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Platten waschen – mit der Record Doctor V Plattenwaschmaschine im Test

Wie man am besten eine Schallplatte von tiefsitzenden Verschmutzungen reinigt, daran scheiden sich die Geister. Mancher Sammler führt die Diskussion über die Schallplattenreinigung mit missionarischem Eifer. Andere wiederum wedeln ihre Platten vor jedem Spielen mit einem Mikrofasertuch ab und sind mit diesem Ergebnis zufrieden.

Das sich die Diskussion um das Waschen von Schallplatten so hartnäckig hält, liegt auch an dem Umstand, dass es schlicht notwendig wird, eine LP hin und wieder richtig zu waschen. Der Staub der Jahre, Zigarettenrauch – bei Lagerung im Keller manchmal sogar Schimmel – setzt sich in den feinen Rillen fest und sorgt nicht selten für ein kaminfeuerartiges Knistern (Platten, die früher mit einem Nassläufer abgespielt wurden, tun das übrigens auch und da hilft Waschen so gut wie nix mehr). Manch Zeitgenosse verbindet mit dem Knistern eher ein nostalgisches Gefühl denn einen technischen Fehler, aber: Das Knistern der Schallplatten wird oft durch Schmutzpartikel und/oder statische Aufladung verursacht. Und dagegen gibt es ein probates Mittel: Die ordentliche Reinigung.

Gerade Platten von Flohmärkten, die mal „Kellerleichen“ waren oder das ein oder andere Krautrock-Album, das von einer veritablen Nikotin- und THC-Schicht befreit werden will, sind heiße Kandidaten für eine ordentliche Wäsche. Doch wie kann man eine empfindliche Schallplatte überhaupt „waschen“?

Vorab: Staub auf Platten ist keine Seltenheit, das PVC (Schallplatten sind ja nicht aus reinem Vinyl, das wäre ja viel zu weich) lädt sich bei normalem Gebrauch gerne mal elektrostatisch auf und zieht den Staub magisch an. Um ihn vor dem Abspielen wieder zu entfernen, benutzen viele eine Bürste aus feinen Kohlefasern. Das funktioniert auch ganz gut, sorgt aber bei jedem „abstauben“ dafür, dass ein kleines bisschen Reststaub in die Rillen gedrückt wird. Mit der Zeit (mitunter mit den Jahrzehnten) beginnt die Platte mehr und mehr zu knistern und zu rauschen. Nun wäre es schön, wenn Staub und Schmutzpartikel wieder aus den Rillen herausgespült würden. Um eine Nassreinigung kommt man nicht mehr umhin.

Drei Methoden haben sich hier etabliert: Die „Cheap-Thrill-Methode“, die Knosti-Methode und das Waschen mit einer speziellen Plattenwaschmaschine. Und um es vorwegzunehmen: Cheap Thrill ist in den allermeisten Fällen völlig ausreichend und liefert oft auch das beste Ergebnis, wer es komfortabel mag, hat mit der Plattenwaschmaschine sicher seine Freude, von der Knosti – die ich mir natürlich auch gekauft habe – bin ich nicht so begeistert.

Holger Trass´ Cheap Thrill kostet fast nichts, die Mischung zum Reinigen, die er ansetzt, ist für mich das ideale Grundrezept. Ich gönne mir bei meiner Mischung einen etwas höheren Isopropanolanteil, denn so lässt sich (für mein Gefühl) die Feuchte besser entfernen oder absaugen. Als geeignetes Spülmittel scheint mir nach einigen Versuchen das „fit“-Spülmittel aus Zittau (das Grüne, das in dieser „Turmflasche“ verkauft wird). Es schäumt nicht zu sehr und ist auch nicht mit irgendwelchen Hautseifen oder Pflegefetten versehen, die schmieren könnten. Und man braucht wirklich nur einen einzigen Tropfen. Der Vorteil an der Chep-Thrill-Reinigungslösungs-Mischung ist, dass sie so einfach und billig herzustellen ist, dass man nicht sparen muss und die Platte komplett benetzen kann und so der tiefsitzende Dreck richtig aufschwemmt. Das ist meiner Meinung nach das Geheimnis der guten Plattenwäsche: Der Dreck muss sich richtig aus den Rillen lösen. Dann kann man die Feuchtigkeit mit einem Zewa oder Tuch aufnehmen (ein Mikrofaser- oder weiches Baumwolltuch ist auch ganz prima, holzhaltiges Küchenkrepp kann Oberflächenkratzer verursachen). Die Plattenwaschmaschine ist im Prinzip nichts anderes als ein Staubsauger für Schallplatten, mit dem sich Restfeuchte und Restschmutz aus den Rillen ziehen lässt. Damit erziele ich das beste Ergebnis.

Nur einige wenige Worte zur Knosti/Disco-Antistat: Das Prinzip, eine Platte in ein Bad aus Reinigungsmittel zu setzen, finde ich eigentlich ganz gut, denn in der Knosti lässt sich der Dreck wirklich aus den Rillen schwemmen. Allerdings wird jeden Platte durch die immer dreckiger werdende Flüssigkeit gezogen und auch das „Abtropfen“ an der Luft halte ich nicht für ideal. Schließlich bin ich auch kein Freund des Reinigungsmittels der Knosti, nach dem Knosti-Waschen bleibt bei mir immer eine kleine weiße Gewöll-Kugel an der Nadel hängen, mehrheitlich klingen die Platten auch nicht richtig „rein“.

Wie also bekomme ich meine Platten sauber? Ich behandle sie nach Cheap-Thrill gründlich vor und sauge sie dann ab. Dazu habe ich mir tatsächlich vor einem Vierteljahr eine Plattenwaschmaschine gekauft – nach langem Hadern, denn so ein Gerät ist teuer (und das Geld habe ich lange dann doch lieber in neue Platten angelegt). Entschieden habe ich mich schließlich für die „Record Doctor V“, sie ist derzeit wohl die günstigste Maschine auf dem deutschen Markt. Um sie soll es nun im folgenden Review gehen.

Maßgeblich zur Kaufentscheidung beigetragen hat freilich der Preis der Waschmaschine. Für mich war so ein Gerät immer „nice to have“, aber eben kein „must“, schließlich bieten einige HiFi-Studios und Plattenläden das Waschen als Dienstleistung an. Irgendwann aber kam nach einem größeren Beutezug über den Fürther Grafflmarkt dann doch der Wunsch in mir auf, einige der Platten ganz bequem zuhause waschen zu können.

Bekanntermaßen sind Plattenwaschmaschinen durchaus große Geräte mit vollwertigem Plattenteller, einer Absaugvorrichtung, die ein wenig an einen Tonarm erinnert und einem wuchtigen Korpus für die Absaugtechnik. Solche Geräte kosten zwischen 500 bis etwa 1000 Euro und sind damit nicht nur kosten- sondern auch platzintensiv. Die Maschine „Record Doctor“, die hierzulande von Sintron vertrieben wird, hat ein etwas anderes Funktionsprinzip: Man spart den Plattenteller und die mechanisch gelagerte Absaugvorrichtung ein, die Absauglippe ist fest im Gerät verbaut, die Platte wird auf einem Dorn zentriert und mit einem hölzernen Puck über die Lippe bewegt. Abgesaugt wird die Platte genau so wie bei einer konventionellen Maschine, das Handling ist allerdings weniger komfortabel, denn zum einen muss man die Reinigungsflüssigkeit entweder schwebend oder auf einer separaten Unterlage in die Plattenrillen einarbeiten und zum anderen ist das Absaugen der Platte durchaus mit Handarbeit verbunden.

Das recht reduzierte technische Design dieses Maschinentyps wurde zuerst in den USA bei Nitty Gritty verwendet, die Record Doctor ist noch einfacher aufgebaut – und damit tatsächlich ein Preisbrecher.

Geliefert wird ein mit schwarzer Kunststofffolie furnierter Pressspankasten einfacher Bauart, der neben dem Motor auch einen PVC-Zylinder als Reservoir für das Waschwasser beinhaltet. Abgesagt wird über eine Samtlippe, ein einfacher Schalter setzt den „Staubsauger“ in Betrieb. Es ist so simpel, dass es fast schon wieder genial ist. Weiterhin gibt es einen Plattenpuck, einen Kunststoffteller und ein kleines Gleitlager. Zu Lieferumfang gehört eine recht anständige Plattenbürste mit Samtlippe, mit der sich die Reinigungsflüssigkeit gut in die Plattenrillen einarbeiten lässt und ein auf Isopropanol basierendes Reinigungsspray von Dynavox.

Die Bedienung ist freilich einfach und selbsterklärend: Nachdem das Reinigungsmittel gut in die Plattenrillen eingearbeitet wurde und auch genug Zeit zum Einwirken hatte, dreht man die Platte mit der abzusaugenden Seite nach unten, setzt die Platte mit dem Mittelloch auf den Dorn, platziert den Puck, mit dem die Platte gedreht wird und nimmt den Sauger in Betrieb. Die Platte wird dann so lange von Hand gedreht, bis die eingewaschene Seite sauber und trocken ist. Der Vorgang wird dann mit der anderen Plattenseite wiederholt.

Das bei der sehr einfachen Konstruktion freilich auf jede Dämmung verzichtet wurde und das Gerät recht laut arbeitet, versteht sich dabei fast von selbst. Das soll der Sache aber keinen Abbruch tun, denn wirklich lauter als unser Bodenstaubsauger ist die Maschine nun auch nicht (und das habe ich auch nicht erwartet, ich kenne keine Plattenwaschmaschine, der man einen leisen Betrieb zuschreibt).

Wie aber ist die Reinigungsleistung? Das kann ich pauschal nicht beantworten, denn es kommt, wie schon erwähnt, auf eine gute Vorbereitung an. Ich habe außerdem die Erfahrung gemacht, dass die Reinigungsflüssigkeit eine gewisse Einwirkzeit benötigt. Ist eine Schallplatte stark verschmutzt, mit einem Nikotinfilm quasi überzogen, müffelt sie oder trägt sie viele Fingerabdrücke, darf die Einwirkzeit schon mal fünf bis zehn Minuten betragen und der Reinigungsvorgang muss gegebenenfalls wiederholt werden. Beim Absaugen schlägt der Hersteller drei bis vier Umdrehungen der Platte an der Absauglippe vorbei – damit bin ich nie hingekommen, es sind wohl eher zehn Umdrehungen.   Dann allerdings ist die Reinigungsleistung der Maschine ganz ausgezeichnet: Knacksen reduziert man in jedem Fall, der Schmutz wird sichtbar weggewaschen, auch an der Nadelbleibt kein Schmutz zurück. Ich möchte mich einer weiteren Empfehlung Holger Trass´ anschließen: Jede gewaschene LP verdient eine neue Innenhülle. Diese kosten pro stück etwa 40 bis 50 Cent.

Und der Komfort? Nun, wirklich komfortabel lässt sich mit der Record Doctor V nicht waschen. Die Vorbehandlung der Schallplatte kann auf einer Unterlage oder auf einem ausgedienten Plattenspieler erfolgen. Das Einwaschen der Platten auf dem Gerät selber oder einfach „in der Luft“ ist äußerst unkomfortabel, die Platten könnten bei zu starkem Anpressdruck sogar brechen. Außerdem muss man Acht geben, das Papierlabel nicht nasszumachen, die Rillen aber trotzdem mit reichlich Flüssigkeit bedecken, was durchaus ein wenig Übung erfordert. Das mitgelieferte Reinigungsspray, reines Isopropanol, tut seinen Dienst, die Cheap-Thrill-Mixtur allerdings scheint mir – auch wegen der Fettlösekraft des Spülmittels – dann doch die bessere Wahl. Im Zweifel kann man mit reinem Isopropanol nachbehandeln (ich habe mir das inzwischen angewöhnt), das bedeutet aber einen zusätzlichen Arbeitsschritt. Und dennoch: Der Betrieb der Maschine ist im Vergleich zum Lufttrocknen oder dem Abreiben mit Tüchern ein großer Fortschritt, trotz allem Aufwand, der dahintersteckt.

Nachteile? Wo Licht, da auch Schatten. Zuerst einmal ist die gesamte Ausführung des Geräts ziemlich einfach. Die Plattenwaschmaschine ist laut und erfordert etliches an Handarbeit. Es gibt zudem einige Berichte aus den USA, die von Undichtigkeiten und Schimmel im Gerät berichten (der Korpus ist ja aus Pressspan). Und dennoch: Wer eine so günstige Plattenwaschmaschine erwirbt, der weiß in der Regel, worauf er sich einlässt.

Mein persönliches Fazit: Ich bereue den Kauf nicht. Die meisten Schallplatten finden second hand zu mir. Viele von ihnen bedürfen mehr oder weniger dringend einer Reinigung. Nicht jede Platte profitiert klanglich von einer Wäsche, bei manchen Platten ist der Unterschied aber frappierend. Für mich ist – trotz des zu betreibenden Aufwands – die Investition von etwas über 200,- Euro lohnend: Nach zweihundert gewaschenen Platten hat sich das Gerät amortisiert, Flohmarktfunde werden wieder vernünftig sauber, man muss mit seinen Platten zur Wäsche nicht außer Haus. Mehr Geld hätte ich für ein solches Gerät aber auch nicht ausgeben wollen.

Toccata und Fuge d-Moll.

Ein Netzfundstück der besonderen Art: Bachs Toccata und Fuge d-Moll (BWV 565) ist nicht nur eines der bekanntesten Orgelstücke überhaupt sondern auch mein liebstes. Abweichend von der historischen Aufführungspraxis haben der Schweizer Organist Rudolf Lutz und der Drummer Orlando Ribar das Stück neu aufgenommen. Um es kurz zu machen: Wie perfekt die Orgel mit einem zeitgenössischen Drumset harmoniert, war mir bis dato nicht bewusst. Hier folgen gute neun Minuten pure Energie, pure Spannung.

(gibts auch auf DVD)

Im Test: Der Kopfhörer AKG K-121 Studio

Vorbemerkung 1: Irgend eine Macke muss man ja haben. Bei mir sind es mittlerweile die Kopfhörer. Ich kann sie nicht mehr zählen, regelmäßig in Gebrauch habe ich etwa sechs bis zehn Stück – und regelmäßig noch nicht mal die teuersten. Hier angetestet hab ich unter anderem die Urbanears Plattan, den K-701, der nach wie vor zu meinen Lieblingshörern zählt, den Superlux HD-660, der irgendwie abgängig ist, den K-514, den ich immer wieder verwende, und der mir trotz krasser Pop/Badewannen-Abstimmung echt Spaß macht (sowas kriegt man heute nicht mehr!) und den ich heute weniger kritisch bewerten würde, den HD-595, den HD-465, und letztlich sogar ein wenig den K-240 Monitor. Letztlich haben sich hier vor allem AKG-Hörer angesammelt, vornehmlich wegen des guten Preis-Leistungsverhältnisses, was mich gleich zu

Vorbemerkung 2: bringt. Gerade die Monitore und Studios von AKG haben einen recht eigenen Klang, der durchaus polarisiert. Jeder klingt anders, aber ich wage zu behaupten, man kann schon ein wenig die Tradition, in der diese Hörer stehen, erahnen. Mir liegt dieser Sound, den ich eher als nüchtern, mit leichter Betonung der Mitten beschreiben würde. Es gibt aber auch andere Hörer – solche, die sehr analytisch sind (muss man mögen) und solche, die eben über diese typische „Badewannen“-Abstimmung verfügen („Badewanne“ wegen des typischen Equalizer-Bildes, also deutliche Betonung der Bässe und Höhen, muss man auch mögen, entspricht aber am ehesten den aktuellen Hörgewohnheiten und Abstimmungen im Consumer-Bereich).

Vorbemerkung 3: Teurere Kopfhörer neigen gerne mal zur Hochohmigkeit. Zwischen 150 Ohm und 600 Ohm ist da alles drin. Hochohmige Hörer sind technisch gesehen durchaus im Vorteil: Impulstreue, Masse der Membrane und Pegelfestigkeit sind hier die Stichworte. Wer aber einen hochohmigen Kopfhörer nutzt, braucht entweder einen verdammt leistungsfähigen Kopfhörerausgang (manche Geräte von Studer haben die, viele Mischpulte haben die auch) oder eben einen separaten Kopfhörerverstärer. Wer einen 600 Ohm-Hörer am iPhone, Laptop oder einer normalen Stereoanlage betreibt, dürfte damit nicht wirklich glücklich werden. Niederohmige Kopfhörer haben also überall, wo das Gerät keine hohe Leistung an der Buchse liefern kann, ihre Berechtigung – auch wenn (theoretisch) ein hochohmiger Hörer einen (heute nur noch relativ geringen) technischen Vorteil mit sich bringt.

Und weil ich eben einen recht niederohmigen Hörer für ein bestimmtes Setup brauchte, habe ich mir blind den K-121 Studio von AKG (Straßenpreis: Bezahlbare 69,- Euro) gekauft und muss sagen: Ich liebe und hasse das Teil gleichermaßen. Ein reinrassiger AKG Studio, sehr anständig gemacht und mit den Tugenden dieser Serie versehen – zu einem unter dem Strich für seine Leistung ordentlichen Preis mit Schwächen in der Darstellung.

Zuerst einmal zur Optik und Haptik und auch gleich zum Tagekomfort: Irgendwie sieht der 121er aus, wie alle Pferde aus dem Studio/Monitor-Stall: Kunststoff-Ohrteile, mit den typischen goldfarbenen Alukappen am Kopfbügel angebracht. Das mit Gummizügen versehene selbstjustierende AKG-typische Kopfband fehlt natürlich nicht. Der 121er sieht damit richtig klassisch aus: Tradition ist auch hier das beste Marketing! Der Hörer wiegt ohne Kabel 220g, ist mithin also angenehm leicht. Die Ohrpolster sind aus einem sehr weichen, vinylartigen Kunststoff gearbeitet und fühlen sich ganz ok an. Von der Anmutung erinnern sie mich irgedwie an 70er-Jahre Skai oder diese Kunstledersitze in alten Taxis. Sie sind nicht tauschbar. Bei AKG verwendet man mittlerweile ein wenig weicheres Material. Damit trägt sich der Hörer angenehm, aber man fängt irgendwann halt auch an, an den Ohren zu schwitzen, Kunststoff bleibt Kunststoff.
Haptisch ist der Kopfhörer keinesfalls lumpig, auch wenn er eigentlich nur aus Plastik besteht. Für den Kaufpreis geht die Verarbeitungsqualität auf jeden Fall in Ordnung. Drei Meter weiches Kabel sind dran, wie bei den Monitoren auch kann der Adapter von 3,5mm Klinke auf 6,3mm Klinke aufgeschraubt werden – eine perfekte Lösung, die vielfach kopiert wurde. Die Stecker sind – Tradition bleibt Tradition – vergoldet.

Das Wichtigste – der Klang: Von der tendenziellen Mittenbetonung der AKGs habe ich bereits zu Beginn geschrieben und hier macht der 121er auch keine Ausnahme. Die „Betonung“ fällt aber durchaus noch dezent aus, keine Sorge! Dennoch: Das wirklich große Ding des Hörers sind in meinen Ohren die Vocals, seidenweich, unaufdringlich, präsent und natürlich. Im Bassbereich ist der 121er deutlich, straff, aber nicht besonders agil. Gerade der Tiefbass wird doch ein wenig verschluckt, was gerade den zeitgenössischen Hör- und letztlich auch Abmischgewohnheiten nicht sehr entgegenkommt. Die Höhen sind angenehm unaufgeregt und ebenfalls als neutral zu bezeichnen, keinesfalls zu spitz. Aber es fehlt hier doch die Brillanz. Und damit liefert der 121er ein recht ambivalentes Klangbild.

Ein Beispiel gefällig: Tom Pettys Mary Janes Last Dance: Die Zerre der Gitarre klingt für mich optimal, hier macht der Hörer unendlich Spaß, die Bluesharp kommt aufgrund der leichten Defizite im Hochtonbereich einen Hauch zu verwaschen rüber – soweit kein Problerm – aber: Die Drums klingen richtig blechern.

Hello Dakness von den Shiny Gnomes: Das akzentuierte Gitarrenspiel sauft mit dem Hörer gnadenlos ab, die Drums sind aber überraschend straff und sauber, lediglich die Hi Hats würden etwas mehr Präsenz vertragen. Die weiblichen Backgroundvocals fügen sich fein und harmonisch ein. Insgesamt kommt aber der knackige Sound nicht voll zur Geltung.

Edie Brickells What I Am : Die Vocals lebensecht und plastisch, die Gitarre sauber und natürlich, die Drums schön zurückgenommen, der Bass aber mit einer deutlichen Tendenz zum Blechernen (nicht richtig blechern aber auch nicht wirklich klar und frei).

Das mag sich jetzt erst mal nach einem gerüttelt verheerenden Urteil anhören, ist es aber nicht: Die Linearität, die m.E. erst im Tiefbassbeeich abfällt (und eben nirgends überbetont) ist wirklich wertvoll. Und mit seinen 55 Ohm kommt der 121er auch mit wirklich fies schwachbrüstigen Quellgeräten zurecht. Das ist gerade in Projektstudios, die nicht so exklusiv ausgestattet sind, ein unschätzbarer Vorteil, ebenso wie beim field recording oder an semiprofessionellen Videokameras. Hier kann der Kopfhör voll punkten und wird jede falsche Einstellung zu Tage treten lassen (dann dort kommt es weniger auf pegelunabhängige Fehler des Hörers im Gesantfrequenzband an, sonder auf das Beurteilen der Aufnahmesituation). Und dazu taugt der Hörer einwandfrei.

Fazit: Früher lag in fast jedem Privatradio-Selbstfaherestudio ein K-141 auf dem Pult. Der 121er ist, obschon spürbar günstiger, keinesfalls schlechter, im Gegenteil! Er betont weder Höhen noch Bässe zu stark, klingt für mich ordentlich linear, ist keinesfalls zu analytisch (und empfiehlt sich daher nach meinem Gefühl auch nicht für die Fehlersuche in der Produktion), groovt und nervt nicht. Feilich hat er, was die Transparenz betrifft Schwächen, aber: Für 70 Euro kriegt man nach meiner Kenntnis nichts Vergleichbares. Das Teil steht in einer bestimmten (der hier vielbeschworenen) Tradition, man sieht es ihm auf den ersten Blick an und man hört das auch.

Wohin mit dem Ding? Im Studio ein optimales Testwerkzeug, um eine Ahnung zu bekommen, ob eine Mischung auch auf normalem Hifi-Equipment gut klingt. Im Radio- und Webradiostudio trotz halboffener Bauweise erste Budgetwahl fürs Monitoring aber auch für im Mikrofonsprechen ungeübte Gäste (gerade wegen der halboffenen Bauweise – der Sprecher fühlt sich unter den 121ern nicht isoliert, was einer authentischen Intonation nicht geübter Sprecher spürbar zu Gute kommt!). Der 121er repräsentiert die normale Consumer-Ausstattung des durchschnittlichen Zuhörers. Im HiFi-Bereich – nunja, für Individualisten, die eine unaufgeregte, nicht nervende, neutrale Abstimmung schätzen und mit einem leicht blechernen Unterton bereit sind zu leben. Aber hey! Das Ding kostet zwischen 70,- und max. 80,- Euro. Und für den Preis taugt es allemal im Studio als Monitor für Sänger und Gitarristen, trotz halboffener Bauweise.

Zum Tode von Pierre Henry.

Was für Deutschland Stockhausen war, war für Frankreich Pierre Henry. Gestern Nacht ist Henry hochbetagt in Paris gestorben.

Henry ist – zusammen mit Schaeffer – zweifelsohne Vater der musique concrète, jenem Musikstil, dessen Kompositionen sich aus Versatzstücken von (Natur-)Geräuschen und Stimmen und der Orchestrierung und des Arrangements selber speisen. Klänge vorab aufzuzeichnen und dann in einer anderen (Re)Kombination zu einem neuen Werk zusammenzufügen und zusammenzuführen, das würde man wohl heute als sampling bezeichnen. Letztlich aber ist diese „Technik“ ja Grundlage jeder Kunst, die sich unterschiedlicher Versatzstücke des menschlichen Erlebens bedient und diese neu organisiert. Henry nutzte Mitte der 1940er Jahre die damals erstmalig technisch hinreichend funktionsfgähige Stahl- und Magnetbandaufzeichnung und schnitt seine Arrangements auf Schallplatte. Live bot er seine Werke in der Frühzeit mit Plattenspielern und Mischpulten dar, was ich aber ehrlich gesagt nicht als DJing betrachte. Dieser Umgang mit Klang bringt freilich mit sich, dass es keine Partitur im engeren Sinne gibt. Wegen diesem frühen „sampling“ wird Henry gerne auch als Vater bzw. Großvater des Techno bezeichnet – wer sich aber mal eines seiner Weke konkreter Musik anhört, mag an dieser Betrachtung durchaus Zweifel anmelden. Ich zumindest kann bei aller Bewunderung diese Zuschreibung nicht so recht nachvollziehen.

Im Gedenken an Henry habe ich die Symphonie pour un homme seul (etwa: Sinfonie für einen einzelnen Mann) aufgelegt, die zusammen mit Pierre Schaeffer 1949 und 1950 am französischen Institut für Rundfunktechnik entstand. Kein einfach zu hörendes Werk, und dennoch: Die zum Teil rückwärts gespielten Stimmen, Geräusche, zerstückelten Klaviertöne… und Fadings ergeben mit der Zeit ihre ganz eigene Melodie.

Weit über den Publikumskreis ernster Musik hinausreichende Bekanntheit sicherte sich Henry mit seiner Komposition Psyche Rock (zusammen mit dem Filmkomponisten Michel Colombier) 1967, die vielen sicher im Remix von Fatboy Slim und als Intro der Zeichentrick-Serie Futurama bekannt ist. Henrys Musik war immer revolutionär. Ehre, wem Ehre gebührt!

In Your Town.

Wenn ich mir mitunter vor Augen halte, was in den 1970er und 1980er Jahren im deutschen Fernsehen geboten wurde, bin ich blass vor Neid und ob der Qualität erstaunt! Eines dieser brillianten Fundstücke stammt aus dem Jahre 1971: Der Meister des Bluesrock, Rory Gallagher, war 1971 und 1972 im Beat-Club zu Gast. Und was er dort zu Gehör brachte, zeigt Gallaghers Können auf dem – zumindest für mich – Gipfel seines Schaffens.

Irgendwann in den späten 90ern habe ich dieses Beat-Club-Ding mal auf VHS gesehen, freilich in gruseliger Qualität, wie man das seinerzeit eben so hatte. Schon damals ist mir der von Gallaghers zweitem Soloalbum Deuce stammende Titel In Your Town als besonders kraftvoll und eingängig hängengeblieben. Gallagher zeigt hier unverstellt nicht nur sein Können sondern seine ganze Spielfreude!

Den Gesamtmitschnitt der Sessions findet man übrigens auch komplett auf Youtube! Unbedingt sehens- wie hörenswert, wenngleich die Qualität nur halbgut ist.

Postmodernes Arschloch.

Wer könnte schon von sich behaupten, in seinem Alltag frei von Begegnungen mit postodernen Arschlöchern zu sein? Nun, diese Bürde unserer Tage haben Wortfront gekonnot beschriebensungen, bereits vor geraumer Zeit; am Phänomen, am „bla bla“ und am Habitus dieser Arschlöcher hat sich nichts Wesentliches geändert. Die Aktualität dieses kleinen Songs ist zweifelsohne gegeben, und daher laassen wir – zur freundlichen Gemahnung – Sandra Kreisler für uns singen:

(Diese Livedarbietung ist ganz bezaubernd, aber auch die Studioversion ist, gerade wegen ihres Intros, sehr hörenswert!)

DUAL CS 604 drüben beim zonebattler zum Verkauf….

Wenn ich nicht schon drei Plattenspieler im Zweipersonenhaushalt spielbereit und angeschlosssen hätte, dann würde ich ja ernsthaft…

Nein, ich bin, was das Material anbelangt, raus aus dem Rennen, aber wer einen sehr anständigen Dreher sucht, der es qualitativ mal im Vorbeigehen mit der Klirraudio-Mittelklasse oder allen vermeintlich high-endigen Brettspielern aufnimmt und zufällig noch im Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen unterwegs ist, der sollte sich mal das Angebot des Bloggerkollegen Ralph ansehen.

Wie schon gesagt, so einen Direkttriebler unter die Riemenbrüder zu stellen, das wäre schon was, auch der dafür aufgerufene Tarif ist äußerst fair – nur hat man in der Regel ja immer mehr als man braucht.

Sollte dass auf jemanden nicht zutreffen, ist hier nun die Gelegenheit: Zur Zeit der technologischen Blüte von Phonogeräten im Schwarzwald gefertigt, allein der Teller wiegt mehr als ein Kilo, Subchassis werden heute – außer bei Linn – allein wegen des immensen Aufwands in der Herstellung heute gar nicht mehr gebaut – diese alten Dual-Boliden verbinden die Vorzüge von Masse (Laufruhe, Bassfundament) und Schwabbler (Spritzigkeit, Bühne).

Direkttriebler laufen in der Regel ewig und belohnen den Hörer mit einer ganz ausgezeichneten Laufruhe. Und in der schwarzen Zarge ist das Gerät sogar anzuschauen.

Leute, das ist was Realistisches.

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Ellen Allien Boiler Room Ibiza DJ Set.

Grüß Gott,

ich hab seit November nichts mehr gebloggt, das liegt daran – bitte nehmt es mir nicht übel – ich will, auch auf die Gefahr hin, unhöflich zu sein, ehrlich sprechen – dass ich in der Tat besseres zu tun hatte. Nun, einer der Vorsätze zum neuen Jahr (ein gutes selbiges voller Gesundheit, Glück und Inspiration wünsche ich Euch nachträglich) ist, dass ich wieder etwas mehr blogge… Ich will mal sehen, ob es klappt.

Gerade stürmt es wie Sau und mir ist kalt. Ich könnte die Heizung höher drehen, habe mich aber für Ibiza-Feeling entschieden und rate Euch, es mir gleichzutun – hier ist ein netter Mix von Boiler Room TV mit Ellen Allien:

In diesem Sinne: Guten Start – macht was draus.

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