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Rückspiegel: barcamp Nürnberg 2012 (#bcnue4)

Die hohe Zeit der Großgruppentechniken waren die 1980er Jahre. In dieser Zeit gab es wohl kaum ein Unternehmen oder eine Institution die nicht mindestens einmal mit Open Space, World Café oder ähnlichem gearbeitet hat. So etablierten sich Formen des Wissenstransfers und des Zusammenarbeitens, die heute – gänzlich zu Unrecht – in Vergessenheit gerieten oder nur im geschützten Unternehmenssetting zur Anwendung kommen. Doch es gibt einige wenige Ausnahmen, die wohl wesentlichste ist das barcamp. Auf einem barcamp werden genau diese Techniken, für den Anlass modifiziert, genutzt, um mit wissensdurstigen IT- und netzaffinen Menschen ins Gespräch zu kommen, Wissen zu verbreiten und natürlich zu netzwerken. Die wohl wesentlichen Gedanken eines barcamps sind, dass es kein Zuschauer sondern nur Teilnehmer (oder sollte ich Beteiligte sagen) gibt, jeder Besucher das Camp mit einer Session bereichern kann und die Infrastruktur so gestaltet ist, dass sich Nerds und Nicht-Nerds wohl fühlen und der Austausch gedeihen kann.

Auch in Nürnberg findet alljährlich diese „Un-Konferenz“, das barcamp, statt. Das Orga-Team hat eingeladen und Dreihundert kamen am vergangenen Wochenende ins Forum des Nürnberger Südwestparks.

Der erste Abend war gleichzeitig der Auftakt des barcamps und stand unter dem Motto „Change“, in enger Anlehnung an das von der Nürnberger GRUNDIG AKADENMIE durchgeführte Change Camp, das sich wie ein barcamp organisiert, allerdings weniger IT-lastig ist sondern im weitesten Sinne Managementthemen abdeckt. Nach dem die teils weitgereisten „Camper“ eintrafen wurden an diesem Freitag Abend bereits sieben Sessions gehalten, der Scope lag wie angekündigt auf Social Media und so wurde über Twitter für Küken, Xing, Google+, Blogvermarktung und Canvanizer gesprochen. Tommy (@TBrnhsser) hielt eine Session zum Thema Social Media und Burn Out und Alex Talmon stellte ein Video unter dem Titel „How To Be Successfull In 8 Steps“ zur Diskussion. Das Buffet wurde an diesem Abend von ifi bereitet und besonders die Wraps in der Takeaway-Box fanden guten Anklang. Diese Sessions gingen nach einem kurzen Come Together in die Pecha Kucha-Night über. Und zu guter Letzt wurden auch noch Nightsessions, eine davon mit sportlichem Impetus angeboten. Nur: Das heimische Daunenbett zog ich dem Joggen zum Tageswechsel am Rhein-Main-Donaukanal einfach vor.

Der zweite Tag, der Samstag, unterschied sich vom ersten nur durch ein ausgiebiges Frühstücksbuffet und zahllose Sessions, die man im Timetabler alle einsehen kann. Zum Mittagessen wurde es dann herzhaft-deftig, Fleischküchle und Kartoffelsalat standen auf der Speisekarte, die vegetarische Auswahl war noch reichhaltiger; wer mich kennt, weiß, dass ich das aber geflissentlich zu ignorieren weiß.

Und ebenso am Nachmittag reihte sich eine Session an die Andere.

Neben den Sessions gab es genug Raum, mit wirklich interessanten Menschen zu sprechen, zuvorderst @Jay16K, @mikebuchner und @advotuxde. Es sind diese Gespräche, die das Camp so wertvoll machen – es ist etwas besonderes, mit solchen Menschen zusammenzukommen. Besonders Michael Buchner wünsche ich auf diesem Weg die Ausdauer, das barcanmp auch in Regensburg zu etablieren.

Ein paar persönliche Beobachtungen möchte ich noch anfügen:

Dass ich fürs Kickern nicht geboren bin, musste ich spätestens am barcamp einsehen. Tommy zockte mich ohne mit der Wimper zu zucken 10:0 ab. Der Freitag Abend bot reichlich Gelegenheit, über das bedingungslose Grundeinkommen und die derzeitige Verfassung unseres Sozialversicherungssystem zu diskutieren, auch über Großgruppenmethoden und Veränderungsmanagement haben wir gesprochen. Jeder kann das Camp mitgestalten. Nachdem es im letzten Jahr von der GA eine Club Mate-„Spende“ gab und die für den Freitagabend ebenfalls wieder von der GA gestellt wurde, durfte ich zu meinem höchsten Verzücken entdecken, dass die Mate diesmal in Strömen floss.

Ich esse unterjährig eigentlich nie Müsli, ich bin ja kein Gaul. Eine Ausnahme bildet das Camp, weil es wohl kein besseres Müsli als den 2go-Schokomüslibecher von mymuesli gibt. Der Kaffee auf dem Camp war hervorragend ebenso wie der „Gute-Morgen-Saft“.

In der Lounge fanden sich auch diesmal kleine Sessel des Coburger Herstellers „Lümmel“, die von der Optik her an Tetrisklötze gemahnen und die saubequem sind. Eine kurze Webrecherche ergab, dass diese praktischen Sitzgelegenheiten mit 120,- zu Buche schlagen, das ist mir dann doch etwas zu teuer.

Ein guter Teil der Onlinekommunikation auf dem barcamp lief auch in diesem Jahr wieder über Twitter, das kommt mir persönlich sehr zu Pass, weil ich Twitter sehr mag und es für eines der dynamischsten SNs halte. Dass in der Lounge eine Twitterwall zur Verfügung stand, muss wohl nicht eigens erwähnt werden, der Vollständigkeit halber sei dies aber getan.

Dem barcamp haftet ja das Gerücht an, unpolitisch zu sein und mir ist bewusst, dass der Chaos Communications Congress hier netzpolitische und bürgerrechtliche Maßstäbe setzt. Unpolitisch ist das Camp aber nicht. Auch wenn sich wenig Politisches in den Sessions abbildet, weht ein Geist netzpolitischer Informiertheit und Engagements im Camp, einige der Teilnehmer unterbrachen das Camp um gegen ACTA in der Nürnberger Innenstadt zu demonstrieren, dies kann nicht genug gelobt werden.

TeamIX sponserte WLAN, das zuweilen langsam, in der Zeit, in der ich es nutzte allerdings sehr stabil lief. Danke dafür. Es mag zwar selbstverständlich klingen, dass auf einem barcamp WLAN da ist, aber man darf den Aufwand, der dahinter steckt, nicht verkennen. Ganz soviel davon hatte ich nicht, denn mein Telefon beschloss sich selbstständig zu machen und fuhr genau am Samstag Nachmittag ein stundenlanges Update.

Was auch immer toll ist: Jeder hat seine Gadgets dabei und so ist es mir gelungen, ein Hands-on-feeling für unterschiedlichste Android-Hardware zu gewinnen und unmittelbares Feedback der Nutzer über das jeweilige Gerät aufzuschnappen.

Barcampen rentiert sich und macht Spaß. Ich bin froh, dasssich das Camp in Nürnberg halten konnte. Nicht vergessen werden darf, dass es mit 300 Teilnehmern und weit über 100 Sessions in diesem Jahr das Nürnberger Rekordcamp ist. Und so gilt mein persönlicher Dank der Orga, besonders an Andreas Pilz und @spr2 – eine wirklich wunderbare Arbeit, die ihr da macht. Und Dank gilt auch den Sponsoren, die Hauptsponsoren seien in alphabetischer Reihenfolge mit Conrad Caine, GRUINDIG AKADEMIE, immonet.de, immowelt.de, insert EFFECT, Microsoft, shirtracer, Südwestpark und teamIX benannt.

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