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Wirtshaus-Explorer: Restaurant Gustus in Nürnberg – eine herbe Enttäuschung!

Ihr, liebe regelmäßige Leserinnen und Leser des Wirtshaus-Explorers, wisst, dass ich meine Gastrokritiken auf diesen Seiten in aller Regel in einer positiven Tonalität formuliere und bei der Bewertung der besuchten Wirtshäuser und Restaurants in aller Regel auch ein gewisses Wohlwollen walten lasse. Beim Abfassen dieser Zeilen habe ich sehr mit mir gerungen, wie ich mit dem, was wir letzten Mittwoch im recht neu eröffneten Nürnberger Restaurant „Gustus“ erleben mussten, nun umgehe.
Es nutzt alles nichts; ich muss die Eindrücke, die wir bei unserem Besuch dort gewannen, in aller Nüchternheit darlegen, auch wenn es keine schönen, keine positiven Eindrücke waren. Das schulde ich meinen Leserinnen und Lesern: Was gesagt werden muss, muss gesagt, und geschrieben werden.

Vor nicht allzu langer Zeit eröffnete in den Räumen des alten Australian am Obstmarkt 26, also in bester Alt- und Innenstadtlage, das Gustus, ein Restaurant, das sich laut eigener Webseite auf die Fahnen schreibt, „traditionelle Aromen Griechenlands mit moderner Küche“ zu verbinden. Erreicht werden soll das durch „hochwertige Zutaten, kreative Gerichte und echte Gastfreundschaft“. An derselben Stelle residierte, wie zuvor erwähnt, über annähernd zwei Jahrzehnte das Australian, das sich, ebenfalls als Großgastronomie, mit seiner Cocktail-Happy-Hour und besonders seinem sonntäglichen Buffet-Brunch einen Ruf erwarb.

Gustus Nürnberg, von außen

Wer das Australian kannte, wird erstaunt sein, wie sich heute das Interieur des Gustus präsentiert: Hell und klar vermittelt es einen aufgeräumten und freundlichen Eindruck, es ist modern und an mancher Stelle trotzdem verspielt. Aus den Lautsprechern erklingt gedämpft kontemporärer EDM-Sound, man unternimmt sehr bewusst den Versuch, modern und frisch zu wirken.

Das implizite Versprechen, das das Interieur uns vermittelte, konnte allerdings weder die Küche noch der Service einlösen. Um es vorwegzunehmen und in der gebotenen Deutlichkeit zu sagen: Wir waren an diesem Abend alle drei sehr enttäuscht. Ausnahmslos jede Speise wurde fehlerhaft serviert, die Leistung der Küche konnte, um es euphemistisch auszudrücken, ein basales Niveau nicht im Ansatz erreichen und selbst einfachste Getränkebestellungen wurden falsch an den Tisch gebracht. Angesichts dessen fällt schon kaum mehr ins Gewicht, dass der Service langsam war und reichlich uninteressiert wirkte. Aber von Anfang an:

Nachdem wir unsere reservierten Plätze eingenommen hatten, passierte lange Zeit nichts. Gute zwanzig Minuten war das Servicepersonal mit sich selbst beschäftigt bzw. ins Gespräch vertieft, dann kam man auf die Idee, uns die Karte zu bringen und die Getränkebestellungen aufzunehmen. Bestellt wurden ein Cola, ein alkoholfreies Weizen und ein dunkles Bier. Das mit dem alkoholfreien Weizen klappte auch, statt des Colas servierte man Cherry Coke, das Dunkle kam, gegen alle Sitten und Gebräuche, im Weißbierglas an den Tisch; das behielt man auch im Laufe des Abends konsequent so bei. Meine Irritation bemerkte die unaufmerksame Serviererin wohl nicht, vielleicht war sie ihr auch egal.

Darüber will ich noch nicht einmal klagen, das kann passieren und ist kein Beinbruch. Normalerweise würde ich solchen Details in einer Gastrokritik gar keinen Raum geben, aber diese Unaufmerksamkeit und diese grundlegenden handwerklichen Fehler zogen sich so konsequent durch den ganzen Abend, dass man es selbst kaum glauben möchte.

Ein Blick in die Karte verrät: Im Gustus speist man im Vergleich zu vielen anderen griechischen Gaststätten zu gehobenen Preisen. Die griechischen Restaurants in der Region stehen im Ruf, zu günstigem Tarif gutes und reichliches Essen an den Tisch zu bringen, im Gustus sind die Portionen merklich kleiner und spürbar teurer. Das wäre kein Problem, würde die Qualität der Gerichte diesen Mehrpreis auch rechtfertigen – das ist allerdings definitiv nicht der Fall. Und auch die Qualität des Services war für eine preislich gehobene Gastronomie nicht angemessen.

Vorspeisen Gustus Nürnberg

Als Vorspeise bestellten wir die veganen Bruschetta mit gegrilltem Gemüse und Erdnussbutter. Die Kombination aus Erdnussbutter und Gemüse schien uns interessant. Bekommen haben wir sie freilich nicht, stattdessen wurden uns kommentarlos die sogenannten „Griechischen Bruschetta“, die etwas teurer sind, sonst aber recht gewöhnlich daherkamen, serviert. Das Brot der Bruschette war deutlich hart und schmeckte leider alt (ich persönlich hätte so ein Brot ja nur ungern an die Enten im Stadtpark verfüttert, der Küchenchef indes wird schon wissen, warum er so etwas seinen Gästen anbietet). An dieser Stelle möchte ich aber schon darauf hinweisen, dass man, bestellt der Gast ein in der Karte extra als vegan ausgewiesenes Gericht und weicht man von dieser Bestellung ab, doch zumindest ein ebenfalls veganes Essen an den Tisch bringen sollte. Weiterhin orderten wir „Moderner Moussaka“ (sic!), für 16,90 Euro erhält man drei mäßig gewürzte, panierte Moussakabällchen mit einem Klecks Joghurt, garniert auf einer Kartoffelscheibe. Die Vorspeise kommt mehr lau als warm an den Tisch und war geschmacklich ebenfalls enttäuschend. Als froh und positiv gestimmte Menschen blieb uns nun aber ja immer noch die Hoffnung auf die Hauptgerichte.

"Kontosouvlaki" Gustus Nürnberg

Das Kontosouvlaki (sic!) schlägt mit 17,90 Euro zu Buche. Dafür erhält man einen Spieß mit Fleisch vom Schweinehals. Die Bedienung gab uns zu verstehen, dass dieses Gericht noch keine Beilage inkludiere, diese sei separat zu bestellen. Nun ist gemeinhin bekannt, dass Souvlaki hierzulande, kommt weder Lamm noch Hähnchen zur Verwendung, allgemein aus dem zarteren Rückenfleisch des Schweins zubereitet wird. Im Gustus bedient man sich für den nicht allzu üppigen Spieß des deutlich billigeren Schweinenackens. Dementsprechend trocken und zäh war der Spieß dann auch. Ein wenig Zaziki und ein wirklich kleiner Zwiebelsalat, der in anderen Gaststätten bezüglich seiner Größe bestenfalls als Garnitur durchgegangen wäre, sind ebenso wie das Mais-Pita Bestandteil des insgesamt reichlich trockenen Gerichts.

Gustus-Burger

Unsere Begleitung und ich machten den Fehler, den Gustus-Burger zu bestellen. Das Bun war unten leider verbrannt und das Patty völlig durch, also totgegrillt. Zudem kamen die Burger ebenfalls reichlich lau an den Tisch.

totgegrillter Burger. Schade.

Das mag man alles noch als „Art des Hauses“ durchgehen lassen, die „hausgemachten Pommes“ erwiesen sich jedoch schlechterdings als ungenießbar, waren sie doch latschig und das Fett troff aus ihnen heraus, obwohl sie kalt auf dem Teller lagen.

fettriefende, herunterhängende Pommes

Es ist normalerweise nicht meine Art, in Gaststätten zu reklamieren, diese Pommes konnte und wollte ich allerdings wirklich nicht essen und ließ sie zurückgehen. Alsbald kamen eine Schale knallheißer, latschiger und fetttriefender Pommes an den Tisch. In diesem Moment habe ich aufgegeben. Ich kann wirklich nicht verstehen, wie sich die Küche des Hauses nach einer Reklamation diese Blöße geben konnte. Unsere Begleitung ließ den „Gustus Burger“ übrigens nach wenigen Bissen nahezu in Gänze zurückgehen, und rührte auch die „Pommes“ nicht an; diesen Umstand ignorierte die Bedienung komplett.

Als uns die Bedienung fragte, ob wir einen Nachtisch wollen, gab ich ihr zu verstehen, dass wir der Küche die Zubereitung eines Nachtischs nicht zutrauen. In diesem Moment begann sich wohl auch bei ihr die Erkenntnis zu setzen, dass wir insbesondere mit der „Leistung“ der Küche nicht zufrieden waren. Immerhin gab es als Entschuldigung einen Espresso und einen Ouzo aufs Haus.

Welches Fazit bleibt zu ziehen? Wie ich eingangs bereits erwähnte, übe ich Kritik grundsätzlich mit einer gewissen Zurückhaltung. Jeder macht mal einen Fehler, manche Prozesse müssen sich erst eingrooven, gerade, wenn eine Gastronomie neu eröffnet. Dafür hätte ich jedes Verständnis.
Bei unserem Besuch im Gustus wurde allerdings nur eine einzige Bestellung ohne Fehler an den Tisch gebracht: ein alkoholfreies Weißbier. Zwei Vorspeisen und drei Hauptspeisen erreichten uns mangelhaft, das „Nachbessern“ bei den Pommes schlug ebenfalls fehl, eine Peinlichkeit sondersgleichen. Einem Koch, der außerstande ist, eine genießbare Portion Pommes an den Tisch zu bringen, möchte ich raten, sich tiefere Gedanken darüber zu machen, ob es ihm nicht doch an einer gewissen Fortune mangelt. Uns jedenfalls war der Abend kulinarisch gründlich verdorben, ernsthafte Rettungsversuche seitens des Gustus wurden gar nicht erst unternommen.
Selbst einem einfachen Imbiss dürften so gehäufte Fehler nicht passieren, das Gustus hingegen ist ein preislich gehobenes Restaurant mit einer entsprechenden Ausstattung. Mit dem Selbstverständnis hält man auf der Webseite nicht lange hinter dem Berg: „Unsere Küche orientiert sich an klassischen Rezepten und Aromen der griechischen Gastronomie, interpretiert diese jedoch zeitgemäß und mit einem besonderen Augenmerk auf Qualität und Präsentation. Frische Zutaten, sorgfältige Zubereitung und ausgewogene Kompositionen bilden die Grundlage unserer Gerichte“, liest man da. Wir mussten leider erleben, dass das mit der Realität nur wenig zu tun hat.

Gustus Restaurant GmbH, Obstmarkt 26, Nürnberg. Telefon: 37 436 976.

Wirtshaus-Explorer: Gaststätte Bienenheim, Nürnberg-Zerzabelshof

Wenn wir nicht den Tipp bekommen hätten, dass, gut versteckt mitten in Zerzabelshof am Rande einer Kleingartenkolonie und eines Wäldchens, unweit des Goldbachs und der Diehl-Villa, das Restaurant Bienenheim, ein klassisches griechisches Lokal mit guter, bodenständiger Küche liegt, wir hätten uns wohl nie in diesen durchaus entlegenen Zipfel Zabos verirrt. Das Bienenheim ist ein überraschend großes Restaurant (von außen sieht es viel kleiner aus, als es tatsächlich ist) und hat einen großen, wunderschönen Biergarten, in dem man im Sommer lauschig unter alten Bäumen sitzt.

Restaurant "Bienenheim", Nürnberg-Zerzabelshof

Obschon seit mindestens 15 Jahren das Restaurant in diesen Räumlichkeiten zu finden ist, ist der Gastraum modern und großzügig gestaltet, auch das Nebenzimmer vermittelt durch das dunkel gehaltene Interieur und das gedämpfte Licht eine ruhige und gepflegte Atmosphäre. Man sitzt an großzügigen Tafeln, der Service ist freundlich und flott. Besonders schön, wie eingangs schon erwähnt, ist allerdings der Biergarten. Schöne Biergärten sind in Nürnberg nicht mehr allzu häufig anzutreffen, der im Bienenheim ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Angeschlossen ist ein kleiner Kinderspielplatz und einige Parkplätze (wenn das Restaurant gut besucht ist, muss man sich allerdings in der Regel einen Parkplatz im Viertel suchen, was sich nicht immer ganz einfach gestaltet).

Restaurant "Bienenheim", Nürnberg-Zerzabelshof, Innenansicht I

Nürnberg-Zerzabelshof, Innenansicht II

In den letzten Jahren waren wir immer wieder im Bienenheim, einfach, weil die Küche konstant gutes, griechisches Essen serviert. Zu unseren persönlichen Highlights gehören die Vorspeisenplatte, die in ihrer Varianz und auch in ihrer Portionsgröße durchaus schon als Hauptspeise durchgehen kann und der Klassiker „Gyros-Calamari“ (17,50 Euro), das Gyros immer frisch und knusprig, die Calamares leicht und mild paniert und auf den Punkt frittiert. Dazu reicht man einen hervorragenden Krautsalat und auch ein schmackhafter Klecks Zaziki findet sich auf dem Teller. Klar, das klingt jetzt erst einmal völlig unspektakulär – und das ist es im Kernwohl auch, aber so wie das Gericht im Bienenheim angeboten wird, ist es vor allem eines: unheimlich lecker! Zum Vorspeisenteller (14,50 Euro): Fein die gefüllten Weinblätter (Dolmades), Tiropitakia und vor allem die hausgemachte Oliven- und Fetacreme an gegrillten Zucchini, Auberginen und Paprika sind wunderbar schmackhaft.

Bienenheim Nürnberg-Zerzabelshof, Mixteller Gyros-Kalamari

Bienenheim Nürnberg-Zerzabelshof, Vorspeisenteller für eine Person

Weithin bekannt (und beliebt) sind auch die fränkischen Gerichte, die allerdings nur Sonntagmittag serviert werden: Schäufele, Schweine- und Jägerbraten. Als Geheimtipp gilt die geschmorte Lammhaxe und als Nachspeise Galaktoboureko (6,50 Euro, konnte uns bei unserem letzten Besuch allerdings nicht ganz überzeugen).

Man schenkt Biere der Brauerei Tucher aus, das Seidla Urfränkisch Dunkel schlägt mit 3,90 Euro zu Buche, ein Hefeweizen kostet 4,- Euro und 0,2l einfacher Silvaner (nicht so großzügig eingeschenkt, wie man es anderen Ortes gewohnt ist) kostet 5,50 Euro.

Das Bienenheim mag vielleicht kein Repräsentant der Haute Cuisine sein, aber dort wird seit Jahren konstant gute Qualität abgeliefert – das Essen ist schmackhaft, deftig, die Portionen ordentlich und die Preise vertretbar. Und um solche Adressen ist man heutzutage ja schon sehr dankbar.

Restaurant Bienenheim, Adalbert-Stifter-Straße 1, 90480 Nürnberg, 0911 / 40 64 90