festhalten, jedem Zeitgeist in seiner Schnelllebigkeit trotzend.

Und hier noch einmal ein Link zur Nürnberger Zeitung – die Meistersingerhalle gestern und heute im Bild.

Nürnberg: Niedliche kleine Katzen in gute Hände abzugeben!

Heute sprach mich ein Kollege an, der drei kleine Kätzchen, gerade acht Wochen alt, abzugeben hat. Diese Kätzchen suchen nun ein liebevolles, neues Zuhause. Zwei von ihnen seht Ihr im Bild, vom driiten habe ich (noch) kein Foto:

Zwei Wochen dürfen die Stubentiger noch bei der Mutter bleiben, dann geht es ins neue Zuhase. Vielleicht in Deines?

Wenn Du ersthaft Interesse hast, ein Kätzche aufzunehmen, dann melde Dich in den Kommentaren, per Telefon unter (0151) 15 XX X XXX oder per Mail an blog[äät]fohrn[punkt]com. Ich stelle dann gerne den Kontakt zu Horst her. Die Kätzchen wohnen derzeit noch in Hilpoltstein, eine Vermittlung im Großraum Nürnberg, Fürth, Erlangen oder Schwabach ist kein Problem.

Natürlich sind die Kätzchen kostenlos abzugeben, hier geht es nicht ums Geld sondern darum, dass sie in gute Hände kommen. Die Kätzchen kommen übrigens mit dem Hund des Hauses wunderbar klar.

Spread the word! Horst hat schon drei Katzen, mehr geht einfach nicht. Es ist also (in gewisser Weise) dringend. Und wenn Du selbst kein Kätzchen aufnehmen kannst, dann sag´es einfach weiter, gerne auch per Twitter oder facebook.

DVB-T: Fernsehen gucken mit dem NOXON DAB Stick.

Mal ein kleiner Servicepost: Der NOXON DAB Stick von Terratec (hier und hier habe ich mal ein wenig darüber geschrieben) kann – viele haben es bereits vermutet – auch Fernsehen. Es scheint gar, als ob hier einfach ein DVB-T-Stick „umfunktioniert“ wurde.

Von @dxaktuell, dessen ganz hervorragendes Blog ich nicht nur allen Radiohörern herzlich anempfehle sondern das sich hier auch selbstverständlich in der Blogroll mit allen Respekt referenziert findet, bekam ich den Tipp, wie es geht:

Zuerst einmal installiert man einfach einmal die beigelegte Radiosoftware und die Treiber (ein Update der Software ist übrigens ratsam). Der Treiber für den Stick eignet sich auch für die Software „Terratec Home Cinema Basic“. Ist diese installiert, so wird als Quelle einfach der NOXON DAB-Stick gewählt. Nach einem Suchlauf (einen guten Empfang vorausgesetzt) steht dem TV-Vergnügen nichts mehr im Weg.

Die Software kann auf der Webseite von Terratec kostenlos heruintergeladen werden.

Die Version 6.22.00 läuft bei mir unter Win 7 Professional 64 Bit übrigens stabil und problemlos.

Alternativ kann man auch dien Windows Media Player einbinden. Und, so schrieb DL5RAZ auch den VLC verwenden, braucht dann aber eine Datei mit den Frequenzen (hier z.B.) – das habe ich allerdings nicht ausprobiert.

Damit wird – mit einer simplen Softwareinstallation – der eigentlich als Radioempfänger vermarktete Stick nochmal wertvoller.

TV-Tipp. Morgen, 20.45 Uhr, MDR: Simson – Fahrzeuge aus Suhl

Die Geschichte der Zweiradinsdustrie der DDR ist eine spannende. Ich erinnere mich da dunkel an eine hervorragende Doku über die MZs und nun kündigt der MDR eine halbstündige Doku aus der Reihe „Spurensuche in Ruinen“ an – über Fabrik und Fahrzeuge von Simson.

Quelle: Wikipedia, CC BY-SA, Foto: Stefan Kühn

Nach der Wende wurden ja – gerade im Berlin-Brandenburger Umland etlich „Schwalbenrennen“ gefahren. Heute ist das Kleinkraftrad nicht nur gesuchtes Sammlerobjekt sondern auch ein Statem,ent gegen Vespastyler und Chinaroller – und manchmal leider auch Hipsterschleudern.

Wer sich die Doku morgen reinziehen will, der schaue morgen einfach MDR. Hier gibts einen Text zur Sendung.

Nachtrag: Und wer es bis morgen nicht aushalten kann, für den gibts bei Youtube auch eine Doku über MZ – auch sehr sehenswert. Update 2.Juli 2017: Die Doku wurde leider „depubliziert“ – schade!

Schnell bevorraten!

Ab dem 1. September (und damit übermorgen!!) tritt mal wieder eine neue Stufe des EU-Regulierungsschwachsinns auf den Plan: Die 60-Watt Glühlampe (und aller stärkeren) dürfen nicht mehr verkauft werden. Grund hierfür sei angeblich, die energieuneffizienten Glühbirnen aus dem Verkehr zu ziehen und gegen zwar energieeffizientere – dafür aber durch Quecksilber hochgiftige und umso umweltzerstörender und schädlichere Energiesparlampen zu ersetzen.

Wer bei diesem Wahnsinn der EU nicht mittun möchte, hat noch bis übermorgen Zeit, sich mit den 60 Watt-Birnen einzudecken. Ich selbst rate, sich hiervon mal hundert Stück (oder mehr) auf Halde zu legen, die Dinger werden ja nicht schlecht.

Die richtige Antenne für DAB und DAB+ finden

Hier im Blog habe ich ja schon einiges zum Thema DAB und DAB+ geschrieben und nach dem Relaunch des Digitalradios in Deutschland finden sich auch etliche neue Geräte im Handel und in den Online-Shops. Mit Max habe ich Empfangsprobleme einmal persönlich, mit Hans hier im Blog diskutiert und nun ist es an der Zeit, mal etwas über Antennen für DAB(+) zu schreiben.

Zuerst einmal etwas Grundsätzliches: Auf welchen Frequenzen findet DAB statt?

Diese Frage ist recht einfach zu beantworten, wird sie aber so gestellt, ist die Antwort ungenügend. Ich erweitere daher die Frage und stelle Sie erneut: Auf welchen Frequenzen findet UKW, DAB(+) und DVB-T statt? Diese Frage ist wichtig für die Antennenwahl. Den UKW-Hörfunk beziehe ich in die Suche nach der richtigen Antenne mit ein, denn viele der DAB(+)-Radios haben auch ein UKW-Teil und etliche kleine Lokalsender sind nicht digital vertreten. DVB-T beziehe ich deshalb in die Betrachtung mit ein, weil unter Umständen eine DVB-T-Antenne (diese sind günstig und massenhaft erhältlich) zumindest helfen kann.

UKW wird im sogenannten Band II gesendet, also in einem durchgängigen Frequenzband von 87,5 – 108 MHz.

Hauptsächlich im Band III wird DAB ausgestrahlt. Hier sind die Frequenzen gerastert und reichen etwa von 174 bis 229 MHz, aber nicht durchgängig, sondern in eng definierten Blöcken (5A, 5B, 5C, 5D, 6A, 6B, 6C,… bis 12D). Eine genaue Zuordnung der Frequenzen zu den Blöcken findet sich hier.

Das war es aber noch nicht – es gibt neben dem Rundfunkband III auch das Rundfunkband L (für „Lokal“ bzw. „local“) für DAB. Hier spielt sich alles im GHz-Bereich ab, also von etwa 1452 bis 1479 MHz. Auch das L-Band ist gerastert, hier die Zuordnung der Blöcke zu einzelnen Frequenzen.

DVB-T wiederum passiert auf den Frequenzen des alten analogen Fernsehens, also auf VHF und UHF. Wer sich noch an die ollen Fernsehkisten erinnert, der weiß, das früher (besonders bei den Schwarzweiß-Geräten) VHF auch gerne als Band III bezeichnet war, ganz recht – DAB und das untere Fernsehband mit den Kanälen 5 bis 12 spielen sich also im selben Band ab, dass sie sich nicht „in die Quere“ kommen, liegt an der Rasterung. Jedem System sind bestimmte Frequenzblöcke zugewiesen, diese überschneiden sich teils auch, werden aber terrestrisch nicht parallel genutzt. Dies macht die Sache mit der Antenne für uns interessant – Fernsehantennen haben wir ja. Und dann gibt es noch UHF, das ist das Band IV und V von 474 – 858 MHz. Das ist für DAB jetzt nicht so interessant, kann bei der Antennenwahl aber dahingehend interessant sein, dass Fernsehanbtennen ja einen Range von mindestens 177 MHz bis 858 MHz empfangen müssen – das ist eine Menge! Hier eine genaue Aufstellung der Frequenzen von VHF und UHF.

Also: Für uns sind die Bänder II (UKW) und III (DAB und DVB-T) interessant. Und das L-Band?

Das sich im Bereich um eineinhalb Gigahertz bewegendende L-Band ist nach wie vor für DAB spezifiziert, praktisch hat es aber keine Bedeutung mehr. Früher war das anders: Im Band III wurden da die landesweit empfangbaren Stationen gesendet, im L-Band der Lokalfunk. Da gab es dann ordentlich Probleme: Im GHz-Bereich ist terrestrischer Rundfunk nur auf sehr kurze Strecken sinnvoll zu machen, es gab hier immer Probleme. Senderseitig Programme im L-Band in die Luft zu bekommen ist schon eine Herausforderung, empfängerseitig stellt sich hier wieder die Antennenfrage -. ich muss ja sowohl Band III und L mit am besten einer Antenne abbilden – das ist nur schwer und mit Kompromissen möglich, d. h. dass die verwendeten Antennen selten für das L-Band optimiert waren und daher gab es auch empfängerseitig immer wieder Probleme.

Kurz: Ausstrahlung im L-Band ist schwer empfangbar und wenig effizient. Schon heute spielt daher das L-Band kaum mehr eine Rolle, für die Verwendung von Hörfunk droht ihm die Bedeutungslosigkeit, im Ausland war es teilweise gar nicht spezifiziert. Früher habe ich daher davon abgeraten, ungeprüft Empfänger aus dem Ausland mitzubringen (vgl. hier) – heute hat das keine Bedeutung mehr. Daher ignoriere ich hier das L-Band, wer das nicht möchte, hat aber bei der Antennenwahl die Möglichkeit, sich eine Funkscannerantenne zu besorgen, damit dürfte der parallele Empfang von Band III und L leidlich funktionieren.

Unterschiedliche Antenneneingänge

DAB(+)-Radios haben entweder gar keine Buchse für eine externe Antenne, oder aber „Belling-Lee“- bzw. „F“-Buchsen. Die Belling-Lee-Buchse kennen wir vom analogen UKW-Tuner bzw. vom Fernseher her, hier sieht man diese typischen „Koaxverbinder“ mal im Bild. Die F-Verbinder kommen ursprünglich aus Nordamerika, hierzulande kennt man sie besonders aus der Satellitenempfangstechnik. Hier sieht man sehr gut, wie das kabelseitig aussieht (Stecker) und wie man so ein Kabel konfektioniert – ist gar nicht so schwer.

Manche Geräte mit einer Stabantenne, so zum Beispiel das Clint L1, verschrauben diese auf einer F-Buchse. Die Antenne kann dann abgenommen werden und der F-Anschluss für eine externe Antenne verwendet werden. Andere Geräte haben tatsächlich eine Belling-Lee-Buchse. Das ist sehr praktisch. Wer ein Gerät mit F-Stecker hat und Belling-Lee braucht, der findet gant billig Adapter. Mit zwei Steckern bzw. Kupplungen und einigen Zentimetern Koaxkabel ist sowas zudem im Handumdrehen selbst gebastelt. Und schon lassen sich an das Radio unterschiedliche Antennen anschließen.

Dann gibt es da aber auch noch Digitalradios, bei denen kein Anschluss für eine externe Antenne vorgesehen ist. Zuerst zu nennen sind hier natürliche etliche Kofferradios – aber auch Tuner für die HiFi-Anlage mit lediglich einer Wurfantenne habe ich schon gesehen. Selbst in optimal versorgten Gebieten genügt diese nicht immer – ich würde bei Geräten, die ausschließlich über eine Wurfantenne verfügen, derzeit Abstand halten wollen. Andere Geräte mit Stabantennen können am Aufstellungsort durchaus hervorragend funktionieren – müssen sie aber nicht.

Wer sich ein Digitalradio ohne externen Antennenanschluss kauft, sollte das so organisieren, dass er das Gerät am zukünftigen Aufstellungsort in aller Ruhe ausprobieren und wenn es mit dem Empfang nichts ist, auch wieder zurückgeben kann. Online bestellt, klappt das in der Regel, mit dem örtlichen Fachhändler muss man entsprechendes aushandeln.

Welche Antennen gibt es?

Wurfantennen sind insbesondere bei billigen Empfängern verbreitet. Sie können für den Empfang genügen, allerdings zeigen eigene Experimente, dass sie insbesondere dann ungenügend sind, wenn Sender von unterschiedlichen Standorten empfangen werden sollen.

Eingebaute Stabantennen kennen wir schon vom UKW-Kofferradio. Sie bringen dann einen Gewinn, wenn sie lang genug und gut ausrichtbar sind. Den Wurfantennen würde ich sie generell vorziehen. Für DAB(+) können diese durchaus ausreichend sein – je nach Empfangssituation.

DVB-T-Stabantennen sind in der Regel passiv, also ohne Verstärker, ausgeführt, länger als die eingebauten Stabantennen und können auch weiter entfernt vom Radio mit dem Kabel angeschlossen werden. Meist sind diese mit einem ausreichend dimensionierten Standfuß versehen. Der Vorteil hierbei: Man kann diese Antenne zum Beinspiel in Fensternähe oder erhöht aufstellen, das hilft oft. Der nicht gefaltete oder spiralförmig gebogene Stab sollte eine Länge von 30cm bis 40cm aufweisen.

DVB-T-Verstärkerantenne: Hier gibt es ganz unterschiedliche Typen – die Flachantennen sind Schmetterlingsdipole, der Antennengewinn ist meist sehr gut, allerdings hat man hier eine gewisse Richtwirkung, was nich in jeder Empfangsposition optimal ist. Flexibler lassen sich klassische Zimmerantennen (hier ein Beispielbild) ausrichten. Hier sollte aber unbedingt auf Qualität geachtet werden, denn dieser Antennentyp wird vielerorts gebaut, es gibt ihn seit Jahren und es ist auch etlicher Schrott dabei. Für besonders wichtig halte ich, dass sich die Verstärkung regeln lässt – denn eine zu hohe Signalverstärkung (über die „Sättigung“ hinaus) bewirkt das Gegenteil, der Empfang leidet.

Dachantenne: Es gibt für DVB-T und DAB geeignete Dachantennen. Hier ist so ein Beispiel. Schon eine Montage unter Dach nutzt viel, etliche dieser Antennen können auch auf dem Dach montiert werden. Das sollte man aber nicht selber machen, denn so eine Antenne braucht einen Blitzschutz und von Dach fallen ist auch nicht gesund. Mobilität ist mit so einer Dachantenne nicht gegeben – aber sie löst viele Empfangsprobleme. Man kann einen Verstärker zwischenschalten. Man kann mehrere Antennen oder eine zusätzliche L-Band-Antenne auf unterschiedliche Sender ausrichten und mit einem Diplexer die Signale zusammenführen. Kurz: Mit einer gut geplanten (Unter)Dachantenne lässt sich etliches bewegen.

Welche Antenne wähle ich an welchem Standort?

Bei dem bundesweiten DAB+-Angebot, kann es sinnvoll sein, sich zuerst einmal über die Empfangssituation klar zu werden. Auf digitalradio.de gibt es dafür ein Prognose-Tool: http://digitalradio.de/index.php/de/digitale-radioprogramme.

Für DAB nutzt ein wenig googlen. Oder aber die umfängliche internationale Datenbank von wohnort.org.

Ist die Abdeckung im gewünschten Empfangsgebiet geklärt, dann geht es an die Antennenauswahl. Bei einer prognostiziert guten Versorgung kann erst einmal Wurf-, Stab und dann auch eine passive DVB-T-Antenne versucht werden. Anderenfalls nutzt man eine Verstärkerantenne oder Außenantenne.

Experimentieren lohnt sich hier auf jeden Fall, denn je nach örtlicher Gegebenheit kann der Empfang deutlich besser aber auch deutlich schlechter als prognostiziert ausfallen.

Wie gut oder schlecht ist der Empfang bei DAB(+)?

Rein technisch gesehen ähnlich gut wie bei UKW, theoretisch. Denn UKW in Mono funktioniert selbst dann zufriedenstellend, wenn die Signalstärke für DAB nicht mehr ausreicht. Bei DAB+ sieht das ein wenig besser aus, weil hier die Fehlerkorrektur verbessert ist. Das schafft ein paar Prozent Puffer bei der Signalstärke. Derzeit (die volle Ausbaustufe ist bei DAB+ ja noch nicht erreicht) scheint mit der Empfang via DAB+ noch ein wenig kritischer als UKW.

Für einen guten Empfang gelten mehrere Bedingungen: Auf der einen Seite die Signalstärke, abhängig davon, wie gut ein Gebiet versorgt ist. Auf der anderen Seite spielt auch die Passung der Antenne und ihre Qualität eine bedeutende Rolle. Aber auch die Empfindlichkeit des Empfängers trägt zu einem guten Empfang bei. Und dann gibt es heute umfangreiche Störquellen, die man früher nicht hatte. PCs und Notebooks verursachen über ganze Spektren Störungen, Plasma-TV-Geräte tun ihr übriges und auch DECT-Telefone, manchmal auch Energiesparlampen oder sogar Faxgeräte verursachen Störungen. Hier also spielt auch der Aufstellungsort der Antenne eine Rolle, schließlich soll das Radiosignal und nicht der Störteppich empfangen werden.

Fazit

Von Seiten der Gerätehersteller muss noch ein wenig nachgebessert werden, damit das alles einfacher geht. Und auch eine Erhöhung der Sendeleistung und ein Ausbau des Sendenetztes ist in jedem Falle zuträglich. Dies muss m.E. passieren, damit DAB+ UKW ablösen kann. Zur Zeit allerdings sehe ich gute Ansätze. Wenn man bereit ist, ein wenig Zeit zu investieren und zu experimentieren, kann man schon heute mit DAB(+) viel Spaß haben. Antennen für DVB-T können helfen – sie sind in der Fläche verfügbar und billig, weil Massenware.

Hermes Paketzustellung. Wer kann, vermeide das.

Mal wieder etwas aus der Kategorie Service: Eine Stammleserin hat mir eine Mailkorrespondenz mit dem Paketdienst Hermes zur Verfügung gestellt, die so tief blicken lässt, dass ich Sie Euch – nur um persönliche Daten der Leserin gekürzt – nicht vorenthalten möchte.

Was ist passiert? Die Leserin beschreibt, dass sie immer wieder Probleme mit den Hermes.Paketboten habe, diese liefern ihr die Pakete nicht in den vierten Stock an ihre Wohnung sondern entweder gar nicht oder die Pakete werden im Erdgeschoss oder im ersten Stock abgegeben, obwohl die Leserin zu Hause wart (das lässt sich übrigens bezeigen).

Man muss im Netz nicht lange suchen, um solche oder ähnliche Beschwerden über Hermes zu lesen. Meine Stammleserin entschloss sich daher, Hermes einmal anzuschreiben und den Fall zu schildern. Sie schrieb am Montagabend:

Sehr geehrte Damen und Herren,gibt es in Ihrer Firmenpolicy eine Guideline die besagt, dass ihre Paketzusteller nicht bei Kunden klingeln und zustellen müssen, die im 4. Stock wohnen??? Oder haben Ihre Zusteller eine so straffe Taktung, welche ihnen eine ordnungsgemäße Zustellung unmöglich macht? Mir drängt sich diese Erkenntnis auf, da mich eine Warensendung – trotz Anwesenheit in meiner Wohnung – noch nie erreicht hat!

Ich erwartete heute dringend ein Paket (Paketverfolgungsnummer XXXXXXXXXXXX) für dessen Lieferung ich sogar ganztägig zu hause anwesend war. Das dies nicht selbstverständlich ist, muss ich hier meiner Meinung nach nicht näher erläutern! Der Pakethistorie online konnte ich heute morgen freudig entnehmen, dass ich im Laufe des heutigen Tages mit dem Paket rechnen könne.
Mein Wohnhaus ist direkt von der Straße zugänglich, es gibt keine verschachtelten Gänge, Hinterhöfe oder sonstige Labyrinthe die eine Zustellung unzumutbar machen könnten! Ich klebte sogar einen Zettel an die Klingel, das man es doch bitte “ heute ausnahmsweise“ auch mal versuchen solle – ich würde aufmachen.

Einmal mehr wurde mir heute bestätigt, dass bei mir noch nicht einmal der Versuch unternommen wird zu klingeln um mir das Paket persönlich zu übergeben.
Einem Hinweiszettel im Briefkasten musste ich dann entnehmen, dass ihr Zusteller bei mir war!?!?! Natürlich ist es ‚bequem‘ das Paket im nächstbesten Ladenlokal oder bei Nachbarn einer unteren Etage abzugeben. Meiner Meinung nach muss aber primär versucht werden, das Paket dem tatsächlichen Warenempfänger zuzustellen.

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle deutlich sagen, ich vermeide jede Warensendung über Ihr Haus – es war mir leider diesmal nicht umgänglich, da es der versendenden Firma nach Auftragseingang freigestellt ist, welchen Paketdienst sie beauftragt. Hätte ich dies vorher gewusst, hätte ich nicht bestellt, oder nach einer anderen Lösung gesucht, da ich aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen genügend berechtigte Zweifel über Ihre Zuverlässigkeit habe – und dieses Bild hat sich auch leider heute wieder bestätigt.

Ich würde mich freuen, wenn meine Reklamation zumindest Denkanstöße gibt.

Hochachtungsvoll

-Stammleserin-
Nürnberg

Nun sollte man erwarten, dass man bei Hermes dieser Beschwerde ordentlich nachgeht und auch der Kundin auch umfänglich Feedback gibt, warum die Zustellung wiederholt über Hermes nicht geklappt hat. Das wäre das Mindeste. Was Hermes aber per Mail drei Tage später per Mail verlauten lässt, kann man auch als ein klares „F**k you, nerviger Kunde!“ interpretieren. Hermes schrieb:

Sehr geehrte Frau X.,vielen Dank für Ihre E-Mail.

Es ist uns sehr wichtig, Ihnen einen einwandfreien Service zu bieten
und danken Ihnen für den Hinweis.

Wir sorgen dafür, die von Ihnen geschilderten Unannehmlichkeiten
zukünftig zu vermeiden, da uns die Zufriedenheit unserer Kunden sehr
am Herzen liegt.

Mit freundlichen Grüßen

HERMES LOGISTIK GRUPPE
Kundenservice
Name Sachbearbeiterin

Das ist ja mal interessant. Gemäß dieses Hermes-Schreibens dürfte es also bei meiner Stammleserin nie wieder zu Schwierigkeiten bei der Zustellung eines Hermes-Pakets kommen. Allein hier fehlt uns der Glaube.

In diesem Post liest sich das ganz ähnlich. Oder das hier – liest sich auch interessant. Schlechter Service ist bei Hermes wohl keine Ausnahme.

Ich selbst hatte auch immer mal wieder Ärger mit Hermes, daher bestelle ich grundsätzlich nicht bei Shops, die nur einen Versand mit Hermes anbieten. Der Grund ist einfach: Wenn ich es einem Webshop nicht wert bin, durch einen zuverlässigeren Paketdienst beliefert zu werden, dann bekommen die auch mein Geld nicht. So einfach ist das.

Ich höre jetzt schon das Wehklagen aller Amazon-Fanboys und -girls: Dort bestellt man etwas, ob man die Ware per DHL oder Hermes bekommt, kann man sich nicht aussuchen. Die Lösung indes ist ganz einfach: Wer sich bei der Packstation anmeldet, bekommt seine Lieferung in selbe per DHL. Wer das nicht kann oder möchte, der kann auch ganz einfach woanders kaufen.

Meine Stammleserin hat ihr Paket – so konnte ich heute in Erfahrung bringen – übrigens immer noch nicht. Kurz nach Annahme durch die Nachbarn sind diese vereist. Bravo, Hermes, gut gemacht…

1 … 43 44 45 46 47 … 119