Wirtshaus-Explorer: Das beste Schäufele und mehr in der Spezerei Erlangen
Das wohl beste Schäufele, das man hier in der Gegend bekommen kann, isst man gegenwärtig in Erlangen, genauer gesagt in der Spezerei des Küchenchefs Jean Telorack. Das kleine Restaurant, eine historische fränkische Gaststube, ist mitten in der Stadt beheimatet und von außen so unscheinbar, dass der eilige Passant wohl achtlos daran vorbeilaufen würde. Doch Innehalten und Einkehren lohnen sich!
Das Ambiente: klein, urig und völlig frei von Kitsch. Man sitzt äußerst angenehm in der anheimelnden, warmen Gaststube mit den offenen Holzbalken und der niedrigen Decke – an historischen Tafeln. Die Gaststube nimmt sich nur auf den ersten Blick einfach aus, auf den zweiten Blick erkennt man die Liebe, die in allen Details steckt. Die zurückgenommene saisonale Dekoration unterstreicht das Flair dieses Gasthauses. Oft wirken Gasthäuser mit historischem Charme etwas gekünstelt – in der Spezerei ist alles echt. Und was für das Interieur gilt, darf auch die Küche für sich in Anspruch nehmen.
Ich komme also aufs eingangs erwähnte Schäufele zu sprechen, das, wie gesagt, gegenwärtig beste, das man in der Region bekommen kann. Ein ordentliches Stück Fleisch, im besten Wortsinne saftig, löst sich leicht vom Knochen und verströmt einen feinen Geruch, der einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Die Kruste, ihr seht es auf dem Bild, ist knusprig zart, rösch im besten Wortsinne, sie sucht ihresgleichen. Fein abgestimmt, nicht zu dominant, leicht und dennoch geschmackig präsentiert sich die Soße, das Kniedla auf den Punkt gar, angenehm auf der Zunge auch das nur leicht angeröstete, sehr fein gewürfelte Klößbrot. Hier stimmt, wie eben beim Gasthaus auch, wirklich jedes Detail. Zum Schäufele, man kennt diesen Brauch aus der Gegend um Bamberg, wird Rahmwirsing serviert. Fein gehackt, bestens abgeschmeckt und mit zarten Speckwürfeln unterzogen, ist auch der Wirsing ein Gedicht. Wer Wirsing nicht mag (ihr solltet ihm aber eine Chance geben, er ist ehrlich köstlich), kann auch einen Belagensalat bekommen.
Das Schäufele wird ganz traditionell serviert – aber eben in handwerklicher Perfektion.
Die Speisekarte ist kein und auf eine angenehme Art fränkisch-bodenständig, allerdings immer mit einem gehobenen Twist. Sie wechselt saisonal, es werden regionale Zutaten verwendet.
Und der Service ist verbindlich, flott und völlig ungekünstelt – mit eben jenem Blick fürs Detail, der auch das Ambiente so positiv prägt. Jedem Gast wird das Sitzkissen von der Chefin aufgeschüttelt, jeder Tisch hat immer ein frisches Tischtuch und selbstverständlich sind auch die Toiletten picobello. Man spürt: Diese Gastronomie ist gehoben, nur die Preise sind ganz normal.
Man zapft ein hervorragendes Kellerbier, ein Dunkles, das berühmte „Pils aus Pahres“ und freilich auch ein Weizen von der Brauerei Hofmann, auch der Weintrinker kommt mit einer ausgesuchten, feinen und gleichzeitig bodenständigen Auswahl an Frankenweinen voll auf seine Kosten.
Im Eingangsbereich des Wirtshauses ist ein altes Bild des Gebäudes vor der Renovierung zu sehen, da macht das Haus seinen reichlich traurigen Eindruck. Ich bin immer wieder davon angetan, wenn sich Menschen finden, die eine so spezielle Immobilie renovieren und sich auf das Abenteuer Denkmal einlassen und so Geschichte und Charme längst vergangener Tage erhalten.
Freilich ist es nur schwer möglich, in einem solchen gastronomischen Kleinod ohne Reservierung einen Tisch zu bekommen, zumal die Gaststube nur einer Handvoll Menschen Platz bietet. Eine Reservierung ist daher in jedem Falle sinnvoll. Auch die etwas exotischen Öffnungszeiten sollte man nicht aus dem Auge verlieren. Dann kann man sich in der Spezerei nicht nur bestens umsorgen lassen, sondern eben auch ganz hervorragend essen.
Gaststube Spezerei, Wöhrstraße 1, 91954 Erlangen. Geöffnet Mittwoch bis Samstag von 17.30 Uhr bis 21 Uhr, sonntags von 11.30 Uhr bis 19.30 Uhr. Telefon: (09131) 400 04 32.



Ich kann alles so unterschreiben!
Und sogar der Wirsing ist sehr gut, obwohl ich normal kein Fan von Wirsing bin!