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Paywalls schaden der Demokratie

Ich muss hier einen Debattenbeitrag verlinken, mit dem ich in manchen Punkten vielleicht nicht exakt übereinstimme, den ich aber dennoch für sehr wertvoll und damit für lesenswert halte: Thomas Knüwer stellt fest, „Warum Journalist*innen sich mit Händen und Füßen gegen Paid Content wehren müssen“ und trifft mit seiner Analyse mehrere wunde Punkte.

Es gibt praktisch kein Medium außerhalb des öffentlich-rechtlichen Spektrums mehr, bei dem Instrumente des Boulevardjournalismus nicht Alltag wären.

WORD! Das ist eigentlich bekannt – aber so prägnant formuliert, verleiht diese Feststellung der Analyse die nötige Schärfe. Nun könnte man meinen, dass der einfache Ausweg aus der Misere einfach im Mehr-Konsum öffentlich-rechtlicher Angebote läge, in Zeiten, in denen der ÖRR allerdings von Rechten und Rechtsextremen – leider nur allzu oft von Konservativen flankiert –  diskreditiert wird, wird dieser Ausweg gesamtgesellschaftlich nicht den gewünschten Effekt bringen.

Knüwer führt aus, dass insbesondere (zum Zwecke der Klickgenerierung geschaffene, marktschreierische) emotionalisierende Überschriften, die im Zweifel nur wenig mit den Artikeln zu tun haben und oft gar nicht von den für den Artikel verantwortlichen Journalisten stammen, zur Polarisierung und damit letztlich zur gesellschaftlichen Spaltung beitragen. Denn die hier klärend wirkenden  der Überschrift folgenden Artikel bleiben der Mehrheit der Leser, die über kein Abo des jeweiligen Mediums verfügen, aufgrund der Paywall verborgen (das funktioniert im Kern aber nur dann, wenn, ich sage es jetzt mal etwas holzschnittartig, die Überschrift emotionalisierender Schrott ist und es im Artikel dann seriös, klärend quasi, weitergeht – und das wird bedauerlicherweise auch immer seltener).

Möchte man dieser Spaltung entgegentreten, so Knüwer, müssen die Inhalte frei und zugänglich bleiben.

Denn Schwurblermedien, von Putin bezahlte Text- und Videoknechte, Fake News und rechtsradikale Medienangebote – die gibt es umsonst. Jeder Text, jedes Video und neuerdings jeder Podcast, vor dem eine Paywall steht, hilft Faschisten und Antidemokraten, weshalb die Behauptung „Journalismuss MUSS Geld kosten“ ein Beitrag zur Spaltung der Gesellschaft darstellt.

Insofern ist die sehr süffige Conclusio

„Journalismus DARF kein Geld kosten – aber wir müssen alles tun, um ihn zu finanzieren.“

schon zutreffend.

Jetzt muss natürlich zwangsläufig die Frage aufpoppen, wie denn bitte dann Geld verdient der Journalismus finanziert werden kann. Interessanterweise hat Herr Knüwer dazu vor bereits knapp fünf Jahren einen mehr als interessanten und erstaunlich hellsichtigen Longread, ein kleines Meisterstück, abgefasst.

Was ich allerdings zur Überschrift dieses Posts dennoch fallen lassen muss: Freilich müssten sich gerade Journalisten gegen ein Bezahlmodell zur Wehr setzen, das in letzter Konsequenz ihre eigenen Arbeitsmöglichkeiten substanziell bedroht, allerdings können wir ihnen diese Verantwortung nicht allein aufbürden. Eine staatliche Regulierung der „vierten Gewalt“ ist für mich persönlich auch nicht denkbar – im Gegenteil, sie könnte, ginge sie insbesondere von rechten Regierungen aus (was, gegenwärtig gesprochen, für die Zukunft ja fast zu befürchten steht), schnell zu einem Angriffsinstrument auf die Pressefreiheit missbraucht werden. Wir Leserinnen und Leser müssen uns disziplinieren, den Klick-Affen keinen Zucker zu geben und Seiten, die sich der Paywall-Wegelagerei verschrieben haben, konsequent blockieren.

Belgische Waffeln, das ultimative Rezept.

Waffeln, immer lecker. Besonders lecker allerdings sind die dicken, belgischen Waffeln, auch als Brüsseler Waffeln bekannt. Sind sie außen zartknusprig und innen schön fluffig, sind sie perfekt. Damit sie perfekt schmecken, müssen sie frisch zubereitet sein. Und dazu benötigt man zweierlei: ein Waffeleisen für belgische Waffeln und das richtige Rezept.

Witzigerweise bin ich nicht bei unserem letzten Belgien-Urlaub vor einem Monat auf die belgischen Waffeln gekommen, sondern, weil wir ein entsprechendes Waffeleisen geschenkt bekamen – und das braucht man. Das nun folgende Rezept lässt sich freilich auch im traditionellen, hierzulande mehrheitlich in Gebrauch befindlichen Herzwaffeleisen zubereiten (und auch da gelingen die Waffeln prima), damit die Waffeln aber richtig fluffig werden, müssen sie einfach dicker sein – und dazu braucht es eben ein entsprechendes Eisen.

Das ultimative* Rezept meiner Partnerin, das immer gelingt und 6-8 wirklich fulminante Waffeln liefert, möchte ich Euch freilich nicht vorenthalten.

Zutaten:

  • 120 g Margarine (oder Butter)
  • 70 g Zucker
  • 250 g Mehl
  • 1 Pkg. Vanillzucker
  • 2 Eier
  • 1 TL Backpulver
  • 350 ml Milch
  • 1 Prise Salz

Die Eier werden getrennt und das Eiweiß zusammen mit Salz steif geschlagen. Hernach wird die Margarine mit Zucker schaumig gerührt, dann werden die Eigelbe einzeln untergerührt. Jetzt sind Mehl und Backpulver einzusieben, Milch dazuzugeben und der Teig gut zu verrühren. Das Geheimnis der Fluffigkeit besteht darin, nun das Eiweiß vorsichtig unter den Teig zu heben.
Vor dem Backen den Teig fünf bis zehn Minuten stehen lassen.

Servieren kann man diese Köstlichkeit mit Schokosoße, Vanilleeis, Roter Grütze und Sahne oder ganz klassisch mit Puderzucker überstäubt.
———————-
*ultimativ ist das Rezept deswegen, weil es so einfach ist. Ein Klassiker, quasi. Es war aber auch wirklich an der Zeit, das hier mal niederzuschreiben. Kauft nie die Dinger aus dem Supermarkt, die sind batzig und schmecken nach Pappe, de nutzt auch auftoasten nichts.

Wochenrückblick KW 7 und 8 2024

Unregelmäßig, aber dennoch in schöner Regelmäßigkeit werfe ich hier im Blog schlaglichtartig den Blick auf einige Begebenheiten der letzten Woche beziehungsweise der letzten zwei Wochen. Warum? Nun, das ist für mich auch ein wenig die Essenz des Bloggens, vielleicht schreibe ich dazu in nächster Zeit ein klein wenig mehr. Jetzt kommen wir erst einmal wieder zu ein paar (mitunter launigen) Beobachtungen der letzten zwei Wochen, wie gewohnt in knapp gefasst und freilich rein subjektiv:

  • Die Fastenzeit hat begonnen. Ich selbst mag die Fastenzeit ja, finde solche Rituale und auch das Üben von Verzicht für eine definierte Zeit, sinnvoll. Selbst faste ich jährlich auch, in diesem Jahr verzichte ich auf Zucker. Das ist nicht nur allgemein eine gute Idee, dieses Zuckerfasten wirkt sich auch unheimlich positiv auf die Geschmacksrezeptoren aus – und vielleicht bringt das auch das ein- oder andere Kilo auf der Waage.
  • Mit dem „politischen Aschermittwoch“ ist das ja so eine Sache, dem einen scheinen diese Bierzeltveranstaltungen gerade recht, parteipolitischen Dampf abzulassen, dem anderen ist das Format schlicht zu grob. Am Aschermittwoch wird gemeinhin anders kommuniziert als sonst. Direkter, gröber, vielleicht sogar ein wenig brutaler. Dass nun aber „Bauernproteste“ eine demokratische Partei, die Grünen, daran hindern, eine entsprechende Veranstaltung durchführen zu können, diese Bauern Polizisten angreifen und Demokraten in Angst und Schrecken versetzen, darf selbst an einem Aschermittwoch nicht sein. Mittlerweile haben sich die Bauern komplett diskreditiert, sich aus dem vernünftigen Diskurs komplett verabschiedet. Kaum einer der Demonstranten kann klar artikulieren, für welche Anliegen er eigentlich mit den Abgasen seines Treckers die Luft verpestet.
  • „Der Straßenkampf in Biberach war ein Tabubruch. Weil es Rechtsextremisten und Putinfans im Schatten friedlicher Bauernproteste gelungen ist, demokratische Politiker in die Flucht zu schlagen. Das war mehr als ein Hauch von Weimar“ – Georg Restle via Twitter, Screenshot.
  • Und auf Bluesky hat er sich dafür postwendend einen Konter eingefangen, den ich aber leider nicht mehr finde und daher nur aus dem Gedächtnis und ohne Nennung des Urhebers hier wiedergeben kann: „Hört endlich auf, die Mär zu verbreiten, friedliche Proteste würden von Nazis gekapert und unterwandert. Das stimmt nicht – die wollen sehenden Auges Seite an Seite mit Nazis marschieren.“ Ich glaube leider, dass da was dran ist.
  • Johanna von Koczian ist gestorben. Ich mochte die ja, fand sie in ihren Rollen immer sehr pointiert.
  • Nawalny ist tot. Recht viel mehr weiß man zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht. Ob er nun an den Haftbedingungen gestorben ist, an den Spätfolgen des Giftanschlags auf ihn oder ob man ihn einfach umgebracht hat, scheint mir aber dann unerheblich, wenn man wissen möchte, mit was für einem Regime man es mit Putins Russland zu tun hat.
    Ich bin übrigens kein Verteidiger Nawalnys, er äußerte sich oft mindestens populistisch und rassistisch. Seine Kritik am Totalitarismus des Kremls hingegen kann ich in weiten Teilen nachvollziehen. Und eines muss ich auch, obschon ich keinerlei echten Beleg dafür habe, dennoch anmerken: Dass seine Todesmeldung seitens der Gefängnisleitung mitten in die MSC platzt, scheint mir kein Zufall zu sein.
  • Vor nicht allzu langer Zeit habe ich ja versprochen, die alte VGA-Webcam so lange laufen zu lassen, bis sie den Geist aufgibt. Und das ist mittlerweile im Ansatz passiert, die Edimax-Cam wurde urplötzlich nämlich fühlbar warm und irgendetwas in ihrem Inneren begann hörbar zu zirpen. Das erweckt nicht gerade tiefstes Vertrauen – das gute Teil möchte also getauscht werden. Inzwischen ist mir ein recht preisgünstiges Angebot einer wetterfesten HD-Cam begegnet, auch der Hersteller macht einen guten Eindruck und daher lasse ich mir das neue Spielzeug einfach mal kommen. Möglicherweise gibt es demnächst HD-Bilder aus Veilhof. Wir werden sehen.
  • Kurzes Zwischenfazit zum Thema Kurznachrichtendienste/Microblogging und Fedi: Im November ´22 habe ich meine Gedanken dazu hier ja mal zusammengefasst, wirklich Wesentliches hat sich nach meiner Meinung nicht geändert. Ja, ich bespiele meinen Twitter-Account noch, meine Nutzungszeit dort hat sich aber extrem reduziert. Freilich findet ihr mich auch auf Bluesky und neuerdings auch Threads – aber Threads hat für mich gegenwärtig noch eine recht schrottige Anmutung, zumindest den Content betreffend. Bluesky ist okay, seitdem das von mit viel kritisierte „invitation only“-System vor einigen Tagen aufgegeben wurde, sammelt sich auch dort recht viel Mist vom „liberalkonservativ“ bis rechtsextremen Rand – zum Glück über Listen blockbar und auch die Moderation, die bei Twitter inzwischen kaum mehr greift, funktioniert dort noch hinreichend gut. Am zufriedensten ob der Diskussionskultur, dem fairen Umgang untereinander und der gegenseitigen Hilfsbereitschaft bin ich aber mit Mastodon. Zusammenfassend würde ich sagen: Klein, aber fein! Anfang des Monats trafen sich die mittelfränkischen „Mastodoner“ zum Fediverse-Abendessen im Fürther Cheers im Pfeifendurla, ein schöner, gelungener Abend unter Freunden. Solange das hinreichend gut funktioniert, werde ich weiterhin bei Mastodon bleiben – auch wenn manch interessante Bubble dort noch keine Heimstatt gefunden hat.
  • Ach was, wir hätten diese Frackinggasterminals gar nicht gebraucht? Da brat mir aber einer einen Storch.
  • Es ist ein wenig schwierig, darauf zu verweisen, weil ich keinen Link angeben kann, dennoch eine kleine Notiz für interessierte Kreise: In der Printausgabe der Nürnberger Nachrichten vom 20. Februar findet sich ein einseitiger Artikel, in dem dem 2010 zurückgetretenen, als „Prügel-Bischof“ bekannt gewordenen Walter Mixa abermals schwerer sexueller Missbrauch vorgeworfen wird.
  • Die FDP sieht Menschenrechte als Belastung für Unternehmen. Ich sehe die FDP als Belastung für uns alle.
  • Sehr lesenswert: Abgeordnetenwatch über die „Familienunternehmer“
  • Ebenfalls lesens- und auch sehenswert: Kinozeit stellt Wikiflix vor
  • Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ihr diesen grandiosen Podcast bisher nicht gehört haben solltet: This Band is Tocotronic. Ein Muss!

50 Jahre „The Dark Side Of The Moon“ im Planetarium Nürnberg

Letzten Samstag besuchten wir im Nürnberger Planetarium die Jubiläumsshow zum 50-jährigen Erscheinen des Erfolgsalbums „The Dark Side of the Moon – Planetarium Experience“, ein ganz interessanter (und erstaunlicher) Kulturgenuss. Ein kleiner Bericht.

Über Pink Floyds Erfolgsalbum „The Dark Side Of The Moon“ wurde bereits reichlich geschrieben, auch ich habe in meinem Büchlein „50 Rock-Alben, die man gehört haben muss“ diesem wunderbaren Album ein Kapitel gewidmet. Wer diese Platte bisher nicht hat und sie sich zulegen möchte, der hat gegenwärtig auch die Möglichkeit, das Album in einem sehr gelungenen, weil zwar behutsam gemachten und dennoch die akustische Klarheit unterstützenden Remaster zu erwerben. Dieses Album, das bis heute die drittbest verkaufte Platte der Welt ist, ist musikalisches Allgemeingut geworden.

Seit 50 Jahren, so wurde uns während der „Jubiläumsshow“ im Nürnberger Nicolaus-Copernicus-Planetarium gesagt, spiele man dort die Platte, früher zur Projektion klassischer Sternenbilder, nachdem das Planetarium aber seit einiger Zeit auch über eine „Fulldome“-Videoprojektion und eine Dolby-Surround-Sechskanal-Tonanlage verfügt, gibt es heute zur Musik auch eine mehr oder weniger psychedelische Videoshow. Abermals einen draufgelegt hat man beim städtischen Bildungszentrum nun mit dieser Jubiläumsshow, die auf mehrere Monate ausverkauft ist.

Leider war es verboten, während der Show zu fotografieren. Das ist okay und daran habe ich mich gehalten, es wäre auch müßig, über die optischen Eindruck der Show zu schreiben. Meinem Gefühl nach war die Projektion überall dort interessant, wo man als Zuschauer durch Krater oder einen Meteoritenhagel, durchs Universum fliegt. Hier liegen eindeutig die Stärken der Projektion in der Planetariumskuppel. Zudem gab es einige mehr oder weniger passende Animationen zu den einzelnen Songs, diese erinnerten mich nicht nur einmal an die gängigen CGI-Effekte der späten Neunziger – halt nur in 4K. Die Show war dennoch unterhaltsam und zum Themenkomplex Weltraum gab es reichlich „eye candy“ und eben das Meisterwerk von Pink Floyd. Das in dieser besonderen Location zu hören, ist schon ein besonderer Genuss für sich.

Der Sound im Planetarium wird dem Werk bedauerlicherweise nicht ganz gerecht. Ein wenig höhenbetont und unausgeglichen tönt es da aus den Lautsprechern, zudem hätte die Darbietung deutlich mehr Bass vertragen. Einer der Lautsprecher war defekt und schnarrte unangenehm. Schade, denn Darbietungen dieser Art geben auch Menschen, die ihre Stereoanlage aufgrund der Wohnverhältnisse nicht beliebig laut aufdrehen können, die Gelegenheit, dieses Stück Musik einmal mit einem imposanteren Schallpegel zu hören.

Insgesamt kann ich den Planetariumsbesuch durchaus empfehlen und auch die Show hat mir im speziellen Spaß gemacht. Das Planetarium am Plärrer wurde 1961 eröffnet und viele Einrichtungsgegenstände, das große Mosaik in der Eingangshalle (leider durch wenig hübsche Stellwände zum Großteil verdeckt) und nahezu die ganze Architektur sind sehenswert.

     

Zur Organisation bleibt zu sagen, dass das BZ durchaus noch daran tüfteln könnte, den Plätzen Nummern zuweisen und Platzkarten ausgeben. Schon weit vor Beginn bildete sich eine lange Schlange am Einlass – wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das muss nicht sein und das ginge organisatorisch angenehmer und glatter – wenn man denn wollte. Der Eintritt kostet 10,- Euro (ermäßigt 6,50 Euro).

Revolutionsbier.

Allzu viel ist über das Verhältnis von Marx zum Bier nicht überliefert, außer, dass Marx in mancher Phase seines Lebens dem fröhlichen Zutrinken wohl nicht in völliger Ablehnung gegenübergestanden sein muss.
Gesehen in der Schankwirtschaft Schanzenbräu, Nürnberg.

Boogies BBQ – back in business

Weit über die Grenzen Nürnbergs hinaus bekannt – in der Stadt eine Institution: Allen, die „Boogies BBQ“ in der Nimrodstraße vermisst haben, sei die frohe Kunde gebracht: Es gab erst kürzlich das Re-Opening – quasi um die Ecke!

Nach langer Zeit mal wieder ein Beitrag im „Wirtshaus-Explorer“, einfach, weil ich glaube, dass sich die Neuigkeit bislang nicht überall herumgesprochen hat: Das „Memphis-style“-Smokehouse Boogies BBQ, das vor geraumer Zeit seine Räumlichkeiten in der Nimrodstraße schließen musste, hat in neuer Location wieder geöffnet – in der Eschenstraße 25, die Zufahrt ist über die Vogelweiherstraße.

Auch wenn es vor dem Restaurant noch ein wenig nach Baustelle aussieht, drinnen ist alles fein und chic, der Laden ist doch etwas kleiner, als die in der Nimrodstraße unterhaltene Halle und deshalb rentiert es sich, vorab telefonisch zu reservieren (zumindest, wenn man zu den Stoßzeiten kommen möchte).

Das Interieur ist, wie wir es kennen: Ur-amerikanisch. Mitunter tönt aus den Lautsprechern schöner alter Delta-Blues, dazu wird langsam gesmoktes Pulled Pork, die berühmten Spareribs oder auch Burnt Ends gereicht, an unterschiedlichen Tagen gibt’s jeweils ein Special, der Smokehouse Burger ist längst kein Geheimtipp mehr.

Mehr muss man eigentlich nicht wissen. Freilich ist das „Boogies“ eine Art Imbiss, die Qualität der Speisen übertrifft die eines Imbisses aber bei Weitem – und betrachtet man Zeit und Aufwand, der zu betreiben ist, um das Fleisch langsam im Smoker zuzubereiten (etwa 24 Stunden), so ist auch der höhere Preis absolut gerechtfertigt. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass Boogies den Neustart geschafft hat – und das in quasi direkter Nachbarschaft zum alten Laden.

Blast from the past: 13 Jahre Webcam

Heute feiert die „Webcam Nürnberg-Schoppershof“ hier im Blog ihren dreizehnten Geburtstag. Zeit, ein wenig auf das Thema Webcam zurückzublicken…

Webcams – das war doch irgendwie ein Ding der späten 90er und frühen 2000er. Damals war es gang und gäbe, seinen Website-Besuchern ein wenig von der Umgegend über eine Webcam zu zeigen. Und ja, auch mich faszinierten diese sich von Zeit zu Zeit aktualisierenden Bilder aus den Webcams der Welt. Erinnert ihr Euch? Noch vor zwanzig, fünfundzwanzig Jahren gab es kaum einen Radiosender, über dessen Webseite sich nicht auch dem Moderator im Studio, den man bislang nur hören konnte, via Webcam bei seiner Arbeit zuzusehen. Und so war es ein regelrechter „Sport“, gut gemachtte Seiten mit möglichst spannenden Webcams ausfindig zu machen.

Heute ist die Webcam vom Aussterben bedroht. Auch wenn das omnipräsente Streaming z.B. über Twitch ja im Kern nichts anderes ist – die klassische Webcam, die in Intervallen ein mehr oder weniger scharfes Standbild sendet, wird immer seltener und ist ein Auslaufmodell. Dabei hängen im weltweiten Netz immer mehr von Provatleuten installierte hochauflösende Überwachungskameras – „smart home“-Anwendungen machen es möglich. Doch um solche Kameras soll es hier nicht gehen. Heute widmen wir uns dem Klassiker – der guten alten Webcam, die ihre Bilder in die Öffentlichkeit sendet.

Als erste Webcam wurde die „Trojan Room Coffee Pot Camera“ bekannt, die Anfang der 1990er Jahre im Gang vor einem Rechenzentrum der englischen Camebridge-University installiert wurde und ein 128×128 Pixel kleines Graustufenbild zuerst ins Intranet der Uni, dann ins WWW sendete. Freilich war diese Kamera nur eine Spielerei, allerdings eine mit einem gewissen Sinn, konnten doch die Universitätsmitarbeiter den Füllstand einer Kaffeekanne einer Kaffeemaschine erkennen und so entscheiden, ob sich ein Weg aus einem entlegeneren Gebäudeteil lohnt, um eine Tasse Kaffe zu holen. Interessant auch der Aufwand, der zum Betrieb dieser ersten Webcam getrieben werden musste: Es war nicht nur eine Videokamera, die auf die Kaffeemaschine gerichtet wurde, sondern auch ein Rechner mit einer Framegrabber-Karte, der das Bild digitalisierte, vonnöten – und ein Server, der das Bild verteilte.

Knappe zehn Jahre später habe ich übrigens eine ähnlich aufwändige Installation einer Webcam gesehen: Im Studio des heute nicht mehr existenten Senders „Webradio Nürnberg“ schwebte auf einem schweren Stativ als Webcam eine professionelle TV-Kamera über den Köpfen der Moderatoren, deren PAL-Bild dann von einer Videokarte digitalisiert und dann in VGA-Auflösung ins Netz gestellt wurde. Die ersten IP-Kameras mit Netzwerkanschluss hatten eine dann doch nicht hinreichende Auflösung und vor allem eine recht geringe Lichtausbeute.

Wer also in den frühen Jahren des Internets mit einem guten Webcambild überzeugen wollte, musste schon etliche Anstrengungen übernehmen, um an sein Ziel zu gelangen. Erst Mitte der 2000er waren für (zumindest etwas) kleinere Geldbeträge Webcams auf dem Markt, die sich nicht nur per USB an einen Computer anschließen ließen, sondern auch per Ethernet oder gar WLAN ein Bild ins Internet übertrugen oder auf einem Server ablegten.

Der große Boom dieser Kameras ist freilich vorbei. Nichts desto trotz gibt es sie noch, die Webcams. Welche Kameras gegenwärtig in Nürnberg noch ein Bild senden, habe ich im Sommer dieses Jahres einmal zusammengefasst.

Auch dieses Blog hat eine Webcam, primär freilich, weil ich seinerzeit mit so einem Gerät spielen wollte, letztlich habe ich für die Wettercam aber auch gutes Feedback erhalten und so ist sie über all die Jahre geblieben.

Schon 2010 habe ich diese Kamera gekauft, ein Modell des seit 1986 in Tainwa ansässigen Herstellers Edimax, das sich bereits sei 2008 auf dem Markt befand und schon damals technisch als „basic“ einzustufen war. Die einfache Kamera dürfte, so ganz genau weiß ich das gar nicht mehr, um die 50,- Euro gekostet haben. Sie hatte im Wesentlichen zwei Vorzüge: Durch das Fehlen eines Mikrofons kann niemand Geräusche aus dem Innenraum, in dem sie aufgestellt ist, abgreifen, zudem lädt sie zuverlässig in einem frei definierbaren Intervall ein Standbild auf den Server. Sehr bewusst habe ich mich damals für das einzige Modell ohne WiFi entschieden, verknüpft mit der Überlegung, dass eine kabelgebundene Lösung grundsätzlich stabiler laufen könnte. Dass dieses recht einfache Gerät dreizehn Jahre lang funktionieren wird, damit habe ich allerdings nicht gerechnet. Immer mal wieder habe ich mir zudem überlegt, eine Kamera mit höherer Auflösung anzuschaffen, aber so lange das Teil stabil läuft – wieso austauschen?

Und da steht sie nun auf dem Fensterbrett des Arbeitszimmers neben dem Freifunkrouter, seit Jahr und Tag. Das Gehäuse ist vom Sonnenlicht ordentlich ausgeblichen bzw. vergilbt, aber das macht ja erst mal nichts. Diese Kamera sendet ein Bild in der alten VGA-Auflösung, also mit 640×480 Pixeln, 24 Bit. Das ist heute natürlich reichlich antik, genügt aber dennoch, um zumindest ein Bild mit einem Wettereindruck klar ins Internet zu senden. Dabei ist jedes dieser Bilder im Durchschnitt 23 Kilobyte groß (ein sehr helles Bild ist um die 28 kB groß, ein Bild mit reinen Schwarzwerten etwa 10 kB). Alle 90 Sekunden wird ein Bild an den Server gesendet, also 40 Bilder pro Stunde, 960 Bilder pro Tag. In dreizehn Jahren war die Kamera rechnerisch 4745 Tage online, hiervon können wir realistisch zehn Tage Downtime von Internet, Strom und Server abziehen, so dass 4735 Tage als Berechnungsgrundlage angenommen werden dürfen. Es wurden in den vergangenen dreizehn Jahren also etwa 4545600 Bilder erzeugt. Das wären, allen anderen Traffic nicht mitgerechnet, etwa 104,5 Gigabyte Daten, die für dieses Webcambild an den Server übertragen wurden. Natürlich habe ich diese 100 GB nicht irgendwo auf einer Platte liegen, denn alle 90 Sekunden wird das Bild mit einem neuen überschrieben. Es existiert – und das ist auch gut so – kein Archiv.

Warum feiere ich mit einem Post den dreizehnjährigen Geburtstag eines inzwischen völlig veralteten und eigentlich auch obsoleten Stückchens Technik? Nun, zum einen bin ich ja fasziniert vo der Langlebigkeit dieses Geräts. Seien wir mal ehrlich: Wer hat schon so alte IT-Hardware tagtäglich am Laufen? Igendwie mach ich zudem dieses alte Gefühl, dass das „Web 2.0“ einem seinerzeit vermittelt hat – und dazu gehören freilich auch diese Webcams. Und so darf, solange sie funktioniert, diese Webcam noch ein wenig bleiben, aus nostalischen Gründen.

Im Test: Der „High End“-MP3-Player Phinistec Z6

MP3-Player waren vor zwanzig Jahren mal der absolut heiße Scheiß. Wer auf sich hielt und gewisse Ansprüche an so ein Produkt stellte, leistete sich einen iPod, wer nicht so viel Geld ausgeben wollte, fand eine passende Alternative in der quasi unendlich breiten Produktpalette. In Zeiten des Smartphones und des Musikstreamings scheinen MP3-Player aus der Zeit gefallen, ja überflüssig. Und dennoch gibt es sie – und nicht nur als Billigprodukt für technisch etwas weniger ambitionierte ältere Herrschaften – sondern auch als “High End”-Player für eine anspruchsvolle Kundschaft.

In diesem Segment haben sich die Firmen FiiO und Sony besonders hervorgetan und einige hervorragende sog. “HiRes-Player” auf den Markt gebracht. Deren Vorteile bestehen im Wesentlichen darin, dass sie nicht nur Lossless-Dateien wiedergeben können, sondern durch einen besonders guten Digital-Analog-Wandler die klanglichen Vorteile solcher verlustfreier Audiodateien zur Geltung bringen. Zudem sind diese im höheren Preissegment angesiedelten Produkte in der Regel auch haptisch gut gemacht. Diese Player besetzen damit eine Lücke, denn bei vielen Streamingdiensten kommt der Sound unter die Räder und die in etlichen Handys verbauten Signalprozessoren lassen selbst Lossless-Dateinen oft nur mäßig klingen.

Aber auch diese Nische ist in den letzten zwei Jahren deutlich kleiner geworden – und gute Geräte sind mittlerweile teuer. Gegenwärtig ist nur noch ein High-End-Player von FiiO zum stolzen Preis von 700,- Euro zu haben. Und auch die wenigen Sony-Geräte, die man bekommt, sind reichlich kostspielig. Kein Wunder also, dass sich nun weniger arrivierte Hersteller (chinesischer Provenienz) daran versuchen, diese Marktnische zu bedienen. Und so bin ich dieser Tage auf ein Produkt der mit bis dahin unbekannten Marke “PHINISTEC” gestoßen, das verspricht, hier ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu liefern – der Player hat die Typenbezeichnung “Z6”.

Phinistec Z6 - MP3-Player

Phinistec Z6 – MP3-Player

Auch ich habe mich zum Kauf hinreißen lassen (in Deutschland z.B. via Amazon und Ebay, international über diverse Plattformen und auch die üblichen China-Wholesale-Verdächtigen). Derzeit wird der Phinistec Z6 in zwei Varianten angeboten – mit einem internen Speicher von 32 GB für 49,99 Euro, die Variante mit 96 GB Speicher ist zwischen 70,- und 119,- zu haben. Die Spezifikationen des Players haben für den Kauf den Ausschlag gegeben. Das Gerät wartet mit einigen bemerkenswerten Features auf (zumindest auf dem Papier):

  • Wiedergabe der Formate APE, FLAC, MP3, OGG, AAC, ACELP, WMA und WAV
    1500mAh starker Akku
  • FM-Radio mit der Möglichkeit, vom Radio in WAV und MP3 aufzunehmen
  • USB-C (das ist ein Feature, weil die bei Playern dieser Art sonst üblichen Micro-USB-Buchsen schnell zum Ausleiern neigen)
  • der Player mountet 256GB microSD-Karten
  • ein eingebauter Lautsprecher, Diktierfunktion und ein AUX-Out-Anschluss sowie Bluetooth 5.0 runden das Angebot ab

Das ist eine eierlegende Wollmilchsau! Mehr kann man von so einem Player doch kaum erwarten, oder? Nun, um es kurz zu machen, man kann nicht nur, man muss. Denn trotz dieser langen und klangvollen Featureliste ist der Player vor allem eines: gruselig!

Will man den Rezensionen, die über diesen MP3-Player kursieren, Glauben schenken, dann handelt es sich beim Z6 um ein absolutes High-End-Produkt. Als “Next Level”-Player wird er da angepriesen, man attestiert ihm eine besondere Soundqualität und rühmt seine audiophilen inneren Werte. Um es kurz zu machen: Das ist leider alles Bullshit.

Phinistec Z6 - Seitenansicht

Phinistec Z6 – Seitenansicht

In der angenehm sachlich-schlichten, funktionalen Versandverpackung findet man einen stattlich 180 Gramm schweren, sich erst einmal sehr gut anfühlenden Player vor. Das Gehäuse ist aus Metall, dich mechanischen Funktionstasten ebenso. Vorder- und Rückseite sind aus Glas, die Anschlüsse für Kopfhörer und AUX funkeln gülden. Das Teil ist ein echter Handschmeichler, hier wurde nicht an Material gespart. Diese angenehme Haptik lässt darüber hinwegsehen, dass Glas bei einem Mobilgerät, das auch mal herunterfallen kann, eigentlich ein Werkstoff ist, der sich verbietet. Zudem ist das Gehäuse relativ scharfkantig und, wenn man es sich recht überlegt, auch unnötig schwer.

Bei ersten Einschalten fällt auf, dass das Display groß und scharf ist, dann aber folgt schon die erste Ernüchterung: Auf den ersten Blick ist erkennbar, dass wir es mit einem nur wenig logischen und kaum intuitiv bedienbaren Schachtelmenü zu tun haben. Die englische Bedienoberfläche ist okay, die deutsche Sprachvariante enthält teils ziemlich blöde Übersetzungsfehler, man bekommt auf dem Display ein deutsch-englisch-chinesisches Kauderwelsch angezeigt. Die Bedienung geht, sofern man den Menüpunkt, den man anzusteuern beabsichtigt, denn auch findet, flüssig von der Hand.

Phinistec Z6 - Seitenansicht

Phinistec Z6 – Seitenansicht

Die gut gefüllte 256GB-SD-Karte mountet der Player halbwegs schnell. Man kann die Dateien in den jeweiligen Ordnern ansteuern, der bordeigene “Dateibrowser” tut den Job prinzipiell, aber leider nicht ganz fehlerlos: Wurde ein Album in einem Ordner wiedergegeben, folgt nicht der nächste Ordner, sondern der Player stoppt. Das lässt sich auch nicht beheben oder einstellen. Die Dateien werden nicht in der Reihenfolge, in der sie auf der SD-Karte abgelegt sind, wiedergegeben, sondern der Player hat den alten „Dateinamenfehler“ und spielt die Dateien in der Ordnung „1, 11, 2, 21…“ Wenn Player der „early 2000s“ solche Bugs haben, na gut, heutzutage darf das nicht mehr vorkommen. Und damit ist der Z6 eigentlich schon durchgefallen. Doch es kommt, wen will es wundern, noch schlimmer:

OGG Vorbis, FLAC, MP3 und WAV-Dateien klingen allesamt flach, komprimiert, leblos und irgendwie auch dumpf. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass ich noch nie einen so schlecht klingenden MP3-Player besessen habe. Damit ist das Elend aber nicht zu Ende, im Gegenteil: Selbst bei mäßigen Lautstärken neigt der Player zum Clipping. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Der im krude verschachteln Menü gut versteckte Equalizer schafft hier keine Besserung, im Gegenteil: Der Sound wird noch schlimmer. Alleine wegen des schlechten Tons ist der Player ein Fall für die Mülltonne.
Es ist mir ein Rätsel, wie Rezensenten auf Amazon diesem Gerät einen guten Klang attestieren können. Wer der irrigen Meinung ist, dieser Player klinge gut, der hat entweder sehr niedrige Standards oder sollte sich umgehend bei einem HNO-Arzt vorstellen.

Da fällt dann schon nicht mehr ins Gewicht, dass das eingebaute FM-Radio selbst bei starken Ortssendern einen schlechten Empfang hat. Ist das Display eingeschaltet, dann wird der Empfang noch von zusätzlichen Störgeräuschen unterzogen. Auch wenn die Aufzeichnung der Radiosendungen prinzipiell ganz ordentlich funktionieren würde, nutzt sie halt nichts, wenn der Empfang so gestört ist, dass man mit dem Ergebnis nichts anfangen kann. Warum sich Aufzeichnungen nur auf dem internen Gerätespeicher, nicht aber auf der SD-Karte ablegen lassen, weiß allein der chinesische Hersteller. Der eingebaute Lautsprecher klingt reichlich leise und blechern – hier hatte ich aber auch nichts anderes erwartet. Ärgerlich ist aber, dass Bluetooth mal funktioniert – und mal nicht. Und wenn es funktioniert, dann klingt es fies.

Das traurige Fazit: Dieser Player ist leider ab Werk Elektroschrott. Keine der vielen Funktionen ist ordentlich umgesetzt und man ärgert sich jedes Mal, wenn man diesen Player in die Hand nimmt. Die solide Haptik scheint einzig und allein dem Verkauf zu dienen, denn im edlen Gewand kommt billigste Elektronik daher – die “Brot und Butterfunktionen” sind so schlecht, dass ich dringend raten möchte, vom Kauf dieses Players abzusehen. Wer “HiRes” oder gar “High End” (bei diesem Preis ist das aber freilich nicht zu machen) erwartet, sieht sich bitter enttäuscht, aber selbst für einen “normalen” MP3-Player ist das Teil einfach nicht ausreichend.

Wochenrückblick KW 37 und 38 2023

In den letzten zwei Wochen ist reichlich geschehen, die Landtagswahlen in Bayern und Hessen werfen ihre Schatten voraus – und in Bayern werden das dank Söders Wankelmütigkeit stockdunkle Schatten werden. Nun gut, gehen wir es also mal wieder an…

  • Vorletzten Sonntag hat also Weidel ein Sommerinterview bei der ARD abgeben dürfen. So was finde ich ja immer etwas elend, man sollte der faschistischen AfD keine Bühne bieten, nirgends.
  • „Spätestens, als Weidel im ARD-Sommerinterview verlautbarte, in der Niederlage des Nationalsozialismus keinen Grund zur Freude zu sehen, wäre Gelegenheit für Interviewer gewesen, mit ´An dieser Stelle beenden wir das Gespräch, denn Sie haben sich aus demokrat. Minimalkonsens selbst verabschiedet´ klare Kante zu zeigen. Die beständigen Plauschrunden mit Rechtsextremen erhellen nichts und stellen diese nicht – sie helfen in dieser Form nur dabei, braunes Gedankengut immer weiter zu normalisieren“, Nadine Milde via Mastodon
  • R.I.P, Burgi Well.
  • Gerade scheinen bei Jehovas Zeugen wieder Werbewochen zu sein. Nicht nur bei uns klingelten sie am letzten Samstag an der Wohnungstür, auch bei anderen im Viertel, wie ich soeben über Mastodon erfuhr. Früher habe ich mir immer einen Spaß daraus gemacht, mit denen zu diskutieren. Meine These, die ich denen gerne überhelfe, ist: „Dieser Jesus Christus ist doch der erste Sozialist der Welt“. Der hat die Händler aus dem Tempel gedroschen, „Die Letzten werden die Ersten sein“, er saß bei den Kranken, bei den Huren… Wenn das nicht genügt, kann man noch eine Schippe drauflegen: „Aus der Bibel hätte sich Marx bei seinem´Kapital` noch ein paar Scheiben abschneiden können!“, man denke an das Sabbatjahr, den Schuldenerlass, Gottes Gebot eines Ruhetages in der Woche… „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ Für mich war in der Vergangenheit deren Reaktion immer sehr interessant, denn diese Thesen stelle ich ja nicht auf, um sie zu ärgern (das wäre reine Selbstzweck), sondern um zu hören, was die äußerst bibelfesten Zeugen dazu zu sagen haben. Und die haben mit diesen Thesen durchaus ein Problem, weil sie nicht nur den Sozialismus ablehnen, sondern jedwede politische Betätigung. Besagte Strategie ist aber nicht als Empfehlung zu verstehen, die Zeugen schnell wieder loszuwerden – der Schuss ginge garantiert nach hinten los. Mittlerweile klingeln die „Zeugen“ aber zu Tages- bzw. Uhrzeiten, zu denen ich gewöhnlich noch zu schlafen pflege und daher musste ich die leider in der letzten Zeit immer rauswerfen.
  • War Jesus ein Sozialist? Es gibt sogar einen Bund religiöser Sozialisten.
  • „Angry“ von den Stones. Nicht der Top-Hit, aber gut hörbar. /via
  • Ich war lange Jahre in der IG Metall. Und obwohl Walter Riester weiland auch zweiter Vorsitzender der IG Metall war, hat es meine Gewerkschaft (bzw. unsere hiesige Verwaltungsstelle) nicht versäumt, vor der Riester-Rente zu warnen. Auch Felix von Leitner wusste seinerzeit, dass die Riester-Rente nichts taugt. Nun stellt sich heraus, dass die Riester-Rente eigentlich nichts anderes ist, als ein Geschenk an die Banken. Btw. kann ich die IG Metall in dieser Hinsicht nicht nur entlasten. Gestern erfuhr ich, dass Beschäftigte mit Metalltarifvertrag ihre vom Arbeitgeber zugestifteten VWL gegenwärtig nur in solche Finanzmarkt- und Rentenprodukte stecken dürfen, nicht aber zum Beispiel in klassische Bausparverträge. Schon krass.
  • CDU und FDP sind, man kann es nicht anders sagen, eine Schande für unser Land.
  • „Man kann sich im Zweifel nicht mehr darauf verlassen, dass Konservative und Liberale die radikale und extreme Rechte von den demokratischen Institutionen fernhalten. Und genau so sterben Demokratien: nicht durch die Revolution der Rechten, sondern auf Einladung der Moderaten.“ Marcel Lewandowsky
  • Was mich dieser Tage sakrisch geärgert hat: Die IG Metall hatte als eine der zentralen Forderungen für die Tarifrunde Stahl die Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich. Eine gute, eine gerechte Forderung, da die Arbeiter in den letzten dreißig Jahren von den durch Automatisierung und Digitalisierung eklatanten Gewinnsprüngen nichts bekommen haben – viel mehr noch: Viele Jahre hindurch mussten sie trotz moderater Tariferhöhungen Reallohnverluste hinnehmen. Die Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich wäre hier eine nicht nur längst überfällige, sondern notwendige und moderne Beteiligung der Beschäftigung an den Gewinnen ihrer Arbeitsleistung. Allerdings verabschiedet sich die IG Metall peu à peu von ihrer Forderung. Nicht sofort, denn dafür war man zu laut, hatte das Maul zu weit aufgerissen und für diese Forderung zu große Zustimmung in der Arbeiterschaft erhalten. Nun also ist dieser wichtige Punkt auf 2024 verschoben – und wir wissen, was passieren wird: Man verschiebt und verschiebt und verschiebt…, fordert erst mal eine etwas ominöse Arbeitszeitverkürzung –  irgendwann ist die Forderung so nebulös, dass sie unter den Verhandlungstisch fällt. Und mal wieder startete man als Tiger und landete als Bettvorleger.
  • Die CDU ist zu dumm, ein Loch in den Schnee zu pissen ein vernünftiges Werbevideo drehen zu lassen. Schon der Relaunch des Parteilogos ist aus gestalterischer Sicht ein Fiasko, beim dazugehörigen Werbevideo hat man zur Illustration anstelle des Berliner Reichstagsgebäudes einfach den georgischen Präsidentenpalast genommen – ist auch egal, den Stammwählern der CDU dürfte das kaum auffallen, weil… ach, wissenschon.
  • In Thüringen droht der nächste Tabubruch: Nach der Grundsteuer könnte die CDU auch das Vergaberecht mit Hilfe der rechtsextremen AfD ändern“
  • Nach Treffen mit Aiwanger: Schuster hält Kritik aufrecht – Schuster ist einer der wenigen, der in der Causa Aiwanger bisher nicht umgefallen ist. Derweil erreichen die FW in den Umfragen zur bayerischen Landtagswahl bis zu 17 Prozent.
  • Ich empfinde es ja als Segen, nicht auf Insta, Tiktok und Co. unterwegs zu sein, weil dieses Internet die Menschen nicht zwingend klüger macht, wie die neueste Trend-„Challenge“ zeigt.
  • Und noch eine Meldung aus den Untiefen des Netzes, die mich nur sehr am Rande berührt, allerdings recht trefflich demonstriert, wie kaputt das hier alles ist: Amazon Prime habe ich längst nicht mehr, aus gutem Grund. Gelang es dem Versender früher immer noch recht zuverlässig, die bestellten Waren im Nachtsprung, spätestens aber nach maximal 48 Stunden zu liefer-n, ist man von diesem guten Servicelevel selbst mit der teuren Prime-„Versandflatrate“ inzwischen weit entfernt. Weil es sich, betrachtet man den Versand isoliert, kaum mehr lohnt, Prime zu abonnieren, hat Amazon sein Angebot um Medienstreaming aufgebohrt – mit, wie ich finde, zweifelhafter Qualität. Nun wird diese zweifelhafte Qualität noch zweifelhafter, denn wer zukünftig den wohlgemerkt kostenpflichtigen Dienst werbefrei nutzen will, muss zu den ohnehin schon bestehenden Abonnementgebühren noch einen zusätzlichen Aufschlag zahlen. Nun, das Konsumvieh wird auch das wieder klaglos mitmachen. Die Leute wählen ja auch Söder, Aiwanger und AfD. Ich habe da mittlerweile halt auch kein Mitleid mehr.
  • Am Dienstag, den 26. September kommt ab 18.30 Uhr Gregor Gysi nach Nürnberg auf den Sebalder Platz. Gysi ist unumstritten nicht nur rhetorisch, sondern auch analytisch der schärfste und wohl auch vernünftigste lebende deutsche Politiker. Den sollte man auf jeden Fall gesehen haben. Auch mehrfach. Gysi lohnt immer.

Vor 50 Jahren: Militärrputsch in Chile gegen Menschlichkeit und Demokratie

Heute vor 50 Jahren putschte mit massiver Hilfe der CIA und unter Beteiligung des BND die chilenische Militärjunta unter dem Diktator Augusto Pinochet gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Allende.

Vieltausendfache Morde, zehntausendfache Folter zeigten der Weltöffentlichkeit die ungeschminkte, hässliche Fratze des kapitalistischen US-Imperialismus und lehren uns bis heute, welches bittere Elend der Kapitalismus mit sich zu tragen vermag. All dies ist die Folge der blutigen, libertärkapitalistische Diktatur Pinochets, der nie demokratisch in ein Amt gewählt war.

Chile ist ein Lehrstück dessen, wohin der Neoliberalismus und Rechtslibertarismus in letzter Konsequenz führen muss. Die Verbrechen der USA sind bis heute weitestgehend ungesühnt.

Es ist an uns, die Erinnerung an den Putsch und seine Folgen wachzuhalten. Kerem Schamberger hat hierzu drei interessante Hörfunksendungen bzw. Podcasts aufgetan: Santiago 1973 – Chronik eines Putsches (MDR), Dok 5: Pinochets deutsche Paten (WDR) und eine „Lange Nacht“ des Deutschlandfunks: Revolution und Widerstand der chilenischen Kultur.

Wir werden die Opfer nicht vergessen!

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