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Mein erster PC: Peacock „Flash“

Erinnert ihr Euch noch an Euren ersten Computer?

Das Possesivpronomen sei hier einfach einmal großzügig interpretiert, es geht nicht zwingend um den ersten eigens besessenen Computer, sondern um den Computer, der Euch in einem solchen Umfang zur Nutzung zur Verfügung stand, dass ihr Eure ersten Gehversuche in der Welt von Null und Eins unternehmen konntet.

Ich kann mich noch erstaunlich gut an dieses Gerät erinnern. Es war natürlich nicht „mein“ erster Computer, Computer waren Ende der 1980er-Jahre einfach so teuer, dass es hier ein „mein“, zumindest für Kinder und Jugendliche, schlicht nicht gab. Mein Vater hatte das Gerät eines Tages (wann genau, kann ich nicht einmal mehr sicher rekonstruieren, es muss wohl 1989, vielleicht auch schon 1990 gewesen sein) mitgebracht, um seine Büroaufgaben fortan komfortabler erledigen zu können (das funktionierte für ihn, daran kann ich mich allerdings gut erinnern, auf Anhieb). Ich war auf jeden Fall gerade noch Grundschüler und kannte Computer eigentlich nur aus dem Fernsehen – oder aus der Eingangshalle der Nürnberger Hauptpost, denn da stand ein öffentliches BTX-Terminal, das sich natürlich nicht meiner kindlichen Neugier entzog, dessen Bedienung aber reichlich stupide war, wenn man kein Geld reinwerfen konnte oder wollte. Jedenfalls stand er irgendwann da: Ein IBM-kompatibler PC, Peacock, Modell „Flash“, samt Bildschirm, Drucker, Maus, einigen Bedienungsanleitungen und einem Stapel Disketten.

Den Computer (hier einige etwas besser auflösende Bilder) samt Peripherie, auch daran erinnere ich mich noch gut, kaufte mein Vater als „guten Gebrauchten“, was sich als Vorteil erweisen sollte, da er so ad hoc nicht nur mit allen relevanten Gerätschaften sondern auch einem Bündel sinnvoller Software ins Haus kam – und es keinen Frust gab, weil irgendetwas hätte fehlen können. Der Verkäufer wies Vater auch in dieses Gerät ein und er gab dieses Wissen an uns weiter. Meine ersten „Fortschritte“ mit einfachen und zur Bedienung nötigen MS-DOS-Befehlen würde ich daher als durchaus zügig bezeichnen wollen.

Zugegeben: Als ich mich des alten Kastens erinnerte, musste ich erst einmal ein wenig recherchieren. Denn es ist nun 32 Jahre her, dass ich Bekanntschaft mit diesem Gerät schloss und man vergisst ja über die Jahre das ein oder andere Detail. Allzu viele Informationen lassen sich über diese wohl in vergleichsweise kleinen Stückzahlen in mehreren Varianten modular gefertigten Computer nicht finden. Aber einige Spezifikationen habe ich dann doch gefunden – und hier wird es durchaus spannend.

Basis des PCs war der Intel 8088, ein nicht gerade als besonders performant bekannter Prozessor, der schon im IBM Ur-PC verbaut war. Das Herstellungsdatum unseres „Flash“ dürfte 1988 gewesen sein, so sagten es zumindest die mir erinnerlichen Papierquellen. Und da war der 8088 nun schon nicht mehr wirklich modern. Das war aber egal, denn Peacock griff hier auf eine bestens eingeführte, billige und im Bürobereich auch mit den allermeisten Programmen vollkompatible Architektur zurück (ja, Kompatibilität war bei den vielen IBM-PC-Clones der 80er Jahre durchaus ein Thema). Der Takt wurde seinerzeit mit 8 oder 9,5 MHz ausgewiesen, was darauf hindeuten könnte, dass im „Flash“ wohl ein Intel-Clone sein Werk tat, der Hauptspeicher bot 512 Kilobyte – das war für ein System, das performancemäßig irgendwo zwischen XT und AT aufgehängt war, auch keine Überraschung. Peacock lieferte mit seinem Rechner eine AT-Tastatur mit, der Prozessor war aber der vom PC, denn ein „echter“ AT zeichnete sich ja durch den 80286er-Prozessor aus. Ich habe die ganz deutliche Vermutung, dass der Commodore PC10 bzw. PC20 dem „Flash“ mindestens Pate stand, denn etliche Commodore-Besonderheiten fanden sich auch beim Peacock wieder.

Etwas Besonderes, das so zumindest nicht Standard bei frühen PCs und den Commodore-PCs war, war die 40 MB große Festplatte, Fabrikat Seagate. Ihr lest richtig: 40 Megabyte waren damals für eine Festplatte eine durchaus ordentliche Speicherkapazität, auch wenn weiland die Seagate-Platten für Heimanwender mit ihren Schrittmotoren laut und vor allem langsam waren. Die 40 Megabyte brachten on top technische Probleme mit sich, denn MS-DOS 3.0, mit dem wurde der Computer ausgeliefert, konnte nur 30 Megabyte Speicher verwalten, man musste die Festplatte also partitionieren. Und so arbeiteten wir nicht nur mit dem bekannten „C:\>“- sondern auch „D:\>“-Prompt.

Der „Flash“ in unserer mutmaßlichen 1988er-Variante war also ein nicht mehr ganz taufrisches, wenn auch etwas aufgebohrtes Sparbrötchen. Aufgebohrt war nicht nur der Takt des sonst mit knappen 5 Megahertz werkelnden Prozessors, sondern auch die Grafikkarte. Hier kam nämlich ein Exot von ATI zum Einsatz, der auf den klangvollen Namen „Advanced Graphics Adapter“ hörte und eigentlich ein Spezifikum des Commodore PC-10/II bzw. PC-20/II war (und mit Commodore-gelabelten Treiberdisketten geliefert wurde). Die AGA-Grafikkarte beherrschte nämlich zwei für uns sehr interessante Betriebsbodi: Zum einen erwies sie sich als vollkompatibel zur für seine Zeit ja schon fast hochauflösenden Hercules-Monochrom-Grafik und ermöglichte damit ein für einen PC ungekannt gutes Schriftbild, auch vier Graustufen ließen sich darstellen und selbst einfache Grafikprogramme lieferten ein schönes Ergebnis, zum anderen konnte man mit ihr auch CGA-Spiele nutzen. Damit war der Rechner für Büroanwendungen bestens gewappnet, aber auch alle gängigen Computerspiele der 80s waren lauffähig (VGA kam mit der VESA-Erweiterung, die die Sache erst interessant macht, nach meiner Wahrnehmung erst in frühen 90ern beim Endkunden an und blieb da dann auch irgendwie viele Jahre, EGA wurde wohl in den 80ern von einigen Spielen unterstützt, aber einen Rechner mit „echter“, also nativer EGA-Grafik habe ich damals wissentlich nirgends gesehen). Und dann tat im Flash ein 5,25″-Floppylaufwerk seinen Dienst, das schon im Auslieferungszustand unsinnig veraltet war, konnte eine Floppy-Disk mit diesem Laufwerk doch nur magere 320 Kilobyte speichern – in Summe, also auf beiden Seiten der Diskette. Das wurde vom Marketing seinerzeit als „Double Density“ verkauft und war selbst 1989 das pure Elend. Floppydisks waren damals einfach die billigere Alternative zu den durchaus schon gebräuchlichen 3,5″-Disketten mit ihren 1,4 MB Speicherkapazität, die sie über die 90er hinweg als Quasi-Standard halten sollten.

Auf zwei interessante Sachen, die man sich heute so kaum mehr vorstellen kann, möchte ich noch eingehen, nämlich den Monitor und den Drucker. Beide Geräte geben nämlich durchaus Anlass zur Spekulation, dass jemand mit Hang zum Hause Commodore diese Geräte konfektionierte bzw. kombinierte: Unser Bundle enthielt einen 12-Zoll-Monochrommonitor, Fabrikat „No Name“, mit grünem Leuchtschirm, der aussah, als hätte man ihn direkt vom Original-PC-10 geklaut. Diese Monochrom-Monitore waren selbst für DM-Verhältnisse schrottbillig, der hier zu sehende Monitor wurde von Vobis für 199,- DM gehandelt und entsprach ziemlich genau dem Bildschirm, mit dem der Peacock gebundelt war (hier ein Link zum ganzen Artikel, der einen Vobis-Katalog aus den 80ern behandelt – hier lässt sich auch erahnen, wie erfolgreich der PC 10 und PC 20 in Deutschland gewesen sein muss). Der Bildschirm hatte selbst übrigens keinen Sub-D-Stecker sondern eine vielpolige DIN-Buchse als Eingang und einen Adapter auf Sub-D beigelegt. Hier musste es wirklich das Billigste tun. Und es tat, wenn auch nicht komfortabel: Schaltete man, wollte man ein Spiel starten, die AGA-Grafikkarte von Hercules auf CGA um, musste man den rückseitig am Monitor befindlichen Bildfang betätigen, das erforderte ein gewisses Maß an Fingerspitzengefühl, weil der Stellregler, ausgelegt für seltene Betätigung, Luft und Spiel hatte wie Sau und dann auch noch äußerst empfindlich reagierte. Sonst aber war der Monitor prima, das Bild scharf und ich empfand das Grün des Bildschirms auch immer angenehmer als das als „Bernstein“-Orange, das in jener Zeit die vorherrschende Leuchtfarbe monochromer Bildschirme war.

Ja, und dann der Drucker. Da handelte es sich um einen 9-Nadeldrucker der Marke „star“, Typ NL-10. Das war in der zweiten Hälfte der 80er der Leib-und-Magen-Drucker der 64er-Community, denn der NL-10 konnte Endlospapier verarbeiten, hatte einen „Schönschreibmodus“, bei dem der Druckkopf auf einer Zeile vier mal hin-und-herfuhr und somit ein Schriftbild erzeugte, das in seiner Qualität dem der damals unerschwinglichen 24-Nadel-Drucker kaum nachstand (war halt nur langsam und laut) und zudem ließ sich die Druckerschnittstelle von Centronics (also Parallelbetrieb) per Steckmodul auf Commodore umrüsten. Und das Ding war: Richtig! – verglichen zu anderen Modellen – günstig.

Und dann gab es da noch eine Maus – die hatte einen Ball und drei Tasten und außerdem war ihr eine Art „Paint“-Programm beigelegt. Die Genius GM-6 dürfte teurer als der Bildschirm gewesen sein. Hier hat sich jemand mal die Mühe gemacht, so ein altes Teil zu unboxen. Hach, da schwelgt man doch in Erinnerungen!

Wenn ihr jetzt meint, dass diese Specs für ein Gerät, das an der Wende zu den 1990ern produziert und verkauft wurde, doch reichlich antik wirken, so kann ich nur sagen: „Jein“. Zum einen stimmt das natürlich. Einerseits waren zu dieser Zeit einfach 286er Standard (und der 8088 war 1988 schon mindestens zehn Jahre am Markt). Zum anderen hatte so ein Computer damals eine andere Halbwertszeit. Ich bin beispielshalber erst vier Jahre später auf ein anderes Gerät umgestiegen, das war dann freilich ein 386er. Der Peacock allerdings sollte mir trotz seiner spartanischen Ausstattung in vielerlei Dingen nützlich gewesen sein: Mausgestützte Textverarbeitung, erste selbstgeschriebene Programme im Basic-Dialekt von Microsoft und Borlands Turbo-Pascal und dann die ganzen 80er-Spiele: Grand Prix Circuit, PGA-Golf, Larry I, II und III (bis heute meine Lieblings-Adventure-Reihe, mit Larry habe ich Englisch gelernt, danke, Al Lowe!!), Prince Of Persia, ….
Mit Xenon 2: Megablast, habe ich mal die Leertaste der Tastatur ruiniert.
Der Gebrauchswert war nicht nur für meinen Vater, der den Rechner hauptsächlich zur Textverarbeitung einsetzte, sondern auch für mich als gerade ans Gymnasium gekommenen „Unterstufler“ durchaus hoch, vor allem, wenn man bedenkt, dass im Computerraum meiner Schule noch bis Mitte der 90er mehrheitlich Siemens PC 16-10 (hier ein Artikel mit Bild) mit dem Betriebssystem CP/M 86 und eine gute Handvoll Atari PC3 standen.

Über die Firma Peacock existiert im Netz heute nur noch rudimentäres Wissen. Ein recht interessanter Artikel bei Channelpartner aus dem Jahr 2000 weiß noch zu berichten, dass die Wiege der Peacock-Computer bei einer Im- und Exportfirma namens „Audio Impex“ in Paderborn lag, deren Geschäft mit Unterhaltungselektronik bald auch um Computer erweitert wurde, die man alsbald selbst baute. Später wurde Peacock mehrere Male verkauft und landete irgendwie bei Actebis bzw. ALSO. In den 1980ern war der Peacock aber noch ein grundsolides, in Deutschland gefertigtes Produkt – und so fühlte sich unser Rechner auch an. Ein reichlich klobiges Gerät, aus dem Vollen, also schwerem Stahlblech, gefertigt stand er da, wenn die Festplatte auf ihre Daten zugriff, rappelte der Kasten gehörig und auch der Netzteillüfter lief, an heutigen Verhältnissen gemessen, absurd laut.

Die Computerei war in jenen Tagen ein mühsames, aber lehrreiches Geschäft. Damals gab es kein Windows, zumindest kein sinnstiftend nutzbares. Auch der beliebte Norton Commander, der so manchen Kopierprozess erleichterte, war auf diesen Rechnern noch nicht Standard. Jedes einzelne Peripheriegerät, sofern es nicht der Bildschirm war, wollte händisch eingebunden werden und damit man das nicht bei jedem Systemstart machen musste, gab es so eine Art Autostart, eine Datei namens AUTOEXEC.BAT, in der einzutragen war, welcher Grafikmodus gestartet werden sollte, dass der Mouse-Driver zu laden war, an welchem Port der Drucker hing oder die angeschlossene Tastatur ein deutsche Layout hatte. Beabsichtigte man, den Rechner zu transportieren, waren vor dem Ausschalten die Festplattenköpfe zu „parken“. Programme installierte man gemeinhin noch nicht, sondern kopierte sie einfach in das Verzeichnis, aus dem heraus man sie zu nutzen gedachte. Aufwändigere Spiele bestanden mit unter aus Sätzen von fünf, sechs, oder sieben Disketten, die der Nutzer mitten unter dem Spiel zu wechseln hatte – wenn man sie nicht auf die Festplatte kopierte. Und auf einen Programmstart musste man immer ein wenig warten. Warten musste man auch beim  Starten des Computers. Eigentlich ging der Start schnell vonstatten, wäre da nicht der unvermeidliche Speichertest gewesen. Nun gut, allzu lange dauerte der nun auch wieder nicht, denn es gab ja nicht so besonders viel Hauptspeicher zu testen.

Genug der Schwelgerei in vergangenen Zeiten. Heute hole ich mir ab und an das Retro-Feeling zurück. Mit der DOSBox. Das macht schon Spaß, die Programme laufen dort auch so, wie man es von früher kannte und auch viele alte Spiele findet man in den Untiefen dieses Internets. Und dennoch erschrecke ich vor dem Umstand, dass das alles schon dreißig Jahre her gewesen sein soll. Und ja, was wir heute für Computer haben, war damals noch völlig undenkbar. Oder doch nicht?

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