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Keine Pullover von C&A – Scoring sei Dank!

Am Dreikönigstag, mehr durch Zufall, entdeckte ich auf der Webseite des C&A-Onlineshops eine ganz pfiffige Werbeidee: An diesem Tag bekam man 20% Rabatt auf die Bestellung. Der 6. Januar ist in Bayern Feiertag und man freut sich natürlich, wenn man im fernen Düsseldorf auch an die denkt, die nicht einfach mal in der Stadt shoppen können. Und: 20% sind 20%.

Ich habe nun Pullover bestellt. Ein paar. Ein Rechnungsbetrag von 50 oder 60 Euro wäre zusammengekommen. Und nur Hemd und Krawatte ist  mir gerade zu kalt. Ich bestellte also, das Shopsystem erlaubte Zahlung auf Rechnung und sah in freudiger Erwartung der Ankunft meiner Pullover entgegen. Nur kamen die bestellten Pullover bis heute nicht bei mir an. Ich habe also einfach mal bei C&A angerufen, um nachzuhören, wo denn das Paket steckt. Ernüchterndes Fazit: Das Paket steckt nirgends – die Bestellung hat man bei C&A klammheimlich storniert.

Wie kam es dazu?

An der Hotline erklärte mir eine Dame, deren Ton mir nicht gefiel (aber darüber lässt sich hinwegsehen), dass ich als Neukunde nicht per Rechnung bezahlen könne. Und dass ich darüber per Mail informiert worden wäre. Und nun, nach einer Woche sei die Bestellung storniert. Die Dame sagte mir weiterhin, dass ich diese Bestellung nicht mehr reaktivieren könne, selbst wenn ich mich für die teure Nachnahme entscheiden sollte und ich, wenn ich die Pullover wirklich wolle, einfach neu bestellen solle. Wegen der 20% Rabatt (die es jetzt nicht mehr gibt) könne ich ja beim Kundenservice anfragen. Dann brach die Verbindung ab. Mir stellte sich an diesem Punkt natürlich die Frage, ob denn C&A mein Geld nicht will…

Draußen ist es kalt. Keine Pullover für den Michi.

Ein Anruf bei der Pressestelle brachte etwas Licht ins Dunkel. Herr Brüggemann, der Pressesprecher des C&A Onlineshops versuchte nach Kräften, die Sache zu retten. Interessanterweise hat er der Dame am Telefon in manchen Punkten widersprochen.

Neukunden, so versicherte er mir am Telefon, können dann bei C&A auf Rechnung bestellen, wenn deren nicht-individueller Scoringwert dies erlaube. Und bei mir habe er das allem Anschein nach nicht erlaubt. Auf Basis der von mir eingegebenen Daten hätte eine automatisierte Scoringanfrage stattgefunden – aber ohne dabei meine persönlichen Daten auszuwerten. Wie das genau vonstatten geht, konnte mir Herr Brüggemann nicht sagen – nur soviel: Die Bestellung ist jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit futsch. Und ja, es hätte in der Tat eine Mail an mich erfolgen müssen, in der ich darauf hingewiesen hätte werden sollen, dass ich nur per Nachnahme oder mit Kreditkarte bezahlen darf.

Immerhin sagte er mir zu, meinen Fall dem Datenschutzbeauftragten zuzuführen und ich werde Feedback erhalten, warum mein Scoringwert eine Bestellung bei C&A nicht zulässt.

Am Rande: Ich habe einen ordentlichen Abschluss, einen festen Job, promoviere gerade. Ich habe keine Schulden. Ich habe nur ein Handy. Ich habe kein Pay-TV. Ich habe keine Leasingverträge. Meine Versicherungen sind bezahlt. Mein Zeitungsabo auch. Die Johannisstraße in Nürnberg ist bei Leibe nicht die schlechteste Gegend in dieser schönen Stadt. Meine Heizung funktioniert, Wasser fließt aus dem Hahn und der Strom wurde mir auch noch nicht abgeklemmt. Ich bin mit mir selbst gerade sehr hart ins Gericht gegangen, ob ich jemals eine Rechnung liegen ließ. Ich kann mir nichts vorwerfen.

Was ist da schiefgelaufen? Nun, zuerst einmal hat C&A Pech gehabt, denn so haben sie ihre Pullover nicht verkauft. Herr  Brüggemann gelobte Besserung und versprach, dass man das Frontend des Shops mindestens um eine Live-Abfrage des Scores erweitern will (das ist mal keine schlechte Idee).

Über alles andere lässt sich, solange ich vom Datenschutzbeauftragten von C&A kein Feedback habe, nur spekulieren. Mir kommt eigentlich nur Geoscoring in den Sinn, wenn es denn wahr ist, dass keine personenbezogenen Daten in das Scoring mit einbezogen werden. Aber wenn die dann in die Johannisstraße nichts verschicken wollten, dann dürfte in der ganzen Nürnberger Südstadt kein einziges Paket mehr ausgeliefert werden…

Ich halte Euch auf dem Laufenden. Und gebe als persönlichen Rat mit, bei C&A nur mit Kreditkarte zu zahlen – wenn ihr da was bestellen wollt.

3 Kommentare

  • Marcus

    hättest ihnen mal empfohlen, ihr Bestellformular um die Daten, wie bspw. fließt bei Ihnen Strom (ähm..klar, Du betreibst deinen Rechner sicherlich mit ´nem Fahrraddynamo), oder Berufsstand (ähm, da wärst du als Bettelstudent eh rausgefallen) oder auch, Häufigkeit Deiner Toilettengänge und Raucherpausen. Außerdem noch zum Geoscoring….Nürnberg müsste doch bis auf wenige Ecken nicht beliefert werden.

  • Mattes

    Furchtbar! Als Erstbesteller bekommt man online 10%, aber die Ware wird nur per Nachnahme versandt + Gebühr + kostenpflichtiger Anruf innerhalb von 3 Tagen. Oder liegt es daran dass ich in der ehemaligen DDR wohne? Einfach nur furchtbar dieses Unternehmen, was ist daraus geworden?
    Bei der Erstbestellung gibt man seine privaten Daten unter arglistiger Vortäuschung von versprochenen Vorteilen (10%) preis um dann bei der Möglichkleit mit Rechnung zu bezahlen, „Betrogen“ zu werden. Entspricht das einem kundenfreundlichen Stil, was sagt der Datenschutz dazu wenn ich dann nichts mehr von einer Erst-Bestellung wissen will, werden meine Daten gelöscht oder weiterverkauft?
    Mit Kreditkarte bezahlen? FINGER weg von einer Onlinebestellung, geht lieber ins C&A-Kaufhaus und fühlt Euch geborgen wie auf einem türkischen Bazar… und passt auf euere Gebörse auf…
    Einen Vorteil hat es ja, ich bin geheilt.

  • Eigentlich war ich gar nicht auf der Suche nach „so einer“ Geschichte, aber hab sie mir jetzt doch durchgelesen und kann nur den Kopf schütteln. Kundenservice und Bedienerfreundlichkeit und Verständlichkeit müssen anders aussehen. Hoffentlich klappt es diesen Winter besser. Grüße Michael

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