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Zwanzig Jahre? Nun ist aber mal gut.

Eigentlich schade, dass ich das jetzt schreibe, aber irgendwie finde ich das wirklich so: Ich bin quasi mit den Fantastischen Vier aufgewachsen, mit „Vier gewinnt“, mit „Die Da“ mit dem Album „Lauschgift“ mit dem Hip-Hop-Speedmetal-Crossover-Dingens „Megavier“, mit dem Album „solo“ von Thomas D. Ich habe mich über die fehlende Schöpfungshöhe von „4:99“ geärgert. Nun kommt, verbannt ins öffentliche-rechtliche Digitalfernsehen, ZDFdoku, das Konzert zum zwanzigsten Bühnenjubiläum der sog. „Fantis“.

Und ich bin ein bisschen traurig. Denn früher fand ich diese Jungs wirklich innovativ. Anfang der 90er Jahre zeigten sie uns, dass Hip-Hop in deutscher Sprache geht, Mitte der 90er führten sie vor, dass Hip-Hop und Metal kein Widerspruch ist und gegen Ende der 90er überraschten die Fantastischen Vier mit neuen Sounds.

Und heute? Heute sind sie mir peinlich. Ein alter, schwitzender Smudo ist auf dem Fernsehschirm zu sehen, dem jede Power fehlt. Um diese fehlende Kraft zu kompensieren, um an den Glanz längst vergangener Tage anzuknüpfen, versucht er immer verzweifelter, sich selbst in Extase zu versetzen – vergeblich: Mehr als Geschrei bleibt nicht. Als gerade der Song „Schizophren“ zum besten gegeben wurde, war mir schlagartig klar: Mit den Fantastischen Vier ist es vorbei. Es kommt nichts mehr rüber. Gar nichts mehr. Es ist so schade um diese Band.

Darüber kann auch das hervorragend und präzise spielende weißrussische Symphonieorchester nicht hinwegtäuschen. Und wenn Smudo auf dem von der Bühne weit ins Publikum ragenden Laufsteg die Parade abnimmt ist das – Verzeihung – nur endlos peinlich. Wenn die Jungs ihre alten Erfolge nicht „verspielen“ wollen, dann tun sie gut daran, aus diesem Jubiläumskonzert ihr Abschiedskonzert zu machen.

Ich bin dreizehn Jahre jünger als Smudo. Wir sind also nicht so weit auseinander. Und trotzdem empfinde ich die ganze Band (vielleicht mag man da Michi Beck ein Stück weit ausnehmen) als unheimlich alt, langsam – einfach stehen geblieben – so gegen 98/99. Mit „4:99“ waren sie dann schon auf dem absteigenden Ast. Aber heute? Sie sind alternde Schwaben und sehen der Midlife-Crisis schon deutlich ins grinsende Gesicht. Diesen Charme versprühte zumindest die heutige, live übertragene Performance.

3 Kommentare

  • Thorsten

    Tja, die Herren der Fantas sind jetzt alle über 40.
    Sie waren ein wichtiger BEstandteil meiner Jugend und ersten Erwachsenenjahren. Ich habe sie ein paar Mal life gesehen. Sogar mal als Terminal Team in einen kleinen Club. Vor 11 Jahren habe ich sogar mal Thomas D. in Regensburg persönlich kennen gelernt.
    Aber ich teilte deine Meinung in Sachen Innovativität. Seit Lauschgift gefällt mir kaum noch was von den Fantas. Auch solo kommt kaum noch was. Das war in den 90er mit den Alben Weltweit und Solo auch anders. Allgemein kommt von Four Music nichts mehr besonderes.
    Schade, aber lässt sich nicht wiederholen.
    Ach ja, was in den letzten Jahren vom deutschen Hip Hop kommt halte ich für absoluten Schrott.

  • Ein Fan

    Der Beitrag ist zwar alt, hab ihn jetzt erst gefunden. Wollt nur mal was los werden:
    Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!

  • admin

    Und auf diesem Nieveau artikulieren sich heute also die „Fanta“-Fans. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, außer vielleicht: Die Zeit ist abgelaufen. Sie war schon längst abgelaufen, als ich dieses Post im Juli 2009 schrieb. Vorbei. Und tschüss.

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