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Ach ja, Bardentreffen ist ja auch noch…

… ich geh´ da eigentlich immer sehr gerne hin, außer dieses Jahr, denn offensichtlich hat die Wirtschaftskrise auch in den Nürnberger Stadtsäckel ein so tiefes Loch gerissen, dass dieses Jahr gar nichts „gscheid´s“ eingekauft wurde. Mottogebendes Land in diesem Jahr: die Schweiz, die Schweizer Bands lassen sich an einer Hand abzählen.

Highlight dieses Jahr: Anne Clark. Da Spoken-Word-Electro-Wave nicht mein Fall ist, werde ich wohl nicht hingehen.

Aber besonders Marcus widme ich dieses Video…

Zwanzig Jahre? Nun ist aber mal gut.

Eigentlich schade, dass ich das jetzt schreibe, aber irgendwie finde ich das wirklich so: Ich bin quasi mit den Fantastischen Vier aufgewachsen, mit „Vier gewinnt“, mit „Die Da“ mit dem Album „Lauschgift“ mit dem Hip-Hop-Speedmetal-Crossover-Dingens „Megavier“, mit dem Album „solo“ von Thomas D. Ich habe mich über die fehlende Schöpfungshöhe von „4:99“ geärgert. Nun kommt, verbannt ins öffentliche-rechtliche Digitalfernsehen, ZDFdoku, das Konzert zum zwanzigsten Bühnenjubiläum der sog. „Fantis“.

Und ich bin ein bisschen traurig. Denn früher fand ich diese Jungs wirklich innovativ. Anfang der 90er Jahre zeigten sie uns, dass Hip-Hop in deutscher Sprache geht, Mitte der 90er führten sie vor, dass Hip-Hop und Metal kein Widerspruch ist und gegen Ende der 90er überraschten die Fantastischen Vier mit neuen Sounds.

Und heute? Heute sind sie mir peinlich. Ein alter, schwitzender Smudo ist auf dem Fernsehschirm zu sehen, dem jede Power fehlt. Um diese fehlende Kraft zu kompensieren, um an den Glanz längst vergangener Tage anzuknüpfen, versucht er immer verzweifelter, sich selbst in Extase zu versetzen – vergeblich: Mehr als Geschrei bleibt nicht. Als gerade der Song „Schizophren“ zum besten gegeben wurde, war mir schlagartig klar: Mit den Fantastischen Vier ist es vorbei. Es kommt nichts mehr rüber. Gar nichts mehr. Es ist so schade um diese Band.

Darüber kann auch das hervorragend und präzise spielende weißrussische Symphonieorchester nicht hinwegtäuschen. Und wenn Smudo auf dem von der Bühne weit ins Publikum ragenden Laufsteg die Parade abnimmt ist das – Verzeihung – nur endlos peinlich. Wenn die Jungs ihre alten Erfolge nicht „verspielen“ wollen, dann tun sie gut daran, aus diesem Jubiläumskonzert ihr Abschiedskonzert zu machen.

Ich bin dreizehn Jahre jünger als Smudo. Wir sind also nicht so weit auseinander. Und trotzdem empfinde ich die ganze Band (vielleicht mag man da Michi Beck ein Stück weit ausnehmen) als unheimlich alt, langsam – einfach stehen geblieben – so gegen 98/99. Mit „4:99“ waren sie dann schon auf dem absteigenden Ast. Aber heute? Sie sind alternde Schwaben und sehen der Midlife-Crisis schon deutlich ins grinsende Gesicht. Diesen Charme versprühte zumindest die heutige, live übertragene Performance.

Freddy Quinn

Das dieser alberne Steuerhinterzieher schon anno 66 nicht mehr ganz alle Latten am Zaun hatte, beweist dieses Lied – da musste ich sehr lachen.

Saulustiger Fehlriff eines Schlagerbarden: „Wir“.

Aber bei der B-Seite der ollen Polydor-Platte wurde mir dann richtig übel…

Der Typ ist ja richtig kaputt. Das ist ja noch schlimmer als „Du bist Deutschland“…

Charles Webster: Born On The 24th Of July (Vinyl)

Deep House? Downtempo? Electronica? Nu Jazz? Yeah cool! Das ist wirklich entspannte, elegante, intelligent Musik! Ich bin echt begeistert! Trompete, Saxophon, wie die Faust aufs Auge passende female vocals… Feines Teil!

Leider echt alt: Herausgekommen ist dieses Doppel-Vinyl schon 2001 – ein Rätsel, wie ich es fünf (sic!) Jahre ignorieren konnte. Heute ist es mir wieder in die Hände gefallen – ich hab die Scheibe gehört und mich gleich wieder gefreut!

Was soll ich sagen? Selber hören – mit Youtube….

Leider ist weder CD noch Platte im Handel erhältlich – schon gar nicht in Deutschland. Im britischen Amazon stehen sie gebraucht drin, auch bei Discogs ist die Platte für rund 15 Pfund, die sich lohnen, zu haben.

Floh de Cologne: Profitgeier (Vinyl)

Gnihihi. Agitprop in Reinkultur – hier aber musikalisch durchaus genießbar, technisch relativ gut gearbeitet und anständig aufgemacht: Im Jahre 1970 spielten Floh de Cologne live diese „Rockoper“ ein – und es ist nett geworden. Hier wird einfach und nett, teilweise witzig und musikalisch eingängig ein bisschen Sozialismus-Propaganda gemacht. Und das mit dem Beat von etwas, was man retrospektiv wohl Krautrock nennt. OK, schräger Krautrock ist zu hören, aber zu Liedern wie „Der Kapitalismus stinkt“ ließe sich stressfrei mitschunkeln. Nun, was hören wir da? Krautrock oder Musikkabarett? Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte….

Im Jahr 1999 wurde diese Produktion des alternativen „Ohr“ – Labels von ZXY auf CD herausgebracht – damals noch recht teuer, weil wohl so etwas wie special interest. Ich kann mich dunkel erinnern, dass eine meiner Ex´n die wohl hatte. Sonst fand sich dieses Album eigentlich nur in meist grausigem Zustand in den Sammlungen von Alt-68ern. Und nun: Der „Intellektuellen-Aldi“ Zweitausendeins schmeißt eine Neupressung von ZYX für nicht mal 9 Euro unters Volk – dass ich da nicht widerstehen konnte… Und die ist gelungen: Die Pressung ist nun nicht das Weltbeste, aber der Sound ist sauber und ausgeglichen, etwas flach aber trotzdem. Es will beim Abhören keine rechte Bühne aufkommen, aber dieser Effekt mag auch an der Aufnahme selbst liegen.

Und: Hinweise auf dem Cover finden sich – die sind wirklich niedlich: „Tretet in die Gewerkschaft ein. Macht sie wieder zu einem Instrument der Arbeiterbewegung.“ Oder: „Baut Aktionsgruppen auf oder geht in schon bestehende Gruppen, z.B. die SDAJ.“

Eine Kostprobe gefällig?

Youtube hat doch wirklich alles…

Ein schönes Stück linker Musikgeschichte. Kann man sich zu dem Preis wirklich in die Sammlung stellen. Klingt ordentlich und macht Spaß.

Floh de Cologne: Profitgeier, 19702008 ZYX, Ohr, etwa 9 Euro.

Hildegard Knef: The Reform Sessions (Vinyl)

Heute habe ich mir wieder einmal eine Platte zu Gemüte geführt, die ich vor noch nicht allzu langer Zeit kaufte, obwohl sie bereits im Jahr 2002 herauskam und (wie ein kurzer Blick ins Netz verrät) heute noch auf Vinyl verfügbar ist: The Reform Sessions – eine Compilation mit Remixes weniger bekannter Knef-Songs.

Das ist schon ein großartiges Stück Musik: Mein absoluter Favorite ist der Titel „Lass das Vergang´ne vergangen sein“ im Hofuku Sochi Remix. Danceflor Jazz, House, Electro – das ist die Unterlage – und die fügt sich wirklich bemerkenswert an die Basis – die charakteristische, unvergessene Stimme Hildegard Knefs an. Samt und sonders (will man mal von Herrn Koze absehen) unbekannte Remixer tun auf dieser Platte ihr Werk zu vielen mindestens weniger bekannten Songs der Knef. Ausflüge in das Genre Drum´n´Bass werden da genauso unternommen wie Anleihen an Lounge und Ambient. Und dennoch: Diese Platte ist nicht „angenehm unaufgeregt“ (wie die Zündfunk-Zausel immer zu sagen pflegen, wenn Musik derartig lahm ist, dass einem der Schließmuskel einzuschlafen droht – wie ich dieses selbstgefällige Münchener Format doch hasse!) – vielmehr hat sie den zu der Vorlage Knefs adäquaten Beat – flächig, präsent und dennoch nicht die Intention der Originalstücke erdrückend. Die Platte ist eben mehr als eine Sammlung unterschiedlicher Remixe – diese überzeugen durch eigenes künstlerisches Profil, durch eigene Ideen – und das ist nun mal weit mehr als nur ein handwerklich sauberes Arrangement. Wunderbar.

Warum hier unbedingt Platte? Weil Platte zum einen immer besser ist und zum anderen zwei „Vinyl-only“-Boni drauf sind: „Ich liebe Euch“ und „Meine Lieder sind anders“.

Hildegard Knef: The Reform Sessions, popup-records, 2002

ETERNA: Neupressung der Carmina Burana

Ich habe nicht schlecht gestaunt – aber es ist wahr und die Umsetzung der Idee ist genial: Das Label Berlin Classic legt einige Einspielungen des DDR-Labels ETERNA auf Vinyl neu auf. Heute auf dem Plattenteller: Orffs Carmina Burana. Gesungen u.a. von Celestina Casapietra, gespielt vom Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig unter Herbert Kegel. Ich bin begeistert, denn diese Aufnahme überzeugt sowohl in der Interpretation wie auch (und das verwundert) in der technischen Qualität. Sie gefällt mir sogar besser als die von Orff persönlich autorisierte Schellackplatte (die sich auch in meiner Sammlung befindet) der Electra. Die Platte selbst ist hervorragend gearbeitet: Von den Original Masterbändern wurde in DMM-Technik (Neumann, via Studer A820) die Matrize erstellt und bei optimal gepresst. Herausgekommen ist ein einwandfreies 180g-Vinyl. Nun stellt die Carmina Burana an analoge Technik besondere Anforderungen, die insbesondere den starken Dynamikwechseln und dem breiten Dynamikumfang geschuldet sind: Die maximalen Pegel dürfen nicht verzerren, die minimalen sollen nicht von Rauschen überlagert sein. Und das ist schon bei der Aufnahme in der DDR vortrefflich gelungen. Auch bei der Pressung lässt sich dies nachvollziehen: Guter Rauschabstand und einewandfreie Maximalpegel garantieren den Musikgenuss.

Wer die Carmina Burana mag, wer eine interpretatorisch einwandfreie Aufnahme mit besonderer musikalischer Leistung sucht, die ohne irgend einen digitalen Eingriff technisch einwandfrei daherkommt, der kaufe diese LP. Sie ist für unter zehn Euro zu bekommen.

1977: Plastic Bertrand

Auch cool. So antizipierten die End-70s die 80er…

P.S.: Wer keinen extrafiesen Ohrwurm bekommen will und den Song schon vergessen hat, der klickt besser nicht auf das Video.

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