Kodak Star 335 – eine einfache Point & Shoot-Kamera neu entdeckt
Nicht nur die analoge Fotografie, auch einfache Point-and-Shoot-Kameras feiern gerade wieder eine Renaissance. Der Grund liegt auf der Hand: In Zeiten ubiquitärer KI-Aufnahmen sehnen sich viele nach dem „echten“ Feeling eines analogen Fotos. Gute, einfache Kameras sorgen zudem dafür, dass selbst der Neu- und Wiedereinsteiger schnell zu brauchbaren bis guten Ergebnissen kommt.
Und so erinnerte ich mich einer Kamera, die ich zu Jugendzeiten in den 90ern geschenkt bekam und die mich viele Jahre begleitete: die Kodak STAR 335. Sie dürfte damals nicht allzu teuer gewesen sein und war wohl relativ verbreitet. Die früheren Modelle, aber hier mag ich mich irren, trugen die Modellbezeichnung „335“, später wurde aus der Kamera die „STAR 335“, beide Modelle sind baugleich.
Die einfache Point-and-Shoot-Kamera wurde in den Jahren 1990 bis 1994 für Kodak in Thailand gefertigt. Das verhältnismäßig weitwinklige Objektiv (35mm) hat eine fixe Blende von f5,6, die für die meisten Außenaufnahmen gut geeignet sein dürfte. Auch die Verschlusszeit ist mit 1/125 Sekunde fix. Für den Fall, dass dies nicht langt, ist ein relativ potenter Elektronenblitz verbaut, der binnen sieben Sekunden nachlädt (Indikator ist eine LED) und von zwei Mignon-Batterien (AA) betrieben wird. Der Blitz ist immer manuell zuzuschalten, eine Blitzautomatik gibt es nicht. Ab einem Objektabstand von etwa 1,2 Metern sind die Bilder scharf. Sinnstiftend verwenden lassen sich Kleinbildfilme mit 100, 200 oder 400 ASA. Der Filmtransport und das Rückspulen erfolgen manuell.
Meine Kamera habe ich zwar aufgehoben, ich konnte sie im Keller aber nicht wiederfinden. Das macht aber nichts, denn bei ebay findet man diesen Fotoapparat eigentlich fast immer. Für mein neuwertiges Exemplar habe ich 18,- Euro gezahlt.
Dafür, dass diese Kamera mit ihrem Plastikbody und dem recht simplen, dreilinsigen Objektiv eigentlich schon in der Kategorie „Einfachkamera“ rangiert, ist die Abbildungsleistung erstaunlich gut. Die Bilder sind hinreichend scharf und weitgehend frei von Vignettierung und Aberrationen. Kodak konnte schon immer vernünftige Einfachkameras im Low-Budget-Preisbereich bauen, die 335 bildet hier keine Ausnahme. Freilich sind die Aufnahmen nicht perfekt, aber mit einem etwas grobkörnigeren 400er Film gelingen aus dem Stand tolle Aufnahmen mit bezaubernder Vintage-Optik. Dabei ist die Abbildungsleistung spürbar besser als bei Einwegkameras. Ebenfalls weniger schlecht als vermutet ist der einfache, aber große und klare Sucher, der geschätzt etwa 80 Prozent des Bildausschnitts abbildet.
Daher würde ich sagen, dass sich diese Kamera auch heute gerade für die Streetfotografie eignet. Die quasi sofortige Bereitschaft, die auch nach gegenwärtigen Maßstäben gute Fotoqualität, das insgesamt ordentliche, wenn auch etwas lichtschwache Fixfocus-Objektiv, das eine schöne Retrooptik liefert, sprechen alle für diesen Einsatz. Auch wenn der Formfaktor nach heutigen Maßstäben etwas bulky wirkt, wiegt die Kunststoffkamera mit Batterien und Film kaum mehr als 300 Gramm. Das und vor allem der niedrige Gebrauchtpreis, für ein gut erhaltenes, funktionierendes Modell bezahlt man etwa 10,- bis 15,- Euro, sprechen dafür, die Kamera auch mal zum Sport oder auf Partys mitzunehmen.
Die Bedienung ist quasi selbsterklärend, denn die Kamera ist technisch absolut simpel, aber für alle, die sich dafür interessieren, habe ich die mehrsprachige Bedienungsanleitung der 335 mal eingescannt.
Bedienungsanleitung / Manual Kodak Star 335 (PDF, rd. 6 MB)
Mein Fazit: Auch heute noch ein cooles Teil, das (zumindest bei mir) viele Erinnerungen weckt. Analoge Fotografie ist gerade wieder voll im Trend, und wegen der schönen, technisch freilich unvollkommenen Aufnahmen hat auch die Einfachkamera Kodak Star 335 heute ihre Berechtigung und findet ihren Einsatzzweck. Die übersichtliche und robuste Technik und die gute Verarbeitungsqualität machen diesen Fotoapparat auch heute noch zu einem guten Alltagsbegleiter.

