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Kauft Google Palm?

Ich habe mich in diesem Blog ja schon des Öfteren als überzeugter Palm-User geoutet und so tut es mir richtiggehend leid, dass Palm trotz Pre und Pixi scheinbar immer noch nicht auf dem aufsteigenden Ast ist – im Gegenteil, es wird wohl eng.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass nun die Gerüchteküche brodelt, Palm wird als heißer Übernahme-Kandidat gehandelt. Wer wohl könnte Palm kaufen? Nokia?

Gizmodo hat einen sehr lesenswerten Artikel veröffentlicht, ein Statement von Phil Kearney, der einmal für Apple arbeitete und der spekuliert, dass Google palm übernehmen könnte – denn Google ist sehr reich, Palm ist für Google billig zu haben und Google muss was tun, denn schließlich werden die Android-Handys überwiegend von HTC hergestellt (und die batteln sich gerade mit Apple um Patente).

Ich kann die Argumentation von Kearney gut nachvollziehen. Aber was würde das für die User bedeuten?

Die Integration des pres mit einem Google-Account funktioniert ja schon jetzt – zu gut für meinen Geschmack, weil wirklich alles over the air mit den Google-Diensten (z.B. Mail, Calendar etc.).

Die Synchronisation des pres war nicht nur rechtlich sondern auch technisch immer eine recht hakelige Sache – so was will ich als Kunde, der 500 Euro für ein Telefon zahlt, natürlich nicht.

Es ist also vorstellbar, dass die Google-Dienste sehr sehr tief in das Telefon integriert werden – ein Grund, der mich bislang davon abhielt, ein Android-Telefon ernsthaft in Erwägung zu ziehen und ein guter Grund, Palm auf die Abschussliste zu setzen, wenn es soweit kommen sollte.

Die Datensammellei von Google kann irgendwann zur Katastrophe führen, nämlich dann, wenn Google gehackt wird oder dann, wenn sich Staaten dieser Daten bemächtigen. Bei einer Übernahme von Palm durch Google könnte das pre also ein immerwährender Spion im Dienste Googles in der Tasche sein.

Ich kann mir nicht gut vorstellen, dass ein palm-Googlephone das sein soll, was der Kunde will. Wer ein ore kauft, tut das in der Gewissheit, sich nicht mit den unsinnigen Limitationen des iPhones herumschlagen zu müssen und sich nicht zwingend an Google zu binden wie bei Android.

Nokia könnte ebensogut von Palm profitieren, denn letztlich sind deren Telefone sehr wertig, die Software stabil aber minderchic und der richtige Burner ist der Nokia-eigene App-Store namens Ovi auch nicht. Palm könnte für Nokia eine gute Akquisition sein und zudem verhindern, dass Palm allzu dreckig wird.

Es bleibt aus meinerSicht zu hoffen, dass sich Google Palm nicht unter den Nagel reißt, auch wenn es aus wirtschaftlichen Erwägungen sinnvoll wäre.

Milgram 2.0

1961. Der US-amerikanische Sozialpsychologe Stanley Milgram will es wissen: Sind Deutsche autoritätshöriger als andere Völker? Und ließe sich so erklären, warum so viele Deutsche den Nationalsozialismus mittrugen und sich von ihm zu schweren Verbrechen verleiten ließen? Milgram startet ein Experiment, dass, einem Theaterstück ähnlich, mit Schauspielern auf einer „Bühne“ – dem definierten räumlichen Versuchsaufbau – durchgeführt wurde. Nur ein Teilnehmer des Experimentes war nicht in das Setting eingeweiht – und um dessen Verhalten bzw. Reaktion ging es.

In Zeitungen wurde 1961 inseriert. Für eine im Dienste der Wissenschaft geopferte Stunde sollte der Proband vier Dollar bekommen. Etliche bewarben sich. An der Hochschule angekommen, wurde unter dem Schauspielern und dem echten Versuchsteilnehmer ein fingiertes Los gezogen, der echte Teilnehmer erhielt die Rolle eines „Lehrers“, der einem einen „Schüler“ verkörpernden Schauspieler – dieser befindet sich festgeschnallt auf einer Art elektrischem Stuhl – immer dann in der Stärke ansteigende Stromschläge mittels einem Schalterkasten verabreicht, wenn dieser bei der Wiedergabe vorher erlernter Wörter einen Fehler macht. Bei etwa 70 Volt beginnt ein Stromstoß – und reicht bis zu 400 Volt.

Was passiert?

(hier noch einmal der Link zum Video – Google-Videos lassen sich ja wirklich scheiße eibetten!! Und hier findet sich eine Zusammenfassung in unter drei Minuten)

Zweck des Experiments war, herauszufinden, wie weit Menschen unter dem Einfluss des autoritären Versuchsleiters und den Schmerzensschreien des Schülers bereit sind, einem Fremden Qualen zuzufügen. Das erschreckende Ergebnis aus dem Jahr 1961: Von 40 untersuchten Personen brachen 14 das Experiment vorzeitig ab, 26 Personen verabreichten den maximalen Stromstoß mit einer Spannung von 450 Volt.

Im Film I wie Ikarus (Frankreich, 1979) wird das Milgram-Experiment im Übrigen (zwar nicht zu 100 Prozent wissenschaftlich korrekt – aber) gut verständlich nachempfunden:

Knappe 50 Jahre später wird das Experiment in Frankreich wiederholt, mit einer wesentlichen Änderung: Statt der Autorität eines Wissenschaftlers wird die Autorität einer „Gameshow“ herangezogen. Der „Versuch“ wird wiederholt, allerdings in einem Fernsehstudio – vor Publikum. Der Versuchsaufbau ist dem des Originalexperiments sehr ähnlich.

81 Prozent der 80 „Kandidaten“ gingen, so wird berichtet, bis zum Letzten, waren also bereit, dem „Schüler“ den (in der Realität gegebenenfalls tödlichen) maximalen Stromstoß zu versetzen – und taten dies.

(Hier ein Video vom Stern, der die aktuelle Situation in Frankreich aufzeigt).

Der viel publizierte Schluss: Was beim Milgram-Experiment die Autorität des Wissenschaftlers (vgl. hierzu den o.g. Wikipedia-Artikel) abbildete und zu einem verheerenden Ergebnis führte, ist heute die Autorität des Apparates Fernsehen – und verleitet Menschen wie Du und ich zu unvorstellbarer Grausamkeit.

Wirklich?

Man ist angesichts der Tatsache, dass sich Menschen in einem Format wie Deutschland sucht den Superstar von einem Typen, der sich Dieter Bohlen schimpft, vor einem Millionenpublikum demütigen lassen, geneigt, diesen Schluss als richtig anzuerkennen.

Gestern hörte ich erstmals in der Früh von der Wiederholung des Milgram-Experiments auf B5. Und heute werden erste Zweifel laut: Telepolis will wissen, dass zumindest einige der Probanden „eingeweiht“ waren oder den hinter dem Originalexperiment stehenden Versuchsaufbau kannten. Man könnte meinen, dass sich die „Kandidaten“ ertappt fühlten, aber in Anbetracht der Tatsache, dass mir das Milgram-Experiment bereits in einer der ersten sozialpsychologischen Vorlesungen, die ich je hatte, serviert wurde und dass es in Filmen und in der Literatur reichlich bemüht wurde, kann ich mir das vorstellen.

Frankreich, so ist zu lesen, diskutiert. Das ist ein Gewinn – nicht nur für Frankreich, schließlich fand die Erstausstrahlung der „Show“ auf dem Sender France 2 ein internationales Medienecho. Ich gebe aber zu bedenken, dass für mich noch nicht abschließend geklärt ist, ob dem Fernsehen in der Tat so viel Macht zukommt, wie der Film glaubhaft machen will.

Nach wissenschaftlicher Kritik zum Milgram-Experiment muss man nicht lange suchen. Das irritiert mich selbst weniger, mehr aber irritiert mich, dass ein Experiment, dassder Faschismusforschung diente, kopiert wird, um die Machit des Fernsehens zu demonstrieren und zu hinterfragen. Es steht außer Zweifel, dass Massenmedien zur Zeit des Nationalsozialismus einen erheblichen Anteil an der Ermöglichung der Verbrechen hatten. Das Milgram-Experiment aber auf diesen einen Aspekt durch Umdeutung zu reduzieren, scheint mir zumindest unwissenschaftlich.

Kein auswechselbarer Akku!!

Diese Ripper!! Mac Essentials berichtet, dass Apple iPads, bei denen der Akku im Arsch ist, komplett austauscht, wenn nur der Akku aber nichts anderes (!) defekt ist. Soll dann 99,– USD zzgl. Versand kosten.

Das bestätigt wieder einmal alle meine Vorurteile:

  • wie kann man ernsthaft ein Mobilgerät ohne austauschbaren Akku herstellen? Bullshit!
  • ok, Apple will ja auch keinen Verlust machen (unterstelle ich jetzt mal). Bedeutet das, dass das ganze Ding dann keine 99,– USD wert ist?
  • Und wenn der Akku im Arsch ist und das IPad einen klitzekleinen Defekt aufweist, mit dem man leben würde? Bekommt man das iPad dann nicht getauscht (kein Witz jetzt, ich traue denen das zu! Meine Erfahrungen mit dem Apple-Hardwareservice ist, dass die unfähig, arrogant und sauteuer sind!)?
  • Hätte mir in den 1980ern/1990ern jemand gesagt: Wenn die Batterien deines Walkmans leer sind, schmeiß ihn weg, dann hätte ich den als absolute Umweltsau gebrandmarkt! Und was macht Apple hier? Sieht so „Green IT“ aus?

Denen brennt der Kittel!

Oh, Guido.

Der Kabarettist Volker Pispers hat es in einer der letzten „Anstalt“-Sendungen auf den Punkt gebracht: „Er habe“, so Pispers im ZDF, „schon lange keinen Politiker mehr gesehen, der so konsequent und ausdauernd gegen den Wind pisst, wie Herrn Westerwelle“.

Nun ist unser Außenminister, der sich ja in der letzten Zeit quasi ausschließlich um innere Angelegenheiten kümmerte, tatsächlich einmal auf Auslandsreise begeben. Und scheinbar (aber das kann ich ihm gar nicht verdenken) reist er nicht so gerne, jedenfalls hat er alles daran gesetzt, seinen Freund mitzunehmen.

Dafür, und für manches andere, musste Westerwelle Schellen von der Opposition einstecken – und im Einstecken ist er nicht besonders gut. Jetzt jammert er laut und offenbart hierbei all seinen kindlichen Trotz: „Es ist der Tiefpunkt der politischen Kultur, wenn die Opposition für ihre parteipolitischen Anliegen sogar Familienmitglieder des politischen Gegners attackiert“ jammert das Außenkasperl im bürgerlich-reaktionären Focus (und merkt dabei nicht, wie sehr er sich mehr und mehr und wieder und wieder der Lächerlichkeit preisgibt). Wie schlecht der Focus insgesamt ist, merkt man auch daran, dass man Westerwelle seinen Trotz ohne auch nur einen Hauch von Kritik auslebenlässt und sich der Focus somit auf das Bodenniveau begibt, auf dem der Außenkasperl grantig mit dem Fuß aufstampft.

Die ganze Veranstaltung kann an Peinlichkeit kaum überboten werden (und inzwischen wird es fast immer dort peinlich, wo Weseterwelle anwesend ist und das Maul aufmacht).

Er krakeelt etwas von einem „Tiefpunkt politischer Kultur“ und unterstützt Kabarettisten wie Herrn Pispers gerade tatkräftig beim Schreiben ihrer Programme. Doch wo ein Dummer brüllt, muss man nicht lange nach einem weiteren Dummen suchen, der sich bemüßigt fühlt, mitzbrüllen (das ist irgendwie wie im Wirtshaus: Wenn zwei besoffene Gockel die Kämme aufstellen, erheben sich schon drei Weitere aus ihren Stühlen, um mitzumischen. Meist endet so was in einer amtlichen Schlägerei). Gerade aufgestanden ist Sigmar Gabriel mit den Worten „rechthaberischer Schreihals“ auf den Lippen.

Gabriel ist übrigens einer der Sozialdemokraten, von denen Westerwelle nach eigenem Bekunden doch so verstanden wissen will: „In der Hartz-IV-Debatte schwenke jetzt auch die SPD auf seinen Kurs ein, weil sie merke, dass die Mehrheit der Menschen ihm folge.“ zitieren ihn die NN.

Wie blöd ist das denn?

Nur weil eine Hannelore Kraft sehr verzweifelt auf der Suche nach den populismusrosanen Tassen in ihrem Schrank ist, kann Westerwelle doch nicht folgern, dass er die SPD auf seiner Seite hätte. Und die Mehrheit der Menschen schon gar nicht – schließlich wurde bei der letzten Bundestagswahl schwarz/gelb zahlenmäßig überstimmt. Nur mit dem Koalieren hat es dann halt nicht geklappt…

Inzwischen hege ich aber einen ganz anderen Verdacht: Die FDP schickte möglicherweise Herrn Westerwelle mit dem Auftrag ins Feld, polternd in jedes sich bietende Fettnäpfchen zu sappen, damit der politisch gemeingefährliche Phillip Rösler heimlich, still und von der Öffentlichkeit unbemerkt unser Gesundheitssystem ruinieren kann. Im Feuerschatten des Westerwelleschen Zinnobers übt der nämlich die Salamitaktik:

Zuerst einmal soll eine Mini-Kopfpauschale mit Wer von 29 Euro eingeführt werden – „behutsam“ und „in kleinen Schritten“ soll dieses Instrument der Asozialpolitik eingeführt werden, wie das Handelsblatt wissen will. Und kaum ist dieser Betrag in den Medien in Randnotizen genannt, schon liegt das Dementi vor – aber eben nur ein bisserl.

Wir werden – das zeigt sich hieran schon wieder ganz deutlich – von der FDP verarscht, dass es besser nicht mehr geht.

Über die Inkonsequenz manches Nürnberger Polizisten (Oder: …But some are more equal than others II)

Heute Morgen fuhren in unserer Straße drei (!) Polizisten in einem Wagen Streife und schrieben, so gegen etwa 10 Uhr, einen Strafzettel für eine abgelaufene TÜV-Plakette aus. Das ist ok, wer die HU ablaufen lässt, muss eben löhnen.

Das mit der HU kommt in dieser Straße nicht besonders oft vor; wenn bei uns Strafzettel von der Nürnberger Polizei rausgeschrieben werden, dann in der Regel wegen einer anderen Ordnungswidrigkeit, nämlich dem Parken gegen die Fahrtrichtung.

Interessanterweise scheint beim Ausstellen der Strafzettel aber mit verschiedenerlei Maß gemessen zu werden. Es ist nicht so schlimm, dass ich von Willkür sprechen will, aber es ist doch auffällig, dass man bei manchen Beamten entgegen der Fahrtrichtung parken darf und bei anderen wiederum alles geahndet wird.

Ein wenig inkonsequent ist das schon.

Mir ist wohl klar, dass es einen deutlichen Unterschied macht, ob die HU abgelaufen ist oder man gegen die Fahrtrichtung parkt (für das eine bekommt man mit Pech einen Flensburger Punkt, das andere kostet 15 Euro). Aber darum geht es mir nicht:

Auf dem Handyfoto sieht man drei Fahrzeuge falsch und eines davon sogar im Parkverbot parken. Dem weißen Kleinlaster ist die Plakette abgelaufen. Er bekommt, als einziger, einen Strafzettel.

Man kann nun darüber spekulieren, was es mit dem Rechtsverständnis des Kleinlasterfahrers macht, wenn der zu seinem Fahrzeug zurückkommt und sieht, dass er ein Knöllchen hat, die anderen Falschparker aber nicht. Ich würde mich aber darüber ärgern, denn wenn mein Vergehen geahndet wird, andere Vergehen in unmittelbarer Umgebung und für jeden, auch für die Polizei ersichtlich, aber nicht, ist das ungerecht.

An und für sich ist es mir ja wurscht – im Umkreis vom Klingenhof und Ziegelstein gibt es, besonders an Wochenenden andere, wesentlichere Probleme als ein paar Falschparker oder eine abgelaufene HU. Und: „Isch gar kein Auto!“ Nichtsdestotrotz muss klar sein: Solche Aktionen sind nicht geeignet, das Vertrauen des Bürgers in unseren Rechtsstaat zu verbessern, und zur Beliebtheit der Nürnberger Polizei trägt sie auch nicht bei. Entweder alle – oder keinen. Und nicht selten ist Letzteres auch die schlechtere Alternative.

Oder anders ausgedrückt: Wenn ich bei Saturn einen mp3-Player für 50 Euro klaue und zeitgleich wird ein anderer erwischt, der eine Videokamera für 500 Euro geklaut hat, dürfte ich mir dann sicher sein, nicht zur Rechenschaft gezogen zu werden?

Superlux HD-660: Ein „ordentlicher“ Beyerdynamic-Fake

Kennt ihr den Beyerdynamic DT-770? Das ist ein geschlossener Kopfhörer, der im Studio aber auch beim Live-Monitoring quasi Standard ist.

Und was habe ich heute auf dem Schreibtisch? Einen DT-770? Nein, denn der ist mit seinen 170 Euro Straßenpreis selbst meinem Arbeitgeber zu teuer! Also musste eine Ersatzdroge her und nachdem in China scheinbar so ziemlich alles nachgefeilt wird, kommt hier nun das neueste Stückchen Technik im Podcaststudio in den Fokus: Der Superlux HD-660.

Hier handelt es sich um einen optisch zum Verwechseln dem DT-770 ähnlichen geschlossenen Kopfhörer. Guckt mal:

Das ist der Superlux.

Und das auch.

Und hier nun der echte DT-770 (Bildquelle: Flickr)

Da mein DT-770 schon zu Zeiten der guten alten Deutschen Mark ablebig geworden ist (da könnt ihr Euch vorstellen, wie lange das schon her ist und wie lange es den bereits gibt) kann ich keinen sinnvollen Vergleich anstellen – ein Vergleich aus einer gerne zehn Jahre zurückliegenden Erinnerung taugt bekanntermaßen nicht viel. Dennoch muss ich dem Superlux einige positive Eigenschaften zusprechen, die auch den Beyer auszeichnen (mit dem Unterschied, dass der Superlux selten teurer ist als 50 Euro, ich habe ihn für 33 Euro inkl. Versand gekauft).

Der HD-660 ist ein geschlossener Kopfhörer und wird als solcher gerne von Drummern verwendet, die aufgrund des durch ihre Schießbude entstehenden Schallpegels mit einem offenen Hörer nichts anfangen können. Weiterhin eignet sich ein solcher Kopfhörer für Live-Mixing oder von einem sehr empfindlichen Mikrofon. Der HD-660 ist keine Wucht im Bassbereich und hohe Transparenz erwarten darf man davon auch nicht (all dies beherrscht das Original von Beyer spielend!), aber er ist der billigste geschlossene Kopfhörer überhalb der „Akzeptabel“-Grenze, den ich kenne. Und er ist in der Lage, ordentliche Schallpegel verzerrungsfrei darzustellen (dynamische Kapseln, 96db per mW (!!) und 100mW Leistungsaufnahme an 150 Ohm).

Der Klang ist wie gesagt im Bassbereich etwas dünn, im Mittenbereich kann er besonders im Sprachbereich durch eine Natürlichkeit aufwarten, die in dieser Preisklasse ihresgleichen sucht und bei Jazz sowie House macht er ebenfalls einen guten Eindruck im Mittel- und Hochtonbereich). Die Hochtöne insgesamt sind für meinen Geschmack aber deutlich hörbar verwaschen, zu weich. Soweit ich ihn aber ausprobieren konnte, neigt er gar nicht zum zischen. Hieran ist aber auch erkennbar, dass er für echte Monitoringzwecke nicht taugt. Linear ist da nämlich nix!

Mir kommt es vom Klang ein bisschen so vor, als ob ich einen ordentlichen HiFi-Kopfhörer in Händen halte, der mit heftigen Schallpegeln klarkommt. Aber: Der HD-660 ist trotzdem ein Preisbrecher, der im Projektstudio Verwendung finden kann – beim Einsingen und Einsprechen und zur groben Kontrolle. Auch im Proberaum oder als Zweithörer am Pult könnte ich ihn mir echt gut vorstellen. Wenn ich in lauter Umgebung was schneiden muss, dann habe ich am gut dämmenden HD-660 mehr Freude als am K240 Monitor. Der klingt besser, schließt aber nicht (weil halboffen).

Der Tragekomfort ist, trotz der Tatsache, dass der Anpressdruck der Ohrmuscheln 3,5N beträgt, echt ok. Er sitzt straff und umschließt das Ohr recht eng, trotzdem lässt er sich zwei Stunden lang gut tragen, ohne unangenehm aufzufallen.

Ist er eine Alternative zum Beyer? Im Preis auf jeden Fall. In der Linearität auf keinen Fall. Fürs Monitoring eignet er sich schlichtweg nicht, für alle Anwendungen auf Projektniveau, die ein geschlossenes System erfordern und ungleich Monitoring sind, ist der China-Fake allerdings eine Überlegung wert.

Hier ist er auf der Superlux-Webseite zu bewundern. Hier gibts ein Datenblatt. Und wer kurz was zum Lachen möchte, der kann sich ja mal die Unternehmenspräsentation reinpfeiffen.

Welche Hausaufgaben?

Dieser Sarrazin. Soll ich den noch ernst nehmen?

Thilo Sarrazin will Eltern, deren Kinder die Hausaufgaben nicht gemacht haben, das Kindergeld kürzen. (süddeutsche.de)

Wenn es das früher gegeben hätte, dann hätten wir jetzt einen Arsch voll Schulden, schließlich habe ich nur sehr selten diese überbewerteten Hausaufgaben gemacht.

Die katholische Kirche klärt rückhaltlos auf? Sie mahnt ungeniert ab!

Und kommt so bestimmt nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Und mit was? Mit Recht. Vorab merke ich an: Wenn ich Mitglied der katholischen Kirche wäre, dann hätte sich das am Wochenende erledigt.

Der Grund ist recht einfach: Telepolis berichtet mit der Schlagzeile „Vom Kinder- zum Abmahnmissbrauch?“, dass ein Priester aus dem Bistum Regensburg nun Abmahnschreiben gegen missliebige Blogger versenden lässt.

Einmal kotzen gefällig?

Monika P., die in der Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern ehrenamtliche tätige Vermittlerin, sagte dem Blatt, dass sich die Haushälterin eines Priesters vor sieben Jahren mit der Information an sie gewandt habe, dass dieser sich einen minderjährigen „Ziehsohn“ gehalten habe, der „auch im Schlafzimmer“ ein- und ausging. Zudem soll der Geistliche regelmäßig „Buben“ vom tschechischen Straßenstrich aufgesucht haben.

Und weiter:

P. schickte die Frau zum Ombudsmann des Bistums Regensburg. Einige Tage darauf ging ein Abmahnschreiben eines von dem verdächtigten Pfarrer beauftragten Anwalts bei ihr ein. Mittels einer durch eine hohen Vertragsstrafe bewehrten Unterlassungserklärung sollte sich P. dazu verpflichten, die Vorwürfe (die sie nach eigenen Angaben gar nicht selbst äußerte) nicht zu „wiederholen“. Auch der Haushälterin wurde eine Unterlassungserklärung vorgelegt, die sie unterzeichnete. Der betroffene Geistliche blieb bis jetzt in Amt und Würden.

So ist es in oben genanntem Artikel, der sich auf die Berichterstattung der Süddeutschen bezieht, zu lesen.

Und auch gegen Blogger wird vorgegangen. Bei Nerdcore (via fefe) ist zu lesen:

Gestern machte die Süddeutsche Zeitung bekannt, wie ein katholischer Würdenträger aus dem Bistum Regensburg Hinweise auf Kindsmissbrauch mit Abmahnungen erstickte. Der Fall eines Marburger Bloggers deutet darauf hin, dass dies kein Einzelfall gewesen sein könnte. […] Weil angeblich eine aus [einem Handelblatt-] Artikel übernommene Behauptung nicht stimmt, erhielt Zapf von einer nach eigenen Angaben vom Bistum Regensburg beauftragten Münchner Rechtsanwaltskanzlei eine kostenpflichtige Abmahnung.

So also sieht die vielzitierte „rückhaltlose Aufklärung“ auf katholisch aus. Es ist kaum auszuhalten.

Die Blogosphäre tritt natürlich nach – und so titelt beispielsweise Burkhard Schröder „Kinderschänder-Organisation mahnt Blogger ab„, hier setzt man sich unter dem Titel „Skandalsumpf katholische Kirche“ unter anderem mit dem Nutzen eines runden Tisches oder einer Gesetzesverschärfung wider die Verjährungsfrist sexueller Gewalt gegen Kinder auseinander.

Ist Euch schon schlecht? ich setzte gerne noch einen drauf: Auf der Internetseite „kreuz.net – katholische nachrichten“ ist in einem Artikel vom 28 Februar dieses Jahres zu lesen:

Die Kirche wird heute mit Kinderschändereien in Zusammenhang gebracht, weil sie die einzige gesellschaftliche Institution ist, die diese ohne Wenn und Aber ablehnt.

Ohne Wenn und Aber?

Und weiterhin wird unter der Überschrift „Keiner rührt die Kinderschänder-Partei an“ (gemeint sind die Grünen!) behauptet, dass Cohn-Bendit den Kinderschändern das Wort rede:

Der deutsch-französische Europagrüne Daniel Cohn-Bendit (64) hat viel Freude an Mädchen unter fünf Jahren.
Er und seine Partei sind in der Vergangenheit als eifrige Verteidiger der Kinderschänderei aufgetreten.

Hinter kreuz.net steht im Übrigen nicht die Amtskiche sondern irgend eine Vereinigung aus – erratet ihr´s? – richtig! – Ammiland (wen wundert´s). Auf der Seite wird auch erklärt, wer hinter kreuz.net steckt:

‘kreuz.net’ ist die Initiative einer internationalen privaten Gruppe von Katholiken in Europa und Übersee, die hauptberuflich im kirchlichen Dienst tätig sind.

Also „Amts- und Würdenträger“! Es ist auch eine Strategie, von den durch katholische Priester begangenen Verbrechen abzulenken, in dem man einfach das Gegenteil behauptet und dann versucht, diese den Grünen in die Schuhe zu schieben (ein Beweis wird bei „kreuz.net“ nämlich nicht angetreten, die zitierte Sendung aus den fühen 1980er Jahren steht nämlich nicht ungekürzt im Netz sondern wurde – das ist ganz offensichtlich – auf eine Länge von unter zwei Minuten zusammengeschnitten; der Kontext ist nicht mehr erkennbar).

Ich bin kein Leutheusser-Schnarrenberger-Fan. Und doch finde ich es hochanständig von ihr, dass sie die katholische Kirche unnachgiebig ermahnt, sich anständig an der Aufklärung der durch ihr Personal begangenen Verbrechen zu beteiligen. Darüber freut sich der Regensburger (!) Bischof Gerhard Ludwig Müller, dem das Wasser bis zum Halse steht, nicht (wie hier nachgelesen werden kann). Statt sich in Demut zu üben und endlich transparent darzulegen, was in seinem Bistum so alles passiert ist, greift er die Bundesjustizministerin harsch an.

Was bitte soll ich davon halten?

Mein Mitleid gehört übrigens allen gläubigen Katholiken, die sich vor den Schweinereien ihrer Amtskirche ebenso entsetzen, wie viele andere Christen und Nichtchristen und auch ich – und deshalb in einen Gewissenskonflikt über den Umgang mit ihrer Kirche geraten. Das stelle ich mir nicht leicht vor. Ich habe – da ich Protestant bin, möge man mir das nachsehen – mich im Februar zu diesem Thema nicht geäußert, weil es ja nicht meine Kirche ist und der katholischen Kirche die Chance gegeben sein muss, innerhalb ihrer Organisation die Täter ausfindig zu machen, diese vor ein Gericht zu stellen und sie auch selbst zu bestrafen. Dieses Post schreibe ich, weil ich mich des Eindrucks nicht mehr erwehren kann, dass einige namhafte Vertreter dieser Organisation daran kein Interesse haben und stattdessen Angriffe fahren. Das ist schlicht nicht hinzunehmen.

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