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Fotodruck auf Leinwand und hinter Acrylglas

[Trigami-Review] Vor einer guten Woche bekam ich die Möglichkeit, zwei Produkte der Fa. Blickshop in Reutlingen zu testen:

blickshop.de ist ein Onlineshop, bei dem man seine Fotos oder Grafiken hochladen kann. Der Printservice von blickshop fertigt hieraus nun unterschiedliche Fotodrucke. Neben dem Klassiker, dem auf Leinwand gedruckten und auf einem Keilrahmen gespannten Fotodruck, umfasst das Produktportfolio auch auf Acrylglas hinterkebte gedruckte Fotos sowie Drucke auf Stoff, Klebefolie und als PVC-Banner und natürlich Posterdruck. Weiterhin kann man bei blickshop auf vorhandene Bildmotive zurückgreifen und sich im noch recht jungen corporate blog informieren.

Zum Testsetting: Um eine sinnvolle Aussage über die Druckqualität geben zu können, habe ich mir zwei „Aufgaben“ überlegt:

1. Ich möchte an einem möglichst hochauflösendem Bild mit starkem Hell/Dunkel-Kontrast sowie sehr geringem Kontrast beim Fotodruck auf Leinwand erkennen, wie detailreich bzw. hochauflösend der Druck das Ursprungsmaterial wiedergeben kann. Weiterhin interessiert mich beim Druck auf Leinwand, ob die Versiegelung mit UV-Schutzlack die Textur der Leinwand beeinflusst oder ob Reflexionen dadurch auftreten, die das Ergebnis beeinflussen.

2. Ich möchte anhand eines sehr niedrig aufgelösten Bildes mit einem Motiv, dass die Dreidimensionalität eines einzelnen Objekts antizipiert, sehen, ob durch eine Kaschur auf Acrylglas diese ungünstigen fototechnischen Ausgangsbedingungen – zumindest im Ansatz – egalisiert werden können (versteht mich bitte nicht falsch, es geht hier nicht darum, ungünstiges Ausgangsmaterial zu „verbessern“, es geht darum, ob die Wahl des Mediums Acrylglas bei niedriger Auflösung einen subjektiv erlebbaren Effekt zugunsten des Motivs nach sich zieht).

Dementsprechend wählte ich zwei Dateien aus, von denen ich meine, dass sie der Aufgabenstellung Rechnung tragen können: Für den Druck auf Leinwand bediente ich mich hierbei einem Foto der Londoner Tower Bridge, dass in der deutschsprachigen Wikipedia zu finden ist (und zwar hier – seht selbst). Diese bei Nacht geschossene Aufnahme weist sowohl geringe (Farbverläufe des Nachthimmels, ein blaues Boot auf blauem Wasser) als auch hohe (Nachthimmel und die illuminierte Brücke) Kontraste auf. Zudem ist das Ausgangsmaterial hochauflösend und verfügt mit 9.462 × 4.734 Pixeln über ein zumindest „ungewöhnliches“ Format. Von der technischen Qualität des Bildes her dürften das, sehen wir einmal vom Format ab, optimale Voraussetzungen für einen professionellen Fotodruck sein.

Ganz und gar suboptimal sind die technischen Bedingungen des Motivs, das ich für den Druck auf das kaschierte Acrylglasbild vorgesehen habe. Auf meiner Festplatte fand ich das Bild einer feuerroten Chilischote mit gephotoshoptem Schattenwurf vor reinweißem Hintergrund in der Auflösung 800 x 533 Pixel. Wieder ein Sonderformat und, das kommt erschwerend hinzu, durch starke Kompression im JPG-Format auf magere 112 Kilobytes geschrumpft. Es ist eigentlich Irrsinn, überhaupt auf die Idee zu kommen, ein so grottiges Ausgangsmaterial zum Drucken zu geben – für den Test aber eine schöne Herausforderung.

Nun müssen die Bilder aber erst einmal zu blickshop. Das geht vermittels der Uploadfunktion im sehr aufgeräumten Onlineshop per Klick – und die müssen da echt dicke Server mit armdicker Leitung stehen haben, denn die über 6MB Bilddateien waren – keine Übertreibung – in Sekundenschnelle hochgeladen. Der Webshop verfügt über einen sehr einfachen „Drei-Schritte-Produktkonfektionierer“, der dann wunderbar funktioniert, wenn man keine Extras wählen möchte. Wer aber – gerade beim Foto hinter Acryl ist das interessant – Extras wählen möchte, der muss sich erst einmal ins Funktionsprinzip des Online-Shops hineindenken. Hier wäre eine einfache Abfrage zur Wahl der Features nach Konfektionierung des Basisprodukts wünschenswert.

Beim Umgang mit dem Onlineshop ist die klare Struktur und die komfortable Upload-Funktion der Bilder besonders erwähnenswert. Letztere machtauch all jenen das Bestellen sehr leicht, die nicht den tagtäglichen Umgang mit einem FTP-Client gewohnt sind. Deutliches Verbesserungspotenzial sehe in der Menüführung zum Hinzufügen etwaiger Extras, zusätzlicher Features oder Zubehörteile.Darüber lässt sich aber hinwegsehen, denn mit ausdauerndem Klicken konfektioniert man genau das, was man haben möchte.

Ein echtes Manko aber ist die Zuschneidefunktion, die genau dann aktiviert wird, wenn das Seitenverhältnis des hochgeladenen Bilds nicht dem des gewählten Produkts entspricht. Diese Funktion ist wichtig – und derartig klein geraten, dass sie für Fotos mit vielen Details unter Umständen unbrauchbar ist. Der Profi wird vorab das Format in Photoshop anpassen, der „Normaluser“ hat mit der Liliputanerversion des Zuschneidetools zu kämpfen.

Die Bilder, die ich am Mittwochabend bestellt habe, erreichten mich per DHL am Freitag morgen. Ein schnellerer Versand ist für ein im Kundenauftrag produziertes Produkt eigentlich nicht denkbar. Die Versandzeit war wirklich nicht zu toppen.

Der große Moment ist gekommen: Ich nehme die Drucke aus dem Versandkarton (übrigens sind sie sehr ordentlich verpackt, da kann man nicht meckern) und bin überrascht!

Zuerst betrachte ich das Foto der Tower Bridge auf der auf einem Keilrahmen gespannten Leinwand (und hierbei handelt es sich um eine  echte Künstlerleinwand, d.h. ich kann die Leinwand auf dem Rahmen nachspannen). Der Druck vermag bei der Auflösung zu überzeugen, man vermisst kein Detail. Starke Kontraste werden überraschend scharf abgebildet (Wunder darf man aber keine erwarten) und feine Farbnuancen sowie Verläufe bleiben sauber erhalten. Allerdings ist das Bild, vermutlich vom Schutzlack, mit feinen, glänzenden Sprenkeln benetzt. Diese fallen bei genauem Betrachten dann auf, wenn das Licht seitlich auf das Bild fällt. Aus diesem Betrachtungswinkel verliert dann der Druck jede Brillanz – schade. So kommt dann auch die feine Textur, die die Leinwand von sich aus hergibt und die mit Sicherheit gerade für „grobkörnig“ gerenderte Aufnahmen künstlerisch interessant sein könnte, nicht zur Geltung. Der UV-Schutzlack wird aufgrund des zwar regelmäßigen, aber eben gefleckten Auftrags auch nicht wie ein Firnis. Das Produkt „Fotodruck auf Leinwand“ hätte durchaus Potenzial, aber in dieser Ausfertigung genügt das Ergebnis selbst semiprofessionellen Ansprüchen nicht. Schade, denn von der Farbtiefe und Auflösung her ist der Druck überraschend gut.

Detail: Textur des Fotodrucks auf Leinwand

Detail: Auflösung des Drucks, gut erkennbar: Die Sprenkel des Schutzlacks

Detail: Rückansicht, Leinwand auf Keilrahmen

Ein ganz anderes Bild vermittelt der hinter Acrylglas kaschierte Fotodruck.Wir erinnern uns: Das Ausgangsmaterial war mies und von der technischen Warte her betrachtet nicht zum Druck geeignet. Was hier entstanden ist, wird selbst das kritischste Auge überzeugen: Die Farbwiedergabe ist hervorragend: Das Rot knackig, das Grün frisch – eine Tiefe wie auf einem gut kalibrierten Monitor lässt sich erkennen. Das ist, man muss es so sagen, ein Wunder für das geringauflösende Ausgangsmaterial. Es ist kaum zu glauben, wie lebendig der Schärfenverlauf und der angepasste Schatten das Bild werden lässt – und diese Tiefe und Lebendigkeit ist besonders dem 10 mm dicken Acrylglas geschuldet, das den Lichteinfall nicht nur vor vorne sondern auch von den Kanten her erlaubt. Das Motiv tritt, der geringen Auflösung zum Trotz, aus der Fläche, der Betrachter erhält einen subjektiven Eindruck von Dreidimensionalität. Das Bild hinter Acrylglas kann ich bedenkenlos empfehlen, auch und gerade jenen, die mit einer technisch mangelbehafteten Aufnahme ein möglist guten Ergebnis erzielen wollen. Es ist klar: Eine schlechte Auflösung lässt sich nicht hochrechnen, leere Vergrößerungen führen zu keinem Zugewinn an Qualität – aber die handwerklich perfekte Kaschur und die Dicke des makellosen Acrylglases werten das Motiv so auf, dass es angenehm anzusehen ist. Mit einem derart guten Ergebnis bei so schlechter Ausgangslage hätte ich nicht gerechnet.

Detail: Stärke des Acrylglases: 10 mm

Generell lässt sich sagen, dass man bei blickshop gute Ergebnisse erzielt, wenn man das geeignete Motiv in der jeweils passenden Drucktechnik ausführen lässt. Die Textur der Leinwand korrespondiert trotz technischer Schwächen hervorragend mit dem Bild der altehrwürdigen Tower Bridge, verfügt diese ja durch ihre reiche Ornamentik selbst über eine ganz eigene „Textur“. Ebenso gewinnen Motive mit unterschiedlichen Schärfen durch das Hinterbringen auf Acrylglas. Dem Fotografen stellt sich also die Herausforderung, eine Reproduktionstechnik auszuwählen, die mit dem Motiv harmoniert (oder, abhängig von der Intention dieses kontrastiert). Das Produktportfolio von blickshop.de ist ausreichen groß, dass das gelingen kann.

3 Kommentare

  • Fotofan

    Das Bild der Chilischote hinter Acrylglas hat mich wirklich erstaunt! Dass es trotz der eigentlich schlechten Qualität so gestochen scharf geworden ist – genial! Zudem finde ich diese Variante gegenüber dem Leinwanddruck sehr viel stilvoller. Das rahmenlose Acrylglas macht meiner Meinung nach wirklich was her!

  • Leinwand

    Das Bild der Chilischote ist sicher sehr shon. Das Kontrast ist auch besser dan beim Brucke! Danke fur diesen info!

  • Markus

    Vielen Dank für Deinen Bericht. Sehr interessant zu sehen, wie andere Drucker Ihre Fotos ausdrucken. Ich muss sagen, dass mich das Bild auf Leinwand nicht besonders begeistert.
    Hatte selbst schon 2 Fotos bei http://www.poster-union.de auf Leinwand drucken lassen und war damit sehr zufrieden. Hier ist die Druckqualität meiner Meinung nach noch deutlich besser und die Spuren des Schutzlacks nicht sichtbar.

    Sehr ausführlich dennoch und ich sehe mir deren Webseite mal an.
    Danke und Grüße – Mark

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