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Ob sich HD+ wirklich durchsetzt?

Nach der Lektüre dieser Heise-News musste ich hart lachen: Es scheint, dass sich HD+ nicht so recht durchsetzt und die Kunden mehrheitlich nicht gewillt sind, die „Infrastrukturabgabe“ zu blechen – warum auch?

Die Argumentation der Heise-Redaktion scheint mir durchaus schlüssig: Wer sich im letzten Jahr zu Beginn von HD+ einen entsprechenden Receiver kaufte, hatte nicht die große Auswahl und dürfte das aller Erfahrung nach erst nach reiflicher Überlegung getan haben, denn schon damals sprachen gute Gründe gegen so eine Anschaffung.

Inzwischen aber dürften etliche Receiverbesitzer nach Ablauf der einjährigen „kostenlosen“ HD+-Nutzung nicht mehr „zurückkehren“, denn der Mehrwert ist zweifelhaft, sind die HD-Sender doch in normaler Auflösung alle noch zu sehen. Und ohne Not geben nur wenige den Fuffie aus für RTL, SAT 1, Pro 7 und Konsorten.

Wer in der letzten Zeit Privatsender gesehen hat, dem dürfte die aufwändige Werbekampagne für HD+ kaum entgangen sein. Wer sich HD+ holt, der erkauft, der Link zum alten Beitag zeigt es ja, dies mit erheblichen Nachteilen. Ich bin kein Fan von HD+ und ich würde es mir auch nicht anschaffen. Gegen HD+ spricht eine Reihe von Argumenten:

  • Auch wenn die HD+-Smartcard im Bundle mit einemneuen Receiver angeboten wird, ist dies mitnichten kostenlos, denn die Nutzung gilt nur für ein Jahr, dann muss eine neue HD+-Karte angeschafft werden
  • Selbst wenn die Smartcard im ersten Jahr subventioniert wird, ist ein HD+-Receiver immer noch das teurere Gerät, denn der Receiver braucht mit dem Smartcard-Reader ja entsprechend aufwändigere Hardware
  • Die HD+-Sender werden kostenlos auch in normaler Auflösung gezeigt. Diese ist i.d.R hinreichend gut. Man sollte sehr kritisch prüfen, ob Privatfernsehen in HD einen echten Mehrwert bietet. Bei der durchschnittlichen technischen Ausstattung im Speziellen und der Programmqualität im Allgemeinen dürfen hieran durchaus Zweifel angemeldet werden
  • Jeder sollte freien Zugang zu frei empfangbaren Programmen haben. HD+ ist politisch betrachtet hier kontraproduktiv. Werden die SD-Sender irgendwann einmal abgeschaltet, hat sich hier ein „quasi-Pay-TV“ etabliert. Maßgabe der Lizenzierung war seinerzeit ja die Finanzierung des Sendebetriebs durch Werbung. Das könnte durch die HD+-Bestrebungen aufgeweicht werden (allerdings: Solange es nur so wenige Abonnenten von HD+ gibt wie derzeit, wird es die beteiligten Privatsender auch in SD geben, denn sonst wäre die Verbreitung ja unrentabel gering)
  • HD+ lässt sich technisch nur schwer und unkomfortabel mit anderen Pay-TV-Angeboten parallel betreiben

Warum HD+ weiter nicht taugt, zeigt auch ein guter Kommentar bei Sat & Kabel, den ich ob seines Wahrheitsgehaltes und seiner Pointiertheit hier verlinke. HD+ kann nur dann ein Erfolg werden, wenn RTL und Co. ohne HD+-Receiver gar nicht mehr frei empfangen werden können – vorher braucht das doch keiner so richtig. Und dann, so kann ichmir vorstellen, segmentiert sich der Markt in mindestens zwei Teile: Die Unterschicht holt sich HD+, der Rest verzichtet auf die großen Privatsender. Ich selbst sehe nur selten privat und hätte mit einem Verschwinden von RTL… von meinem Fernsehschirm genau gar kein Leiden. Ob man seitens der privaten dieses Risiko eingeht, ist auch fraglich. Wenn ich diese Art von Programm wollte, würde ich mir schon die Frage stellen, ob ich dann nicht lieber gleich zu Sky gehe, wenn es denn schon Pay-TV sein muss. Ich kann mir derzeit nicht vorstellen, dass man seine Werbebasis so gefährdet. Der Rest passiert ja sowieso im Internet.

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