Fixminze/Fixbutte

gesehen in der Fichtestraße, 2022
Nürnberg-Blog | Technik, Politik und (digital) lifestyle

gesehen in der Fichtestraße, 2022
Der Fernradioempfang über Kurzwelle war in den 1990er Jahren (und auch in den frühen 2000ern) noch ein durchaus gängiges Hobby für technikinteressierte (junge) Erwachsene – und auch mich hat die Faszination für die kurzen Radiowellen, die sich an der Atmosphärenschicht brechen und so quasi den halben Erdball (oder mehr) umspannen, nie ganz verlassen. 2009 kaufte ich meinen letzten ernstzunehmenden Weltempfänger, den ich einige Jahre nutzte, aber seit gut zehn Jahren war ich quasi Kurzwellen-abstinent, den Roadstar-Empfänger habe ich an einen Freund verschenkt.
Irgendwie hat mich die Kurzwelle aber dennoch wieder gereizt, gerade in unseren Zeiten internationaler Verwerfungen scheint mir der Empfang von Auslandssendern wieder interessant. Ein wohlmeinender Funkamateur auf Twitter dämpfte meine Euphorie aber ein wenig: „Du wirst die Kurzwelle nicht wiedererkennen“, schrieb er (und sollte mit dieser Einschätzung recht behalten, in mehrerlei Hinsicht).
Nach einiger Überlegung habe ich mir dann doch wieder einen Weltempfänger geklickt, einen Taschenempfänger (denn so einen großen Kasten wie den Roadstar wollte ich mir dann doch nicht wieder in die Wohnung stellen). Die Wahl fiel kurzerhand auf ein chinesisches Modell, den Tecsun PL-330. Die Gründe für die Bestellung dieses Radios sind schnell herunterdekliniert: Das Radio hat ein tolles kompaktes Format (139 x 85 x 26 mm), wiegt mit Akku etwas weniger als 250g, in den Rezensionen unterschiedlicher Händler wurden ihm durch die Bank gute Empfangseigenschaften beschieden und letztlich gefiel mir auch das typische „80er-Jahre“-Design sehr gut (ich tappe gewöhnlich gerne und sehenden Auges in jede Retro-Falle…).

Bestellt habe ich das Radio direkt in China, über einen der zahllosen Stores des Portals Ali-Express. Ob das so schlau war? Schließlich fallen bei Bestellungen in China inzwischen Zollgebühren an, eine Bagatellgrenze scheint es inzwischen nicht mehr zu geben. Aber der Zoll verzichtete bei mir ganz offensichtlich auf das Einheben irgendwelcher Gebühren, innerhalb von zwei Wochen war das Radio, das ein kleines Taschengeld kostet, bei mir. Geliefert mit Hermes. Wer das Zollthema nicht riskieren möchte und auf eine volle Garantie Wert legt, kann den Empfänger aber auch bei deutschen Händlern bekommen. Inklusive einer deutschen Bedienungsanleitung, meinem Radio lag nur ein chinesisches Heft bei.
Unprätentiös das Unboxing: In einer kleinen Faltschachtel befindet sich in einer Luftpolsterfolie das Radio, eine Schutztasche einfacher Machart (ein „Sackerl“), der Akku und ein USB-auf Mikro-USB-Ladekabel liegen der Lieferung ebenso bei, wie eine chinesische Kurzanleitung und ein Paar einfache Ohrhörer. Geliefert wird eine rein chinesische Bedienungsanleitung, allerdings hat sich hier jemand die Mühe gemacht, die Bedienungsanleitung exzellent ins Deutsche zu übersetzen.
Die digitale Signalaufbereitung verdient besondere Erwähnung. In der englischen Gerätebeschreibung heißt es: „Fitted with modern DSP digital demodulation technology which greatly enhances reception sensitivity, selectivity, signal-to-noise radio and interference performance“ – das klang mir doch arg nach dem üblichen „Marketing-Sprech“, aber zumindest was Empfindlichkeit und Fading betrifft, ist die Aussage wahr. Ich will jetzt nicht allzu euphorisch klingen, aber ich habe Kurzwelle noch nie mit so wenig Fading gehört. Wenn das Signal auch nur halbwegs stabil ist, kann man Sendungen über lange Zeit mühelos folgen.
Auch wenn die vielen Tasten anderes vermuten lassen, ist der Bedienkomfort erstaunlich hoch und die Bedienung in sich schlüssig. Ein wenig beschäftigen und mit den Funktionen vertraut machen muss man sich schon, aber wer heute bewusst ein Kurzwellenradio kauft, ist dazu sicher bereit. Die Funktion, die mir die Bedienung wesentlich erleichtert und mich am meisten überzeugt, ist der Bandscan. Binnen weniger Minuten sind alle Frequenzen der Bänder durchgelaufen und das Radio legt empfangene Sender chronologisch im Speicher ab, so dass man nicht manuell suchen muss, sondern sich bequem durch die Ergebnisse schalten kann. Die sehr gute Selektivität des Empfängers kommt einem hierbei besonders zu Gute. Ich meine, sagen zu können, dass keine Frequenz ausgelassen wird, auf der aktiv gesendet wird.

Zum Akku: Tecsun greift hier auf das Design des Nokia BL-5C zurück, ein gängiger Akku, der auch heute noch bei sog. „Dumbphones“ des ehemals finnischen Handyherstellers Verwendung findet und millionenfach in Umlauf sein dürfte. Meiner Meinung nach eine geniale Entscheidung: Third-Party-Akkus dieses Typs bekommt man quasi überall für drei, vier Euro und selbst der Nokia-Originalakku kostet kaum mehr aus sieben bis zehn Euro. Ersatz ist also schnell und günstig beschafft (und auch in den nächsten Jahren sichergestellt), sollte der Akku einmal schwächeln. Mit dem Aufladen des Akkus hatte ich hingegen so meine Probleme. Das Radio verfügt über eine Micro-USB-Buchse, ein kurtes Kabel liegt bei. Als ich das Radio das erste Mal aufgeladen habe, griff ich mir einfach das nächstbeste Handyladegerät mit USB-Buchse (ich schätze es auf eine Maximalleistung von 20, 30 Watt). Der Ladevorgang war da nur unvollständig, wurde im Display nach zwei Minuten als abgeschlossen angezeigt und das Radio wurde in der Nähe der Ladebuchse erschreckend heiß. Inzwischen lade ich das Radio mit einem uralten Apple-Netzteil, das etwa 5 Watt Leistung aufgibt – und siehe da: Das Laden funktioniert einwandfrei (und ja, die technischen Daten geben eine Hinweis darauf: „Charging/external power: DC 5V / 500mA“).

Ein paar kleine, interessante Features bringt das Radio mit sich. Zum einen muss der FM-Sterero-Empfang über Kopfhörer genannt werden, der sehr gut ist. Bei schwachen Sendern wird Stereo automatisch stufenlos in Mono rübergeblendet, bevor das Rauschen zu stark wird – eine sehr angenehme Hörerfahrung. Das angenehm hinterleuchtete und gut ablesbare Display verfügt über eine Signalstärkeanzeige und gibt auch einen Signal-Rausch-Verhältniswert aus. Die Werte zu beobachten und in Relation zum empfangenen Signal zu setzen, ist interessant – hilft mir persönlich aber in der Praxis nur wenig. Die Abstimmung übernimmt das Radio ja in aller Regel allein.
Der Empfang: Auf Kurzwelle (Frequenzbereich 1711-29999 kHz) war ich, wie gesagt, vom klaren Ton und dem nur geringen Fading, selbst unter ungünstigen Empfangsbedingungen mitten in der Stadt, sehr begeistert. Und ja, ich erkannte die Kurzwelle nicht wieder. War früher eigentlich immer irgendwo ein Auslandssender mit „Deutschem Dienst“ zu hören, haben sich die aktiven und starken Kurzwellensender doch insgesamt spürbar dezimiert. Einseitenbandempfang ist möglich, das habe ich aber nicht weiter getestet, ebenso habe ich noch keine externe Antenne (anzuschließen über eine Miniklinkenbuchse) verwendet. Ich kam ehrlich gesagt nur ein einziges Mal auf die Idee, das versuchen zu wollen – weil nämlich auf der Langwelle (153-513 kHz) gespenstisches Schweigen herrschte und herrscht. Es gibt in Dänemark, Großbritannien, Irland und Rumänien noch große Langwellensender, hören konnte ich aber noch keinen davon (abseits davon: Die Abschaltung der deutschen Langwellensender halte ich bis heute für einen großen Fehler). Auf der Mittelwelle (520-1710 kHz bzw. 522-1620 kHz) ist gewöhnlich am Abend viel los und ich habe mit dem Mittelwellenteil meinen Spaß. Der kleine Erlanger Mittelwellensender Joe ist auch in Nürnberg gut zu hören :). Der UKW-Empfang (64-108 bzw. 87-108 MHz) geht mit ausgezogener Antenne ebenfalls sehr gut.
Mein Fazit: Das Tecsun PL-330 ist klein und leicht und ein ideales Reiseradio. Ich bin erstaunt, was die digitale Signalaufbearbeitung heute zu leisten im Stande ist. Kurzwellenhören macht mit dem kleinen Teil auf jeden Fall großen Spaß. Das kleine Radio bringt im Wesentlichen alle Tugenden eines großen Weltempfängers mit, ich klann es nicht anders sagen: Das ist das beste Taschenradio, das ich bisher besessen habe. Wünschenswert wäre RDS und eventuell auch eine Abspiel- und Aufnahmemöglichkeit auf Micro-SD, wie sie heute bei vielen ähnlichen Geräten chinesischer Provenienz Standard ist. Heute würde ich das Radio wohl nicht mehr in China bestellen, kostet es mit Versand durch einen deutschen Händler (mit Garantie) zwischenzeitlich mit 72,- bis 99,- Euro kaum mehr, als in China.
Es ist eine never ending story… Wir haben ja eigentlich nur darauf warten müssen, bis wieder ein Blöder aufsteht und die Vorratsdatenspeicherung fordert. Man fasst sich ans Hirn und kommt aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus…
Seitdem ich dieses Blog betreibe, warne ich, zusammen mit vielen vielen anderen, vor der Vorratsdatenspeicherung. Und das ist seit 2008. Die VDS wurde schon von höchsten Gerichten kassiert, sie ist ineffektiv, potenziell gefährlich und in ihrer Anlage sogar tendenziell faschistoid.
Zu einer freien und aufgeklärten Gesellschaft passt grundsätzlich keine Vorratsdatenspeicherung; diese Position ist von Demokraten auch nicht verhandelbar. Ich bin immer wieder verwundert, welche Leute sich diese in ihrem Wesen totalitären Instrumente wünschen.
Heute: Nancy Faeser will Vorratsdatenspeicherung wieder einführen. Warum? Nun, gegen bildliche Darstellung sexueller Gewalt an Kindern kann die VDS grundsätzlich nichts ausrichten, das sollte sich auch in die hintersten Winkel der deutschen Sozialdemokratie durchgestochen haben. Es bleibt also nur zu mutmaßen, welchen Allmachtsphantasien Frau Faeser und Konsorten da wieder erlegen sind. Aber mit den Forderungen nach Chatkontrolle auf europäischer Ebene ist sie da in allerbester Gesellschaft.
Ich bin wirklich erstaunt, wie man sich im Jahre des Herren 2022 entblöden kann, die so oft so krachend gescheiterte VDS wieder einführen zu wollen. Aber die Sozen liefern mal wieder ab. m(.
Gestern kam im MDR-Fernsehen diese DM-Doku „Depeche Mode und die DDR“.
Spannend bis zur letzten Sekunde, bewundernswert, wie die Jugendlichen trotz Mauer, kaum vorhandener Möglichkeit, Platten, Fanartikel etc. zu kaufen, ihr Fansein vorantrieben und sich – allen Widrigkeiten zum Trotz – in Fanclubs organisierten und vernetzten.
Und da erinnere ich mich, dass wir im August 1990, Deutschland war noch nicht wiedervereinigt (die Grenze aber freilich offen und ein Langnese-Stieleis kostete acht Ostmark), ich war gerade neun Jahre alt, einen Teil unserer Sommerferien in Ludwigsfelde bei Freunden meiner Eltern verbrachten. Ich freundete mich mit einigen Kids aus der Nachbarschaft an und unser Sommer-Highlight war ein Dorffest auf dem Löwenbrucher Anger – mit Club-Cola und Open-Air-Disco (das war vermutlich mein erster „Discobesuch“). Irgendwie trauten sich die Mädels aus der Nachbarschaft nicht, den deutlich älteren DJ anzusprechen, um sich einen Song zu wünschen und so wurde ich vorgeschickt.
Mir war das wurscht, ich hatte da keine großen Hemmungen, weil ich gar nicht so recht wusste, was ein DJ ist und warum dieser Typ am Plattenspieler der heimliche Schwarm aller Mädels war. Der Wunsch, den ich zu übermitteln hatte, war „irgendein Lied von Depeche Mode“. Ich stapfte los und tat, wie mir geheißen.
Unmittelbar unterbrach der DJ die laufende Nummer, legte eine neue Platte auf und es erklang „Everything Counts“. Nicht nur die Nachbarkids waren glücklich – auch ich war von dem Moment an wie elektrisiert.
Trotz dieser Begebenheit war mir übrigens bis gestern Abend nicht klar, wie bedeutend DM für viele Fans gerade in der DDR war. Und: Vieles ist in meiner Erinnerung verschüttet gegangen, den Moment, in dem ich zum ersten Mal (wissentlich) Depeche Mode gehört habe, habe ich nicht vergessen.
Und hier wieder ein paar Links und Notate aus den vergangenen drei Wochen, arbeitsbedingt:
Und hier wieder eine knappe Zusammenfassung bemerkenswerte Ereignisse und einige Randnotizen der vergangenen zwei Wochen:
Jugendliche 23 Jahre alt ist Christone „Kingfish“ Ingram – und talentiert und im besten Sinne routiniert wie ein alter Haudegen. Für mich eine späte Entdeckung, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Hier hören wir ihn einer Live-Performance aus dem Jahr 2018, mit dem Handy abgefilmt und mit unzulänglichem Ton, was dem Groove freilich keinen Abbruch tut.
(Leider ist der YT-Embed-Player deaktiviert, ein Übel, dass einem dieser Tage immer öfter begegnet, aber ein Klick auf den Screenshot bringt Euch freilich auch zum Video).
Mehr über „Kingfish“ in der Wikipedia und auf seiner Webseite.
Interessantes, kurioses und Randnotizen der vergangenen zwei Wochen – wie immer kurz gefasst:
Erinnert ihr euch noch an Euren ersten Computer?
Das Possessivpronomen sei hier einfach einmal großzügig interpretiert, es geht nicht zwingend um den ersten eigens besessenen Computer, sondern um den Computer, der euch in einem solchen Umfang zur Nutzung zur Verfügung stand, dass ihr eure ersten Gehversuche in der Welt von Null und Eins unternehmen konntet.
Ich kann mich noch erstaunlich gut an dieses Gerät erinnern. Es war natürlich nicht „mein“ erster Computer, Computer waren Ende der 1980er-Jahre einfach so teuer, dass es hier ein „mein“, zumindest für Kinder und Jugendliche, schlicht nicht gab. Mein Vater hatte das Gerät eines Tages (wann genau, kann ich nicht einmal mehr sicher rekonstruieren, es muss wohl 1989, vielleicht auch schon 1990 gewesen sein) mitgebracht, um seine Büroaufgaben fortan komfortabler erledigen zu können (das funktionierte für ihn, daran kann ich mich allerdings gut erinnern, auf Anhieb). Ich war auf jeden Fall gerade noch Grundschüler und kannte Computer eigentlich nur aus dem Fernsehen – oder aus der Eingangshalle der Nürnberger Hauptpost, denn da stand ein öffentliches BTX-Terminal, das sich natürlich nicht meiner kindlichen Neugier entzog, dessen Bedienung aber reichlich stupide war, wenn man kein Geld hineinwerfen konnte oder wollte. Jedenfalls stand er irgendwann da: Ein IBM-kompatibler PC, Peacock, Modell „Flash“, samt Bildschirm, Drucker, Maus, einigen Bedienungsanleitungen und einem Stapel Disketten.

Den Computer (hier einige etwas besser auflösende Bilder) samt Peripherie, auch daran erinnere ich mich noch gut, kaufte mein Vater als „guten Gebrauchten“, was sich als Vorteil erweisen sollte, da er so ad hoc nicht nur mit allen relevanten Gerätschaften, sondern auch einem Bündel sinnvoller Software ins Haus kam – und es keinen Frust gab, weil irgendetwas hätte fehlen können. Der Verkäufer wies Vater auch in dieses Gerät ein und er gab dieses Wissen an uns weiter. Meine ersten „Fortschritte“ mit einfachen und zur Bedienung nötigen MS-DOS-Befehlen würde ich daher als durchaus zügig bezeichnen wollen.
Zugegeben: Als ich mich des alten Kastens erinnerte, musste ich erst einmal ein wenig recherchieren. Denn es ist nun 32 Jahre her, dass ich Bekanntschaft mit diesem Gerät schloss und man vergisst ja über die Jahre das ein oder andere Detail. Allzu viele Informationen lassen sich über diese wohl in vergleichsweise kleinen Stückzahlen in mehreren Varianten modular gefertigten Computer nicht finden. Aber einige Spezifikationen habe ich dann doch gefunden – und hier wird es durchaus spannend.
Basis des PCs war der Intel 8088, ein nicht gerade als besonders performant bekannter Prozessor, der schon im IBM Ur-PC verbaut war. Das Herstellungsdatum unseres „Flash“ dürfte 1988 gewesen sein, so sagten es zumindest die mir erinnerlichen Papierquellen. Und da war der 8088 inzwischen schon nicht mehr wirklich modern. Das war aber egal, denn Peacock griff hier auf eine bestens eingeführte, billige und im Bürobereich auch mit den allermeisten Programmen voll kompatible Architektur zurück (ja, Kompatibilität war bei den vielen IBM-PC-Clones der 80er-Jahre durchaus ein Thema). Der Takt wurde seinerzeit mit 8 oder 9,5 MHz ausgewiesen, was darauf hindeuten könnte, dass im „Flash“ wohl ein Intel-Clone sein Werk tat, der Hauptspeicher bot 512 Kilobyte – das war für ein System, das performancemäßig irgendwo zwischen XT und AT aufgehängt war, auch keine Überraschung. Peacock lieferte mit seinem Rechner eine AT-Tastatur mit, der Prozessor war aber der vom PC, denn ein „echter“ AT zeichnete sich ja durch den 80286er-Prozessor aus. Ich habe die ganz deutliche Vermutung, dass der Commodore PC10 bzw. PC20 dem „Flash“ mindestens Pate stand, denn etliche Commodore-Besonderheiten fanden sich auch beim Peacock wieder.
Etwas Besonderes, das so zumindest nicht Standard bei frühen PCs und den Commodore-PCs war, war die 40 MB große Festplatte, Fabrikat Seagate. Ihr lest richtig: 40 Megabyte waren damals für eine Festplatte eine durchaus ordentliche Speicherkapazität, auch wenn weiland die Seagate-Platten für Heimanwender mit ihren Schrittmotoren laut und vor allem langsam waren. Die 40 Megabyte brachten on top technische Probleme mit sich, denn MS-DOS 3.0, mit dem wurde der Computer ausgeliefert, konnte nur 30 Megabyte Speicher verwalten, man musste die Festplatte also partitionieren. Und so arbeiteten wir nicht nur mit dem bekannten „C:\>“- sondern auch „D:\>“-Prompt.
Der „Flash“ in unserer mutmaßlichen 1988er-Variante war also ein nicht mehr ganz taufrisches, wenn auch etwas aufgebohrtes Sparbrötchen. Aufgebohrt war nicht nur der Takt des sonst mit knappen 5 Megahertz werkelnden Prozessors, sondern auch die Grafikkarte. Hier kam nämlich ein Exot von ATI zum Einsatz, der auf den klangvollen Namen „Advanced Graphics Adapter“ hörte und eigentlich ein Spezifikum des Commodore PC-10/II bzw. PC-20/II war (und mit Commodore-gelabelten Treiberdisketten geliefert wurde). Die AGA-Grafikkarte beherrschte nämlich zwei für uns sehr interessante Betriebsmodi: Zum einen erwies sie sich als vollkompatibel zur für seine Zeit ja schon fast hochauflösenden Hercules-Monochrom-Grafik und ermöglichte damit ein für einen PC ungekannt gutes Schriftbild, auch vier Graustufen ließen sich darstellen und selbst einfache Grafikprogramme lieferten ein schönes Ergebnis, zum anderen konnte man mit ihr auch CGA-Spiele nutzen. Damit war der Rechner für Büroanwendungen bestens gewappnet, aber auch alle gängigen Computerspiele der 80s waren lauffähig (VGA kam mit der VESA-Erweiterung, die die Sache erst interessant macht, nach meiner Wahrnehmung erst in frühen 90ern beim Endkunden an und blieb da dann auch irgendwie viele Jahre, EGA wurde wohl in den 80ern von einigen Spielen unterstützt, aber einen Rechner mit „echter“, also nativer EGA-Grafik habe ich damals wissentlich nirgends gesehen). Und dann tat im Flash ein 5,25″-Floppylaufwerk seinen Dienst, das schon im Auslieferungszustand unsinnig veraltet war, konnte eine Floppydisk mit diesem Laufwerk doch nur magere 320 Kilobyte speichern – in Summe, also auf beiden Seiten der Diskette. Das wurde vom Marketing seinerzeit als „Double Density“ verkauft und war selbst 1989 das pure Elend. Floppydisk waren damals einfach die billigere Alternative zu den durchaus schon gebräuchlichen 3,5″-Disketten mit ihren 1,4 MB Speicherkapazität, die sie über die 90er hinweg als Quasi-Standard halten sollten.
Auf zwei interessante Sachen, die man sich heute so kaum mehr vorstellen kann, möchte ich noch eingehen, nämlich den Monitor und den Drucker. Beide Geräte geben nämlich durchaus Anlass zur Spekulation, dass jemand mit Hang zum Hause Commodore diese Geräte konfektionierte bzw. kombinierte: Unser Bundle enthielt einen 12-Zoll-Monochrommonitor, Fabrikat „No Name“, mit grünem Leuchtschirm, der aussah, als hätte man ihn direkt vom Original-PC-10 geklaut. Diese Monochrom-Monitore waren selbst für DM-Verhältnisse schrottbillig, der hier zu sehende Monitor wurde von Vobis für 199,- DM gehandelt und entsprach ziemlich genau dem Bildschirm, mit dem der Peacock gebundelt war (hier ein Link zum ganzen Artikel, der einen Vobis-Katalog aus den 80ern behandelt – hier lässt sich auch erahnen, wie erfolgreich der PC 10 und PC 20 in Deutschland gewesen sein muss). Der Bildschirm hatte selbst übrigens keinen Sub-D-Stecker, sondern eine vielpolige DIN-Buchse als Eingang und einen Adapter auf Sub-D beigelegt. Hier musste es wirklich das Billigste tun. Und es tat, wenn auch nicht komfortabel: Schaltete man, wollte man ein Spiel starten, die AGA-Grafikkarte von Hercules auf CGA um, musste man den rückseitig am Monitor befindlichen Bildfang betätigen, das erforderte ein gewisses Maß an Fingerspitzengefühl, weil der Stellregler, ausgelegt für seltene Betätigung, Luft und Spiel hatte wie Sau und dann auch noch äußerst empfindlich reagierte. Sonst aber war der Monitor prima, das Bild scharf und ich empfand das Grün des Bildschirms auch immer angenehmer als das als „Bernstein“-Orange, das in jener Zeit die vorherrschende Leuchtfarbe monochromer Bildschirme war.
Ja, und dann der Drucker. Da handelte es sich um einen 9-Nadeldrucker der Marke „star“, Typ NL-10. Das war in der zweiten Hälfte der 80er der Leib-und-Magen-Drucker der 64er-Community, denn der NL-10 konnte Endlospapier verarbeiten, hatte einen „Schönschreibmodus“, bei dem der Druckkopf auf einer Zeile viermal hin-und-herfuhr und somit ein Schriftbild erzeugte, das in seiner Qualität dem der damals unerschwinglichen 24-Nadel-Drucker kaum nachstand (war halt nur langsam und laut) und zudem ließ sich die Druckerschnittstelle von Centronics (also Parallelbetrieb) per Steckmodul auf Commodore umrüsten. Und das Ding war: Richtig! – verglichen zu anderen Modellen – günstig.
Und dann gab es da noch eine Maus – die hatte einen Ball und drei Tasten und außerdem war ihr eine Art „Paint“-Programm beigelegt. Die Genius GM-6 dürfte teurer als der Bildschirm gewesen sein. Hier hat sich jemand mal die Mühe gemacht, so ein altes Teil zu unboxen. Hach, da schwelgt man doch in Erinnerungen!
Wenn ihr jetzt meint, dass diese Specs für ein Gerät, das an der Wende zu den 1990ern produziert und verkauft wurde, doch reichlich antik wirken, so kann ich nur sagen: „Jein“. Zum einen stimmt das natürlich. Einerseits waren zu dieser Zeit einfach 286er-Standard (und der 8088 war 1988 schon mindestens zehn Jahre am Markt). Zum anderen hatte so ein Computer damals eine andere Halbwertszeit. Ich bin beispielshalber erst vier Jahre später auf ein anderes Gerät umgestiegen, das war dann freilich ein 386er. Der Peacock allerdings sollte mir trotz seiner spartanischen Ausstattung in vielerlei Hinsicht nützlich gewesen sein: Mausgestützte Textverarbeitung, erste selbst geschriebene Programme im Basic-Dialekt von Microsoft und Borlands Turbo-Pascal und dann die ganzen 80er-Spiele: Grand Prix Circuit, PGA-Golf, Larry I, II und III (bis heute meine Lieblings-Adventure-Reihe, mit Larry habe ich Englisch gelernt, danke, Al Lowe!!), Prince Of Persia, ….
Mit Xenon 2: Megablast, habe ich mal die Leertaste der Tastatur ruiniert.
Der Gebrauchswert war nicht nur für meinen Vater, der den Rechner hauptsächlich zur Textverarbeitung einsetzte, sondern auch für mich als gerade ans Gymnasium gekommenen „Unterstufler“ durchaus hoch, vor allem, wenn man bedenkt, dass im Computerraum meiner Schule noch bis Mitte der 90er mehrheitlich Siemens PC 16-10 (hier ein Artikel mit Bild) mit dem Betriebssystem CP/M 86 und eine gute Handvoll Atari PC3 standen.
Über die Firma Peacock existiert im Netz heute nur noch rudimentäres Wissen. Ein recht interessanter Artikel bei Channelpartner aus dem Jahr 2000 weiß noch zu berichten, dass die Wiege der Peacock-Computer bei einer Im- und Exportfirma namens „Audio Impex“ in Paderborn lag, deren Geschäft mit Unterhaltungselektronik bald auch um Computer erweitert wurde, die man alsbald selbst baute. Später wurde Peacock mehrere Male verkauft und landete irgendwie bei Actebis bzw. ALSO. In den 1980ern war der Peacock aber noch ein grundsolides, in Deutschland gefertigtes Produkt – und so fühlte sich unser Rechner auch an. Ein reichlich klobiges Gerät, aus dem Vollen, also schwerem Stahlblech, gefertigt stand er da, wenn die Festplatte auf ihre Daten zugriff, rappelte der Kasten gehörig und auch der Netzteillüfter lief, an heutigen Verhältnissen gemessen, absurd laut.
Die Computerei war in jenen Tagen ein mühsames, aber lehrreiches Geschäft. Damals gab es kein Windows, zumindest kein sinnstiftend nutzbares. Auch der beliebte Norton Commander, der so manchen Kopierprozess erleichterte, war auf diesen Rechnern noch nicht Standard. Jedes einzelne Peripheriegerät, sofern es nicht der Bildschirm war, wollte händisch eingebunden werden und damit man das nicht bei jedem Systemstart machen musste, gab es so eine Art Autostart, eine Datei namens AUTOEXEC.BAT, in der einzutragen war, welcher Grafikmodus gestartet werden sollte, dass der Mouse-Driver zu laden war, an welchem Port der Drucker hing oder die angeschlossene Tastatur ein deutsches Layout hatte. Beabsichtigte man, den Rechner zu transportieren, waren vor dem Ausschalten die Festplattenköpfe zu „parken“. Programme installierte man gemeinhin noch nicht, sondern kopierte sie einfach in das Verzeichnis, aus dem heraus man sie zu nutzen gedachte. Aufwändigere Spiele bestanden mitunter aus Sätzen von fünf, sechs, oder sieben Disketten, die der Nutzer mitten unter dem Spiel zu wechseln hatte – wenn man sie nicht auf die Festplatte kopierte. Und auf einen Programmstart musste man immer ein wenig warten. Warten musste man auch beim Starten des Computers. Eigentlich ging der Start schnell vonstatten, wäre da nicht der unvermeidliche Speichertest gewesen. Nun gut, allzu lange dauerte der nun auch wieder nicht, denn es gab ja nicht so besonders viel Hauptspeicher zu testen.
Genug der Schwelgerei in vergangenen Zeiten. Heute hole ich mir gelegentlich das Retro-Feeling zurück. Mit der DOSBox. Das macht schon Spaß, die Programme laufen dort auch so, wie man es von früher kannte und auch viele alte Spiele findet man in den Untiefen dieses Internets. Und dennoch erschrecke ich vor dem Umstand, dass das alles schon dreißig Jahre her gewesen sein soll. Und ja, was wir heute für Computer haben, war damals noch völlig undenkbar. Oder doch nicht?
…und wie gewohnt mal wieder eine Zusammenschau der Ereignisse der letzten zwei Wochen, die es nicht zu einem eigenen Post geschafft haben.