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Mohr SV-50 – ein Vollverstärker für 59,- im Test.

Vor einiger Zeit war ich auf der Suche nach einem neuen Verstärker für die Zweit-Stereoanlage, die unseren Essplatz beschallen möge. So etwas lässt sich freilich gebraucht kaufen, da ich mit meinem letzten Gebrauchtkauf aber so meine Probleme hatte, haben wir uns dann doch entschieden, einen neuen Verstärker zu kaufen. Allzu teuer darf er nicht sein, denn es geht hier um die Beschallung des Esszimmers und auch die vorhandenen Boxen (Grundig Audiorama 4000 oder 5000 – so genau weiß ich das nicht) sind zwar für ihr Alter klanglich recht ordentlich, High-Endige Qualität sagt man diesen Kugellautsprechern aber gemeinhin nicht nach. Tuner und CD-Player sind ebenfalls vorhanden – es fehlt ein Verstärker.

Solche Verstärker kann man ab 45,- Euro kaufen, hierbei handelt es sich um voll ausgebaute 5.1-Geräte mit zwei Mikroanschlüssen fürs Karaokesingen und verspiegeltem Display. Bis 120,- Euro reicht der Preis dieser Billig-Surround-Verstärker, 2004 hatte ich bereits so ein Gerät zum Testen auf dem Tisch und es fiel seinerzeit gnadenlos durch – denn es rauschte wie ein Wasserfall und vermochte selbst wirkungsgradstarke Lautsprecher kaum zum Klingen zu bringen. Nun, so etwas soll es unter keinen Umständen mehr werden – aber was dann? Nach einiger Recherche stieß ich auf ein Gerät des Typs „SV-50“ einer mir bis dahin unbekannten Firma: HiFi Mohr – zu einem Preis, der mich stutzig werden ließ: 59,- Euro werden derzeit auf Ebay und Amazon für den Verstärker aufgerufen.

Mohr_SV-50_Front

Ein Verstärker zu diesem Preis – kann das was sein? Mich packte die Neugier und ich rief bei der Fa. Mohr an und hatte gleich den Chef selbst am Rohr. Oliver Mohr ist ein ruhiger und auskunftsfreudiger Zeitgenosse, der das Prinzip des Verstärkers in etwa wie folgt erklärt: Der Verstärker wurde von Mohr HiFi in Deutschland konstruiert und wird in China hergestellt. Man konzentriert sich auf das Wesentliche und lässt alles unnötige weg, verwendet im Gegensatz billigen Konkurrenz aber bessere Bauteile. Während die billigen Verstärker also mit sechs Surroundkanälen daherkommen, bietet der SV-50 zwei – Stereo eben. Mikrofoneingänge sucht man ebenso vergeblich wie Klang-Presets á la „Rock, Pop, Classic, Jazz“ oder eine Loudness-Schaltung. Es gibt keine Fernbedienung, kein Record-Out, kein Pre-Out, keine Farbvarianten…

…der SV-50 ist ein aufs nötige reduzierter Verstärker  – einfach, ehrlich und klar. Die technischen Daten nehmen sich dementsprechend überschaubar aus: Zwei mal 50 Watt Ausgangsleistung für Lautsprecher mit einer Impedanz von 4-8 Ohm, drei Quellen sind via Cinch anschließbar, außerdem gibt es einen frontseitigen 3,5mm-Klinkeneingang. Balanceregler, Bass- und Höhenregler. Und es gibt eine Kopfhörerbuchse. Was will man von einem Verstärker mehr erwarten?

Ich bestelle den Verstärker bei Amazon, Tags darauf ist er geliefert. Im Karton befindet sich neben dem Gerät eine Bedienungsanleitung (englisch), ein Cinchkabel, ein 3,5mm-Klinke-zu-Cinch-Kabel. Der Verstärker ist robust ausgeführt – ein Vollmetallgehäuse mit gebürsteter, schwarz lackierter massiver Front. Die Anschlüsse für das Lautsprecherkabel sind nicht (wie zu erwarten) einfache Klemmen sondern ordentliche Schraubanschlüsse, in die man auch seine Bananas stecken kann. Dieses Detail bezeugt das Mohrsche Konzept: Alles, was nicht zwingend gebraucht wird, wird weggelassen, alles was gebraucht wird, ist so gut wie möglich ausgeführt.

Schnell ist der Verstärker angeschlossen und ein erster Test ist durchgeführt. Das, was ich nun schreibe, möge aber bitte unter folgenden Gesichtspunkten verstanden werden: Wenn ich dem Verstärker einen ordentlichen Klang bescheinige, so darf nicht von einer High-End-Kategorie ausgegangen werden. Die Grundig-Boxen, hergestellt wohl Mitte/Ende der 1970er Jahre sind grundsolide Lautsprecher, die sich klanglich keiner Mode unterordnen. Kugellautsprecher vermitteln auch nicht den Eindruck einer Bühne – wer eine Bewertung nach den klassischen audiophilen Kategorien sucht, der wird eventuell enttäuscht sein. Ein solches Herangehen würde aber einem Verstärker für unter hundert Euro auch keinesfalls gerecht!

Der erste Eindruck fällt positiv aus: Es ist weder Rauschen noch Brummen zu hören, der Verstärker hält im Leerlauf still. Das unterscheidet ihn schon mal angenehm von seiner mit Features überfrachteten Konkurrenz im unteren Preissegment. Der Klang ist gut, die  Bässe nicht abgrundtief aber deutlich, die Höhen klar, nicht schneidend, deutlich präsent. Einen Hauch zu dezent die Mitten, diese hätten etwas mehr Präsenz vertragen. Der Verstärker färbt kaum, könnte bei den Mitten aber ein wenig mehr vertragen und in den Höhen etwas neutraler abgestimmt sein. Das ist aber wirklich Jaulen auf hohem Niveau, zumal die Audioramas nun auch nicht Meister der Neutralität sind. Ich wundere mich selbst, das zu schreiben – aber ich muss festhalten: Man kann mit einem Invest von 59,- Euro recht ordentlich Musik hören!

Mohr_SV-50_rear

Ein wenig aus der Praxis: Der Verstärker hat für die Audioramas ausreichend Leistung. Wenn man die Werte dieser betrachtet (4 Ohm, 50 Watt Musikleistung, 45 – 26000 Hz), so ist klar , dass dieser Verstärker auch aktuelle Bookshelf-Boxen der 50-Watt-Klasse (8 Ohm) stressfrei befeuern dürfte. Ich hatte ja Sorge ob der Leistung eines modernen Verstärkers an den 4-Ohm-Boxen, aber bei mittlerer Lautstärke wird der SV-50 nicht mal handwarm. Leistungsreserven nach oben sind also da. Die Bedienung des Verstärkers ist einfach und selbsterklärend. Auch wenn die Knöpfe und Schalter aus Kunststoff sind – alles rastet präzise und lässt sich ohne merkliches Spiel bewegen. Zwei Features sollen aber nicht unangesprochen bleiben: Die frontseitige 3,5mm-Buchse ist echt angenehm. Mit einem passenden Kabel ist der MP3-Player oder das Handy schnell mit dem Verstärker verbunden – das ist einfach praktisch! In dieser Preisklasse auch nicht üblich ist der Kopfhörerausgang – den zu loben mir allerdings schwer fällt. Trotz der vergoldeten 6,3mm-Buchse und deren präziser Rastung kommt hier gerade für hochohmigere Kopfhörer einfach zu wenig Leistung raus. Die große Buchse lässt den Schluss zu, dass hier gute HiFi-Kophörer Anschluss finden – nun – der Anschluss funktioniert, aber man sollte schon wissen, dass hier ein 32-Ohm-Hörer ganz gut aufgehoben ist, der K701 mit seinen 2X60 Ohm ist schon rein leistungsmäßig hoffnungslos unterfordert. Auch hier wieder ein Switch durch die Klassen – aber wenn man bedenkt, dass Superlux für einen geringen zweistelligen Betrag schon mit 150-Ohm-Hörern aufwartet („high preassure level“ als geschlossener Kopfhörer – z.B. sowas), dann muss diese Bemerkung schon erlaubt sein.

Fazit: Der Mohr SV-50 ist ein  pfiffig designedter und solide gebauter einfacher Verstärker, der am Preis gemessen klanglich Seinesgleichen sucht. Die Leistung stimmt, die Haptik ist einwandfrei. Mit einem 250-Euro-Verstärker von Yamaha kann er es nun nicht ganz aufnehmen, mit seinen Konkurrenten bis 120,- auf jeden Fall. Die Konzentration auf das Wesentliche ist gelungen. Der Verstärker ist für die Zweitanlage in Küche, Essecke, Schlafzimmer oder im Kinder/Jugendzimmer prima und er kommt gut mit älteren 4-Ohm-Boxen klar, wenn die Leistung halbwegs harmoniert. Wer sehr viel mit Kopfhörern arbeitet, wird nur bedingt zufrieden gestellt. Auch ein Kopfhörerverstärker lässt sich nicht sinnvoll anschlieߟen. Ich halte den Mohr SV-50 im unteren Preissegment für den Geheimtipp. Eine Alternative auf dem Neugerätemarkt ist höchstens der X4-Tech A-1000, der aber selten für unter 100,- zu bekommen ist. Mehr Leistung und Klang für das Geld kann nur ein gutes Gebrauchtgerät bieten –  mit den bekannten Risiken. Wer mit seiner Anlage Aufnahmen machen will, kann mit dem SV-50 wenig anfangen, da ein Rec-Out-Zweig fehlt.

DJing oder Filegeschubse?

Ja, der Titel dieses Posts ist durchaus provokativ und natürlich nicht ganz ernst gemeint – wie aber quasi immer läuft der Ernst mit. Und weil man sich hier ja hin und wieder was wünschen darf und Thorsten mir den Hinweis auf diesen Artikel bei egoFM gegeben hat, steuere ich gerne mal meinen Senf bei.

Ich liebe Vinyl, kaufe eigentlich gar keine CDs mehr, gebe mir auch mit meiner Technik durchaus Mühe. Ich mag also auch die Kunst des „klassischen“ DJings. Ich käme andererseits nie auf die Idee, zu verurteilen, wenn ein DJ mit seinem Notebook anrückt und dort mit Files mixt.

Es wird erst dann inakzeptabel, wenn gar nicht mehr gemixt wird. Die Versuchung, Teile oder gar ganze Mixe quasi vorzuproduziren und sie dann vom Rechner laufen zu lassen, ist freilich groß und ich habe das auch schon gesehen – aber es ist doch die Ausnahme. Denn: Der DJ reagiert auf die Stimmung der Leute – auf die Tanzfläche. Logisch, der DJ führt die Leute, er hat allerdings auch ein sehr sensibles Sensorium für die musikalischen Bedürfnisse seines Publikums und reagiert prompt und angemessen. Das gilt für den Gaudi-DJ, der die besten Nummern der 80er anlässlich von Polterabenden präsentiert genau so wie für die „TOP-Acts“.

Mir ist bewusst , dass die Autoren bei egoFM eher auf das Verschwimmen der Grenze von einem Set, zu dem ganz selbstverständlich getanzt wird und einer Performance hinauswollen. Diese Diskussion ist mir aber zu akademisch: Großartige Performances in alterweürdigen Opernhäusern oder Konzertsälen sorgen selbst bei Rezepotion von der Konserve bei mir für das Bedürfnis, mich sensomotorisch voll auszuagieren – geht im Opernhaus nur recht schlecht. Und jeder kennt midestens ein geniales Set, das bei genauerer Betrachtung nicht tanzbar ist.

Es ist möglicherweise der Geist unserer Tage, dass alles nach dem großen Entertainment, dem finalen Klimax (und ich will bei der bewussten Wahl des Wortes Klimax sowohl auf den sprachlichen wie musikalischen Kontext abheben als auch ebenaso auf den metaphorischen Orgasmus verweisen) lechzt und die Unterhaltungsindustrie tut, was Industrie in aller Regel zu tun pflegt – sie liefert. Ein Streben nach dem Superlativ der Superlative, der bomastischsten Show – das muss irgendwann in aller Übersteigerung und Überzeichnung skurril werden. Wen nimmt da Wunder, dass der Autor bei egoFM hier auch gleich den kommerziellenm Brostep von Skrillex mitsamt seiner Performance als Beispiel ins Feld führt?

Der Deal ist im Prinzip ganz einfach: Die gepushten Acts sind die Speerspitze der Contentmafia Musikindustrie und werden effekthaschend vermarktet. In diesen Effekten manifestiert sich für mich eine nicht auf den ersten Blick erkennbare Agressivität. Dies und der Umstand, dass die Programme mindestens mehrheitlich massenkompatibel sein müssen, reduziert die Qualität. Die Debatte, ob der Act nun DJ oder Produzent ist, ist für mich Spiegelfechterei, die vom Umstand ablenken möchte, dass der Künstler eben nicht mehr frei ist,  zu tun, was ihm vorliebt – er muss antizipieren, was sich verkauft und das dann umsetzen.

Man kennt aber seine regionale Clublandschaft – wenn nicht, hilft das Netz aus. Wer sich von Pyro-Acts überfordert oder verarscht fühlt, der geht in einen Club, in dem Pyros schon aus feuerpolizeilichen Grümden nicht gezündet werden. So einfach ist die Sache.

Zwei Randbemerkungen noch: Thorsten und zu einem gewissen Teil auch ich sind an diese Musik zu einer Zeit gekommen, zu der es üblich war, das Produzenten ihren Künstlernamen mit quasi jedem Release wechselten – dies war ein Gegenentwurf zum teilweise absurden Personenkult der Rock- und Metalszene der ausgehenden 80er Jahre. Ein echt nötiger Gegenentwurf. Mit dieser freien und freizügigen Kultur sind wir im besten Sinne groß geworden. Wenn wir „Tekkno-Opis“ auf den heutigen Musikmarkt gucken und feststellen, dass genau dieser Personenkult, den die „Szene“ seinerzeit mit gutem Grund ablehnte heute nach Kräften zelebriert wird, weicht die Irritation der Wehmut. Aber wir müssen uns eingestehen, dass die geliebte Subkultur bereits mit den Jahren 1994/95 kommerziellen Interessen dreingegeben wurde. Das war aber in der Romantik ähnlich, der Blues und Jazz erlebte dies ebenso wie Grunge und viele andere Stile auch. Da macht man nix dagegen.

Weiterhin: Hört auf, bei jeder sich bietenden Gelegenheit dem 1210er hinterherzutrauern. Klar war der robust und der Direktantrieb war kräftig und schnell – aber sobald diese Kisten ein Jahr auf dem Buckel hatten, war das Lagerspiel schon leicht scheiße. Und es gab schon in den 90ern mit den Numarks/PPD adäquaten Ersatz. Und den gibt es heute auch noch. Für realistisch Geld bietet z.B. Vestax und auch Stanton Ersatzdrogen an. Und vor nicht allzu langer Zeit hatte ich den neue Audio Technica Zwölfzehner-Nachfeil in den Fingern (mit USB) und selbst der war nicht mal fies. KLar, 1210 gilt als Kult – aber es gibt mindestens ebensogute Dreher!! Heute noch. Für die Hälfte der Kohle. Neu. Hört auf zu spinnen!

Günstig ein Home Cinema auf Röhrenbasis aufbauen – ein Konzept

Mit einem guten Freund habe ich dieser Tage eine interessante Diskussion geführt: Er will mit möglichst vorhandenen Komponenten und möglichst geringem Geldeinsatz mit Beamer ein Home Cinema errichten. Der Beamer und der DVD-Player ist vorhanden, Stereoreceiver und Boxen (aber von fragwürdiger Qualität) sind ebenso vorhanden, sollen m.E. nicht mehr zum Einsatz kommen. Nun könnte man freilichein Komplettsystem kaufen – Receiver mit Boxen, aber da hat man insbesondere bei Mittelklassegeräten hinsichtlich Leistung und Klang halt echt Kompromisse hinzunehmen. Als Effektgerät für DVDs reicht das in der Regel, ob man damit aber Musik hören will, steht auf einem anderen Blatt.

Nun gibt es aber auch eine andere, nicht ganz orthodoxe Herangehensweise an das Home-Cinema-Dolb-Digital-Problem: In der Theorie könnte man einen Dolby-DAC mit Preampfunktion kaufen und dann das verbleibende Geld in gute Endstufen und Boxen investieren.

Der Preamp

Auf dem Gebrauchtmarkt gibt es hier im klassischen Rasterformat interessante Geräte, die den Job tun, von der technischen Entwicklungsstufe aber eher das End-90er-Niveau erreichen – dafür aber klanglich interessant sind. Als reines AC3-Gerät käme hier zum Beispiel der ROTEL RDA-980 in Frage – nur etwas olschool ist das schon. Es darf schon ein dts-zertifizierter Preamp sein, 5.1 sollte aber reichen. Interessanterweise gibt es sowas aber nicht nur aus der Mottenkiste sondern auch als Neugerät. Von den Specs her erfüllt die leider nicht ins Rastermaß passende Decoderstation 5 von Teufel die Anforderungen. Hier habe ich dreimal einen Analogeingsang einen 5.1-Ausgang und als digitale Eingänge jeweils 2x SPDIF und 2x Toslink. Diese kleine Box kommt mit Fernbedienung und ist füpr einen Straßenpreis von etwa 190 Euro zu haben. Der Anfang wäre also gemsacht.

Dieser DAC/Decoder/Pre ist eigentlich dafür gebaut, um ein Teufel-PC-Lautsprecherset zur Anlage zu pimpen, die Intention ist also der Anschluss von Aktivlautsprechern – aber es hindert einen ja niemand, interessante Endstufen nebst passenden Boxen damit zu betreiben. Und nun sind der Phantasie keine Grenzen mehr gesetzt.

Verstärker und Boxen – hier eine Budget-Variante mit Röhren

Es werden lediglich passende Verstärker und Boxen gebraucht und da kannman nun je nach Budget das Basteln anfangen oder was Fertiges kaufen oder aber auch entsprechende Gerätschaften „tunen“.

Ich beginne mal mit dem „tunen“: Etwas, was ich so realisieren ließe und out of the box nicht kaufbar ist, wäre das Tube Amp Home Theatre. In diesem Fall sprechen wir hier von einem hybriden Home-Theatre, denn das Teufels-Kistchen ist ja ne „Transe“. Dennoch – gerade kalter dts-Sound dürfte durch eine Röhrenverstärkung nur gewinnen. Um das Budget nicht zu sprengen und weil man beim Output des Teufels und dem, was da tonmäßig von Standard-DVDs nun auch nicht den High-End-Gipfel erwarten kann, tun es hier auch einfache, kleine Verstärkerchen. Wenn man 10 Watt an jedem Kanal liegen hat, dann ist für den Normalbetrieb echt mehr als ausreichend, damit kann man schon richtig Lärm machen. Ich denke, dass auch fünf Watt vollauf genügen (meine Röhrenmonos geben je 15 Watt maximal aus, die konnte ich noch NIE voll ausreizen weil ich entweder Angst um meine Lautsprecher habe und die Polizei längst vorher da ist).

Solch kleine Verstärkerchen sind überall zu haben. Der kleinste, den ich im unteren Segment gesehen habe, ist ein Marriola, der kostet pro Stück etwa 200,-, drei bräuchte man. Es geht für einen geringen Aufpreis aber auch noch einen Tacken besser – die geeigneten Gerätschaften kommen aus China. Derzeit befindet sich da ein Haufen Neuware am Markt – für Experimente scheint mir zum Beispiel der kleine Rivals interessant zu sein, weil hier zwei EL 34 ihr Werk tun. Und EL 34 bekommt man in hinreichender Qualität von JJ für knappe 15,- das Stück. Dieser Amp lädt wegen seiner Bestückung förmlich zu Experimenten ein.

RIVALS-Amp, Quelle: Luping Company

Dass man zu diesem Preis keinen anständigen Überträger etc. erwarten kann, versteht sich von selbst – aber hier geht es ja um ein kleines Home Theatre und nicht um die Hauptanlage. Diese chinesischen Röhrenverstärker werden sehr kontrovers diskutiert, mit einigen dieser Geräte durfte ich bereits Erfahrung sammeln und das Ergebnis, sofern es sich überhaupt pauschalieren lässt, fällt dahingehend aus, dass diese Geräte in der Regel vom Design her sehr klassisch und solide aufgebaut sind, die Verarbeitung sehr solide, die Röhrenbestückung aber nicht selten von zweifelhafter Qualität ist. Hier lässt sich aber – insbesondere an den Endröhren – etwa tun: Gerade die EL 34 ist in wirklich guter Qualität habbar, wird nach wie vor hergestellt und der Aufpreis fürs Matchen beträgt in der Regel nur wenige Euro und für den Techniker des Vertrauens ist die Neujustage des Ruhestroms kein Problem. Dem kann auch noch einmal dadurch entgegengewirkt werden, indem man Geräte mit Auto-Gain kauft, hier regelt der Verstärker dann auch Alterungsverluste und Schwankungen selbsttätig aus, beim vorgenannten Verstärker tut dies die Gleichrichterröhre 5Z4P, die sich als Shuguang-Fabrikat auch nachkaufen lässt (Preis um die 6 USD). Wer ein solches Chinagerät kauft, sollte es erst einmal kritisch hören, manch Chinaröhre ist erstaunlich gut, bei anderen bringt ein Tausch einen deutlichen Gewinn.

Nicht vergessen werden darf gerade bei einfachen Röhrenverstärkern, dass sie Lautsprecher mit einem guten „Wirkungsgrad“ benötigen. Man mag sich darüber streiten, aber bei einem Einfacheinsatz der EL 34 dürfen es meines Erachtens mindestens 92 dB sein. Da ist man bei der Wahl der entsprechenden Lautsprecher schon etwas eingeschränkt, aber auch nur etwas. Die DALIs (Dänemark), hier bieten auch die günstigen Modelle einem guten Klang, das Preis-Leistungsverhältnis ist hervorragend, knacken diesen Wert in der Regel und auch wer den Boxenbau mit guten Breitbändern probieren will (was für unser diskutiertes Setting gar nicht so abwegig ist) hat hier selten Probleme. Hier einfach mal beispielshalber ein „full range speaker“ von Fostex, nebst Boxenbauanleitung für einen Hornlautsprecher – wer gut mit Holz umgehen kann, kriegt auf diese Weise echt maximnalen Klang für minimales Budget – das Ding ist, wenn man gut verhandelt, für einen guten Hunderter das Stück käuflich – man muss halt Hörner mögen… Für den Woofer halte ich sowas für gut vorstellbar – hier muss man halt ein wenig tiefer in die Tasche greifen – bekommt dafür aber ein Chassis, dass man in den meisten kommerziellen Settings dieser Art in dieser Qualität kaum bekommen wird.

Wer keinen Bock auf Boxenselbstbau hat, kann sich ja nach passendem Fertiggerät umsehen. Mit dem Zensor 1 hat Dali zu einem Stückpreis von etwa 130 Euro ein attraktives Angebot am Start, der Zensor Vocal bietet einen echt wohnzimmertauglichen Center und passende Subwoofer findet man bei diesem Hersteller auch. Sollte das Budget hierfür gar nicht hinreichen, kann man sich auch einmal bei Mistral umsehen und kombinieren – Vertriebe gibt es sowohl in Deutschland wie auch Tschechien. Hier ist aber wirkungsgradtechnisch das untere Ende der Fahnenstange erreicht.

Warum schreibe ich das?

In der Diskussion behauptete ich, dass der Aufbau eines solchen Systems für 5000 Euro möglich sei – das funktioniert in der Tat – nur mit dem hier vorgeschlagenen Setting, unter Berücksichtigung aller Modifikationskosten mit drei Röhrenamps, Pre, Boxen und Verkabelung ist das mit etwas mehr als 2000 Euro möglich. Nun stellt sich die Frage ob das sinnvoll ist, denn nach diesem Vorschlag bekommt man hier selbstredend nicht „High End“ sondern gehobene Audio-Mittelkasse. Möglicherweise liefert ein sandbasiertes Set zu ähnlichem Preis „ähnliche“ Qualität. Was ist also gewonnen?

Fertig konfektionierte Sets sind mehrheitlich auf imposante Basswiedergabe und schneidende Höhen hindesigned. Das bringt grandiose Effekte, in aller Regel aber auch eine undifferenzierte Musik- und zweifelhafte Sprachwidergabe. Ich gehe davon aus, dass es immer noch Menschen mit anderen Hörgewohnheiten gibt, denen ein differenziertes Klangbild und eine transparente Darbietung wichtig sind. Ich komme nicht umhin zu sagen, dass hier auch Röhren nicht das Maß aller Dinge sind – ihre Charakteristik – auch mit einfachem Schaltungsdesign – kommen dem Wunsch nach Ausgewogenheit und Wärme dennoch sehr entgegen. Es gibt meines Wissens jedoch im Europavertrieb kein out-of-the-box „Tube Home Theatre“. Der Markt würde das per se auch nicht annehmen, denn im Prinzip ist das vorgeschlagene Konzept eine Mogelpackung: Das Böxchen von Teufel liefert zur Vorverstärkung klassischen Sand – hier ist nix mit Röhre, man fährt dieses Setting also „hybrid“. Das soll der Sache aber keinen Abbruch tun, denn der durchaus harte Digitalklang – der bei vielen DVDs sowieso eher suboptimal ist“, kann durch sanfte Röhrenbehandlung nur gewinnen. Auch die Leistungsfähigkeit wird gemeinhin unterschätzt – der EL 34-Sound hat genug Wumms, um auch beim Blockbuster made in Hollywood nicht alt auszusehen.

Das vorgenannte Konzept hat zudem noch Optimierungspotenzial: Ich gehe davon aus, dass die Kanaltrennung der Rivals nicht zu 100% optimal ist. Das Spiel bei den Front- und Rear-Kanälen praktisch keine Rolle, der Subwoofer und der Center teilen sich aber einen Verstärker und hier kann theoretisch eine Kanalübersprechung richtig stressen. Um hier richtig sauber zu arbeiten, können hier jeweils zwei Monoblöcke Einsatz finden, das würde das Budget aber zusätzlich nicht unerheblich belasten.

In beiden Varianten gilt es, Kompromisse hinzunehmen. Soll es wirklich Mehrkanal sein und soll dieser Mehrkanalton nicht von der Stange kommen, ließe sich vorgenanntes Konzept aber durchaus einmal überdenken.

Zum Tode von Franz Josef Degenhardt

Einer der ganz Großen ist gegangen, unerwartet und plötzlich. Gestern ist Franz Josef Degenhardt im Alter von 79 Jahren verstorben.

Schon lange hörte man von Degenhardt keine neue Platte mehr, doch seine alten Platten blieben und bleiben im Gedächtnis und polarisieren bis heute. Dazu gibt es sogar einen aktuellen Kontext: Vorgestern, also am Abend vor Degenhardts Tod, zerriss sich noch der Verräter und Gitarrenquäler Biermann anlässlich eines Features zu seinem 75. Geburtstags auf WDR5 in aller epischer Breite sein bräsiges Maul über seinen „alten Freund“, den er gehasst haben muss, seit Degenhardt Mitte der 1970er Jahre nach seinem Rauswurf aus der SPD der DKP beitat (was man im Nachgang ja nur als ein frühes Erkennen der politischen Zeitzeichen werten darf). Und ich erinnere mich an eine Nachtstudio-Sendung des ZDF über die Liedermacher in den 1990er Jahren – Degenhardts Werk wurde goutiert und polarisierte dennoch.

Die 68er habe er – wenn nicht geprägt – so doch zumindest musikalisch eng begleitet, heißt es. Das mag ich nicht in Abrede stellen, doch dieser Satz impliziert ja, dass besonders in dieser Zeit wirkte – mit Nichten: Generationen der Gewerkschaftsjugend sangen seine Lieder (und singen sie bis heute) und kamen und kommen so in einfühlsamen Kontakt mit der jüngeren Geschichte Deutschlands. Seine „Schmuddelkinder“ waren nicht nur an zahllosen Lagerfeuern gesungen sondern blieben über Jahre ein oft gecoverter Hit.

Degenhardt sozialisiert so nicht allein die deutsche Linke sondern gab der Konservativen auch genug Projektionsfläche für Ihre Antipathien – um diese dann, wie im Lied „Große Schimpflitanei“ 1973 genüsslich auszuschlachten. Dieses Vorhalten des Spiegels regte weiteren Hass auf den Barden der diesen nicht nur geduldig aushielt sondern sauber dokumentierte und somit über Platten- und Buchseiten hinweg ein Gesellschaftsbild der BRD in den 1970er Jahren zeichnete, wie es nur wenigen anderen gelang.

Degenhardt war wandlungsfähig, blieb nicht im Sog der Waldeck-Seligkeit stecken sondern emanzipierte sich auch gegen die sich etablierenden linken Strukturen. Ein Zeugnis dessen legt der „Wildledermantelmann“ von 1977 ab.

Nachdenklich und kämpferisch – im Wechsel von Zeile zu Zeile in Lied und Buch strömte die dichterische Präzision gut dosiert von Rillen und aus Saiten wie Seiten auf den Hörer und Leser zu – der sich der Faszination des Œuvre nicht entziehen kann. Und so prägte er nicht allein seine Hörer- und Leserschaft sondern auch seine Kollegen: „Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich nie angefangen, selbst Lieder zu schreiben“ lässt Konstantin Wecker über Twitter verlautbaren.

Er war einer der Guten, mehr muss nicht gesagt werden.

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