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Nürnbergs 100-Sekunden-Takt

Ich bin zwar kein absoluter Gegner der vollautomatisierten fahrerlosen U-Bahn in Nürnberg, aber ich beobachte dieses Großprojekt der VAG doch kritisch, zumal ich als technikaffiner Mensch um die Tücken unterschiedlichster automatisierter Abläufe weiß.

Gestern nun, ich fuhr von Ziegelstein zum Rathenauplatz, konnte ich die neue Kurzzugstrategie der VAG auf den Linien U2 (und U3) beobachten und ich muss sagen: Das Vorhaben ist vielersprechend.

Im Kern dreht es sich um die Bestrebung der VAG, je nach Fahrgastaufkommen adäquate Beförderungskapazitäten anzubieten. Ob das immer das Beste ist, bleibt zu hinterfragen, weil man immer damit rechnen muss, dass Angebote auf geringerfrequentierten Strecken zu Nicht-Stoßzeiten eingedampft werden. Die VAG, das glaube ich ihnen sogar , will nun einen anderen Weg gehen und ersann einen Kompromiss: Die Strecke der U2 und U3 wird im vollautomatisierten Betrieb befahren werden, der Takt wird grundsätzlich erhöht (was ich gut finde), zur Rush-Hour fahren normal lange Züge und in den „Nebenzeiten“ werden Kurzzüge eingesetzt.

Ich sehe als Fahrgast folgenden Vorteil: Abends und am Wochenende sind die etwas außerhalb gelegenen U-Bahnhöfe oft recht leer. Und die im Verhältnis wenigen Fahrgäste finden auch in Kurzzügen (die sind etwa um die Hälfte der Wagons verkürzt) immer noch gut Platz. Wenn sich nun auch noch der Takt von jetzt zehn Minuten (Sonntags) auf vier Minuten verkürzt, dann habe ich als Fahrgast gewonnen, denn ich komme schneller weg und an und kriege trotzdem einen Sitzplatz (bislang läuft das Ganze im Testbetrieb, der Regelbetrieb soll dann Anfang 2010 aufgenommen werden).

Nicht so ganz klar ist mir allerdings, wie die VAG bei diesem Kompromiss überhaupt auf „Null“ kommen kann – ohne gar Verluste zu machen. Zwar sind die U-Bahnzüge nun um die Hälfte kürzer, aber es werden ja mehr als doppelt so viele Züge auf den Weg geschickt. Das muss etwas kosten!

Am Rathenauplatz standen gestern einige VAG-Mitarbeiter mit Infozetteln in der Hand bereit und informierten über die Kurzzüge und die neue Taktung. Ein netter, älterer VAGler sprach mich an und drückte mir den Infozettel in die Hand. Er erklärte die Taktung und dass diese durch den Einsatz von Kurzzügen erreicht wird. Ich fragte ihn ganz offen nach den Arbeitsplätzen und er sagte sinngemäß, dass sich für die Fahrer der U-Bahnen innerhalb der VAG vielfältige Möglichkeiten böten, ihren Job zu behalten. Jeweils ein Mitarbeiter betreue drei Bahnhöfe, auf denen automatisiert gefahren werde, manche der Fahrer würden zur Straßenbahn wechseln oder hätten eine spezielle Fahrerlaubnis für die Personenbeförderung in den Bussen und es sei bis heute noch kein Fahrer bedingt durch die Automatisierung der U-Bahn entlassen worden. Ich will es ihm glauben (die Stärke von ver.di hat sich während des ÖPNV-Streiks ja bewiesen), ob das aber auf Dauer durchzuhalten ist?

Der Kompromiss, der da derzeit im besten Wortsinne „gefahren“ wird, ist für mich ganz angenehm. Dennoch habe ich die Sorge, dass man irgendwann in den „Nebenzeiten“ oder am Wochenende den Takt wieder herunterfährt – allein schon aus Rentabilitätsgründen. Das wird aber die Zukunft zeigen.

Hier ist eine Kundenmitteilung der VAG, der die Taktung näher erklärt.

Und das schreibt der Bayreuther „Kurier“.

6 Kommentare

  • Thorsten

    Finde es aber bedenlich nur in der Zeit von 07:15 bis 07:45 an Werktagen die Langzüge fahren zu lassen. Selbst kurz vor 8h sind die Langzüge derzeit in Richtung Flughafen auf der U2 total voll. Das würd bedeuten das man bei Kurzzügen ab Dreiviertelacht schon mal auf den nächsten warten muss. Auch in den anderen Stoßzeiten Mittags und zum Feierabend ist mir das zu wenig. Will doch nicht auf den nächsten warten müssen. Denke das es an den wichtigen Bahnhöfen wie z.B. Rathenau schon dazu kommen wird. Zwischendrin, Abends und am Wochenende finde ich das absolut okay. Trotzdem werde ich kein Freund der fahrerlosen U-Bahn. Auf die Dauer bedeutet das weniger Arbeitsplätze und die Technik zeigt das sie anfällig ist. Und von den angeblich pro Zug ein Mitarbeiter ist shcon lange nichts mehr zu sehen. In 1-2 Jahren sehen wir ünerhaupt keine VAGler mehr in der Zügen. Die VAG sollte mehr ins Verkehrsnetz in den Randgebieten und Verknüpfungen investieren. Eine Nord- und Südachse zu realisieren (mit Straßen-, Hoch- oder U-Bahn) wäre viel wichtiger. Es fehlt wie immer das Konzept. Die Sache mit der Verlängerung der Tram Richtung Metro ist auch schon wieder auf Eis. Oder hört man zurzeit was von der Eilbahn Richtig Erlangen über Thon. Der ÖPNV in anderen Großstädten ist viel besser organsiert, zeigt Konzepte und ist von den Verbindungen besser abgestimmt.

  • Marcus

    ich seh´s auch mit der Uhrzeit kritisch, da ich ja nun regelmässig kurz vor 8h unterwegs bin und die Strecke Rathenauplatz => NO-Bahnhof bis meistens 08:05 Uhr gestopft voll ist. Ich vermute, es wird so krass laufen, dass die U-Bahnen dermassen überfüllt werden, dass die Türen nicht mehr schließen und es sich dann bis zum Totalausfall steigern wird. Das muss die VAG dann erstmal ein halbes Jahr testen um dann nach den Sommerferien 2010 eine Entscheidung zu treffen, ob man ab 2011 die Züge wieder in voller Länge fahren lassen wird. Sicherlich lässt sich´s für 2011 auch noch nicht sagen, weil ja sicherlich die VAG´ler auch mal wieder streiken wollen und somit eine tatsächlich kundenorientierte Taktung der U-Bahn auf 2012 verschobben werden muß….Hm…wann sollte die U1 umgestellt werden?…2012/2013?…na dann kann man ja erstmal testen, ob sich das Chaos auf der Strecke zwischen Bahnhof und NO-Bahnhof evtl. dann ja auch alleine löst. Schliesslich gibts ja immer mehr ALG II Empfänger und den Geburtenrückgang muss man da auch noch als Variable hinzufügen. Nicht zu vergessen, dass auch das Umweltjahres-Abo künftig seine Ausschlusszeiten erweitert (von ehem. 6-8h auf 6-9h, damit lohnt sich´s auch auch nicht mehr diese günstige Variante zu wählen und kann gleich die teure MobiCard kaufen). Alles in allem wiedermal ne tolle Show der VAG-Vorstandsplanung zum Wohle der Fahrgäste.

    …drauf geschi….

  • Thorsten

    Die U1 soll vorerst nicht umgestellt werden.
    Die Preise werden weiter steigen, ÖPNV wird ein Luxusgut. Bin daher auch für das Sozialticket. Damit die von dir Marcus oft erwähnten ALG2-Empfänger sich wenigstens mal eine Fahrt leisten können. Oder noch besser die Geringverdiener.

    Hat doch schon wieder kein Hand und Fuß bei der VAG.

  • admin

    Jungs, das glaube ich nicht. Vielleicht hab´ ich mich auch nur unklar ausgedrückt:
    Die Taktrate wird erhöht. In der Rush-Hour verkehren normale lange Züge.
    In den Nebenzeiten fahren Kurzzüge.
    Damit gibt es in den von Euch beschriebenen Stoßzeiten lange Züge und einen kürzeren Takt. Sollte doch die Situation entschärfen …
    … aber das wird erst die Zukunft zeigen

  • Nadine

    Ich hatte gestern meine Premiere. bin das erste mal mit der fahrerlosen U-Bahn gefahren (bin ein Spätsünder – wie lange gibts die jetzt schon im Regelbetrieb??)
    Auf jeden Fall aber auf der Strecke der U2 Flughafen in Richtung Röthenbach. Ich bin Herrenhütte eingestiegen und schon im ersten Bahnhof Nordostbahnhof hatte die Bahn einen Aussetzer. Die hat minutenlang ein lautes Hupkonzert gegeben, das war nicht mehr schön.
    Jetzt war in meinem Wagon aber zum Glück ein Bediensteter der VAG, der hat sich das eine Zeit lang angehört und hat dann eingegriffen. und dann ist die Bahn irgendwann weitergefahren. Zum Glück musste ich nicht weit
    fahren. Am Rathenauplatz bin ich schon ausgestiegen. Am gegenüberliegenden Gleis stand auch eine Fahrerlose und diesmal haben beide ein schallendes Hupkonzert gegeben!!!! das nervt mich! fahre wieder mit dem Auto in die Stadt 😉

  • Thorsten

    @ admin: Laut NN-Bericht will die VAG Langzüge nur zwischen 07:15-07:45h fahren lassen.
    Ich bin heute um Punkt 8h am Rennweg eingestiegen. Wäre da ein Kurzzug gekommen, wäre dieser total überfüllt gewesen.
    Da hilft auch nicht die höhere Taktung. Hab keinen Bock 100sek zu warten. An bächsten Frühjahr fahre ich mit dem Fahrrad zu Arbeit.

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