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Noch bis 17. Juli 2026: Wechselverkehr auf der U1 zwischen Nürnberg und Fürth

Sommerzeit ist Baustellenzeit, leider auch im Nürnberger Nahverkehr. Von heute an bis zum 17. Juli 2026, es war in der Wochenendausgabe der Lokalzeitung angekündigt, besteht auf der U-Bahnstrecke von Nürnberg nach Fürth ein Wechselverkehr mit Umsteigezwang am U-Bahnhof Maximilianstraße. Grund hierfür sind Weichenbauarbeiten im Bereich Eberhardshof.

An der Maximilianstraße müssen Weiterfahrende das Gleis wechseln. Die Züge verkehren theoretisch im 15-Minuten-Takt, was allerdings heute Morgen und auch am späten Vormittag nur mäßig geklappt hat. Wer Termine einzuhalten hat, möge einen Puffer von wenigstens 30 Minuten einplanen. Eine Fahrt von der Frankenstraße zum Fürther Rathaus dauerte heute zur Berufsverkehrszeit etwas mehr als eine Stunde, die Fahrt vom Rennweg zum Fürther Hauptbahnhof etwa 55 Minuten.

Den Nutzern des Nürnberger ÖPNVs ist derzeit das Glück nur wenig hold: Vor zwei Wochen schmolzen die Bitumen-Dehnungsfugen der Straßenbahnschienen im gesamten Stadtgebiet, etliche Strecken sind immer noch nicht nutzbar und durch einen bestenfalls rudimentären Ersatzverkehr abgedeckt. Wer auf den ÖPNV angewiesen ist, muss lange Wartezeiten und häufige Umstiege in Kauf nehmen, wer kann, steigt dieser Tage aufs Auto um.

Wirtshaus-Explorer: „La Finca“ Nürnberg – ein spanischer (Paella-)Traum mitten in Eberhardshof

Sie ist urig, ein wenig versteckt, und sie bringt spanischen Charme an einen Ort, an dem ihn der Nürnberger gemeinhin wohl nicht suchen würde: Im Kleingartenverein Fuchsloch gibt es mit der „La Finca“ ein spanisches Restaurant, das vor allem durch sein Signature-Gericht, die Paella, zu lokaler Berühmtheit gelangt ist. Wir waren dort zu Gast – und kamen gerne wieder.

Man sieht der La Finca kaum an, dass es sich einmal um ein Vereinslokal nach alter Väter Sitte handelte. Hell und freundlich präsentiert sich der Gastraum, man speist an großen Tafeln. Zuvor passiert man einen Pavillon mit mehreren Gasbrennern. Auf ihren wird die Paella in den traditionellen, flachen, übergroßen Pfannen zubereitet. Carlos Garcia und seine Partnerin Kira Wieland betreiben gemeinsam die Finca, doch „Garcia Paellas“ ist weit mehr: Mit dem Konzept muss man sich ein wenig vertraut machen, insgesamt kommt mir das Ganze ein wenig wie ein Start-up vor. Unter dem Markendach Garcia Paellas hat – und darum soll es in diesem Beitrag maßgeblich gehen – mit „La Finca“ ein eigenes Restaurant eröffnet, daneben gibt es einen Onlineshop mit Paella-Zutaten und Zubehör sowie einen Catering-Service und eine Kochschule.

La Finca Nürnberg - Gastraum

Garcia und Wieland führen seit September letzten Jahres ihr Restaurant der Schrebergartenkolonie „Kleingartenverein Fuchsloch“. Das liegt recht versteckt (und wirklich malerisch) am Ende der Nicolaistraße in Eberhardshof.

La Finca Nürnberg - klassische Paella "Valencia"

Bevor ich auf die anderen Gerichte der vielseitigen Speisekarte eingehe, komme ich auf das Wesentliche zu sprechen: die Paella. Es gibt sie klassisch mit Huhn und Kaninchen, mit Meeresfrüchten (auch geschält) oder vegan. Sie kostet zwischen 20,- und 23,- Euro pro Portion, allerdings muss man mindestens zu zweit sein, um eine Paella-Pfanne bestellen zu können. Nur die Paella mit Hummer schlägt mit 30,- Euro pro Portion zu Buche.

Geschmacklich fein und dennoch würzig, am Pfannenboden leicht kross angebacken, Huhn und Kaninchenfleisch zergehen fantastisch zart im Mund. Das Signature-Gericht der La Finca wird auf gleichbleibend hohem Niveau serviert.

La Finca - Nürnberg - Paella mit Meeresfrüchten

Paella mit Chorizo? Gibt es nicht. Genauso wenig wie eine Paella, in der Fisch und Fleisch gemischt sind. Beides sind, dies begreift man in der La Finca als Bildungsauftrag, Gerichte für Touristen – und für den Paella-Puristen eine kulinarische Provokation. Sonst allerdings ist erlaubt, was schmeckt – und das zelebriert man mit der „Paella des Monats“.

Die Paella ist mit frischen Zutaten hausgemacht und wird heiß und duftend serviert. Wer das Gasthaus betritt, kann Küchenchef Carlos Garcia, der die Paella vor den Augen seiner Gäste zubereitet, genau zuschauen (oder sich in der hauseigenen Kochschule die geheimen Kniffe der Paella-Kunst beibringen lassen).

Carlos Garcia in seiner offenen Paella-Küche

Die „Finca“ hat aber weit mehr zu bieten, als Paella. Wer seinen Restaurantbesuch gerne mit einigen Tapas beginnen möchte, dem bietet sich eine Auswahl von wirklich ausgesuchter Qualität. Begeistert hat uns die Tabla de Quesos; der Manchego-Käse in unterschiedlichen Varianten, serviert mit Salzmandeln, war vorzüglich. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Variante mit fermentiertem schwarzen Knoblauch (16,- Euro) sowie der 36 Monate gereifte Iberico-Schinken (100 Gramm, 24,- Euro).

Tapas

Angenehm auch: acht Delicas de elche, Datteln in knusprigem Speckmantel (8 Stück, 12,- Euro). Und noch eine Vorspeise steht auf der Karte, die hierzulande nicht allzu bekannt sein dürfte, unprätentiös aussieht, jedoch geschmacklich mit einer unerwarteten Intensität überrascht: Montaditos sind kleine, ofenfrische Brötchen, die man wahlweise mit Schweinelende, Serrano und Paprika, Tintenfischringen an Mayonnaise, Bonito-Tunfisch, Sardellen und süßer Paprika, in Apfelwein gegartem Chorizo, Manchego, Schweinefleisch und Honig oder sautierten Pilzen mit Koblauch, Petersilie und Parmesan erhält (das Stück zu 5,- Euro). Man bekommt Lust, sich durch die gesamte Karte zu kosten. Und natürlich fehlen Salatvariationen und Nachspeisen nicht auf dem Speisezettel.

Montadito

Auch die Getränkekarte überzeugt durch eine qualitätsvolle Auswahl und moderate Preise. Der Canonita-Spritz kostet 7,- Euro, ein Seidla Kupfer-Spezial aus Lengenfeld 4,50 Euro, ein Glas Wein (zur Auswahl stehen fünf Rotweine, vier Weißweine und zwei Rosés) kostet zwischen 6,- und 8,- Euro.

Und so verbringt man angenehme Abende in der „Finca“, im Sommer auch im kleinen Gastgarten.

La Finca - Nürnberg

So unscheinbar sich „La Finca“ von außen präsentiert, so sehr konnten uns der liebevolle und persönliche Service, die hervorragenden Speisen, die konstant hohe Qualität der Küche und die Gastlichkeit überzeugen. Eine klare Empfehlung!

La Finca von Garcia Paellas, Nicolaistraße 18, 90429 Nürnberg. Telefon 919 43 116.

Jetzt beim Bürgerentscheid gegen den Ausbau des Frankenschnellwegs stimmen – mit „Ja“!

In vielen Haushalten ist bereits dieses Wochenende der Abstimmungszettel zum Bürgerentscheid „Lieber zurück auf Los statt Ausbau Frankenschnellweg“ am 28. Juni (in der Stadtgesellschaft besser bekannt als „Zurück auf Los!“) mit der Post eingetroffen.

Dankenswerterweise wird der Bürgerentscheid nicht nur in Wahllokalen durchgeführt. Mit der Wahlberechtigung wurden auch gleichzeitig die Briefwahlunterlagen versendet. Das bedeutet, dass man diese nicht erst beantragen muss, sondern unmittelbar per Brief abstimmen kann. Das vereinfacht die Sache für alle Bürger.

Wer den sogenannten „kreuzungsfreien“ Ausbau des Frankenschnellwegs verhindern möchte, der muss in dieser Abstimmung einfach sein Kreuz im Feld „Ja“ machen. Damit würden die bisherigen Pläne zum Ausbau des Frankenschnellwegs abgeschmettert. Jedem, dem unsere Stadt am Herzen liegt, möchte ich daher empfehlen, von der Möglichkeit der Briefwahl Gebrauch zu machen und schon heute mit „Ja“ abzustimmen.

Stimmzettel Bürgerentscheid

Es gibt viele gute Argumente gegen den Ausbau des Frankenschnellwegs. Jetzt haben wir Bürger die Möglichkeit, diesen Argumenten politisches Gewicht zu verleihen und dieses Wahnsinnsprojekt zu stoppen. Lasst diese einmalige Chance daher nicht verstreichen, nutzt Eure Stimme und stimmt gegen den Ausbau mit „Ja“. Durch die jedem Stimmberechtigten automatisch zugestellten Briefwahlunterlagen geht das so einfach und bequem wie nie!

Welche Schlüsse ziehen wir aus dem gestrigen „Schneechaos“?

In den mittlerweile 18 Jahren der Existenz dieses Blogs habe ich ein paar wenige Male über den Winterdienst der Stadt Nürnberg gerantet und mir eigentlich vorgenommen, darauf in Zukunft zu verzichten.

In Nürnberg haben wir uns daran gewöhnt, dass der Winterdienst halbwegs funktioniert (und halbwegs auch nicht). Nebenstraßen werden kaum mehr geräumt, das ist nicht schön, aber hinnehmbar. Mit den Gehwegen vor öffentlichen Gebäuden musste man mithin etwas Geduld haben, aber irgendwann waren auch die freigeräumt. Das alles war vielleicht nicht optimal, aber im Großen und Ganzen akzeptabel. Es war einmal, das musste ich gestern lernen.

Der Schneefall am gestrigen 26. Januar aber hat die Infrastruktur der Stadt Nürnberg an vielen Punkten an die Grenze zur Dysfunktionalität (und mitunter auch darüber hinaus) getrieben. Am gestrigen Montag und am heutigen Dienstag fiel und fällt der Unterricht im Stadtgebiet komplett aus, die Straßenbahn verkehrt nicht, etliche Buslinien fahren ebenfalls nur unregelmäßig. Und der städtische Räumdienst? Der funktionierte ebenfalls kaum. Gestern war ich quasi den ganzen Tag in der Nürnberger Innenstadt unterwegs und musste mit Erstaunen feststellen, dass nicht nur auf das Schneeräumen vor Haltestellen und U-Bahnabgängen verzichtet wurde, sondern die Gehsteige vor öffentlichen Einrichtungen und Schulen kaum oder gar nicht geräumt waren. Das kannte ich bisher so nicht, und das können wir auch in Zukunft so nicht hinnehmen.

Der gestrige Wintereinbruch kam alles andere als überraschend, wurde von den Meteorologen präzise vorhergesagt. Der DWD schickte nicht nur Warnungen, sondern auch Erläuterungsvideos, die Wetterapps von Android und iOS warnten, und auch der fränkische Wetterochs informierte über den Schneefall, auch wenn er für unsere Niederungen „nur“ zehn Zentimeter Neuschnee prognostizierte.

Unabhängig davon müssen wir alle mit einem unumstößlichen Fakt umgehen: Wir befinden uns, auch wenn Rechtsextreme und leider auch viele Konservative das zu leugnen versuchen, nicht nur auf dem Weg zu einem umwälzenden, menschengemachten Klimawandel, wir sind schon heute von seinen unmittelbaren Auswirkungen betroffen. Und diese Auswirkungen machen freilich auch keinen Bogen um die Stadt Nürnberg. Auch wenn extreme Schneefälle in Zukunft wohl im Vergleich zu früheren Jahrzehnten seltener werden, werden sie, nach allem, was wir heute wissen, extremer. Darauf müssen wir uns vorbereiten – die Bürger genauso wie die Kommune.

Und genau die sehe ich in zunehmendem Maße immer weniger handlungsfähig. Es waren gestern nur wenige alte Leute auf den Straßen zu sehen, die mit den Schneemassen und der Glätte ihre Probleme hatten, wer irgend konnte, blieb zu Hause. Nein, mit den winterlichen Verhältnissen struggelten auch Menschen, die man gemeinhin als jung und fit bezeichnen würde, Kinder, Mütter mit ihren Babywagen.

Weder der VAG, noch dem SÖR möchte ich an dieser Stelle einen Vorwurf machen. Die Mitarbeiter kämpfen an solchen Tagen an allen Fronten. Gerade die VAG-Busfahrer, das haben wir unmittelbar erlebt, versuchten mit viel Einsatz und Geduld, die Engpässe bestmöglich aufzufangen. Dafür gebührt ihnen Dank und Anerkennung. Dass aber genau an den Stellen, die das Funktionieren der städtischen Infrastruktur gewährleisten müssen, die „Personaldecke“ so dünn ist, dass nach dem ersten Tag eines Wintereinbruchs nicht einmal vor öffentlichen Gebäuden die Fußgänger sicheren Fußes ihren Weg machen können, sollte uns schon aufrütteln. Seit Jahren sind die Streugutboxen im Stadtgebiet abgebaut, der Bürger, auch der ältere, soll selbst sehen, wie er seiner Streupflicht nachkommt. Wir sind als Stadt außerstande, wenigstens die Straßenbahngleise so weit schneefrei zu halten, dass wenigstens einige in einem weitmaschigen Not-Takt fahren können. Treppenabgänge und Rampen sind so spiegelglatt, dass sie nicht genutzt werden können. Während sich der Bürger in permanenter Gefahr sieht, die Haxen zu brechen, treibt Bürgermeister König und seine Konsorten von der CSU den völlig unnötigen, milliardenteuren Ausbau des Frankenschnellwegs voran, und versuchen mit allen Mitteln, Tatsachen für dieses Wahnsinns-Projekt zu schaffen. Wir leisten uns an historisch völlig ungeeigneter Stelle eine Opern-Interims-Spielstätte und wollen eine Bundesgartenschau im Stadtgraben abhalten. Es ist schlicht eine Frage der Prioritäten: Personal oder Prestigeprojekte?

Für alle Bürger wurde gestern offenbar, was wir von der Entscheidung zugunsten der Finanzierung von Prestigeprojekten haben. Dass diese Erkenntnis bis zum (baldigen) Wahltag anhalten wird, darauf wage ich indes kaum zu hoffen. Aber selbst einfache Maßnahmen können, dürfen und werden nicht mehr durchgeführt. An solchen Tagen wie gestern und heute gäbe es eine gute und gangbare, wenn auch nicht ganz umweltschonende Lösung: Streusalz.

Die Kommunen dürfen Streusalz nach eigenem Belieben selbst dann verwenden, wenn sie es dem Bürger per Vorordnung untersagen. Diese Situation empfinde ich zwar nicht als besonders gerecht, aber es würde zumindest etwas Abhilfe schaffen – doch selbst das passiert auf Gehwegen nicht mehr; man salzt nicht mehr. Dabei würde Salz selbst bei anhaltendem Schneefall nicht nur Bürgersteige, Fußgängerübergänge, Treppen und Rampen mindestens über viele Stunden vor Glätte schützen und gefahrlos begehbar halten, es würde so auch die Mitarbeiter des Winterdienstes entlasten. Und dieses probate Mittel sollte auch der Bürger einsetzen dürfen. Wenn zwei Tage am Stück der Unterricht ausfallen muss, keine Straßenbahn mehr fahren kann, alle Wege spiegelglatt sind und die kommunalen Eigenbetriebe mit dem Schneeräumen nicht mehr hinterherkommen, wenn die Müllabfuhr nicht mehr fahren kann und die Friedhöfe geschlossen bleiben müssen, wenn dem Bürger wohnortnah zudem keine Streumittel über die Boxen zur Verfügung gestellt werden, wie kann man dann dem Bürger verbieten, Streusalz zu verwenden? Das ist schlicht nicht vermittelbar.

Gleichwohl wird in der Winterdienst-Broschüre des Eigenbetriebs SÖR der Einsatz von Streusalz dem Bürger kategorisch untersagt:

Verwenden Sie umweltfreundliches Streumittel. Der Einsatz von Salz auf öffentlichen Gehwegen ist grundsätzlich verboten.

Klar: Im Übermaß verwendetes Streusalz ist für die Umwelt schädlich, denn es belastet gewegnahe Pflanzen und auch straßennahe Bäume. Zudem belastet es Gewässer und kann auch in den Kläranlagen problematisch sein, wenn sich im Tauprozess Spitzenkonzentrationen bilden. Und auch für Haustiere ist es wenigstens unangenehm. Auf der anderen Seite tritt selbst bei sehr sparsamer Anwendung ein guter Taueffekt ein, der sogar mehrere Tage anhalten kann, selbst dann, wenn es weiterschneit. Wenn man dann noch in die Betrachtung einfließen lässt, dass die schneereichen Tage in den letzten Jahrzehnten immer weniger wurden, und die Vorteile gegen die Nachteile abwägt, spricht von der Warte der Vernunft betrachtet nur wenig gegen einen Streusalzeinsatz mit Augenmaß. Sowohl seitens der Kommunen als auch vonseiten der Bürger.

Mit Einsetzen der Schneeschmelze und Wetterbesserung wird auch diese Malaise schnell vergessen sein. Es wäre dennoch wünschenswert, würde die Stadtgesellschaft aus den Ereignissen der letzten beiden Tage einige Lehren behalten. Eine bessere personelle Ausstattung der städtischen Eigenbetriebe ist keine illusorische Forderung – im Bedarfsfall muss die Stadt handlungsfähig sein und bleiben. Das kostet Geld, Geld, das hier allerdings weitaus besser angelegt ist, als in städtischen Prestigeprojekten oder dem nackten automobilideologischen Rohrkrepierer „Kreuzungsfreier Frankenschnellwegsausbau“. Das ist letztlich eine Frage des politischen Willens. Auch der Bürger muss im Winter die Möglichkeit haben, Gehwege nach dem Räumen mit Taumitteln zu streuen. Allein die Rücksichtnahme auf Fußgänger, die schwächsten Verkehrsteilnehmer, macht das erforderlich. Der ÖPNV ist das verkehrliche Rückgrat der Stadt. Ein Schneefreihalten der Straßenbahngleise muss ebensoviel Priorität genießen, wie das Beräumen der Verkehrsstraßen.

Nürnberger Lebkuchen – wer ist der Beste unter den Besten?

Diesen Post, darum möchte ich bitten, möget Ihr, liebe Leserinnen und Leser, nicht allzu ernst nehmen, behandelt er doch ein Thema, das eine allzu große Gravitas kaum verdient. Auf der anderen Seite – cum grano salis – birgt es doch das Potenzial, die Nürnberger Volksseele zum Kochen zu bringen. Alle Auswärtigen (darunter zähle ich auch die Fürther) möchten zudem bitte auch über meinen Lokalpatriotismus in Milde und Güte hinwegsehen.

Es geht um den Nürnberger Lebkuchen. Und ein so edles Gebäck von Rang und Stand, von so nobler Herkunft, verträgt keinen Spaß.

Der Nürnberger Elisen-Lebkuchen ist in der Tat etwas ganz Besonderes. Hergestellt werden darf er nur im Stadtgebiet unter teils strenger Überwachung, seine Bestandteile und vor allem Nicht-Bestandteile sind im Deutschen Lebensmittelbuch genauestens geregelt, zwei unabhängig voneinander arbeitende Schutzverbände wachen akribisch über die Einhaltung der traditionellen Regularien. Bei so viel Reglement möchte man auf die Idee kommen, der Nürnberger Elisen-Lebkuchen sei ein weitgehend generisches Produkt – doch weit gefehlt! In den Feinheiten von Konsistenz, Rezeptur und Würzung, Backdauer und Backtemperatur trennt sich die Spreu vom Weizen (letzterer darf gemahlen nur zu zehn Prozent im Gebäck enthalten sein, ein qualitätvoller Lebkuchen enthält aber grundsätzlich gar kein Getreidemehl).

Wie viele Lebküchner es in Nürnberg gibt, war mit einer mittellangen Recherche nicht zweifelsfrei auszumachen. Neben einer Handvoll industrieller Großbetriebe produzieren in Nürnberg etliche mittelständische Lebküchnereien und vor allem viele bestbeleumundete Handwerksbetriebe diese köstliche Königin des Backwerks. Man muss in Nürnberg, auch wenn der Franke das gemeinhin gerne tut, sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Nicht allein geschmacklich, sondern auch den Einsatz hochwertiger Rohmaterialien betreffend, ist der feine Nürnberger Elisen-Lebkuchen unbestritten das beste Weihnachtsgebäck – weltweit, wohlgemerkt. Und daher genießt er, auch das ist keine Übertreibung, mit Fug und Recht Weltruhm.

Angesichts der vielen Produktionsbetriebe in Nürnberg und angesichts der vielen Superlative, die der feine Elisen-Lebkuchen kaiserstädtischer Herkunft in sich zu vereinen weiß, ist die Frage nach dem Besten unter den Besten selbstredend eine ernste Angelegenheit.
Und ein veritabler Streitpunkt in Nürnberger Familien. Denn die bevorraten sich, sofern sie ähnlich lokalpatriotisch aufgestellt sind, wie der Autor dieser Zeilen, zur Weihnachtszeit mit etlichen Kilogramm Elisen aus der von ihnen nach langem Probieren und Abwägen zum Hoflieferanten auserkorenen Lebküchnerei. Zehn, dreißig, fünfzig Elisen-Lebkuchen darf man in Nürnberg noch unbescholten in die Kategorie „Eigenbedarf“ einordnen.

Kommen wir zurück zur ernsten Frage: Wer backt den besten Nürnberger Lebkuchen? Diese hochumstrittene Frage stellt sich jedes Jahr zur Weihnachtszeit. Es ist, das ist einfach zu sagen, sehr schwierig zu sagen. Selbst der renommierte Falstaff drückt sich um die Antwort und präsentiert lediglich eine Auswahl, auch die offizielle Webseite der Stadt Nürnberg möchte sich nicht festlegen. Das inzwischen leider nicht mehr aktualisierte „Nürnberg und so“-Blog war weiland etwas mutiger und kürte 2014 letztmalig die besten Lebkuchen, damals hatte Rainer Nusselt die Nase vorn, äußerst knapp gefolgt von Holger Düll und den Lebkuchen der Konditorei Witte. Im Vorjahr waren die Lebkuchen der Familie Düll Spitzenreiter. Doch seit über zehn Jahren hat sich an das heikle Thema niemand mehr herangewagt – bis zum heutigen Tage. Denn nun hat unsere Lokalzeitung den in einer Umfrage ermittelten Sieger bekannt gegeben. Wer das ist – dazu später mehr.

Im hiesigen Pressehaus hat man reichlich Erfahrung mit Votings um Bestenplätze. Der Verlag Nürnberger Presse suchte schon den besten Döner der Stadt, die beste Pizza der Stadt und das beste fränkische Bier (der Region). Die Abstimmung steht nicht nur den Abonnenten der beiden Zeitungstitel des Hauses offen, im Prinzip kann jeder, der möchte, daran teilnehmen. Das erhöht freilich die Größe der Stichprobe. Ob man damit allerdings ein möglichst unbeeinflusstes Ergebnis ermitteln kann, dahinter darf man getrost ein vorsichtiges Fragezeichen setzen. Als geneigter Leser konnte ich mich in der Vergangenheit schon mehrmals nicht des Eindrucks erwehren, dass das Voting nicht von tatsächlich im Volke sorgsam abgewogenen Qualitätseindrücken dominiert war, sondern von dem gewonnen wurde, dem es per Online- und Social-Media-Marketing am besten verstand, seine Fans zur Stimmabgabe zu bewegen.

Ob dieser Eindruck sich wirklich bestätigt und ob das beim Lebkuchen-Voting auch eine Rolle gespielt hat, das kann ich mit letzter Sicherheit nicht sagen. Vielleicht war es auch ganz anders.

Der Lebkuchen ist ein Traditionsprodukt. Freilich gehen viele Lebkuchen in den Versand, die Firma Lebkuchen Schmidt, ein großer Industriebetrieb, macht einen Gutteil ihres Umsatzes über das Versandgeschäft. Der Nürnberger selbst allerdings kauft seine nicht-industriell gefertigten Lebkuchen vor Ort. Wer hier, an Theke und Kasse, durch ein geschicktes Verkaufsgespräch seine Kunden zur Abstimmungsteilnahme motiviert bekommt, der hat wenigstens die halbe Miete eingespielt.

Witte Spezialitäten, Fürth

Witte Spezialitäten, Fürth

Dieser Tage fand ich mich, es ist der Jahreszeit und meiner Naschlust geschuldet, an drei Lebkuchen-Verkaufstheken wieder: der der Lebkucherei Düll in der Mathildenstraße, der der Lebküchnerei Pia und Bernhard Woitinek in der Peter-Henlein-Straße und auf dringende Empfehlung eines Freundes auch an der der Konditorei Witte in der Gründlacher Straße (in Fürth! Gut, dass ich Protestant bin, andernfalls hätte ich das jetzt beichten müssen).

Mein Besuch in den Häusern Düll und Witte lief so, wie man sich den Besuch in einer Bäckerei oder in einem Lebensmittelgeschäft gemeinhin vorstellt. Nach Betreten des Ladenlokals äußerte ich meine Wünsche, bekam Lebkuchen ausgehändigt, bezahlte und ging. Bei der Lebküchnerei Woitnek in der Peter-Henlein-Straße lief es im Prinzip genauso, zwischen der sehr freundlichen Verkäuferin und uns entspann sich aber ein interessanter Dialog, den ich hier nicht vollständig wiedergeben kann, der aber mehrere spannende Informationen enthielt. Beim Bezahlen wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass gerade ein großes Voting der NN liefe und man sich sehr freue, wenn man für die Woitinek-Lebkuchen stimme. Ein entsprechender Hinweiszettel mit QR-Code auch zur Google-Bewertung, war am Verkaufstresen angebracht.

Verkaufsraum der Lebküchnerei Woitinek in der Peter-Henlein-Straße

Verkaufsraum der Lebküchnerei Woitinek in der Peter-Henlein-Straße

Ich erfuhr zudem, dass es zwei Woitineks in Nürnberg gibt (den Lebküchner und den Bäcker), durfte den Laden für den Artikel fotografieren und bekam zudem die Information, dass man bei Woitinek auch glutenfreie Lebkuchen aus eigener Herstellung anbietet.

Nun ist es leicht vorstellbar: Wer einen gut laufenden Laden mit hoher Kundenfrequenz betreibt, dort auf das Voting gut sichtbar hinweist und zudem proaktiv seine Kunden bittet, an der Abstimmung teilzunehmen, der wird sich auf diesem direkten Wege möglicherweise sogar entscheidende Stimmanteile sichern können. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Wer das Voting als Baustein seines eigenen Marketings erkennt und sich entsprechend engagiert, darf auch den Erfolg ernten. Spannend allerdings ist, dass man es mit den Lebkuchen in Nürnberg scheinbar bierernst meint. So gibt das Pressehaus in dem oben verlinkten Artikel bekannt:

Leider mussten wir feststellen, dass unsere Umfrage technisch manipuliert worden ist. Die Bot-Attacken hatten in den vergangenen Tagen massiv zugenommen, sprich: Computerprogramme gaben automatisiert und im großen Stil Stimmen ab. Am Ende mussten wir über 1000 ungültige entfernen. Fair Play geht anders.

Da kann ich nur staunen. Ein Lebkuchen-Voting ist ja im Grunde ein Gag und genauso wenig ernst zu nehmen wie ein Bier-Voting oder ein Pizza-Voting. Welches Produkt jetzt das beste ist, lässt sich damit kaum ermitteln. Denn so wie es gut und gerne dreißig unabhängige Bäckereien mit eigenen Lebkuchen und Lebküchnereien in Nürnberg gibt, gibt es in der Noris hunderte Pizzerien, in Franken aberhunderte Brauereien. Kein Bürger wird den Direktvergleich von dreißig Elisen-Lebkuchen, hunderten Pizzen oder sechs-, siebenhundert Bieren haben (auch wenn das zweifelsohne schön wäre). Es ist wie in der Politik: Der Bürger wählt, was er namentlich kennt, mit etwas Glück sogar das, was er zu mögen meint. Dass man bei so einem, freilich bedingt auch marketingtauglichen, Spaß ernsthaft den Aufwand einer technischen Manipulation betreibt, ist mindestens irritierend. Da nimmt also jemand das Ding mit den Lebkuchen tatsächlich bierernst.

"Kleines Elisen-Seidla" Schanzenbräu x Wicklein Nürnberg

„Kleines Elisen-Seidla“ Schanzenbräu x Wicklein Nürnberg

Das mit dem Bierernst, das möchte ich am Rande, „off topic“ anmerken, kann man in diesen Wochen ganz praktisch probieren. Die Brauerei Schanzenbräu hat in Zusammenarbeit mit Wicklein ein „Elisen-Seidla“, ein Biermischgetränk aus Hellem und Lebkuchen-Gewürztee, herausgebracht, das zumindest interessant schmeckt. 0,33 Liter kosten recht stolze 4,- Euro.

Zurück zum Voting. Das hat die Lebküchnerei Woitinek in der Peter-Henlein-Straße, deren Produkte nicht mit den Lebkuchen des Bäckers und Bruders Wolfgang Woitinek in der Saarbrückener Straße (Luftlinie etwas mehr als vier Kilometer) verwechselt werden dürfen, mit einem Vorsprung von 250 Stimmen vor Rainer Nusselt gewonnen. Witte, Düll und Der Beck (?!) machen den dritten, vierten und fünften Platz. Woitinek gönnt man den ersten Platz. Der Bäckermeister ist bemüht, trotz massiv gestiegener Haselnuss- und Kakaopreise den handwerklich gemachten Lebkuchen nicht zu einem Luxusartikel werden zu lassen, der Fünferpack kostet auch in diesem Jahr noch immer unter zehn Euro.

Im Prinzip ist es aber völlig egal, wer das Voting gewonnen hat, denn man kann schlicht und ergreifend nicht den besten Lebkuchen bestimmen. Und den besten Lebküchner auch nicht. Deren Produkte sind, analog zu den Geschmäckern der Kundschaft, völlig unterschiedlich. Manche Lebküchner backen ihre Lebkuchen sehr fein, bei anderen ist der Teig durch die Nüsse eher grob, einige backen den Lebkuchen auch ganz bewusst stückig-spundig. Mindestens genauso wichtig sind die verwendeten Gewürze. Der eine bevorzugt eine dominante Zimtnote, ein anderer Lebkuchen ganz ohne Zimt. Mancher Lebkuchen hat eine sehr vordergründige, weihnachtlich-warme Würzung, ein anderer wiederum ist nur sehr zurückhaltend gewürzt und lässt den Nuss- und Mandelaromen den Vortritt, der nächste wiederum schmeckt vordergründig vor allem mazipanig-weich. Welcher soll nun der beste sein?

Mit dem Voting hat das Pressehaus aber allen Lebküchnern der Stadt einen Dienst erwiesen – zeigt es doch die unglaubliche Vielfalt des Lebkuchens, seine tiefe Verwurzelung in seiner Heimatstadt und seine kompromisslose Güte. Was wäre die Vorweihnachtszeit ohne Lebkuchen? Eben.

Nun bleibt eigentlich nur eine Frage offen: Welcher ist der Lieblingslebkuchen des Autors dieser Zeilen? Ich drücke mich um eine Antwort, auch, weil wir immer mal wieder Neues ausprobieren. Soviel sei aber gesagt: Die kräftig-spundigen Lebkuchen der Bäckerei Düll sind bei uns ganz weit vorn. Sehr gerne essen wir auch die wesentlich teigfeineren und zurückhaltender gewürzten Mirus-Lebkuchen. Auch die Lebkuchen von Woitinek aus der Peter-Henlein-Straße schmecken hervorragend. Angenehm weich, kräftig gewürzt und dennoch nicht zu süß. Und in diesem Jahr haben wir auch die Lebkuchen von Bäcker Wolfgang Woitinek für uns entdeckt, sie sind geschmacklich sehr fein abgestimmt und ebenfalls wunderbar zart. Erstmalig haben wir in diesem Jahr auch Witte gekostet – es gibt immer was zu entdecken!

Kleines Mastronautentreffen auf dem Goho-Adeventszauber-Weihnachtsmarkt

Leider schaffen wir es, wie im letzten Monatsrückblick ja schon angekündigt, nicht, in diesem Jahr ein weiteres größeres regionales Mastodon x Bluesky-Usertreffen zu organisieren.

Damit wir uns aber nicht ganz aus den Augen verlieren, wollen wir uns spontan in kleiner Runde treffen, und zwar am kommenden

Mittwoch, den 19. November 2025
ab 18 Uhr auf dem Goho HoHo-Weihnachtsmarkt
an der Adam-Klein-Straße, Kirchplatz Dreieinigkeitskirche
90429 Nürnberg.

Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Wer Zeit und Lust hat, kommt einfach vorbei.
Der Weihnachtsmarkt ist nicht allzu groß, wir werden uns also erkennen und zusammenfinden.

Wir sehen uns am Mittwoch zu Glühwein, Glühbier, Bratwurstweggla… in vorweihnachtlicher Atmosphäre!

Herzlichst, Karl & Michi

Wirtshaus-Explorer: Das Wacholderstübchen in der Marterlach, Nürnberg

Der Stadtteil Marterlach, ein wenig eingekeilt zwischen Südwesttangente, Frankenschnellweg und den Zulaufgleisen zum Rangierbahnhof, wird wohl von Ortsfremden nur wenig frequentiert. Und so ist es schon fast verwunderlich, dass wir auf das am namensgebenden Wacholderweg gelegene Wacholderstübchen aufmerksam wurden – denn auch uns, aus dem Nürnberger Norden kommend, verband mit der Gegend bislang kaum etwas.

Wacholderstübchen, Nürnberg

Unweit des Geländes des Sportparks Süd vom ATV Frankonia gelegen, bietet das Wacholderstübchen einen fast schon idyllischen Außenbereich und auch eine gemütliche Gaststube.

Wacholderstübchen, Nürnberg

Die Speisekarte bietet vor allem fränkische Küche, die Wirtshausklassiker Schnitzel und Cordon Bleu, Currywurst mit Pommes, Schaschlik oder die Vesperplatten sind immer zu haben. Sonntags stehen auch diverse Bratengerichte und freilich auch das fränkische Schäufele und saisonal natürlich auch Karpfen und Karpfenfilet auf der Karte. Auch wenn das Speisenangebot tendenziell eher fleischbetont ist, ist man auch bemüht, die ein oder andere vegetarische Alternative anzubieten.

Wir besuchten eines schönen Mittwochs den schattigen Biergarten und genossen zuerst das gepflegte Bierangebot (Brauereien Kulmbacher und Mönchshof), auch der Frankenweinschoppen, in meinem Fall Silvaner, mundete. Das großzügige Cordon bleu, goldbraun gebacken mit einem Berg Pommes, war ausgezeichnet. Ein Beilagensalat gehört selbstverständlich mit zum Gericht.

Cordon Bleu, Wacholderstübchen, Nürnberg

Auch der großzügig gesteckte Schaschlikspieß schmeckte gut, das Fleisch (ohne Leber) war wunderbar zart, die Zwiebeln hatten noch angenehmen Biss und fügten sich geschmacklich gut zur angenehm würzigen Soße.

Schaschlik, Wacholderstübchen, Nürnberg

Insgesamt bietet das Wacholderstübchen zu sehr fairen Preisen eine handwerklich gute, bodenständige Küche. Der Service war sehr verbindlich, flott und angenehm. Insgesamt ist die Atmosphäre im Gasthaus ruhig und gastfreundlich. Wir haben uns wohlgefühlt und einen entspannten Abend dort verbracht.

Eine Webseite habe ich nicht gefunden, es gibt aber Neuigkeiten und Angebote auf einer Facebook-Seite.

Gaststätte Wacholderstübchen, Wacholderweg 11, 90441 Nürnberg. Telefon: 427 440.

Zurück auf los! Tragt Euch jetzt beim Bürgerbegehren gegen den Ausbau des Frankenschnellwegs ein!

In einem meiner letzten Posts habe ich ja zum geplanten „Ausbau“ des Frankenschnellwegs Bezug genommen. Das Wording der Stadtspitze wird dem Vorhaben nach meinem Dafürhalten nicht gerecht, denn in Planung ist mitnichten die Verlegung des Frankenschnellwegs in eine Tunnelröhre, sondern eine doppelstöckige Autobahn oberirdisch und quasi parallel unterirdisch – mitten durch die Stadt. Die Kosten dafür: Mehr als eine Milliarde Euro, der Gutteil davon ist durch die ohnehin ordentlich überschuldete Stadt Nürnberg zu tragen*. Gerade Förderzusagen des Freistaates stehen auf wackeligen Füßen.

Auch im Hinblick auf die dringend gebotene Verkehrswende ist der gegenwärtig geplante Ausbau ein Dummheitsprojekt, eines, das die Stadt bis weit in die 2040er Jahre verkehrstechnisch stark in Mitleidenschaft ziehen wird.

Das Thema Frankenschnellweg ist durchaus komplex, die Debatte um den sogenannten „kreuzungsfreien Ausbau“ wird seit wenigstens dreißig Jahren geführt. Eine aus meiner Sicht sehr wertvolle und anschauliche Zusammenfassung des aktuellen Planungsstandes, seiner Vor- und Nachteile, hat bereits vor vier Jahren die Medienwerkstatt Franken gedreht, sie steht auf Youtube zur Verfügung. Den knapp halbstündigen Beitrag möchte ich Euch daher sehr herzlich anempfehlen.

Wer für sich nun zu dem (aus meiner Sicht naheliegenden) Schluss kommt, dass der Frankenschnellweg in dieser Art nicht „ausgebaut“ werden sollte, der möge seine Stimme nutzen und sich beim Bürgerbegehren „Lieber zurück auf Los“ eintragen. Auf der Webseite der Bürgerinitiative findet man eine sehr interessante Animation, die zeigt, wie nutzlos dieses teure Unterfangen ist und dass die vermeintliche Stadtreparatur in Wahrheit mehr Schaden anrichtet, als Nutzen stiftet.

Wer das einmal verstanden hat, wird sich kaum mehr für die aktuellen Ausbaupläne des Frankenschnellwegs aussprechen, es sei denn, er profitiert wirtschaftlich davon.

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* Ich wende mich gegen den Ausbau des Frankenschnellwegs nicht allein wegen der Kosten, dieses Argument spielt für mich eine eher untergeordnete Rolle (was mich wirklich ärgert, ist, dass eine „Stadtreparatur“ versprochen wird, die keine ist, um den Preis einer massiven Erhöhung des innerstädtischen Verkehrs, der die Lebensqualität in unserer Stadt erheblich einschränken wird). Aber ein Problem muss an dieser Stelle ganz deutlich benannt sein: Der Frankenschnellweg war immer und ist freilich auch heute de facto eine Autobahn, das städtische Teilstück der A73, für dessen Instandhaltung eigentlich Bund und Land aufkommen müssten. Er ist allerdings nominell keine Autobahn, sondern als Kreisstraße gewidmet. Damit sind die Kosten für Erhalt und Ausbau von der Kommune, also der Stadt Nürnberg, zu tragen.
Die beiden Markusse Söder und König plädieren im Schulterschluss für den Ausbau. Söder hätte selbstredend die Möglichkeit, den neuen Frankenschnellweg als Autobahnteilstück umzuwidmen und damit voll für die Kosten einzustehen, das will er aber nicht. Eine Milliarde (die sicher nicht langen wird) ist eben eine Milliarde, die bindet sich niemand freiwillig ans Bein, so weit geht die Liebe der CSUler zu den Bürgern Nürnbergs dann doch nicht. Vielmehr zwingt er seiner Heimatstadt, die ohnehin hoffnungslos überschuldet ist, den Löwenanteil der Kosten auf. Man kann sich an dieser Stelle nicht des Eindrucks erwehren: Läge der Frankenschnellweg nicht in Nürnberg, sondern in München, der Freistaat wäre seit Jahrzehnten für die Unterhalts- und Baukosten aufgekommen.

Schon wieder Wechselverkehr wegen des Bahnhofs Muggenhof

So, jetzt muss ich mal leider ein wenig ranten – und zwar über die VAG und ihr ultranerviges Dauerprojekt „U-Bahnhof Muggenhof“. Sorry dafür, wird nicht allzu lang und geht gleich wieder – aber: Ich bin genervt. Ich bin sowas von genervt.

Worum geht es? Ich pendle quasi jeden Tag mit der U2 und U1 von Nürnberg nach Fürth. Das klappt auch leidlich ordentlich, es sei denn, irgendwo auf der Strecke ist mal wieder Baustelle. Baustellen der U-Bahn begegnen dem vielfach leidgeprüften Nürnberger Nahverkehrsnutzer ungünstigerweise relativ häufig, das ist einfach dem Umstand geschuldet, dass die ältesten U-Bahn-Abschnitte inzwischen fast 55 Jahre alt sind. Hier müssen mit der Zeit nicht nur Gleise und Signalanlagen erneuert werden, mittlerweile läuft auch seit einigen Jahren die Ertüchtigung einiger Bahnhöfe (interessanterweise nicht mal die der ältesten). Das ist für den Fahrgast nervig, aber es lässt sich nicht ändern.

Der Bahnhof Muggenhof ist älter als die gesamte U-Bahn. Mit dem Bau des Frankenschnellwegs hatte man das Problem, die Straßenbahn von Nürnberg nach Fürth nicht die autobahnähnliche Schnellstraße kreuzen lassen zu wollen, und so wurden ab 1967 der Bahnhof und die Hochbahnbrücke errichtet und 1970 in Betrieb genommen. Anfang der 1980er-Jahre baute man dann die U-Bahn von Nürnberg nach Fürth aus und „ertüchtigte“ diesen Teil der Straßenbahninfrastruktur für die U-Bahn. Eine große Sanierung geschah im Jahr 2000, die Generalsanierung zieht sich seit 2021 hin und kostet die Fahrgäste den letzten Nerv. Im Bauverlauf entdeckte man eine vollends durchmorschte Unterkonstruktion, die getauscht werden musste, die neue Einglasung des aufgeständerten Bahnhofs dauerte ewig und nun stehen seit vier Wochen erneut Gleisbauarbeiten an – bis zum Ende der bayerischen Schulferien. Arbeiten sieht der vorbeifahrende ÖPNV-Nutzer im Bahnhof allerdings nur selten jemanden. Mittlerweile drängt sich mir die Frage auf, ob es nicht besser gewesen wäre, den Bahnhof samt Hochbahnbrücke einfach abzureißen und komplett neu zu bauen.

Unter Fachleuten munkelt man (das ist, darauf weise ich aber ausdrücklich hin, eine Information, die zwar gut denkbar ist, aber eben noch den Status eines Gerüchts hat), dass es um die Hochbahnbrücke über den Frankenschnellweg noch schlechter bestellt sei, als um den Bahnhof. Die Brücke, ursprünglich eben für die langsamer fahrenden Trambahnen ausgelegt, sei recht marode und gehöre sich, so die Gerüchte, ausgetauscht. Vielleicht wird das nächste Nadelöhr für den Nahverkehrsnutzer. Und dann steht uns ja noch die Komplettsanierung des Nürnberger Plärrers bevor, der Bahnhof ist ja auch baulich stark angegriffen und es drückt das Wasser durch die Bahnhofsdecke.

Wenn Söder, König und Co. nun tatsächlich am „kreuzungsfreien“ Ausbau des Frankenschnellwegs festhalten, wird sich der Verkehrsstrom unvermeidbar in all seiner Fülle in die Fürther Straße ergießen – und das wohl mindestens für zehn Jahre, wahrscheinlich sogar länger. Wer die Fürther Straße kennt, weiß, was das bedeutet: den sicheren tagtäglichen Verkehrsinfarkt zwischen Nürnberg und Fürth. Für zehn Jahre. Man mag es sich kaum vorstellen.

Sind bis dahin allerdings nicht die wesentlichen Bauprojekte Muggenhof, Hochbahnbrücke und Plärrer erledigt und würden diese unweigerlich nötigen Arbeiten gar in die Zeit des „Ausbaus“ des Frankensnellwegs fallen, ginge zwischen Nürnberg und Fürth gar nichts mehr, weil ein Ausweichen auf die U-Bahn und damit die zukünftig dringend benötigte Entlastung der Fürther Straße verunmöglicht wäre. Das Chaos wäre vorprogrammiert.

Lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende: Ja, die VAG hat nicht genug Busse für einen durchgängig rollierenden Bus-Ersatzverkehr, das ist bekannt. Die zu beschaffen wäre nötig. Und dann müsste man nach meinem Dafürhalten alle Bauprojekte auf diesem wichtigen Streckenabschnitt der U1 parallel und mit geballter Manpower straight durchziehen. Die inzwischen seit 2021 bestehende Flickschusterei jedenfalls hat keinen Sinn mehr.

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