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Goodbye, my Mac, goodbye!

Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Angefangen hat alles mit einem Geschenk eines sehr guten Freundes, einem PowerBook 3400 – ich war Mac-infiziert. Und dann nahm die Geschichte ihren Lauf. In guten zehn Jahren habe ich neben dem vorgenannten PowerBook auch ein iBook G4 und ein MacBook besessen, außerdem einen iMac DV, einen PowerMac Dual (MDD-Edition) und nun einen Mac mini. Außerdem einen iPod der 3. Generation mit Firewire-Anschluss 40GB und einen iPod Video der 5. Generation 30GB. Und nun ist Schluss! Ich habe keinen Bock mehr!

Wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, dass ich mir einen Windows-PC kaufen werde, hätte ich ihn ausgelacht. Schallend. Mir war immer klar: Macs sind die besseren, schöneren Rechner. Bessere Rechner für bessere Menschen. Ein fataler Irrtum.

Damals mag da vielleicht sogar etwas drangewesen sein – ein G4 war verdammt gut gebaut, performte zu seiner Zeit unglaublich gut und hatte das hübschere und technisch gesehen auch bessere OS. Es war nicht nur was besonderes, einen Mac zu haben, es war auch etwas besonderes, einen Mac zu nutzen. An die Zeit des Umstiegs von Windows 2000 zu Mac OS erinnere ich mich noch recht gut, der erste Rechner mit OS X war eine Offenbarung. Ich hatte das Gefühl, mit einem Rechner noch nie so produktiv gearbeitet zu haben.

In dieser Zeit lernte ich viel: Wie man mit so einem Mac einen P-RAM resettet und wie man nicht-zertifizierte Hardware (ich hätte es schon früher merken müssen!) trotzdem funktionsfähig ins eigene System einbindet. Und dergleichen mehr.

Heute steht mir der angefressene Apfel bis zum Hals. Ich bin es leid! Sowas von.

Zu Zeiten des PowerPCs waren meine Zeiten mit dem Mac noch ungetrübt: Die Verarbeitung der Hardware war grandios gut, bei jedem noch so kleinen Teil spürte man die Qualität, alles schien wie für ewige Zeiten gebaut und lief und lief und lief. Mit dem Switch von der PowerPC-Architektur hin zu Intel wurde vieles schlechter. Zuerst habe ich davon nichts bemerkt, der G4 und das iBook funktionierten ja prima. Nur: Irgendwann war auch ich zum Umstieg gezwungen, gab es längst nicht mehr alle Software als universal binary. Und so kaufte ich den damals günstigsten Rechner der Apple-Linie, einen Mac mini. Mit dem war ich, trotz der geringen Performance, ein Jahr zufrieden, dann fingen leichte Zicken an, ich installierte das System neu, ließ Hardware-Diagnose-CDs durchlaufen (ohne Befund) und mit der Zeit wurden die Kernel Panics, die zum sofortigen Shutdown zwingen – das System steht dann – immer häufiger. In den letzten Tagen war das dann der Regelzustand, der mini war nicht mehr startbar.

Auch wenn ich es selbst nicht geglaubt hätte (und auch wenn ich mich nach jahrelanger Abstinenz echt noch etwas unsicher in der neuen Welt fühle): Ich habe mir einen PC gekauft, genauer gesagt: Ein lenovo ThinkCentre mit Win 7 Professional. Und so mach einer, der mich kennt, wird sich nun am Kopf kratzen und fragen, was in mich gefahren sei.

Ich will es kurz in wenigen Stichworten erklären: Ich bin mit Macs nicht mehr zufrieden, weil…

  • … die Hardware inzwischen nicht mehr „Premium“ ist sondern vergleichsweise lausig in der Qualität. Die Geräte, die seinerzeit in California hergestellt oder assembled wurden, waren wirklich solide und als qualitative Premiumprodukte anzusehen. Die Rechner, die heute bei Apple vom Band laufen, halte ich persönlich allein von der Verarbeitung her für Ramsch. Zwar werden hie und da etwas edlere Werkstoffe eingesetzt – das Innenleben, besonders das der einfacheren Maschinen, besteht aber wirklich aus veralteter und windiger Technik. Das ist keine Freude.
  • … die Hardware ist im Vergleich zu qualitätvoller PC-Hardware mindestens doppelt so teuer, vergleicht man den einfachsten PowerMac mit einem mindestens so performanten PC, dann ist das Gerät sogar dreimal so teuer. Im Mac steckt aber ein Standard-Prozessor und viele Standardbauteile. Der Preis für die Apple-Hardware ist durch nichts mehr zu rechtfertigen. Auch nicht durchs Design.
  • … der Support beschissen war und die Garantiebedingungen und Leistungen von Apple mit Fug und Recht als beschissen bezeichnet werden dürfen. Der Support von Apple war zu mir ausnahmslos muffig, arrogant und leider auch völlig inkompetent. Wer einen Mac kauft, der hat nur ein Jahr Garantie – es sei denn, man kauft sich zu Mondpreisen einen CareProtection Plan. Das ist in meinen Augen ziemlich dreckig. Bei jedem anderen Rechner habe ich zwei Jahre Gewährleistung, oft erweitern die die Hersteller oder Händler auf drei Jahre.
  • Apple wird langsam echt dreckig. Heute geisterte durch die Ticker, dass Apple in Europa den Verkauf unterschiedlicher Tablets zu unterbinden sucht. Tablets sind aber mitnichten eine Erfindung von Apple, die gab es schon um das Jahr 2000 – nur damals wollte die kaum jemand.
  • Ich brauche einen Computer, klein Lifestyle-Produkt. Apple liefert in meinen Augen mehr und mehr Lifestyle und immer weniger Computer. Das zeigt das iPhone – eigentlich ist das kein gutes Telefon, es enthält unsinnige Limitationen und ist geschlossen wie ein Keuschheitsgürtel. Und so wundert es wenig, dass das iPhone mehrheitlich von Hipstern in den Pfoten gehalten wird. Oder von Unterschichtlern, die gerne Hipster wären. Das ist nix für mich. Ähnliches darf für die iPads gelten, ein Device, das im Jahr 2011 nicht in der Lage ist, mit Flash umzugehen. Und das nicht, weil es technisch nicht ginge, sondern weil Apple Inhalte über seine Plattformen vertricken will. Mit DRM. Sorry, bei dem Blödsinn mache ich nicht mit. Ich bin ach kein Unterschichtler und auch kein Hipster, gehöre also nicht zur Zielgruppe.
  • PC-Software ist in aller Regel billiger und wenn ich mal wieder einen Kaffee oder ein Spezi in die Tastatur fließen lasse, bekomme ich für ein paar Euro Ersatz – und ich muss mich nicht um eine teure Spezialtastatur bemühen, die nur in Shops mit vergeistigten Mitarbeitern geführt wird, in deren Gegenward man sich um sein Karma fürchten muss.

Ja, OS X ist ein schönes Betriebssystem und ich hatte in all den Jahren nicht ein einziges Mal Probleme mit Viren oder Trojanern. Aber ich musste ob der mangelhaften Hardwarequalität viel Geld in neue Apple-Hardware stecken. Möge jeder befinden, was besser ist. Für den PC habe ich nun mal eine russische Antivirensoftware geordert – ich bin guter Hoffnung, dass das klappt.

Bisher vermisse ich am PC nichts. Win 7 ist nicht annähernd so usable und hübsch wie OS X – aber es läuft – sehr zu meiner Verwunderung – auf einer Paarhunderteuromaschine nich langsamer. Und ich gewöhne mich an das neue Feeling, obschon es mir lieber gewesen wäre, wenn meine Macs einfach weiterfunktioniert hätten. Der Umstieg gestaltet sich noch nicht ganz reibungslos, denn Windows ist hier und da echt tricky. Aber auch damit werde ich umgehen lernen.

Zum Schluss dieses Posts noch eine kleine Anekdote: Als der Mini kaputt ging, habe ich zuerst einmal im MacStore geguckt, was nun ein Rechner ohne Notebooktechnologie kostet. Mir kamen die aufgerufenen 2100,- Euro für den kleinsten MacPro zuerst auch ziemlich normal vor. Erst als ich nach unterschiedlichen Prozessoren googelte und immer wieder über Angebote von Desktop-PCs stieß, wurde mir klar, dass die Preise der Macs – gemessen an ihrer Leistung – wirklich jenseits von gut und böse sind. Und ich kann auch sagen: Das lenovo-Ding, das ich bestellt habe, war bei weitem nicht der billigste Rechner, der zu haben war und nichts desto trotz kostet er nur einen Bruchteil vom MacPro. Auch wenn es mir schwerfällt, mir das selbst einzugestehen: Ich habe mich mehrere Jahre ziemlich verarschen lassen. Warum eigentlich? Wie konnte ich beim Thema Computer, einem Thema, dem ich doch recht nahe bin, mein Hirn so aushängen? Ich hatte mir immer PCs angeschaut – ich wusste über die Jahre eigentlich auch immer so ungefähr, was die Dinger leisten und können. Aber auf den Preis habe ich nie geachtet – ich musste das auch nicht, weil ich mir immer einredete „Das ist eh nichts für Dich.“. Und nun habe ich einen PC. Und einen DAB+-Empfänger für den Rechner, der nicht unter OS X tut, obendrauf. Mit Windows (7) habe ich am Netbook schon erste Erfahrungen gesammelt. Nun ist das Wiedergewinnen von Souveränität als Nutzer das Challenge der nächsten Wochen. Und in Demut und auch ein wenig überrascht muss ich feststellen, dass das Spaß machen kann.

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