Test: Kodak EC35 – eine neue Point-and-Shoot-Kamera für Analog-Einsteiger
Schon wieder eine Point-and-Shoot-Kamera im Blog? Ich gebe es unumwunden zu: Diese einfache, im besten Wortsinne unperfekte Art des Fotografierens lässt mich gegenwärtig nicht mehr los. Mit simpler Technik, einer ordentlichen Dosis Zufall und einem Hauch Bildkomposition lassen sich so ästhetisch sehr eigene Bilder schießen, fernab jeder digitalen Perfektion und fernab jedes KI-Fakes.
Nachdem ich ja schon recht ausführlich über die Kodak Star 335, die immer mal wieder gebraucht erhältlich ist, geschrieben habe, ist mir dieser Tage eine recht ähnliche Kamera mit minimalistischer Technik in die Hände gefallen: die Kodak EC35. Sie ist neu zu haben, kostet um die 40,- Euro und wird als Einstiegskamera in die analoge Fotografie vermarktet.
Dabei ist die Kodak EC35 gar keine “echte” Kodak, Lizenznehmer der Marke Kodak ist die Firma RETO Project, die mit einfachen Kunststoff-Point-and-Shoot-Kameras auf sich aufmerksam machte. Technisch ist unsere EC35 der RETO Pano, die um die 35 US-Dollar zu haben ist, recht ähnlich. Die Kodak gefällt trotzdem besser, denn das schiebbare Lens-Cover, die Vielfalt der Gehäusefarben und das recht klassische 90s-Design rechtfertigen den nur wenige Euro betragenden Mehrpreis für das Kodak-Modell. Zudem gibt es die EC35 auch als Bundle mit einem Ultramax 400 (24 Aufnahmen) im Bundle.
Blicken wir zunächst einmal auf die technische Seite der Kamera: Das einfache, zweilinsige Kunststoffobjektiv ist mit seiner Brennweite von 25 Millimetern recht weitwinklig und eignet sich daher für die meisten Motive und Szenen im Bereich Street, Party, Reise und Familie. Mit der fixen hohen Blende von f/10 sind quasi alle Bereiche des Bildes immer scharf, besonders lichtstark ist das Objektiv nicht. Die fixe Verschlusszeit von 1/100s ist sicher ein guter Kompromiss, wenn die Szene zu dunkel ist, hat die Kamera ja den Blitz an Bord. Eine Blitzautomatik ist nicht vorhanden, man muss selbst einschätzen, wann man den Blitz einschaltet, und wann nicht. Das hat man sehr schnell raus, die meisten nicht optimal ausgeleuchteten Innenaufnahmen erfordern das Blitzen. Wie inzwischen üblich, wird der Blitz von einer einzelnen AA-Batterie befeuert.
Die Kamera wird, wie bereits erwähnt, mitunter als Bundle mit einem 135er-Kleinbildfilm Ultramax 400 mit 24 Aufnahmen verkauft, dieser Filmempfehlung kann ich durchaus folgen.
Fotografieren: Im Prinzip muss man, neben dem Filmeinlegen, nur einschätzen können, wann man den Blitz einschaltet, den Film weiterdrehen, durch den klaren, optisch sehr einfachen und etwas kleinen Sucher blicken und auslösen, mehr braucht es nicht, um mit der EC35 zu fotografieren. Der Auslöser ist sehr leichtgängig und weich, das ist gut, weil so die Gefahr des Verwackelns der Bilder merklich reduziert wird. Ein etwas deutlicheres mechanisches Feedback wäre manchmal wünschenswert, ist aber letztlich verzichtbar. Angenehm finde ich das verschiebbare Lens-Cover, das im geschlossenen Zustand auch den Auslöseknopf blockiert, so sind Fehlauslösungen in Tasche oder Rucksack ausgeschlossen.
Um die Kamera möglichst kompakt aufbauen zu können, wird die volle Filmpatrone nicht links, sondern rechts eingelegt und der Streifen nach links gezogen. Das ist technisch kein Nachteil, bedingt aber, dass der mechanische Bildzähler auf der Unterseite der Kamera zu finden ist.
Die Bilder bekommen durch die einfache Linse eine sehr weiche und dennoch schöne Vignette und einen tollen Retro-Touch. Die besondere Anmutung der Bilder ist ja gerade der Gag bei solch simplen Point-and-Shoot-Kameras. Der Ultramax-Film ist zwischen Farbabstimmung und Korn ein guter Kompromiss, wer will, dass seine Bilder durch gröberes Korn und ein etwas reduzierteres Farbspektrum noch mehr Retro-Touch bekommen, dem empfehle ich, mit dieser Kamera den NC-500 von Wolfen zu verwenden. Mit einer 400er-Empfindlichkeit macht man mit dieser Kamera nichts falsch, 200er gehen auch noch in Ordnung, wenn man bereit ist, konsequent indoor zu blitzen, einen 100er-Film halte ich wegen des doch recht lichtschwachen Objektivs für weniger zweckmäßig.
Zur Haptik kann man nur eines sagen: Plastic fantastic! Alles, was man aus Plastik fertigen kann, ist an dieser Kamera aus Plastik gefertigt. Wirklich alles.
Ein kleines Beispiel gefällig? Bis zum heutigen Tage ist mir noch keine Kamera in die Hände gefallen, die auf eine federnde Film-Andruckplatte, die die exakte Planlage des Films in der Kamera herstellt, verzichtet. Die EC35 hat hier einfach in die Rückwand der Kamera eingeprägte, leicht konkave Führungsschienen – das war’s. Das funktioniert hinreichend, das ist nicht edgy, alles ist so einfach wie möglich gehalten. Diese Einfachheit ist faszinierend und etwas cheap gleichermaßen. Cheap? Der Deckel wird mit einem federnden Kunststoffclip geöffnet und geschlossen gehalten, so wie man das in den 80ern und 90ern bei Batteriedeckeln von Taschenradios machte. Das ist sicher nicht die optimale technische Lösung, funktioniert aber. Dabei ist der Kunststoff insgesamt gut verarbeitet und macht einen ordentlichen Eindruck. Das verwendete ABS ist außerdem verhältnismäßig bruchsicher, wir haben es mit einer sehr robusten Kamera zu tun.
Nicht nur des günstigen Preises, sondern auch der griffigen und stabilen Haptik wegen nimmt man diese Kamera gerne auf Partys und Festivals mit. Wasserdicht ist sie nicht, aber das hätte auch keiner erwartet. Die Kamera ist mit etwas mehr als 100 Gramm Gewicht (ohne Film und Batterie) angenehm leicht und kompakt und liegt ausgezeichnet in der Hand.
Freilich ist sie, beispielshalber sei hier der Vergleich zur LC-A gezogen, durch den Batterieschacht und den Blitz etwas klobiger. Dennoch empfinde ich sie als Kamera „für immer dabei“ recht griffig und platzsparend. Und seien wir ehrlich: Bei einem Preis von gegenwärtig um die 40,- Euro würde der Verlust dieser Kamera nicht allzu sehr schmerzen, deswegen nimmt man sie gerne auch mal an Orte mit, an denen es rauer zugeht. Und dann muss man einfach nur abdrücken – so entstehen einmalige Aufnahmen. Wenn man drei oder vier Kleinbildfilme durch die Kamera gelassen hat, hat sie sich gegenüber einer Einwegkamera mit Blitz bestens amortisiert.
Ein paar Beispielbilder gibt’s nach dem Break.
Im Folgenden noch ein paar Beispielbilder, geschossen mit der EC35 und dem gebundelten 400er Ultramax:







