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Welche Schlüsse ziehen wir aus dem gestrigen „Schneechaos“?

In den mittlerweile 18 Jahren der Existenz dieses Blogs habe ich ein paar wenige Male über den Winterdienst der Stadt Nürnberg gerantet und mir eigentlich vorgenommen, darauf in Zukunft zu verzichten.

In Nürnberg haben wir uns daran gewöhnt, dass der Winterdienst halbwegs funktioniert (und halbwegs auch nicht). Nebenstraßen werden kaum mehr geräumt, das ist nicht schön, aber hinnehmbar. Mit den Gehwegen vor öffentlichen Gebäuden musste man mithin etwas Geduld haben, aber irgendwann waren auch die freigeräumt. Das alles war vielleicht nicht optimal, aber im Großen und Ganzen akzeptabel. Es war einmal, das musste ich gestern lernen.

Der Schneefall am gestrigen 26. Januar aber hat die Infrastruktur der Stadt Nürnberg an vielen Punkten an die Grenze zur Dysfunktionalität (und mitunter auch darüber hinaus) getrieben. Am gestrigen Montag und am heutigen Dienstag fiel und fällt der Unterricht im Stadtgebiet komplett aus, die Straßenbahn verkehrt nicht, etliche Buslinien fahren ebenfalls nur unregelmäßig. Und der städtische Räumdienst? Der funktionierte ebenfalls kaum. Gestern war ich quasi den ganzen Tag in der Nürnberger Innenstadt unterwegs und musste mit Erstaunen feststellen, dass nicht nur auf das Schneeräumen vor Haltestellen und U-Bahnabgängen verzichtet wurde, sondern die Gehsteige vor öffentlichen Einrichtungen und Schulen kaum oder gar nicht geräumt waren. Das kannte ich bisher so nicht, und das können wir auch in Zukunft so nicht hinnehmen.

Der gestrige Wintereinbruch kam alles andere als überraschend, wurde von den Meteorologen präzise vorhergesagt. Der DWD schickte nicht nur Warnungen, sondern auch Erläuterungsvideos, die Wetterapps von Android und iOS warnten, und auch der fränkische Wetterochs informierte über den Schneefall, auch wenn er für unsere Niederungen „nur“ zehn Zentimeter Neuschnee prognostizierte.

Unabhängig davon müssen wir alle mit einem unumstößlichen Fakt umgehen: Wir befinden uns, auch wenn Rechtsextreme und leider auch viele Konservative das zu leugnen versuchen, nicht nur auf dem Weg zu einem umwälzenden, menschengemachten Klimawandel, wir sind schon heute von seinen unmittelbaren Auswirkungen betroffen. Und diese Auswirkungen machen freilich auch keinen Bogen um die Stadt Nürnberg. Auch wenn extreme Schneefälle in Zukunft wohl im Vergleich zu früheren Jahrzehnten seltener werden, werden sie, nach allem, was wir heute wissen, extremer. Darauf müssen wir uns vorbereiten – die Bürger genauso wie die Kommune.

Und genau die sehe ich in zunehmendem Maße immer weniger handlungsfähig. Es waren gestern nur wenige alte Leute auf den Straßen zu sehen, die mit den Schneemassen und der Glätte ihre Probleme hatten, wer irgend konnte, blieb zu Hause. Nein, mit den winterlichen Verhältnissen struggelten auch Menschen, die man gemeinhin als jung und fit bezeichnen würde, Kinder, Mütter mit ihren Babywagen.

Weder der VAG, noch dem SÖR möchte ich an dieser Stelle einen Vorwurf machen. Die Mitarbeiter kämpfen an solchen Tagen an allen Fronten. Gerade die VAG-Busfahrer, das haben wir unmittelbar erlebt, versuchten mit viel Einsatz und Geduld, die Engpässe bestmöglich aufzufangen. Dafür gebührt ihnen Dank und Anerkennung. Dass aber genau an den Stellen, die das Funktionieren der städtischen Infrastruktur gewährleisten müssen, die „Personaldecke“ so dünn ist, dass nach dem ersten Tag eines Wintereinbruchs nicht einmal vor öffentlichen Gebäuden die Fußgänger sicheren Fußes ihren Weg machen können, sollte uns schon aufrütteln. Seit Jahren sind die Streugutboxen im Stadtgebiet abgebaut, der Bürger, auch der ältere, soll selbst sehen, wie er seiner Streupflicht nachkommt. Wir sind als Stadt außerstande, wenigstens die Straßenbahngleise so weit schneefrei zu halten, dass wenigstens einige in einem weitmaschigen Not-Takt fahren können. Treppenabgänge und Rampen sind so spiegelglatt, dass sie nicht genutzt werden können. Während sich der Bürger in permanenter Gefahr sieht, die Haxen zu brechen, treibt Bürgermeister König und seine Konsorten von der CSU den völlig unnötigen, milliardenteuren Ausbau des Frankenschnellwegs voran, und versuchen mit allen Mitteln, Tatsachen für dieses Wahnsinns-Projekt zu schaffen. Wir leisten uns an historisch völlig ungeeigneter Stelle eine Opern-Interims-Spielstätte und wollen eine Bundesgartenschau im Stadtgraben abhalten. Es ist schlicht eine Frage der Prioritäten: Personal oder Prestigeprojekte?

Für alle Bürger wurde gestern offenbar, was wir von der Entscheidung zugunsten der Finanzierung von Prestigeprojekten haben. Dass diese Erkenntnis bis zum (baldigen) Wahltag anhalten wird, darauf wage ich indes kaum zu hoffen. Aber selbst einfache Maßnahmen können, dürfen und werden nicht mehr durchgeführt. An solchen Tagen wie gestern und heute gäbe es eine gute und gangbare, wenn auch nicht ganz umweltschonende Lösung: Streusalz.

Die Kommunen dürfen Streusalz nach eigenem Belieben selbst dann verwenden, wenn sie es dem Bürger per Vorordnung untersagen. Diese Situation empfinde ich zwar nicht als besonders gerecht, aber es würde zumindest etwas Abhilfe schaffen – doch selbst das passiert auf Gehwegen nicht mehr; man salzt nicht mehr. Dabei würde Salz selbst bei anhaltendem Schneefall nicht nur Bürgersteige, Fußgängerübergänge, Treppen und Rampen mindestens über viele Stunden vor Glätte schützen und gefahrlos begehbar halten, es würde so auch die Mitarbeiter des Winterdienstes entlasten. Und dieses probate Mittel sollte auch der Bürger einsetzen dürfen. Wenn zwei Tage am Stück der Unterricht ausfallen muss, keine Straßenbahn mehr fahren kann, alle Wege spiegelglatt sind und die kommunalen Eigenbetriebe mit dem Schneeräumen nicht mehr hinterherkommen, wenn die Müllabfuhr nicht mehr fahren kann und die Friedhöfe geschlossen bleiben müssen, wenn dem Bürger wohnortnah zudem keine Streumittel über die Boxen zur Verfügung gestellt werden, wie kann man dann dem Bürger verbieten, Streusalz zu verwenden? Das ist schlicht nicht vermittelbar.

Gleichwohl wird in der Winterdienst-Broschüre des Eigenbetriebs SÖR der Einsatz von Streusalz dem Bürger kategorisch untersagt:

Verwenden Sie umweltfreundliches Streumittel. Der Einsatz von Salz auf öffentlichen Gehwegen ist grundsätzlich verboten.

Klar: Im Übermaß verwendetes Streusalz ist für die Umwelt schädlich, denn es belastet gewegnahe Pflanzen und auch straßennahe Bäume. Zudem belastet es Gewässer und kann auch in den Kläranlagen problematisch sein, wenn sich im Tauprozess Spitzenkonzentrationen bilden. Und auch für Haustiere ist es wenigstens unangenehm. Auf der anderen Seite tritt selbst bei sehr sparsamer Anwendung ein guter Taueffekt ein, der sogar mehrere Tage anhalten kann, selbst dann, wenn es weiterschneit. Wenn man dann noch in die Betrachtung einfließen lässt, dass die schneereichen Tage in den letzten Jahrzehnten immer weniger wurden, und die Vorteile gegen die Nachteile abwägt, spricht von der Warte der Vernunft betrachtet nur wenig gegen einen Streusalzeinsatz mit Augenmaß. Sowohl seitens der Kommunen als auch vonseiten der Bürger.

Mit Einsetzen der Schneeschmelze und Wetterbesserung wird auch diese Malaise schnell vergessen sein. Es wäre dennoch wünschenswert, würde die Stadtgesellschaft aus den Ereignissen der letzten beiden Tage einige Lehren behalten. Eine bessere personelle Ausstattung der städtischen Eigenbetriebe ist keine illusorische Forderung – im Bedarfsfall muss die Stadt handlungsfähig sein und bleiben. Das kostet Geld, Geld, das hier allerdings weitaus besser angelegt ist, als in städtischen Prestigeprojekten oder dem nackten automobilideologischen Rohrkrepierer „Kreuzungsfreier Frankenschnellwegsausbau“. Das ist letztlich eine Frage des politischen Willens. Auch der Bürger muss im Winter die Möglichkeit haben, Gehwege nach dem Räumen mit Taumitteln zu streuen. Allein die Rücksichtnahme auf Fußgänger, die schwächsten Verkehrsteilnehmer, macht das erforderlich. Der ÖPNV ist das verkehrliche Rückgrat der Stadt. Ein Schneefreihalten der Straßenbahngleise muss ebensoviel Priorität genießen, wie das Beräumen der Verkehrsstraßen.

Monatsrückblick November 2025

Wusstet ihr, dass es einen „No Nut-November“ gibt? Nun, wahrscheinlich wusstet ihr das, ich als völlig unbedarfter und unverdorbener Mensch wusste das natürlich nicht – bis vor ein paar Tagen. Dieses „NNN“-Social-Media-Ding wurde wohl als Spaß und Verarsche Satire auf die US-amerikanische Bigotterie gestartet, aber Faschos und evangelikale Nixblicker sowie andere Moralapostel sind auf den rollenden Zug aufgesprungen. Da habe ich auch kein Mitleid, die verdienen es nicht besser. Ein „No Nazi November“ wäre mal wirklich dringlich, na ja, Antifa bleibt eben Handarbeit.
Ein sehr kleines Mastronauten-Treffen hatten wir dann auf dem GoHoHo-Adventszauber. Wirklich ein schöner Stadtteilweihnachtsmarkt, keine Touri-Durchschiebe, wie wir sie vom großen Markt unserer schönen Weihnachtsstadt sonst gewohnt sind.

Ihr habt sicher gemerkt, dass dieser Monatsrückblick recht spät gekommen ist – und leider kann ich Euch für den Dezember 2025 keinen sinnstiftenden Rückblick anbieten, weil mir einfach im Dezember aufgrund vielfältiger Verpflichtungen die Zeit fehlte. Ich hoffe, im neuen Jahr wieder ein wenig mehr Muße für den Rückblick zu finden.

Wirtshaus- Explorer: Neueröffnung der Pizzeria Americano FA am Rennweg

Pizza, Pasta, Salate. Klassisch, fair bepreist, no frills. Das ist die „Pizzeria Americano“. Ursprünglich „nur“ eine kleine Bude in der Trierer Straße in Langwasser (nicht zu verwechseln mit der Pizzabude „Pizza Americana“ gegenüber des Z-Baus/Südkaserne), die aber Kultstatus genießt, haben die Betreiber nun auch ein Restaurant in der Nürnberger Nordstadt eröffnet – direkt am Rennweg. Nachdem in diesem Jahr im Viertel bereits die Pizzaimbisse „La Vita“ und „Amalfi“ geschlossen haben, ist die Neueröffnung eine dankbare Ergänzung der Wirtschaftsgeografie in Rennweg und Veilhof.

Pizzeria Americano FA, Rennweg

Über rund vierzig Sitzplätze auf zwei Ebenen verfügt das helle, klar gestaltete Restaurant. Im architektonisch markanten Spitzbau aus den 1960er-Jahren, in dem sich in den letzten Jahren kein Restaurant so lange halten konnte, bietet das Team um Faruk Abdi klassische „amerikanische“ Pizza mit dichtem Teig und ordentlich Käse an. Ein Gegenentwurf zum Steinofen, zu lange gegangenen Sauerteigen und frittierter Pizza. Das „Americano“ hat ein Pizzenangebot, das uns Kids der 1980er- und 1990er-Jahre in die Kindheit und Jugend zurückversetzt. Alles handwerklich toll und solide gemacht, ohne Chichi, präsentiert sich eine einfache und gute Pizza.

Hell und freundlich sind nicht nur das Restaurant, sondern auch der zügige und verbindliche Service. Am Eröffnungstag kosteten wir diverse Salate, bunt und frisch mit angenehmem Dressing, diverse Pizzen sowie Bruschetta mit Burrata und Antipasti.
Und so besuchten wir das neue Restaurant einige Tage später. Die Pizzen sind reichlichst belegt, saftig und schmecken ganz hervorragend.

Im Americano schenkt man Flaschenbier von Mönchshof aus. Man sitzt gut in der Pizzeria Americano und wird bei einem Besuch auch nicht arm, orientieren sich die Preise doch an denen des Langwasseraner Imbisses. Insgesamt sind wir angetan vom neuen gastronomischen Angebot im Stadtteil und freuen uns, dass das Americano auch das prägnante Eckhaus am Rennweg „wiederbelebt“.

Pizza Americano FA, Ludwig-Feuerbach-Straße 3, 90489 Nürnberg. Telefon 979 225 24

Nürnberger Lebkuchen – wer ist der Beste unter den Besten?

Diesen Post, darum möchte ich bitten, möget Ihr, liebe Leserinnen und Leser, nicht allzu ernst nehmen, behandelt er doch ein Thema, das eine allzu große Gravitas kaum verdient. Auf der anderen Seite – cum grano salis – birgt es doch das Potenzial, die Nürnberger Volksseele zum Kochen zu bringen. Alle Auswärtigen (darunter zähle ich auch die Fürther) möchten zudem bitte auch über meinen Lokalpatriotismus in Milde und Güte hinwegsehen.

Es geht um den Nürnberger Lebkuchen. Und ein so edles Gebäck von Rang und Stand, von so nobler Herkunft, verträgt keinen Spaß.

Der Nürnberger Elisen-Lebkuchen ist in der Tat etwas ganz Besonderes. Hergestellt werden darf er nur im Stadtgebiet unter teils strenger Überwachung, seine Bestandteile und vor allem Nicht-Bestandteile sind im Deutschen Lebensmittelbuch genauestens geregelt, zwei unabhängig voneinander arbeitende Schutzverbände wachen akribisch über die Einhaltung der traditionellen Regularien. Bei so viel Reglement möchte man auf die Idee kommen, der Nürnberger Elisen-Lebkuchen sei ein weitgehend generisches Produkt – doch weit gefehlt! In den Feinheiten von Konsistenz, Rezeptur und Würzung, Backdauer und Backtemperatur trennt sich die Spreu vom Weizen (letzterer darf gemahlen nur zu zehn Prozent im Gebäck enthalten sein, ein qualitätvoller Lebkuchen enthält aber grundsätzlich gar kein Getreidemehl).

Wie viele Lebküchner es in Nürnberg gibt, war mit einer mittellangen Recherche nicht zweifelsfrei auszumachen. Neben einer Handvoll industrieller Großbetriebe produzieren in Nürnberg etliche mittelständische Lebküchnereien und vor allem viele bestbeleumundete Handwerksbetriebe diese köstliche Königin des Backwerks. Man muss in Nürnberg, auch wenn der Franke das gemeinhin gerne tut, sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Nicht allein geschmacklich, sondern auch den Einsatz hochwertiger Rohmaterialien betreffend, ist der feine Nürnberger Elisen-Lebkuchen unbestritten das beste Weihnachtsgebäck – weltweit, wohlgemerkt. Und daher genießt er, auch das ist keine Übertreibung, mit Fug und Recht Weltruhm.

Angesichts der vielen Produktionsbetriebe in Nürnberg und angesichts der vielen Superlative, die der feine Elisen-Lebkuchen kaiserstädtischer Herkunft in sich zu vereinen weiß, ist die Frage nach dem Besten unter den Besten selbstredend eine ernste Angelegenheit.
Und ein veritabler Streitpunkt in Nürnberger Familien. Denn die bevorraten sich, sofern sie ähnlich lokalpatriotisch aufgestellt sind, wie der Autor dieser Zeilen, zur Weihnachtszeit mit etlichen Kilogramm Elisen aus der von ihnen nach langem Probieren und Abwägen zum Hoflieferanten auserkorenen Lebküchnerei. Zehn, dreißig, fünfzig Elisen-Lebkuchen darf man in Nürnberg noch unbescholten in die Kategorie „Eigenbedarf“ einordnen.

Kommen wir zurück zur ernsten Frage: Wer backt den besten Nürnberger Lebkuchen? Diese hochumstrittene Frage stellt sich jedes Jahr zur Weihnachtszeit. Es ist, das ist einfach zu sagen, sehr schwierig zu sagen. Selbst der renommierte Falstaff drückt sich um die Antwort und präsentiert lediglich eine Auswahl, auch die offizielle Webseite der Stadt Nürnberg möchte sich nicht festlegen. Das inzwischen leider nicht mehr aktualisierte „Nürnberg und so“-Blog war weiland etwas mutiger und kürte 2014 letztmalig die besten Lebkuchen, damals hatte Rainer Nusselt die Nase vorn, äußerst knapp gefolgt von Holger Düll und den Lebkuchen der Konditorei Witte. Im Vorjahr waren die Lebkuchen der Familie Düll Spitzenreiter. Doch seit über zehn Jahren hat sich an das heikle Thema niemand mehr herangewagt – bis zum heutigen Tage. Denn nun hat unsere Lokalzeitung den in einer Umfrage ermittelten Sieger bekannt gegeben. Wer das ist – dazu später mehr.

Im hiesigen Pressehaus hat man reichlich Erfahrung mit Votings um Bestenplätze. Der Verlag Nürnberger Presse suchte schon den besten Döner der Stadt, die beste Pizza der Stadt und das beste fränkische Bier (der Region). Die Abstimmung steht nicht nur den Abonnenten der beiden Zeitungstitel des Hauses offen, im Prinzip kann jeder, der möchte, daran teilnehmen. Das erhöht freilich die Größe der Stichprobe. Ob man damit allerdings ein möglichst unbeeinflusstes Ergebnis ermitteln kann, dahinter darf man getrost ein vorsichtiges Fragezeichen setzen. Als geneigter Leser konnte ich mich in der Vergangenheit schon mehrmals nicht des Eindrucks erwehren, dass das Voting nicht von tatsächlich im Volke sorgsam abgewogenen Qualitätseindrücken dominiert war, sondern von dem gewonnen wurde, dem es per Online- und Social-Media-Marketing am besten verstand, seine Fans zur Stimmabgabe zu bewegen.

Ob dieser Eindruck sich wirklich bestätigt und ob das beim Lebkuchen-Voting auch eine Rolle gespielt hat, das kann ich mit letzter Sicherheit nicht sagen. Vielleicht war es auch ganz anders.

Der Lebkuchen ist ein Traditionsprodukt. Freilich gehen viele Lebkuchen in den Versand, die Firma Lebkuchen Schmidt, ein großer Industriebetrieb, macht einen Gutteil ihres Umsatzes über das Versandgeschäft. Der Nürnberger selbst allerdings kauft seine nicht-industriell gefertigten Lebkuchen vor Ort. Wer hier, an Theke und Kasse, durch ein geschicktes Verkaufsgespräch seine Kunden zur Abstimmungsteilnahme motiviert bekommt, der hat wenigstens die halbe Miete eingespielt.

Witte Spezialitäten, Fürth

Witte Spezialitäten, Fürth

Dieser Tage fand ich mich, es ist der Jahreszeit und meiner Naschlust geschuldet, an drei Lebkuchen-Verkaufstheken wieder: der der Lebkucherei Düll in der Mathildenstraße, der der Lebküchnerei Pia und Bernhard Woitinek in der Peter-Henlein-Straße und auf dringende Empfehlung eines Freundes auch an der der Konditorei Witte in der Gründlacher Straße (in Fürth! Gut, dass ich Protestant bin, andernfalls hätte ich das jetzt beichten müssen).

Mein Besuch in den Häusern Düll und Witte lief so, wie man sich den Besuch in einer Bäckerei oder in einem Lebensmittelgeschäft gemeinhin vorstellt. Nach Betreten des Ladenlokals äußerte ich meine Wünsche, bekam Lebkuchen ausgehändigt, bezahlte und ging. Bei der Lebküchnerei Woitnek in der Peter-Henlein-Straße lief es im Prinzip genauso, zwischen der sehr freundlichen Verkäuferin und uns entspann sich aber ein interessanter Dialog, den ich hier nicht vollständig wiedergeben kann, der aber mehrere spannende Informationen enthielt. Beim Bezahlen wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass gerade ein großes Voting der NN liefe und man sich sehr freue, wenn man für die Woitinek-Lebkuchen stimme. Ein entsprechender Hinweiszettel mit QR-Code auch zur Google-Bewertung, war am Verkaufstresen angebracht.

Verkaufsraum der Lebküchnerei Woitinek in der Peter-Henlein-Straße

Verkaufsraum der Lebküchnerei Woitinek in der Peter-Henlein-Straße

Ich erfuhr zudem, dass es zwei Woitineks in Nürnberg gibt (den Lebküchner und den Bäcker), durfte den Laden für den Artikel fotografieren und bekam zudem die Information, dass man bei Woitinek auch glutenfreie Lebkuchen aus eigener Herstellung anbietet.

Nun ist es leicht vorstellbar: Wer einen gut laufenden Laden mit hoher Kundenfrequenz betreibt, dort auf das Voting gut sichtbar hinweist und zudem proaktiv seine Kunden bittet, an der Abstimmung teilzunehmen, der wird sich auf diesem direkten Wege möglicherweise sogar entscheidende Stimmanteile sichern können. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Wer das Voting als Baustein seines eigenen Marketings erkennt und sich entsprechend engagiert, darf auch den Erfolg ernten. Spannend allerdings ist, dass man es mit den Lebkuchen in Nürnberg scheinbar bierernst meint. So gibt das Pressehaus in dem oben verlinkten Artikel bekannt:

Leider mussten wir feststellen, dass unsere Umfrage technisch manipuliert worden ist. Die Bot-Attacken hatten in den vergangenen Tagen massiv zugenommen, sprich: Computerprogramme gaben automatisiert und im großen Stil Stimmen ab. Am Ende mussten wir über 1000 ungültige entfernen. Fair Play geht anders.

Da kann ich nur staunen. Ein Lebkuchen-Voting ist ja im Grunde ein Gag und genauso wenig ernst zu nehmen wie ein Bier-Voting oder ein Pizza-Voting. Welches Produkt jetzt das beste ist, lässt sich damit kaum ermitteln. Denn so wie es gut und gerne dreißig unabhängige Bäckereien mit eigenen Lebkuchen und Lebküchnereien in Nürnberg gibt, gibt es in der Noris hunderte Pizzerien, in Franken aberhunderte Brauereien. Kein Bürger wird den Direktvergleich von dreißig Elisen-Lebkuchen, hunderten Pizzen oder sechs-, siebenhundert Bieren haben (auch wenn das zweifelsohne schön wäre). Es ist wie in der Politik: Der Bürger wählt, was er namentlich kennt, mit etwas Glück sogar das, was er zu mögen meint. Dass man bei so einem, freilich bedingt auch marketingtauglichen, Spaß ernsthaft den Aufwand einer technischen Manipulation betreibt, ist mindestens irritierend. Da nimmt also jemand das Ding mit den Lebkuchen tatsächlich bierernst.

"Kleines Elisen-Seidla" Schanzenbräu x Wicklein Nürnberg

„Kleines Elisen-Seidla“ Schanzenbräu x Wicklein Nürnberg

Das mit dem Bierernst, das möchte ich am Rande, „off topic“ anmerken, kann man in diesen Wochen ganz praktisch probieren. Die Brauerei Schanzenbräu hat in Zusammenarbeit mit Wicklein ein „Elisen-Seidla“, ein Biermischgetränk aus Hellem und Lebkuchen-Gewürztee, herausgebracht, das zumindest interessant schmeckt. 0,33 Liter kosten recht stolze 4,- Euro.

Zurück zum Voting. Das hat die Lebküchnerei Woitinek in der Peter-Henlein-Straße, deren Produkte nicht mit den Lebkuchen des Bäckers und Bruders Wolfgang Woitinek in der Saarbrückener Straße (Luftlinie etwas mehr als vier Kilometer) verwechselt werden dürfen, mit einem Vorsprung von 250 Stimmen vor Rainer Nusselt gewonnen. Witte, Düll und Der Beck (?!) machen den dritten, vierten und fünften Platz. Woitinek gönnt man den ersten Platz. Der Bäckermeister ist bemüht, trotz massiv gestiegener Haselnuss- und Kakaopreise den handwerklich gemachten Lebkuchen nicht zu einem Luxusartikel werden zu lassen, der Fünferpack kostet auch in diesem Jahr noch immer unter zehn Euro.

Im Prinzip ist es aber völlig egal, wer das Voting gewonnen hat, denn man kann schlicht und ergreifend nicht den besten Lebkuchen bestimmen. Und den besten Lebküchner auch nicht. Deren Produkte sind, analog zu den Geschmäckern der Kundschaft, völlig unterschiedlich. Manche Lebküchner backen ihre Lebkuchen sehr fein, bei anderen ist der Teig durch die Nüsse eher grob, einige backen den Lebkuchen auch ganz bewusst stückig-spundig. Mindestens genauso wichtig sind die verwendeten Gewürze. Der eine bevorzugt eine dominante Zimtnote, ein anderer Lebkuchen ganz ohne Zimt. Mancher Lebkuchen hat eine sehr vordergründige, weihnachtlich-warme Würzung, ein anderer wiederum ist nur sehr zurückhaltend gewürzt und lässt den Nuss- und Mandelaromen den Vortritt, der nächste wiederum schmeckt vordergründig vor allem mazipanig-weich. Welcher soll nun der beste sein?

Mit dem Voting hat das Pressehaus aber allen Lebküchnern der Stadt einen Dienst erwiesen – zeigt es doch die unglaubliche Vielfalt des Lebkuchens, seine tiefe Verwurzelung in seiner Heimatstadt und seine kompromisslose Güte. Was wäre die Vorweihnachtszeit ohne Lebkuchen? Eben.

Nun bleibt eigentlich nur eine Frage offen: Welcher ist der Lieblingslebkuchen des Autors dieser Zeilen? Ich drücke mich um eine Antwort, auch, weil wir immer mal wieder Neues ausprobieren. Soviel sei aber gesagt: Die kräftig-spundigen Lebkuchen der Bäckerei Düll sind bei uns ganz weit vorn. Sehr gerne essen wir auch die wesentlich teigfeineren und zurückhaltender gewürzten Mirus-Lebkuchen. Auch die Lebkuchen von Woitinek aus der Peter-Henlein-Straße schmecken hervorragend. Angenehm weich, kräftig gewürzt und dennoch nicht zu süß. Und in diesem Jahr haben wir auch die Lebkuchen von Bäcker Wolfgang Woitinek für uns entdeckt, sie sind geschmacklich sehr fein abgestimmt und ebenfalls wunderbar zart. Erstmalig haben wir in diesem Jahr auch Witte gekostet – es gibt immer was zu entdecken!

Kleines Mastronautentreffen auf dem Goho-Adeventszauber-Weihnachtsmarkt

Leider schaffen wir es, wie im letzten Monatsrückblick ja schon angekündigt, nicht, in diesem Jahr ein weiteres größeres regionales Mastodon x Bluesky-Usertreffen zu organisieren.

Damit wir uns aber nicht ganz aus den Augen verlieren, wollen wir uns spontan in kleiner Runde treffen, und zwar am kommenden

Mittwoch, den 19. November 2025
ab 18 Uhr auf dem Goho HoHo-Weihnachtsmarkt
an der Adam-Klein-Straße, Kirchplatz Dreieinigkeitskirche
90429 Nürnberg.

Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Wer Zeit und Lust hat, kommt einfach vorbei.
Der Weihnachtsmarkt ist nicht allzu groß, wir werden uns also erkennen und zusammenfinden.

Wir sehen uns am Mittwoch zu Glühwein, Glühbier, Bratwurstweggla… in vorweihnachtlicher Atmosphäre!

Herzlichst, Karl & Michi

Wirtshaus-Explorer: Salto Pastawerk Fürth

Seit einem guten Jahr residiert in der Fürther Ludwig-Erhard-Straße, schräg gegenüber des umstrittenen Erhard-Kanzlermuseums, ein gastronomisches Kleinod. Im Haus Nummer 13 mit dem wunderschönen Treppengibel, in dem man einst den Burger-Imbiss „Mam Mam“ vorfand, ist nun das „Pastawerk & Osteria“ Salto. Gemütlich und dennoch modern präsentiert sich dieses Restaurant, das mit dem klassischen Stadtteilitaliener nur wenig gemein hat.

Salto Pastawerk Fürth

Betritt man das Restaurant, so fällt zuerst einmal das zurückgenommen-moderne Ambiente ins Auge. Pastamanufaktur, ein Teil der Küche und der Gastraum gehen ineinander über – ein interessantes und angenehm umgesetztes Konzept. Hell und freundlich ist der Raum, man sitzt an den Holzstühlen zudem überraschend bequem.

Schnell bringt der flotte Service die Speisen- und Getränkekarte an den Tisch. Die Speisekarte überzeugt mit ihrer saisonalen Auswahl, sie ändert sich infolgedessen auch mehrmals im Jahr. Das macht die Folgebesuche im Salto freilich umso interessanter. Bei der Getränkekarte fällt sofort ins Auge, dass man sich mit der Auswahl nicht nur Gedanken gemacht hat, die Getränke sind überdies äußerst fair bepreist. Das Helle von der Brauerei Hofmann Gutenstetten-Pahres zapft man frisch, später werde ich noch den Primitivo versuchen, der mit seiner trocken-komplexen Fruchtigkeit und seinen angenehm balancierten Aromen auf ganzer Linie überzeugen kann.

Salto Pastawerk Fürth

Zuerst bestellen wir als Vorspeise zum Teilen die Oliven (sehr reichlich, 4,50 Euro) und Arancini Cacio e Pepe (10,50 Euro). Die frittierten Reisbällchen sind mit flüssigem Parmesan und Pecorino gefüllt und werden warm serviert, sie schmecken angenehm mild. Zur Hauptspeise ordern wir die Linguine Aglio e Olio (14,- Euro) sowie Tagliatelle mit einem Wildschwein-Ragu (etwa 19,- Euro).

Salto Pastawerk Fürth

Kulinarischer Hauptdarsteller im Salto ist selbstverständlich die Nudel, und die ist im Salto immer frisch. In einer Ecke des Restaurants bereitet der Pastaiolo die Nudeln vor den Augen der Gäste zu – und lässt sich bei seinem faszinierenden Tun auch bereitwillig ablichten. Seine Fingerfertigkeit und die kunstvolle Präzision der Herstellung z.B. seiner Ravioli ziehen den neugierigen Gast in einen Bann der Faszination. Was da gerade hergestellt wird, wird in den nächsten Minuten frisch zubereitet auf dem Teller liegen.

Salto Pastawerk Fürth

Von höchst angenehmem Biss sind die Linguine Aglio e Olio, sie werden mit einem würzigen Basilikum-Öl serviert. Der Knoblauch schmeckt fein, die frischen Chilihobel verleihen dem Gericht eine subtile Schärfe. Für eine gewisse Raffinesse (und ein angenehmes Mundgefühl) sind die Linguine mit einer Art Panko überstäubt, dessen Crunch nicht nur überrascht, sondern der sich auch geschmacklich gut einfügt. Ein einfaches Gericht – in handwerklicher Perfektion.

Linguine Aglio e Olio

Gut gemacht, aber ein wenig unspektakulär waren die Tagliatelle mit dem Wildschwein-Ragù. Dass es sich beim Ragù, dass einer Bolognese sehr ähnlich war (vielleicht etwas leichter) um Wildschweinfleisch handelte, konnte ich geschmacklich nicht wirklich feststellen. Nichtsdestotrotz gefiel auch diese mit hauchfein gehobeltem Parmesan dekorierte Hauptspeise.

Tagliatelle mit einem Wildschwein-Ragu

Zum krönenden Abschluss bestellten wir als Dessert das Tiramisu. Das ist im besten Sinne klassisch, luftig und dennoch gehaltvoll, reichlichst mit Kakao bestäubt und erfüllte unsere Erwartungen völlig. Manches bedarf einfach keiner Änderung oder Neuinterpretation, sondern muss, um zu überzeugen, einfach „nur“ gut gemacht sein.

Tiramisu

Die Küche und auch die Getränkeauswahl konnten wirklich überzeugen, der Service an diesem Abend war flott und freundlich.

Das tröstet auch ein wenig darüber hinweg, dass man bei unserem ersten Besuch unsere schriftliche und per Mail auch bestätigte Reservierung verschusselt und uns leider, um es einmal euphemistisch auszudrücken, recht nonchalant, um nicht zu sagen uncharmant, unverrichteter Dinge wieder vor die Tür gesetzt hat. Die Bedienung bedauerte diesen Fehler mehr als halbherzig und sagte, man werde sich mit uns zu einer Klärung in Verbindung setzen. Das ist – wen wollte es wundern – natürlich nie geschehen.
So etwas würde einem wirklich guten Gastgeber freilich nicht passieren. Wer mit Gästen kommt und sich nicht blamieren möchte, sollte nach der Onlinereservierung besser persönlich nachhaken, ob denn tatsächlich auch alles geklappt hat, um böse Überraschungen möglichst zu vermeiden. So gut das Essen war, in puncto Restaurantmanagement und Umgang mit eigenen Fehlern hat das Salto-Team bezüglich Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit noch Entwicklungsbedarf.

Der Gastraum ist recht klein und so gibt es auch einige weniger attraktive Sitzplätze an den Schaufenstern. Wer zu mehreren kommt, der muss schon den Kopf verdrehen, um seinen Essenspartner zu sehen. Wer reserviert, sollte das wissen und seinen Platzwunsch auch entsprechend formulieren.

Salto Pastawerk & Osteria, Ludwig-Erhard-Straße 13, 90762 Fürth, Telefon: 87 50 440. Eine Reservierung ist sinnvoll.

Monatsrückblick Oktober 2025

Wie schon im September fällt auch der diesjährige Oktober-Monatsrückblick etwas kürzer aus, als gewohnt, ebenfalls wegen meines Urlaubs. Bereits während des Urlaubs – aber freilich auch in den Wochen danach – ereilte und beschäftigt mich die Meldung des geplanten Sozialkahlschlages, den Union und SPD da im Schulterschluss durchzudrücken versuchen. Ihr könnt Euch vorstellen, wie sehr mich das abfuckt. Zur möglichen Bürgergeld-Kürzung auf 0 als „Sanktion“ ist ja schon im Vorhinein klar, dass das komplett verfassungswidrig ist, was Merz, Bas und Konsorten freilich wenig schert. Die wissen, dass sie längst nicht mehr im Amt sind, bis das vor dem BVG durchgefochten ist …

  • Hamburg hat mit dem Klimaentscheid sehr klug gewählt, keine Frage. Dennoch war das Ergebnis nach meinem Dafürhalten überraschend knapp. Ich hätte beim Ergebnis mit einem wesentlich deutlicheren prozentualen Abstand zu den Gegnern gerechnet, für mich letztlich auch ein Zeichen, wie weit die Saat klimafeindlicher Propaganda bereits in der Breite aufgegangen ist. Das ist aber noch nicht alles, der Kommentator des nd fasst gut zusammen, dass sich der Erfolg des Volksbegehrens erst mit einer ernsthaften und sozialverträglichen Umsetzung einstellt.
  • Modern seances.
  • Wundert man sich überhaupt noch über Donald Trump? Nun, es ist kein Geheimnis, dass ich persönlich diesen Typen ja unter der Kategorie „lupenreiner Faschist“ einordne, und so ist es freilich kein Wunder, dass Trump tut, was Faschisten eben tun – heute diskreditiert er mit einem KI-Video, das er über sein eigenes Truth-Netzwerk postet, die No-Kings-Bewegung. Das ist das „Diskursniveau“ eines fünfjährigen. Mehr darf man offensichtlich vom Präsidenten der Failed Staaten nicht erwarten.
  • Der großflächige AWS-Ausfall zeigt, dass es eine schlechte Strategie ist, seinen Kram bei Monopolisten zu hosten.
  • Die peinlichen, rassistischen Ausfälle des Kanzlers der Schande und der zweiten Wahl Friedrich Merz nehmen zu, ich habe mittlerweile aufgehört, zu zählen. Dass Merz sich selbst und seine CDU von der gesichert rechtsextremen AfD abgrenze, scheint mir nicht mehr als ein Lippenbekenntnis zu sein, das in der Realität weder einen Wert hat, noch irgendeiner Belastung standhält. Das festzustellen, darum kommt auch die Kommentatorin des ARD-Hauptstadtstudios nicht herum.
  • „Merz und die Frauen“
  • Sehr zu meiner Überraschung (und wohlgemerkt völlig ohne Not) ist Nürnbergs Oberbürgermeister König den rassistischen Ausfällen Merz‘ beigesprungen. Er versucht, das mit „einleitenden Worten“ abzumildern, letztendlich stellt er sich aber uneingeschränkt hinter die rassistischen Aussagen.
  • Aller Voraussicht nach werden wir es in diesem Jahr nicht mehr schaffen, ein regionales Treffen der Mastodon- und Bluesky-Nutzer zu organisieren, denn alle Wirtshäuser, die ich angefragt habe, haben in dem engen Zeitfenster, das sich uns vor dem vorweihnachtlichen Wahnsinn aus Vereins- und Betriebsfeiern bietet, keine adäquat großen Tische mehr in ruhigen Hinterzimmern frei. Die Ansprüche an die Gastronomie sind dabei gar nicht so gering, sollte die entsprechende Restauration doch neben der nötigen Flexibilität bezüglich der Teilnehmerzahl in U-Bahn-Nähe liegen, auch Vegetariern und Veganern ein vernünftiges Speisenangebot unterbreiten und preislich auch weniger betuchten Interessierten eine Teilnahme grundsätzlich ermöglichen können. Wir unternehmen einen neuen Anlauf im ersten Quartal 2026.
  • Dobrindt verhandelt mit den Taliban (man kommt aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus), aber auch Österreich schiebt wieder nach Afghanistan ab.
  • „Rechtsextreme Partei: Thüringens Innenminister verdächtigt AfD, für Russland zu spionieren“
  • Es ist immer eine gute Idee, von Zeit zu Zeit seine Mailadressen bei haveibeenpwned.com zu checken.
  • Unweit meiner Arbeitsstätte hat dieser Tage ein Döner-Imbiss einer mittlerweile sogar international agierenden Kette eröffnet. Den Namen der Stadt und der Kette möchte ich an dieser Stelle gar nicht nennen, denn das, was man dort erleben konnte, ist inzwischen wohl symptomatisch für diese Art der „marketingunterfütterten Neueröffnung“.
    Besagter Döner-Imbiss schaltete im Vorfeld viel Werbung auf Insta, Tiktok und Co., es gab auch ein mit „bekannten“ Foodbloggern besetztes „Pre Opening“, Kern der Marketingaktion war aber, drei Tage lang jede Dönertasche für einen Cent anzubieten.
    Solche Marketingaktionen locken viele Leute an, die Regionalzeitung kommt und druckt artig ein Bild von der Warteschlange der Dönerhungrigen, auch der Kabelfernseh-Regionalsender sendete brav einen Bildbericht, dies, das … man kennt das ja. In besagtem Imbiss ist die Sache aber ein wenig eskaliert, denn der Ansturm der Leute war riesig – wohl deutlich größer, als erwartet. Am ersten Tag bin ich dort mehr zufällig vorbeigegangen, die Schlange war absurd lang, ich schätze sie auf wenigstens hundert Meter Länge, vor dem Imbiss war Security-Personal postiert und damit alles seine Ordnung hat, wurde die Warteschlange sogar mit Absperrbändern eingehegt. Nun hatte ich Gelegenheit, mit einer Geschäftsfrau einer angrenzenden Praxis zu sprechen, die zeichnete ein noch dramatischeres Bild. Weil die Imbissbetreiber ob der schieren Nachfrage mit der Zubereitung der Dönertaschen gar nicht mehr hinterherkamen, war das Putenfleisch auf dem Drehspieß irgendwann nicht lange genug der Hitze des Gasbrenners ausgesetzt und folglich nicht richtig durch, die halbrohen (beim Schneiden lief noch das Blut entlang dem gesteckten Fleischkegel) Putenfetzen wanderten in die Döner. Für die Leute, die teils mehrere Stunden um den 1-Cent-Döner angestanden hatten, war das natürlich eine herbe Enttäuschung. Sie warfen die angebissenen Dönertaschen vor die Türen und Schaufenster der angrenzenden Geschäfte oder in die Abgänge und auf die Bahnsteige der nahegelegenen U-Bahnstation.
    Mancher Zeitgenosse dachte sich, er fahre mit dem Auto vor, hole sich mal eben fix seinen 1-Cent-Döner und verparkte so die angrenzenden Straßen der Fußgängerzone, was zu mehreren Polizeieinsätzen führte. Insgesamt war die Marketingaktion für die Innenstadt alles andere, als ein Gewinn.
    Wer hier ein wenig mitliest, weiß, dass ich den gegenwärtigen Döner-Hype recht kritisch sehe und mir ein derartiger Bohei um ein Allerweltsprodukt wie einen Döner reichlich fremd ist. So bleiben ein im besten Wortsinne fader Beigeschmack, eine gigantische Lebensmittelverschwendung, eine Menge Ärger und ein Haufen Müll.
  • Zur Ehrenrettung dieses Dönerimbisses (lokal beschlagene Leser wissen, welchen ich meine) sei aber auch gesagt, dass sie obdachlose Bürger mit einem kostenlosen Essen unterstützen und darum bitten, dies nicht ungerechtfertigt auszunützen.
  • Grokipedia. In welch absurdem Film bin ich bitte gelandet? Und wie kommt man da wieder raus?
  • Zum guten Schluss noch ein Dokutipp via Ronny: Gerade ist auf YT der Dokumentarfilm „Schleimkeim – Otze und die DDR von unten“ zu sehen. Und der ist wirklich sehenswert, wenn man sich für jüngere deutsche Geschichte und/oder Punkrock interessiert.

Wirtshaus-Explorer: Das Wacholderstübchen in der Marterlach, Nürnberg

Der Stadtteil Marterlach, ein wenig eingekeilt zwischen Südwesttangente, Frankenschnellweg und den Zulaufgleisen zum Rangierbahnhof, wird wohl von Ortsfremden nur wenig frequentiert. Und so ist es schon fast verwunderlich, dass wir auf das am namensgebenden Wacholderweg gelegene Wacholderstübchen aufmerksam wurden – denn auch uns, aus dem Nürnberger Norden kommend, verband mit der Gegend bislang kaum etwas.

Wacholderstübchen, Nürnberg

Unweit des Geländes des Sportparks Süd vom ATV Frankonia gelegen, bietet das Wacholderstübchen einen fast schon idyllischen Außenbereich und auch eine gemütliche Gaststube.

Wacholderstübchen, Nürnberg

Die Speisekarte bietet vor allem fränkische Küche, die Wirtshausklassiker Schnitzel und Cordon Bleu, Currywurst mit Pommes, Schaschlik oder die Vesperplatten sind immer zu haben. Sonntags stehen auch diverse Bratengerichte und freilich auch das fränkische Schäufele und saisonal natürlich auch Karpfen und Karpfenfilet auf der Karte. Auch wenn das Speisenangebot tendenziell eher fleischbetont ist, ist man auch bemüht, die ein oder andere vegetarische Alternative anzubieten.

Wir besuchten eines schönen Mittwochs den schattigen Biergarten und genossen zuerst das gepflegte Bierangebot (Brauereien Kulmbacher und Mönchshof), auch der Frankenweinschoppen, in meinem Fall Silvaner, mundete. Das großzügige Cordon bleu, goldbraun gebacken mit einem Berg Pommes, war ausgezeichnet. Ein Beilagensalat gehört selbstverständlich mit zum Gericht.

Cordon Bleu, Wacholderstübchen, Nürnberg

Auch der großzügig gesteckte Schaschlikspieß schmeckte gut, das Fleisch (ohne Leber) war wunderbar zart, die Zwiebeln hatten noch angenehmen Biss und fügten sich geschmacklich gut zur angenehm würzigen Soße.

Schaschlik, Wacholderstübchen, Nürnberg

Insgesamt bietet das Wacholderstübchen zu sehr fairen Preisen eine handwerklich gute, bodenständige Küche. Der Service war sehr verbindlich, flott und angenehm. Insgesamt ist die Atmosphäre im Gasthaus ruhig und gastfreundlich. Wir haben uns wohlgefühlt und einen entspannten Abend dort verbracht.

Eine Webseite habe ich nicht gefunden, es gibt aber Neuigkeiten und Angebote auf einer Facebook-Seite.

Gaststätte Wacholderstübchen, Wacholderweg 11, 90441 Nürnberg. Telefon: 427 440.

Monatsrückblick September 2025

Der September beginnt, wie der August endete: Friedrich Merz, Kanzler der Schande, plant einen ungekannt umfänglichen sozialen Kahlschlag. Dieser massive und im Kern antidemokratische Frontalangriff soll bei diesem Monatsrückblick an erster Stelle stehen, denn an dieses – ich kann es anders nicht sagen – politische Vollversagen sollten wir zur Mahnung regelmäßig erinnern. Daher habe ich zu diesem Thema auch ein paar Links und Impulse vorangestellt. Sonst fällt dieser Monatsrückblick – urlaubsbedingt – ein wenig kürzer aus, als gewohnt, dennoch will ich Euch ein paar wesentliche Links nicht vorenthalten…

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