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Nürnberg-Blog | Technik, Politik und (digital) lifestyle
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Artikel der Kategorie ‘Allgemein’

Ein paar Bemerkungen in eigener Sache.

August 16, 2016 Von: admin Kategorie: Allgemein Noch keine Kommentare →

Gerade fehlt mir ein bisschen die Zeit, in meinem Blog regelmäßig zu schreiben. Viele Inhalte fließen in diverse andere Online- oder Offlinemedien oder in sog. soziale Netzwerke ab. Ich gelobe Besserung, weiß aber nicht, ob ich diesem Gelöbnis auch in gewünschtem Umfang entsprechen kann.

Sollte ich das Blog dann nicht lieber schließen? Dauerhaft schließen? Ich habe da schon recht ernsthaft darüber nachgedacht, mich derzeit aber dagegen entschieden, denn die Jetpack-Statistik verrät mir, dass es für mein altes Geschreibsel immer noch ein gerüttelt Maß an Interessenten gibt – 300 bis 350 unique visitors am Tag, sie kommen mehrheitlich über Google, und sogar dann, wenn ich zwei Monate nichts mehr geschrieben habe, bestärken mich dann doch im Entschluss, diese Seiten „online“ zu halten.

Ich möchte mich bei Euch ganz herzlich für Eure bisherige Treue bedanken und ich will versuchen, hier wieder ab- und an etwas zu posten. Seht es mir aber bitte nach, wenn es auch in der nächsten Zeit eher sporadisch sein wird.

Update: Weil hier zwei Anfragen reingekommen sind wegen der Webacam. Nein, die ist nicht kaputt, die ist nur „verhängt“. Bei meiner Webcam handelt es sich um ein etwas antikes Modell, das leider weder mit WLAN angebunden werden kann noch über ein wetterfestes Gehäuse verfügt. Ich habe sie also hinter einer Fensterscheibe platziert und die ist im Sommer – der Hitze wegen – mitunter auch untertags mit so einem Hitzeschutzrollo verhängt (das mir dem Rollo funktioniert sogar leidlich). Im Herbst gibts von der Kamera dann wieder Vollprogramm…

o2 – ein Rant.

August 14, 2016 Von: admin Kategorie: Allgemein, Netz, Telekommunikation, useless remark on daily grind 4 Kommentare →

Ich bin sauer auf meinen Mobilfunkprovider. Und ich schreibe hier mal nieder, was mich so alles stört – an o2.

Ich war seit zwölf Jahren relativ zufriedener Kunde von E-Plus (Mobilfunkkunde bin ich seit ´99, damals bei D1-Telekom, 2002 bis 2004 war ich bei D2). 2004 bin ich schlicht aus Preisgründen zur damaligen KPN-Tochter gewechselt. ich bekam ein SonyEricsson K700i und eine Xbox 1 zum Einstand und für eine Einmalzahlung von 15 Euro eine gut merkbare Nummer, die man sich seinerzeit, die Verfügbarkeit vorausgesetzt, aussuchen konnte. Mit dem K700i war ich dann auch recht zufrieden, später dann kam dieses Teil mit der 2 Megapixel-Kamera und dem echten Elektronenblitz (ein Feature, das ich nach wie vor bei aktuellen Smartphones vermisse) und dann gab es schon diverse Smartphones (ich hatte dann unter anderem Nokia-Geräte, den Communicator…, um heute wieder bei einem Sony-Telefon angelangt zu sein). Ärger hatte ich mit E-Plus erinnerlich nur ein Mal: Das war beim Tausch eines defekten HTC One, für das ich ein total abgefucktes, versifftes Ersatzgerät erhielt, das stank wie die Seuche). Versaut hatte das seinerzeit ein Fulfillment-Anbieter von E-Plus, der saustur war – letztlich bekam ich die Sache dann über die E-Plus-Pressestelle glattgezogen. Sonst war E-Plus immer ganz ok, sowohl preislich als auch vom Service. Irgendwann wurde ich sogar sowas wie ein Premium-/Exklusiv-Kunde, mit diesem Status belohnte E-Plus all jene Kunden, die ihre Rechnungen regelmäßig und pünktlich bezahlten (dass ich regelmäßig und pünktlich bezahlt habe, wird später noch von Bedeutung sein).

Meine alte "exclusiv service"-Karte von E-Plus.

Meine alte „exklusiv service“-Karte von E-Plus. Ich habe sie in meinem Werkzeugkasten wiedergefunden. Solche Plastikkarten sind praktisch, wenn mal eine Tür ins Schloss gefallen ist oder man etwas überstehenden Spachtel abnehmen muss.

Im Juni wurde ich dann von E-Plus zur Telefonica bzw. deren Marke „o2“ umgezogen. Ich habe das nie gewollt. Meine Partnerin war lange Jahre o2-Kundin und ist irgendwann genervt zur Telekom gewechselt. Ich hatte eine Ahnung, was einem drohen kann, wenn man o2-Kunde wird und wollte das verhindern – also sprach ich für den Fall eines Zwangswechsels zu o2 meinem damaligen Provider E-Plus die Sonderkündigung aus. Die wurde – wen nimmt es Wunder – geflissentlich ignoriert. Ich kam also, gegen meinen erklärten Willen, zu o2.

Los ging es, dass mir der „Wechsel“ zu einem zweiwöchigen Datumszeitraum per Post und SMS angekündigt wurde. Weil ich aber gerade im Wechselzeitraum in Schottland unterwegs war, hat sich die Sache witzigerweise um einen Monat verzögert. Irgendwann bekam ich dann einen farbkopierten Zettel von o2 per Post, in dem ich aufgefordert wurde, mir ein Online-Kundenkonto bei o2 anzulegen. Das habe ich natürlich bis heute schön bleiben lassen, denn von E-Plus bekam ich immer – bis zuletzt – eine Papierrechnung (das war im Jahre des Herren 2004 nämlich noch guter Brauch und der wurde bei mir beibehalten, obschon ich irgendwann mal auf „online“ umgestellt worden sein soll). Von o2 habe ich noch nie eine Papierrechnung zu Gesicht bekommen – nun gut.

Anfang Juni dieses Jahres wurde ich dann tatsächlich „umgestellt“. Ich erhielt eine SMS, in der ich aufgefordert wurde, mein Telefon einmal aus- und wieder einzuschalten und schon war ich o2-Kunde.

Fortan o2-Kunde zu sein, war für mich schon in der ersten Minuten eine saudumme Sache. Hatte ich zuhause mit meinem Handy immer einen vollen Empfang im E-Plus-Netz, ist dieser mit o2 nun deutlich schlechter. Schöne Scheiße. Ich dachte, durch die „Fusion“ von o2 und E-Plus würden beide Netze zusammengeworfen und ich hätte flächendeckenderen, besseren Empfang (das wäre ja was gewesen), aber zumindest in meinem Wohn-, Arbeits- und Schlafzimmer ist das nicht so. Mies zwar, aber verschmerzbar, verfüge ich doch mit meinem immer noch funktionierenden Euro-ISDN-Telefonanschluss über etwas so Altmodisches wie unserer Tage Seltenes. Ich bin zuhause tatsächlich nach alter Väter Sitte im „Festnetz“ erreichbar, der schlechte o2-Empfang ist für mich also zumindest in den eigenen vier Wänden verschmerzbar.

Nun telefonierte und surfte ich also mit dem neuen Anbieter, den ich wohlgemerkt nie beauftragt hatte noch mit dem ich einen Vertrag abgeschlossen habe. Nun gut, was soll es, ein Handy braucht man ja. Nach einem Monat ging dann der Zauber los: Ich bekam über eine Rechnung, die mir nicht zugestellt wurde, und die ich folglich nicht bezahlt hatte, eine Mahnung.

Nun könnt ihr Euch sicher vorstellen, dass ich nach überfällig nicht erhaltener Rechnung nicht einfach abgewartet habe. Die Sache ist ein bisschen komplizierter: In der Vergangenheit bekam ich jeden Monat von E-Plus eine Rechnung. Die habe ich immer unverzüglich bezahlt. Irgendwann setzte sich mein Mobilfunkvertrag aber nur noch aus Flatrates zusammen, der Rechnungsbetrag war quasi immer gleichlautend. Und so richtete ich bei meiner Bank einfach einen Dauerauftrag über den gewohnten Betrag ein, und zahlte somit weiterhin meine Rechnungen pünktlich, ohne etwas tun zu müssen. Bei der letzten Vertragsverlängerung bekam ich nicht nur ein neues Telefon, mein Vertrag (immer noch bei E-Plus) wurde auch ein paar Euro im Monat günstiger. Und hier ist mir dann ein klitzekleiner Fehler unterlaufen – ich habe meinen Dauerauftrag nicht nach unten korrigiert sondern weiterhin den altbekannten Betrag pünktlich bezahlt. So geriet ich bei E-Plus dann mit den Monaten in die Überzahlung. Das wäre, so sagte man mir seinerzeit an der E-Plus-Hotline, aber kein Problem, das Guthaben solle ich einfach stehenlassen und es würde mit den Abschlussrechnungen verrechnet werden. Es war letztlich auch nicht viel Geld – insgesamt war ich nach einem guten Jahr genau mit 87.78 Euro bei E-Plus in der Überzahlung. Ein Problem? Für mich nicht. Beim Stromlieferanten und bei der Fernwärme bin ich auch oft in der Überzahlung, die Abschläge sind ja meist höher, als der tatsächliche Verbrauch. Das bekomme ich ja immer wieder mal verrechnet. Kein Problem? Scheinbar doch.

Denn nun war ich ja urplötzlich o2-Kunde und o2 kannte mein Guthaben nicht, hatte es nicht, buchte es nicht und sendete mir am 25. Juli eine Mahnung. Ich fragte mich, telefonierte mit o2, telefonierte mit den Überresten der E-Plus-Hotline, die zu erreichen mich auf eine Buchbinder-Wanningersche Geduldsprobe stellte, wie das gehen könne und schrieb einen Brief an o2, in dem ich feststellte:

…mit diesem Schreiben widerspreche ich der von Ihnen gestellten Mahnung vom 22. dieses Monats zu meinem unter der Rufnummer 0177 / XX XXX XXX geführten Mobilfunkvertrag.

Als Gründe für den Widerspruch mache ich geltend:

  • Ich war seit mehr als zehn Jahren Kunde der Fa. E-Plus und mein Mobilfunkvertrag ist – obschon ich von meinem Recht der Sonderkündigung gebraucht gemacht habe, zu Ihrem Hause „o2“ übertragen worden. Damit wurden – so wurde es mir heute an Ihrer Hotline bestätigt, alle rechtlichen Verpflichtungen ebenfalls an Sie übertragen.
  • Bei der Fa. E-Plus verfüge ich (Stand heute, 25. Juli 2016) über ein Guthaben von  87,78 Euro. Dies wurde mir heute telefonisch ebenfalls bestätigt. Dieses Guthaben, auch dies wurde mir telefonisch bestätigt, wird von der Fa. E-Plus an Ihr Haus übertragen.
  • Der angemahnte Betrag i.H.v. 31,19 Euro ist damit aus dem vorhandenen Guthaben zu tilgen, die oben genannte Mahnung ihrerseits erreichte mich rechtswidrig. Unter keinen Umständen bin ich bereit, dies hinzunehmen.

Selbst wenn, wie man mit telefonisch mitteilte, das Guthaben vom Hause E-Plus zu Ihrem Hause noch nicht übertragen wurde, so hat mich dies nicht zu interessieren. Mein Vertrag wurde mit dem 6. dieses Monats zu Ihrem Hause übertragen – in meinen Augen ebenfalls rechtswidrig – somit hat für mich auch die Übertragung meines Guthabens hiermit geschehen zu sein. Ihre Verbindlichkeiten mit dem Hause E-Plus regeln Sie bitte intern.

Ich fordere Sie hiermit auf, das vorgenannte Mahnverfahren gegen mich mit sofortiger Wirkung einzustellen. Dies bestätigen Sie bitte umgehend auf dem Postwege.
Weitere Mahnungen in dieser Angelegenheit werde ich selbstverständlich nicht akzeptieren.

Die Ergreifung weiterer – auch juristischer – Schritte behalte ich mir ausdrücklich vor.

Ich widerspreche der Mahnung. Ich sende dies als eingeschriebenen Brief. Ich sende den Brief vorab per Telefax. Ein halbwegs professionell arbeitendes deutsches Unternehmen, so dachte ich, sollte in der Lage sein, die Buchung durchzuführen, die Mahnung auszubuchen und mein Guthaben zu verrechnen. Das ist doch beileibe nicht zuviel verlangt.

Für o2 allerdings offensichtlich schon. Denn eine Woche später passiert etwas überhaupt nicht Lustiges: Eines morgens will ich mit dem Handy im Internet surfen – es geht nicht. Telefonieren kann ich allerdings noch. Ich nehme eine technische Störung bei o2 an, weil das Telefon ja noch arbeitet. Ich warte also ab. Tags darauf funktioniert das Internet immer noch nicht. Ich warte also immer noch ab und wende mich am Abend an die technische Störungsstelle. Dort vergeude ich eine Dreiviertelstunde Lebenszeit an der Hotline, bevor ich einfach gekickt werde. Bei o2 bekomme ich an der technischen Störungshotline keinen menschlichen Ansprechpartner ans Rohr, bei der Hotline rufe ich um kurz nach acht außerhalb der Geschäftszeiten an. Service: Fehlanzeige.

Am nächsten Tag – ich bin noch immer ohne mobiles Internet – wird mir die Sache dann zu dumm und ich wähle – zu typischen Bürozeiten, wohlgemerkt – die Kundenhotline von o2. Dort werde ich dann von einer ziemlich unverschämten Dame angeschnauzt, dass das mobile Internet nicht etwa wegen einer Störung nicht funktioniere, sondern für mich abgeschaltet wurde. Ich hätte auf die Mahnung o2s nich reagiert und befände mich in der zweiten Mahnstufe. Internet bekäme ich, allerdings erst, wenn ich meine Außenstände beglichen hätte (zur Erinnerung: Nicht ich habe Schulden bei o2 – vielmehr hat o2 87,78 Euro Schulden bei mir). Als ich die immer noch an der Grenze zur Beleidigung unverschämte Dame auffordere, sich eines angemessenen Tonfalls zu befleißigen, kickt sie mich aus der Leitung. Den Service von o2 werde ich in den nächsten Tagen nicht spürbar besser erleben.

Nach einigem telefonischen Hin- und Her gelingt es mir schließlich, bei der o2-Rechtsabteilung telefonisch anzulanden. Zuerst ist man auch hier nicht sonderlich kooperativ, als ich meiner Ansprechpartnerin allerdings meine Rechtsauffassung bezüglich meines Guthabens nahelege, sie diese als im Grunde richtig anerkennt und ich ihr höflich auseinandersetze, dass ich das rechtswidrige Aussetzen der Leistung „mobiles Internet“ seitens o2 zu meiner Entlastung prinzipiell nur mit Erhebung der negativen Feststellungsklage gegen die Telefonica beantworten kann, kommt dann doch recht plötzlich Bewegung in die Sache. Man sichert mir zu, das mobile Internet bis zum Mittag wieder zu aktivieren (es hat dann tatsächlich doch etwas länger gedauert, aber mittlerweile bin ich Kummer mit o2 ja gewohnt).

Ende der Geschichte? Nein. Zehn Tage später möchte ich mit meinem Handy telefonieren. Ich kann ins o2-Netz telefonieren. Ich kann ins Festnetz telefonieren. Andere Mobilfunkanschlüsse lassen sich über Stunden nicht erreichen. Nun stelle ich mir die bange Frage: Ist das eine technische Störung im o2-Netz oder bin ich mittlerweile in der siebenundachtzigsten Mahnstufe gelandet, die o2 wieder mit dem Entzug irgendwelcher Leistungen sanktioniert? Ich rufe – during usual office hours – bei der Hotline an, wähle mich durch ein Dickicht unterschiedlich Voicmail-Optionen, untersage zig mal die Aufzeichnung meines Telefonats „zur Sicherung der Servicequalität und zu Schulungszwecken“ (wann zum Fick ist eigentlich diese Unsitte eingerissen?!) um dann mit einer lapidaren Bandansage, das Hotlineaufkommen sei derzeit zu hoch, gekickt zu werden. Ich bekommen an diesem Tag an der o2-Hotline niemanden mehr persönlich zu sprechen, erwerbe mir aber unfreiwilligerweise durch zigfache Anwahlversuche durchaus profunde Kenntnisse in der nicht gänzlich unkomplizierten Menüstruktur des o2schen Voicecomputers.

Irgendwann twittere ich über meinen Unmut mit o2. Meine Tweets erreichen – auch über meine eigene Followerschaft und Timeline hinaus – für mich bislang unbekannte Resonanz. Ich bekomme etlichen Zuspruch von vielen unzufriedenen o2-Kunden und, was mich noch mehr wundert, sogar aufrichtigen Dank von Menschen, die aufgrund des geschilderten Falls von einem Vertragsabschluss bei o2 Abstand genommen haben. Auch die Community-Manager von o2 bekommen von der Sache Wind (Wellen hat es ja genug erzeugt) und so bekomme ich per direct message mindestens mitgeteilt, dass in Nürnberg tatsächlich eine technische Störung vorlag.

Ist die Sache nun durchstanden? Mit fehlt ja ein wenig der Glauben, aber ich bekam sechzehn Tage nach meinem ersten Anschreiben einen Brief, dass nun das Guthaben gebucht und das Mahnverfahren gehen mich eingestellt sei. Nach sechzehn Tagen. Eine beachtliche Minderleistung.

Mein Fazit: Ich war in meinem Leben Kunde bei etlichen Telcos. Bislang hatte ich nur mit einem richtig Ärger, das war seinerzeit arcor. Nun hatte ich richtig Ärger mit o2. So viele Unannehmlichkeiten mit einem Mobilfunkprovider hatte ich allerdings noch nie – und das in so kurzer Zeit (schließlich bin ich erst gute zwei Monate o2-„Kunde“).

Ich wurde an der o2-Hotline immer wieder aus der Leitung geworfen, von Mitarbeitern, von Computern oder die Verbindung baute sich urplötzlich nach exakt einer Dreiviertelstunde Wartezeit unerwartet und rein zufällig ab. Mit einem Menschen an der o2-Hotline zu sprechen, war für mich leider die seltene Ausnahme und nicht die Regel. Der Ton, den die o2-Mitarbeiter mehrheitlichh an den Tag legten, war inakzeptabel und im Geschäftsleben völlig deplaziert. Der Empfang ist schlechter geworden. Eine Papierrechnung bekomme ich auch nicht mehr. Mein Ersuchen um Beendigung des Vertragsverhältnisses wurde übrigens mehrfach völlig ignoriert.

Ich werde bei nächster Gelegenheit etwas tun, was ich bei einem Telco noch nie getan habe: Beim nächsten kleinen Fehler seitens o2 setze ich mich nicht mehr mit dem Unternehmen in Verbindung – sondern mit meinem Anwalt. Mir kommt dieser Schritt gerade selbst relativ drastisch vor – aber angesichts der schon jetzt vergeudeten Lebenszeit scheint mir dieses Vorgehen angemessen. Ich habe in meinem Fall meinen aus meiner Sicht „Nicht-Vertragspartner“ o2 nicht nur als unzuverlässig, erschreckend inkompetent und überfordert erlebt, sondern auch als ausgesprochen frech und unverschämt. Mit Unternehmen, die ein solches Gebaren an den Tag legen, unterhalte ich in aller Regel keine geschäftliche Verbindung. Time will tell.

Ende Mai startet der DVB-T2-Regelbetrieb in Nürnberg.

Mai 29, 2016 Von: admin Kategorie: Allgemein, Gadgets, TV-Tipps 1 Kommentar →

Gute Nachrichten für die Fernsehzuschauer in der Region, die ihr Programm über die gute alte Antenne empfangen: Am 31. Mai startet bei uns der Regelbetrieb für DVB-T2.

Was ist DVB-T2 und warum ist das (zumindest aus meiner Sicht) eine gute Nachricht?

Nun, vereinfacht gesprochen ist DVB-T2 die HD-fähige Variante von DVB-T. An der Empfangsart, an der Bedienung und auch an den Features ändert sich im Wesentlichen nichts, allerdings wird das Bild nun „hochauflösend“ übertragen, was über Kabel, Satellit und auch per Internet längst der Fall ist. Im Fall von DVB-T2 wird also – wiederum vereinfacht dargestellt – das Übertragungsverfahren gewechselt: In Deutschland bedient man sich des Codecs HVEC, auch H.265 genannt. Das hat, das will ich nicht verschweigen, aber auch zwei Nachteile: Zum einen ist das Verfahren nicht abwärtskompatibel, d.h. mit dem alten DVB-T wird man das neue Programm nicht sehen können, nach einer Übergangszeit braucht man dann wohl auch einen Neuen Empfänger (einen Receiver oder Stick). Außerdem unterstützt der neue Standard auch Pay-TV, RTL, Sat. 1, Pro 7 und Konsorten sollen künftig terrestrisch nur gegen Bezahlung zu empfangen sein (und mir persönlich sind die Frequenzen für irgendwelches Pay-Gelumpe terrestrisch zu knapp. Aus Prinzip).
Der Vorteil: Wir sehen zukünnftig über Antenne HD-Fernsehen und werdenb über DVB-T auch wesntlich mehr Sender empfangen – von bis zu 40 Programmen ist die Rede. Auch soll – aber da fehlt mir die praktische Erfahrung – die Übertragung stabiler funktionieren.

Ich mag DVB-T, denn ohne großen Installationsaufwand und mit beachtlicher Stabilität lasst sich recht angenehm fernschauen, ohne das zusätzliche laufende Kosten entstehen (wie beispielsweise beim Kabelfernsehen). Der große Nachteil von DVB-T, nämlich die inzwischen wenig attraktive Bildqualität, wird mit DVB-T2 ausgeglichen.

Und Nürnberg, das zeigt die Karte der offiziellen DVB-T2 HD-Internetpräsenz, wird gleich zu Beginn des Regelbetriebs mitversorgt.

Nun stellen sich freilich noch ein paar Fragen, die ich versuche, zu beantworten:

Brauche ich für DVB-T2 eine neue Antenne?

Wenn ich bereits DVB-T empfange und eine funktionierende Antenne habe, nein. Natürlich kann es in der Übergangsphase passieren, dass ich in einem Gebiet wohne, in dem ich mit der Zimmerantenne DVB-T empfangen kann, für DVB-T2 aber eine Außenantenne benötige. Mit zunehmendem Ausbau sollte sich das aber geben. Spezielle Antennen für DVB-T2 braucht es aber definitiv nicht, da im selben Frequenzband wie DVB-T gesendet wird.

Kann ich jede Box und jeden Empfänger für DVB-T2 verwenden?

Leider auch: Nein. Der Receiver, Fernseher oder DVB-T2-USB-Stick muss nach dem oben schon erwähnten HVEC-Standard arbeiten. Viele Geräte aus dem Ausland kölnnen das aber nicht, sie empfangen den H.264-Standard, der in Deutschland nichts nutzt. Daher warne ich davor, sich z.B. aus China vermeintlich günstige DVB-T2-Empfänger zu kaufen (z.B. über amazon oder ebay), sie werden hier derzeit mehrheitlich nicht funktionieren. Wer sichergehen will, dass die Geräte funktionieren, und wer sich nicht auskennt, sollte beim Kauf auf das grüne „DVB-T2 HD“-Logo achten, wie man es auf dieser Seite sehen kann.

Was kosten die neuen Boxen?

Zwischen 50,- und 100,- Euro kosten die wenigen Boxen, die jetzt schon verfügbar sind. Ich vermut ja, dass sich das hier ähnlich entwickelt wie seinerzeit bei DVB-T: Am Anfang waren die Geräte seinerzeit halbwegs erschwinglich, binnen eines Jahres fielen die Gerätepreise dann spürbar. Da das alte DVB-T ja nicht von heute auf morgen abgeschaltet wird, würde ich mich diesmal nicht unter die „early adoptors“ zählen und erst mal ein wenig zuwarten. Auch, weil aktuell die Geräteauswahl noch nicht allzu groß ist.

Und? Was gibts Neues?

April 04, 2016 Von: admin Kategorie: Allgemein Noch keine Kommentare →

Ich fasse hier mal meine persönlichen Wochenhighlights der letzten Zeit zusammen…
Ihr kennt das ja, ich mach das immer so, wenn mir zum intensiveren Bloggen die Zeit fehlt…

  • Ich bin unter die NN-Feiertagsrätsellöser gegangen. Das ganze ist eher den Zufall geschuldet und ich muss anmerken, dass das Rätsel diesmal recht schwer war – es gelang uns nur, dies mit Hilfe meiner Freundin und vereinten Familienkräften zu lösen. Hat dennoch viel Spaß gemacht und trainiert zudem die eigenen Such-Skills für Google oder jede andere Suchmaschine des geringsten Mißtrauens enorm.
  • Sven podcastet. Er hat es in kurzer Zeit auf sechs Episoden gebracht. Go on, Sven.
  • PanamaPapers – das wird uns in der nächsten Zeit viel Spaß machen…
  • Aufmerksame bzw. langjährige Leser wissen, dass ich das revolutionäre Degign der alten Braun-Radios und HiFi-Geräte sehr schätze. Nun habe ich auf YouTube eine wirklich großartige Doku (auf deutsch) dazu gefunden: Simply The Best – Die Braun Design Story. Lohnt sich! Ebenso sehenswert: Less and more – The Design Ethos of Dieter Rams.
  • Ein Blick ins FürthWiki rentiert übrigens immer – nun werden auch Zeitzeugenberichte per Audio aufgezeichnet und bearbeitet.

Das 8. Nürnberger barcamp steht in den Startlöchern…

März 09, 2016 Von: admin Kategorie: Allgemein 1 Kommentar →

…und freut sich auf Euren Besuch, und zwar dieses Wochenende!

Wir sehen uns
vom 11. bis 13. März
im Seminarzentrum Klingenhofstraße der GRUNDIG AKADEMIE
Klingenhofstr. 58
90411 Nürnberg!

Das Besondere in diesem Jahr: Die Teilnahme ist kostenlos! Mehr Informationen gibt es auf der Webseite des #bcnue, die Anmeldung läuft dieses Jahr über XING.

Frohes Neues.

Januar 07, 2016 Von: admin Kategorie: Allgemein Noch keine Kommentare →

Ich wünsche Euch – wenn auch leicht verspätet – ein frohes neues Jahr voller Gesundheit und Glück! Ich sitze jetzt auch wieder am Schreibtisch und greife wieder in die Tasten.

Und ich darf schon mal ankündigen, dass ab Freitagabend der Artikel mit dem Arbeitstitel „Kindheitserinnerungen aus dem Kassettenrekorder“ zum Thema Hörspielkassetten im SAMSON-Magazin erscheint. Für den Fall, dass es für den ein- oder anderen interessant ist…

So, frischauf, ran an die guten Vorsätze!

Herzlichst, Michi.

Gesegnete Weihnachten!

Dezember 24, 2015 Von: admin Kategorie: Allgemein Noch keine Kommentare →

Ihr Lieben,

ich wünsche Euch von ganzem Herzen ein ruhiges und fröhliches Weihnachtsfest! Lasst es Euch gut gehen, genießt die Zeit mit Freunden und Familie, das stimmungsvolle Licht und das gute Essen!

Gesegnete Weihnachten!

(Wer noch nicht aus der Stimmung ist und wer Lebkuchen noch sehen kann – thematisch würde es ja durchaus zum Weihnachtsfest passen, der kann sich meinen letzten Artikel zu den Lebkuchen ja mal anschauen. Der ist nämlich derzeit frei verfügbar.)

Die Aeropress im Bewegtbild.

Oktober 02, 2015 Von: admin Kategorie: Allgemein Noch keine Kommentare →

Anfang der 2000er Jahre war er totchic und ein echtes Statussymbol: Der Kaffee-Vollautomat. Kaffee aus einer Filtermaschine? Ging ja mal gar nicht.
Der Wind hat sich gedreht. Den Hipstern sei Dank, ist der Vollautomat ein verzichtbares Konsumgut geworden. Kaffee wird nun „hand brewed“ mit Melittafilter und Keramikkannenaufsatz hergestellt wie zu Omas Zeiten. Oder aber mit einem rohrpostbüchsenähnlichen Gegenstand, der Aeropress.

Nun, selbst wenn der druckgefilterte Kaffee besser schmecken sollte und die Aeropress zum Experimentieren einläd, ist mir diese Art der Kaffeezubereitung zu umständlich und sie macht auch einen Haufen Dreck. Ich bleibe beim Vollautomaten. Vielleicht dauert, das Vorheizen eingerechnet, der Brühvorgang einer einzelnen Tasse tatsächlich länger als eine Minute, aber es ist halt um Welten bequemer und der Kaffee schmeckt auch ordentlich.

Nichts desto trotz interessant ist der Film über den Erfinder der Aeropress, Alan Adler, den Marvin ausgegraben hat.

Ich mag solche Kurzportraits sehr, es ist immer interessant, zu sehen, mit welcher Motivation manche Dinge erfunden werden.

Ich will so einen Frisbee.

Sommerpause.

September 02, 2015 Von: admin Kategorie: Allgemein Noch keine Kommentare →

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CC BY 2.0, „dtv bandwidth“ by Karl Baron via flickr.

Ruhig hier? Stimmt. Ich habe meine Sommerpause verlängert. Wir lesen uns im Oktober.

Eine Replik auf Markus Wolf: Der Journalismus verdient Geld. Wenn wir es nicht tun, so liegt das an uns selbst.

Juni 24, 2015 Von: admin Kategorie: Allgemein Noch keine Kommentare →

Lieber schreibender Kollege Wolf,
lieber Markus,

„Nürnberg und so“ gehört quasi täglich zu meiner Lektüre. Ich finde sehr spannend, was ihr da aufgezogen habt und: Ich kann verstehen, dass ihr damit Geld verdienen wollt.

Dein Aufsatz „Der Journalismus ist am Ende – lasst uns endlich Geld verdienen“ hat in mir einigen Widerstand provoziert – und da das Replikenschreiben eines meiner Hobbys ist, trifft es heute Deinen Text.

Einige längliche Bemerkungen vorangestellt: Jeder, der ein Projekt im Web startet, weiß, dass der Leser (oder sagen wir lieber User? Oder doch präziser Rezipient?) kaum bereit ist, für die Inhalte, die er das anschaut, hört, liest oder streamt, Geld zu bezahlen – also funktioniert eine Geldwährung im Netz erst mal nicht. Die Währung heißt Aufmerksamkeit. Wer Aufmerksamkeit generiert, der kann diese auch verkaufen (in welcher Form auch immer). Das verhält sich bei den klassischen Medien wie Radio und TV (hier von „neuen Medien“ zu sprechen, tat mir schon in den 90ern weh) genauso wie bei den Zeitungen und im Web.

Dort, wo sich Aufmerksamkeit sammelt, kaufen sich Unternehmen ein. Sei es mit Fläche, mit Zeit, mit welchen Volumina auch immer. Die Formen sind so bunt wie das Leben: Im Supermarkt kann man Käse, Joghurt, Schnaps oder Suppen kosten, im Fernsehen nervt einen ein blaues Sparschwein vor Mallotze-Kulisse, im Radio ein schwäbischer Körnerfutterhersteller, eine Autoglaserei oder ein Schweizer, der einem eine Ruhestandsfinanzierung überhelfen will, „natürlich kostenlos – Sie wollen Ihr Geld ja vermehren, odr“? Im Printbereich gibt es neben den klassischen Anzeigen auch Imagewerbung und seltsamerweise nicht zuletzt das Advertorial, das von PR- und Marketingexperten einmütig als weitgehend wirkungslos gesehen wird, weil der Leser es erkennt und sich behumbst fühlt. Allein an diesem Umstand lässt sich erkennen, dass eine Einflussnahme in redaktionelle Texte viel viel behutsamer vorzunehmen ist und um Welten subtiler zu funktionieren hat, um überhaupt Wirkung entfalten zu können.

„Klassische Medien“ leiden unter einem Rückgang der Anzeige- und Werbebuchungen. Das mag natürlich dem Umstand geschuldet sein, dass sich etliches an Aufmerksamkeit ins Web verlagert hat. Doch meiner bescheidenen Meinung nach ist das nicht der einzige Grund. Ich bin überzeugt, dass es mit zunehmender Anzahl an verfügbaren Medien und mit zunehmender Komplexität der Technik und der Bandbreite unterschiedlichster Inhalte auf der einen Seite und dem „überspannten Werbebogen“, also vielzahligen Reaktanzphänomena auf der anderen Seite einfach nichts mehr bringt, kommunikativen Druck aufzubauen. Heute verkauft, wer eine gute Reputation hat – also wer ein gutes Produkt von angemessener Qualität abliefert, nachhaltig und umweltbewusst wirtschaftet, ein guter Arbeitgeber ist und seine gesellschaftspolitische Verantwortung wahrnimmt. Beispielshalber haben Großkonzerne ein Scheißimage – in aller Regel mit vollem Recht. Wer es sich leisten kann, auf sich hält und Alternativen hat, kauft heute nicht mehr beim Konzern. Man geht heute einfach nicht mehr zu McDonalds. Man ist heute nicht mehr Kunde der Deutschen Bank. Man sauft kein Wasser von Nestlé. Das waren die 80er und die sind vorbei.

Es bedarf also einer anderen Kommunikationsstrategie. Zuerst litten die klassischen Medien, heute leidet auch das Web. Denn Banner, Links und Affiliate-Programme werfen – in Relation zur teuer generierten Aufmerksamkeit – kaum was ab. Das taten sie noch nie so richtig, in Zeiten da jeder Simpel einen AdBlocker nutzt, ist das Geschäftsmodell aber mausetot (Ich finde ja Banner á la „Bitte deaktivieren Sie Ihren Adblocker, denn davon leben wir und die Inhalte sollen doch auch weiterhin kostenlos bleiben“ herzallerliebst – wenn mir irgendwelche Zettelverteilspasemacken meinen Briefkasten mit bunt bedrucktem Totholz zustopfen, werfe ich den Scheiß doch auch in die blaue Tonne und lese diesen Rotz nicht auch noch aus Mitleid).

Was tun nun Unternehmen? Sie lassen z.B. Bewertungen und Testimonials von Agenturen fälschen, deren größtes Kapital eine Armada von Sockenpuppen ist. In aller Regel geht das gut. Wenn es nicht gut geht und auffliegt, ist die Reputation natürlich im Handstreich vernichtet. Viele gehen das Risiko ein.
Damit habe ich kein Leiden, weil die Medienkompetenz der Rezipienten wächst: Heute kauft niemand mehr ein Produkt bei Amazon, weil es viele „Fünf-Sterne-Bewertungen“ hat. Man liest die Bewertungen mit zwei und drei Sternen und überlegt, ob das beschriebene Manko nur auf einen defekten Einzelartikel, Schwellfuß oder zu breite Hüften bei der Slimfit-Jeans zurückzuführen ist oder ob ein echtes Manko angesprochen wird. Denn – auch das weiß jeder: Es gibt kein Produkt ohne Manko. Die Frage ist nur, wie sehr es mich stört. Ich lese also die Bewertungen und ermesse daran, ob ich mit dem Manko klarkomme. Wenn ich also magersüchtig bin, kaufe ich genau die Slimfit-Jeans, die der Mehrzahl der Kundinnen nicht passt.
Oder: Auf das erste, zweite oder dritte Advertorial ist wohl jeder reingefallen (und hat sich hernach verarscht gefühlt). Heute erkennt man das Advertorial auch dann aus zehn Metern Entfernung, wenn es für die Zeitung oder Zeitschrift extra angefertigt wurde und somit in keiner anderen Ausgabe erschienen ist. Wachsende Medienkompetenz. Für alle anderen gibt’s RTL und Sat Eins.

Also: Der Marketing-Mix funktioniert heute geringfügig anders als noch in den Eighties. Das ist nur noch nicht bei jedem angekommen und deshalb erleben wir in den Kommunikationskampagnen zur Zeit einige bizarre Stilblüten – besonders im Hinblick auf Kommunikation im Web. Nun hat das alles aber nur sehr randständig mit PR zu tun, allerdings sehr viel mit Werbung.

Woher kommt also der zentrale Irrtum, der auch in Deinem Text zwischen den Zeilen durchschimmert, Markus? Er kommt aus meiner Perspektive daher, dass es ein grässliches Missverständnis über die Funktion von PR gibt, die trotz einiger Paradigmenwechsel im Zuge der Ausbreitung des Internets noch immer persistiert: PR sei demnach dann erfolgreich, wenn es dem PRler gelingt, seine Message oder Werbung in den redaktionellen Teil eines Mediums zu lancieren. Der zentrale Vorteil dieses Vorgehens sei – abgesehen davon, dass es billiger ist, als Werbung zu buchen – der der höheren Glaubwürdigkeit, schließlich habe ja ein Journalist das Produkt oder die Dienstleistung als positiv berichtens- wie betrachtenswert unter allen konkurrierenden Angeboten auserkoren und das Produkt hielt auch noch allen kritischen Beurteilungen stand.

Der Witz an der Sache ist der: Es gibt in der Tat noch heute PRler, die so arbeiten. Das habe ich selbst gesehen. Es sind besonders Freelancer, die sich so gerieren. Sie müssen das tun, denn der lancierte Pressebericht ist in vielen Fällen die einzige Bemessungsgrundlage für den Erfolg ihrer Arbeit. Und: Es gibt noch heute Auftraggeber, die genau das wünschen und ordern. Und: Es gibt heute noch Journalisten, die sich von PRlern entweder über die Löffel balbieren (oder simpel kaufen) lassen.

Aber: Das alles hat auf die mittlere und lange Sicht keinen Zweck, denn alle Mühen des Dreigespanns aus PR, Redakteur und Auftraggeber werden von der Medienkompetenz des Rezipienten konterkariert. Und ich unterstelle, dass gerade die junge, gut gebildete und zahlungskräftige Klientel, die doch immer jeder haben will, verdammt medienkompetent ist (und umgekehrt: Wer sowieso zu Impulskäufen neigt, für den braucht es keine ausgeklügelte Kampagne, da reicht ein Display im Verkaufsraum).

Der oben zitierte, alte PR-Irrtum ist eine kommunikative Totgeburt. Sowas mag im Dunstkreis von Privatfernsehen, Omas „Rätsel- und Royal-Zeitschrift“ oder beim „Average-Antenne-Radio mit den Hits der 60er, 70er, 80er, 90 und dem Besten von Heute“ laufen – aber: Wayne?! Mundus vult decipi, ergo decipiatur.

Richtige PR arbeitet anders: Sie setzt feine Akzente – subtile Akzente. Wer auf dem Panel eine Pressekonferenz sitzt, ist oft entscheidender als ein einzelnes, griffiges Statement. Wenn ich einen Journalisten beeinflussen möchte, organisiere ich ein Presseseminar – hierüber berichtet in der Regel niemand und der Name meines Hauses wird in keiner Zeile erwähnt – aber meine Denke steckt in den Köpfen der Multiplikatoren. Ich beweise meine Kompetenz, und wenn der Zeitpunkt gekommen ist, wenn also Aktualität, Relevanz und Medialität zusammentreffen, dann bin ich der relevante Ansprechpartner, dessen Expertise gefragt ist – dann wird auf mich zugegangen. Dann ist für jeden erkenntlich, dass sich hier keine PR in den redaktionellen Teil gemogelt hat, dann kommuniziere ich frei von jedem Verdacht mein Produkt, meine Dienstleistung meine Ziele oder meine Haltung – oft nur implizit. Und um Größenordnungen erfolgreicher.

Das Problem: Damit habe ich mich einigen Journalisten oder gar in einigen Redaktionen als kompetenter Ansprechpartner empfohlen. Für mein Unternehmen ist das gut, aber das Medium hat noch kein Geld verdient.

Nun unterstellst Du, dass es da einen Deal zwischen Presse und Unternehmen gibt. Ein bisschen so wie in Kir Royal.

Du schreibst:

Ein großes Problem der etablierten Print- und Onlinemedien ist die starre Verknüpfung mit dem Anzeigenverkauf. Wer heute mit internen PR-Abteilungen von großen Unternehmen spricht, der bekommt schnell die Antwort, dass ein Bericht nur noch dann veröffentlicht wird, wenn auch parallel dazu eine Anzeige geschaltet wird, quasi ein indirektes Advertorial, das aber als solches von außen nicht zu erkennen ist. Warum diese Haltung? Weil die Medien ohnmächtig vor einer gravierenden Veränderung stehen, die mit den altbekannten Methoden nicht mehr zu lösen ist. (Quelle)

Ist es das, was die deutsche Medienlandschaft ausmacht? Ist es dieses „Ich scheiß´ Dich zu mit meinem Geld?“ Nun, wenn dem so wäre, dann hättest Du doch soviel, dass Dir das Thema gänzlich wurscht sein dürfte. Dann könntest Du dich vor PR-Angeboten nicht mehr retten. Wir Blogger wären alles Krösusse. Oder besser: Midasse – denn alles was wir anfassten würde zu Gold (und wir verhungerten dabei).

Es gibt in dieser großen Republik eine Handvoll Blogger, denen das mit dem Gold so halbwegs gelungen ist. Alle anderen Blogger haben weder kubikmeterweise Gold noch müssen sie verhungern, weil die Welt eben nicht so ist.

„Wer jetzt aufgeschreckt ist und mir Blasphemie unterstellt, dem sei gesagt, dass es heute bereits häufig so läuft, es traut sich nur keiner das offen auszusprechen.“, so sagst Du. Nö, das hat, wie das Video es zeigt, Franz-Xaver Kroetz bereits in den Achtzigern im Kern so dargestellt. Diese „Erkenntnis“ ist jetzt nicht so ganz taufrisch, sie ist es aber wert, von Zeit zu Zeit neu bewertet zu werden.

Ich kann nicht in Abrede stellen, dass die Berichterstattung über 4U 9525 in weiten Teilen weit über das Ziel der Information und Bewertung hinausgeschossen ist. Ich bin nach wie vor entsetzt, dass der Presserat in den meisten Fällen die vollständige namentliche Nennung und Abbildung des Copiloten gebilligt hat. Mit dem Tele auf Angehörigem auf weinende Kinder zu halten ist widerlich. Aber: Willst Du wegen dieser Verfehlung eine ganze Berufsgruppe angreifen? Zumal die Berichterstattung zwar von Sensationsgier und damit schlussendlich von kommerziellen (Verleger-)Interessen geleitet gewesen sein mag, wohl aber frei von jeglichem Verdacht einer kommerziellen Einflussnahme Dritter ist.

Wir leben in Zeiten, in denen unheilige Allianzen aus Rechtskonservativen, Nationalkonservativen und Neonazis die vierte Gewalt, die zum Erhalt unserer Demokratie bitter notwendig ist, mit einer bisher nichtgekannten Perfidität als „Lügenpresse“ diskreditiert. Das Manöver ist klar, es zielt auf die Abschaffung der Demokratie. Bei der Bewertung der Presse muss man vor dieser Folie immer sehr vorsichtig sein, denn auch kommerzielle Interessen können auf eine Unterhöhlung der Demokratie durch eine Unterhöhlung der Presse gerichtet sein („Wer vom Faschismus spricht, darf über den Kapitalismus nicht schweigen“). Das gilt auch und besonders für die Bewertung der Verquickung von journalistischen und kommerziellen Interessen.

Ich glaube aber nicht, dass wir soweit sind. Ich habe erst dieser Tage wieder zwei Redaktionsbesuche hinter mir und ich habe tatsächlich Vertrauen in die Presse. Ich sehe den potenziellen Konflikt der Verlagshäuser, große Anzeigenkunden in der Berichterstattung nicht allzu hart anzufassen, ich habe aber schon mehrfach Gegenteiliges erlebt. Ich kenne zudem die Präzision der Recherche in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Ich sorge mich nicht um die Unabhängigkeit der Presse. Und schließlich vertraue ich auf mich selbst, meine Urteilskraft und meinen Sachverstand: Ich hoffe darauf, dass ich erkenne, wenn ein Bratwurstjournalist sehr positiv über ein Laptop schreibt, das er vor Hersteller geschenkt bekam.

Deine Kritik, Markus, ist substanzieller: „Die Wissensgesellschaft hat die Inhalte überall verfügbar gemacht. Inhalte sind meist nur einen Klick weit entfernt.“, weiterhin schreibst Du „Einerseits ist Inhalt allgegenwärtig und somit nichts mehr wert, andererseits hat sich die Wertschöpfungskette gedreht.“ Ich kann dazu nur sagen: Ich sehe das nicht. Zum einen gibt es haufenweise Inhalte, die nicht per Klick verfügbar sind. Die Inhalte meiner Tageszeitung, der Nürnberger Nachrichten, zum Beispiel – die kommen zwar (verkürzt) zwei bis drei Tage später auf nordbayern.de „kostenlos“, aber in einer zwei Tage alten Zeitung wickelt man Fische ein, metaphorisch auch online. Viele Inhalte von Zeitschriften und Büchern sind nicht online habbar, viele Radiosendungen gibt es nicht als Podcast, zur Mehrzahl der Podiumsdiskussionen musst Du selber hinlaufen. Um einen Caspar David Friedrich zu sehen, musst Du nicht ins Germanische Nationalmuseum gehen und Eintritt bezahlen, den kannst Du dir online anschauen – das ist so als würdest Du Dich bewusst für Analogkäse entscheiden. Er sieht aus wie Käse und macht satt, schmeckt auch ein bisschen wie Käse (aber halt nicht so richtig).
Und zum Thema Geschäftsmodellwechsel: Ja, die Märkte sind enger geworden. Ja, auch in Nürnberg gab es ein Zeitungssterben. Aber alle regionalen Blogs könnten nicht annähernd die Themen abbilden, wie es die NN, NZ und Regionalzeitungen, das Studio Franken des BR, Radio Z oder Franken Fernsehen können. NN, NZ und Co. verkaufen weit über 250k Zeitungen per Tag. So viele einzelne echte Seitenaufrufe bringt der average Regionalblogger mit Müh´ und Not im Jahr zusammen. Demokratie benötigt eine freie Presse und deshalb gibt es bei uns ein duales Rundfunksystem, auch wenn ich den Rundfunkbeitrag nicht gerne zahle. Meinungsfreiheit bedeutet, dass das Pressegrosso mir auch Zeitungen liefern muss, deren Vertrieb eigentlich unwirtschaftlich ist. All das funktioniert. All das hat in den letzten zehn Jahren ordentlich Federn lassen müssen. All das überflügelt jedwede Bemühung im Bereich „Nur-Internet-Journalismus“ im Vorbeigehen. Die Umkehr des Geschäftsmodells – die gibt es nicht. Wenn heute Zeitungen dichtmachen müssen, dann doch, weil ihre Inhalte scheiße und/oder austauschbar waren – Konkurrenz im Internet gibt es für alles. Aber selbst wenn Du Die Infos aller Blogs und Portale, die sich mit Nürnberg befassen, zusammentrügest, hättest Du (tagesaktuell) nicht annähernd die Inhalte einer Zeitung. Was tust Du also? Du kaufst die Zeitung. Ob nun Totholz oder digital spielt dabei jetzt nicht so die Rolle. Es geht um die Inhalte. Leute zahlen für Inhalte – ob mit Ihren Daten, ihrem Zeitungsabo oder mit dem Rundfunkbeitrag. Sie zahlen.

Hier sind reine Online-Angebote leider ein bisschen im Nachteil – wer hier Geld einheben will, der braucht ein verdammt cleveres Geschäftsmodell. Die gibt es auch, ob sie hinreichend funktionieren, das möge jeder selbst beurteilen. Die meisten haben kein gutes Geschäftsmodell. Dafür kann aber der Journalismus nix.

„Die Umkehrung der Wertschöpfungskette lässt nicht mehr den Leser oder Zuschauer bezahlen, sondern den eigentlichen Nutznießer der Aufmerksamkeit: die Unternehmen.“ So ein Schmarren. Wer ist denn der Nutznießer der derzeitigen Berichterstattung über den Queen-Besuch? Die United Kingdom GmbH & Co. KG? Und was sollte die, wenn es sie denn gäbe, dann Deiner Meinung nach bezahlen? Nochmal: Wenn Deine Berichterstattung ausschließlich auf Rechnung der Unternehmen geht, dann fallen Deine Inhalte dem gleichen Ende anheim, wie das Papier, mit dem man mir tagtäglich meinen Postkasten zustopft: Es landet in der blauen Tonne, digitaler Müll landet im AdBlocker, im Spamreport, im Killfile… Gekaufte Berichterstattung ist Müll, der von der Medienkompetenz herausselektiert wird. Irgendwann fließt diese Medienkompetenz semantisch ins Web, das Google-Ranking bröselt weg und die Werbung landet da, wo noch alle Werbung landete: Im Orkus. Und dann hast Du keine Aufmerksamkeit mehr und damit auch kein Geld. Oder aber Aufmerksamkeit von Leuten, die Deine Kunden eigentlich nicht haben wollen, aber es gelingt Dir trotzdem, sie zu verkaufen. Dann bist Du gerissen oder es ist ein guter Hack. Dann gebührt Dir auch die Kohle.

Die Finanzierungsmodelle von Medien sind ganz unterschiedlich – und selten eindimensional: Zeitungen verdienen durch Anzeigenwerbung, Todesanzeigen, Kleinanzeigen. Sie verdienen durch den Verkauf. Oft gibt’s auch noch einen angegliederten Buchverlag. In den 1980er-Jajren haben sich sehr viele Zeitungsverlage an kommerziellen Lokalfunksendern beteiligt… Andere (Fach)zeitschriften finanzieren sich durch Werbung, Verkauf und dass sie offizielles Mitteilungsblatt von Vereinen oder Verbänden sind. Andere Medien erhalten Zuschüsse – und finanzieren sich daraus. Nur zu sagen, dass Unternehmen für Berichterstattung über sie bezahlen oder der Nutzer bezahlt den Inhalt ist an der Realität vorbei.

Das macht mir bei einer oberflächlichen Betrachtung nichts aus, aber die Implikation halte ich für saugefährlich.

NEIN, denn diese Inhalte sind nicht plump verpackt oder bestehen nur aus Werbebotschaften, nein, sie erzeugen beim Leser und Zuschauer einen Mehrwert in Form von Information und Erfahrungswerten und genau darauf kommt es an.

Stimmt nämlich nicht: Wenn ich einen Beitrag über ein Produkt lanciere, dann ist der Erfahrungswert in den Hintergrund getreten. Der ist selbst dann nicht mehr neutral, wenn nicht über ein einzelnes Produkt sondern eine Produktgattung berichtet wird und ich über ein placement mein Produkt als „Gattungsvertreter“ lanciere.

Und  nicht zuletzt:

Der Journalismus reagiert nur noch, er setzt keine Akzente mehr und auch sonst sind es eher Branchenfremde, die mit Ideen überzeugen können und die Leser auf ihre Seite ziehen.

Sorry, ich muss ganz entschieden widersprechen. Du kannst Journalismus nicht mit einer x-beliebigen Abteilung in einem x-beliebigen Unternehmen vergleichen. Natürlich reagiert der Journalismus, das ist seine Aufgabe, seine Pflicht! Würde er agieren, dann wäre es kein Journalismus sondern Propaganda! Deine Argumentation ist nicht ganz ungefährlich. Und: Das Internet ist voll mit Geschreibsel von Laien. Ich selbst betrachte mich übrigens trotz Journalistenschule selbst als Laie, weil ich nicht journalistisch arbeite (was sich auch mal ändern kann). Bloggen macht mir unter anderem deswegen Spaß, weil ich mich hier eben nicht an journalistische Maßstäbe halten muss – das erwartet hier nämlich keiner. Der Profi hingegen hält sich an diese Maßstäbe und weiß außerdem so zu schreiben, dass er Leser erreicht und Geld damit verdient. Der Profi hat die Leser auf seiner Seite – regelmäßig. Der Laie macht das Ganze zum Spaß. Ab und an. Er generiert damit ein bisschen Aufmerksamkeit. Das ist ok so.

Vergleiche mal die Mediadaten von SPON, nordbayern.de oder anderen mit den eigenen, mit denen der Ironblogger. Der Profi überzeugt tagtäglich mit Ideen und zieht die Leser auf seine Seite. Nichts für ungut, aber die Zahlen sprechen da eine so eindeutige Sprache, dass es da keinen interpretatorischen Spielraum gibt. Damit will ich nichts abqualifizieren – das eine ist Profijournalismus und das andere aktive und tiefe Teilnahme am Diskurs.

tl;dr

Zu professionellem Journalismus gehört eine geklärte, die Unabhängigkeit garantierende Finanzierung. Journalisten achten in der Regel darauf, nicht mit der Wirtschaft verquickt zu sein, Sie erkennen Interessenskonflikte und lösen diese auf.
Der Presse kommt eine demokratiestützende und –erhaltende Rolle zu.
Seriöse PR verzichtet auf direkte Eingriffe oder Eingriffsversuche in redaktionelle Teile. Geschäftsmodelle und Handlungen, die auf solche Eingriffe zielen sind verboten und unethisch.
Die komplexer werdende Medienlandschaft führt zu erhöhter Medienkompetenz. Ein angedachter Paradigmenwechsel hin zu einer Beauftragung der redaktionellen Inhalte durch Unternehmen scheitert als Geschäftsmodell, weil es langfristig nicht genug Aufmerksamkeit erzeigen kann. Es ist sogar gefährlich, weil es der Reputation des Auftraggebers abträglich ist und die beabsichtigte Wirkung durch Reaktanz ins Gegenteil verkehrt werden kann.

Es grüßt recht herzlich

Michi