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myspace geht zum „Schnäppchenpreis“ über den Ladentisch

Wenn ich über soziale Netzwerke wie Orkut oder myspace schreibe, komme ich mir immer ein bisschen vor wie ein Veteran, der über alte Zeiten berichtet. Ungeachtet dessen gibt es diese Netzwerke und gerade in der Subkultur lebt myspace – nur eben „schlechter“ als prognostiziert. Und so ist es zu einem wirklich interessanten Deal gekommen: Rupert Murdochs News Corp bekommt gemunkelte 35 Millionen Dollar dafür, hatte weiland aber 580 Millionen Dollar dafür bezahlt. Neuer Besitzer ist die US-amerikanische Werbeagentur Specific Media.

Um das Jahr 2006 herum war myspace das, was facebook heute ist, das größte softwarebasierte soziale Netzwerk. Dann kamen facebook (und andere) und zogen die Nutzer weg – myspace bot ein Lehrstück, was passiert, wenn der lock in der User nicht gelingt. Weiterhin könnte man das ganze als eine Notbremsung betrachten – als, wie auf tagesschau.de zu lesen ist, gigantisches Verlustgeschäft:

Damit hätte Murdoch jede Menge Geld verbrannt: Er hatte MySpace 2005 für damals 580 Millionen Dollar geschluckt und investierte noch stark in die Weiterentwicklung des Netzwerkes.

Aber ist das wirklich so? Gut, Murdoch hat das Dingens verdammt teuer eingekauft – aber er hatte nicht nur theoretisch die Chance auf satte Gewinne. So steht in der Wiki zu lesen:

Im August 2006 wurde eine Kooperation mit Google vereinbart, die vorsieht, dass die Google-Suche sowie Google AdSense in MySpace integriert wird. MySpace erhielt dafür zwischen 2007 und 2010 mindestens 900 Millionen Dollar.

Das sind verdammte dreihundert Millionen Dollar pro Jahr (!!) nur aus dem Google-Deal! Damit hat sich die Akquisition von myspace locker für News Corp. amortisiert, es sei denn, man hat anderweitig enorme Summen mit dem Ding verbrannt (und das muss wohl der Fall sein, den wenn myspace dennoch Verluste schrieb und jetzt für einen Bruchteil des Kaufpreises verhökert wird??).

Und: Wenn myspace wirklich so am Hund ist, was will dann Specific Media damit? Geld machen und das tun, was auf myspace schon immer getan wird, Bandseiten klicken lassen und ein interessantes Netzwerk für Musikliebhaber und Künstler weiterbetreiben. Und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die investierte Kohle verdammt schnell wieder reinbekommen. Damit das auch klappt, holt man sich einen „Zieher“ an Bord: Justin Timberlake.

As part of the deal, Emmy and Grammy winning artist Justin Timberlake will also take an ownership stake and play a major role in developing the creative direction and strategy for the company moving forward. Specific Media and Timberlake plan to unveil their vision for the site in an exclusive press conference later this summer. (Quelle: Pressemitteilung)

Ei guck. So sieht also der Sanierungsplan aus. Gar nicht so doof – und möglicherweise tut das myspace gut, denn welche großen Musikcommunities gibt es schon? Apples Ping würde mir da einfallen, aber so richtig die Welt geht dort auch nicht.

Das Interessante an der Sache aber ist, dass man angesichts dieses Deals schon die Frage stellen muss, ob wir nun eine neue Internet-Blase bekommen und o ein erstes Ding damit geplatzt ist. Man erinnere sich an die sog. „New Economy“ – von der nur ein Haufen Asche ob des verbrannten Geldes übrig blieb. Nun, sowas kann sich wiederhlen – man stelle sich nur vor, was passiert, wenn nun Facebook-Jünger auf Pilgerschaft zu Google Plus gehen. Auch Holtzbrinck hat sich mit seinem StudiVZ-Deal keinen Gefallen getan… Es gilt also, besonders, wenn man investieren will, abzuwarten und vorsichtig zu sein.

2 Kommentare

  • OttoKrüja

    Schon alleine die voraussehbaren Aufstiege und Niedergänge machen doch jedes dieser nach ‚Schema F‘ gestrickte soziale Netzwerk auf Dauer uninteressant.
    Gesetzt der Fall, man will sich dem nicht verweigern, muß man ständig ‚umziehen‘, jedesmal ein neues Profil einrichten, alle Bilder neu hochladen etc. pp. Das ist doch anstrengend! Ich selber bin noch bei myspace, aber wenn das den Bach runtergeht, soll’s mir auch Wurst sein, ick werd ’nen Teufel tun und irgendwo hinterherziehen.

  • admin

    Das kann ich gut verstehen. Dann kannst Du Dir ja mal das hier ansehen: http://smm-blog.de/2011/05/29/facebook-ist-tot/
    Da hättest Du theoretisch Derin SN, bei dem Du keine Plattform wechseln musst.
    Aber das ist halt noch etwas ergebnisoffen und ziemliches Techiegefrickel….

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