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Wirtshaus-Explorer: Mam Mam Burger Nürnberg – nicht schlecht. Aber auch nicht wirklich gut.

Zweierlei vornan: Burgerläden schießen wie Pilze aus dem Boden, gerade in Nürnberg. Ich bin wirklich überrascht, welcher Hype um Burger gemacht wird. Das Phänomen ist aus Berlin bekannt, dort trendete der Burger – vor fünf Jahren. Es braucht halt immer ein bisschen Zeit, bis sich ein Trend in die Provinz verirrt…
Weiterhin: Ich habe an Gastronomie generell einen gewissen Mindestanspruch. Zu diesem zählt die Wertschätzung des Gastes. Einen Gast auch als solchen zu behandeln, bedeutet, ihn zu bedienen. Wer von mir verlangt, dass ich mein Essen und Getränk an einer Theke hole – der begibt sich auf das Niveau diverser Systemgastronomieketten – und hat mich folglich als Gast nicht verdient. Ich gehe aus freien Stücken nicht in diese Läden. Ich hatte das im letzten Jahr einmal in Köln in einem Hipster-Laden, das brauche ich nicht wieder. Wenn die Hipster darauf stehen, dass man mit ihnen schlecht umgeht, ihr Problem, nicht meins. Infolgedessen werdet ihr hier auch keine Kritik eines „Thekenladens“ lesen, denn das ist unterhalb der Kritik.

Es ist gar nicht so leicht, einen Burgerladen zu finden, in dem man noch anständig bedient wird. „Mam Mam Burger“ in der Tetzelgasse ist so ein Laden. Zwar steht in der Lokalzeitung Gegenteiliges, wir aber wurden am Platz bedient, wie es sich gehört – nicht nur freundlich, sondern herzlich. Der Service ist schnell, verbindlich und freundlich – man fühlt sich als Gast im puristisch gestalteten Burgerladen auf jeden Fall wohl. Eine Facebook-Kommentatorin schrieb: „Ich hatte das Gefühl, dass ich in einer Garage sitze. Es ist kein richtiger Fußboden verlegt.“ Mir ist das egal, ich saß gut und komfortabel an den langen Holztischen und das Wichtigste: Als wir den Laden verlassen haben, hat unsere Kleidung nicht nach Imbissbude gestunken – einwandfrei.

MAM-MAM-Burger_Nürnberg

Ebenso puristisch wie der Laden ist auch die Speisekarte: Es gibt Hamburger und Cheeseburger – gerne auch als Double, zwei Sandwichvarianten und Brownies. Dazu diverse Zutaten und Toppings. Und als Beilage: Pommes, hier heißen sie „Fritten“. Zu trinken: Milchshakes, die Softdrinks bestehen im Wesentlichen aus dem Fitz-Limo-Sortiment. Das ist arg gewöhnlich, aber ok. Bier? Augustiner. In Franken ist das, gelinde gesagt, eine Schande. Franken hat so viele gute Biere zu bieten, wer in Nürnberg Augustiner ausschenkt, den klage ich der Phantasielosigkeit an. Ein passionierter Biertrinker war das sicher nicht.

Wir bestellen zwei Cheeseburger, dazu Fritten und zwei Fritz-Getränke (0,33 l). Für die Cheeseburger werden je 5,50 Euro aufgerufen, die Fritten schlagen mit je 2,75 Euro zu Buche, das Fläschchen Fritz kostet ebenfalls 2,75 Euro. Und so sieht unser Menü dann aus:

Menü_Mam-Mam-Burger_Nürnberg

Die Pommes sind handgeschnitten und – so sagt ein Schild – zu 99 % frei von Transfetten. Das ist zwar nett, fettig waren die Pommes aber trotzdem, halt nicht transfettig, aber prima gewürzt, und so sind sie auch essbar, obwohl sie alles andere als kross auf dem Teller liegen. Der Burger ist, gemessen an den Erwartungen, die man mit dem Preisschild von 5,50 Euro erzeugt, winzig. Die Burgersoße ist hervorragend, das Fleisch wäre es an und für sich wohl auch, leider war es bei uns viel zu „kohlig“ gegrillt und damit deutlich zu bitter. Der weitere Belag schmeckte frisch, das Bun war ausdruckslos, latschig und industriell uninspiriert. Es wurde uns also ein viel zu kleiner Cheeseburger serviert, der handwerklich halbwegs ok war, wegen des halbverbrannten Fleisches und des langweiligen Brötchens aber allenfalls durchschnittliche Qualität aufweist. Man kann ihn essen, aus dem Haus muss man für so einen Burger aber nicht. In der Königsdisziplin eines Burgerladens wird im „Mam Mam Burger“ zwar nicht völlig versagt, das was auf dem Teller liegt, ist aber bei weitem nicht der Reißer.
An den Sandwiches habe ich mich nicht versucht, ebenso nicht am Brownie – hierüber kann also kein Urteil gefällt werden.

Mein Fazit: Typischer „average“ Burgerladen. Service und Sauberkeit sind top, der Burger und die Fritten Mittelmaß. Das Ambiente ist einfach, ehrlich und stimmig. Alles okay, aber eben nichts Besonderes. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist inakzeptabel.

 Mam Mam Burger, Tetzelgasse 21, Telefon: (0176) 24939158.

Wurde die Nürnberger U-Bahn gehackt?

Wer vorgestern den Report aus München im ersten Programm gesehen hat, der mochte seinen Augen nicht trauen: Eine U-Bahn in „einer deutschen Großstadt“ wurde demonstrationshalber von einem Herren namens Marco di Filippo gehackt – oder scheinbar doch nicht, so genau weiß man das nicht. Zweck der Übung war es, zu demonstrieren, wie verwundbar wichtige Infrastruktur für islamistische Angriffe eines „Cyber-Terrorangriffs“ sei. Bei der U-Bahn, die als Demonstrationsobjekt herhielt, handelte es sich um die Nürnberger U-Bahn, genauer: Ziel des Angriffs war die Steuerung der vollautomatischen, fahrerlosen U-Bahnen der Linien 2 und 3.

Der Bericht ist übrigens auf den Seiten des Bayerischen Rundfunks zu sehen.

Bevor ich mich mit der VAG beschäftige, möchte ich einmal etwas auftrennen, was in meinen Augen nicht ursächlich zusammenhängt, nämlich den islamisch motivierten Terrorismus auf der einen Seite und die Angreifbarkeit von Infrastruktur – sofern ihre Steuerung vernetzt oder fernwartbar ist – auf der anderen Seite: Beides hängt nicht zwingend zusammen, denn der reine Umstand, dass ein technisches Netzwerk immer angreifbar ist, hat noch nichts mit der Motivation des Angreifers zu tun. Insofern sehe ich auch nicht, dass die Nürnberger U-Bahn ein besonders beliebtes Angriffsziel sein sollte, warum auch?

Interessant ist für mich noch ein anderer Aspekt: Wenn jemand „aus Hackerkreisen“ eine entsprechende Demonstration fährt, dann ist, aller Erfahrung nach, zuallermeist mindestens einer der folgenden zwei Punkte gegeben, die dem Demonstrationsgegenstand innewohnen: Entweder ist das Demo-Objekt leicht zu hacken oder aber der Hack ist echt spektakulär. Zu letzteren Fällen zähle ich auch Hacks, die für sich genommen keine per se spektakulären Objekte betreffen, sondern Objekte, die vielverbreitet, omnipräsent sind. Nun kann ich an dieser Stelle nur mutmaßen, allerdings drängt sich mir die Frage auf, ob im Falle der Steuerung der fahrerlosen U-Bahn in Nürnberg nicht tatsächlich beides der Fall war. Wer den entsprechenden Bericht der Nürnberger Zeitung zwischen den Zeilen liest und das Video des BR mitsamt den Kommentaren von Herrn Filippo einmal aus dieser Perspektive auf sich wirken lässt, der könnte unter Umständen zu so einem Schluss kommen.

Zahllose computerbasierte Systemsteuerungen seien so schlecht gesichert, dass sie von außen problemlos angegriffen, ja übernommen werden könnten. (Quelle: NZ)

Das für sich genommen ist nichts Neues; dass es die Nürnberger U-Bahn getroffen hat, ist angesichts der Komplexität ihrer Steuerung aber auch nicht verwunderlich. Je komplexer eine Steuerung ist, je mehr Hierarchien auf diese Steuerung zugreifen können, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Angreifer eine Sicherheitslücke findet und zu nutzen versteht. Die möglichst exakte und kleinteilige Fernwartbarkeit und ein möglichst lückenloses Monitoring begünstigen genau diesen Umstand.
Und: An dieser Stelle muss ich leider etwas ätzen: Schon bei Stuxnet war es eine Siemens-Steuerung, die Kern des Angriffs war. Und im Video zu sehen ist die Softwaresteuerung einer Simatic. Ich gehe davon aus, dass man beim BR so sorgfältig arbeitet, dass das keine „Symbolscreenshots“ waren.

Über die Reaktion der VAG wundere ich mich sehr. Ich kann das Beschwichtigen der Pressesprecherin nicht verstehen. Eine gute Krisen-PR sieht erst mal anders aus, außerdem ist auch die VAG vor einem generell existierenden Problemkomplex nicht gefeit. Dies einfach zu behaupten, trägt im Übrigen nichts zur Erhöhung der Sicherheit bei. Ich hätte mir als Statement seitens der Verkehrsbetriebe erstens ein klares Bekenntnis zu in solchen Fällen einzuleitenden unabhängigen Audits von absoluten Profis erwartet (nicht nur von VAG-Leuten, Betriebsblindheit, wissenschon, sowas muss extern bearbeitet werden). Ich hätte weiterhin erwartet, dass man Herrn di Filippo – öffentlich – einlädt und ihn seinen Hack seine Simulation demonstrieren lässt. Zudem hätte ich mir die Demut gewünscht, einzugestehen, dass es eine wirklich sichere Anlagensteuerung nicht geben kann. Nichts dergleichen ist passiert. Stattdessen wird die VAG-Pressesprecherin wie folgt zitiert:

Er hat uns nicht gehackt. Dies wäre auch strafbar. (Quelle)

Ohgottohgottohgott!! „Dies wäre auch strafbar“ – einmal Naivität für 500, bitte! Der BR zeichnete im Groben folgendes Szenario: Wir sind von islamistischem Cyber-Terror verwundbar, weil unsere Infrastruktur angreifbar ist (wie gesagt, ich halte das für einen Fehlschluss, wir sind nicht von Islamisten allein angreifbar, wir sind von jedem angreifbar, der die Technik beherrscht – und darunter fallen logischerweise als Teilmenge auch Islamisten, klar). Dem cyber-terrorisierenden Taliban, liebe VAG, dürfte es allem Ermessen nach scheißegal sein, ob dies auch strafbar wäre.

Um gleich dem nächsten Fehlschluss hinterherzusteigen: Der NZ-Journalist resümiert am Ende seines Artikels:

So oder so: Viele kommunale IT-Systeme sind offenbar sehr verwundbar. Ob die U-Bahn-Steuerung VAG dazu- gehört, die Kraftwerks-Steuerung N-Ergie oder gar die Stadt Nürnberg selbst, bleibt vorerst offen.  (Quelle)

Wieso? Wieso sollen gerade die kommunalen Systeme sich für derartige Angriffe besonders anbieten? Was hat das Kraftwerk der N-ERGIE oder gar die Stadt selbst nun mit den (möglicherweise vorhandenen) Sicherheitslücken der RUBIN-U-Bahn zu tun? Ich sehe da keinen zwingenden Zusammenhang. Ich bin tatsächlich der Meinung: Es kann leider jeden treffen. Wichtig ist, seine eigene Security auf möglichst hohem Niveau zu halten, um nicht die grinsende Beute potenzieller Angreifer zu werden. Wichtig ist auch, zu begreifen, dass IT-Sicherheit ein prozesshaftes Ding ist und tagtäglich erstritten und gewahrt werden will.

Weiterhin: Wirklich kritische Infrastruktur gehört, auch wenn die Alternative im Zweifel sauteuer ist (z.B. Standleitungen), einfach nicht ans Internet. Und auch nicht zwingend ans öffentliche Telefonnetz (Anachronismusalarm! Das öffentliche Telefonnetz ist ja quasi das Internet. Ich prangere das an, ernsthaft!). Der Aufwand, den dann ein Angreifer betreiben müsste, wäre nämlich ungleich höher und würde auch die Anwesenheit des Angreifers vor Ort voraussetzen, was Ergreifbarkeit oder Verhinderung ermöglicht und für den Angreifer ungleich höhere Risiken mit sich bringt. Einfach nur zu behaupten, die eigenen Systeme seien sicher, bringt: Nichts.

Btw.: Ich bin kein IT-Sicherheitsexperte. Das, was ich hier zum Thema IT-Sicherheit fallen lasse, sind allgemein anerkannte und ganz basale Axiome. Sie sind so geläufig, dass sie schon fast wie Plattitüden wirken. Ich bin mir dessen vollauf bewusst. Umso mehr erschreckt es mich, dass dieses Basiswissen weder bei den Damen und Herren Journalisten noch bei Unternehmen wie der VAG gesetzt ist. Vielleicht ist ja genau dieser Umstand die eigentliche, gravierendere Sicherheitslücke.

Update, 17.01.2015, 17:40: Der Herr Felme von der Stadt Nürnberg hat’s übrigens begriffen.

Braunes Trinkwasser in Nürnberg – N-ERGIE mauert.

Bereits seit zwei Monaten wird im Nürnberger Süden das Wasser gechlort. Dies sei eine Sicherheitsmaßnahme, wegen „gelegentlicher und geringer mikrobiologischer Belastung“, wie die NN berichtet. Woher die Verkeimung kommt, ist bis heute nicht bekannt (oder nicht öffentlich genannt – was weiß man schon). An den Zustand haben sich die Südstädter schon fast gewöhnt – mal riecht das Wasser mehr, mal weniger nach Chlor. Auch in den Nürnberger Norden soll einmal gechlortes Wasser geleitet worden sein.

Ein ganz anderes Problem hat man im Norden indes mit der Färbung des Wassers: Aus den Stadtteilen Johannis und Maxfeld wurde von braunem Leitungswasser berichtet. Kurzzeitig auftretendes braunes Wasser kennt wohl jeder – wenn die Wasserversorgung für kurze Zeit unterbrochen wird, reicht schon das erneut wieder in die Rohre einströmende Wasser, um Rostpartikel und Ablagerungen von den Rohrinnenwänden abzusprengen. Wenn gebaut wurde (auch in den Häusern), findet sich auch gerne etwas Erde, Schlamm oder Ziegelmaterial im Wasser. In der Regel ist das wohl unbedenklich, kann aber Perlatoren und die Siebchen von Haushaltsgeräten in kurzer Zeit so zusetzen, dass kein Wasser mehr durchfließt.

Am Samstag, Sonntag und auch am Montagmorgen war in einigen Teilen der Nordstadt das Wasser jedoch jeweils für mehrere Stunden braun gefärbt und habe nach Angaben der Regionalzeitung auch nach Schlamm gestunken. Inzwischen wisse man aber, dass das Wasser gesundheitlich unbedenklich sei.
Auch hier wurde der Grund der Verunreinigungen bisher nicht offengelegt.

Und als ob das nicht genug wäre, wurde nun auch noch festgestellt, dass das Nürnberger Trinkwasser in erhöhtem Maß Hormone, Kontrastmittel und Antibiotika enthält. Was macht die N-ERGIE? Sie wiegelt ab.

Für sich genommen ist jeder der Vorfälle erträglich und erduldbar. Im Grunde ist es ja gut, wenn bei Keimbelastung das Wasser gechlort wird. Auch vereinzelt und nur kurz auftretendes braunes Wasser würde mich jetzt nicht allzu sehr sorgen. Dass unser Trinkwasser Umweltgifte und Medikamentenrückstände enthält, weil immer mehr Arzneimittel für Mensch und Tier verschrieben werden, weiß der aufgeklärte Verbraucher eigentlich auch (aber: Was hindert uns eigentlich, ebensolche Filter zu erproben, wie in BaWü oder NRW?). Diese Fälle nun zu einem Skandal hochjazzen zu wollen, hielte ich für unangemessen.

Ein handfester Skandal hingegen ist der Umgang der N-ERGIE mit dem Thema: Obschon am Sonntag die Gründe der Verunreinigung des Wassers nicht bekannt waren und auch die Laborergebnisse ausstanden, las man auf nordbayern.de:

Der stellvertretenden Pressesprecherin der N-Ergie, Heidi Willer, war am Sonntag zunächst „nichts von Trübungen bekannt“. Es könne sich jedoch noch verunreinigtes Wasser von Samstag in den Hausleitungen befinden. Sie rät Kunden deshalb, „das Wasser laufen zu lassen, bis es wieder klar ist“. Danach könne es bedenkenlos getrunken werden.

Auf der einen Seite will man im Hause N-ERGIE nicht wissen, wieso man kein einwandfreies Trinkwasser zu liefern imstande ist, auf der anderen Seite rät man zum bedenkenlosen Trinken des Wassers nach Ablaufenlassen* des braunen Wassers.

Es kommt aber noch dicker: Die Nürnberger Nachrichten versuchten am Sonntag freilich nachzufassen:

Als wir am Sonntag nachhaken wollen, ist lediglich die Störstelle des Unternehmens zu erreichen. Diese verweist mit den Worten „von mir erhalten Sie definitiv keine Auskunft“ an die Pressestelle, die zu diesem Zeitpunkt nicht besetzt war. (Quelle)

Fest steht: Die N-ERGIE hat proaktiv nichts unternommen, um die Bevölkerung vor dem verunreinigten Wasser zu warnen. Andere Stadtwerke tun die im Zweifel, lassen bei Unklarheiten auch am Wochenende Meldungen zu verunreinigtem Trinkwasser über den Hörfunk verbreiten (z.B. über B5aktuell und die Regionalsender) und raten zum Abkochen des Wassers vor dem Verzehr.

Nicht so bei der N-ERGIE. Die Unfähigkeit der Stadtwerke ist seit langem bekannt. Schon bei Preissteigerungen der Fernwärme wurden Kunden nicht ordentlich informiert. Skandalös auch der Umgang der N-ERGIE mit ihren Stromkunden. Nun also gechlortes, belastetes und braunes Trinkwasser.

Die Bürde, die den Nürnberger Bürgern mit der N-ERGIE auferlegt ist, ist eigentlich nicht mehr hinnehmbar.

Es ist nicht so, dass vereinzelt keine Fehler auftreten dürfen. Beim Trinkwasser hört der Spaß auf, denn unser Trinkwasser ist nicht nur ein kostbares Gut sondern auch ein sehr sensibles Lebensmittel, von dem wir alle abhängig sind. Wenn Fernwärme- und Stromkunden unter der N-ERGIE-Informationspolitik leiden, so ist das schändlich – aber nicht gefährlich. Bei unserem Trinkwasser darf es aber keine Kompromisse geben. Niemals und unter keinen Umständen. Die Informationspolitik der N-ERGIE darf in dieser Sache nicht ohne Folgen bleiben.

Und so stünde es auch der Mehrheitseignerin der N-ERGIE, der Stadt Nürnberg, gut zu Gesicht, in ihrer Skandalfabrik einmal mit dem eisernen Besen durchzukehren.


 

*) Der Rat scheint dem Hausverstand zu entspringen und klingt logisch. Was aber machen Blinde oder Sehbehinderte in so einer Situation? Oder Kinder, die durstig einfach den Hahn aufdrehen?

Update 18:38 Uhr: Inzwischen sagt man – wie oben vermutet –, dass Rost der Auslöser der Trübung des Wassers sei.

 

Bitte keine Berlinifizierung Nürnbergs. Wir brauchen den Scheiß hier nicht.

Hipster, geht bitte weit weg. Nach Berlin. Obwohl, die Berliner packen Euch ja auch nicht. Geht nach New York. Da könnt ihr nichts kaputt machen.

In Nürnberg braucht es keine Berlinifizierung. Denn Berlin ist ziemlich am Arsch.

Wie sehr am Arsch, das könnt ihr exemplarisch hier lesen:

Hipsterstall killed the Videostore

Meine heutige Leseempfehlung an Euch. Bitte wirklich lesen. Und wer dann noch von Berlinifizierung faselt, der soll dann bitte auch dorthin gehen. Danke.

Franken Fernsehen raus aus der DVB-T-Verbreitung.

Gerade entdecke ich im Blog von Peter Viebig, dass sich Franken Fernsehen aus der DVB-T-Verbreitung in Nürnberg zurückgezogen hat. Über Kabel und Sat kann man Franken Fernsehen weiterhin sehen.

Mit dem Rückzug aus der DVB-T-Verbreitung hat in der Region RTL im Jahr 2010 begonnen. Im letzten Jahr strichen dann bibel.tv und Euronews die Segel. Schon damals habe ich ein bisschen wehgeklagt, weil jeder Senderrückzug die DVB-T-Plattform weiter gefährdet. DVB-T ist aber Grundversorgung – und weiterhin gerade bei „Wenigsehern“, in günstigen Altbauten, z.T. auf dem Land und bei Zweitgeräten verbreitet. Wenn das so mit DVB-T weitergeht, dann wird die Technik wohl schon bald nackte SD-Grundversorgung der öffentlich-rechtlichen Programme bedeuten – schade!

Morgen gegen die Ausmalung des Rauthaussaals stimmen!

Wer morgen in Nürnberg seine Stimme zur Europawahl abgibt, hat auch die Möglichkeit, beim Ratsbegehren um die Ausmalung des historischen Rathaussaals mitzustimmen. Selten bin ich so direkt, diesmal aber fordere ich Euch auf:

Geht morgen zur Wahl und stimmt gegen den den Unsinn der Ausmalung des Rathaussaals, wie ihn die „Altstadtfreunde“ befürworten – stimmt mit NEIN!

Zwischen 1332 und 1340 wurde der heute als „historisch“ bezeichnete Rathaussaal gebaut und entsprechend der damaligen Gepflogenheiten gestaltet. Ab 1521 wurde dann unter der Leitung Dürers die Innenausstattung nebst Wandbemalung erschaffen, ging im Laufe der Jahre aber verloren und wurden immer wieder zeitgeistig „rekonstruiert“, zum letzten Mal kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert. Schon das, was damals im Saal zu sehen war, hatte – so die Experten – mit dem, was Dürer einstmals malte, höchstens im Allerentferntesten zu tun. Selbst Befürworter der Ausmalung müssen zugeben, dass die letzte „Sanierung“ aus dem Jahren 1904/05 einer „Neuasmalung“ gleichkam – die Dürersche Handschrift war schon zu diesem Zeitpunkt im Saal unwiederbringlich verloren. 1945 brannte der historische Rathaussaal vollständig aus – es blieb nichts Rekonstruierbares übrig. Gar nichts. Der Rathaussaal wurde Ende der 1950er Jahre wieder aufgebaut – unbemalt.

Ende der 1980er Jahre passierten dann zwei interessante Dinge: Farbdias, die Teile des Rathaussaals in der Ausmalung von 1904/05 zeitgen (aufgenommen 1943) wurden wiederentdeckt. Und: Im Zuge der Debatte fertigte der Künstler Michael Matthias Prechtl einen zeitgenössischen Entwurf, den er nach Diskreditierung der Mulzer-Brigaden Altstadtfreunde zurückzog. Die Geschichte des Saals lässt sich im NürnbergWiki übrigens recht gut nachvollziehen.

Und heute? Heute fordern die Altstadtfreunde eine Rekonstruktion der Wandbemalung Dürers nach den Farbdias von 1943 und anderen Fotografien in schwarz-weiß. Dass das weder etwas mit Dürer noch mit Rekonstruktion im engeren Sinne zu tun hat, ist hinlänglich bekannt – das ficht die „Altstadtfreunde“ aber nicht an.

Die Bemalung des Rathaussaals gemäß dem Vorschlag der „Altstadtfreunde“ ist Unsinn, …

  • … denn mit Dürer hat das alles nichts mehr zu tun
  • … denn das, was sich aus der alten und lücken- wie fehlerhaften Fotodokumentation herausziehen ließe, noch nicht einmal den Stand der Neugestaltung von 1904/05 wiederzugeben in der Lage ist.
  • … die geschätzten Kosten für die Ausmalung würden sich auf bis zu 9 Millionen Euro belaufen (und wer sich so ein Projekt mal detailliert vorstellt, kommt schnell auf den Trichter, dass es gerne auch noch teurer werden kann). Geld, das Nürnberg nicht hat, Geld das überall dringender gebraucht wird – kurz: viel zu teuer für so einen Unsinn.
  • … denn Nürnberg ist nicht Disneyland und unsere Altstadt ist Lebensraum und kein Freilandmuseum für Butzenscheiben, Lebkuchen, Bratwürste und naive Malerei.
  • … denn der Stadtrat hat bereits gegen diesen Blödsinn gestimmt. Nur die Mulzer-Brigade „Altstadtfreunde“ interessieren sich halt nicht für den Beschluss eines demokratisch legitimierten Stadtrates, warum denn auch?

Wer sich vor der morgigen Wahl den Schriftsatz zum Ratsbegehren in aller epischer Breite zu Gemüte führen möchte, der hat hier Gelegenheit dazu.

Fazit: Die Ausmalung des Rathaussaals kann nicht sinnvoll gelingen, verschlingt höllisch viel Geld, das in unserer schönen Stadt an allen Ecken und Enden fehlt und ist damit schlicht Unfug. Es ist traurig, dass der Wähler hier überhaupt korrigierend eingreifen muss – daher gilt: Morgen zur Wahl und mit NEIN gegen die Ausmalung gestimmt!

Nürnberg kann mehr als man denkt. Eine Replik auf Sugar Ray Banisters Artikel „Warum Nürnberg nicht das bessere Berlin ist“

Eine Diskussion, welche Stadt wohl am „berlinerischsten“ ist, mag mindestens grotesk anmuten. Wer will Nürnberg schon mit Berlin vergleichen – Berlin ist weit über sechsmal so groß wie Nürnberg, Berlin ist nicht nur Stadt, sondern auch selbstständiges Bundesland und damit in vielen Entscheidungen freier als eine Kommune – und: Berlin hat eine internationale Strahlkraft, derer sich der Bundesbürger nur selten bewusst wird – nicht nur als Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch wegen der geografischen Lage und der jüngsten Geschichte – als Drehscheibe zwischen Ost und West (Deutschland wie Europa). All das bläst einer Stadt auch dann noch warmen Sommerwind unter die Flügel, wenn die Verschuldung bei knappen 60 Milliarden Euro liegt (zum Vergleich Nürnberg: 1,3 Milliarden Euro), wenn Teile des ÖPNV nicht richtig funktionieren und überdimensionierte Flughäfen schön langsam in den märkischen Sand sinken.

Als kleiner Bub bin ich von meinen Eltern (zu Zeiten der Teilung) mit nach Westberlin genommen worden. An meine Gefühle damals kann ich mich gut erinnern: Berlin war ein Abenteuer und Berlin war dunkel. Bis auf die Leuchtreklamen am Europacenter, das Café Kranzler und das KaDeWe habe ich Berlin als fürchterlich dunkel in Erinnerung*. Diese Stimmung konnte ich erst zehn Jahre später wieder aufgreifen, als ich den Film „Der Himmel über Berlin“ zum ersten Mal sah, und allein dessen Präzision in der Beobachtung mich noch heute gleichermaßen erschreckt und berührt. Als ich als Jugendlicher Mitte der 1990er Jahre wieder nach Berlin kam, atmete die Stadt auf – aus jeder Bodenspalte und zwischen jeder Straßenschlucht wehte ein milder Wind des Aufbruchs. Ich schreibe hier nicht nur vom ersten Besuch der Galerie Tacheles, sondern auch vom ersten gut geführten Antiquariat, das Bücher nach Kilopreis verkaufte, von meiner ersten Lovepaarade, von dem vielen Gekritzel auf Wänden und Pfählen, das nur allzu oft das Leben nach der politischen Wende thematisierte, das vielleicht eine Art öffentliche Schreibtherapie war und heute als „Street Art“ verklärt wird. Ich schreibe aber auch von Wohnungen in Prenzlauer Berg, die noch zur Jahrtausendwende mit Kohlen geheizt wurden, Klo habe Treppe.

Was hat das alles mir Nürnberg zu tun? Nürnberg ist für mich so gänzlich anders als Berlin. Nürnberg ist langsam und konstant. Ich kenne Straßenzüge in St. Leonhard, die sehen heute noch genauso aus, wie in den 1980er Jahren, als ich sie das erste Mal sah, und ich kenne Fotos, da weiß ich, dass sie noch genauso aussehen, wie in den 60ern. In manchem Nürnberger Vorort fühlt man sich erdrückt von überbordender Spießigkeit. Und in manchem Straßenzug in der Südstadt mag man Angst bekommen, dass in ein paar Jahren soziale Unruhen ausbrechen, so niedergewirtschaftet sind die. Strahlkraft? Aufbruch? Pustekuchen. Wo der Staub vergangener Generationen nicht liegt und wo nicht historisierende Altstadt ist, da stehen seelenlose Funktionsbauten unserer Tage.

Und dann veröffentlicht Puls, ein Spartenradioprogramm des Bayerischen Rundfunks, einen Blogpost mit dem etwas seltsamen Titel „Hipsterhauptstadt mit Herz – 5 Gründe warum Nürnberg das bessere Berlin ist“ und schmiert damit fingerdick Balsam auf die geschundene fränkische Volksseele. Irgendwo ist schon klar, dass dieser Post nicht ganz ernst gemeint ist. Und doch stimmt er ein in einen Tenor, den ich in den letzten Monaten immer wieder höre: Nürnberg ist so hip, so kreativ, so toll geworden – Nürnberg kann es mit Berlin aufnehmen. Und aus den Reaktionen, die ich per Mail bekam, via Twitter und in den Blogs, schließe ich, dass dieses BR-Ding gerade ernst genommen wird. Krass, oder?

Also schaue ich mir mal die fünf Punkte an, warum wir gerade besser sein sollen, als Berlin:

Zuerst einmal wird Gostenhof ins Feld geführt, wie toll und kreativ dort alles ist. Redakteure des Bayerischen Rundfunks müssen einen Narren an Gostenhof gefressen haben – zu Jahreswechsel erst sendete das dritte Programm eine Doku über die Fürther Straße (vgl. hier), bei der ins selbe Horn geblasen wurde. Es ist in Gostenhof im Prinzip ja ähnlich wie in Kreuzberg und Prenzlauer Berg: Erleben Stadtviertel einen wirtschaftlichen Niedergang und lässt Bausubstanz und Infrastruktur eine entsprechende Nutzung zu, so siedeln sich auf den günstigen Flächen Menschen mit viel Kreativität und wenig Geld an. Das geht ein paar Jahre lang so gut, dann werden vom Nimbus der Kreativen all jene angezogen, die mehr Geld als Kreativität haben und an der Stimmung partizipieren wollen. Wenn dann die Gentrifizierung durchschlägt, ist die Stimmung zwar im Arsch, dann kommen die Prenzlbergmuttis, aber der Stadtteil ist auf die nächsten dreißig Jahre saniert. Was heute GoHo ist, war vor 15 Jahren noch Johannis. Und wer sagt, dass – angesichts des Abstiegs der Südstadt – im Jahre 2020 nicht die Allersberger Straße der zukünftige kreative Hotspot Nürnbergs ist?

In GoHo liegen Quelle und AEG, beide ziehen kunstsinnige Menschen an. Doch der Wegzug der Zentrifuge, Dirk bemerkt das zu Recht in seinem Blogpost „warum Nürnberg nicht das bessere Berlin ist“, zeigt, was „Auf AEG“ wirklich ist: ein Investitionsprojekt. Solche Projekte müssen sich entwickeln, das dauert fürgewöhnlich zehn Jahre, dann sind die Flächen gewinnbringend vermietet. Schräg gegenüber kann man das am TA-Gelände recht gut studieren. Auf AEG passiert gerade im Kleinen das, was in GoHo im Großen passiert. Was aber ist mit dem nahegelegenen Quelle-Areal? Hier spricht man von Abriss weiter Teile – die schiere Größe lässt eine wirtschaftliche Projektierung selbst mittelfristig nicht zu. Auf Sicht ist das Quelle-Gelände ein Millionengrab. Ich wage ja schon fast zu prophezeien, dass man den Kopfbau und den Turm stehen lässt, der Rest wird abgerissen und dann kommt Wohnungsbau dahin. Und Nürnberg braucht Wohnungen – sonst würde das Ding am Rangierbahnhof nicht so ein großes Projekt. Auch auf Quelle hat Kreativität also nur einen bedingt geschützten Raum. Mir tun die Kreativen GoHos ein wenig leid, denn ich habe das Gefühl, dass sie immer nur „Geduldete“ sind. Und ich kann mir vorstellen, dass das – ganz tief in einem drin – weh tut. Inwieweit dieser „Schmerz“ (gleichsam als Stachel im eigenen Fleisch) der Kunst förderlich ist – oder wegen der fehlenden Freiheit abträglich –, vermag ich nicht zu beurteilen. Auf der anderen Seite wünsche ich mir gerade von diesen Kreativen, die Erkenntnis zuzulassen, dass sie auch nur ein Rädchen in diesem Gentrifizierungsuhrwerk sind, wenn auch das coolste. Und meines Erachtens kann nur Emanzipation die passende Antwort darauf sein. Diese Art der Emanzipation ist mitnichten neu – in den ausgehenden 1970er Jahren fand sie statt – im ehemaligen KOMM, das heute auch nur noch glattgebügelter Kunstbetrieb nach städtisch-sozioaldemokratisch-kulturpolitischem Diktum ist (und wer hats gemacht? Der CSU-SaufkopfMann Ludwig Scholz – ich muss mich gerade zusammennehmen, dass mir nicht gleich ein bisschen Kotze hochkommt). Wenn sich die Kreativen auf AEG und in der Quelle nicht politisch emanzipieren, dann werden sie irgendwann halt nicht mehr geduldet, wenn sie ihre Funktion erfüllt haben. Hey! Kreativszene! Quelle und AEG sind Investitionsdinger mit riesigen Volumina! Glaubt ihr wirklich, ihr habt da auf Dauer Platz?! Glaubt ihr wirklich, ihr habt auf Dauer in GoHo Platz?! Und jetzt kommt’s: Dasselbe ist doch in Berlin genauso passiert! Nürnberg ist hier nicht cooler als Berlin, Nürnberg ist halt nur zwanzig Jahre später dran.

Ich muss jetzt mal einen Exkurs zum Thema Quelle und AEG machen:

Als die AEG noch AEG war, als da noch Spüler und Waschmaschinen vom Band liefen, wurde der Standort Nürnberg – obwohl profitabel arbeitend – vom Electrolux-Konzern aufgegeben. Ich war damals in der IG Metall engagiert und oft beim Streik 2006 mit vor Ort. In der AEG haben damals 1750 Menschen ihren Arbeitsplatz verloren und mit ihm Existenz, Sicherheit und Zuversicht. Ich habe dort Kollegen gesehen, echte kampferprobte Brocken, zynische Bären, die normalerweise nichts umhaut, leise in sich hineinschluchzend gesehen, ohne Hoffnung.

Schaut doch mal in die Familien rein, in denen bei der Quelle gearbeitet worden ist. Redet mal mit den Leuten, trinkt zwei drei Bier mit ihnen und lasst Euch mal erzählen, was das bedeutet. Für mich ist Quelle und AEG toll und spannend – und zugleich auch ein Friedhof tausender Zukunftspläne, Sicherheitsgefühle, ein Friedhof von Stolz, einem Betrieb angehört zu haben, der etwas galt und nicht zuletzt ein Friedhof etlicher Lebensentwürfe. Und dann schaut doch mal auf die „anderen“ Nürnberger, nicht nur auf die jungen, hippen Akademiker, schaut doch mal auf die Arbeiter und Angestellten, malt Euch doch mal aus, was die mit Quelle und AEG verbinden (und wenn Euch das schwerfällt, dann fragt sie doch einfach). Ich bin mir sicher, dass der ein oder andere, der heute GoHo und insbesondere die Fürther Straße feiert, erschrickt, wenn er ein Gefühl dafür bekommt, was anderen in der Fürther Straße passiert ist.

Und damit habe ich schon fast den zweiten Punkt des BR-Posts abgearbeitet: Der kreative Leerstand ist das eine, der Leerstand in den Herzen derer, die mal bei der Quelle, bei der AEG – aber auch bei Grundig, Cebal oder Triumpf gearbeitet haben, wen interessiert der? Und auch wenn das BR-Post das verneint: Auch in Berlin war da Leerstand: Bergmann-Borsig, am Oberbaum, Adlershof,… um nur einigen Leerstand zu nennen. Ihr seht, es wiederholt sich da was, nur im Kleinen, nur Jahre später.

Zu Punkt drei – ich mache es ganz kurz: Der Franke ist bescheiden, aber was die fränkische Küche an Ideenreichtum und Vielfalt zu bieten hat, was in Franken kulinarisch hergestellt wird, steht ohne jeden Zweifel an der Spitze der Bundesrepublik Deutschland: Kein altbayerischer Einheitsbrei und kein Münchener Pissbier ist in der Lage, nur dem Schatten einer fränkischen Spezialität das Wasser zu reichen. Keine norddeutsche Langeweile, keine westdeutsche Kartoffelpampfevariation tastet sich nur in die Nähe fränkischen Essens, keine schwäbische Maultasche, keine hessische grüne Soße kann das, und kein Presskopf dieser Welt kommt vor unserem roten und weißen Pressack. Keine noch so gute Münsterländer Brühwurst nimmt es mit einer durchschnittlichen fränkischen Stadtwurst auf. Sorry, Deutschland, sorry, ihr molekularen Spitzenköche aus aller Herren Länder, sorry, ihr Franzosen mit Euren Fröschen, Muscheln und Schnecken – an Franken kommt ihr nicht vorbei, was auch immer ihr zu unternehmen versucht.

Womit ich schon bei Punkt vier bin, der weit weniger rühmlich ausfällt: Der Glubb ist Kult, denn ein positiveres Attribut will mir beim besten Willen für dieses seit Jahren mal in der ersten, mal in der zweiten Bundesliga fortdauernde Fiasko nicht einfallen. Der Glubb hat sehr leidensfähige Fans – das zeichnet die Franken aus: Treue, Solidarität und Verbundenheit, einen langen Atem. Das macht die fußballerische Minderleistung, die einem da Spieltag um Spieltag geboten wird, freilich nicht besser. Nichtsdestotrotz: Wir lieben unseren Glubb. Warum, das kann kaum einer für Außenstehende nachvollziehbar sagen. Ich auch nicht. Was hat der Glubb mit Berlin zu tun? Nichts.

Punkt fünf allerdings bereitet mir Stirnrunzeln. Ich erkenne die „Alles-woschd-Mentalität“ eigentlich nur aus den Schriften eines gewissen Klaus Schamberger. Der Franke spricht vielleicht nicht wie ein offenes Buch – aber er hat ein offenes Herz. Und was dieses fränkische Herz erreicht, das ist ihm alles andere als „woschd“. Um das mal wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen: Nürnberger Politik verhält sich im Rahmen dessen, wie sich Politik in einer 500k-Einwohner-Kommune verhalten kann, die vom Strukturwandel arg gebeutelt wurde. Nürnberg ist in seiner Entwicklung gehemmt, weil alleweil Ressourcen nach München abfließen (daran ändern auch so Feigenblattaktionen wie unser neues „Heimatschutzministerium“ in den Räumen der alten Raiffeisenkasse nichts). Großprojekte lassen sich in Nürnberg nicht nur in Anbetracht des recht leeren Stadtsäckels schwer realisieren – wer hier ein großes Projekt anfängt, muss bei seinem Vorgehen hinsichtlich von Größe und Symbolik mit sehr viel Fingerspitzengefühl vorgehen, um nicht Gefahr zu laufen, ungewollte Anleihen an die gigantomanischen Bauten der Nazis auf dem Reichsparteitagsgelände zu nehmen. All das sind Herausforderungen, die ein beliebig leichtfüßiges Planen erschweren. Veränderung in Nürnberg ist schwierig oder teuer (oder schwierig und teuer). Das hat aus meiner Sicht aber mit fränkischer Schwerfälligkeit nichts zu tun (na gut, eine Ausnahme mag ich gelten lassen: die Altstadtfreunde). Die Kritik Dirks kann ich nachfühlen, allerdings sehe ich nur wenige bürgerliche Werte gestützt – noch nicht mal kleinbürgerliche. Für vieles, was an Entwicklung und Gestaltung gewünscht wird, ist Nürnberg auch einfach zu klein oder schon entsprechend (wenn auch nicht gefällig) versorgt. Was brauchen wir denn bitte für einen Konzertsaal auf dem Augustinerhofgelände? Wir haben eine Meistersingerhalle mit besonderer Architektur und herausragender Akustik! Man müsste sich nur trauen, diese Halle gegen den momentanen Zeitgeist aufzuwerten und dringliche, lange verschleppte Investitionen tätigen (vgl. hier). Ja, ich denke, dass Nürnberg alles hat, was es braucht. Was nicht da ist, lässt sich aus eigener Kraft bewerkstelligen. Nürnberg wäre mit einem hypehaften Hinterhereifern auch nicht gut beraten.

Soweit zum Post von BR-Puls, der weniger Substanz enthält, als er vermuten lässt, und dennoch betrachtenswert ist.

Aber: Nürnberg hat ganz andere Potentiale als Dachbodenkonzerte oder Quelle-Kunsthandwerkern im Etsy-Style.

Nürnbergs Künstler leben und arbeiten nicht nur in GoHo und auf Quelle sondern eben auch an der Münchener Straße, in Maxfeld und am Nordostbahnhof. Das soll über Künstler und Kunsthandwerker aber auch schon genügen.

Über Nürnbergs Start-Up-Sezene kann ich nur wenige Beobachtungen mitteilen – mir scheint, dass man hier sehr solide arbeitet, weil halt hierzulande das venture capital fehlt. Das zwingt zu bodenständiger Arbeit, was gut ist, scheint mir aber auch ein wenig nach angezogener Handbremse auszusehen. Ich will das aber gar nicht schlechtreden, die Bodenständigkeit der Start-Ups passt wirklich gut hierher und es gibt eine noch angenehm überschaubare Zahl Leute, die sprichwörtlich „was mit Medien“ bzw. „was mit Internet“ machen und die sich gut vernetzt.

Nürnbergs Infrastruktur ist im Vergleich noch gut – vor allem aber zuverlässig. Der ÖPNV funktioniert in aller Regel, im Vergleich zu Berlin sind die Mieten (noch) bezahlbar und die Lebenshaltungskosten allgemein im Rahmen. Das Studieren an den Hochschulen ist zwar auch hier kein Zuckerschlecken, dennoch sind sie ausreichend gut ausgestattet. Die Sportstätten sind echt in Ordnung hier, das Sportvereinsleben ist gut organisiert und für städtische Verhältnisse ganz prima. Verglichen mit Berlin ist Nürnberg sauber und ordentlich. Verglichen mit Berlin ist die Lebensqualität in den Stadtteilen hoch, die Kriminalitätsrate gering. Nürnberg ist klein genug, um mit den öffentlichen Nahverkehr oder Fahrrad in akzeptabler Zeit von A nach B zu kommen und Nürnberg ist groß genug, um nichts zu vermissen.

Ich will damit Folgendes ausdrücken: Diese $average city$ versus Berlin-Vergleiche zielen ja nur darauf ab, wo sich gerade die spannendsten Internet- und Medienbuden und Jungdesigner befinden. Medienbuden und Jungdesigner allein bringen aber noch keine Lebensqualität. Berlin ist inzwischen zu teuer, um den Leuten mit viel Kreativität und wenig Geld echte Perspektiven zu geben. Und wenn die von Dirk benannte „Berlinifizierung“ hier in der Fläche Fuß fasst, dann wird genau das in ein paar Jahren in Nürnberg auch passieren. Wer bitte wollte das denn wirklich?

Ein Blick in den Rückspiegel hilft, zu verstehen: Nürnbergs Kreative der 1970er und 1980er Jahre schafften sich im KOMM Werkstätten, mit Piratensendern, dann mit Radio Z Gehör, später kam dann die Medienwerkstatt Franken (und in Fürth point). Stadtteilläden brachten Großes hervor, der Hemdendienst, MuZ… Das alles klappte nur, weil zwei Dinge zusammenkamen: Zum einen ist die Stadt in diese Projekte auch finanziell eingestiegen, ohne reinzureden (Vorreiter, der das als erstes kapierte, war der langjährige Kulturreferent Hermann Glaser) zum anderen hatten die Kreativen zuvorderst andere Ansprüche als finanzielle. Der erste soziokulturelle Kahlschlag kam 1996/1997 mit Ludwig Scholz, und es fällt schwer, sagen zu müssen, dass sich unsere schöne Stadt teilweise immer noch nicht von diesem furchtbaren „Bürgermeister“ erholt hat.

Die soziokulturellen Projekte, die ich meine, drehten sich auch nicht so sehr um sich selbst, um die eigene Zielgruppe, wie das leider heute immer öfter der Fall ist, nein, sie hatten neben den jungen Akademikern auch die Senioren, die Schüler, Arbeiter und Angestellten im Blick. In den Stadtteilläden waren zum Beispiel von Anfang an die Alten mit dabei, denn sie gehörten dazu! Und nun frage ich: Wie viele Alte aus Muggenhof kommen denn in die Quelle und wie viele Angebote für Alte gibt es auf Quelle?

Aus meiner Sicht ändert der „Hipstercharme“, wie Dirk anführt, gar nichts. Der nutzt vielleicht dem Hipster und sonst niemandem. Und solange Kreativprojekte und Soziokultur sich nicht symbiotisch vereinen, sondern nur oberflächliche Style-Bedürfnisse bedienen, bleibt es auch bei der „phlegmatischen `Alles-Woschd´-Mentalität in der Region“, die erst dann aufgebrochen wird, wenn die, die sie beschreien, selber aktiv werden. Die Sozialpädagogen der 68er-Generation erkannten beispielsweise, dass Sozialpädagogik nicht nur Verwahren und Versorgen von Menschen bedeutet, sondern auch empowerment. Die soziokulturellen Projekte der Vergangenheit waren mehrheitlich erst mal sozialpädagogische empowerment-Projekte. Das sie sich dann in teils gänzlich andere Richtungen entwickelten, sei unbenommen. Die Sozialpädagogen der 60er bis 80er haben auch nicht über eine „Woschd-Mentalität“ gejault – sondern einfach losgemacht und neben den soziokulturellen Projekten im Vorbeigehen auch Forschung und Lehre revolutioniert. Sie mussten zudem politisch arbeiten und sie haben gelernt (was viele der Hipster heute nicht können), wie man Mehrheiten organisiert. Einiges der damals geschaffenen Strukturen existieren übrigens noch heute, nicht alles, was der postnazistischen Weltsicht Scholz´ im Wege stand, ließ sich zu Grunde sparen.

Berlin habe ich hier ähnlich erlebt, mit einem Unterschied: Schon die Morbidität West-Berlinz zog internationale Größen an, die entweder in Berlin wirkten oder Berlin zumindest in ihrem Werk ausgiebig rezipierten. Daraus erwuchs Anspruch und Verpflichtung gleichermaßen, einen Anspruch, dem Berlin als Pleite-Stadt längst nicht mehr gerecht werden kann. Und nun entblödet sich Wowereit noch nicht einmal, Tim Renner als Kulturstaatssekretär einzusetzen. Ich wiederhole nochmal (weil es geradezu absurd scheint und die repetitio der Gewahrwerdung dienen möge): Tim Renner. Als Kulturstaatssekretär. Man fasst es nicht. Berlin ist so runter – wenn ich „Kreativer“ wäre, so würde ich genau jetzt die Flucht ergreifen. Wie schlimm es ist, lässt sich daran ablesen, dass der Tagesspiegel diese fulminante Fehlbesetzung nicht nur launig kommentiert, sondern sich Renner, über Berlin sprechend, auch noch mit dem Satz „Ich mag diese latente Selbstüberschätzung“ zitieren lässt. Oh Gott.

Leute, da lob’ ich mir Nürnberg! Hier ist man nicht in der Pflicht, einen Superlativ nach dem anderen herauszudonnern, sich von der breiten Masse zu unterscheiden, indem man jegliche Körperpflege einstellt oder alles als Event organisiert, das um so massenkompatibler wird, je mehr man sich selbst vom Mainstream abzuheben versucht. Leute, die fränkische Bodenständigkeit mag nur der erdrückend finden, der die echte und tiefe Einsamkeit hinter vielerlei „Everybody’s Darling“-Fassaden nicht gespürt hat. Nürnberg bietet – ob mit Quelle oder ohne – Freiraum zu Hauf. Das liegt auch daran, dass es hier nur ganz wenige Hipster gibt und viele klar denkende, geerdete Normalos mit dem Herz am rechten Fleck. Das Einzige, was man hier tun muß ist, diese Freiräume zu finden, urbar zu machen und zu verteidigen. Heute konzentriert sich viel auf Gostenhof und Johannis, morgen auf Maxfeld und Rennweg, vielleicht Schoppershof und übermorgen sind wir schon wieder ganz wo anders. Im Grunde spielt das aber gar keine Rolle, denn Nürnberg ist ja zum Glück klein genug, dass der Weg nicht weit ist.

Für mich persönlich gewinnt Nürnberg daher in diesem absurden „Städte-Schwanzvergleich“.
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* Ich hatte in dieser Zeit auch Gelegenheit, Ost-Berlin und die DDR kennenzulernen. Ich habe daran erschreckend plastische Erinnerungen. Da müsste ich wirklich mal drüber schreiben, aber das bräuchte Zeit… Für hier muss Folgendes genügen: In meiner Erinnerung war West-Berlin dunkel und Ost-Berlin menschenleer. Stimmt natürlich nicht, trotzdem komisch, oder?

N-ERGIE: Massive Preissteigerung bei der Fernwärme (und die Kunden werden noch nicht mal richtig informiert)

60.000 Nürnberger Haushalte heizen mit Fernwärme. Diese Fernwärme muss – egal, ob man möchte oder nicht – vom Versorger N-ERGIE abgenommmen werden, die N-ERGIE ist hier also der Quasi-Monopolist. Und als solcher, das wissen wir seit vergangener Woche – führt sie sich auch auf.

Gerade Mieter sind Fernwärmekunden der N-ERGIE, gerade viele Mieter haben mit steigenden Mieten und Ausgaben rund um den Haushalt zu kämpfen. Nun aber lässt die N-ERGIE über die Presse verlauten, dass sie bereits ab dem 1. Oktober – also ab morgen – die Preise für Fernwärme um knappe 8 Prozent steigern wird. Entziehen kann man sich dem nicht.

Damit kostet die Megawattstunde ab nächsten Monat satte 68,43 Euro. Nun klingt eine Megawattstunde nach enorm viel, für die Fernwärme muss das aber in Relation betrachtet werden – wer zu zweit in ein einer nicht gut gedämmten Altbauwohnung auf 70m² lebt, wird – über das Jahr verteilt – locker diese Megawattstunde im Monat bilanzieren müssen. Damit trifft die Preissteigerung gerade Familien und Bedarfsgemeinschaften empfindlich. Neben der Preissteigerung ärgert mich insbesondere die Arroganz, mit der die N-ERGIE diese vornimmt:

  • Bei Preissteigerungen sollten eigentlich die Kunden der N-ERGIE persönlich angeschrieben werden. Das wäre das absolut Mindeste, was man verlangen und erwarten könnte. Aber bei der N-ERGIE ist bereits das Mindeste zu viel – das Unternehmen verzichtet auf eine saubere Informationspolitik und „informiert“ die Kunden über die Tagespresse – dass ist schlicht eine Schweinerei, denn nicht jeder liest die Regionalzeitung und nicht jeder sieht das Bayerische Fernsehen. Es ist davon auszugehen, dass etliche Kunden von der Preiserhöhung gar nichts mitbekommen haben. Aber für die skandalöse Informationspolitik ist die N-ERGIE ja seit langem bekannt….
  • Zufälligerweise fällt die Preissteigerung gerade mit dem Beginn der Heizsaison zusammen. Das ist richtig ärgerlich.
  • Der Fernwärmepreis errechnet sich nicht an den tatsächlichen Erzeugungskosten sondern an einer irrsinnig komplizierten Berechnung, die im Wesentlichen die Preissteigerungen der Leipziger Energiebörse mitberücksichtigt.

Wie hoch die Preissteigerung in den letzten zwei Jahren tatsächlich ausgefallen ist, errechnete jüngst die Nürnberger Zeitung:

Mit dem aktuellen Sprung auf 68,43 Euro ergibt sich eine Preissteigerung von knapp 39 Prozent innerhalb von gut zwei Jahren. (Quelle)

Die N-ERGIE kann sich solch drastische Preissteigerungen freilich nur erlauben, weil der Kunde quasi keine Möglichkeit hat, den Anbieter zu wechseln. Gerade Menschen mit geringem Einkommen tragen die Belastung, in vielen Mietwohnungen – auch und besonders in denen des sozialen Wohnungsbaus – wird mit Fernwärme geheizt. N-ERGIE und Stadt greifen mit den Preissteigerungen auch tief in die Sozialpolitik der Region ein, indem sie die Energiearmut befeuern. Dies mag manchen übertrieben klingen und Stammleser wissen, dass ich das Argument der Energiearmut im Kontext von Preissteigerungen hier noch nicht angeführt habe, auch wenn es keinesfalls neu ist. Aber angesichts sinkender Reallöhne müssen bei derart exorbitanten Preissteigerungen die sozialpolitischen Auswirkungen mitbetrachtet werden. N-ERGIE und Stadt Nürnberg, die Mehrheitseigner des Energieunternehmens ist, laden mit der Heizkostenexplosion Schuld auf sich.

Nürnberg im O-Ton-Feature: Mit dem Mikrofon durch die Wand (1989)

Zu meinen liebstgehörten Sendungen im öffentlich-rechtlichen Hörfunk gehören Features. Jede der großen Anstalten hat einen entsprechenden Sendeplatz, und so dürfen wir uns in Deutschland über eine Fülle und einen Reichtum höchstwertiger Hörbilder freuen – leider wird diese – ich sage bewusst: Kunstform – oft verkannt.

Im Sommer nutzt der Bayerische Rundfunk mit seinem zweiten Programm den Sendeplatz, um Features vergangener Tage erklingen zu lassen, die sich maßgeblich aus Originaltönen speisen. Sechs Features aus sechzig Jahren Rundfunkgeschichte sind ausgewählt, drei habe ich bereits gehört, alle sind sie hörenswert, eines aber sticht durch seinen regionalen Bezug heraus: Es ist das Tonexperiment „Mit dem Mikrofon durch die Wand“ von Ralf Huwendiek.

1989 nimmt sich der Autor und Regisseur Ralf Huwendiek einen Stadtplan und zieht mit dem Lineal eine Linie von seiner Gostenhofer Wohnung zum Sinwellturm. Was diese Linie kreuzt, will er in guten 50 Minuten hörbar machen. Es klingt so einfach und ist in seiner Umsetzung doch so kompliziert, denn nicht jeder, der von der Linie „gekreuzt“ wird, will etwas sagen oder beitragen.

Huwendieks Feature ist keine Liebeserklärung, das Bild, das er malt, zeigt auch nicht durchgehend düstere Farben, es hinterlässt aber einen etwas faden Geschmack. Und es birgt einige Überraschungen:

Beispielsweise das Feature „Mit dem Mikrofon durch die Wand“ von Ralf Huwendiek. Er trifft auf seiner akustischen Wanderung durch seine Lieblingsstadt Nürnberg auf einen alten SS-Soldaten. Huwendieck begegnet dieser Nazi-Propaganda sehr geschickt, indem er sie anders behandelt als alle anderen O-Töne. Mehr möchte ich nicht verraten… (Quelle: BR)

Für jeden Nürnberger (aber nicht nur für Nürnberger) ein hörenswertes Stück Radio-, Zeit- und Lokalgeschichte. Wie war Nürnberg 1989 – und wie nah ist dieses damalige Nürnberg teilweise heute noch?

Gut, dass es das BR-Feature als Podcast gibt. So lässt es sich noch eine Weile nachhören, bis es (wann auch immer) mal depubliziert wird.

Hier gehts zur Audiodatei „Mit dem Mikrofon durch die Wand“.

Wirtshaus-Explorer: Block House Nürnberg – lieblose Systemgastronomie mit miesen Speisen

Am gestrigen Mittwoch waren wir beim relativ neu eröffneten Block House am Nürnberger Hauptmarkt zum Mittagessen. Das war, mit Verlaub, nicht meine beste Idee, und schlussendlich habe ich den Besuch in diesem Restaurant (Eigenbeschreibung) bereut. Um es zusammenzufassen: Was ich im Block House erleben musste, verdient meiner Meinung nach das Prädikat „kackdreist“, und für die mindere Speisenqualität scheinen mir auch die dort aufgerufenen Preise unangemessen. Aber der Reihe nach.

Block House ist eine Franchise-Kette, auf den Webseiten der BlockGruppe wird auch ganz offen von Systemgastronomie gesprochen. Ich hätte also ahnen können, was mich erwartet, aber ich habe es nicht geahnt.

Wir kamen am Mittag kurz vor zwölf – also zur besten Mittagessenszeit – im Restaurant am Hauptmarkt an und nahmen vor dem Haus Platz. Man sitzt recht schön am Hauptmarkt, die Stühle sind bedquem und große Sonnenschirme spenden Schatten. Recht schnell kam die Bedienung, deren Service sich weniger durch Diskretion, sondern mehr durch eine etwas überzogene, fast schrille – wie einstudierte – Höflichkeit auszeichnete. Wir bestellten Getränke und bekamen die Karte gereicht – aber nur die Hauptkarte, die Mittagskarte fehlte. Nun gut, man könnte meinen, dass dieses „Vergessen“ der Mittagskarte ein einmaliger Lapsus der Kellnerin sei – doch weit gefehlt! Während unseres Aufenthaltes im Nürnberger Block House mussten wir beobachten, dass keinem Gast von selbst die Mittagskarte gebracht wurde. Wer nach der Karte fragte, bekam sie aus dem Restaurant gebracht, wer nicht danach fragte oder von der Existenz nichts wusste, der hatte eben Pech. Dieses Verhalten hätte mir Warnung genug sein müssen – aber wir haben von der Mittagskarte bestellt. Auf dieser „Lunch Time“-Karte wurden unter der Rubrik „Wochengerichte“ sowohl „Drei kleine Rindersteaks – saftig gegrillt mit knackigem Pfannengemüse und einer Baked Potato mit Sourcream“ als auch „Block Burger mit feinwürzigem Blattspinat und Kartoffel-Selleriepüree“ zu je 9 Euro angeboten. Nun, 9 Euro sind für ein Gericht von der Mittagskarte in meinen Augen schon ein ordentlicher Preis, aber es ist ein Steakhouse, und als Nürnberger hat man sich an solche Preise in der Innenstadt ja fast gewöhnt. Also haben wir die beiden Wochengerichte bestellt.

Zu jedem der Gerichte wurde ein kleiner Salatteller gereicht, der Salat war frisch, das Dressing zwar fertig, aber durchaus schmackhaft. An Salat stelle ich persönlich keine so hohen Ansprüche, der ist nur nettes Beiwerk, und da bin ich auch nicht übermäßig kritisch. Dass dieser einfache Salat das Beste sein sollte, was wir im Block House gegessen haben, hätte ich aber wirklich nicht gedacht.

Die drei kleinen Rindersteaks waren vor allem eines: klein. Wäre ich böse, so würde ich das als Fleischabschnitte bezeichnen (und hätte ich zu Hause ein Steak zubereitet, hätte ich Abschnitte dieser Größe dem Kater Ludwig verfüttert), aber ich bin nicht böse – belassen wir es also bei drei sehr kleinen Steaks. Zumindest haben sie in der Karte nicht gelogen – klein waren die Rindersteaks, wie gesagt, in der Tat. Die Ofenkartoffel war auch zu trocken, das fiel aber nicht so sehr ins Gewicht, weil die Kellnerin vorsorglich noch Sourcream nachgereicht hat und man der trockenen Kartoffel so wenigstens mit reichlich Soße beikam. Das Pfannengemüse war so weit ok, wenn man darüber hinwegsehen kann, dass es mehrheitlich aus Zwiebeln bestand. Wir konnten darüber hinwegsehen. Zu den Steaks muss noch gesagt werden, dass freilich gefragt wurde, wie diese gebraten werden. Der Wunsch: Medium-Rare. Das Ergebnis: Die Steaks wurden medium-Rare gebraten, weil sie aber so klitzeklein waren, kamen sie bereits völlig erkaltet auf den Tisch. Neun Euro.

Ich hatte ja, ihr erinnert Euch, noch den „Block Burger“. Den orderte ich nicht mit dem Kartoffelbrei – mir wurden Pommes angeboten. Dazu also der Burger und Blattspinat.

Vorweg allerdings eine Frage: Wie stellt Ihr Euch einen Burger vor?

Die Wikipedia definiert einen Burger wir folgt:

Ein Hamburger (auch kurz Burger) ist ein Weichbrötchen mit verschiedenen Belägen, das meistens als warmes Schnell- oder Fertiggericht verkauft wird. Hamburger werden hauptsächlich mit dem sogenannten patty, einer gegrillten Scheibe aus Rinderhackfleisch (einer Art Hacksteak) belegt und bilden den Standardartikel vieler Fast-Food-Ketten. (Quelle: Wikipedia)

Weichbrötchen mit verschiedenen Belägen und einem „patty“, das war bislang auch meine Vorstellung von einem Burger – und ich habe auch nie einen Burger bekommen, der diesem Minimalstandard nicht genügte –, bis ich bei Block House „gegessen“ hatte. Nun, ich lasse an dieser Stelle einfach mal ein Bild sprechen (dass es etwas gelbstichig ist, liegt am gelben Sonnenschirm, unter dem wir saßen, nichts desto trotz lässt sich gut erkennen, was sich das Block House erdreistete, mir um neun Euro auf den Teller zu legen):

block-house-burger

Was sehen wir? Wir sehen einen Haufen TK-Pommes, einen Klacks Spinat (dazu später ein paar Worte) und das, was man bei Block House unter einem „Burger“ versteht. Burger (s.o.) waren für mich immer das ganze Ding, bei Block House wird nur das „patty“ geliefert.

Ich konnte es zuerst nicht fassen. Bei meinem Burger fehlten der Salat, die Tomatenscheibe, das Brötchen. Vor mir lagen TK-Pommes, der Spinat und ein Burgerpatty „ohne alles“. Ganz klar: Hier kann es sich nur um einen Fehler des Kochs handeln. Ich rief die Bedienung herbei und fragte höflich nach, wo denn der Rest meines Burgers sei. Nun musste ich mir sagen lassen, dass es da keinen Rest gibt. Der Burgerpatty, der da recht nackt auf dem Teller vor mir lag, ist nach Definition des Block Houses – so wurde mir von der Kellnerin bestätigt – der komplette Burger. Ich war fassungslos. So etwas ist mir noch nie passiert. Wirklich noch nie im Leben! Das äußerte ich auch. Nun dozierte die Kellnerin etwas über die Geschichte des Burgers und dass der ursprüngliche Burger eben nur aus dem Hackfleischpatty bestand. Sie sagte, es tue ihr leid, und bedeutete mir, das so hinzunehmen. Ich sagte ihr, dass es mir mindestens genauso leid tut, so einen Burger essen zu müssen. Dies – wen nimmt es Wunder – überhörte sie geflissentlich und verschwand.

Wir schreiben das Jahr 2013 und befinden uns in Nürnberg, gelegen im südlichen Teil der Bundesrepublik Deutschland. Ob in der Kupfersteinzeit oder zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs jemand mal den Burger ohne Brötchen und Salatblatt gegessen hat, interessiert mich nicht einmal am Rande. Wenn ich heute in ein Autohaus gehe und ein Auto bestelle, so wird mir ein komplettes Auto geliefert – mit vier Rädern, Motor, Getriebe, Fahrgastzelle, Radio und Rückspiegel. Man stelle sich vor, ich bestellte mir in der Mercedes-Niederlassung ein Auto und der Händler lieferte mir das Fahrgestell mit vier Rädern, einen Motor und sonst nix. Und man stelle sich vor, der Händler würde, gefragt nach dem Rest des Autos, zu schwafeln beginnen, dass man sich als autorisierter Mercedes-Händler selbstverständlich nicht mit nicht dem Standard entsprechend mit Fahrgastzelle, Rückspiegel und Radio liefert, sondern in der Tradition von Carl Benz stehend, so, wie man das für richtig halte. Denn schließlich hatte der Motorwagen von 1886 ja auch weder Fahrgastzelle, Rückspiegel noch Radio, wer wollte denn 2013 schon ein komplettes Auto? Pah. Man stelle sich das einmal vor…

Nun saß ich da vor meinem „Burger“. Nun gut, ich bin ja lernfähig und kann mich auf Neues einlassen. Ich probiere also den „Block Burger“. Ein Patty, das nach erschreckend wenig schmeckt. Dreimal biss ich auf Knorpel. Zur Enttäuschung gesellte sich schließlich Ekel. Die TK-Pommes waren so weit in Ordnung, nicht der Rede wert, der Spinat war zäh und lauwarm, nicht der Rede wert. Mein persönliches Fazit: Eine Speise, die bei mir Enttäuschung und Ekel hervorruft (Knorpel im Fleisch kann ich wirklich nicht leiden, da ist es vorbei!). Neun Euro.

Der Besuch beim Nürnberger Block House war für uns ein Fiasko, und ich darf mit Fug und Recht sagen, dass ich in diesem Jahr noch nirgends so schlecht gegessen habe, wie im Nürnberger Block House. Ich will aber auch nicht verschweigen, dass die Interpretation des Burgers im Ausland wohl nicht gänzlich ungewöhnlich zu sein scheint. Ich ziehe hierfür wieder die Wikipedia zu Rate:

In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden beide Begriffe auf Hamburger oder nur Burger verkürzt. Während das englische Wort „hamburger“ auch für die verwendete Hackfleischsorte (mageres Rinderhack) oder für das nackte Fleischgebilde ohne Brötchen und weitere Zutaten stehen kann, ist im Deutschen immer der ganze Imbiss aus Fleisch und Brötchen gemeint. (Quelle: Wikipedia)

Ein Lapsus, ein interkulturelles Missverständnis zwischen Gewohnheiten in Deutschland und den USA? Mitnichten. Wer die Webseite der Fa. Block House Restaurantbetriebe AG aufmerksam studiert, erfährt, dass im Jahre 1968 in der Hamburger Dorotheenstraße das erste Block-House-Restaurant von einem Herren namens Eugen Block eröffnet wurde. Ich muss an dieser Stelle einfach feststellen, dass Hamburg nicht New York ist und man seit dem Jahre 1968 in Deutschland tätig ist. Ich darf daher unterstellen, dass man nach etwa 45 Jahren Geschäftstätigkeit in der Bundesrepublik mit den hiesigen Gepflogenheiten vertraut ist.

Was ich im Block House erlebt habe, lässt sich einfach fassen: Ich sehe das Block House Nürnberg als ein lieblos geführtes Restaurant, in dem Speisen gereicht werden, die meinen Qualitätsansprüchen nicht im Ansatz genügen (und ich bin nun kein „Gourmet“ – ich bin mit einem einfachen, anständigen Essen sehr zufrieden). Die Preise hierfür empfinde ich als unangemessen hoch. Ich kann daher das Nürnberger Block House ausdrücklich nicht empfehlen.

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