Fleischbrücke, Nürnberg
Die Fleischbrücke, Nürnberg, im Juli 2026. LOMO LC-A, Wolfen NC-500
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Die Fleischbrücke, Nürnberg, im Juli 2026. LOMO LC-A, Wolfen NC-500
Schon wieder eine Point-and-Shoot-Kamera im Blog? Ich gebe es unumwunden zu: Diese einfache, im besten Wortsinne unperfekte Art des Fotografierens lässt mich gegenwärtig nicht mehr los. Mit simpler Technik, einer ordentlichen Dosis Zufall und einem Hauch Bildkomposition lassen sich so ästhetisch sehr eigene Bilder schießen, fernab jeder digitalen Perfektion und fernab jedes KI-Fakes.
Nachdem ich ja schon recht ausführlich über die Kodak Star 335, die immer mal wieder gebraucht erhältlich ist, geschrieben habe, ist mir dieser Tage eine recht ähnliche Kamera mit minimalistischer Technik in die Hände gefallen: die Kodak EC35. Sie ist neu zu haben, kostet um die 40,- Euro und wird als Einstiegskamera in die analoge Fotografie vermarktet.
Dabei ist die Kodak EC35 gar keine “echte” Kodak, Lizenznehmer der Marke Kodak ist die Firma RETO Project, die mit einfachen Kunststoff-Point-and-Shoot-Kameras auf sich aufmerksam machte. Technisch ist unsere EC35 der RETO Pano, die um die 35 US-Dollar zu haben ist, recht ähnlich. Die Kodak gefällt trotzdem besser, denn das schiebbare Lens-Cover, die Vielfalt der Gehäusefarben und das recht klassische 90s-Design rechtfertigen den nur wenige Euro betragenden Mehrpreis für das Kodak-Modell. Zudem gibt es die EC35 auch als Bundle mit einem Ultramax 400 (24 Aufnahmen) im Bundle.
Blicken wir zunächst einmal auf die technische Seite der Kamera: Das einfache, zweilinsige Kunststoffobjektiv ist mit seiner Brennweite von 25 Millimetern recht weitwinklig und eignet sich daher für die meisten Motive und Szenen im Bereich Street, Party, Reise und Familie. Mit der fixen hohen Blende von f/10 sind quasi alle Bereiche des Bildes immer scharf, besonders lichtstark ist das Objektiv nicht. Die fixe Verschlusszeit von 1/100s ist sicher ein guter Kompromiss, wenn die Szene zu dunkel ist, hat die Kamera ja den Blitz an Bord. Eine Blitzautomatik ist nicht vorhanden, man muss selbst einschätzen, wann man den Blitz einschaltet, und wann nicht. Das hat man sehr schnell raus, die meisten nicht optimal ausgeleuchteten Innenaufnahmen erfordern das Blitzen. Wie inzwischen üblich, wird der Blitz von einer einzelnen AA-Batterie befeuert.
Die Kamera wird, wie bereits erwähnt, mitunter als Bundle mit einem 135er-Kleinbildfilm Ultramax 400 mit 24 Aufnahmen verkauft, dieser Filmempfehlung kann ich durchaus folgen.
Fotografieren: Im Prinzip muss man, neben dem Filmeinlegen, nur einschätzen können, wann man den Blitz einschaltet, den Film weiterdrehen, durch den klaren, optisch sehr einfachen und etwas kleinen Sucher blicken und auslösen, mehr braucht es nicht, um mit der EC35 zu fotografieren. Der Auslöser ist sehr leichtgängig und weich, das ist gut, weil so die Gefahr des Verwackelns der Bilder merklich reduziert wird. Ein etwas deutlicheres mechanisches Feedback wäre manchmal wünschenswert, ist aber letztlich verzichtbar. Angenehm finde ich das verschiebbare Lens-Cover, das im geschlossenen Zustand auch den Auslöseknopf blockiert, so sind Fehlauslösungen in Tasche oder Rucksack ausgeschlossen.
Um die Kamera möglichst kompakt aufbauen zu können, wird die volle Filmpatrone nicht links, sondern rechts eingelegt und der Streifen nach links gezogen. Das ist technisch kein Nachteil, bedingt aber, dass der mechanische Bildzähler auf der Unterseite der Kamera zu finden ist.
Die Bilder bekommen durch die einfache Linse eine sehr weiche und dennoch schöne Vignette und einen tollen Retro-Touch. Die besondere Anmutung der Bilder ist ja gerade der Gag bei solch simplen Point-and-Shoot-Kameras. Der Ultramax-Film ist zwischen Farbabstimmung und Korn ein guter Kompromiss, wer will, dass seine Bilder durch gröberes Korn und ein etwas reduzierteres Farbspektrum noch mehr Retro-Touch bekommen, dem empfehle ich, mit dieser Kamera den NC-500 von Wolfen zu verwenden. Mit einer 400er-Empfindlichkeit macht man mit dieser Kamera nichts falsch, 200er gehen auch noch in Ordnung, wenn man bereit ist, konsequent indoor zu blitzen, einen 100er-Film halte ich wegen des doch recht lichtschwachen Objektivs für weniger zweckmäßig.
Zur Haptik kann man nur eines sagen: Plastic fantastic! Alles, was man aus Plastik fertigen kann, ist an dieser Kamera aus Plastik gefertigt. Wirklich alles.
Ein kleines Beispiel gefällig? Bis zum heutigen Tage ist mir noch keine Kamera in die Hände gefallen, die auf eine federnde Film-Andruckplatte, die die exakte Planlage des Films in der Kamera herstellt, verzichtet. Die EC35 hat hier einfach in die Rückwand der Kamera eingeprägte, leicht konkave Führungsschienen – das war’s. Das funktioniert hinreichend, das ist nicht edgy, alles ist so einfach wie möglich gehalten. Diese Einfachheit ist faszinierend und etwas cheap gleichermaßen. Cheap? Der Deckel wird mit einem federnden Kunststoffclip geöffnet und geschlossen gehalten, so wie man das in den 80ern und 90ern bei Batteriedeckeln von Taschenradios machte. Das ist sicher nicht die optimale technische Lösung, funktioniert aber. Dabei ist der Kunststoff insgesamt gut verarbeitet und macht einen ordentlichen Eindruck. Das verwendete ABS ist außerdem verhältnismäßig bruchsicher, wir haben es mit einer sehr robusten Kamera zu tun.
Nicht nur des günstigen Preises, sondern auch der griffigen und stabilen Haptik wegen nimmt man diese Kamera gerne auf Partys und Festivals mit. Wasserdicht ist sie nicht, aber das hätte auch keiner erwartet. Die Kamera ist mit etwas mehr als 100 Gramm Gewicht (ohne Film und Batterie) angenehm leicht und kompakt und liegt ausgezeichnet in der Hand.
Freilich ist sie, beispielshalber sei hier der Vergleich zur LC-A gezogen, durch den Batterieschacht und den Blitz etwas klobiger. Dennoch empfinde ich sie als Kamera „für immer dabei“ recht griffig und platzsparend. Und seien wir ehrlich: Bei einem Preis von gegenwärtig um die 40,- Euro würde der Verlust dieser Kamera nicht allzu sehr schmerzen, deswegen nimmt man sie gerne auch mal an Orte mit, an denen es rauer zugeht. Und dann muss man einfach nur abdrücken – so entstehen einmalige Aufnahmen. Wenn man drei oder vier Kleinbildfilme durch die Kamera gelassen hat, hat sie sich gegenüber einer Einwegkamera mit Blitz bestens amortisiert.
Ein paar Beispielbilder gibt’s nach dem Break.
Wer heute eine LOMO LC-A kauft, der muss in aller Regel auf ein Gebrauchtgerät zurückgreifen. Möglicherweise wird man noch hie und da eine LC-A+ neu angeboten bekommen, die Preise dafür sind allerdings absurd. Die gebrauchten Lomos sind hingegen recht günstig zu bekommen, haben aber auch ihre Tücken. Da die Lomo aber eine robuste und im Kern auch technisch einfache Kamera ist, ist eine Reparatur in Abhängigkeit vom Fehler oft möglich und selbst für Laien machbar.
Für einen Appel und ein Ei habe ich mir eine ziemlich genau dreißig Jahre alte LC-A geklickt. Der Fehler dieser Kamera war, dass die LEDs – trotz frischer Batterien – nicht funktionierten. Ein relativ ähnlicher, bekannter Fehler ist, dass die linke LED, die den Batteriestatus anzeigt, kontinuierlich leuchtet und so die Knopfzellen in kurzer Zeit leersaugt. Beiden Fehlern ist recht einfach beizukommen, doch beginnen wir von Anfang an…
Die LC-A verfügt im Sucher über zwei rote LEDs auf der Oberseite, eine links, eine rechts. Das Bild, das ich zur Illustration mit dem Handy gemacht habe, ist nicht ganz realistisch. Mein Sucher ist etwas schmutzig und in natura leuchten die LEDs natürlich nicht so hell.
Wichtig ist Folgendes: Bei offenem Objektivdeckel und halb heruntergedrücktem Auslöser indiziert die linke LED den Batteriestatus. Leuchtet sie, ist alles okay. Leuchtet sie nicht, sind die Batterien verbraucht und müssen gewechselt werden. Ohne Batterien funktioniert die LC-A nicht, weil dann die Belichtungsautomatik nicht arbeitet. Man bekommt dann aus dem Labor völlig unterbelichtete Bilder oder schwarze Negativstreifen zurück.
Die rechte LED warnt vor schlechten Lichtverhältnissen. Leuchtet sie bei halb gedrücktem Auslöser, bedeutet das, dass die Verschlusszeit 1/30s oder länger beträgt und damit die Gefahr besteht, das Bild zu verwackeln.
Wenn beide oder die linke LED nicht leuchten, sollte man zuerst einmal überprüfen, ob die Batterien (Knopfzellen des Typs LR44/A76, drei Stück) leer sind, und sie ggf. wechseln.
Nun kann es aber passieren, dass trotz frischer Batterien die LEDs nicht leuchten. Auch kommt es gelegentlich vor, dass bei der LC-A die linke LED, die den Batteriestatus anzeigt, immer leuchtet und so die Batterien leerlaufen. Diese beiden Fehler liegen häufig am Auslöser und sind recht einfach behebbar. Neben dem mechanischen Auslöser befinden sich drei Federkontakte, die die Batteriekontrolle und die Verschlusszeitautomatik aktivieren. Werden diese Kontakte beim Auslösen nicht vollständig geschlossen, bleiben die LEDs aus. Ist der Auslöser zu straff eingestellt, wird der obere Federkontakt, der die Batteriekontrolle aktiviert, dauerhaft geschlossen und die Batterie läuft leer.
Der Auslöseknopf besteht aus drei Teilen: Eine Kunststoffhülse mit einer Nase ist der eigentliche Knopf, in ihm steckt eine Sechskantmetallhülse mit feinem Innengewinde und eine Messingschraube, mit der sich der Hub des Auslöseknopfes justieren lässt. Und da kann ein halber Millimeter einen beträchtlichen Unterschied machen. Um den Fehler zu beheben, muss man also an den Auslöseknopf herankommen und mit der Schraube die Länge des Knopfes nachjustieren. Leuchten die LEDs beim halb gedrückten Auslöser nicht, dreht man die Messingschraube eine halbe bis eine Umdrehung heraus, leuchtet die linke Batterie-LED durchgängig, dreht man die Schraube ein wenig tiefer herein.
Um an den Auslöser heranzukommen, müssen eigentlich nur der obere Deckel und der aus der Kamera herausstehende Schutz vor Objektiv und Sucher entfernt werden. Lomography selbst hält eine gut bebilderte Anleitung zum Tausch des Deckels bereit. Wir wollen den Deckel nicht tauschen, sondern nur an den Auslöseknopf heran. Ein paar Hinweise zum Vorgang: Vor der Demontage ist, wie gesagt, sicherzustellen, dass die Batterien ausreichend Spannung und Kontakt haben. Zudem darf sich kein Film mehr in der Kamera befinden. Der Sucher- und Objektivschutz wird mit vier kleinen Schrauben gelöst, die sind sofort zugänglich. Bei der Demontage sollte der Schutz offen und die Kamera damit im Bereitschaftsmodus sein, damit man später testen kann, ob die neu justierte Länge des Auslöseknopfes auch passt. Um den oberen Deckel abzunehmen, muss man auf der (von vorn betrachtet) linken oberen Seite, ziemlich genau unterhalb des Auslöseknopfes, das Kunstleder der Kamera etwas abheben, um an die vordere Deckelschraube zu gelangen. Das geht am besten mit einem Taschenmesser. Diese Schraube ist dann zu lösen. Die hinteren beiden Schrauben des Deckels links und rechts des Suchers sind wieder frei zugänglich. Auch auf der oberen Seite ist der Deckel der Kamera verschraubt, die Schrauben sitzen im Rückspulhebel. Den kann man herausziehen und den Filmdeckel auf der Rückseite öffnen. Dann wird der untere Teil des Rückspulers mit einem Schraubenzieher gehalten, die Kurbel lässt sich dann mit der Hand einfach gegen den Uhrzeigersinn abdrehen und man kommt an die Schrauben heran. Der Deckel kann nun komplett nach oben abgezogen werden.
Und schon kommt einem der Auslöseknopf entgegen, dessen Länge in der Innenhülse justiert werden kann. Auf dem Bild sind links vom Sucher die Federkontakte gut zu erkennen. Sie müssen in aller Regel nicht nachgebogen werden, auch eine Reinigung ist nur in seltenen Fällen nötig, weil sie von sich aus kaum korrodieren. Ob der Auslöser jetzt wieder funktioniert, lässt sich sehr einfach kontrollieren, indem man den Deckel mit dem eingesetzten Auslöseknopf provisorisch auf die Kamera setzt, ihn etwas nach unten drückt und den Auslöser betätigt. Nun sollte die linke LED im Sucher wieder leuchten. Man testet die rechte LED, indem man den Finger vor die Fotozelle (im Bild rechts vom Sucher zu erkennen) hält. Funktioniert alles wieder, wird der abgelöste Teil des Kunstleders mit einem Tropfen Uhu wieder angeklebt und die Kamera zusammengesetzt und verschraubt. Funktionieren die LEDs wider Erwarten weiterhin nicht, dann muss man ein wenig mit der Justage experimentieren.
Und das war es eigentlich auch schon. Jetzt kann mit der Kamera wieder fotografiert werden.
Nicht nur die analoge Fotografie, auch einfache Point-and-Shoot-Kameras feiern gerade wieder eine Renaissance. Der Grund liegt auf der Hand: In Zeiten ubiquitärer KI-Aufnahmen sehnen sich viele nach dem „echten“ Feeling eines analogen Fotos. Gute, einfache Kameras sorgen zudem dafür, dass selbst der Neu- und Wiedereinsteiger schnell zu brauchbaren bis guten Ergebnissen kommt.
Und so erinnerte ich mich einer Kamera, die ich zu Jugendzeiten in den 90ern geschenkt bekam und die mich viele Jahre begleitete: die Kodak STAR 335. Sie dürfte damals nicht allzu teuer gewesen sein und war wohl relativ verbreitet. Die früheren Modelle, aber hier mag ich mich irren, trugen die Modellbezeichnung „335“, später wurde aus der Kamera die „STAR 335“, beide Modelle sind baugleich.
Die einfache Point-and-Shoot-Kamera wurde in den Jahren 1990 bis 1994 für Kodak in Thailand gefertigt. Das verhältnismäßig weitwinklige Objektiv (35mm) hat eine fixe Blende von f5,6, die für die meisten Außenaufnahmen gut geeignet sein dürfte. Auch die Verschlusszeit ist mit 1/125 Sekunde fix. Für den Fall, dass dies nicht langt, ist ein relativ potenter Elektronenblitz verbaut, der binnen sieben Sekunden nachlädt (Indikator ist eine LED) und von zwei Mignon-Batterien (AA) betrieben wird. Der Blitz ist immer manuell zuzuschalten, eine Blitzautomatik gibt es nicht. Ab einem Objektabstand von etwa 1,2 Metern sind die Bilder scharf. Sinnstiftend verwenden lassen sich Kleinbildfilme mit 100, 200 oder 400 ASA. Der Filmtransport und das Rückspulen erfolgen manuell.
Meine Kamera habe ich zwar aufgehoben, ich konnte sie im Keller aber nicht wiederfinden. Das macht aber nichts, denn bei ebay findet man diesen Fotoapparat eigentlich fast immer. Für mein neuwertiges Exemplar habe ich 18,- Euro gezahlt.
Dafür, dass diese Kamera mit ihrem Plastikbody und dem recht simplen, dreilinsigen Objektiv eigentlich schon in der Kategorie „Einfachkamera“ rangiert, ist die Abbildungsleistung erstaunlich gut. Die Bilder sind hinreichend scharf und weitgehend frei von Vignettierung und Aberrationen. Kodak konnte schon immer vernünftige Einfachkameras im Low-Budget-Preisbereich bauen, die 335 bildet hier keine Ausnahme. Freilich sind die Aufnahmen nicht perfekt, aber mit einem etwas grobkörnigeren 400er Film gelingen aus dem Stand tolle Aufnahmen mit bezaubernder Vintage-Optik. Dabei ist die Abbildungsleistung spürbar besser als bei Einwegkameras. Ebenfalls weniger schlecht als vermutet ist der einfache, aber große und klare Sucher, der geschätzt etwa 80 Prozent des Bildausschnitts abbildet.
Daher würde ich sagen, dass sich diese Kamera auch heute gerade für die Streetfotografie eignet. Die quasi sofortige Bereitschaft, die auch nach gegenwärtigen Maßstäben gute Fotoqualität, das insgesamt ordentliche, wenn auch etwas lichtschwache Fixfocus-Objektiv, das eine schöne Retrooptik liefert, sprechen alle für diesen Einsatz. Auch wenn der Formfaktor nach heutigen Maßstäben etwas bulky wirkt, wiegt die Kunststoffkamera mit Batterien und Film kaum mehr als 300 Gramm. Das und vor allem der niedrige Gebrauchtpreis, für ein gut erhaltenes, funktionierendes Modell bezahlt man etwa 10,- bis 15,- Euro, sprechen dafür, die Kamera auch mal zum Sport oder auf Partys mitzunehmen.
Die Bedienung ist quasi selbsterklärend, denn die Kamera ist technisch absolut simpel, aber für alle, die sich dafür interessieren, habe ich die mehrsprachige Bedienungsanleitung der 335 mal eingescannt.
Bedienungsanleitung / Manual Kodak Star 335 (PDF, rd. 6 MB)
Mein Fazit: Auch heute noch ein cooles Teil, das (zumindest bei mir) viele Erinnerungen weckt. Analoge Fotografie ist gerade wieder voll im Trend, und wegen der schönen, technisch freilich unvollkommenen Aufnahmen hat auch die Einfachkamera Kodak Star 335 heute ihre Berechtigung und findet ihren Einsatzzweck. Die übersichtliche und robuste Technik und die gute Verarbeitungsqualität machen diesen Fotoapparat auch heute noch zu einem guten Alltagsbegleiter.
Nan Goldins fotografisches Werk war immer ein politisches. Eines, das einen feministischen Blick auf Amerika im Kleinen, aber auch die Welt im Ganzen warf, eines, das sich für queere Belange einsetzt, eines, das gegen die Diskriminierung an AIDS Erkrankter kämpft. Goldin ist aber nicht nur Fotografin, Künstlerin, sie ist auch Aktivistin. Zusammen mit von der Opioidkrise Betroffenen kämpft sie, ehemals selbst abhängig vom „Medikament“ Oxycontin, mit der von ihr gegründeten Organisation P.A.I.N. unter anderem für die Tilgung des Namens der Familie Sackler aus internationalen Museen.
Der Dokumentarfilm All the Beauty and the Bloodshed (dt. Titel „All die Schönheit und das Blutvergießen“) verwebt dabei zwei Erzählstränge: den biografischen, in dem wir Nan Goldin von frühester Kindheit an begleiten, über den Suizid ihrer Schwester und seine einschneidende Wirkung auf Goldins Leben erfahren, ihren frühen Ausbruch aus der Familie, Gewalt- und Diskriminierungserfahrungen, aber auch ihren individuellen Kampf um Freiheit und ihre Entwickling als Fotografin, Künstlerin und Aktivistin. Und den, in dem die Kamera ihren Kampf für die Opfer der Familie Sackler, dem Oxycontin, für die Tilgung des Familiennamens aus internationalen Museen und Kulturstiftungen begleitet. Ein eindrücklicher, ein harter, ein bewegender Film. Goldin berichtet in Interviews über ihr Leben, mit ihren Fotos sind viele Teile des Interviews unterfüttert.
Gerade kann man den Film in der arte-Mediathek sehen (er bleibt bis zum 15. Juni 2026 verfügbar), zudem ist er unter dem etwas sperrigen Titel „Nan Goldins Kampf gegen die Sacklers“ bei Youtube verfügbar.
2022 gewann der Film den Goldenen Löwen der Filmfestspiele Venedig, ein Jahr später war er für den Oscar als bester Dokumentarfilm nominiert. Zweifelsfrei ist All the Beauty and the Bloodshed einer der wichtigsten Dokumentarfilme der Gegenwart.
Erst dieser Tage ist mir aufgefallen, dass der Dokumentarfilm LOve & MOtion, der die Anfangstage der Lomografie, die Entstehungsgeschichte der LC-A, ihren Siegeszug im Wien in den Jahren nach dem Fall der Sowjetunion, die Rolle Wladimir Putins für die Lomografische Gesellschaft jener Zeit und die unterschiedlichsten Herangehens- und Nutzungsweisen der LOMO beleuchtet, auf YouTube zu sehen ist. Ein spannender Film und ein wirklich sehenswertes Zeitdokument, auch wenn die technische Qualität des Uploads nur sehr durchschnittlich ist.
Mir hat der Film vor Jahren großen Spaß gemacht und es war interessant, ihn wieder einmal zu sehen. Klare Empfehlung!
Dieser Tage ist mir die Bedienungsanleitung meiner alten LC-A, die noch in irgendeiner Kiste im Keller liegt, durch die Hände gegangen, und zwar nicht nur die englischsprachige, die man seitens der Petersburger Fabrik Mitte der 1990er-Jahre den Kameras beilegte, sondern auch die frühe deutschsprachige Anleitung der Lomographischen Gesellschaft Wien. Die finde ich ja noch interessanter und lesenswerter, als die Originalanleitung.
Beide, die englische und die österreichische (dürfte von 1995 oder 1996 sein, so alt ist auch die Kamera) sind in einer PDF-Datei vereinigt, die ich Euch freilich nicht vorenthalten möchte. Vielleicht kann sie dem ein oder anderen noch dienlich sein …
Mein Scanner ist nun nicht der beste, aber wenn man die Datei ein wenig vergrößert, ist die Anleitung (die im Original ziemlich winzig ist) durchaus lesbar.
Der Zufall spielte mir in diesen Tagen ein Gadget in die Hände, das vor einem guten halben Jahr auf Insta richtig “viral” gegangen ist, aber auch gegenwärtig immer wieder auftaucht: eine kleine, als „Chuzhao“ gebrandete Digitalkamera in der Optik einer alten Rolleiflex-Spiegelreflexkamera. Sie ist richtig retro und auf jeden Fall ein Hingucker – und auch die mit ihr geknipsten Bilder versprühen einen echten Vintage-Charme. Doch schon an dieser frühen Stelle muss darauf hingewiesen sein: Mehr als ein Spielzeug ist diese Kamera nicht, selbst dann nicht, wenn man an eine Digitalkamera keine hohen Ansprüche hat.
Bevor ich mich der Technik widme, möchte ich auf die „besondere“ Optik dieser Gadget-Knipse zu sprechen kommen: Sie ähnelt in der Tat sehr der zweiäugigen Mittelformat-Spiegelreflexkamera, die man bei Rollei in dieser quasi prototypischen Form wenigstens fünf Jahrzehnte so produziert hat. Manche Details sind hier recht präzise und charmant ausgeführt, so etwa der etwas herausstehende Auslöser, die Menübuttons zwischen den Kameralinsen (die obere Linse ist bei dieser Digitalkamera selbstredend eine funktionslose Attrappe) oder die kleine Kurbel an der rechten Gehäuseseite. Wenig überraschend ist diese Kamera bedeutend kleiner als das Rollei-Original und somit auf den ersten Blick für jedermann als Gadget erkennbar.
Ein kurzer Blick auf den Lieferumfang: Neben dem Fotoapparat mit seiner vorinstallierten 16-GB-micro-SD-Karte, einer Bedienungsanleitung, einem im Gegensatz zur Digicam nicht wirklich retro erscheinenden Schultergurt wird in der recht stylishen Produktverpackung, die sich auch als Geschenkbox eignet, ein USB-A-zu-C-Kabel geliefert. Die Kamera kann per USB-C sowohl aufgeladen werden, als auch mit dem Computer verbunden werden. Nominell steht eine Akkukapazität von 1000 mAh zur Verfügung (der Akku ist nicht wechselbar), das Laden funktioniert auch mit potenteren Ladegeräten mit 2 A Ladepannung, ein Netzteil gehört nicht zum Lieferumfang, aber so etwas hat man ja gemeinhin zur Hand.
Technisch gesehen liefert diese Kamera sehr einfache Hausmannskost – mit einer Ausnahme: Sie macht quadratische Bilder im Format 1:1 – das ist dasselbe Format wie seinerzeit beim Mittelformat. Gewählt werden kann zwischen Farbe und Schwarz/Weiß, das Bildformat ist vom Nutzer nicht änder- bzw. anpassbar. Der Sensor soll 12 Megapixel auflösen, allerdings kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass diese 12 MPix interpoliert sind, denn die Auflösung ist nur mäßig und der Chip hat, wie man an den Filmclips sieht, ein normales Format, die Fotos werden intern also mindestens beschnitten. Weiterhin verfügt dieser Fotoapparat über einen recht vernünftig arbeitenden Autofokus, der allerdings nicht abgestellt werden kann. Man kann also kaum „künstlerische“ Aufnahmen mit Unschärfe machen, ein manueller Fokus ist nicht vorhanden.
Die Bedienung ist für sich genommen einfach und auch in sich logisch, man muss sich an die menülose Art der Kamera gewöhnen, das gelingt aber schnell, denn die Kamerafunktionen sind aufs absolut nötige Minimum reduziert und erlauben, außer der Umstellung von schwarz/weiß und Farbe keine Eingriffe seitens des Fotografen. Der Sucher ist, wie beim Original, oberseitig angebracht und verfügt, wie das Vorbild von Rolleiflex auch, über eine Klappe und einen ausklappbaren „Blendschutz“. Es ist quadratisch, die Auflösung ist jetzt nicht übertrieben hoch, zur Orientierung reicht der Bildschirm aber bestens aus, zudem bildet er hell und klar ab.
Zur Ästhetik der Bilder: Die Kamealinse ist aus Kunststoff und ist in Qualität und Ausführung mit dem optischen System einer Einwegkamera vergleichbar. Der Retro-Effekt der Digitalaufnahmen mag auch daher rühren, wobei durch den Beschnitt des Bilds auf das quadratische Format Verzeichnungen und Farbaberrationen an den Bildrändern minimal ausfallen. Wenn wir uns hingegen gute analoge Mittelformataufnahmen ansehen, die mit der Rolleiflex, die dieser Kamera Pate stand, gemacht wurden, werden wir feststellen, dass diese nichts mit der Qualität der Digitalbilder gemein haben. Die Mittelformataufnahmen waren von einer Exzellenz, die einem manchmal den Atem raubt und noch heute Respekt abnötigt, die Bilder der Chuzhao-Knipse indes repräsentieren das Niveau einfacher Digitalfotografie aus den frühen 2000er-Jahren oder sehr früher Handykameras. Nun muss man selbst entscheiden, ob man das als Manko begreift, oder die Ästhetik dieser Aufnahmen schätzt. Ich persönlich mag sie sehr. Jedes Handy macht heute annähernd perfekte Bilder, indes mit den Limitationen dieser Kamera zu arbeiten, ist im Jahr 2025 wieder eine spannende Sache. Gerade mit der s/w-Funktion, aber auch im Gegenlicht entstehen so wirklich interessante Fotos mit einem ganz eigenen Charme.
Das Besondere der mit dieser Kamera aufgenommenen Fotos liegt nicht nur im quadratischen Format, der etwas reduzierten Farbabbildung, der situationsabhängigen Neigung der Kamera zur Über- und manchmal auch Unterbelichtung, sondern auch in der Perspektive, aus der sie gemacht werden. Da man ja von oben in den auf der Oberseite des Kameragehäuses angebrachten Sucher blickt, verändert sich automatisch die Perspektive der Aufnahmen („Bauchperspektive“). Das kann sehr spannende Bilder erzeugen – und macht echt Spaß. Ein paar Demofotos lasse ich Euch hier exemplarisch da, alle nicht weiter bearbeitet. Ein Klick auf das jeweilige Vorschaubild vergrößert es.
Nun bleibt noch ein kurzes Fazit zu ziehen: Wohl niemand wird erwartet haben, dass wir es hier mit einer ernst zu nehmenden Kamera zu tun haben, niemand wird den Eindruck haben, man könnte hier Bilder in einer Qualität derer der alten zweiäugigen Spiegelreflexkameras erzeugen. Diese Kamera ist ein Gadget, ein Spielzeug, das sehr partymäßig aussieht und auch retromäßige Fotos liefert. Für das ein oder andere Experiment ist diese Kamera sicher gut, die Bilder, die nicht besonders hoch auflösen, weisen eine ganz eigene und durchaus spannende Ästhetik auf.
Erst gestern berichtete ich über ein wertvolles Tool im Fediverse, die Fedikarte, heute widme ich mich erneut diesem dezentralen sozialen Netzwerk und beleuchte ein Tool, das ich fast noch wertvoller finde – den Alt Bot, den ich über Karlimann kennengelernt habe.
Ihr wisst, dass ich AI generell recht kritisch sehe – gerade, weil die Large Language Models mittlerweile zwar sehr süffige und kompakte, gut lesbare Inhalte liefern, es damit aber immer schwieriger wird, Fehlschlüsse und Falschinformationen zu erkennen. Solche Falschinformationen tradieren sich dann weiter, gerade wenn die Ergebnisse der AIs unkritisch in Webseiten übernommen werden.
Gleichwohl liefert die künstliche Intelligenz auch richtig coole Use Cases ab. Der Alt Bot analysiert Fotos, die Nutzer auf Mastodon posten, mithilfe von Googles AI Gemini und erstellt auf Grundlage dieser Ergebnisse Bildbeschreibungen als Reply auf den ursprünglichen Bilder-Post mit dem Ziel, die Bildinhalte für blinde oder sehbehinderte Menschen zugänglich zu machen.

Den Alt Bot benutze ich seit nunmehr drei Wochen und ich bin positiv überrascht und gleichzeitig auch ein wenig beunruhigt ob der Treffsicherheit, Präzision und Fokussierung aufs Wesentliche bei den durch Gemini generierten Bildbeschreibungen. Ich habe kaum Anlass zur Kritik, im Gegenteil: Der Bot arbeitet aus den Fotos wissenswerte Details heraus, die ich so schlicht übersehen hätte. Mitunter gibt die AI auch eine Kontextualisierung oder vorsichtige Szenenbewertung ab, das eine halte ich für sehr gelungen, das andere betrachte ich freilich, ihr kennt meine Haltung dazu, nicht unkritisch.
Dennoch ist der Bot ein Tool, welches Mastodon zu einem wesentlich zugänglicheren Ort für Blinde und Menschen mit Sehbehinderung macht.
Die Nutzung ist übrigens sehr einfach – übersetzt heißt es in der Anleitung für den Bot:
So benutzt du den Alt Bot:
- Erwähne mich: Erwähne einfach @altbot in einer Antwort auf einen Beitrag, der ein Bild enthält, und ich werde eine Alt-Text-Beschreibung dafür generieren.
- Folge mir: Folge @altbot, und ich folge dir zurück, um auf deine Beiträge zu achten. Wenn du ein Bild ohne Alt-Text postest, werde ich automatisch einen generieren, um das Fediverse zugänglich zu halten!
Wegen der Funktionsweise der Mastodon-API kann Alt Bot dir NICHT automatisch entfolgen, wenn du deine Meinung änderst. Bitte führe das Entfolgen manuell durch.
Hinweis zum Datenschutz: Der Inhalt deiner Beiträge wird nicht ausgewertet. Nur Bilder ohne bestehenden Alt-Text werden verarbeitet.
Der Alt Bot ist unter @altbot@fuzzies.wtf zu finden.
Ein bisschen aus der Zeit gefallen sind sie ja schon: die Webcams. Ende der 1990er Jahre bis in die 2010er Jahre hinein gehörte es quasi zum guten Ton, im „WWW“ eine Webcam zu betreiben, um der großen weiten Welt sein Unternehmen, seine Umgegend oder das örtliche Wetter im Livebild präsentieren zu können. Und so erfreut sich die Webcam unter den Ureinwohnern dieses weltweiten Netzes ungebrochener Beliebtheit (auch wenn es immer weniger solcher Webcams im öffentlichen Raum werden).
Auch in Nürnberg gab es mal eine Vielzahl solcher Kameras – und einige haben sich bis heute gehalten. Im Folgenden möchte ich einen aktuellen Überblick über noch aktive Webcams in der Frankenmetropole geben:
Nicht mehr verfügbar ist leider die Cam auf die Kaiserburg, die von einem ortsansässigen Versicherer angeboten wurde. Du hast eine Webcam gefunden, die ich vergessen habe? Lass´ mir einfach einen Kommentar da. Viel Spaß beim Cam-Spotten!