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Ab heute: opt out bei StreetView möglich

Wie bereits letzte Woche angekündigt, ist ab heute das opt out-Verfahren für Googles StreetView – zumindest für die ersten zwanzig größten deutschen Städte – Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal.

Bevor ich aber etwas zum opt out schreibe, will ich es nicht versäumen, ein paar Worte zur StreetView-Debatte im Netz zu verlieren:

Ich muss mich immer wieder wundern, warum gerade StreetView von manchen so vehement verteidigt wird. Zwar sind gerade Politiker, die sonst nicht zu den Gralshütern von Datenschutz und Netzneutralität zählen als selbsterklärte StreetView-Feinde unangenehm in der Berichterstattung in Zeitung, Hörfunk und Fernsehen aufgefallen – der Umkehrschluss, dass StreetView per se eine gute Sache sei – gerade, weil sich besagte Politiker dagegen wenden ist nicht nur falsch sondern auch gefährlich!

Auch das Argument, dass StreetView nur das erfasse, was sowieso jeder Passant sehen könne, will ich so nicht stehen lassen, denn erstens ist es falsch – Streetview erfasst mehr, als selbst hochgewachsene Riesenpassanten sehen – und außerdem muß man schon differenzieren:

Alles was StrretView zeigt, ist eine Momentaufnahme – Veränderungen im öffentlichen Raum bleiben dem StreetView-Nutzer verborgen. Wird beispielsweise die Fassade eines Hauses nach dreißig Jahren neu gestaltet und ist der Google-Opel vorher vorbeigefahren, kann man darauf warten, wann Google ein Update einspielt – das kann ewig dauern. Wurscht? Nein, wenn sich als Unternehmen wer das Geld für eine Auskunftei sparen will, kann er doch bei StreetView die alte Fassade bestaunen…

Passanten sehen nicht nur eine Gegend, durch das Passieren erleben sie den geographischen und sozialen Kontext einer Gegend anders – besser. Klar ist das ein Argument für das Spazierengehen und erst einmal keines gegen StreetView – in Kombination mit dem oben Geschriebenen wird es aber zu einem, denn nicht nur Häuser sondern auch Gegenden verändern sich – manche rasant. Ich halte es technisch nicht für möglich, das sauber in StreetView abzubilden – damit lädt StreetView zu Fehlschlüssen ein.

Es macht außerdem einen Unterschied, ob einer mal schnell bei Google schaut „wie wohnt der denn?“ oder ob er sich die Mühe macht – um das herauszufinden. Der Recruiter oder der Personalchef bekommt mit StreetView ein weiteres Diskriminierungstool mit zweifelhafter Aussage an die Hand – wer will das?

StreetView ermöglicht aus genau diesen Gründen, einen bedeutenden Teil der Lebensumstände von Millionen Menschen abzubilden. Ich frage mich ernsthaft, wer dem etwas positives abgewinnen kann – es sei denn man hat eine gewisse voyeuristische Veranlagung.

Ich erneuere auch meine Kritik an Google: Zum einen ist es skandalös, das opt out-Verfahren in einem Gutteil in den Ferien durchzuführen und zum anderen ist das opt out-Verfahren selbst kritikwürdig. Ein opt in-Verfahen wäre meines Erachtens das Mittel der Wahl – mit einer unbegrenzten Widerspruchsfrist (z.B. bei Mehrfamilienhäusern).

Und darum sage ich ganz offen (wenn auch etwas verkürzt): Jeder, der sich nicht von seinem zukünftigen Chef auf die Butze gucken lassen will, der beantrage bei Streetview die Unkenntlichmachung.

Wie?

Unter der Adresse http://www.google.de/help/maps/streetview/ erhält man erst einmal Werbung von Google, warum StreetView toll sein soll. Und dann findet sich da der Button „Unkenntlichmachung beantragen“. Letztlich verlangt Google die volle Adresse und bittet um eine möglichst gute Beschreibung des Objekts zur sicheren Zuordnung. Dann will Google einen PIN per Post an die jeweilige Adresse senden und schon soll das eigene Wohnhaus verpixelt werden…

Das sollte man nutzen.

Nun kommt noch hinzu, dass mit manchen Browsern das Ding funktioniert und mit manchen nicht. Berichtet wurde, dass man mit dem IE Probleme bekomme. Am PC hatte ich mit dem Firefox Probleme, mit IE 8 ging es gut, am Mac hatte ich gar keine Probleme. Es ist also nicht schlecht, einen Alternativbrowser auf der Platte zu haben.

4 Kommentare

  • Michael

    ich finde, dass dieses „auf die Butze gucken“ Argument net so wirklich zieht.
    So wie in den tollsten neubauten eine versaute und verschlampte Bude mit einem Bett, einem Reisekocher und einem halb kaputten Kühlschrank stehn kann, genauso ist doch im ältesten Altbau, dessen Fasade nun mal nicht die letzten Jahre restauriert wurde – grad Sandstein sieht, wenn er nicht regelmäßig gepflegt und gereinigt wurde in Nürnberg nach 5 Jahren schon fast wieder schäbig aus – genau so möglich eine wunderhübsche und gepflegte Wohnung zu haben.
    Und – sein wir ehrlich – ich bin froh, dass dies Google noch nicht kann 😉 (außer natürlich bei einem Test der auch schon von ct-TV gemacht wurde)

    außerdem find ichs eigentlich grenzwertig, dass z.b. in großen Mietshäusern theoretisch eine einzige Wohnpartei (Mieter oder Besitzer des Teils) entscheiden können soll, dass das gesamte Gebäude nicht angezeigt wird.

    Und zu dem – in einem jahr wird die Front renoviert und schaut nun exzellent aus und in StreetView nicht. Sollte man – und das hoff ich doch grad bei personalern und chefs – nur ne Sekunde den kopf einschalten, weiß man doch, dass Streetview ne Momentaufnahme ist. d.h. heute steht halt der haufen für die Entrümpelung vor der Tür, morgen wahrscheinlich nicht mehr.

    und die 2,5-3m Aufnahmehöhe – ok kleiner streitpunkt.. da hätte man wirklich einfach sich auf 2m beschränken können um da ner Debatte ausm Weg zu gehn. und wenn halt wirklich ein hoher Lieferwagen neben einem steht muss man halt noch ein 2tes mal die straße runterfahren.
    Aber wenn ich jetzt mal so an meine langen Lauf-Touren von Nürnberg nachdenk ist besonders im Innenstadt-Bereich kein einziger Zaun blickdicht und über 1,2 m hoch. Wenn überhautp ein Sichtschutz besteht. Klar Außengebiete wie Erlenstegen da gibts einige Grundstücke die mit nicht nur 2m hohen Zäunen umgeben sind, weswegen man aber von der anderen Straßenseite aus dennoch ab dem 1. Stockwerk alles sieht. Wenn hier natürlich einer vorbeigoogelt auf 3m sichthöhe bekommt man wirklcih ausnahmsweise mehr zu sehen, als eigentlich gedacht.

    Ich finds auf jeden Fall schade, dass um dieses Thema überhaupt so große Gegenseiten entstehen, da ich von vornherein Streetview als ein schönes „sich mal dort umschauen“ gesehen habe. Mit leichten Stalker-Ambitionen betrachtet, sieht das vielleicht ein bisschen anders aus, aber dennoch bleibts doch einfach eine Momentaufnahme wie jedes Foto und zumindest mündige User sind sich dessen wirklich bewusst. Und was wenn in entscheidenden Positionen nicht mündige sitzen – tja.. das frag ich mich öfter..

  • Nadine

    Die Aufnahmen gehen nur bis maximal 3 Meter? Hä?? wie ist das denn zu verstehen?
    Dann sieht man pro Gebäude ja maximal das Erdgeschoss??
    Also wenn das nicht die größte Verfälschung überhaupt ist!!! ts ts ts

  • admin

    @Michael:
    „ich finde, dass dieses “auf die Butze gucken” Argument net so wirklich zieht.“ – Im Grunde hast Du recht: Jeder, der sich
    a) mit soziologischen Grunsdbegriffen
    b)mit der Existens naturalistischer Fehlschlüsse und
    c) mit der Technik der Bildgewinnung für StreetView auseinandergesetzt hat, dürfte damit umgehen können. Ich behaupte aber: Diejenigen, die über Kenntnisse in den Bereichen a, b und c verfügen, sind in der absoluten Minderheit.

    Einige Anhaltspunkte gefällig?
    * http://www.bitterlemmer.net/wp/2010/08/15/polizeigewerkschaft-will-google-streetview-fur-virtuelle-streifenfahrten-nutzen/ ich hab noch gedacht, der meint das nicht ernst oder hat seine Aservatenkammer leergeraucht. Aber nein, der trollt nicht – der hats einfach nicht verstanden!!
    Jetzt mach Dir mal die möglichen Konsequenzen klar, die entstehen, wenn die Exekutive StreetView nicht checkt!! FUUUUUUUUU……..!
    * Auskunfteien haben einen Gutteil unserer Häuser entweder geranked oder sogar fotografiert. Und mindestens eine in Deutschland nutzt aktiv Geoscoring. Dass das genau den Fehlschlüssen unterworfen ist, die Du in Deinen Kommentaren beschreibst, ist klar. Und in meinen Augen kannst Du StreetView für genau solche Schweinereien nutzen.
    * …

    Für mich als Datenschutz-Interessierten gibts da letztlich zwei Ansätze:
    1. Daten, die in der Gefahr stehen könnten, missinterpretiert zu werden, sollen nicht erhoben werden – schon gar nicht anlasslos. –> Vgl. Datensparsamkeit
    2. StreetView-Daten sind wieder ein Mosaikstein in Sammlungen, in denen Datensätze meherer unterschiedlicher Quellen verbunden werden können. Ich bin der Meinung, dass die Öffentlichkeit ein Interesse hat, dass möglichst wenig solcher Datensammlungen entstehen.

    Warum der Aufschrei? Möglicherweise weil eine nicht näher bezeichnete große Gruppe in der Gesellschaft sich mit der latenten Sorge trägt, dass ohne ihr Wissen Daten gesamment werden (vgl. informationelle Selbsbestimmung). Anhand von StreetView bekommt diese latente Sorge ein „Gesicht“ und lässt sich dementsprechend herunterdeklinieren. Daher wohl der „Aufschrei“. Das ist m.E. mehr als ein Sommerloch-Thema.

    Und weiterhin: Google ist nicht die Heilsarmee. Die haben ganz klar eine Gewinnmaximierungsabsicht – auch mit StreetView. Und die Google-Opel haben ja nicht nur Fotos gemacht sondern auch Hotspots kartographiert, Traffic mitgesnifft… Das lässt nur Böses ahnen! Wer weiß, was die mit dem vermeintlich „harmlosen“ StreetView noch so alles vorhaben.

    Michael, klar sind unsere Butzen besser ausgestattet als der Durchschnitt, klar wischen wir zweimal die Woche feucht durch. Dass der Personalchef das aber immer mit im Hinterkopf hat, wenn er die solide korrodierte 60er-Jahre Fassade eines unteren Mittelschichtler-Mietsbaus sieht – glaubst Du das wirklich?

  • Michael

    @nadine
    nein die Kameras auf den GoOpels nehmen Weitwinkel-Bilder auf aber eben diese Kameras sind in einer höhe von ca. 2,5-3m angebracht.
    Die Begründung vom großen G ist eben, dass sonst die freie Sicht der Kamera von jedem kleineren Lieferwagen schon verdeckt wird.

    @admin
    mit dem von dir schon erwähnten 1. Absatz hoffe ich das sich ein solcher Personalchef halt einfach tiefere Gedanken macht, da grade dieser mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun hat und eine durchaus hohe Verantwortung trägt. Klar würde auch der fähigste P-Chef sich überlegen, kann ich es mir sparen mein Hirn einzuschalten wenn ich mir doch von außen auf einem irgendwann 2-3 Jahre alten Bild die Wohnung meines neuen Bewerbers angucken kann.

    und das G nicht die Heilsarmee ist, ist schon klar. Dass sie einen WLAN-Trace gemacht haben, dass geben sie ja auch zu, dass diese Standortdaten weitergegeben wurden an ne firma mit deren software man dann per WLAN sich durch ne Innenstadt führen lassen kann.
    Dass sie hierfür def. keinen Traffic hätten aufzeichnen müssen ist klar. Warum sie das gemacht haben – da kann man nur spekulieren.

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