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Freddy Quinn

Das dieser alberne Steuerhinterzieher schon anno 66 nicht mehr ganz alle Latten am Zaun hatte, beweist dieses Lied – da musste ich sehr lachen.

Saulustiger Fehlriff eines Schlagerbarden: „Wir“.

Aber bei der B-Seite der ollen Polydor-Platte wurde mir dann richtig übel…

Der Typ ist ja richtig kaputt. Das ist ja noch schlimmer als „Du bist Deutschland“…

8 Kommentare

  • Quincy

    Wenn jemand meint, den erfolgreichsten deutschsprachigen Sänger – 10 Nr.1-Hits – in den Dreck ziehen zu müssen, dann sollte er zumindest die Rechtschreibung beherrschen (Hinweis auf das erste Wort im Kommentar zum Song „Wir“).
    Historisch gesehen hatten beide Titel dieser Polydor-Platte einen realen Hintergrund. Der Song „Wir“ behandelt das Phänomen der Gammlerbewegung der Jahre 1965/66 vielleicht etwas zu apodiktisch, ansonsten ist es eine in der Demokratie zulässige Stellungnahme.
    Und „Eine Handvoll Reis“ kann man nach „Hundert Mann und ein Befehl“ unter dem Eindruck des damaligen Vietnamkrieges durchaus als weiteres Antikriegslied von Freddy verstehen.

  • admin

    Das kann man aber auch anders sehen:

    1. Nun machen wir doch mal folgendes: Nimm Dieter Bohlen – nimm alle seine Projekte und Künstler, für die er mal „komponiert“/geschrieben hat, addiere seine eigenen Erfolge und betrachte die Summe der Nr.1-Hits sowie goldenen Schallplatten. Und? Wo ist dann Herr Nidl-Petz?
    2. Ich mag den Bohlen nicht. Aber der hat wenigstiens seine Millionen versteuert. Zumindest ist nichts gegenteiliges bekannt.

    Zum eigentlichen Problem:
    3. Um den historischen Kontext des Machwerks „Wir“ bin ich wohl informiert – gerade deshalb widert es mich besonders an. Man kann von „Gammlerbewegung“ sprechen – das kann man aber auch bleiben lassen und einfach nur von Hippies oder aber auch der sich antizipierenden Studentenbewegung sprechen. Ich teile nicht die hinlängliche Meinung, dass die „Gammler“ eine geschlossene Subkultur waren.
    Nichts desto trotz spiegelt der Song menschenverachtende Ansätze wieder: „Wer hat den Mut, für Euch sich zu schämen?“, „[…] und muss vor Euch jede Achtung verlieren“ usw. Bedarf es weiterer Worte? Das „Friedensangebot“ und die eindeutig als halbherzig identifizierbare „Selbstreflexion“ gegen Ende des Stücks strotzt von einer unerträglichen Arroganz, das ist kaum auszuhalten.

    Dass solche impertinenten Machwerke – oder sollte ich besser rechtskonservativer Bullshit sagen – ihren Beitrag für das Aufbegehren der Studenten 1966/67 geleistet haben (diese Bewegung als „68er“ zu bezeichnen, ist nach Cohn-Bendit dem frz. Kulturimperialismus geschuldet), ist folgerichtig.

    Schwamm drüber. War eine durch und durch konservative Gesellschaft damals. Nidl-Petz hat das erkannt und Geld damit gemacht.
    4. „Eine Handvoll Reis“ ein Antikriegslied? Mit dieser martialischen Sprache, im Marschmusiktakt? „Zum Appell […] die Grüße der ganzen Nation“?? Oder: „Wir kämpften in uns´rer Kolonne für Freiheit und Demokratie“. Eine unverfrohrene Lüge für einen dreckigen, nutzlosen Angrifskrieg, den die Ammis glücklicherweise verloren haben. Zynisch nur, diesen napalmgetränkten Massenmord mit Freiheit und Demokratie in Verbindung bringen zu wollen. Man denke an das Massaker von My Lai. Wer will hier von Freiheit und Demokratie sprechen? Der Nidl-Petz vielleicht, aber hier ist offenkundig, dass der noch mehr nicht verstanden hat…
    Wenn das nun die Kriterien für ein Antikriegslied sind….?

    Abschließend lässt sich sagen: Nidl-Petz hat mit den Konservativen noch mal kräftig Kasse gemacht – und dann kam Willy Brandt 😉

    P.S.: Der Duden kennt auch ein einfaches „s“ am Satzanfang!

  • Quincy

    Habe mich immer links von der Mitte gesehen, trotzdem nie den Blick für die Realität verloren.
    Konnte mich 1966/67/68/69 voll mit „Wir“ identifizieren, als ich mir in den Schulferien mit 16/17/18/19 Jahren mittels Hilfsarbeiten mein Taschengeld aufgebessert habe, um nicht dauernd meinen Eltern auf der Tasche zu liegen. Fragte mich damals ernsthaft, wie wohl die sog. Gammler zu Geld kommen, um ihre Brötchen bezahlen zu können.
    „Wir “ wurde übrigens von Fritz Rotter getextet, der 1936 nach England und ein Jahr später in die USA emigrierte.

    „Eine Handvoll Reis“ schildert eben gerade das Furchtbare und den Widerspruch des Krieges, der damals unter dem Deckmantel des Kampfes für Freiheit und Demokratie geführt wurde.
    Zitate: „Der Ort Laotan …war dreimal verwüstet und leer“ und „Wir sind in die Hölle gefahren…“ und „Hier wurde die Hoffnung verladen…“.

    Ich habe den Song, den ich auch heute noch gern höre, nie als Verherrlichung des Krieges gedeutet, weiß aber, dass von interessierter Seite bereits damals versucht wurde, Freddy Quinn in die rechte Ecke stellen zu wollen.

    Die Steuern wurden nach Feststellung der Steuerpflicht in Deutschland und Festsetzung des Betrages umgehend ohne Diskussion bezahlt. Ebenso wurde die nach der Verurteilung zu entrichtende Strafe sofort beglichen.
    Also gibt es hier nichts mehr zu bekritteln.

    Freddy Quinn hat trotz seines Riesenerfolges (10 Nr.1-Hits als Interpret) nie Wert darauf gelegt, mit abstrusen Schlagzeilen Werbung zu machen. Im Gegensatz zu einem Dieter Bohlen oder anderen Zeitgenossen wie z. B. Boris Becker, die fast jeden Tag ihre Peinlichkeiten unter die Leute bringen müssen.

    Und noch eine Anmerkung:
    Willy Brandt, den ich heute noch verehre, hat mal in einem Interview erklärt, dass Freddy sein Lieblingssänger sei 🙂

  • Quincy

    Zur Historie des Vietnamkrieges und des Songs „Eine Handvoll Reis“ nur noch eine chronologische Ergänzung:

    „Eine Handvoll Reis“ wurde am 22.09.1966 aufgenommen.

    Das furchtbare Massaker von My Lai geschah am 16.03.1968 und wurde erst am 05.12.1969 in der Öffentlichkeit bekannt.

    Mit dieser Feststellung soll nichts beschönigt werden, was davor oder danach geschah. Das Bekanntwerden von My Lai führte allerdings auch in den USA zu einer deutlichen Wende in der öffentlichen Meinung zum Vietnamkrieg.

    Freddy Quinn hat im Jahr 1966 kundgetan, dass er im Gegensatz zum amerikanischen Original „The Ballad of the Green Berets“ mit der deutschen Fassung „Hundert Mann und ein Befehl“ die Sinnlosigkeit des Krieges zum Ausdruck bringen wollte.
    Im Kontext hierzu ist auch der Nachfolgesong „Eine Handvoll Reis“ zu sehen. Dass damit Geld verdient wurde? So ist nun einmal das Leben.

  • admin

    Damit hat Du natürlich ganz recht, ich wollte My Lai und das Lied „Eine Handvoll Reis“ nicht in direkten Bezug bringen – und habe das nur angeführt, um zu verdeutlichen, dass es sich hier um einen Krieg handelte, der sich so schlimm entwickelte, dass der Kontext zu Freiheit und Demokratie wie bloßer Hohn in meinen Ohren klingt.

    Mich interessiert auch nicht ernsthaft, wer mit wie vielen Songs welches Geld verdient hat – das neide ich auch niemandem, mir geht es ja selbst recht gut.

    Wenn sich Freddy Quinn wirklich gegen den Vietnamkrieg hätte stellen wollen, was hätte ihn daran gehindert, hierfür klare und unmissverständliche Worte zu finden? „Wir“ beispielshalber lässt hier keine Wünsche offen! Oder anders ausgedrückt: Ein Undo Jürgens fand direkte, teffende Worte – er hat sich um ein politisches Statement nicht gedrückt. Es hat ihm im Übrigen nicht geschadet.

    Ich habe mir die „Handvoll Reis“ nun immer wieder angehört und kann es selbst unter Aufbringung von viel Verständnis nicht als Antikriegslied interpretieren. Mit Doppeldeutigkeiten muss ich leben – wirklich gut finde ich es nicht (und wie schon bemerkt: Selbst wenn man den Text als Kritik am Vientnamkrieg auffassen wollte – was will uns dann der Marschmusiktakt sagen?).

    Wenige Worte noch, was mich am Lied „Wir“ wirklich stört:
    Im Gegensatz zu vielen „politischen“ Schlagern dieser Jahre (ich kann mich noch dunkel an sowas wie „Solang´ noch die Zigarre brennt“ auf Erhard erinnern), die mit Ihrem Statements warben, dieskriminiert „Wir“ und will es auch: „Wir“ sind die Guten, „Ihr“ seid die Gammler, die Werte der „Wir“-Seite sind richtig und weil die „Ihr“-Seite dem offenkundig zuwiderhandelt, muss/darf man sie verachten.
    Und dann so plakative Vorwürfe: Selbst wenn man den „Lebensentwurf“ dieser „Gammler“ nicht teilt, woher will man mit Sicherheit sagen, dass sie nicht die Eltern ehrten, dass sie Kirchen beschmierten, dass sie sich nicht weiterbildeten, dass ihr Protest so destruktiv sei, dass es bald nichts mehr gäbe, gegen das protestiert werden könne.

    Ich habe das ursprünglich als arrogant empfunden – aber es ist schlimmer – es ist wirklich diskriminierend.

    Zu der Steuergesichte: An und für sich ist mir das auch egal – er war nicht der erste, der einzige und er wird nicht der letzte sein, der Steuern hinterzogen hat. Das betrachte ich eher als lässliche Sünde. Aber wie Quincy, fühlt es sich denn für Dich an, wenn jemand – auch auf Kosten anderer! – ein Saubermannimage pflegt und dann letztlich doch offenkundig wird, dass er dem nicht gerecht werden konnte – vielleicht sogar gar nicht wollte.

    Und ja, igendwie habe ich das Gefühl, dass sich hier Freddy Quinn sehr den Konservativen angebiedert hat – und das finde ich, Du möchtest mir das nachsehen – wirklich albern (weil so durscichtig).

  • Thorsten

    Nach Freddy Quinn können wir als nächstens über Karel Gott diskutieren und darüber, dass er in der CSSR in der kommunistischen Partei aktiv war, er eine Charta gg demokratische Ideen unterschrieben hat und sogar für die DKP gesungen hat.
    Leute, mich interessiert die politische Gesinnung einer Sängers/Band kaum, außer die ist rechts oder gewaltverherrlichend (deswegen mag ich den Gangsta-Rapscheiß, zu primitive Musik, und auch Böhse Onkelz nicht).
    Quinn war zu einer Zeit aktiv, die nur konservativ oder sehr links kannte.
    Er hat mit seiner Musik eher den biederen Hörer bedient.
    Vieles zu dieser Zeit war bedenklich, aber Quinn ist eher harmlos.
    Meine Musik ist es natürlich nicht, selbst meine Eltern fanden ihn greuslich.

  • Dorothee Hillwalker

    Hallo Leute,

    hoch lebe die Meinungsfreiheit! Die muss man auch einem Freddy Quinn zugestehen. Darüber hinaus nehme ich an, dass er kaum eine andere Wahl hatte als Lieder zu singen wie „Wir“, „Hundert Mann und ein Befehl“ und „Eine handvoll Reis“ als er sich vom Seemanns-, Sehnsuchts- und Einsamkeitsimage befreien wollte. Ich würde gern mal Freddy Quinns eigene Meinung darüber hören!

    Vergesst auch nicht welche Zeit das war. Es war wirklich erschreckend mit dem Aufruhr und dem „gammeln“. Das konnte einem schon Angst einjagen wie es denn weiter gehen sollte. Jaja, ich war auch ein bisschen konservativ und habe in den Ferien gearbeitet um mir das Geld für meinen Führerschein zu verdienen … und Freddy Quinns Lieder gemocht (mag sie noch heute).

    LG
    Dorothee

  • Mia

    admin,
    have you ever heard the song Zeventien Soldaten – that´s a Protest. I have never seen or heard it in German, French, English, only in Holländisch, but the text in German is running on the screen if you listen to it in youtube.

    MVH,
    mia

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