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Radiobasteln 1.0: Der Franzis Jubiläums MW-Radiobaukasten angetestet

Zum 60. Jubiläum des Franzis-Verlags brachte selbiger einen Radio-Bausatz heraus – ein Mittelwellen-Geradeausempfänger mit einem IC und einem Transistor, also eine Einfachstschaltung für, so möchte man meinen, Ortsempfang, am Abend (das ist erst mal nicht verwunderlich) verspricht der Hersteller aber auch Fernempfang. Geliefert wird der Bausatz in einem stabilen Pappkarton, der auch als Gehäuse dient. Das „Lautsprechergitter“, die Aussparung für Drehspulinstrument, Drehkondensator… sind vorgestanzt.

Der Empfänger soll auch von ungeübten Jugendlichen aufgebaut werden können – das halte ich für ein Gerücht – aber dazu später mehr. Nach dem Öffnen des Kistchens finden sich die Bauteile in einem Plastikblister übersichtlich verpackt – dazu eine Aufbauanleitung (ein tiefergehender Bestückungsplan fehlt – diese Info kann aber auch dem Begleitheft entnommen oder selbst ausgeknobelt werden) – die Platine ist sehr klein etwa 3 mal 4 cm) und dementsprechend schwer zu bestücken. Hier muss noch gesagt werden, dass ich mit der Qualität der gedruckten Schaltung nicht zufrieden bin, denn bei einmaligem Löten und Entlöten ist ein sicherer elektrischen Kontakt nicht mehr gewährleistet.

Ich habe also die Platine bestückt, alles was frei verdatet wird, hat Nadine gelötet (und sie kann das aufs erste Mal wesentlich besser als ich).

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Wie auf den Bildern zu sehen, ist die entsprechend bestückte Platine verdrahtet, doch es kommt nur Rauschen aus dem Lautsprecher, kein Empfang – auch nicht im Testlauf (nicht eingebaut im Kistchen). Das Drehspulinstrument schlägt unterschiedlich aus, es sollte klappen, aber es wird nichts (!!) empfangen. Vielleicht habe ich den Drehkondensator falsch angeschlossen (am Durchschluss) angelötet, da experimetier ich die Tage noch dran rum. Aber ein bisschen enttäuscht bin ich schon. Besonders, weil ich zu doof bin, den Fehler zu finden.

Pädagogische Bewertung:

Dieser Bausatz soll für ältere Kinder und Jugendliche geeignet sein. Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen, denn der Aufbau der Platine ist für Ungeübte, also für Jugendliche, die noch nie gelötet haben, fast nicht zu bewerkstelligen. Zu gedrungen ist sie aufgebaut, zu wenig Kontaktfläche ist dem Anfänger gewährt, zu groß ist die Gefahr, dass bei unvorsichtigem Arbeiten ein Fehlkontakt durch Überbrückung entsteht. In zwanzig Minuten soll das Dingens zusammengeklöppelt werden – wir haben zwei Stunden dafür gebraucht.

Und am Rande: Mit Hausmitteln ist die Fehlersuche quasi nicht möglich. Daher würde ich diesen Bausatz jungen Jugendlichen nicht unkommentiert geben – sie brauchen hier mit Sicherheit an der ein oder anderen Stelle fachlichen Support.

Dabei kann vor allem eins gelernt werden: Präzises Löten. Eine gute feinmotorische Umsetzung ist bei der Bestückung der Platine aber auch beim Anlöten des Drekos und den äüßerst feinen Litzen der Antennenspule  Pflicht. Für Lötneulinge ist das nur schwer zu hinzubekommen. Durch den vordefinierten Aufbau und das Fehlen jeglicher Hinweise zum Troubleshooting lässt sich zudem wenig über den Schaltungsaufbau im speziellen und Rundfunktechnik im Allgemeinen lernen. Denn die „Hauptarbeit“ macht der IC für Mittelwellenempfang – und wenn man in den hineinguckt, dann ist er kaputt. Da gibt es wesentlich bessere Bausätze (gerne auch zum Stecken), die auch besser (und zielgruppengerechter) kommentiert sind.

Eins sei dem Bausatz aber zugutegehalten: Trotz der etwas happigen UVP von 25 Euro gibt es das Ding an jeder zweiten Ecke für ´nen Zehner. Und das ist richtig günstig.

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