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Technics stellt den 1210er ein…

… und ein Raunen und Jammern geht durchs Netz.

Wie das ZDF auf seinen Seiten berichtet (Danke, Marcus), will Technics die Produktion der legendären DJ-Plattenspieler einstellen. Und die DJs sind natürlich geschockt.

Für den DJ mag die Einstellung der Produktion dieses Drehers durchaus ein nachvollziehbarer Verlust sein, ist er doch recht robust und für die „Arbeit“ an der Platte prima geeignet. Allerdings muss ich den DJs auch entgegnen, dass es inzwischen von vielen Herstellern etliche mindestens genau so gute Plattenspieler – auch mit Nadelbeleuchtung, Pitchfader, Strobe und kurzer Anlaufzeit als Direkttriebler gibt. Da braucht man den Technics nicht mehr wirklich – auch wenn ihm sozusagen „Respekt“ gebührt als Urvater dieses Plattenspielertyps.

Insgeheim konnte ich den 1210er noch nie richtig leiden. Die Optik ist fast schon klassisch und im Heimgebrauch scheint er nahezu unverwüstlich – aber ist auch nicht besonders gut. Klanglich steckt nämlich um Welten mehr in den schwarzen Rillen, als dieses Ding wiederzugeben in der Lage ist (und die Nachbauten sind unter klanglichen Gesichtspunkten nicht selten besser als das Original). Als Grund hierfür mache ich im Besonderen den Tonarm dafür verantwortlich. Zwar war die Idee des „Knicks“ in den 1980er Jahren ein gerne verwendeter Standard und rein rechnerisch vermag dieser Knick auch etwas um Spurwinkelfehler korrigieren, aber ein gerader Arm mit weniger „Einstellgedönz“ klingt trotzdem besser. Die Sache mit dem Gegengewicht am Technics-Arm empfand ich auch immer als ein bisschen provisorisch – das Auflagegewicht hat bei den 1210ern nie gestimmt. Der DJ fährt seine Platten gerne mit hohem Nadeldruck – da kann er besser scratchen und der Bass kommt auch dicker. Auf Dauer ist das nicht gut für die Platten und ich will einen Spieler, bei dem das Auflagegewicht – einmal eingestellt und nur gelegendlich nachjustiert – auch stimmt. Gerade bei der Wiedergabe leiser Sequenzen versagen diese Technics im Hinblick auf Transparenz. Wo viele bewegliche Teile sind, da entsteht früher oder später auch ein Spiel. Ich habe schon einige Technics gesehen, die durch verhältnismäßig kurzen Discobetrieb derart runter waren, dass sie entsorgt gehörten. Auch bei diesen Geräten gibt es Qualitätsunterschiede.

Versteht mich nicht falsch – die Technics-DJ-Dreher sind keinesfalls Schrott, aber 500 Steine muss man für das Gerät schon anlegen, und dafür bekommt man schon einen wesentlich musikalischen kleinen Rega mit dem RB250 oder gar 300er Arm – das ist einfach eine andere Liga.

Im Übrigen: Da hat das ZDF mal wieder unsauber recherchiert: Thoranz Thorens hat derzeit keinen Diskodreher im Programm und meines Wissens hatten die auch noch keinen. Was wundert, denn das Niveau, dass Thorens im Mittel erreicht, ist in etwa so hoch, wie das der Discodreher. Ich hatte auch mal einen Thorens, davon war ich nach einem dreiviertel Jahr aber gründlich geheilt – und ich werde mir auch keinen mehr kaufen…

Die DJs werden sich mittelfristig nach Alternativen umgucken dürfen – aber die gibt es.

Ein Kommentar

  • Thorsten

    uuuiiiii….das war der DJ-Dreher überhaupt. Naja, von denen arbeitet heutzutage jeder nur noch mit mp3.
    Deswegen nicht verwunderlich, aber sehr schade.

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