Wirtshaus-Explorer: Neueröffnung der Pizzeria „Lausbub“ in Nürnberg
Mehr als dreißig Jahre residierte in dem von der Karl-Grillenberg-Straße vorspringenden, markanten Eckhaus, eine Kult-Institution: das berühmte Café Treibhaus, das Kaffeehauskultur und ein wenig Indie-Charme perfekt miteinander verband. Nach Corona war dann Schluss mit diesem einzigartigen Nürnberger Eigengewächs, eine Bar wollte der Location neues Leben einhauchen, was aber misslang. Nun befindet sich in den Räumen des alten Treibhauses eine Pizzeria, das „Lausbub“.
Nach sieben Jahren schloss die einst im Empfangsgebäude des Ostbahnhofs untergebrachte Pizzeria Ender 2025, der Umbau im alten Treibhaus war da schon in vollem Gange. Dieser Tage hat dann das Restaurant, das sich voll der neapolitanischen Pizza verschrieben hat, in unmittelbarer Nähe des Weißen Turms eröffnet.
Nun ist die Konkurrenz der neapolitanischen Pizzabäcker in der Nürnberger Innenstadt nicht gerade klein. Der Lausbub wird sich vor allem gegen die nur einen Steinwurf entfernte Kette 60 seconds to Napoli mit ihren bisher allein 29 Dependancen in Deutschland und die bestens eingeführte und sehr stylishe Falko Manufaktur behaupten müssen.
Wir beschlossen, das Restaurant auszuprobieren; am letzten Donnerstag war es soweit. Voller Neugier trafen wir im Lausbub ein. Die Gaststube mit der offenen Küche präsentiert sich stylish und modern.
Zwei Gasträume mit hinreichend bequemen Tafeln stehen zur Verfügung, die offene Küche stört weder die Akustik, noch riecht sie wahrnehmbar. Das Licht ist gedämpft und verströmt einen Hauch von Gemütlichkeit. Gäste, die die Speisekarte lesen wollen, nehmen hie und da die Taschenlampenfunktion ihres Handys zur Hilfe. Die Außenbestuhlung wird an warmen Tagen sicher ein großer Bonus sein.
Ich orderte die Pizza Rafael, ihre Zutaten sind neben dem Mozzarella scharfe Salami und lt. Karte „pikante Streichwurst“ (gemeint ist wohl ’Nduja) sowie Gorgonzola. Wie ihr dem Bild entnehmen könnt, ist die Pizza nicht allzu großzügig belegt, der recht breite, teils schwarz verbrannte Teigrand hebt die etwas mutlose Gesamtkomposition nicht wirklich, den Gorgonzola muss man mit der Lupe suchen und in so homöopathischen Dosen verwendet, hat er freilich auch keine Chance, geschmacklich merklich zutage zu treten.
Mit der Schärfe der Pizza kommt der hiesige, Nürnberger Bratwurst gewohnte Gaumen gut zurecht, wer der Pizza etwas Pep verleihen möchte, findet bei Tisch aber ein durchaus pikantes Chili-Öl, das ich sehr empfehlen möchte. Diese Pizza-Kreation schlägt mit 17,90 Euro zu Buche.
Weiterhin wurden eine „Findet Nemo“ (recht gut gemacht, mit Thunfisch) und die „Königin Margherita“ (völlig aussagelos, unterambitioniert) verspeist. Und ein italienischer Salat „mit Hausdressing“. Der Salat, der über 10,- Euro kostet, war in jeder Hinsicht ernüchternd. Dressig gab es keines, nun gut, bei Tisch stehen Essig und Öl und ein Dressing hat der Gast schnell selbst zusammengeschüttet. Der Salat besteht aus etwas Zwiebel, ein paar halbierten Gurkenscheiben, Cherrytomatenhälften und einer Handvoll Rauke. Dazu legt man drei trockene Stückchen Pizzabrot. Oliven? Käse? Ei? Fehlanzeige. Schon irgendwie traurig. Okay, es ist ein profaner Salat, aber irgendwie repräsentiert er recht schön, den dann doch relativ einfachen Standard, den man im Lausbub fährt.
Als Bier schenkt man Bayreuther Aktien-Zwick’l aus, das als echtes Seidla im vorgekühlten Steinkrug serviert wird. Es kostet schmerzhafte 5,50 Euro.
Manche Unzulänglichkeiten im Service sind wohl der Eröffnungssituation zuzuschreiben. Während den ganzen Abend über Tische leer blieben, mussten andere Gäste an einem äußerst unbequemen Hochtisch dinieren. Die Bedienung war sehr freundlich, aber leider etwas unkoordiniert und auch nicht übermäßig flott. Alles Dinge, über die man hinwegsehen kann, alles Dinge, die sich mit etwas Organisationsgeschick beheben lassen. Die anfangs deutlich zu laute, etwas kühle Electromusik wurde im Laufe des Abends leiser gedreht und gegen eine etwas freundlichere, loungigere Musikfarbe getauscht.
Ein Fazit zu unserem Besuch im Lausbub zu ziehen, fällt nicht ganz leicht. Das Ambiente ist gefällig, aus der Location hat man viel herausgeholt. Das Essen war absolut okay, nicht besonders schlimm, nicht herausragend gut, einfach und durchschnittlich. Für die gebotene Leistung ist der Preis trotz Innenstadtlage und nettem Ambiente schon gehoben. Man kann hingehen, ich möchte nicht abraten; dennoch muss ich sagen, dass man nicht mit allzu hohen Erwartungen dort aufschlagen sollte. Eine Reservierung ist zu empfehlen.
Lausbub, Karl-Grillenberger-Straße 28, 90402 Nürnberg. Telefon: 58 74 15 40.



