Wirtshaus-Explorer: Der offene Döner-Preiskampf hat begonnen.
Dieser Tage erst (ich habe es in der Papierzeitung gelesen, daher habe ich gerade keinen Link zur Hand), war im hiesigen Lokalblättla ein sehr interessanter Artikel zu lesen, in dem der Chef der inzwischen ja nicht nur in unseren Breiten expandierenden Imbisskette „Original Berliner Döner“ erläuterte, wie die hohen Dönerpreise zustandekämen. Er hob insbesondere auf den hohen Fleischpreis ab und rechnete vor, dass pro verkaufter Dönertasche nur ein geringer Gewinn von wenigen Cent übrigbliebe, der durch Kostensteigerung und andere Unwägbarkeiten eh ständig in Gefahr sei. Gewinn sei ihm zufolge nur zu machen, wenn man eben einen enorm großen Durchlauf generiert und gehalten bekommt – die Masse macht’s.
Er prophezeite, dass Dönerbuden, die ihren Imbiss wie vor zwanzig Jahren zubereiten, alsbald vom Markt verschwinden würden und es angesichts des Kostendrucks kein Wunder wäre, würde der Dönerpreis in wenigen Jahren auf 13, 14 oder gar 20 Euro ansteigen; in anderen Städten wie Frankfurt am Main wäre das schon heute der Fall.
Um es ganz offen zu sagen: Einen Döner für 13 Euro, das kann ich mir nun wirklich nicht vorstellen. Der Döner war (mindestens bis zur Corona-Pandemie) immer ein billiger Imbiss, daran hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn manche selbsternannten „Dönerpioniere“ es geschickt zu verstehen wussten, mit einigen etwas ungewohnten Zutaten und einer schicken Ladenaufmachung dem eigenen Döner einen Touch von Mondänität zu verleihen und sich das über den Preis vergolden zu lassen. Auch wenn so ein Döner anders schmeckt und der Hype ungebrochen ist, darf man doch infrage stellen, wie lang die geneigte Kundschaft noch bereit ist, für den Alltagsimbiss neun bis zehn Euro auszugeben. Vor über einem Jahr habe ich mir darüber schon nicht allzu schwere Gedanken gemacht.
Im Oktober eröffnete dann in der Fürther Innenstadt eine Filiale des „Original Berliner Döner“. Eigentlich ein Ereignis unter vielen, das, für sich genommen, eigentlich keiner weiteren Erwähnung bedarf, aber dennoch Auswirkungen auf die Konkurrenzimbisse hatte. Die nämlich begannen, ebenfalls Zitronensaft und Granatapfelkerne in ihre Dönertaschen zu applizieren (warum auch nicht, kost ja quasi nix, und wenn der Kunde auf so ein Chichi steht, bitte), um am Edeldönerhype mitzuschnappen.
In der Nähe des Fürther Rathauses gibt es neben dem besagten „Edel-Döner“ wenigstens fünf weitere Dönerimbisse. Ich habe mich schon öfter gefragt, wie die sich in so engem Radius halten können und warum sie sich nicht gegenseitig kannibalisieren.
Nun scheint es, dass ich mit dieser Befürchtung recht behielt, denn die Luft muss dünner werden, denn: Der offene Döner-Preiskampf hat begonnen!
Der erste Imbiss wirbt inzwischen offensiv mit einem Kampfpreis für die Dönertasche: 3,50 Euro! Auch der Preis für den Dönerteller (7,50 Euro ohne, 9 Euro mit Getränk) kann sich sehen lassen.
Der eine Imbissbetreiber versucht also, seinen Döner „aufzubessern“, der andere, an der Preisschraube nach unten zu drehen. Freilich kann ich es letztlich nicht beweisen, aber mich beschleicht das Gefühl, dass solche Maßnahmen in Anbetracht der wohl zumindest als mächtig, wenn nicht gar übermächtig wahrgenommenen Konkurrenz ergriffen werden.
Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich an dieser Stelle einmal die aktuellen Dönerpreise verhandeln werde, zumal ich den Döner noch nicht probiert habe und damit nicht einmal sagen kann, ob er sein Geld wert ist (angemerkt sei aber, dass ich in diesem Imbiss schon öfter gegessen habe, war immer alles gut), aber der Trend stimmt mich zuversichtlich. Schlussendlich sollte sich jeder, der das möchte, bisweilen mal so eine Dönertasche leisten können, und bei den gegenwärtigen Dönerpreisen ist ja auch keine sinnstiftende Relation mehr vorhanden. Ob man jedoch darauf hoffen darf, dass damit die sich immer schneller drehende Dönerpreisspirale stoppen lässt, traue ich mich nicht zu prognostizieren. Aber es ist endlich einmal ein Pflock eingeschlagen, einer, der erdet.
Letztlich ist der Döner ein Fast Food, ein billiges Gericht, zwischen zwei Terminen auf der Straße aus der Hand gegessen. Auf seine Weise ist er nahrhaft, aber alles andere als wertvoll. Fett und Kohlenhydrate sind seine Hauptbestandteile. Einen Döner hypen zu wollen, kommt in etwa dem Unsinn gleich, den mancher Büdchenbetreiber vor fünfzehn Jahren betrieb, als er seine Currywurst mit Goldflittern bestreute und dazu eine Piccolo-Flasche halbseidenen Champagners reichte: reichlich affig. Dem Döner nun wieder ein demokratisches Preisetikett anzuheften, ist folgerichtig eine gute Tat, die manches wieder gerade rückt. Zumindest in Fürth.
Update 2. März 2026: Jetzt habe ich mir diesen Dreifuffzich-Döner mal gekauft. Ja, wie zu erwarten stand, ist er kleiner, als der Döner, den man früher in diesem Imbiss bekommen hat, aber nicht viel kleiner. Ich bin für 3,50 Euro jedenfalls ordentlich satt geworden, der Mann hinter dem Counter hat auch nicht am Fleisch gespart. Insgesamt ein ganz normaler Döner, nach alter Väter Sitte.
Wem das nicht genug sein sollte, der kann auch einen mittelgroßen Döner oder einen XXL-Döner ordern.
Gerne hätte ich den Imbiss verlinkt, wie ich das am Ende meiner kulinarischen Streifzüge immer zu tun pflege, aber der Dönerimbiss hat leider weder eine Webseite, noch einen Google-Maps-Eintrag.
Rathaus-Döner Emin Fürth, Königstraße 78, 90762 Fürth.

























