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BR, brr, brrrr.

Quo vadis, ÖRR? Gestern Abend höre ich schnell noch „Das war der Tag“ auf D-Radio und dann war das auch der Tag: Verkündet wurde, dass einer von Merkels Schoßhunden, der CSU-Politiker und derzeitige Regierungssprecher Ulrich Wilhelm Intendant des Bayerischen Rundfunks wird.

Wilhelm, Sohn des langjährigen Landtagsabgeordneten Paul Wilhelm (CSU) weist die typische Karriere eines CSU-Journalisten auf: Begonnen hat er, wer erräts? Beim Bayerischen Fernsehen. Als Chefredakteur (Gut, vorher war er ein „Freier“ – aber das soll mal nicht stören). Dann kam er mit Stoiber in die Bayerische Staatskanzlei, hernach wurde er Pressesprecher des Ministerpräsidenten und der Bayerischen Staatsregierung und dann, 2004 wurde er Ministerialdirektor bei Goppel. Der Sprung nach Berlin gelang, weil Merkel ihn ein Jahr später holte, als Regierungssprecher und Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung. Und gestern? Gestern wurde er vom Rundfunkrat zum neuen Intendanten gewählt.

Staatsferne? Dass ich nicht lache. Wer sich den gestrigen Artikel der taz durchliest, der sieht, aus welchem Holz der Herr Wilhelm geschnitzt ist. Beim Absägen Bredners hatte er die Finger im Spiel. Kurz von der Wahl in Sachsen wollte er Merkel klammheimlich und leise zum Exklusivinterview ins MDR-Fernsehen lancieren (was ihm zum Glück nicht gelungen ist). Nach der gescheiterten Mission habe er wohl auch heftig nachgetreten.

Da kann – schon vor der Wahl – auch der sonst eher nachdenklich gestimmte und stilsichere Bredner nicht mehr an sich halten:

Kurz vor der Wahl, wird die Kritik an der Kandidatur Wilhelms nun auch schärfer. Vor dem Bremer Presse-Club äußerte sich nun auch der geschasste ZDF-Chefredakteur Brender. Er finde es verwunderlich, dass sich die Empörung bislang „nur so gezügelt“ zeige. Er finde es hoch erstaunlich, dass Wilhelm „ohne Zwischending vom Regierungssessel auf den Intendantensessel wechseln“ könne, sagte Brender laut Radio Bremen. Durch diesen Fall bekämen erneut die Kritiker recht, die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk Staatsnähe attestierten. (Quelle: DWDL.de)

Und auch bei den Piraten sieht man die Wahl Wilhelms kritisch:

Damit erweitert sich erneut die Einflussnahme der Politik auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Im letzten Jahr hatte bereits die hessische CDU die Absetzung des ihr nicht genehmen ZDF-Chefredakteurs Brender durchgesetzt und dadurch für Irritationen gesorgt.

Im Blog Web-Quantensprung bringt man es unter der Überschrift „Merkelgate: Die Alte macht den Berlusconi“ auf den Punkt:

Damit ist eine weitere Medienstation eindeutig in den Händen der CDU. Das ist Merkelgate, mich packt die Wut.

Ich bin mal gespannt, wie er sich machen wird. Etliche sagen ja, dass es schlimmer als beim Gruber nicht werden kann. Wenn man sich aber mal ansieht, wie sich das „lächelnde Fallbeil“ (taz) in der Vergangenheit so gerierte, wäre ich mir da nicht mehr so sicher.

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