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6N2-J = 6N2P(-EV)? Eine kleine Röhrenkunde.

Zur Zeit beschäftige ich mit chinesischer HiFi-Röhrentechnik (warum, das erzähle ich Euch später einmal, das würde jetzt den Rahmen sprengen) und in einem Vorverstärker begegnete mir eine Röhre des Typs 6N2-J. Ich musste im Betrieb feststellen, dass diese Röhre klanglich nicht besonders viel hergibt und beim vorsichtigen Abklopfen war zudem schnell festzustellen, dass sie auch mechanisch ziemlich lumpig gefertigt wurde – ein klassischer Chinaböller eben.

Nun war mir sehr daran gelegen, einen Ersatz zu beschaffen, zumal das Design des verwendeten Gerätes technisch gesehen sehr ordentlich layoutet und auch ausreichend dimensioniert ist. Nur die Röhre ist halt Mist. Doch es war gar nicht so leicht, ein Äquivalent zur 6N2-J zu bekommen, denn selbst das allwissende Internet weiß zu dieser Röhre nicht allzuviel zu sagen.

Fotovergleiche ließen die Vermutung zu, dass eine nicht nähre bezeichnete 6N2 nicht identisch mit der 6N2-J ist – was sich auch bewahrheitet hat. Mit Jakob Roschy von radiomuseum.org und Herrn Kunisch vom Classic-Tubeshop bin ich auf zwei sehr hilfsbereite Experten gestoßen, die mir halfen, Licht ins Dunkel zu bringen. Meine Vermutung, dass es sich bei der chinesischen 6N2-J um einen Nachbau der russischen 6N2P-EV (der kyrillische Stempel zeigt die Zeichen 6Н2П-EB) handelt, wurde nach einem Direktvergleich und einem realen Einsatz im Verstärker bestätigt. Herrn Roschy und Herrn Kunisch sage ich an dieser Stelle für die wertvollen Hinweise ganz herzlichen Dank!

Optischer Vergleich. Zum Vergrößern bitte das Bild anklicken (ca 4,5 MB groß)

Im direkten Vergleich fällt auf, dass die russische Röhre der chinesischen vom Aufbau her überlegen ist. Auch klanglich ist das russische Fabrikat dem chinesischen in jedem Falle vorzuziehen (ich habe mir je vier Exemplare besorgt, um Toleranzen auszuschließen bzw. nachvollziehen zu können). Zwar habe ich nicht die Möglichkeit, die Röhren zu messen und die technischen Werte zu vergleichen, aber im realen Betrieb tun beide Vorverstärkerröhren das selbe. Weiterhin ist es mir nicht gelungen, ein Datenblatt von der 6N2-J aufzutreiben. Daher ergeht an dieser Stelle mein ernst gemeinter Hinweis:

Obschon die Vermutung, dass es sich bei der 6N2-J um ein Äquivalent zur 6N2P-EV handelt, mehr als naheliegt, kann dies nicht mit allerletzter Sicherheit bewiesen werden. Wer daher die Röhren gegeneinander tauscht, der tut dies auf eigene Gefahr! Der Tausch darf nur von Fachpersonal vorgenommen werden! Jedwede Haftung aus Schäden, die durch einen derartigen Tausch entstehen können, lehne ich ab! Zudem sei darauf hingewiesen, dass es sich bei der 6N2P-EV um ein Bauteil aus der Produktion vergangener Tage handelt, dessen RoHS-Konformität nicht nachgewiesen ist. Es darf daher zur Instandsetzung von nach den 01.01.2006 in Verkehr gebrachten Geräte nicht genutzt werden.

Um was für eine Röhre handelt es sich überhaupt? Die Röhren sind der ECC83 ähnliche Doppeltrioden, d.h. sie bergen jeweils zwei Systeme und damit ist eine Stereovorverstärkung mit einer einzigen Röhre erreichbar. Allerdings darf eine ECC83 nicht durch diese Röhren getauscht werden (und umgekehrt auch nicht), da die Heizspannung unterschiedlich ist (die Heizungen sind bei 6N2-J und 6N2P-EV intern verbunden, eine Anpassung der Schaltung über den Sockel ist rein theoretisch möglich – aber in Anbetracht der exzellenten Versorgungslage mit NOS-ECC83 nicht wirklich sinnvoll). Weiterhin unterscheiden sich die Röhren von der ECC83 durch ein Schirmblech, das an Pin 9 geerdet ist. Dieses weist die ECC83 meines Wissens nach nicht auf.

Das Schirmblech prädestiniert die Röhren für den Stereobetrieb, denn es verhindert ein gegenseitiges Übersprechen auf den jeweils anderen Kanal. Um Brummen zu verhindern, ist die Erdung herausgeführt. In der Praxis klappt das übrigens wunderbar – es ist keinerlei Übersprechen feststellbar.

Die chinesische 6N2-J im Detail. Der einfach gearbeitete, gepresste Getter ist gut erkennbar.

Diese Röhrenart wird heute noch gerne und in steigendem Maße zur Stereo-Vorverstärkung verwendet. Auch in Kopfhörerverstärkern für niederohmige Hörer leistet sie hervorragende Dienste.

Detail der russischen 6N2P-EV. Die hohe Fertigungspräzision ist gut erkennbar.

Nun stellt man sich an dieser Stelle die Frage, ob ein Tausch lohnt. Ich möchte dies bejahen, denn bei der chinesischen Variante, die ich für einen recht unambitionierten Nachbau halte, sind doch hohe Fertigungstoleranzen und ein etwas windiger mechanischer Aufbau beobachtbar. Eine mein 6N2-J spratzelte im rechten Kanal heftig. Nach vorsichtigem Abklopfen war kurz Ruhe, dann trat das Spratzeln wieder auf. Dies führe ich auf eine ungenügende Verarbeitung des System zurück – das spricht nicht für die Röhre. Zudem besitze ich eine 6N2-J, bei der Teile des Aufbaus in transparentem Kunststoff erledigt sind – damit man das Glimmen der Heizung schön sehen kann. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass diese Röhren for show verarbeitet werden – ich sähe es aber viel lieber, wenn die mechanische Qualität und der Klang im Vordergrund stehen würde!

Die russischen Röhren habe keine derartigen Fehler und klingen wesentlich wärmer und ausgewogener, zudem ist die Lautstärke beider Kanäle gleich hoch, was ich von zumindest einer meiner 6N2-Js nicht behaupten kann.

Die 6N2P-EV kann man übrigens in ausgezeichneter Qualität im Classic-Tubeshop kaufen, derzeit ist sie für unter fünf Euro zu haben – ein echtes Schnäppchen!

Noch etwas zum „OTK“-Stempel auf russischen Röhren, was man immer wieder liest, aber nicht hundert Prozent bestätigt ist: Gerne wird angenommen, dass der „OTK“-Stempel ein Indiz für eine Röhre ist, die für militärische Zwecke hergestellt sei und damit engeren Toleranzen und einer robusteren Bauweise unterliege. Andere Quellen jedoch sagen aus, dass es sich bei „OTK“ um ein Qualitätsprüfzeichen der Russen handelt, vergleichbar mit der TGL-Norm in der DDR. Zumindest darf vom „OTK“-Stempel nicht auf eine Militärröhre geschlossen werden. Das „EV“ in der Bezeichnung wiederum soll aussagen, dass die Röhre für höhere Belastungen ausgelegt sei (extendet rating version). Das ist anzunehmen, kann von mir aber nicht bewiesen werden.

Pappradio.

Ein Radio, dass sich über den Rechner ansteuern lässt und DRM kann, ein software defined radio, dass nicht das Budget sprent – das wäre doch eine feine Sache!

Der Konjunktiv, so dufte ich gestern lernen, ist in diesem Fall nicht angebracht, denn in Kooperation mit der Stimme der Anden wird ein solcher Empfänger angeboten – zu einem Preis von gerade mal 65 Euro.

Das Gerätchen, dass sich Pappradio nennt und mit SoDiRa, Dream DRM oder Winrad arbeitet, ist in der Lage, von 150 kHz bis 30 MHz quasi alles zu empfangen, was auf dem Äther rumschwirrt – inklusive DRM. Einseitenbandempfang, phase shift keying und der Empfang von Wetterfaxen soll ebenso möglichg sein.

Der equadorianische Missionssender „Stimme der Anden“ hat ein maßgebliches Interesse, günstige und performante Empfänger unter die Leute zu bringen, so dass deren lediglich mit 4kW abgestahlten Programme im DRM-Verfahren empfangen werden können. Da stand-alone DRM-Empfäner immer noch rar und vor allem teuer sind, ist das Pappradio mit entsprechender Software nicht nur eine kostengünstige sondern auch besonders flexible Lösung, die Lust auf Empfangsexperimente macht.

Neben dem Pappradio wird zum Empfang lediglich eine Langdrahtantenne (leicht selbst zu bauen), ein wenig Gekabele und ein Rechner mit Vollduplex-Soundkarte und dem Betriebsystem Windows XP benötigt. Das ist auch der Grund, warum ich mir noch kein Pappradio geklickt habe – für Mac-User schauts auf dem Gebiet der SDR- Software nämlich recht mager aus. (Quelle und Bild: pappradio.de)

Mittelwellenscan um 22:30 Uhr mit einfachem Equipment

Gerade will ich es wissen: Ich sitze vor dem Rechner und habe neben mir den TRA-2350P auf Mittelwelle im Wide-Empfangsmodus mit vorgewählter hoher Selektivität. Was wird wohl in Nürnberg gehen?

Zum Empfangslage: Solide Nordstadtlage im vierten Stock, exakte Koordinaten VollbildBreitengrad: 49.462795 (49° 27′ 46.06“ N), Längengrad: 11.102277 (11° 6′ 8.20“ O).

Mögliche Störquellen sind ein Plasma-TV (!) und ein Mac mini in unmittelbarer Nähe.

Ich liste nur die wirklich stark einstrahlenden Sender, die sich sehr gut und quasi störungsfrei Hören lassen – das ist jetzt keine DX-Herausforderung…

530 kHz, 4 v . 5; 542 kHz – 549 kHz voller S-Meter-Ausschlag – massiv gestört, im Hintergrund ist Pianojazz wahrnehmbar; 647 kHz, 5 v. 5; 656 kHz 6 v. 6; 671 kHz, 6 v. 6; 721 KHz, 6 v. 6 aber mit Pfeifen!!; 745 kHZ, 6 v. 6 – astreiner Empfang, 801 kHz, 6 v. 6 (Ortssender); 827 kHz, 6 v. 6; 871 KHz, 6 v. 6; 917 kHz, 6 v. 6; 927 kHz, 6 v. 6; 953 kHz, 6 v. 6 – aber Echo; 1133 kHz, 6 v. 6; 1215 kHz, 6 v. 6; massive Störung von 1222 kHz bis 1278 kHz; 1321 kHz, 6 v. 6; 1393 kHz, 6 v. 6;  1420 kHz, 6 v. 6.

Das war in Anbetracht der Tatsache der Uhrzeit und der hohen vorgewählten Empfindlichkeit keine Meisterleistung. Auch oberhalb der 1500 kHz war quasi nur ein Störsignal zu hören.

Mir ist schon klar, dass Mittelwellenempfang in der Stadt nix ist, aber so ein mageres Ergebnis hätte ich nicht erwartet. Gerade der SWR oder DLF waren doch eigentlich immer zu haben…

Ein weiteres Großes Manko ist die Belegung der 801 (Ortssender) mit on3. Wie kommt der BR bitte auf die Idee, einen Musiksender auf die Mittelwelle zu legen? Legt B5 dahin – davon hat man was.

Nun schiebe ich mal eine Frage nach: Wer von Euch hört eigentlich noch Radio über Mittelwelle?

Hörst Du Radio über Mittelwelle (AM)?
Jetzt werdet Ihr sicher fragen, was mich geritten hat, gerade heute mal über die Mittelwelle zu hören? Ganz einfach: Mich interessiert, ob die Mittelwelle noch einen praktischen Nutzwert hat. Aber darüber äußere ich mich ein anderes Mal.

Die Vinyl-Retrofalle

Schallplatten sind – sofern gut gepresst – ein Medium mit einer exzellenten Klangtreue und Qualität – und damit mehr als nur ein Retro-Medium für Nostalgiker und solche, die sich dafür halten.

Nicht erst seit gestern ist der Trend zu beobachten, dass neue Plattenspieler – gerne in grauserweckender Retro-Optik und gerne aus fernöstlicher Fertigung auf den Merkt gespült werden. Zwei besonders merkwürdige und kuriose Exemplare mchte ich heute vorstellen, beide entstammen dem US-amerikanischen Haus Crosley, beide führen bei Liebhabern des „schwarzen Goldes“ unweigerlich zu aufgerollten Zehennägeln.

Crosley, ein ehemals trraditionsreicher Hersteller von Radios, Fernsehern und Kühlschränken – aber auch Sendeanlagen, Antennen and stuff like that, tritt heute als retro-supplyer mit einer gewissen „Innovationskraft“ in Erscheinung, d. h., man schwimmt voll mit auf der Retrowelle und erweckt einstmalige Nischen- oder Teilnischenprodukte zu neuem Leben.

Quelle: CROSLEY US

Quelle: CROSLEY US

Als „The Crosley Revolution“ wird dieser – zugegebenermaßen äußerst portable – Plattenspieler nebst Encodingfunktion via USB gefeiert. Revolution? War da nicht was? Ich meine mich dunkel zu erinnern, dass ein japanischer Hersteller sowas ähnliches bereits in den 80ern gelauncht hat. Großzügig sechs Babyzellen weiß der Plattenspieler für die Handtasche leerzuzuzeln, er kommt mit Klinken-Line Out, Klinkenkopfhörerbuchse und PC/Mac-kompatiblem USB-Out daher.

Begeisterung? Wohl eher nicht. Dass sich dieses Konzept in den 80ern nicht durchgesetzt hat, hat klare Gründe: Beim Abspielen einer Platte ohne Teller – also „frei schwebend“ – resoniert diese beim Abtastprozess deutlich stärker und störender. Auch der Tonarm mitsamt Tonabnehmer sieht wenig vertrauenserweckend aus – leicht soll er sein, aber nicht zu leicht. Und gerade hier verbietet sich der Einsatz von zuviel Kunststoff, denn Kunststoff erhöht das Lagerspiel. Solche Konstruktionen sind tendenziell nicht nur schlecht für den Klang sondern auch schlecht für die Platten.

Ok, für einen 80s-Revival-Gag taugt das Gerät schon, aber wer kauft sich ernsthalt so ein Gerät? Das Gerät mag ja gut und gerne auch in kleinere Handtaschen passen – aber die 12″ ist dann doch nicht das handtaschenkompatible Format…

Fast noch grusliger ist die Modellvariante „Varsity Stack-O-Matic„. Voll die fünfziger – das ist ein Plattenwechsler!! Ein Plattenwechsler in 2010. Ich bin am Rande der Fassungslosigkeit. Das Ding und der Hintergrund scheint mir erklärungsbedürftig: In den 1950er und 1960er Jahren war die Single ein durchaus verbreitetes Medium – bei einer Abspielgeschwindigkeit von 45 Umdrehungen pro Minute bot so eine Platte Plart für zwei Lieder. Wenn man sie wendete.

Damit man sich nicht immer aus dem Sessel erheben musste, wenn man mehrere Lieder am Stück hören wollte, kamen zu dieser Zeit Plattenwechsler auf – „normale“ Plattenspieler, die jeweils zehn Platten auf einem ausreichend lang dimensionierten Dorn in angemessener Höhe vorhielt. War eine Platte abgelaufen, krachte eine weitere auf den Plattenteller (und damit auf die erste gehörte) und der Abspielprozess begann von Neuem. Wie schon gesagt – die 50er und 60er eben – als sich die LP als favorisiertes Format etablierte, wurden solche Konstruktionen – einstmals ein nifty feature – sukzessive obsolet.

Heute gibt es keinen vernünftigen Grund, Geräte zu konstruieren, bei denen Platten aufeinanderkrachen – außer, dass es vielleicht nett anzusehen ist. Auch hier entdecken wir wieder einen Plastik-Tonarm.

Bereits zur Entstehungszeit der Plattenwechsler waren diese ob ihrer hakeligen und störanfälligen Mechanik und der Tatsache, dass bis zu zehn (sic) Platten beim Abspielen aufeinanderlagen, nicht unumstritten. Sie konnten sich auch nicht halten, diese „Jukeboxen für das Wohnzimmer“. Allein der Gedanke, Platten beim Abspiele aufeinanderliegend zu haben, weckt Schaudern in mir.

Und dann kommt noch ein drittes Ding ins Rennen von Crosley – den Mini-Vinyl-Retro-Kofferspieler, der für knappe 90 Dollar bei amazon.com angeboten wird. Der positiven Bewertungen beeindrucken mich dabei kein bisschen – auf sowas wollte ich meine Platten nicht legen.

Daher kommt zum Abschluss dieses Posts das, was ich zu solchen Gelegenheiten immer sage: Auch wenn aus all diesen Dingern wohl Ton kommen mag, ist ein Plattenspieler immer noch ein Präzisionsgerät mit hohem Feinmechanikanteil. Der Einsatz von haufenweise Kunststoff bietet weder eine gute Basis zum Entkoppeln, noch hilft er das Spiel, dass zweifeLEYlsohne jedes Lager hat, einzudämmen. Auch wenn diese Geräteart nett anzusehen ist – Leute, kauft euch was Gescheites oder Gutes gebrauchtes. Guter Klang ist der Maßstab, ein USB-Port am Plattenspieler ist kein Feature.

Kommt jetzt DAB+?

Nicht ganz taufrisch, aber immerhin bemerkenswert ist diese Pressemitteilung der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF), in der, wenn alles klappt, eine neue Runde in der nicht ganz einfachen Geschichte des deutschen Digitalradios eingeläutet wird.

Wir erinnern uns : DSR ist kläglich gescheitert, DAB funktioniert derzeit noch ganz ordentlich, der kommerzielle Erfolg blieb dem System aber versagt. DRM ist mangels günstiger Empfangsgeräte und der aktuellen Fokussierung auf die Kurzwelle auch eher ein Nischensystem. Nun soll DAB+ die Sache retten:

ARD und das Deutschlandradio wollen das seinerzeit ausgeschriebene nationale Bouquet nutzen. Nun muss die KEF die hierfür nötigen Gelder genehmigen – was nach einer reinen Formsache klingt, den Sendern in der Vergangenheit aber schon einmal verweigert wurde.

Nun aber haben die Sender die KEF so weit, dass sie es mit DAB+ noch einmal versuchen dürfen, aber unter der Bedingung, dass sie dafür die Verbreitung via Lang-, Mittel- und Kurzwelle aufgeben. Der Betrieb der AM-Sender ist nämlich eine Energie- und damit kostenintensive Sache und der Empfang findet ebenfalls in einer Nische statt – ist der Dynamikumfang amplitudenmoduliert übertragener Signale bekanntermaßen eher begrenzt (und Stereo gibts auch nicht).

Im Herbst fordert die KEF einen Bericht der Anstalten über die Vertragsmodalitäten mit den Senderbetreibern. Dann könnte es im Prinzip mit DAB+ schon losgehen – in die nächste Runde Digitalradio.

Welche Konsequenzen könnte das in Zukunft haben? Darüber lässt sich nur spekulieren (und entgegen meiner Gewohnheit beteilige ich mich daran). Außerdem würze ich mit einigen wenigen Fakten:

  • Wenn DAB zugunsten von DAB+ abgeschaltet wird, hat man noch mehr Digitalradiofreunden vor die Tür geschissen, denn DAB+ ist nicht abwärtskompatibel und die DAB-Geräte, die es jetzt gibt, würden wertlos.
  • Festzuhalten ist aber schon jetzt, dass es etliche DAB+-Geräte am Markt gibt. Sie liegen heute preislich weit unter dem, was DAB-Geräte seinerzeit kosteten.
  • DAB+ verwendet einen leicht modifizierten AAC+-Codec. Das ist jetzt zar nicht das modernste, aber um Welten fehlertoleranter und bandbreitensparender als der jetzige MUSICAM-Standard (das war solide 80er-Jahre-Technik).
  • DAB+ kann zwar die Anzahl der zu übertragenden Programme im Vergleich zu DAB verdoppeln, aber allzu üppig ist das trotzdem nicht. DAB+ bietet mittelfristig keinen Puffer und damit keine Lösung für das Problem der Frequenzknappheit.
  • Mittel- und Langwellenempfang (insbesondere des Deutschlandfunks) sind technisch gesehen Nischenerscheinungen. Und trotzdem werden diese Empfangsmöglichkeiten genutzt: In der Fläche immer dann, wenn ein ausreichender Empfang über oft schwache) Stützsender technisch nicht möglich ist oder wenn bauliche Rahmenbedingungen eine ausreichende UKW-Signalstärke nicht zulassen. Hier kann auch DAB+ nicht helfen. Das ist der wesentliche Grund, warum ich diese „Maßnahme“ kritisch sehe.
  • Wen ich die Pressemitteilung recht verstehe, dann geht es bei den abzuschaltenden Übertragungskanälen nicht um Übertragungsverfahren sondern um Wellenbereiche. Wenn das so stimmt, könnte die Einführung von DAB zur Schwächung von DRM beitragen (es wäre u.a. B5 aktuell auf 6085 kHz betroffen). Ob das im Sinne der Befürworter des Digitalradios ist?

Insgesamt bleibt ein durchwachsenes Bild: Wenn die öffentlich rechtlichen Landesrundfunkanstalten Vorreiter für DAB+ werden und sich dabei nicht allzu glatt anstellen, könnte wieder Bewegung in di Sache „Digitalradio“ kommen. Das Oper, das lau KEF zu bringen ist scheint mir aber ungeeignet, der Sache dienlich zu sein.

Gefährliches Digitalradio?

Lange bevor uns die Umstellung des analogen terrestrischen Fernsehens auf DVB-T ereilte, wurde in Deutschland versucht, den Hörfunk zu digitalisieren – beide Male ohne nennenswerten Erfolg. Zum ersten Mal wurde dieser Versuch um etwa 1990 unternommen mit dem „Digitalen Satellitenradio“ – einer recht high-endigen Lösung zu stationären Empfang, die sich nicht durchsetzen konnte (allein der Erwerb des geeigneten Tuners belastete das Budget vierstellig!) und einige Jahre später wieder eingestellt wurde. Und dann kam DAB und damit terrestrisch empfangbares Digitalradio. DAB gibt es bis heute, DAB konnte keine nennenswerten Erfolge erzielen.

Ich habe selbst einen DAB-Tuner, den ich kaum nutze und ich habe so einige Gedanken, warum DAB kein Erfolg ist:

  • Anschaffungskosten: In den vergangenen Jahren war ein DAB-Radio eine sehr teure Sache. Ein Tuner für die Stereoanlage in halbwegs ansprechender Qualität war eigentlich nicht unter 500,– Euro zu haben, ein einfaches tragbares Radio („Henkelware“) kaum unter 150,– Euro. Da überlegt man sich die Anschaffung ganz genau – oder anders gesagt: So was ist schon allein des Preises wegen etwas für Radioenthusiasten. Zwar sind gerade in den letzten beiden Jahren die Preise für DAB-Radios deutlich gefallen, im Schnitt sind sie aber immer noch teurer als UKW-Radios (das gilt besonders für Autoradios und Taschenradios).
  • Fehlender Mehrwert gegenüber dem analogen UKW-Radio: Ein DAB-Radio, so wie wir es heute kaufen können, kann technisch gesehen nicht wesentlich mehr als ein ganz normales UKW-Radio – im Zweifelsfall sogar weniger! Beispielshalber stelle ich die Situation in Nürnberg dar: Mindestens 18 Sender (ein besseres Radio holt auch SWR2 in akzeptabler Qualität heran) sind via UKW problemlos zu empfangen, 17 davon in stereo. Bei DAB sind es zum einen weniger Sender, zum anderen ist der Empfang im Zimmer trotz geeigneter Antenne nicht unproblematisch, der Deutschlandfunk (dort überträgt man gerne live und in voller Länge klassische Konzerte) kommt in 64kBit/s mono und etliche der Regionalsender sind via DAB auch nicht zu bekommen. Selbst Bayern 3 und BR-Klassik sind über DAB nicht verfügbar (und das ist schon frech – denn diese Sender kommen vom Bayerischen Rundfunk und dafür zahlt man ja Gebühren). Weiterhin sind die mitgesendeten Informationen im Radiotext bei DAB oft erschreckend dünn – meist ist dort nicht mehr zu lesen, als im RDS des UKW-Rundfunks. Wer also das technisch erreichbare terrestrische Maximum an verfügbaren Sendern empfangen will, der braucht UKW und DAB. Mit UKW ist der Schnitt aber besser.
  • Tonqualität: Für DAB wird mit einer besonders guten Tonqualität geworben. Der digitale Rundfunk soll annähernd so gut wie eine CD klingen. Mit der alten Datenkompression von DAB (MPEG 1, Layer 2, das ist technisch unterhalb des MP3-Codecs, der inzwischen auch nicht mehr als Maß der Dinge angesehen werden kann) ist das theoretisch schon sehr schwierig, praktisch wird diese gute Tonqualität auch nur selten erreicht. Das liegt besonders daran, dass die Sender auf eine hohe Übertragungsrate aus Kostengründen gerne verzichten. Beim Indoorempfang ist hier, selbst in der Innenstadt, mit starken Signaleinbrüchen zu kämpfen, besonders im L-Band ist immer wieder das typische „Blubbern“ von DAB zu verzeichnen. Hier spielt UKW seine technischen Stärken klar aus: Wenn ein UKW-Sendesignal schwach ist und im Stereobetrieb stark rauscht, kann man auf mono umschalten und den Sender immer noch akzeptabel hören. Bei DAB ist ein schwaches Signal nicht mehr zu empfangen – Ganz oder gar nicht! Einige High-End-Freaks behaupten indes, dass die Klangqualität von UKW sogar deutlich besser sei…
  • Fehlender Anreiz zur Umstellung bzw. Anschaffung: Bei DVB-T erlebten wir eine Art Zwangsumstellung: 2006/07 gab es kein analoges Antennenfernsehen mehr. Wer sich keine DVB-T-Box gekauft hatte, sah kein Fernsehen. Das ist bei UKW und DAB anders. Wenn DAB schon keinen Mehrwert bietet und die Radios funktionieren, warum dann ein neues kaufen (und Radios sind recht robust: In den letzten Jahren ist mir keines der Geräte, die ich benutze, kaputt gegangen. Und bei meinem Papa hat im letzten Jahr der alte Grundig nach 35 Jahren (sic!) seinen Dienst quittiert)?

Es sieht also, das zeigt auch die Verbreitung der DAB-Empfänger, nicht gut aus für digitalen Hörfunk – und aus oben genannten Gründen dürfte sich auch mit der Einführung von DAB+ nichts daran ändern, es sei denn, man würde die Verbreitung über UKW irgendwann komplett abschalten. Das tut insbesondere all jenen weh, die sich sehr für DAB im Speziellen und den digitalen Hörfunk im Allgemeinen eingesetzt haben. Und das sind nicht nur die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sondern auch die Landesmedienzentralen nebst den großen privaten Programmanbietern. Das Scheitern von DAB erhöht den Druck auf all jene, die in der Vergangenheit DAB das Wort geredet und Unsummen in dieses Projekt investiert haben.

Was wird passieren? Während man 2006 und 2007 noch davon sprach, etwa 2012 UKW abzuschalten, ist davon nicht mehr die Rede. Der Aufschrei währe wohl zu groß, müssten doch Millionen und Abermillionen Radiogeräte getauscht werden. Das ist auch gar nicht möglich; da DAB seine „Nische“ nie verließ, existiert auch kein adäquater Gerätemarkt.

Nun scheint sich langsam aber sicher die Erkenntnis durchzusetzen, dass der Misserfolg von DAB mit der über diesen Weg empfangbaren Programm(un)vielfalt zusammenhängen mag. Laut einer gestrigen Meldung von teltarif.de scheinen die Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) und die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien (BLM) gegensteuern zu wollen: Es werden bundesweite Digitalradiokapazitäten ausgeschrieben. Bei der BLM läuft die Ausschreibung bis 12. März.

Die Überschrift verrät es bereits: Ich halte die Ausschreibung einer bundesweiten „Frequenz“ für Privatanbieter für besonders gefährlich und lehne dies auch ab. Insbesondere sehe ich folgende Gefahren:

  • Nicht selten ändern sich bei privaten Rundfunkanbietern die Besitz/Mehrheitsverhältnisse. Das birgt zweierlei Gefahren: Zum einen können sich große Medienkonzerne im Nachhinein dort einkaufen und sukzessive Macht in Vorständen und Aufsichtsräten erhalten. Ein bundesweites privates Radioprogramm wird diese Bestrebungen beflügeln – wir haben die Machtkonzentration bei privaten Anbietern im Fernsehbereich in den letzten Jahren erlebt. Diesen Fehler sollte man beim Radio nicht begehen (über Kabel und Satellit sowieso haben wir das bereits, auch senden die „Überregionalen“ in manchem Ballungsraum mit schwachen UKW-Sendern – aber ein bundesweites Programm in der Fläche zu verbreiten erreicht eine neue Qualität!)
  • Ebenso könnte sich die Politik mehr oder weniger direkt in diese Sender einkaufen. Das ist m.E. noch gefährlicher.
  • Bundesweiter Privathörfunk ist ein Angriff auf die Vielfalt im Radio. Hier wird nicht nur Regionalität verhindert sondern auch der Wettbewerb zu Lasten regionaler Anbieter verzerrt. Zum einen im Bereich höherer Werbeeinnahmen, die durch überregional/bundesweit/international auftretende Werbetreibende erzielt werden können und zum anderen durch teure und aufwändige Programminhalte, die die „Kleinen“ weder finanziell noch personell stemmen können.
  • Frequenzen (oder im Fall von DAB „Kanäle“ in einem Multiplex) sind ein knappes Gut: Je mehr dieser Frequenzen/Kanäle von bundesweiten Anbietern belegt werden, desto weniger stehen sie dem regionalen Hörfunk (und damit auch Bürgersendern, offenen Kanälen, Veranstaltungs/Projektradios, Freien Radios etc) zur Verfügung (Anm.: DAB ist hier sowieso die falsche Technik, denn kleine Anbieter, die wenig Geld für die technische Verbreitung zur Verfügung haben, weichen gerne auf günstige Sender mit geringerer Reichweite aus oder betreiben teilweise selbst welche auf dem Studiodach. Das geht mit DAB nicht mehr, wohl aber mit DRM+).

Ich spreche mich daher gegen bundesweiten Hörfunk in privater Hand aus. Das Fernsehen hat uns die Fehler dieses Ansatzes in den letzten Jahren deutlich vor Augen geführt. Die von der TLM und BLM angestoßene Initiative halte ich für gefährlich. Selbst wenn sie ausschließlich zur Attraktivitätssteigerung des schwächelnden DAB gedacht ist, markiert sie doch einen Dammbruch im Hörfunkbereich – einen Dammbruch, den wir in Zeiten zunehmender Einflussnahme auf und Kommerzialisierung in die bzw. den Medien echt nicht gebrauchen können. Principiis obsta!

Zahlensender oder „Achtung! Achtung! Wir rufen Krokodil! Gebiss schleifen!“

Gestern habe ich mal wieder am Kurzwellenradio gekurbelt. Und für einen kurzen Moment war es mir so, als ob ich einen dieser legendenumwobenen Zahlensender reinbekommen habe (es war dann aber doch nur eine Wetterübertragung). Nichts desto trotz – eine spannende Sache, das mit den Nummernstationen.

Oben verlinkter Wikipedia-Artikel stellt den Kontext der Zahlensender sehr gut dar. Weiterhin sehr interessant und aufschlussreich ist eine Sendung des Deutschlandfunk aus dem Jahr 2003 mit dem Titel „Achtung: Fünnef, zwo, null, null, Trennung“, die hier im WM-Format heruntergeladen werden kann. Wer sich etwa 45 Minuten für das Thema Zeit nehmen möchte, findet hier nicht nur viele Hörproben sondern auch eine recht vollständige Hinführung ans Thema.

Was macht den Reiz dieser Sendungen aus? Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen – schlussendlich ist die Übertragung für sich genommen stinklangweilig und es wird einem Nicht-Insider zudem wohl kaum gelingen, etwas zu entschlüsseln – aber das Gefühl, dass etwas geheimes gerade über den Äther geht und irgendwo auf dieser Welt ein Spion am Radio sitzt und gerade seinen nächsten Auftrag erhält, hat schon seinen Reiz.

Wer nicht das Glück oder die Geduld hat, selbst Nummernsender aufzuspüren, kann sich einige Samples auch bei archive.org anhören: Im Rahmen des „Conet Project“ wurden etliche Mitschnitte von Zahlensendern gesammelt und sind hier abrufbar. Besonders gruselig ist gleich das erste Sample: Die schwedische Rhapsodie und die weibliche Kinderstimme – mechanisch, wie von einer Sprechpuppe kann einem schon einen Schauer über den Rücken jagen.

Was es allerdings mit der in Youtube zu findenden, recht jungen Übertragung des wiederkehrenden „Achtung! Achtung! Wir rufen Krokodil! Gebiss schleifen!“ auf sich hat, will sich mir nicht erschließen:

Hier das Gleiche nochmal, aufgefangen von einem anderen Nutzer mit einem anderen Empfänger.

Das erinnert mich eher an die zur „Feindverwirrung“ eingesetzten flotten Sprüche der Stasi auf dem Deutschen Freiheitssender 904 (vgl den Wikipedia-Artikel hierzu).

Wer ernsthaft an den Zahlensendern Interesse hat, der findet hier auch ein Board von „Eingeweihten“, dem sich etliche nützliche Informationen und aktuelle Frequenzen entnehmen lassen.

Detektorradio basteln

Es ist nun absolut nichts neues – aber nett auf Youtube anzusehen: Das Detektorbasteln.

Der erste Film zeigt einen Wiener Uniprofessor beim Radiobasteln:

Ein noch einfacheres Modell frickeln die Jungs vom Make-Magazine…

Guten Empfang!

Roadstar TRA-2350P: Ein Weltempfänger mit DX-Qualitäten für wenig Geld.

Nachdem ich letztens den elta-Taschen“welt“empfänger 3555 so verrissen habe, möchte ich Euch heute einmal zeigen, dass es auch anders geht und dass man für weit unter 100 Euro einen echt vernünftigen Weltempfänger mit vielen Features bekommen kann. Seit Mittwoch ist ein Roadstar TRA-2350P Weltempfänger mein Eigen – ich habe mit ihm jetzt ausführlich experimentiert und ich kann meiner Begeisterung über dieses Radio noch immer kaum angemessen Ausdruck verleihen.

Aber von Vorne: Radiohören auf Kurzwelle ist nicht jedermanns Sache, was unter anderem an den technischen Limitationen der Kurzwelle und  gebräuchlichen Heimempfängern liegt sowie am dargebotenen Programm, das mit Sicherheit nicht alle Radiohörer zu interessieren vermag. Da Kurzwellenrundfunk ein Nischendasein führt, technisch anspruchsvoll ist und in der Regel längerfristig nur das Interesse geneigter Hobbyisten trifft, sind hierfür geeignete Heim/Küchen- oder Autoradios nur selten anzutreffen. Und was mitunter als portabler Weltempfänger für Urlauber angeboten wird, die am Ferienort Nachrichten und Fußballergebnisse hören wollen, ist oft auch nicht wirklich für den KW-Empfang tauglich (vgl. das besprochene elta-Radio). Und in Zeiten von Internetradio, Radio über Satellit und digitalem Rundfunk via DVB-C rückt die Kurzwelle noch tiefer in ihre Nische. Und dennoch: Kurzwellenempfang ist spannend und kurzweilig.

Es ist aber auch kostspielig, geht man die Sache mit etwas Ernst an, denn geeignete Empfänger kosten ein Vermögen, billige Empfänger bringen auf UKW und Mittelwelle brauchbare Ergebnisse, vergällen einem aber oft recht schnell den Spaß an der Kurzwelle.

In den 1970er und 1980er Jahren war das durchaus noch anders. In Zeiten des Kalten Krieges nutzten das kommunistische wie das kapitalistische Lager die Kurzwelle gerne, um die gegnerische Seite grenzüberschreitend mit entsprechender Propaganda zu versorgen. Radio Moskau in Bayern? Kein Thema. Radio Free Europe in Mitteldeutschland? Auch kein Thema. Diese Angebote interessierten natürlich auch Nicht-Techniker und so traf man bei Heimempfängern nicht selten auch ein brauchbares Kurzwellenteil an. In den 1980er Jahren hörte ich mit dem Grundig Radiorecorder meines Vaters als Kind auf RIAS Berlin „Professor van Dusen“ – auf Kurzwelle, das war gar kein Problem. Und dass mein damaliger Universum-Radiowecker ein funktionstüchtiges KW-Teil hatte, war für sich betrachtet nichts ungewöhnliches. Heute sucht man auf vielen Radios die Kurzwelle vergeblich (und auch ein LW-Band ist längst nicht mehr Standard).

Jetzt bietet die Firma Roadstar einen Kurzwellenempfänger an, der diesen Namen echt verdient hat und der auch auf UKW und MW eine gute Figur macht. Yaesu tut das auch – seit Jahren und erfolgreich – der Roadstar-Radio ist aber auch bei sehr knappem Budget realisierbar. Und bringt dafür ordentlich Empfang und sinnvolle Features bei solider Verarbeitung.

Im Jahr 2006 trat ein relativ neuer, junger Anbieter für Radiogeräte auf den (zuerst chinesischen) Markt, die Fa. Redsun. So ist für Sangean, Degen und Tecsun ein neuer Konkurrent hinzugekommen. Allerdings habe ich noch nicht mitbekommen, dass Redsun auf dem europäischen Markt auftritt. Das besagte Radio wird hier von den Firmen elta und Roadstar vertrieben – entsprechend gelabelt und mit englischer Beschriftung versehen.

Hier gibt es ein sehr lesenswertes Review des Redsun RP2100 (so wird der Roadstar TRA-2350P auf dem chinesischen Markt verkauft) in Englisch. Noch bevor das Radio auf dem deutschen Markt verkauft wurde, hatte es auch außerhalb Chinas einige Freunde.

Und so ist es auch kein Wunder, dass sich mit den Firmen Roadstar und elta Importeure fanden, die das Gerät recht fix in den deutschen Markt einführten. So ist das Gerät nach wie vor auf den Seiten von Roadstar gelistet und kann unter anderem bei Conrad und Voelkner aus Nürnberg bezogen werden.

Bevor ich aber zum Unboxing und einer detaillierten Kritik des TRA-2350P komme, möchte ich Euch noch folgenden Link ans Herz legen: Eine Gruppe Honkonger Radio-Enthusiasten stattete der Firma Redsun einen Besuch ab und hielt auch die Produktion des RP2100 aka. TRA-2350P im Bild fest. Ich finde diese Bilder und den Kurzbericht sehr interessant (Detail am Rande: Es ist erkennbar, dass Redsun auch für Toshiba fertigt).

Nun aber erst einmal ein paar Bilder vom „Unboxing“:

Zum Unboxing: Das Radio wird in einer unspektakulären Schachtel geliefert, in der sich neben dem Gerät selbst ein Netzkabel, zwei Koax-Buchsen, die Garantiekarte und die Bedienungsanleitung befindet. Schon beim Auspacken merkt man: Das Radio bringt einiges auf die Waage, ist robust verarbeitet und hat den Charme der in den 1980er Jahren gängigen Geräte (und das ist keine Kritik – diese Apparate hatten ihre ganz eigene Eleganz und verstanden, durch Ergonomie der Bedienelemente zu überzeugen).

Auf den Bildern lässt sich schon das ein oder andere Feature erkennen:

Das Display ist groß und lässt sich beleuchten. Es ist gut ablesbar – allerdings könnte der Kontrast besser sein. Der Tuningknopf, das Abstimmrad, dominiert das Bedienfeld – es ist, wie man es sich wünscht: Es verfügt über ein leichtes Feedback, sitzt aber fest und „wabbert“ nicht. Auch die Tasten sind hintergrundbeleuchtet – ein angenehmes Feature. Mit der „Light“-Taste auf der Oberseite des Empfängers lässt sich die Beleuchtung steuern. Mit der daneben gelegenen „Snooze“-Taste wird der Weckvorgang unterbrochen, wenn man in Radiobetrieb draufdrückt, lässt sich der Quittungston der Tasten abstellen (und das ist notwendig, denn der nervt recht schnell).

Es gibt frontseitig zwei Drehschalter, um zwischen den Rundfunkbändern zu switchen – der obere schaltet FM mono und stereo sowie den AM-Bereich in einen „Wide“- und „Narrow“modus (das macht auch bei entfernteren Stationen Spaß, lassen sich im Widemodus bessere Empfangsergebnisse bei schwachen Signalstärken erzielen und im Narrowmodus werden – abhängig von der Senderstärke, Störgeräusche eliminiert). Mit dem unteren Bandschalter lässt sich zwischen Mittelwelle, Kurzwelle 1 und Kurzwelle 2 sowie 3 wechseln.

Folgende Frequenzbereiche werden empfangen:

  • UKW: 87,5 bis 108 MHz in ganzen MHz-Schritten bzw. 0,01 MHz-Schritten
  • MW: 522 bis 1620 KHz in 9 KHz-Schritten oder wahlweise
  • MW: 520 bis 1710 KHz in 10 KHz Schritten (z.B in den USA gebräuchlich)
  • SW1: 1711 – 10010 KHz
  • SW2: 9990 – 20010 KHz
  • SW3: 19990 – 29999 KHz, jeweils aufs KHz genau abstimmbar

Das bedeutet nichts anderes, als das vom 11m-Band bis auf 120 Meter alles empfangstechnisch abgebildet wird, bei nur zwei mal Umschalten nahezu durchgängig – das ist schon geil.

Weiterhin interessant ist die Spiegelfrequenzdämpfung. Sie beträgt für

  • UKW > 46 dB
  • MW > 60 dB
  • KW > 40 dB

Bei der Kurzwelle wären mindestens 60 dB schon nett gewesen, aber man darf nicht vergessen, dass ein Wert von etwa 40 dB für ein Heimgerät immer noch ganz anständig ist.

Ich habe in der Galerie eine Makroaufnahme vom Aufkleber gemacht, der auf die 50 Stationsspeicher hinweist. Das mag auf den ersten Blick nicht besonders spektakulär sein, aber es hat damit natürlich etwas auf sich: Den TRA-2350P gibt es in zwei Versionen, die sich nicht ohne weiteres voneinander unterscheiden lassen: Mit Speichermöglichkeit und ohne Speichermöglichkeit. Wer sich das Radio kaufen will, sollte also beim Händler unbedingt erfragen, ob die Speichermöglichkeit gegeben ist. Das ursprüngliche Modell (und auch einige, die in Deutschland vertrieben wurden), hatte diese nämlich nicht.

Weitere Features: Es kann zwischen der Lokalzeit und einer frei zu wählenden Weltzeit gewechselt werden (hierfür gibt es auch beim Empfang zu Hause eine sinnvolle Einsatzmöglichkeit – man konfiguriert einfach die UTC). Dann gibt es noch einen Höhen- und Bassregler, einen Regler für AM-Verstärkung, einen Umschalter für interne und externe Antenne, einen Sleepmodus, zwei programmierbare Weckzeiten… Man vermisst eigentlich nichts.

Die Stromversorgung: Das Radio lässt sich auf unterschiedliche Weise mit Energie speisen. Zunächst einmal ganz klassisch über das Lichtnetz (230V), der Trafo ist eingebaut. Weiterhin gibt es eine 6-9 V-Gleichstrombuchse (sollte jemand auf die Idee kommen, das Radio zu importieren oder sich in anderen Varianten aus China zusenden zu lassen, besteht auch bei abweichender Lichtnetzspannung die Möglichkeit, das Radio an einem entsprechenden Trafo zu betreiben). Und – und das ist ein sowohl nettes wie auch durchdachtes Feature – der Batteriebetrieb ist ausgezeichnet umgesetzt: Es können Mono- und Mignonzellen parallel eingesetzt werden, man hat also immer eine Energiereserve zur Verfügung. Statt normaler Batterien lassen sich wahlweise Akkus verwenden – das am Lichtnetz angeschlossene Radio lädt sie auf Wunsch.

Zum Empfang (das wichtigste):

Der Roadstar TRA-2350P hat auf allen Wellen einen guten bis sehr guten Empfang: Zu meiner Testumgebung ist zu sagen, dass ich das Radio über vier Tage im Norden Nürnbergs in der Nähe des Flughafens getestet habe und das die Empfangsbedingungen hier nicht optimal sind, weil Flugradar und die Funksysteme den Empfang bei normaler Unterhaltungselektronik immer wieder beeinträchtigen. So ist zum Beispiel beim tricc iCube mit einfachem UKW-Empfangsteil immer wieder zu beobachten, dass bei B4 Klassik immer wieder der Funkverkehr zwischen Tower und Flugzeug einstreut. Dem Roastar macht das aber kaum etwas aus.

Der Empfang auf UKW ist sehr ordentlich un stabil, Überreichweiten habe ich im Testzeitraum nicht empfangen können. Weiterhin auffällig ist das Abstimmgeräusch auf UKW – es ist vorhanden, mich stört es nicht, aber es ist e ben vorhanden. Im Stereobetrieb ist bei eisen Passagen im Programm selbst der Ortssender ein Rauschen vernehmbar – das könnte echt besser sein.

Schon auf Mittelwelle, ab etwa 19 Uhr, zeigt sich die ganze Stärke des Radios – der Empfang ist durchweg gut und stabil, es kann präzise abgestimmt werden. Das macht richtig Spaß. Auch der schwache WDR ist aud Mittelwelle in Nürnberg zu empfangen, die Stimme Russlands sowieso, etliche französische und holländische Sender – prima. On3-Radio, der Jugendsender des BR wird auf  MW in Nürnberg gesendet: Der Sender ist hervorragend zu empfangen, es sind keinerlei Störungen zu verzeichnen, und das Signal übersteuert auch nicht. Ich bin vollauf zufrieden.

Der Kurzwellenempfang kann durchweg überzeugen: BBC World Service und Deutsche Welle sind unkritisch, ebenso die Stimme Russlands und Radio Belarus. Aber auch Nordkorea und Vietnam waren problemlos zu empfangen, genau so wie Radio France, die Niederlande, andere osteuropäische Sender… Auf 41 und 49 Meter könnte der Empfang kaum besser sein. Auf den Tropenbändern tut sich mit der eingebauten Antenne wenig bis gar nix – hier muss ich noch mit einer Langdrahtantenne experimentieren, dazu bin ich aber noch nicht gekommen.

Es lässt sich sagen: Mit Bordmitteln lässt sich bereits etliches empfangen. Das Fading ist absolut erträglich, mit Spiegelfrequenzen gibt es kaum Probleme. Zudem bietet der TRA-2350P eine Anschlussmöglichkeit für Antennen für alle Wellenbereiche. Das macht nicht nur Lust auf mehr sondern bietet auch die Möglichkeit.

Nun bringt der Empfänger per se keinen Single Side Band – Empfang mit, was als Nachteil gewertet werden kann. Es ist aber möglich, einen entsprechenden „Adapter“ am ZF-Ausgang anzuschließen und somit SSB-Empfang zu ermöglichen. Und das ist u.U. sogar günstiger, als irgend ein eingebautes Teil mit zweifelhafter Qualität. Bei Youtube findet sich sogar eine kurze Videodemonstration:

Auf die selbe Art und Weise ist anderen bastelfindigen Besitzen des Radios sogar DRM-Empfang gelungen. Hier auch. Klar – hier wird die Decodierung des Signals vom PC übernommen, das Signal gelangt über die Soundkarte in den Rechner. Das finde ich ein sehr spannendes Experiment, so weit bin ich seit Mittwoch aber noch nicht vorgedrungen (auf ähnliche Weise habe ich in 2004 bereits mit DRM experimentiert – da hat das IIS Fraunhofer eine Empfängerbox mit Festfrequenz für ihren DRM-Sender Bitexpress für ein paar Euro angeboten – so gesehen ist man mit dem TRA-2350P schon ein ganzes Stück flexibler).

Ich halte fest: So einen ZF-Ausgang sucht man in dieser Preisklasse bei der Konkurrenz vergeblich – deutlicher: Mir ist kein einziges Gerät diesseits der 100-Euro-Marke bekannt, dass dieses Feature mitbringt!

Ein weiteres interessantes Moment: Selbst UKW-DXer interessieren sich für das Gerät!

Der eingebaute Lautsprecher überzeugt: Höhen und Tiefen werden sauber wiedergegeben. Der Klang ist für einen eingebauten Lautsprecher sogar richtig gut.

Fazit: Das Radio ist für 60 bis 70 Euro zu haben. Zu diesem Preis ist das Gerät konkurrenzlos. Die günstigen YachtBoys spielt es ohne Stress an die Wand. Es gibt kaum Kritikpunkte. Das Preis/Leistungsverhältnis ist einwandfrei. Mit diesem Empfänger kann man schon einen Einstieg ins SWL-Hobby wagen. Ich bin kein allzu aktiver SWLer, aber ich kann es ja noch werden. Gerne mit dem Roadstar TRA-2350P.

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